"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Ihr Suchbegriff Verantwortung

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26.10.2018 Veröffentlicht von 0 Kommentare

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Stefanie Rösch

Ich unterstütze Menschen dabei, Ihre innere Freiheit zu erlangen. Angst hindert uns daran, Freiheit und Verantwortung sind der Gewinn, wenn wir unsere Ängste überwinden.
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Extremstress ist die Gemeinsamkeit in meinen Veranstaltungen, ob als Traumaschulung für Helfer oder als Deeskalationsseminar für Mitarbeiter in Behörden. Lesen Sie mehr.

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Meine Klienten und Seminarteilnehmenden haben mich viel gelehrt. Freiheit kann auch durch einen Impuls angestoßen werden. Vorträge sind das Mittel dazu. Mögliche Themen finden Sie hier.

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Als Traumatherapeutin hole ich jeden Menschen da ab, wo er oder sie gerade steht. Therapie ist für mich eine Schule der sozialen Fertigkeiten: Wie gehe ich mit mir und anderen gesund um? Neugierig?

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Erfahrungen sollen weitergegeben werden. Neben den Veröffentlichungen auf dieser Seite habe ich auch ein paar anderen Zeilen geschrieben. Lesen Sie weiter.

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Leserfrage: Ich möchte, dass meine Klientin sich sicher fühlt bei mir. Wie schaffe ich das?

25.02.2018 Veröffentlicht von Leserfragen, Strategien 0 Kommentare

Ich möchte demnächst eine Frau begleiten. Sie braucht jemanden, der mit ihr die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. Es ängstigt sie, allein zu fahren, ihre Vergangenheit kenne ich allerdings nicht. Ich habe keinerlei Erfahrung mit Menschen, die PTBS haben.
Ich möchte der Frau so angenehm wie möglich sein. Ich möchte ihr helfen und sie unterstützen, sodass sie sich bei mir sicher und wohl fühlt. Ich bin eine Studentin ohne derlei Erfahrung, (1) möchte aber nichts falsch machen. Gibt es irgendwelche speziellen Tipps, die Sie mir geben könnten?
Was mache ich, wenn sie von einem „Trigger“ plötzlich in einen Anfall (2) gedrängt wird, wie muss ich reagieren, damit es ihr schnell besser geht oder wie kann ich sie unterstützen, damit sie sich nicht in dem Anfall verliert, sondern entweder es selbst schafft, da rauszukommen oder dass ich ihr mit dem Gefühl von Sicherheit zur Hilfe komme?
Außerdem möchte ich ihr das Gefühl vermitteln, dass ich sie und die PTBS ernst nehme, ohne direkt so taktlos darüber zu sprechen (3) – ich empfinde es als taktlos von mir, sie direkt darauf anzusprechen. Ich habe gehört, dass man vor allem bei PTBS-Patienten, wie auch bei depressiven Menschen, sehr auf seine Wortwahl achten muss, weil diese Menschen die Worte meist (4) negativ interpretieren. Ich überlege deshalb schon die ganze Zeit, wie ich ihr diese Ernsthaftigkeit vermitteln kann. Haben Sie Tipps für mich? Hätten Sie generell Hinweise für mich, wie ich mich am Besten (5) verhalten soll? Mein Ziel ist nicht, sie zu therapieren, dafür hat sie ihre Therapeutin, sondern für sie ein Fels in der Brandung zu sein, während sie mit mir durch die Gegend fährt. Eine Vertrauensperson (6), eine Sicherheit, jemand, bei dem sie sich wohlfühlt, sich sicher fühlt.

Liebe Leserin,

das sind viele Fragen und es gäbe wirklich viel zu sagen. Ich habe die Fragen durchnummeriert, auf die ich antworten kann.

Zu (1) Sie können nichts falsch machen. Es liegt nicht in Ihrer Hand, wie der andere reagiert. Das ist auch nicht Ihre Verantwortung. Jeder ist nur für sich selbst verantwortlich. Für sein Verhalten, seine Gefühle und seine Gedanken. Selbst wenn Sie in der besten Absicht versuchen, Gutes zu tun, kann es beim anderen genau das Gegenteil bewirken. Wenn Sie anderen helfen wollen, dann geht es immer darum, herauszufinden, was das Beste für den anderen ist. Um das herauszufinden, muss man fragen und offen darüber reden. Es bedeutet auch, dem anderen nicht alles abzunehmen, um es einfacher zu machen. Manchmal heißt es nur Mut machen, damit der andere es selbst tut, auch wenn es ihm schwer fällt.

Zu (2) Trigger sind Reize, die eine Warnreaktion auslösen, einen Fehlalarm. Keinen Anfall. Ein Flashback ist kein Anfall, sondern ein Flashback oder eine Erinnerungsattacke oder eben ein Fehlalarm. Einen Fehlalarm beendet man am schnellsten mit der Hier und Jetzt Übung. Gut ist es, wenn Betroffene lernen, diese Übung selbst zu machen.

Zu (3) Es ist nicht taktlos, über eine psychische Störung zu sprechen. Es sollte normal sein. Wenn die betroffene Frau nicht akzeptiert und sieht, dass sie ein Handicap hat, dann kann sich nichts ändern. Zu akzeptieren, dass es so ist, ist ein wichtiger Schritt Richtung Gesundheit. Also lernen Sie zu fragen, was Sie wissen wollen oder wissen müssen. Die meisten Betroffenen wissen, was Ihnen hilft. Vor allem, wenn Sie schon länger mit ihrem Problem leben. Also kann man sie fragen. Offenheit und Ehrlichkeit sind die besten Berater. Außerdem gibt es in der Textreihe zur PTBS viele Hinweise und Strategien, die man eine nach der anderen Ausprobiert, bis man findet, was hilft.

Zu (4) Dass traumatisierte Menschen dazu neigen, Reize und vor allem auch Worte negativ zu interpretieren, ist eine Beobachtung, die oft zutrifft und einen guten Grund hat. Wer viel Gewalt erlebt, dessen Gehirn verallgemeinert die negativen Erfahrungen: Eine Person verletzt mich, alle Menschen sind gefährlich (Einmal immer Fluch). Vor allem, wenn es nicht bei einer Gewalterfahrung blieb, sondern wiederholt Verletzungen ertragen werden mussten, kommt es zu stabilen, negativen Verallgemeinerungen. Dazu kommen all den negativen Sätze, die jemand mit Gewalterfahrungen von seinem Täter oder seinen Tätern gesagt bekam: Dir glaubt sowieso niemand, wir finden Dich überall, Du bist nichts wert, Dich will sowieso niemand und so weiter.

Zu (5) Am besten ist man ehrlich und offen und transparent. Nicht um den heißen Brei reden, sondern die Dinge beim Namen nennen. Darüber reden, was Auslösereize = Trigger = Warnreize sind und wie man mit ihnen umgehen kann. Und niemals über den Kopf hinweg entscheiden, sondern immer entscheiden lassen, selbst in kleinen Dingen und selbst wenn es wiederholte Entscheidungen sind. Zum Bespiel frage ich meine Klienten jedes Mal neu, ob Sie etwas zu trinken möchten und wenn ja, ob es Wasser oder Tee sein soll. Selbst wenn die Person jedes Mal den gleichen Tee wollte, bekommt sie den von mir auch beim 13 Besuch nicht automatisch, sondern muss sich wieder und wieder bewusst dafür entscheiden. Das ist es, was jemandem mit Gewalterfahrung zeigt, dass er Dinge in seinem Leben mitbestimmen kann.

Zu (6) Vertrauen bedeutet, sich sicher fühlen können, weil man sich dafür entscheidet, dass der andere es wohlwollend meint. Sicherheit entsteht durch Vorhersehbarkeit, Vorhersehbarkeit entsteht durch Ankündigungen, Einhalten von Absprachen und Versprechen sowie durch eigene Entscheidungen. Eine große Aufgabe, wenn Ihr Gegenüber viel Gewalt erlebt hat.

Darüber hinaus braucht es Menschen wie Sie, die sich interessieren und sich nicht davon abschrecken lassen, wenn keine Veränderungen wahrnehmbar sind. Ein Heilungsweg kann lange dauern und ist von vielen Tiefen und kleinen Fortschritten geprägt. Es braucht also Menschen, die durchhalten.

Das wünsche ich Ihnen, dass Sie die Kraft haben, durchzuhalten.

StefanieRösch

23.01.2018 Veröffentlicht von 0 Kommentare

Stefanie Rösch.

Dipl.-Psych. (Jhg. 1070)

Was begeistert Dich?

Wenn ich sehe, dass jemand einen wichtigen Schritt Richtung Freiheit macht. Zum Beispiel sagte eine Klientin nach vielen Stunden Therapie und mit langjähriger Gewalterfahrung irgendwann in einem Gespräch plötzlich: „Ich bin doch ein freier Mensch. Das geht so doch nicht!“ oder jemand anderes sagte: „Ich bin nicht mehr ohnmächtig. Ich kann mich jetzt wehren. Weil ich verstanden habe, dass das Gesetz mich schützt und meine Rechte genauso wichtig sind wie die von anderen.“ Das sind Aussagen oder Momente, die mich begeistern. Da empfinde ich eine tiefe Freude darüber, dass jemand sich befreit hat von seiner Vergangenheit. Ich freue mich über den Sieg des einzelnen Menschen und seines freien Willens über die Überlebensmechanismen unseres Hirns, bzw. unseres Körpers.

 

Du bist als Notfallpsychologin und Traumatherapeutin in eigener Praxis tätig? Warum hast du dich auf die Behandlung von Traumata spezialisiert?

Anfangs, weil ich dachte, da dauern die Therapien nicht so lang. Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Anfangs dachte ich auch, dass es ein Bereich ist, in dem ich das Gefühl habe, tatsächlich helfen zu können.

Heute ist mir klar, dass ich es tue, weil es meine Berufung ist. Es hat mich zu diesem Thema gezogen, weil ich die Ohnmacht kenne, um die es da geht. Ich kenne diesen Mechanismus, dass Gedanken und Bilder auftauchen und man den Eindruck hat, diesen Empfindungen ausgeliefert zu sein. Ich kenne auch die Verzweiflung, die Ohnmacht auslösen kann. Ich glaube, deswegen kann ich viele Situationen gut nachvollziehen und spüre sozusagen, wo „der Knoten“ ist. Ich habe festgestellt, dass ich eine große Liebe für die Menschen habe und Zeit mit ihnen zu verbringen ist meine Art zu lieben. Das Gespür für die Ohnmacht und meine Nächstenliebe, gepaart mit psychologischem Wissen und therapeutischer Erfahrung machen mich zu der Traumatherapeutin, die ich bin. Zu anderen Problemen fehlt mir oft der Zugang. Dann unterstütze ich Menschen dabei, jemanden zu finden, der da besser Bescheid weiß als ich.

 

Gibt es etwas, das du von deiner Arbeit mit traumatisierten Menschen gelernt hast? Hat sich deine Sicht auf die Welt verändert? Falls ja, inwiefern?

Wahrscheinlich könnte man ein Buch über meine persönliche Reise und Entwicklung mit meinen Klienten schreiben. Hier nur ein paar Beispiele: Ich habe gelernt, dass Aufgeben keine Option ist. Wenn ich sehe, wie meine Klienten jeden Tag wieder aufstehen und ringen und kämpfen, dann inspiriert mich das, das gleiche zu tun. Ich habe gelernt, dass es immer Hoffnung gibt und wir uns dem Bösen in der Welt stellen dürfen. Ich habe auch akzeptiert, dass es das Böse gibt. Was nicht bedeutet, dass der Mensch böse ist, nur sein Verhalten kann es sein, wenn es das Leid eines anderen zum Ziel hat. Ich habe gelernt, dass die Liebe am Leben erhält, wenn jemand keinen Willen mehr zu leben hat. Ich habe gelernt, dass wir für andere durchhalten können. Und ich darf immer wieder erleben wie groß Gott in alledem ist. Mein Glaube hat sich mit meinen Klienten und durch meine Klienten vertieft.

 

Neben der Praxistätigkeit bietest du Fortbildungen zu den Themen Trauma, traumasensibles Arbeiten und Stress an. Außerdem unterstützt Du gemeinsam mit einem Kollegen im Rahmen von Deeskalationsseminaren Mitarbeitende von Städte und Gemeinden einen kompetenten Umgang mit schwierigen Kunden zu erlernen. Warum machst Du die Jobs, die Du heute machst?

Weil es mir Spaß macht und weil ich es kann. Weil ich tolle Leute kennenlernen darf. Weil ich Stress und die Stressreaktion spannend finde. Weil ich die Kreativität von Menschen beeindruckend finde und nie genug davon bekommen kann, wie jeder seinen Weg findet und wie unterschiedlich und einzigartig wir sind. Und auch weil ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene.

 

Was macht Dir an deiner Arbeit am meisten Spaß?

Dass ich so viel lachen darf und auch noch dafür bezahlt werde.

 

Du sagst „Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“. Was bedeutet Freiheit für Dich? Was bedeutet Verantwortung?

Freiheit bedeutet für mich, dass ich meinen freien Willen dazu benutze, mich von den schmerzlichen Altlasten und Gewohnheiten meines bisherigen Lebens zu befreien und inneren Frieden zu suchen. Verantwortung bedeutet für mich, vollumfänglich für mich und mein Leben verantwortlich zu sein, für meine Gedanken, meine Gefühle und mein Handeln. Ich allein verursache sie und ich allein kann sie beeinflussen und damit auch verändern. Wenn ich frei werden will, ist es in meinen Augen notwendig, für mich Verantwortung zu übernehmen; nicht nur für die guten Dinge, sondern oder gerade auch für die Automatismen/Gewohnheiten und unbewussten Abläufe in meinem Hirn und Körper und alles, was ich nicht an mir mag. Ich muss erstmal akzeptieren, wie ich bin. Und dann mache ich mich daran, das zu ändern, was ich ändern will. Im Idealfall mit Unterstützung und in kleinen, machbaren Schritten. Für den Rest meines Lebens.

 

Was wird Dein nächstes Projekt?

Mein aktuelles Projekt ist, mich noch mehr auf die Dinge zu konzentrieren, die mir wirklich wichtig sind und angefangene Projekte erstmal abzuschließen, wie zum Beispiel diese Homepage zu erneuern. Ein nächstes Projekt wird dann vielleicht endlich ein Buch zu meiner Seminarreihe Traumasensibles Arbeiten sein oder ein Einblick in meine therapeutische Arbeit. Mal sehen. Es gibt noch so viele Dinge zu tun.

 

Was würdest Du sagen, wenn die ganze Welt zuhören würde?

Wahrscheinlich würde ich versuchen alles zu wiederholen, was die Leute, die ich bewundere, gesagt haben: Vorbei ist vorbei. Fühle, was es zu fühlen gibt für 5 Minuten, oder auch 10, und dann schaue nach vorne und entscheide Dich dafür, Dich auf das zu konzentrieren, was Du beeinflussen kannst. Denke an die Menschen, denen Du begegnest, allen Menschen, und versuche freundlich und fürsorglich zu sein, ohne Dich selbst zu überfordern oder aufzuopfern. Lasse den anderen wie er ist und unterstütze ihn dabei so zu werden wie er werden möchte. Sei ganz du selbst und sei Dir bewusst wie wundervoll und einzigartig Du bist. Sei wer Du sein willst, ohne andere in ihrem Wohlbefinden zu beschränken. Liebe deinen Nächsten – wie Dich selbst – und deswegen sei besonders liebevoll zu Dir selbst.

Leserfrage: Schuldgefühle, Hilflosigkeit und unser beider Trauma

10.06.2017 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Der Ex-Freund meiner Freundin verübte im Februar dieses Jahr einen Mordversuch auf mich, während meine Freundin morgens kurz mit ihrem Hund draußen war. Der Täter hatte sich illegal einen Schlüssel zu ihrer Wohnung beschafft und besaß ein Gewehr.

Als meine Freundin vom Gassi gehen zurückkam, sah sie ihn noch im Treppenhaus. Er versuchte meine Freundin mit dem Gewehrkolben niederzuschlagen. Sie wich dem Schlag aus und im Hinauslaufen, rief er ihr noch zu, jetzt Selbstmord zu begehen, was er auch tat. Als sie bei mir war, rief sie: „Was hat er Dir angetan.“

Wenn ich Ihre Seite so lese, habe ich eine PTBS, glaube aber noch, sie selbst in den Griff zu bekommen, da mir weder Krankenhausseelsorger noch Traumaambulanz weitergeholfen haben, auch wenn die Vermeidungsstrategie in bestimmten Belangen bei mir vorherrschend ist. Meine Freundin leidet unter einer größeren Posttraumatischen Belastungsstörung, was mir sehr zu schaffen macht.

Weiterhin gibt sie sich eine Mitschuld, was natürlich rational nicht stimmt, ich hingegen spreche von einer Verantwortung von mir für mich und eine Mitverantwortung für sie, was die Zukunft anbelangt. Ich möchte verstehen, was in ihr vorgegangen sein kann, als sie diese Hilflosigkeit verspürte und möchte vermeiden, dass wir uns gegenseitig triggern, was natürlich als Gefahr vorhanden ist. Können Sie mir dazu Literatur empfehlen? Mir selbst reichen ihre Artikel über die PTBS, um an mir weiter zu arbeiten.

Lieber Leser,

jeder Mensch reagiert anders auf hilflose Momente. Der eine kann vielleicht ganz gut ertragen, dass er wenig oder nichts tun kann, wenn er angegriffen wird. Einen geliebten Menschen fast zu verlieren, ist eine ganz andere Herausforderung an unsere Bewältigungsfähigkeiten. Vor allem, wenn man sich verantwortlich fühlt, was Sie ja beide auf Ihre Art tun. Ihre Freundin fühlt sich für das Verhalten des Täters verantwortlich und Sie für das Befinden/ die Lebenszufriedenheit/ die Sicherheit ihrer Freundin in der Zukunft. Beides ist wie Sie schon richtig festgestellt haben so nicht richtig und nicht hilfreich, wenn die schwierigen Dinge im Leben passieren.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, warum wir uns verantwortlich und damit überhaupt erst schuldig fühlen: Wir können uns nur schuldig fühlen oder schuld sein, wenn wir uns auch verantwortlich fühlen oder verantwortlich sind. Verantwortlich können für nur für etwas sein, das wir auch kontrollieren können, auf das wir also nahe 100% Einfluss haben.

Was der Täter macht, darauf hat Ihre Freundin 0% Einfluss und damit auch keine Schuld. Das gleiche gilt für die Sicherheit/Lebenszufriedenheit oder das Befinden Ihrer Freundin. Wie es ihr geht, dass hängt zu 100% von Ihrer Freundin ab. Es hängt davon ab, wie Sie eine Situation erlebt und interpretiert. Das bestimmt, wie es ihr geht. Ihre Sicherheit hängt davon ab, ob irgendjemand entscheidet, ihr Böses zu wollen, oder aber von unglücklichen Umständen wie bei einem Unfall.

Wofür wir tatsächlich verantwortlich sind, ist unser Verhalten, unser Befinden und teilweise sicher auch unsere Gesundheit. Nur wir können uns heilen. Unser Körper kann das und unser Verstand/ unsere Seele können das. Niemand sonst.

Wir fühlen uns schuldig, weil es uns die Illusion ermöglicht, wir hätten mehr Einfluss auf das Leben als wir rein rational haben. Wir wollen unsere positive Kontrollüberzeugung (wie Psychologen das nennen) aufrechterhalten. Ohnmachtserfahrungen passen da nicht so recht dazu. Im Grunde müssten wir davon überzeugt sein, dass ich zu 99% Einfluss auf mein Leben habe und es gleichzeitig Dinge gibt, die passieren, ohne dass ich einen Einfluss darauf habe. Dann wäre es leichter mit solchen Erfahrungen umzugehen, wie Sie beide Sie erleben mussten.

Schuldgefühle sind gefährlich, weil Sie uns dazu verleiten, zu oft in die Vergangenheit zu schauen. Das macht uns unweigerlich immer wieder ohnmächtig, weil wir die Vergangenheit nicht ändern können. Ein zweiter Grund, warum ich Schuldgefühle für gefährlich halte ist, dass Sie uns etwas vormachen. Sie bestärken uns in der Phantasie, mehr Einfluss zu haben, als wir tatsächlich haben. Damit berauben sie uns der Möglichkeit, tatsächlich neue und hilfreichere Strategien zu lernen. Neue Strategien lernen wir nur, wenn wir akzeptieren, dass die bisherigen nicht ausgereicht haben. Ich weiß, ich kann das Risiko mit neuen Strategien weiter minimieren, auch wenn ich nicht für 100%ige Sicherheit sorgen kann. Schuldgefühle können uns von diesem gesunden Wachstumsprozess abhalten und dazu auch noch krankmachen. Deswegen ist es gesund, sich der Realität zu stellen, auch wenn es uns unangenehm ist oder zuerst Angst macht.

Wie Ihre Freundin sich gefühlt hat, müssen Sie Ihre Freundin fragen. Da diese Erfahrungen einzigartig sind und die Menschen auch, kann Ihnen außer Ihrer Freundin niemand sagen, wie es ihr ging.

Es wird auch nicht möglich sein, sich nicht gegenseitig zu erinnern und damit Fehlalarme (Erinnerungsattacken) auszulösen. Mal abgesehen davon, dass das auch nicht hilfreich ist. Im Gegenteil. Über die gemeinsame Erfahrung zu sprechen und darüber, wie sie sie überlebt und bewältigt haben, ist hilfreich. Sich zu sagen, wie es einem damit gegangen ist und die Gefühle nochmal zu spüren und auszudrücken, hilft dem Gehirn auszusortieren, welche Erinnerungsreize gute Warnreize sind und welche nicht (Zum Thema Warnreiz gibt es hier ausführliche Informationen: PTBS 2 – PTBS 5). In Ihrem Fall wird es so gut wie keine wirklich hilfreichen Warnreize geben, weil der Täter sich selbst gerichtet hat und damit keine Gefahr mehr darstellt.

Der einzige echte und hilfreiche Warnreiz, den ich mir aus Ihrer Schilderung vorstellen kann ist: „Mann mit Gewehr“ oder „Mann mit Waffe“. Wenn Ihr Gehirn wieder einen Mann mit Gewehr sieht, dann ist es gut, wenn es Alarm schlägt, damit Sie sich frühzeitig in Sicherheit bringen können. Alles andere, was eine Erinnerungsattacke (= Fehlalarm) auslöst, macht sehr wahrscheinlich keinen Sinn als Warnreiz (z.B. die Wohnung, das Treppenhaus oder etwas anderes) und wird deswegen über die Zeit hinweg mit neuen Erfahrungen und der bewussten Auseinandersetzung mit der Erfahrung verschwinden. Vermeidungsverhalten verzögert oder verhindert diesen Heilungsprozess, der im Grunde nur ein Sortier-Prozess ist: Das Gehirn sortiert gute und nutzlose Warnreize aus.

Insofern möchte ich Sie dazu ermutigen, über das Erlebte zu reden oder es aufzuschreiben, vielleicht nach den „Spielregeln“ von James Pennebaker (Schreiben hilft), der wissenschaftlich nachgewiesen hat, dass das Schreiben mit Gefühlen und Bedeutungen des Erlebten zu mehr Gesundheit und Lebenszufriedenheit führt.

Helfen Sie Ihrem Gehirn, die Erfahrung in Ihr Leben einzusortieren und zwischen guten und nutzlosen Warnreizen wieder unterscheiden zu lernen.

Ich wünsche Ihnen beiden viel Kraft für Ihren Weg.

Praxis

14.02.2017 Veröffentlicht von 0 Kommentare

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14.02.2017 Veröffentlicht von 0 Kommentare

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Lesestoff: Natascha Kampusch: 10 Jahre Freiheit

19.10.2016 Veröffentlicht von Lesestoff 1 Kommentare

Nachdem Sie mit 3096 Tage über die Zeit ihrer Gefangenschaft berichtete, erzählt Frau Kampusch nun über ihre ersten 10 Jahre in Freiheit.

Mich hat auch dieses zweite Buch sehr berührt, weil es meine Erfahrung als Traumatherapeutin bestätigt, dass starke Opfer es besonders schwer haben.

Ein „starkes Opfer“ ist ein Mensch, der etwas Grausames überlebt hat und alles daran setzt, das hinter sich zulassen und ein gesundes und freies Leben zu leben.

Keine leichte Aufgabe bei all der Neugier der Medien im Fall von Frau Kampusch. In anderen Fällen sind es die Täter (ja, Mehrzahl!!), die Betroffene nicht in Ruhe lassen, oder aber der Kampf mit den Behörden um die Anerkennung und damit Entschädigung für das Erlittene, die einen Gesundungsprozess behindern.

Frau Kampusch beschreibt sehr eindrücklich, dass man sich nicht aufhalten lassen muss. In Ihrem Buch schildert sie, welche grotesken Formen das mediale Interesse annehmen kann und wie viele „dumme Menschen“ es gibt, um es mit den Worten von Herrn Dr. Piper zu sagen. Herr Piper, Traumaexperte, sagte dies über all die Menschen, die Frau Kampusch anfeinden und ach so gerne ihr Los mit ihr tauschen würden, um 8 Jahre eingesperrt, immer wieder gedemütigt, missbraucht und in Lebensgefahr gebracht zu werden, um sich dann mit Menschen herumschlagen zu müssen, die weiterhin über ihren Kopf hinweg entscheiden, besser wissen, was gut für einen ist, um Geld für etwas zu bekommen, dass man nicht kaufen kann: Eine freie, unbeschwerte Kindheit mit normalen Problemen und Erfolgen, im Kreise einer Familie und umgeben von Freunden.

Es geht mir immer wieder zu Herzen, wenn das Umfeld so gar nicht einschätzen kann, welchen Mut jemand wie Frau Kampusch jeden Tag aufbringen muss, um den Alltag zu überstehen.

Natürlich kann ich all dies nur vermuten und ziehe diese Vermutungen aus den beiden Büchern und vergleiche ihre Aussagen mit den Aussagen meiner Klienten. Ich hoffe, ich tue ihr damit nicht genauso Unrecht wie so viel andere.

Aber wenn man dieses Buch mit offenem Herzen liest und nicht mit der Unzufriedenheit über das eigene Leben und entsprechendem Neid, dann ist es das Zeugnis einer wirklich starken Frau, die mir immer wieder Mut macht, meine Klienten weiter zu begleiten, auch wenn es manchmal schwer ist – für uns beide. Immer wieder zu fragen, was Ihnen gut tut anstatt über sie zu bestimmen und immer wieder darin zu bestärken, dass die eigenen Wahrnehmungen und Entscheidungen gut sind, weil sie einzigartig sind und Eigenverantwortung bedeuten. Nicht unbedingt, weil sie immer das gewünschte oder erhoffte Ergebnis bringen.

Danke, Frau Kampusch, für Ihre Offenheit und für den Mut, uns alle an Ihrer Geschichte soweit teilhaben zu lassen, wie Sie es für richtig halten. Bleiben Sie sich weiter so treu wie bisher und geben Sie nicht auf!

Insofern kann ich beide Bücher nur allen empfehlen, die ein klein bißchen nachvollziehen wollen, welche Herausforderungen das Ausgeliefertsein mit sich bringt und wie man darin überleben kann.

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Achtung Gott: Leserfrage: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern? (2)

27.08.2016 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Leserfragen 2 Kommentare

Die Frage nach der Vergebung im Heilungsprozess hat mich nun einige Wochen beschäftigt. Neben dem letzten Artikel entstand ein zweiter, den ich Ihnen heute zum Nachlesen und Nachdenken anbiete.

Liebe Leserin,

Erwartet Gott von uns, dass wir vergeben?

Ja, das ist so. In Matthäus 6, 9–15 steht das Vater unser:

Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

Und der nächste Vers lautet:

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Ja, das ist wirklich eindeutig für mich. Er will, dass wir vergeben. Und es ist ihm so wichtig, dass er es gleich nachdem er uns sein Gebet gegeben hat, nochmal darauf hinweist, dass Vergebung ein ganz zentraler Punkt ist.

ABER: Ich glaube, er will die Vergebung für die, die unter der Schuld leiden, die Opfer. Ich weiß nicht, ob es wirklich möglich ist, dass der Täter sich vergeben und frei von Schuld fühlt, wenn wir sagen: Ich vergebe Dir! Das würde in meinen Augen voraussetzen, dass er selbst seine Schuld sieht und Verantwortung dafür übernimmt und entsprechend darunter leidet, weil ihn sein Gewissen plagt. Dann aber, würde er doch von sich aus kommen wollen, um seine Reue zu zeigen. Dann würden Sie wissen, dass die Reue echt ist und dann würde auch etwas geschehen in Ihnen beiden, wenn er um Vergebung bittet und Sie sie gewähren können. Das wäre heilsam.

Doch das passiert leider nicht immer. Daher denke ich auch, dass der Täter seine Schuld mit Gott klären muss. So wie wir nur in Eigeneverantwortung gesund werden.

Bei der ganzen Sache mit der Gewalt und der Vergebung und Schuld und allem, was damit zusammenhängt, geht es oft nur darum, Macht zu haben und sich nicht ohnmächtig fühlen zu müssen. Ich frage mich: Fühlt sich ein Täter nicht selbst ohnmächtig, um Gewalt gleich welcher Art zu machen? Sieht er nicht, dass das sein Problem der Machtlosigkeit nicht löst, sondern nur kurzfristig befriedet, so wie ein Schluck Wasser den Durst für ein paar Minuten?

Ist Vergebung nicht die befreiende Möglichkeit, die Ohnmacht auf Seiten des Opfers an den Täter zurückzugeben? Wenn ich vergebe, dann entscheide ich. Ich allein. Ich bin nicht auf den Täter angewiesen, um meinen inneren Frieden und Gesundheit wiederzufinden.

Wenn ich darauf warte, bis er bereut, was er mir angetan hat, dann bleibe ich abhängig und vor allem ohnmächtig. Und der Täter bleibt in der Macht. Aber wenn ich mich löse und abwende, dann kann ich wahrlich frei werden. Und Freiheit ist es, was Gott für uns will. Glauben Sie nicht auch? Galater 5 erinnert uns immer wieder daran, dass wir zur Freiheit berufen sind.

Außerdem will er aus dem Leid etwas Gutes wachsen lassen. Das verhindern wir, wenn wir uns nicht auf den Weg der Heilung machen und ihn nicht bis zu Ende gehen.

Was kann aus dem Leid denn Gutes erwachsen?

Das fühlt sich oft und lange vielleicht nicht so an, aber es geschieht ganz automatisch, fast wundersam, wenn man seinen Heilungsweg einfach Schritt für Schritt geht. Gott ist groß. Er wird Ihnen zeigen, wozu er Ihre Verletzungen nutzen will und wie er etwas Gutes daraus entstehen lässt, sowohl für Sie wie auch durch Sie für andere.

Alleine dass Sie den Mut hatten, mir zu schreiben und mich nach meinen Gedanken zu fragen, ermöglicht es jemand anderem, der diesen Mut nicht hatte, trotzdem meine Antwort zu lesen und auf diese Weise vielleicht Heilung zu erfahren. Alleine weil Sie schon so viel Therapie gemacht haben, dass Sie sich trauen konnten, diese wichtige Frage zu stellen. Das ist es, wie Gott in unser Leben spricht.

Vielleicht wäre es leichter, wenn Sie wüssten, was Gott durch Ihr Leid und Ihr Ringen um Gesundheit bereits in anderen Menschen bewirkt hat. Das erfahren wir oft nicht, aber wir dürfen sicher sein, dass er das tut. Genauso hat er Ihnen eine Super-Therapeutin an die Seite gestellt. Auch wenn sie keine Christin ist, lernen Sie dort, was es braucht, um mit den Fehlalarmen Ihres Hirns umzugehen und innere Freiheit von der Vergangenheit zu erlangen. Da hat Gott für Sie gesorgt. Bestimmt tut er das auch an anderen Stellen, von denen ich nichts weiß, oder?

Was wäre, wenn Ihr Leid und Ihr Gesundungsweg dazu beitragen oder überhaupt erst ermöglichen, dass andere gerettet werden oder zu Gott finden? Was, wenn Sie einen Weg finden, anderen voranzugehen, anderen Mut zu machen, andere zu berühren mit Ihren Lebenserfahrungen und Gottes Hilfe? Was wenn Sie anderen erzählen, wie groß Gott in Ihrem Leben ist und wie er Ihnen auf jedem Schritt beigestanden ist, weil Sie es sehen können, wie es tatsächlich war, weil Sie spüren können, dass das die Wahrheit ist? Könnte das Handeln des Täters nicht genau in das Gegenteil von dem umschlagen, was Satan damit bewirken wollte? Es würde Liebe entstehen, wo Zerstörung gedacht war. Es würde Leben entstehen, wo seelischer Tod geplant war. Wäre das Verhalten des Täters dann noch wichtig, wenn Sie sehen könnten, wie Gott allem Sinn gibt und alles nutzt, um das Böse in der Welt durch Sie zu besiegen? Dabei ist er auf Sie angewiesen. Sie sind wichtig! Genau so wie Sie sind. Alles, was es dazu braucht, ist weiter jeden Tag aufzustehen, Therapie zu machen und Schritt für Schritt gesund zu werden und damit Ihrer Umwelt zu beweisen, dass der Plan des Täters versagt hat und Sie die Siegerin sind. Weil Gott Ihnen die Fähigkeit gegeben hat, ihre Gedanken zu erneuern und damit zu einem neuen Menschen zu werden.

Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn, und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. (Epheser 4, 23)

Das erreichen Sie allein dadurch, dass Sie weitermachen wie bisher. Großartig, das gefällt mir!! Ich kann schon wieder sehen, wie Gott sich freut und Satan wie Rumpelstilzchen am Zornen ist, weil Sie diese Zeilen lesen. Das tut so gut. Auch mir.

Sehen Sie, schon ist etwas Gutes entstanden, auch bei mir. Danke dafür!

Ich wünsche Ihnen weiterhin Mut und Durchhaltevermögen und bete, dass Gott Ihnen die Heilung zuteilwerden lässt, nach der Sie sich sehnen und die er im Sinn hatte als er Sie schuf. So soll es sein!

Herzliche Grüße, Stefanie Rösch

Achtung Gott: Leserfrage: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern? (1)

13.08.2016 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Leserfragen 2 Kommentare

Ich bin Opfer von Missbrauch und Vernachlässigung und arbeite mit einer sehr guten Traumatherapeutin. Leider ist sie keine Christin. Ich aber schon. Mein Problem ist, ich bete das Vaterunser. Bei dem Wort „Vater“ denke ich „himmlischer Vater“. Das hat geholfen. Die Trennung zwischen den zwei unterschiedlichen Vätern.

Aber dann kommt „vergib unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..“ Ja, da ist das Problem. Ich spreche das aus, kann aber nicht vergeben – zumindest nicht umfassend. Wie soll ich etwas (umfassend) vergeben, was ich nicht weiß? Letztens wurde mir eine CD mit einer Predigt gegeben. Sie enthielt die Geschichte von dem Knecht dem von seinem Herrn ein riesiger Schaden vergeben worden ist und der kurz danach seinem Mitknecht eine kleine Sünde nicht vergab (Matthäus 18, 23 -25). Es tut weh, denn ich nehme meinen Glauben ernst. Ich wurde mich freuen, Ihre Sicht zu lesen. Vielen Dank

Liebe Leserin,

Danke für Ihr Vertrauen und Ihre Frage. Vergebung ist tatsächlich ein Thema, das uns Christen immer wieder sehr beschäftigt und bei dem ich als Therapeutin immer wieder erlebe, dass man von Betroffenen erwartet, den ersten Schritt vor dem zweiten zu gehen.
Aus meiner Erfahrung heraus, ist Vergebung der letzte Schritt in einem oft langen Heilungsprozess. Nicht der erste. Folgende Überlegungen dazu:

1.    Die Unschuldsvermutung
Ich kann nur eine Schuld vergeben, wenn ich sicher weiß, ob es etwas geschehen ist, das Schuld für den Verursacher bedeutet. Wenn ich es nicht sicher weiß, dann gehe ich persönlich erstmal von der Unschuldsvermutung aus: Was ich nicht erinnere, ist erstmal nicht geschehen. Wenn es in meiner Erinnerung oder in meinen Symptomen keinen Hinweis auf einen Schuldigen oder schuldhaftes Verhalten gibt, dann gehe ich davon aus, dass nichts geschehen ist. Ich muss nicht annehmen, dass mehr geschehen ist als ich erinnere. Das ist meine Entscheidung und diese Entscheidung fälle ich zu meinen und als Christin auch zu Gunsten des Täters, indem ich davon ausgehe, wenn ich nichts erinnere, dann ist auch nichts geschehen, was mein Leben negativ beeinflusst. Im Grunde halte ich mich damit auch an unser Deutsches Recht.
Wenn ich mich dann irgendwann erinnere, dann setze ich mich damit auseinander. Wenn ich Beschwerden habe, dann habe ich Erinnerungen, egal auf welcher Ebene: Bilder, Geräusche oder Gesagtes, Gerüche, einen Geschmack oder auch eine Körpererinnerung. Dann muss ich mich damit auseinandersetzen.

2.    Anerkennen
Wenn ich erfahre, weil ich mich erinnere, dass ich zum Opfer gemacht wurde, dann ist der erste notwendige Schritt in der Heilung in meinen Augen die Anerkennung der Erfahrung: Es ist wirklich passiert. Das ist oft nicht einfach, weil der Mensch nicht möchte, dass Schlimme Dinge passieren. Wir wollen nicht ohnmächtig sein und möchten am liebsten leugnen, was uns zugestoßen ist. Aber es ist wichtig sich selbst einzugestehen: Ja, das ist mir passiert.

3.    Verantwortung übernehmen
Der nächste Schritt ist für mich zu beobachten, welche Auswirkungen das Erlebte auf mich hat und welche Gefühle damit verbunden sind. Es gibt immer Ohnmacht, Wut und Angst. Manchmal gibt es auch verwirrendere Gefühle wie Erleichterung, Scham, Erregung. Es ist wichtig, alle Gefühle zu spüren und anzuerkennen, zu würdigen und auszudrücken. Dazu gehört für mich auch, die Verantwortung für diese Reaktionen und die Beschwerden zu übernehmen. Ich kann nicht schlafen, ich bin gereizt, ich falle immer wieder zurück in alte verhaltensweisen, ich trinke, ich nehme Medikamente, ich habe die Erinnerungen, ich habe die Schmerzen, ich empfinde all das, also sind all diese Beschwerden allein meine Verantwortung. Das macht keine Aussage über die Schuld. Nur darüber, wer die Macht hat, Veränderung zu bewirken.

4.    Heilung: Beschwerden besiegen
Niemand außer uns selbst kann die psychischen und körperlichen Folgen jeglicher Verletzung heilen– mit Gottes Hilfe. Gott hat uns die Macht zur Heilung mitgegeben: Der Körper heilt sich selbst. Behandler können nur die Bedingungen verbessern, manchmal bis zu dem Punkt, dass Heilung überhaupt erst möglich wird. So hat Gott uns auch die Fähigkeit zu einem gesunden und vernunftbegabten Geist gegeben (2. Timotheus 1,7), der es uns erlaubt, Macht über uns selbst zu haben. Wir sind zur (inneren) Freiheit berufen (Galather 5, 13 ff). Die Methoden der körperlichen Heilung hat unser Körper bereits mitbekommen. Für die psychologische Seite gibt es Psychotherapeuten, die einem heilsame Strategien beibringen.

5.    Vergebung: Erkennen, dass der Täter keine Macht hatte
Wenn es mir dann besser geht und ich die Folgen und Symptome bereits am Besiegen bin, dann kann ich mich nochmal der Ursache, dem Täter zuwenden. Dann aber hat er nicht mehr die Macht, weil ich mir die Macht über meine Gesundheit bereits erobert habe. Dann gibt es zwar noch eine Schuld, da der Täter die Ursache für mein Leid gesetzt hat, aber ich habe entschieden, was ich daraus mache. Jeden Tag wieder neu.
Was immer er bewirkt hat, darüber hatte er nie Macht, sondern immer nur ich. So gibt es nichts mehr, was der Täter tun kann, um seine Schuld zu begleichen. Denn die Symptome hätte er sowieso nie wegnehmen können. Das war immer mein Job und meine Freiheit als Betroffene oder Betroffnener.
Das ist der Zeitpunkt im Heilungsprozess, an dem ich vielleicht und hoffentlich erkennen kann, dass auch der Täter nur aus seiner Vergangenheit heraus gehandelt hat, sich vom Bösen hat zur Angst verführen lassen und aus der Angst heraus anderen Angst und Leid zugefügt hat. Wenn ich das erkenne, dann kann ich, das ist meine (Rösch) ganz, persönliche Erfahrung, anfangen zu vergeben. Dem Täter die Schuld zu erlassen, weil ich sehe, dass alles, was ich jetzt noch tue, ist mich selbst an den Täter zu binden, wenn ich weiter auf die Schuld schaue, die nicht beglichen werden kann. Ich mache mich selbst ohnmächtig. Ich unterstelle mich dem Täter und seinem Handeln, anstatt die Freiheit in Anspruch zu nehmen, die Gott mir zugesagt hat.
Ich stelle mir das so vor als wenn der Täter insolvent geworden ist. Da ist nichts mehr (Gerechtigkeit / Wiedergutmachung / Begleichung der Schuld) zu holen, weil der Täter (emotional, spirituell) bankrott ist. Also erlasse ich ihm seine Schuld und gebe die Schuld an Gott ab (bei der irdischen Insolvenz schalte ich die Behörden ein). Dadurch löse mich vom Täter. Ich kann weitergehen und jemand anderes kümmert sich um die Schuld. In unserem Fall Gott.

Ich vertraue – inzwischen – tief darauf, dass Gott für Gerechtigkeit sorgt, wo es uns nicht möglich ist. „In meinem Himmel“ ist ein Film, der mit dieser Gerechtigkeit endet, auch wenn das vielleicht nicht das Erzählziel des Filmemachers war. Aber es ist das, wie ich dieses Ende verstehe. Gott sorgt für Gerechtigkeit. Weitere Filme, die mir mit dem Thema Vergebung geholfen haben sind Grace Card (Filmbesprechung) und Philomena (Filmbesprechung).

Ich glaube auch, dass es einfach wichtig ist, genau das zu tun, was Sie getan haben: Andere zu fragen, wie sie mit diesem Thema umgehen und Gott auch auf diese Weise eine Möglichkeit zu geben, zu uns zu sprechen. Mal abgesehen davon, dass ich tief und fest glaube, dass Gott uns vor allem dann weiterhilft, wenn wir nicht mehr weiterwissen. Solange wir es selbst lösen können, traut er uns zu, es auch selbst hinzukriegen. Er glaubt ja an uns. Er weiß, was wir können. Er hat uns geschaffen. Er hat seine ganz eigene Art, uns dann zu überraschen und zu ermutigen, wenn wir schon fast nicht mehr glauben wollen, dass er da ist.

Ich wünsche Ihnen und allen, die auch mit dem Thema Vergebung ringen, heilsame Begegnungen und Gottes Segen.

Ihre Stefanie Rösch

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Noch mehr Sinn: Gerechtigkeitssinn

05.06.2015 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Als ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, war mir klar, dass ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe, aber ein paar andere interessante Aspekte durfte ich erst noch „erdenken“ und entdecken. Vor allem war erstmal die Frage, was denn Gerechtigkeit ist, sprich das wofür wir diesen Sinn haben?

  1. Der Begriff der Gerechtigkeit bezeichnet einen idealen Zustand des sozialen Miteinanders, in dem es einen angemessenen, unparteilichen und einforderbaren Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern und Chancen zwischen den beteiligten Personen oder Gruppen gibt. Sagt Wikipedia.
  2. Für Gerechtigkeit braucht es mindestens zwei Parteien. Es geht darum (siehe oben), etwas aufzuteilen und das auf eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Art zu tun. Das wiederum bedeutet nicht, dass es für alle das Gleiche sein muss, auch wenn das unsere einfachste Form von Gerechtigkeitsempfinden ist (siehe Kohlberg weiter unten). Das ist die Auge-um-Auge-Mentalität. Alle Kinder wollen gleich viele Bonbons oder Taschengeld. Aber als Eltern ist schnell klar, dass das nicht unbedingt gerecht ist. Wieso sollte ein fünfjähriges Kind so viel Taschengeld bekommen wie ein 10-Jähriger?
  3. Schaut man sich in der Gerechtigkeitspsychologie um (Abriss der Gerechtigkeitspsychologie) wird schnell klar, dass wir ein Gerechtigkeitsempfinden, einen Gerechtigkeitssinn haben, ohne dass dieser klar beschrieben wird. Allerdings gibt es viele Faktoren, die darauf Einfluss haben, ob wir etwas als gerecht oder ungerecht wahrnehmen, wie zum Beispiel die Wahrnehmung von Einfluss auf eine wichtige Entscheidung oder das Wissen darüber, wie eine Entscheidung zustande gekommen ist. Ein schönes Beispiel dafür sind Rechtsentscheidungen: Wir wissen ungefähr, wie sie zustande kommen, haben aber kein Mitspracherecht bei der Entscheidung. Kein Wunder, dass wir Entscheidungen, die uns persönlich betreffen, immer wieder als ungerecht empfinden.
  4. Gerechtigkeitsempfinden und Moralische Entwicklung werden von Lawrence Kohlberg gleichgesetzt. Demnach gibt es eine Entwicklung des Gerechtigkeitsempfindens. Im Detail, hier nachzulesen.
  5. Ein wie ich fand spannender Hinweis für diese Entwicklungstheorie ist folgende Erkenntnis: Neueste Forschung zeigt, dass Kinder im Alter von 3 Jahren bereits wissen, wie sie etwas aufteilen sollten (Regel, um Gerechtigkeit herzustellen), es aber nicht tun. Erst ab einem Alter von 7 bis 8 Jahren erkennen Kinder den Wert der Regel und handeln auch danach, so die Ergebnisse dieser Studie (Spiegel-Aritkel auf Deutsch und Orginal-Forschungsarbeit: Smith CE, Blake PR, Harris PL (2013) Correction: I Should but I Won’t: Why Young Children Endorse Norms of Fair Sharing but Do Not Follow Them. PLoS ONE 8(8): 10.1371/annotation/4b9340db-455b-4e0d-86e5-b6783747111f.

Ich finde schon länger den Gedanken spannend, dass es gerecht ist, wenn jeder das bekommt, was er braucht auf dem Hintergrund eines friedlichen Zusammenlebens und der gegebenen Möglichkeiten.

All das beschreibt Gerechtigkeit und weniger unseren Gerechtigkeitssinn. Aber da man ihn beforschen kann, gehen wohl alle davon aus, dass wir ihn haben. Das fand ich sehr lustig.

Unser Gerechtigkeitssinn ist also dafür da, Gerechtigkeit wahrnehmen zu können.

Gerechtigkeit benötigen wir, wenn wir mit anderen Menschen in Frieden leben wollen. Ist das Miteinander gerecht geregelt, sind wir zufrieden. Wir spüren, ob etwas gerecht ist. Gleichzeitig ist das, was wir gerecht finden einem Entwicklungsprozess unterworfen, wie auch die Entwicklung moralischer Entscheidungen.

Im Grunde beschreibt der Begriff Gerechtigkeitssinn den Denkprozess, mit dem wir zu dem Ergebnis kommen, ob wir etwas gerecht finden oder nicht. Auch hier messen wir an Kriterien, ähnlich wie beim Wahrheitssinn. Ist der Wahrheitssinn etwas, das uns erlaubt, innere Wahrheiten zu prüfen, so hilft uns der Gerechtigkeitssinn unser Zusammenleben mit anderen, unsere Beziehungen hinsichtlich unserer und der Bedürfnisse der anderen zu prüfen, einzuschätzen und im Idealfall auch gerecht zu handeln. Das Ziel dieses Denkens ist, Beziehungen so zu gestalten dass alle zufrieden sind. Will man dieses hehre Ziel erreichen, wird klar, dass Gerechtigkeit etwas sehr Komplexes ist. Da ist es schon gut, dass wir dafür auch einen Sinn haben, der es uns erlaubt mit zunehmender (Beziehungs-)Erfahrung auch gerechtere und damit für alle zufriedenstellendere Entscheidungen zu treffen.

Da wir in großen Gruppen nicht mehr in der Lage sind, komplexe Entscheidungen und deren Konsequenzen auf allen Ebenen mal eben so zu durchdenken, haben wir diese Entscheidungen für gewisse Bereiche an den Staat abgegeben und ein Rechtsystem. Zum Wohle aller und manchmal entgegen dem Gerechtigkeitsempfinden des Einzelnen wird Recht gesprochen. Es ist eben ein menschliches System, das so anfällig ist, wie seine Aufgabe komplex ist.

Gerechtes Handeln erlaubt uns gewisse Freiheiten. Hätten wir das Recht nicht, dass uns unsere Freiheit(en) zusichert, würde allein das Recht des Stärkeren gelten und Gewalt und Unterdrückung würden herrschen. Eben weil wir in unserer moralischen Entwicklung nicht alle an den Punkt kommen, wo wir den Vorteil darin sehen, dass es auch anderen gut geht, im allgemeinen Frieden, in Kompromissen, deswegen ist es gut, dass wir dem Staat die Aufgabe gegeben haben, so gut es geht unsere Freiheiten durch das Recht zu schützen.
Es ist ein Rechtssystem und kein Gerechtigkeitssystem. Dafür wäre Liebe zum anderen notwendig und die absolute Bereitschaft zur Eigenverantwortung. Diese Stufe der moralischen Entwicklung, in der wir das Wohl aller im Blick haben, haben wir als Menschen wohl noch nicht erreicht.

Aber wir können uns mit Gerechtigkeit beschäftigen, unseren Gerechtigkeitssinn weiterentwickeln, indem wir für innere Freiheit sorgen und somit zu mehr Eigenverantwortung finden. Das wäre ein Anfang.

Noch mehr Sinn: Wahrheitssinn

30.05.2015 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

„Dem Begriff Wahrheit werden verschiedene Bedeutungen zugeschrieben, wie Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, einer Tatsache oder einem Sachverhalt, aber auch einer Absicht oder einem bestimmten Sinn bzw. einer normativ als richtig ausgezeichneten Auffassung oder den eigenen Erkenntnissen, Erfahrungen und Überzeugungen.“ Wikipedia, 25.05.15

In meinen Worten ist Wahrheit vereinfacht gesagt etwas, das wir an einem Kriterium messen und das wir als wahr bewerten, wenn die Übereinstimmung gegeben ist.

Da wo Wahrheit überprüfbar ist, anhand von Kriterien, die wir alle oder zumindest die meisten anerkennen wie zum Beispiel anhand der Naturgesetze, benötigen wir unseren Wahrheitssinn nicht. Wir können die Wahrheit „objektiv“ prüfen.

Sinne haben immer etwas mit unserer persönlichen Erfahrung zu tun. Unsere Sinnesorgane sind der Kanal, über den wir die Welt erfahren und unsere eigenen Schlussfolgerungen daraus ziehen. Wir können die Reize, die wir wahrnehmen zwar beschreiben, aber so etwas Konkretes wie die Schmerzwahrnehmung zeigt uns, dass unser Schmerzerleben (Die innere Wahrheit: Das hat sehr weh getan!) nicht von dem Reiz abhängt, z.B. einer 49 Grad heißen Metallplatte, sondern davon, für wie kontrollierbar wie den Schmerz halten oder was uns gesagt wird, wie schmerzhaft der Reiz sein wird (Rüegg, 2010). Was wir also für wahr halten muss nicht notwendigerweise an äußeren Kriterien überprüfbar – und damit allgemeingültig – sein, sondern kann auch inneren Kriterien, z.B. eigenen Erfahrungen genügen, was uns zu der Bewertung bringt, dass etwas wahr ist, dass wir nicht so ohne weiteres – im Außen – überprüfen können.

Das bedeutet für mich, dass wir einen Sinn haben, um Wahrheit wahrzunehmen, auf jeden Fall unsere Innere Wahrheit. Für mich ist diese innere Wahrheit vor allem in Bezug auf meinen Glauben offensichtlich. Ich kann Gott nicht „objektiv“ beweisen, und trotzdem habe ich ganz persönliche Erfahrungen, die mich zu dem Schluss kommen lassen, dass es Gott gibt. Diese Erfahrungen sind mir Beweis genug für meine innere Wahrheit. Wenn etwas erstmal meine Wahrheit ist, bin ich auch nicht so leicht wieder davon wegzubringen.
Das wiederum ist etwas sehr Menschliches, dass wir an unserer Wahrheit festhalten, zur Not auch mit Gewalt. Man denke nur an all die Religionskriege in der Geschichte bis heute oder an Jeanne D´Arc. Wie viele Vordenker mussten für ihre innere Wahrheit das Leben lassen? Einer bekanntesten ist sicher Mahatma Gandhi, der für seine Überzeugung, die unter anderem das Festhalten an der Wahrheit beinhaltete, ermordet wurde. Andere wurden ignoriert wie zum Beispiel Mendel für seinen Beobachtungen zur Vererbungslehre oder heute noch Hahnemann und seine Entdeckung der homöopathischen Wirkweise von Stoffen.

Denken Sie nur an all die wissenschaftlichen „Beweise“, die wir inzwischen haben, weil wir die Methoden verändern, genauer oder anders hinschauen (z.B. Mikroskope, DNA-Analysen, fMRT oder CT) und damit die Welt auch anders begreifen können. Doch es gab immer die Menschen, die all das, was „die Wissenschaft“ heute „beweist“ schon vor Jahrhunderten wussten, oder Menschen, die heute schon wissen, was erst in 20 Jahren bewiesen werden kann. Menschen, die die Wahrheit kennen, auch ohne wissenschaftlichen Beweis.

Unterschätzen wir nicht, dass wir in uns ein Gespür für die Wahrheit haben. Das wir wissen, in unseren Herzen, was – für uns – wahr ist, und was nicht. Es schadet sicher nicht, diese Überzeugungen immer wieder am allgemeinen Wissen zu überprüfen, eben weil das, was wir glauben zu wissen, oft davon beeinflusst ist, was unsere Umwelt weiß/glaubt oder uns gesagt hat. Vor allem, wenn es darum geht, was wir für wahr über uns selbst halten (Glaubenssätze und Giftige Gedanken).

Da wo man Dinge prüfen kann, sollte man es meines Erachtens tun. Dennoch kann es sein, dass man zu dem Schluss kommt, die innere Wahrheit ist eine andere als die „objektive/wissenschaftlich beweisbare“ Wahrheit. Und was dann?

Wahrheit geht für mich mit Verantwortung einher. Meine innere Wahrheit enthebt mich nicht eines verantwortungsvollen Umgangs damit. Vor allem dort, wo das Handeln nach dieser inneren Wahrheit die Freiheit anderer beschneidet, bin ich gefragt, gerechte und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Was ja sozusagen das Motto dieses Blogs ist und worum es teilweise im letzten Artikel ging und im Artikel über den Gerechtigkeitssinn noch gehen wird.

Bei der Beschäftigung mit diesem Thema fiel mir ein weiterer Aspekt zur Wahrheit ein:

Aus meiner Arbeit weiß ich, dass Wahrheit oft besser ist als Nichtwissen. Wenn Menschen verschwinden, dann möchten die meisten Angehörigen wissen, was passiert ist. Selbst wenn das bedeutet zu erfahren, dass die verschwundene Person tot ist. Die Wahrheit ist an der Stelle hilfreicher als nicht zu wissen und sich der Phantasie zu überlassen. Denn die Phantasie ist meist schlimmer als jede Wirklichkeit und jede Wahrheit.

Ähnlich habe ich es immer wieder bei Opfern sexueller Gewalt erlebt, die mit KO-Tropfen betäubt wurden. Die meisten wüssten lieber, was der Täter mit ihnen gemacht hat als mit diesem unklaren (Körper-)Gefühl und der fehlenden Erinnerungen klarkommen zu müssen.

So ist unser Wahrheitssinn vielleicht auch Ausdruck dessen, dass es zu einem gesunden Menschen dazugehört, sich der Wahrheit zu stellen.

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Kindlicher Größenwahnsinn

27.02.2015 Veröffentlicht von Definitionen 0 Kommentare

Das ist so ein Begriff, den ich gerne verwende, wenn es darum geht zu beschreiben, an welchen Stellen unsere Denkgewohnheiten noch nicht erwachsen geworden sind.

Bestes Beispiel dafür ist die Vorstellung, dass alles, was um mich herum geschieht, was passiert, was Leute sagen, seine Ursache in mir hat. Dahinter steckt die Vorstellung, dass die Welt sich um mich dreht, dass ich der Mittelpunkt der Welt bin.

Das wiederrum ist eine sehr kindliche Vorstellung. Für einen Säugling ist diese Aussage fast wahr. Wann immer er sich bemerkbar macht, reagiert jemand darauf. Das geschieht zwar mehr oder weniger zuverlässig, aber solange der Mensch erwachsen wird, ist es passiert. Jemand kam und hat den Säugling gefüttert und gewickelt und rechtzeitig zum Arzt gebracht, sonst wäre er nicht mehr hier. Es wurde auf die Bedürfnisse des Kindes mehr oder weniger prompt, aber doch lebenserhaltend zuverlässig reagiert. Das Kind lernt: Die Welt (Eltern/Bezugspersonen) reagiert auf mich, ich bin der Mittelpunkt dieser Welt.

Jeder weiß, dass das im Grunde ein Fehlschluss ist. Einer von vielen Denkfehlern, die wir lernen, die wir immer wieder machen. Ganze Bücher sind über unsere fehlerhafte Art zu denken geschrieben worden. Dieser eine Schluss jedoch, dass alles sich auf mich bezieht, dass ich selbst die Ursache für das Verhalten von anderen setze und dass deren Verhalten IMMER eine Reaktion auf mich PERSÖNLICH darstellt, ist in meinen Augen in seiner Absolutheit einer der folgenreichsten Denkfehler, wenn es um unsere psychische Gesundheit geht.

Wenn wir die Dinge, vor allem die negativen, die uns geschehen, sehen als etwas, das wir verursacht haben, dann würde das bedeuten, wir wären schuld = verantwortlich dafür, oder?

  • Ich wäre verantwortlich dafür, dass die Bäckersfrau mich anblafft. (Die macht das wegen mir.)
  • Ich wäre verantwortlich dafür, dass mein Vater mich ignoriert. (Mein Vater ignoriert nur mich, weil ich ich bin)
  • Ich wäre verantwortlich dafür, dass meine Mutter mich abwertet. (Meine Mutter wertet nur mich ab.)
  • Ich wäre verantwortlich dafür, dass mein Mann mich schlägt oder meine Frau fremdgeht. (Mein Mann ist der einzige, der schlägt und das nur mich.)
  • Ich wäre verantwortlich dafür, dass die Ampel rot wird. (Immer wenn ich komme, wird die Ampel rot.)
  • Ich wäre verantwortlich dafür, dass es regnet, die Sonne scheint oder schneit. (Immer, wenn ich Spaß haben will, macht mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung.)

All das wäre meine Verantwortung, meine Schuld, wenn ich die Ursache für alles um mich herum bin.

Wenn ich aber an allem Schuld bin, werde ich mich angegriffen fühlen, ich werde mich schlecht fühlen, frustriert und muss mich dann verteidigen. Ein beliebter und verbreiteter Einstieg in einen Streit. Und völlig unnötig!!!

Achten Sie einmal darauf, wo Sie Ihren kindlichen Größenwahnsinn immer noch pflegen, wo Sie glauben, etwas hat mit Ihnen zu tun und dann ….… lesen Sie den nächsten Artikel: Was wäre wenn …?

4SeN: Du bist selbst schuld, dass ich …. Dich verletze.

16.03.2014 Veröffentlicht von Kommunikation 0 Kommentare

Noch ein typischer Tätersatz, noch eine Lüge, die dazu gedacht ist, dem Opfer Schuldgefühle zu machen und es dadurch daran zu hindern, Hilfe aufzusuchen und sich zu wehren. Natürlich soll dieser Satz auch Angst vor der angedrohten Konsequenz machen.

Hier eine mögliche Analyse der vier Ebenen dazu:

4SeN_SelbstSchuldSchauen Sie sich diesen Satz gut an!

Sachebene: Der Täter gibt Ihnen die Verantwortung für sein Handeln. Gerade so als hätten Sie ihm gesagt „Bestraf mich“ und er hätte diesen Befehl nur ausgeführt. Aber dem war ja nicht so, oder? Sie haben nicht gesagt „Verletz mich!“ oder „Nimm mir die Kinder weg“ oder sonst irgendeine Drohung, die hinter dem Komma steht. „Du bist selbst schuld, dass ich Dich bestrafen muss.“
Wenn Sie verantwortlich dafür wären, dass der Täter Sie bestraft, dann könnten Sie ja auch entscheiden, dass er das nicht macht. Denn entweder Sie haben Macht über das Verhalten des Täters oder Sie haben keine Macht. Ein bisschen Macht über das Verhalten des Täters gibt es nicht.
Da Sie keine Macht haben, ist diese Schuldzuweisung eine glatte Lüge. Sie ist der Versuch des Täters, keine Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und so zu tun, als wäre er von seinem Opfer abhängig. Das Gegenteil ist die Wahrheit.

Appell: Natürlich will der Täter, dass Sie sich unterwerfen. Er will Ihnen Schuldgefühle machen und darüber Ihr Verhalten manipulieren.

Gefühle: Wie immer muss der Täter Angst haben, dass Sie sich ernsthaft wehren und seine Lügen entlarven. Natürlich ist er wütend, dass er nicht machen kann, was er will. Allerdings hat er kein Recht über Sie zu bestimmen und insofern ist seine Wut der gefährliche Ausdruck seines kindischen Trotzes.

Beziehung: Der Täter spielt Ihnen vor, sein Verhalten wäre zwangsweise von Ihrem Verhalten abhängig. Das ist eine Lüge. Der Täter entscheidet sich für seine Gewalthandlungen. Er hat die Wahl, Sie nicht zu verletzen, aber er entscheidet sich für seinen Vorteil. Sein Vorteil ist, dass er sich mächtig fühlt, wenn Sie sich ihm unterwerfen und tun, was er sagt. Darum geht es, um seine Gefühle.

Um sich selber stark zu machen, können Sie in Gedanken üben, auf diese Lüge zu reagieren (Mentales Traning, Giftige Gedanken):

Sachebene: Das stimmt nicht!!! Das ist eine Lüge!

Appell: Ich habe das Recht, selbst zu entscheiden, was ich tun will. Wenn ich will, dann gehe ich zur Polizei und zeige Dich an.

Gefühle: Du hast guten Grund, Angst vor mir zu haben. Du lügst und begehst Verbrechen. Du hast keinen echten Grund wütend zu sein. Mach es selbst, was Du von mir willst.

Beziehung: Das ist eine Lüge. Ich zwinge Dich zu nichts. Ich habe Dich nicht darum gebeten, mir zu drohen oder mir zu schaden. Du bist für Dein Verhalten voll und ganz selbst verantwortlich. Du tust, wozu Du Dich entschieden hast und nicht, worum ich Dich gebeten habe.

Üben Sie im Kopf auf solche Sätze zu reagieren (Mentales Traning, Giftige Gedanken), damit Sie seine Lügen besser entlarven können. Ich hoffe sehr, dass Ihnen das irgendwann die Kraft gibt, Hilfe zu holen und sich aus diesem Spinnennetz aus Lügen zu befreien.

 

Ich kämpfe weiter – Heute und ohne Religion

28.02.2014 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Wer es nicht so mit Gott hat, darf die Technik (Giftige Gedanken loswerden) trotzdem benutzen. Deswegen hier ein Beispiel für eine Glaubenssatz-Meditation im Sinne von „Ich kämpfe weiter“  ohne religiösen Bezug.

Der Text stammt aus der Feder von Larry Winget und wenn Sie es sich trauen, sein Buch zu hören oder zu lesen, dann sind Sie wahrlich mutig. Wie wir das von Amerikanern gewohnt sind, ist er leidenschaftlich provokativ und wenig rücksichtsvoll mit „Opfern“. Wobei er unter Opfern nicht Menschen versteht, denen etwas Schlimmes geschehen ist, sondern Menschen, die keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen wollen. Ähnlich den Gutmenschen von Boris Grundl (Die Kette der Schuldzuweisungen ist hier zu Ende).

Heute von Larry Winget

Heute nehme ich dankbar all die guten Dinge an, die zu mir kommen.
Heute ist voller Begeisterung, Liebe, Energie, Gesundheit und Wohlstand.
Heute kommen die Menschen zu mir und bitten mich, ihnen zu Diensten zu sein, und ich reagiere darauf, indem ich das Allerbeste gebe, dessen ich fähig bin.
Heute denke ich und praktiziere Gesundheit in meinem Leben und weigere mich,
etwas anders als vollkommene Gesundheit zu akzeptieren.
Heute nehme ich den Reichtum und Wohlstand an, der mir gehört,
und teile ihn bereitwillig mit anderen.
Heute konzentriere ich mich auf den Augenblick und
verschwende keinen Gedanken an die Vergangenheit oder die Zukunft.
Heute verbringe ich den Tag voller Freude mit dem, was ich tue.
Heute fülle ich den Tag mit liebevollen Gedanken und Handlungen
gegenüber allen anderen Menschen und mir selbst.
Heute verbringe ich den Tag in dankbarer Wertschätzung gegenüber allem,
was mir gehört.

Heute, diese Stunde, diese Minute, dieser Augenblick ist alles, was ich habe
und ich nutze ihn voller Freude.

 

Download

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Hier das Amazon-Partnerlink zu Diktatur der Gutmenschen: Was Sie sich nicht gefallen lassen dürfen, wenn Sie etwas bewegen wollen von Boris Grundl

Die Kette der Schuldzuweisungen ist hier zu Ende!

16.02.2014 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Lesestoff 0 Kommentare

So lautet ein Zitat von Boris Grundl (2010, S112). Es hat mir einmal mehr aus der Seele gesprochen. Ich vertrete diese Haltung ebenfalls: Jeder sollte Verantwortung für sich übernehmen. Das bedeutet nicht nur, für sein Handeln verantwortlich zu sein, sondern auch für seine Gedanken und in der Folge für seine Gefühle.

Ich diskutiere immer wieder, dass man das so radikal ja nicht sehen kann, weil man doch immer wieder dazu „genötigt“ wird, Gefühle zu haben oder „sich abzugrenzen“.
Mein cholerischer Chef zwingt mich, mich schlecht zu fühlen. Folglich ist der schuld, wenn ich Burnout bekomme. Die Steuern sind daran schuld, dass ich nicht mit meinem Geld auskomme. Die Verkäuferin ist dafür verantwortlich, dass die Ware zu klein ist und die Theaterkassenmitarbeiterin ist dafür verantwortlich, dass ich keine Karte mehr bekomme. Mein Mann ist dafür verantwortlich, dass ich mich schlecht fühle, weil er mir Vorwürfe macht. Meine Kinder sind schuld, dass ich mich schlecht fühle, weil sie ständig meine Aufmerksamkeit brauchen. Und die Welt ist schuld, dass es mir schlecht geht, weil das Leben einfach ungerecht ist.

Alles richtig. Wenn man die Ursache immer nur bei den anderen sieht, dann hat man echt Pech, keinen Einfluss und kann gar nicht anders als sich ohnmächtig und hilflos fühlen.

Aber gleichzeitig verhalten wir uns wie die Kaninchen. Das Wort Angsthase beschreibt perfekt, was alle sind, die keine Verantwortung für sich übernehmen. Denn der Angsthase hat gelernt, dass er nicht verhindern kann, dass ihm Schmerz widerfährt. Dazu gibt es psychologische Experimente: Ein Hase sitzt in einem Käfig, dessen Boden unter Strom gesetzt wird. Der Schmerz an den Pfoten führt dazu, dass der Hase schnell lernt, dass er durch eine Pforte in einen Nachbarkäfig hüpfen kann, dessen Boden aus einer Gummimatte besteht, in der kein Strom fließt. Nach einer Weile wird die Türe zwischen den Käfigen verschlossen. Der Hase hat nun keine Möglichkeit mehr, aus dem Käfig zu hüpfen. Er wird es zuerst versuchen und scheitern. Wenn er oft genug scheitert, wird er aufgeben. Wenn er lange genug aufgegeben hat, wird er auch nicht hin und wieder einen Versuch starten zu entkommen und kann nicht feststellen, dass die Pforte zur sicheren Gummimatte wieder geöffnet ist.

Verantwortung zu übernehmen bedeutet, sich nicht wie der Hase zu verhalten, sondern trotz vieler negativer Erfahrungen wenigstens hin und wieder einen Versuch zu starten, ob die Türe inzwischen nicht wieder offen ist.
Ganz besonders gilt das für den Zeitpunkt, wenn uns jemand anderer sagt, probier doch mal das oder jenes. Denn es bedeutet, dass diese Person eine andere Perspektive auf unsere Situation hat. Da wir eben keine Hasen sondern Menschen sind, können wir entscheiden, entgegen unserer negativen Erwartung einen neuen Versuch zu starten. Es kann schief gehen, aber es könnte auch klappen. Wer es nicht versucht, kann über den Ausgang nur phantasieren, er wird nie erfahren, ob eine Veränderung nicht möglich gewesen wäre.

Also trauen Sie Sich von Zeit zu Zeit, etwas anderes zu tun, als ihre Erwartungen Ihnen sagen. Übernehmen Sie Verantwortung für den nächsten Versuch, etwas zu ändern.

Herr Grundl schlägt vor, sich ein Schild auf den Schreibtisch zu stellen, um sich daran zu erinnern, dass wir für unser Verhalten verantwortlich sind. Bei mir hängen immer irgendwelche Zettel mit Glaubenssätzen oder Bildern neben dem Bett. Wie wäre es mit: „Ich bin für mein Verhalten, Denken und Fühlen verantwortlich und handle auch so.“ oder „Ich werde durchhalten und weiter versuchen, meine Situation oder mein Verhalten zu ändern.“

Konkret auf die Beispiel-Situationen bezogen könnte das so aussehen:

  • Ich lerne Strategien, wie ich mit meinem cholerischen Chef umgehen kann, ohne ständig fast einen Herzinfarkt zu bekommen. Ein erster Schritt könnte das Lesen von „Der ganz normale Wahnsinn“ (Siehe unten) sein.
  • Ich führe ein Haushaltsbuch und schaue, wo mein Geld bleibt. Oder ich suche eine Schuldnerberatung auf, wenn ich Schwierigkeiten habe, mit Geld umzugehen.
  • Ich probiere das neue Kleidungsstück im Laden an. Ich bin dabei ehrlich zu mir selbst, was die Größe und Passform angeht.
  • Ich fahre rechtzeitig zum Theater oder reserviere eine Karte übers Internet oder besorge mir die Eintrittskarte im Vorfeld. Wenn ich reservierte Karten abholen muss, stelle ich mich rechtzeitig an und rechne damit, dass andere Leute auch ins Kino/Theater gehen wollen und deswegen die Schlangen entsprechend lang sind.
  • Ich lerne, meinen Mann auf die Vorwürfe anzusprechen. Ich lerne, mich gegen die Vorwürfe zu wehren, z.B. in einem Selbstbehauptungstraining oder in einer Psychotherapie. Ich lerne, dass ich die wichtigste Person in meinem Leben bin (Impulse und Zitate) und mich so nicht behandeln lassen will.
  • Ich lerne, aufmerksam mit meinen Bedürfnissen umzugehen und mich auch gegen die Bedürfnisse meiner Kinder abzugrenzen, z.B. in dem ich Psychotherapie mache oder mir Erziehungsberatung hole.
  • Ich ändere meine Haltung gegenüber dem Leben, z. B. in „Das Leben ist leicht und ich will aus meinen Erfahrungen lernen.“ Oder eine andere Haltung, die Ihnen passend erscheint.

 

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Psychologie und Film: Batman Begins, 5 – Selber schuld!

07.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Bruce wird ausgebildet, um die Angst gegen den Ängstlichen zu richten. Um erfolgreich zu sein, muss er sich seinen eigenen Ängsten stellen. Ra´s Al Ghul konfrontiert ihn mit der Tatsache, dass er Bruce´ Vater die Schuld am Tod seiner Eltern gibt, weil er nicht gelernt hat, sich zu wehren. Ra´s Al Ghul ist außerdem der Auffassung, dass Rache gegen die Wut und die Schuldgefühle hilft. Bruce kann diese Einstellung nicht teilen. Er kann keine Rache mehr nehmen und ist viel zu wütend, um Schuld zu spüren.

Ra´s Al Ghul konfrontiert Bruce damit, dass nicht er, Bruce, am Tod seiner Eltern schuld ist, sondern sein Vater, der nicht gelernt hat, sich zu wehren.

Im ersten Augenblick mag man Ra´s Al Ghul zustimmen, aber bei genauem Hinsehen gibt er dem Opfer die Schuld an der Tat. Das Opfer hätte die Tat verhindern müssen, deswegen ist es selbst schuld. Auch heute ist diese Meinung noch viel zu verbreitet. Sie stellt die Frage nach der Mitverantwortung des Opfers: Hat es sich gewehrt oder ist stillschweigend, quasi einvernehmlich, Opfer geworden? Diese Haltung führt automatisch zu einer Ent-Schuldung des Täters. Ein seltsames Konstrukt, um mit der eigenen Hilflosigkeit umzugehen. Ein seltsames Konstrukt von Ursache und Wirkung, das andere, sehr menschliche Bedürfnisse nach Abgrenzung zum Opfer befriedigt als die Herstellung von Recht und Ordnung.

Denken Sie das nicht auch manchmal: Selbst schuld? Aber stimmt es wirklich? Ist der andere, das Opfer wirklich selbst schuld? Wer hat gehandelt? Wer hat die Entscheidung getroffen? Ist nicht nur der verantwortlich, der sich dafür entschieden hat, einem anderen Schaden zuzufügen?

Ra´s Al Ghul hat die gleiche Haltung, die Bruce zu Beginn seiner Reise hatte: Rache hilft gegen die Wut und die Schuldgefühle. Da Bruce keine Rache mehr nehmen kann – der Mörder ist tot – kann er weder etwas gegen die Wut noch gegen die Schuldgefühle tun. Zusammen mit dem Gefühl des Versagens in den Augen seines toten Vaters, gibt es nur eine Möglichkeit, etwas gegen die Schuldgefühle und die Scham zu tun: das zu retten, was seinem Vater wichtig war: Gotham City. Nur so kann er in seiner Vorstellung seinen Vater stolz machen und sein eigenes Schuldgefühl ein kleines bisschen zu befrieden.

Ra´s Al Ghul kennt den Weg: Die eigene Angst besiegen und das geht nur, indem man sich ihr aussetzt. An dieser Stelle hat er vollkommen Recht. Man kann die Angst nur meistern, indem man ihr begegnet und sie bewältigt.

Wo haben Sie das letzte mal einer Angst ins Auge geschaut, um zu merken, dass die Angst von alleine nachlässt? Machen Sie sich vorher einen Plan, wie Sie Sich verhalten wollen in der Situation, vor der Sie zurückscheuen. Dann wird es leichter.

 

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Link zum Film auf IMDB.com, der meist englischsprachigen größten Filmdatenbank.
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Von Christopher Nolan und David S. Goyer auf IMDB.com

Psychologie und Film: Batman Begins, 3 – Über Gerechtigkeit und Rache

04.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Jahre später, Bruce ist erwachsen, kommt es zu einer Anhörung, durch die der Mörder seiner Eltern vorzeitig aus der Haft entlassen werden soll, weil er bereit ist, gegen die Unterwelt auszusagen. Bruce will sich an dem Täter rächen. Jedoch kommt ihm ein gedungener Mörder zuvor. Rachel, seine Freundin aus Kindertagen, arbeitet inzwischen für die Staatsanwaltschaft. Sie begleitet ihn zu der Anhörung. Als Bruce ihr auf dem Heimweg gesteht, dass er den Mörder umbringen wollte, ist Rachel entsetzt, weil er Rache will. Bruce ist der Auffassung: „Manchmal sind Gerechtigkeit und Rache das Gleiche.“ Doch Rachel erklärt ihm: „Bei Gerechtigkeit geht es um Harmonie. Bei Rache geht es darum, dass man sich selbst gut fühlt. Die Kriminellen der Stadt zerstören alles, wofür Deine Eltern standen. Dein Vater würde sich dafür schämen, dass Du Dich rächen wolltest.

Bruce hat das passende Gefühl: Wut auf den Täter, der ihm den Verlust seiner Eltern aufgezwungen hat. Der Täter, der mit seinem Mord die Grenze überschritten hat und hinter die Linie zurück verwiesen werden muss – abgewehrt werden darf. Das ist das passende Gefühl für die Situation des Angriffs. Da war Bruce aber noch zu klein und musste ohnmächtig zuschauen.

Jetzt, erwachsen hat er die körperliche Kraft und Möglichkeit, diesem Gefühl einen Ausdruck zu verleihen und will dies tun, indem er den Täter ermordet. In der Bedrohungssituation wäre es eine legitime Reaktion gewesen, Notwehr. Er hätte den Mörder zu seinem Schutz (Notwehr) oder zum Schutz seiner Eltern (Nothilfe) töten dürfen. Zumindest nach deutschem Recht.

Das Schicksal will es anders und Bruce wird um diese Möglichkeit betrogen, weil der Mörder von der Unterwelt ermordet wird – die Angst hat – weil er das Schweigen brechen will! Jetzt gibt es kein Ventil mehr für seine Wut, keine Möglichkeit mehr, sich besser zu fühlen. Die Rache als Möglichkeit, das eigene Schuldgefühl zu befrieden, wurde ihm genommen. Damit verschwand auch die Möglichkeit zur Sühne: Nach dem Mord am Täter selbst ins Gefängnis zu gehen und dort dafür zu bezahlen, dass er als kleiner Junge seine Eltern nicht retten konnte. So seltsam funktioniert unser Denken und so stark ist die Spannung, die Hilflosigkeit und Ohnmacht machen, dass wir unter allen Umständen versuchen, diese Spannung zu reduzieren. Wenn es sein muss mit Rache.

Seine Freundin Rachel bringt es für ihn auf den Punkt: Bei Gerechtigkeit geht es um Harmonie, bei Rache darum, sich gut zu fühlen. Rache, um eigene Schuldgefühl zu befrieden, einen Ausgleich zu schaffen auf der Ebene von Auge um Auge. Das Leben der Eltern mit dem Leben des Täters zu bezahlen. Damit, so denkt Bruce, könnte die Harmonie wieder hergestellt werden. Das könnte so sein, bräuchte es dafür nicht wieder einen Mord, der weitere Opfer produziert und damit weiteres Ungleichgewicht.

Echte Harmonie kann nur hergestellt werden, wenn jeder die Verantwortung für sein Leben und sein Handeln übernimmt. Das ist es, was die meisten Opfer wollen, dass der Täter echte Verantwortung übernimmt, dass er sich der Strafverfolgung stellt, gesteht und für die Konsequenzen seines Handelns, z.B. Kosten für Therapie, einsteht. Dann könnte echte Harmonie hergestellt werden und ich glaube, die meisten Leute würden das als gerecht empfinden.

Da Täter so aber nicht sind, braucht es einen Staat, der für Recht sorgt, auch wenn es dabei selten um Gerechtigkeit geht.

Aber was Bruce wirklich trifft, ist nicht die andere Haltung gegenüber Rache und Gerechtigkeit, die Rachel hat, sondern ihre Aussage, dass Bruce´ Vater sich für ihn schämen würde. Da Bruce sich sowieso schon schuldig fühlt, liegt es nahe, dass er ihr glaubt, sein Vater sehe in ihm einen Versager, der unfähig war, ihn zu retten. Rachel schlägt hier eine tiefe Wunde, die Bruce´ weiteres Leben formen wird.

Welche Sätze haben Sie gehört, die Ihr weiteres Leben beeinflusst haben?

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Her mit der Ohnmacht! – Über den Sinn und Unsinn von Schuldgefühlen

25.01.2014 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle 0 Kommentare

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wozu Schuldgefühle gut sind? Für Sie sind diese Gedanken und Gefühle lästig und störend, aus psychologischer Sicht sind sie eine Überlebensstrategie und erfüllen eine wichtige Funktion. Sie geben uns Sicherheit.

Sicherheit, werden Sie fragen? Ja, Sicherheit. Wenn Sie Sich für etwas schuldig fühlen, dann glauben Sie doch, dass Sie etwas Negatives zu verantworten haben. Oder? Wenn Sie Sich schuldig fühlen, dann glauben Sie doch, etwas Negatives bewirkt zu haben, es ausgelöst, es irgendwie gemacht zu haben.

Wenn Sie etwas gemacht haben, dann haben Sie doch entschieden, es zu machen, oder nicht? Wenn Sie es entschieden haben, können Sie auch entscheiden, es nicht mehr zu tun. Das bedeutet, wenn Sie etwas Negatives verursacht haben, für das Sie Sich dann schuldig fühlen, dann können Sie in Zukunft entscheiden, es nicht mehr zu tun.

Und das bedeutet, wenn Sie Sich entscheiden, etwas nicht mehr zu tun, dass dann das Negative auch nicht mehr passieren kann.

Alles logisch soweit, oder?

Ein Beispiel: Wenn Sie in einer Bank arbeiten und zum Geburtstag eines Familienmitglieds wollen, werden Sie einen Kollegen fragen, ob er Ihre Schicht an der Kasse übernehmen kann. Der Kollege sagt zu und einen Tag später erfahren Sie, dass die Bank überfallen und Ihr Kollege dabei schwer verletzt wurde.

Viele Betroffene in ähnlichen Situationen glauben, dass Sie am Unglück des Kollegen schuld sind. Sie fühlen Sich, als hätten Sie ihn selbst und eigenhändig verletzt. Sie glauben, wenn Sie nicht gefragt hätten, die Schicht zu tauschen, dass dann nichts passiert wäre.

Der Denkfehler besteht nur darin, dass all das nicht passiert wäre, wenn der Bankräuber entschieden hätte, den Banküberfall nicht zu machen. Das allein ist die Ursache dafür, dass der Kollege verletzt wurde. Dass es den Kollegen erwischt hat, war Zufall, wären Sie dagewesen, hätte es Sie erwischt oder vielleicht eine andere Person. Allein der Bankräuber hätte verhindern können, dass niemand zu Schaden kommt, indem er den Raub gar nicht erst unternommen hätte.

Es gibt viele Beispiele, in denen wir glauben – man kann schon fast sagen, uns einbilden – etwas bewirkt zu haben, auf das wir keinerlei Einfluss hatten. Immer dann, wenn Sie Sich schuldig fühlen, sollten Sie gut prüfen, ob Sie es tatsächlich hätten verhindern können und wer die echte, unmittelbare Ursache für etwas gesetzt hat.

Wenn es kein Unfall ist, dann ist es immer der Täter, der die volle Verantwortung für die Folgen seines Tuns hat.

Aber unser Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle (Grundbedürfnisse) ist so groß, dass wir uns lieber schlecht, schuldig fühlen, weil wir uns einbilden, etwas verursacht zu haben, auf das wir keinen Einfluss hatten, als zu akzeptieren, dass es Dinge im Leben gibt, denen wir ohnmächtig ausgeliefert sind.

Üben Sie Sich darin zu akzeptieren, dass Ohnmacht zum Leben dazu gehört. Ja, wir haben Einfluss auf unser Leben. Ich stelle mir immer vor, dass ich in 80% meiner Lebenssituationen beeinflussen kann, wie diese Situationen verlaufen. Wahrscheinlich ist auch diese Annahme noch ziemlich „größenwahnsinnig“.

Aber bei 80% Kontrolle, gibt es eben auch 20% Ohnmacht. Und immer, wenn mir eine Situation begegnet, die schlecht läuft, prüfe ich gut, ob ich es wirklich hätte beeinflussen können oder aber diesmal eine 20%-Ohnmacht-Situation erlebe. So muss ich mich nicht dauerhaft schuldig fühlen für etwas, auf dass ich nie Einfluss hatte, sondern muss für die Dauer der Situation aushalten, dass ich keinen Einfluss habe. Das ist auch unangenehm, aber weniger größenwahnsinnig und dauert deutlich kürzer. Denn wenn die Ohnmachts-Situation vorbei ist, kann ich wieder Einfluss nehmen. Dann kann ich wieder für meine Sicherheit sorgen und mich gut dabei fühlen.

Achtung Gott: PTBS 13 Ergänzung: Gott, warum hast Du das zugelassen?

29.10.2013 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Erklärungsmodelle 2 Kommentare

Eine Klientin erzählte mir einmal, dass ein Pfarrer ihr auf die Frage, warum ihr Kind habe sterben müssen und wie Gott das zulassen konnte, geantwortet habe: „Gott nimmt die, die er liebt, früh zu sich.“ Darauf meine Klientin: „Und warum werden dann die Nonnen so alt, die doch ein Leben leben, wie Gott es befiehlt?“ Darauf wusste der Geistliche dann keine Antwort mehr und zerstörte damit den restlichen Glauben dieser Klientin an Gott.

Das Schlimme darin ist die Anmaßung dieses Geistlichen, der sich einbildete, zu wissen, was Gottes Plan ist. Ja, diese Anmaßung geschieht aus Hilflosigkeit angesichts der Grausamkeiten, die um uns herum geschehen. Diese Anmaßung ist menschlich und psychologisch nachvollziehbar. Das ist die Erklärung, jedoch keine Entschuldigung für derart unprofessionelles und noch tiefer verletzendes und wenn man es genau nimmt, satanisches Gerede. Satanisch sage ich deswegen, weil diese Antwort nicht von Gott kommen kann. Warum nicht? Weil diese Antwort diese Klientin von Gott entfernte. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gott mit uns Beziehung haben will und nicht uns von sich fortstoßen will. Derjenige, der uns von Gott entzweien will, heißt Satan.

Die ehrliche Antwort auf die Frage „Warum lässt Gott das zu?“ muss lauten „Ich weiß es nicht.“ Es gibt keine andere Antwort.

Meine Antwort lautet inzwischen: „Ich weiß es nicht, aber ich weiß sicher, dass Gott nicht für alle schrecklichen Dinge auf der Welt verantwortlich gemacht werden kann. Schließlich gibt es da auch noch einen Gegenspieler. Der dessen Namen wir uns nicht trauen auszusprechen: Satan.“ John Eldredge schreibt in einem seiner Bücher, dass der schlimmste Trick Satans ist, dass wir nicht mehr an ihn denken und Gott für alles verantwortlich machen. Ich fand diesen Hinweis auf Satan sehr hilfreich, weil er es mir so viel leichter macht, Gott weiter zu vertrauen und ich gleichzeitig auch auf der spirituellen Ebene jemanden für das Übel dieser Welt verantwortlich machen kann.

Je länger ich als Traumatherapeutin mit den Grausamkeiten der Welt zu tun habe, mit der Gewalt, die ein Mensch dem anderen antut, desto sicherer bin ich mir, dass dieser Krieg, den wir Menschen gegen uns selbst führen zwei Ebenen hat.

Es gibt immer eine psychologische Ebene. Wir können in den meisten Fällen aus der Lebensgeschichte eines Menschen erklären, warum er sich auf eine bestimmte Weise verhält. Auch Gewalthandlungen können wir psychologisch erklären. Die „schlechte“ Kindheit ist sicher die einfachste, platteste Formulierung dieser Erklärungen. Im Einzelfall können wir sehr differenziert begründen, warum jemand zum Täter wurde.
Jedoch hat die Psychologie in meinen Augen zum Beispiel keine ausreichende Erklärung dafür, warum das eine Opfer von Gewalt seine Gewalterfahrungen weitergibt und selbst zum Täter wird und das andere Opfer bei ähnlicher Gewalterfahrung nicht zum Täter wird. Wir haben in meinen Augen auch keine ausreichend gute Erklärung für Menschen wie Hitler oder den Massenmörder von Norwegen.

An dieser Stelle kommt für mich die zweite, die spirituelle Ebene ins Spiel: Wir mit Gott gegen Satan.

Wir lassen uns zu schlechten Entscheidungen verführen. Das bedeutet nicht, dass wir alle Schuld dem Bösen geben dürfen. Wir sind verantwortlich für unser Handeln. Aber für manch einen ist es leichter zu stehlen als Sozialhilfe zu beantragen. Für manch einen ist es leichter, andere zu schlagen, um sich nicht mehr so hilflos zu fühlen. Für manch einen ist es leichter, vor dem Gesetz davon zu laufen, anstatt Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Für manch einen ist es leichter, vorschnell Erklärungen zu geben, um die eigene Hilflosigkeit und die eigene Verunsicherung im Glauben nicht aushalten zu müssen.

Wir alle gehen von Zeit zu Zeit den „für manch einen ist es leichter“-Weg. Das ist okay. Wir sind Menschen. Wichtig ist nur, dass wir wieder zurück finden, und Gott nicht für Dinge verantwortlich machen, die Folge von Satans Versuchungen und von Fehlentscheidungen der Täter sind.

Mir persönlich hat das Buch „Die Hütte“ an dieser Stelle geholfen zu verstehen, dass Gott jeden einzelnen von uns so sehr liebt, dass er keinen von uns in seinem freien Willen beschneidet, auch nicht, wenn wir uns gegenseitig verletzen. Deswegen greift er nicht ein, auch wenn er es könnte. Diese Erklärung hat mich persönlich überzeugt, auch wenn sie mir nicht gefällt.
Wenn ich daran denke, wie weh es tut, zu sehen, dass jemand, den man liebt, sich selbst immer wieder schadet, und man selbst kommt an den Punkt, an dem man versteht und fühlt, dass man dem anderen nicht helfen kann, sondern ihn in Liebe gehen lassen muss, dann stelle ich mir vor, dass es ein Funke des Schmerzes ist, den Gott über uns empfinden muss.

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Achtung Gott: Psychologie und Film: The Grace Card – Trauma, Vergebung und Gott

27.10.2013 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Psychologie und Film 0 Kommentare

Mac McDonald verliert seinen 5 jährigen Sohn Tyler durch einen Verkehrsunfall. 15 Jahre später ist er verbittert, rassistisch und von seiner Familie entfremdet.

Sein Vorgesetzter will Mac aus dessen Einzelgängertum herausholen und dessen Einstellung zu seiner Arbeit ändern. Deswegen befiehlt er Mac und den gerade beförderten Sam Wright bis zu Sams Versetzung als Team zu arbeiten. Mac ist frustriert, weil er bei der Beförderung wieder übergangen wurde und das ausgerechnet wegen Sam, der halb solange Polizist ist wie er und schwarz. Beide sind nicht begeistert von der Vorstellung zusammen arbeiten zu müssen. Sam bemüht sich um eine Beziehung zu Mac, während der ihn wieder und wieder abblitzen lässt.
Macs Frau sucht Hilfe bei einer Familientherapeutin, um die Familie zu retten. Blake, Macs 17 jähriger Sohn, der noch ein Baby war, als sein Bruder Tyler ums Leben kam, kann es seinem Vater nicht recht machen und wendet sich den falschen Freunden zu.
Sams Traum ist es, eine Kirche aufzubauen. Er möchte Pastor sein, hat bereits damit begonnen, aber die Gemeinde will nicht so recht wachsen, so dass er auf seinen Job als Polizist angewiesen bleibt. Er fragt sich, was Gott von ihm will und warum er ausgerechnet Mac McDonald in sein Leben gestellt hat, der für ihn der einzige Mensch ist, dem er nicht mit Nächstenliebe begegnen kann.

Und dann schießt Mac bei einem Einsatz seinen Sohn Blake nieder, der als Einbrecher unterwegs ist.

Auf der psychologischen Ebene ist dies ein Film über einen traumatisierten Polizisten. Einen Vater, der zusehen musste, wie sein 5 jähriger Sohn von einem schwarzen Dealer totgefahren wird. In seinem Schmerz und in seinen Schuldgefühlen wird er Polizist, um dieses Leid für andere zu verhindern. Er hat Flashbacks, wenn er mit schwarzen Straftätern zu tun hat oder Rettungswagen. Er ist wütend auf Gott, von dem er sich verlassen fühlt. Er sieht sich als Opfer in jedem Augenblick seines Lebens, er fühlt sich allein und verhält sich entsprechend ablehnend gegenüber den Menschen, die ihn lieben. Er glaubt, seinen Schmerz als Strafe zu verdienen und betäubt ihn gleichzeitig mit Alkohol. Er verliert mehr und mehr die Kontrolle über sein Leben. Erst in völliger Ohnmacht erreicht Sam ihn. In seiner dunkelsten Stunde kann er sich Gott zuwenden.
Dem Autor ist es gelungen, die Folgen dieses Unfalls auf die Familie realistisch darzustellen. Dank der großartigen Schauspieler sind der Schmerz und dessen zerstörerische Kraft in jeder Entscheidung, in jeder Geste, in jeder Emotion zu spüren.

Die zweite Ebene des Films ist die spirituelle. Der Film entstand als Projekt einer christlichen Gemeinde. Alle Jobs, einschließlich der Schauspieler waren Christen und Laien. Michael Joiner, der Mac spielt, ist der einzige Schauspiel-Profi in diesem Projekt.
Nicht-Christen mögen diesen Film kritisieren, weil es ihnen zu viele Zufälle gibt. Genau das macht diesen Film zu einem tollen Beispiel dafür, wie Gott wirkt: Für uns nicht vorhersehbar. Erst im Nachhinein können wir diesen für uns bestimmten Teil seines Plans erkennen. Wir können sehen, dass Gott Mac nie aufgegeben hat, dass er auch Blake nicht aufgeben wird, sondern dass er noch bevor es zu dem Unfall kommt, für die Rettung gesorgt hat.
Erst als Mac nichts mehr unter Kontrolle hat, kann Gott ihm zeigen, dass er immer noch in Kontrolle ist. Alles, was Mac tut ist, sich Gott wieder zuwenden.
Gott wirkt durch Menschen wie Sam und dessen Großvater, der ihm sagt, dass der Dienst für Gott nicht in einer Kirche stattfindet, sondern auf den Straßen, mitten im Leben. Dieses Bild hat mir sehr gefallen, zumal ich es neulich in einer Predigt hörte: Es geht nicht darum zu sagen, dass man Christ ist, sondern als Christ zu leben.

Persönlich hat mich dieser Film auch deswegen so berührt, weil ich in meiner Arbeit als Traumatherapeutin die Macht der Vergebung, wie sie hier ganz am Ende des Films gezeigt wird, schon erlebt habe. Es gibt nichts Heiligeres und Heilsameres als wenn Täter echte Verantwortung für ihre Taten übernehmen, die vollen Konsequenzen für ihr Handeln tragen und ihre Opfer dann um Vergebung bitten. Wenn die Vergebung vom Verletzten gewährt werden kann, dann kann es echten Frieden zwischen Täter und Opfer geben.

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