"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Posts by Dubistfrei

Sicheres Verhalten auf Reisen: Stefanie Rösch im Interview mit Ute Schneider

August 9th, 2018 Veröffentlicht von Videoinhalte 1 Kommentare

Viel Spaß mit meinem ersten Videointerview:

Leserfrage: Der Staat verweigert die Hilfe. Haben Sie einen Tipp?

März 11th, 2018 Veröffentlicht von Leserfragen, Strategien 2 Kommentare

Meiner Freundin und ihrem Sohn wurden trotz ihrer Hilferufe an Ärzte, Behörden, Polizei, Sozialpsychiatrischen Dienst, etc. nicht geholfen, so dass die psychische Erkrankung ihres Sohnes eskalierte. Meine Freundin wurde mit mehreren Stichen schwer verletzt und überlebte nur knapp.
Seitdem wird sie nur „hin u. her geschoben“ von Tagesklinik zu Tagesklinik, von Behördenforderungen erdrückt und inzwischen mit dem xten Medikament ruhiggestellt.
Sie ist ein vollkommen anderer Mensch geworden: depressiv, gestresst, bekommt nichts mehr auf die Reihe, erträgt die Menschen nicht mehr, hat kein Vertrauen mehr, geht nicht mehr raus (auch mit ihrem Hund nicht), ist stress-, licht- u. lärmempfindlich und macht sich Riesensorgen um ihren Sohn, mit dem sie sich immer gut verstanden hat. Sie war immer sehr stolz auf ihren Sohn, weil er seine Schule, Ausbildung mit sehr gut abschloss, Sport trieb, immer zuverlässig war.
Wir haben schon mehrmals versucht einen Traumatherapeuten zu bekommen, aber hier ist das wohl ein Riesenproblem.
Meine Freundin muss nun zur REHA. Die stationäre Traumatherapie hat man ihr trotz Widerspruch abgelehnt. Nun soll sie vom Versorgungsamt aus eine Medizinische Badekur machen. Ich kann es nicht fassen. Wir haben das Gefühl, das Thema wird gemieden. Es interessiert die nur, dass meine Freundin „wieder arbeitsfähig“ werden soll.
Aber meine Freundin ist ein Wrack mit nicht nur äußerlichen schlimmen Verletzungen und Narben, sondern mit vor allem inneren Verletzungen u. Narben. Sie hat  nun wieder das Gefühl, das nicht geholfen wird. Inzwischen geht sie finanziell den Bach runter. Sie hat wegen dem Ereignis ihren Job verloren und ist seit fast 3 Jahren krankgeschrieben. Das  Versorgungsamt bezweifelt ihren Krankheitszustand und zahlt nur 30% Beschädigtenrente. Das sind 138€. HARTZ 4 fordert, dass sie in eine kleinere Wohnung umzieht. Das Sozialamt fordert ihre alleinerziehende Tochter auf, für ihre Mutter zu zahlen. Die Verfahren laufen noch, aber es geht nicht vorwärts.
Was soll man da noch von dem „Sozialstaat“ halten? Das alles hilft meiner Freundin nicht gesund zu werden oder das Erlebte zu verarbeiten!!  Haben Sie einen TIPP für uns?

Lieber Leser,

in so einer Situation und aus dieser Entfernung einen Tipp zu geben ist sicher nicht möglich.

Aber ich höre Ihren Ärger, um nicht zu sagen die Wut über diese Hilflosigkeit. Es entsteht so sehr der Eindruck, dem Staat ausgeliefert zu sein und keine oder nicht die richtige Hilfe zu bekommen. Mit dieser Wut ist es nicht gut möglich, eine gute Unterstützung zu sein. Weil diese Wut aus der Hilflosigkeit entspringt und die Ohnmacht für Sie beide nur verstärkt.

Aus meiner Erfahrung braucht es jemanden, der daran glaubt, dass es wieder gut werden kann. Jemand der, so wie Sie es hier machen, indem Sie mir schreiben, nach Lösungen suchen. Es braucht jemanden der durchhält, wenn der andere nicht mehr kann.

Den besten „Tipp“, den ich habe, ist nicht aufzugeben und weiter nach einem Therapieplatz zu suchen.

Ich höre das immer wieder, dass Behörden noch nicht ausreichend über die Folgen von Gewalterfahrungen informiert sind. Dass Behörden nicht helfen. Dass Ärzte nicht ausreichend erkennen, was Trauma mit einem betroffenen Menschen macht und welche Unterstützung es braucht.

Ich begleite Menschen, denen es ähnlich geht. Meine Erfahrung ist, dass es schon hilft, sich nicht darauf zu konzentrieren, was nicht möglich ist, wie zum Beispiel die Dauer von gerichtlichen Verfahren zu beschleunigen. Sondern sich ganz darauf zu konzentrieren, wo es weitere oder andere Hilfe gibt und was im Alltag vielleicht schon funktioniert. Sich darauf zu konzentrieren, was möglich ist. Je mehr wir darüber nachdenken, was alles nicht ist und wo uns übel mitgespielt wurde, desto mehr denken wir über Dinge nach, die uns ohnmächtig machen. Wir können es nicht ändern, weil es vorbei ist. Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Indem wir über Dinge nachdenken, die wir nicht ändern können, machen wir uns selbst ohnmächtig.

Wenn wir oft genug Ohnmacht erleben, geben wir irgendwann auf und glauben, wir wären allem in unserem Leben hilflos ausgeliefert. Aber das stimmt so nicht. Die meisten Dinge in unserem Leben können wir selbst entscheiden. Es geht darum, sich das wieder bewusst zu machen.

Ich kenne da eine sehr beeindruckende junge Dame. Der ist es gelungen, mit einer ganz einfachen Übung und einem eisernen Willen innerhalb von vier Wochen den Schritt aus der Ohnmacht zu machen. Sie lebte in der Vorstellung, dass sowieso nur die anderen über sie bestimmen, was zu einem großen Teil wahr war, weil sie noch minderjährig war. Sie stellte sich jeden Tag die Frage, wofür es sich zu leben lohnt, wo sie doch sowieso keinen Einfluss auf ihr Leben hat. Es war jeder Tag eine Frage zwischen Suizid und weitermachen, weiter vor sich hinleben ohne echte Freude. Was sie am Leben gehalten hat, war ihr Glaube an Gott.

Und dann hat sie angefangen eine einfache Übung zu machen. Jeden Morgen ist sie aufgestanden und hat 20 Dinge aufgeschrieben, die sie entscheiden kann. Etwa so:

  1. Ich kann entscheiden, ob ich aufstehe oder nicht.
  2. Ich kann entscheiden, ob ich etwas esse und trinke oder nicht.
  3. Ich kann entscheiden, ob ich dusche oder nicht.
  4. Ich kann entscheiden, mit wem ich Kontakt haben will oder nicht.
  5. Ich kann entscheiden, ….

Jeden Tag 20 dieser Sätze. Nach 4 Wochen jeden Tag einen Satz mehr. Am Ende, nach drei Monaten waren es viele Sätze. Aber schon nach vier Wochen hatte Ihre Einstellung zum Leben sich geändert. Es hat mich sehr berührt als sie sagt: „Am Anfang dachte ich, Sie sind bescheuert. Aber jetzt, nach 4 Wochen kann ich sagen, dass Suizid kein Thema mehr ist. Ich weiß jetzt, dass ich leben will und mein Leben mitbestimmen kann.“

Es ist nicht alles gut. Und es ist noch ein langer Weg mit all den Folgen der Gewalt. Aber jetzt ist sie auf dem Weg und kann es selbst spüren und sieht jetzt auch, wo es hilfreiche Unterstützung gibt.

Vielleicht geht es nicht darum, dass niemand hilft oder man nicht die Hilfe bekommt, die man denkt, dass man sie braucht. Vielleicht geht es darum, den Rechtanwalt seinen Job machen zu lassen, nur zu reagieren, wenn es nötig ist und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man selbst entscheiden kann.

Zum Beispiel können Sie sich über diesen Blog selbst informieren, woher die Symptome und die Ängste nach einer belastenden Lebenserfahrung kommen und was Sie dagegen tun können (PTSD).

Das gleiche gilt für Ihre Freundin. Lernen Sie gemeinsam über den Blog, so gut das möglich ist, woher die Beschwerden der belastenden Erfahrung kommen und was Sie schon dagegen tun können (Sicherer Ort, Hier und Jetzt), bis Sie einen geeigneten Therapieplatz gefunden haben. Einen geeigneten Therapieplatz können Sie über den PID  suchen.

Dazu können Sie sich beide wieder bewusst machen, was Sie alles entscheiden können. Sie können sich wieder darauf konzentrieren, wo Sie Einfluss auf ihr Leben haben. Die oben beschriebene Übung kann Ihnen dabei helfen.

Ich hoffe sehr, dass es Ihnen gelingt, sich von der Ohnmacht durch das Verhalten anderer und die Betrachtung der Vergangenheit abzuwenden und sich den Dingen im Leben zuzuwenden, die Sie beide selbst gestalten können.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg.

 

Leserfrage: Was tun bei chronischen Schmerzen?

Februar 11th, 2018 Veröffentlicht von Leserfragen, Strategien 0 Kommentare

Ich bin komplex traumatisiert und habe sehr viele Therapien hinter mir. Seit 3 Jahren leide ich an höllischen Nervenschmerschmerzen von den Sitzhöckern bis runter in die Füße. Die Schmerzen treten sofort nach dem Aufwachen auf und verschwinden auch durch Akupunktur, KG etc. nicht. An Medikamenten habe ich Tavor, Opium etc. genommen, was keine Dauerlösung ist.

Liebe Leserin,

Nervenschmerzen sind eine üble Sache. Sie machen ohnmächtig. Sie zermürben. Sie rauben alle Kraft, die wir für anderen Dinge sinnvoller einsetzen könnten.

Schmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Wenn medizinische Gründe ausgeschlossen sind, dann ist die spannende Frage, ob gängige Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure) anschlagen. Wenn ja, wäre das für mich immer erstmal ein Hinweis auf eine aktuelle körperliche Komponente des Schmerzes, also zum Beispiel Spannungs(kopf)schmerzen, Wirbel verschoben.

Aber ich erlebe auch immer wieder Fälle, in denen Schmerzmittel nicht anschlagen. Das ist für mich ein Hinweis auf einen Flashback, einen Fehlalarm, eine Erinnerungsattacke.

Wenn es eine Körpererinnerung (Flashback) ist, dann kann es hilfreich sein, in den Schmerz hinein zu spüren und ihn ganz genau wahrzunehmen. Das bringt manchmal die dazugehörigen restlichen Erinnerungsteile zurück.

Eine hilfreiche Frage ist: Was, lieber Körper, was lieber Schmerz willst Du mir sagen? Wenn wir hinspüren, kann so manchmal eine Antwort kommen.

Bei mir selbst ist es manchmal so, dass ich Kopfschmerzen bekomme, wenn Klienten mit einem geistlichen Thema kommen, wenn es darum geht, dass Gott Großes mit ihnen vorhat. Dann bekomme ich als Ausdruck des geistlichen Angriffs Kopfschmerzen. Mein Glaube an die Wirkung von Schmerzmitteln ist allerdings so groß, dass sie helfen, obwohl es erstmal keine körperliche Ursache gibt. Anspannung vielleicht, ja, das mag sein. Manchmal ist der Schmerz allerdings nicht so stark oder taucht schlagartig während einer Sitzung auf, wenn das Thema von Psychologie hin zu Glaube wechselt. Und wenn die Person geht, ist der Schmerz, die Müdigkeit und andere Beschwerden schlagartig wieder weg.

Man könnte jetzt sagen, das kommt von der Entspannung, sozusagen der Erleichterung, weil das „schwierige“ Gespräch vorbei ist und ich froh bin, dass der andere weg ist. Mag sein. Ich erlebe es anders. Es sind oft die besonders berührenden und heilsamen Gespräche, die durch solche Kopfschmerzattacken „behindert / attackiert“ werden.

Wenn es um Entspannung gehen würde, müsste eine Entspannungstechnik helfen. Tut sie aber nicht. Allein mein Glaube – an die Medikamente J und an Gott, in Form eines Gebets hilft. Manchmal auch ein gemeinsames Gebet.

Ich weiß nicht, welche Ursache, Ihre Nervenschmerzen haben könnten. Aber sowohl ein Entspannungsverfahren sehr gut zu lernen kann hilfreich sein, wenn sie mit Stress (Flashback-Schmerzen = Körpererinnerung) verknüpft sind. Alle Strategien, die gegen Erinnerungsattacken helfen, können Entlastung bringen (Hier und Jetzt, der Sichere Ort) oder aber genau das Gegenteil: Sich in den Schmerz hineinspüren und ihn fragen, was er mir sagen will. Allen Mut zusammen zu nehmen und den Körper nach dem Rest der Erinnerung fragen. Was nur funktionieren kann, wenn es die Schmerzen Teil einer Erinnerung sind.

Frei nach Louise Hay könnte folgende Interpretation eine Hilfe sein:

Schmerz, Dauerschmerz verweist auf Schuldgefühle, die im Schmerz ihre Bestrafung finden. Dem kann ich mit einem neuen Gedankenmuster (Giftige Gedanken) entgegenwirken: „Liebevoll lasse ich die Vergangenheit los. Die andere sind frei und ich bin frei. Alles ist jetzt gut in meinem Herzen.

Komplexe Traumafolgestörungen gehen oft damit einher, dass Täter einen zwingen, Täterverhalten zu zeigen. Sie wollen, dass sich ihre Opfer genauso schuldig fühlen wie die Täter selbst sich schuldig machen. Sie reden ihren Opfern Schuld ein. Aber ein Opfer hat keine Wahl und damit auch keine Schuld. Schuldgefühle, wenn sie die Ursache der Schmerzen sein könnten, sind ein wichtiger und komplexer Schutzmechanismus gegen Ohnmacht (Schuldgefühle). Sollte das ein Thema sein, so geht es darum zu sehen, dass Sie keine Wahl hatten und deswegen ohne Schuld sind. Sie hatten in der Gewaltsituation keine Wahl, auch wenn das von heute aus betrachtet anders aussehen mag.

Ich bin tief und fest davon überzeugt, dass niemand sich schuldig machen würde, wenn er eine echte, freie Wahl sehen würde. Aber oft haben wir sie nicht oder sehen sie nicht. Als Opfer von Gewalt reden wir uns ein, wir hätten eine Wahl, wo es nie eine gab, um die Ohnmacht nicht mit aller Macht spüren zu müssen und so die Illusion von Einfluss auf die Situation und damit das eigene Wohlbefinden aufrecht erhalten zu können.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie die Ursache der Schmerzen entdecken und ans Licht bringen und sich so davon befreien können.

Herzliche Grüße und viel Kraft für diesen Weg

Stefanie Rösch

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