„Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“ – Stefanie Rösch, 2013

Posts zum Tag "Gefühle"

Video: Warum ist es für Traumabetroffene so schwer, Wut zu spüren und sich zu wehren?

07.05.2020 Veröffentlicht von Videoinhalte 0 Kommentare

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Leserfrage: Das tiefe Erdloch von Mima

22.02.2016 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Manchmal ist es schwer, Worte dafür zu finden, wie es sich anfühlt, wie es in einem aussieht. Mima hat mir und Ihnen, liebe Leser, ihre Worte zur Verfügung gestellt. Vielleicht können diese Worte anderen helfen, zu sagen, wie es sich anfühlt. Wie ein tiefes Erdloch, das einen verschlingen will, aus dem es kein entkommen zu geben scheint, in dem man gefangen und vergessen ist. Ungehört um Hilfe ruft. Doch wenn man nicht aufgibt, wird man gehört werden, wenn man weiterkämpft, kann man hinausfinden. Nur nicht aufgeben!

Danke Mima für diesen Text. Vielleicht können Sie damit anderen Mut machen, Worte zu suchen und zu finden und wer möchte, darf sie mir gerne schicken, damit wir gemeinsam Worte für all die unaussprechlichen Zustände und Empfindungen finden und einander darin durch Geschichten unterstützen.

Vielen Dank!

Das tiefe Erdloch

von Mima

Eigentlich war ja alles ganz gut. Warum sich dieses Erdloch aufgetan hat? Keine Ahnung. Ich merkte nur, wie der Boden unter meinen Füßen wegbrach, ich unaufhaltsam in die Tiefe glitt und die nachrutschende Erde mich unter sich begrub. Es war unendlich dunkel und kalt. Mir blieb die Luft weg und ich hatte keine Ahnung, ob ich jemals wieder Licht sehen würde. Ich war verschüttet in einer Depression. Doch mein Wunsch, wieder ans Licht zu kommen, gab mir die Kraft! Ich hatte die Kraft, die Erde, die über mir war, Handvoll um Handvoll, zu durchdringen. Luft, eine Ahnung von Licht. Aber so tief und eng ist dieses Loch! Kaum vorstellbar, aus eigener Kraft hier wieder rauszukommen. Meine Rufe bleiben ungehört. Und so war das erste, mich selbst von der über mir liegenden Erde, die mich bedeckt hatte, zu befreien. Ein tiefes, schwarzes, enges Erdloch, ich ganz alleine hier drin, über mir ganz weit kaum wahrnehmbar das Licht.

Ich will aus diesem Loch raus! Wie stell ich’s an? Ich versuche, an den Erdwänden nach oben zu klimmen. Aber ich rutsche immer wieder ab und die Kraft, die mich dieses Hochklettern wollen kostet, ist unermesslich groß, das Ergebnis immer dasselbe – ich rutsche zurück an den Grund des Erdlochs. Es muss eine andere Lösung geben. Meine Rufe bleiben ungehört. Ich kann mir nur selber helfen. So beginne ich, wieder Handvoll um Handvoll, Erde unter meine Füße zu bringen. Immer zugleich mit der Sorge, die Wände könnten anfangen zu rutschen, es könnte mich wieder neu begraben. Mit jeder Handvoll Erde, die ich unter meine Füße bringe, komme ich ganz langsam und unendlich mühsam voran. Das Erdloch weitet sich Millimeter für Millimeter, Zentimeter für Zentimeter, verändert sich, wird mehr eine Grube. Manchmal rutscht Erde nach, bricht vom Rand der Grube ein kleiner Erdrutsch, aber der begräbt mich nicht! Er macht, dass ich, so anstrengend es im ersten Moment sein mag, so bedrohlich das im ersten Moment gewirkt hat, ein paar Millimeter, ein paar Zentimeter mehr Erde unter meine Füße bekomme! Und so arbeite ich Tag für Tag. Fast kann ich schon den Rand der Grube greifen! Ich rufe wieder. Und wenn ich selber merke, dass die Erde unter meinen Füßen immer mehr wird, kommt von oben, wenn ich wieder rufe nur, dass ich ja immer noch da unten sitzen würde. Ja, ich sitze noch drin. Aber ich arbeite mich doch aus der Grube raus! Siehst Du denn nicht, dass ich Tag für Tag ein wenig höher komme? Dass die Grube nicht mehr ein enges Loch ist sondern sich immer mehr weitet? Dass hier sogar Platz wäre, ohne Gefahr noch ein wenig Erde dazu zuschütten, ohne mich zu gefährden? Bitte, kipp doch ein ganz klein wenig Erde in die Grube, mach, dass die Grube sich stetig, Millimeter für Millimeter, Zentimeter für Zentimeter, füllt. Ich weiß doch jetzt, wie ich die Erde, die von oben kommt, festtreten muss, damit mir keine Gefahr droht, wieder verschüttet zu werden. Aber Du lehnst ab. Du siehst nur, dass ich in der Grube bin. Dass die Grube sich Tag für Tag verändert, dass inzwischen – weil sie am oberen Rand schon so weit geworden ist – das Licht mich wieder länger bescheinen kann, als zu Anfang, als die Grube ein schmales tiefes Loch war. Du nimmst es nicht wahr.

Endlich! Endlich merke ich, ich kann den Rand greifen! Noch ein wenig! Und vielleicht reicht meine Kraft sogar, mich wirklich aus der Grube rauszuziehen? Wieder bitte ich um Hilfe. Eine ungeschickte Bewegung macht, dass ich nochmal abrutsche. Und indem Du mir beim Rutschen zusiehst, kommt aber nicht Deine helfende Hand sondern wieder, ich säße ja immer noch da unten. Gut. Ich bin auf mich gestellt. Das habe ich jetzt schmerzlich begriffen. Aber es hilft nichts. Ich will aus der Grube raus. Nicht für Dich. Ganz für mich selber! Und vielleicht ist es auch besser, dass ich das ganz alleine schaffen muss. Meine Arme sind stark geworden. Meine Hände haben Kraft. Ich schaffe das, wenn ich nur jetzt nicht aufgebe.

Ich muss mich doch eigentlich gar nicht über den Rand schwingen. Wenn ich mit dem Erde unter die Füße bringen weitermache, ist die Grube nachher nur noch eine weite Senke. Vielleicht die bessere Lösung. Ich werde die Stelle wiedererkennen, wo es mich in die Tiefe gerissen hat. Ich will nicht, dass da ein tiefes, enges Erdloch ist. Ich will nicht, dass da eine Grube ist, in die ich wieder hineinfallen kann. Ich will, dass es nur noch eine Senke ist. Und ich weiß dann, ich habe mit eigenen Händen, mit eigener Kraft dieses Erdloch zur Grube geweitet, Erde am Grund der Grube festgetreten, bis nur noch eine Senke blieb. Und so arbeite ich weiter.

Dein Blick ist so gestört! Siehst Du denn nicht den Unterschied zwischen einem Erdloch, einer Grube, einer Senke? Und dann ist es soweit. Eine Senke. Kaum noch wahrnehmbar fügt sie sich in ihrer Weitläufigkeit in die Landschaft meines Lebens ein. Oh! Schön! Da sind Menschen! Menschen, die mir Samen geben, diese Senke zu bepflanzen! Ein paar Gräser, ein paar Blumen. Sogar ein Strauch! Und – ich kann es kaum glauben – ein Baum! Etwas, das stabil in der Erde stehen wird und kraftvoll wachsen. So einen Baum kann man nicht übersehen. Nicht einmal Du! Dein Erstaunen. Noch begreifst Du nicht wirklich, was geschehen ist. Und auf einmal erschrickst Du über Dich selbst. Es überrollt Dich und ich spüre Dein Erzittern oder ist das etwa…. Achtung! Pass auf! Nein! Nicht Du… und ich greife Dich mit meinen kräftigen Händen. Ich umfasse Dich mit meinen erstarkten Armen. Ich halte Dich. Und wir knien uns hin und schauen in das Erdloch, das soeben Dich verschlingen wollte. Und wir beginnen es mit Erde zu füllen. Handvoll um Handvoll. Millimeter um Millimeter. Zentimeter um Zentimeter. Und ich sehe, wie unbeholfen Du Dich dabei anstellst – und ich begreife, dass Deine Blindheit nur Deine Unbeholfenheit überdecken sollte.

Psychologie und Film: Batman Begins, 2 – Hab keine Angst

02.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Kurze Zeit später erlebt Bruce in einer Opernaufführung eine Angstattacke und will gehen. Seine Eltern verlassen mit ihm den Saal durch einen Hinterausgang, wo sie überfallen und beide Eltern getötet werden. Sterbend schaut der Vater den Sohn an und sagt: „Bruce, es ist okay. Hab keine Angst.“ Bruce bleibt allein mit Alfred zurück, dem treusorgenden Butler und Nachlassverwalter.

Wenn ich an all die Opfer von Gewalt denke, die ich in meinem Leben schon kennengelernt habe, dann verbindet diese alle die Angst vor den Tätern und besonders die Angst vor den eigenen Erinnerungen. Die Angst vor der Erinnerung an die Fledermäuse ist es, die Bruce vermeiden will. In seiner Wahrnehmung ist es das, was zum Tod seiner Eltern führt. Wie kann er sich nicht schuldig fühlen? Wie viele Menschen fühlen sich schuldig („Her mit der Ohnmacht“), weil es immer noch besser ist als das Gefühl der Ohnmacht. Bruce kann nichts tun als seine Eltern bedroht und erschossen werden. Er ist zu klein. Er ist ohnmächtig.

Bruce bekommt von seinem sterbenden Vater gesagt, dass er in dieser massiven Bedrohungssituation keine Angst haben soll. Der sterbende Vater will seinen Sohn mit diesen Worten trösten. Er weiß ihn versorgt. Aber Bruce? Ich bezweifle, dass er das verstehen konnte. Er bekommt nur gesagt, dass er das Gefühl, das er hat, nicht haben soll.

Es ist grundsätzlich keine gute Strategie jemandem zu sagen, wie er sich fühlen soll. Denken Sie nur an das „jetzt beruhig Dich erstmal“, das wir so daher sagen, wenn jemand sehr aufgeregt ist. Wir haben Gefühle als Reaktion auf unsere Umwelt. Wenn jemand traurig, aufgeregt, wütend, hilflos, verzweifelt, voller Angst ist, dann mit gutem Grund. Niemand möchte gerne gesagt bekommen, wie er sich fühlen soll. Hilfreich an dieser Stelle wäre zu sagen „Es ist okay, wenn Du Angst hast. Das geht auch wieder vorbei.“

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Link zum Film auf IMDB.com, der meist englischsprachigen größten Filmdatenbank.
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Von Christopher Nolan und David S. Goyer auf IMDB.com

Her mit der Ohnmacht! – Über den Sinn und Unsinn von Schuldgefühlen

25.01.2014 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle 0 Kommentare

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wozu Schuldgefühle gut sind? Für Sie sind diese Gedanken und Gefühle lästig und störend, aus psychologischer Sicht sind sie eine Überlebensstrategie und erfüllen eine wichtige Funktion. Sie geben uns Sicherheit.

Sicherheit, werden Sie fragen? Ja, Sicherheit. Wenn Sie Sich für etwas schuldig fühlen, dann glauben Sie doch, dass Sie etwas Negatives zu verantworten haben. Oder? Wenn Sie Sich schuldig fühlen, dann glauben Sie doch, etwas Negatives bewirkt zu haben, es ausgelöst, es irgendwie gemacht zu haben.

Wenn Sie etwas gemacht haben, dann haben Sie doch entschieden, es zu machen, oder nicht? Wenn Sie es entschieden haben, können Sie auch entscheiden, es nicht mehr zu tun. Das bedeutet, wenn Sie etwas Negatives verursacht haben, für das Sie Sich dann schuldig fühlen, dann können Sie in Zukunft entscheiden, es nicht mehr zu tun.

Und das bedeutet, wenn Sie Sich entscheiden, etwas nicht mehr zu tun, dass dann das Negative auch nicht mehr passieren kann.

Alles logisch soweit, oder?

Ein Beispiel: Wenn Sie in einer Bank arbeiten und zum Geburtstag eines Familienmitglieds wollen, werden Sie einen Kollegen fragen, ob er Ihre Schicht an der Kasse übernehmen kann. Der Kollege sagt zu und einen Tag später erfahren Sie, dass die Bank überfallen und Ihr Kollege dabei schwer verletzt wurde.

Viele Betroffene in ähnlichen Situationen glauben, dass Sie am Unglück des Kollegen schuld sind. Sie fühlen Sich, als hätten Sie ihn selbst und eigenhändig verletzt. Sie glauben, wenn Sie nicht gefragt hätten, die Schicht zu tauschen, dass dann nichts passiert wäre.

Der Denkfehler besteht nur darin, dass all das nicht passiert wäre, wenn der Bankräuber entschieden hätte, den Banküberfall nicht zu machen. Das allein ist die Ursache dafür, dass der Kollege verletzt wurde. Dass es den Kollegen erwischt hat, war Zufall, wären Sie dagewesen, hätte es Sie erwischt oder vielleicht eine andere Person. Allein der Bankräuber hätte verhindern können, dass niemand zu Schaden kommt, indem er den Raub gar nicht erst unternommen hätte.

Es gibt viele Beispiele, in denen wir glauben – man kann schon fast sagen, uns einbilden – etwas bewirkt zu haben, auf das wir keinerlei Einfluss hatten. Immer dann, wenn Sie Sich schuldig fühlen, sollten Sie gut prüfen, ob Sie es tatsächlich hätten verhindern können und wer die echte, unmittelbare Ursache für etwas gesetzt hat.

Wenn es kein Unfall ist, dann ist es immer der Täter, der die volle Verantwortung für die Folgen seines Tuns hat.

Aber unser Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle (Grundbedürfnisse) ist so groß, dass wir uns lieber schlecht, schuldig fühlen, weil wir uns einbilden, etwas verursacht zu haben, auf das wir keinen Einfluss hatten, als zu akzeptieren, dass es Dinge im Leben gibt, denen wir ohnmächtig ausgeliefert sind.

Üben Sie Sich darin zu akzeptieren, dass Ohnmacht zum Leben dazu gehört. Ja, wir haben Einfluss auf unser Leben. Ich stelle mir immer vor, dass ich in 80% meiner Lebenssituationen beeinflussen kann, wie diese Situationen verlaufen. Wahrscheinlich ist auch diese Annahme noch ziemlich „größenwahnsinnig“.

Aber bei 80% Kontrolle, gibt es eben auch 20% Ohnmacht. Und immer, wenn mir eine Situation begegnet, die schlecht läuft, prüfe ich gut, ob ich es wirklich hätte beeinflussen können oder aber diesmal eine 20%-Ohnmacht-Situation erlebe. So muss ich mich nicht dauerhaft schuldig fühlen für etwas, auf dass ich nie Einfluss hatte, sondern muss für die Dauer der Situation aushalten, dass ich keinen Einfluss habe. Das ist auch unangenehm, aber weniger größenwahnsinnig und dauert deutlich kürzer. Denn wenn die Ohnmachts-Situation vorbei ist, kann ich wieder Einfluss nehmen. Dann kann ich wieder für meine Sicherheit sorgen und mich gut dabei fühlen.

4SeN: 4 Seiten einer Nachricht: Sie entscheiden, was Sie hören!

04.01.2014 Veröffentlicht von Kommunikation 0 Kommentare

Schulz von Thun gebührt der Dank für ein nachvollziehbares Modell menschlicher, verbaler Kommunikation.

Das Modell nannte er 4 Seiten einer Nachricht. Vier Seiten, weil er die Annahme macht, dass jeder gesprochene Satz vier Bedeutungsebenen hat.

Da gibt es den Appell, die Handlungsaufforderung. Mit jedem Satz sagen wir, dass der andere etwas tun soll. Entweder etwas Bestimmtes wie hier im Beispiel: Fahr los! Oder etwas weniger Konkretes wie: Hör mir zu! Sei aufmerksam! Viele Menschen sind darauf trainiert zu hören, was andere von ihnen wollen. Egal, ob der andere es konkret sagt oder fragt oder nur „so durch die Blume“ sagt. Daraus kann ein vorauseilender Gehorsam entstehen und der Gedanke, ständig will jemand etwas von einem. Ob das tatsächlich so ist, oder nur ein Ergebnis Ihrer „Hörgewohnheiten“ erfahren Sie nur, wenn Sie den anderen fragen, was er meint. Für den anderen kann es sehr angenehm sein, wenn Sie tun, was Sie glauben, dass der andere von Ihnen will, weil er nicht darum bitten muss, etwas für ihn zu tun.

Bitte anklicken, um das Bild zu vergrößern.

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Eine zweite Ebene ist die Beziehungsebene. Mit jedem gesprochenen Satz, so von Thun, schicken Sie eine Aussage darüber mit, wie Sie die Beziehung zum anderen wahrnehmen. Wer hat wem etwas „zu sagen“? Wer will wen zu etwas zwingen? (im Beispiel die Zeile, in der das Kästchen markiert ist) Wer sieht sich als Opfer und hilflos? (letzte Möglichkeit hier im Beispiel) Oder sehen Sie Ihr Gegenüber als gleichberechtigten Partner? (Beziehungsebene, 1. Zeile). Ideal wäre eine Kommunikation, in der wir unser Gegenüber als gleichberechtigten Partner wahrnehmen und behandeln. Auch das erfordert, dass wenn wir etwas vom anderen wollen, dass wir das konkret fragen: „Würdest Du bitte schneller fahren. Ich habe Angst, meinen Zug zu verpassen.“ Eine Frage birgt allerdings immer das Risiko in sich, dass der andere uns einen Wunsch verwehrt. Das ist sicher ein Grund, warum wir uns nur „zwischen den Zeilen“ verständigen und dann immer sagen können, „das hab ich nicht so gemeint“ oder „das habe ich dann wohl missverstanden“. Wenigstens müssen wir uns dann nicht mit der Zurückweisung auseinandersetzen.

Die dritte Ebene ist die Sachebene. Damit ist wortwörtlich gemeint, was da steht. Also hier im Beispiel, dass da vorne eine Ampel ist und dass das grüne Licht brennt. Nicht das rote Licht leuchtet oder das gelbe, sondern das grüne. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schwer es für viele Menschen ist, gerade diese Ebene zu hören. Wir sind es so sehr gewohnt, in die Worte eines anderen „etwas hineinzuinterpretieren“, dass es uns schon gar nicht mehr auffällt. Nehmen Sie einen Satz wie „Können Sie mir sagen wie spät es ist?“. Die verbreitetste Antwort darauf ist: „7 Uhr 23“ oder welche Uhrzeit es gerade ist, wenn diese Frage gestellt wird. Dabei überspringen wir automatisch einen Teil des Gesprächs, von dem wir wissen, dass es sowieso immer gleich abläuft. Denn genau genommen, müsste das Gespräch so ablaufen:

„Können Sie mir sagen, wie spät es ist?“ (1)
„Ja.“ (2)
„Wie spät ist es denn?“ (3)
„7 Uhr 27“ (4)

Als der Gefragte, wissen wir, dass die Frage aus Zeile (3) folgen wird, wenn wir „ja“ sagen, deswegen geben wir gleich die Antwort auf diese Nachfrage, obwohl sie nicht gestellt wurde. Eine sehr verbreitete sprachliche Gewohnheit, könnte man sagen.

Schauen Sie einmal in Ihre nahen Beziehungen. Wenn Sie genau hinschauen, finden Sie eine Menge dieser Gewohnheiten, also dieser Annahme von bestimmten Interpretationen/Bedeutungen eines Satzes. Dabei lassen Sie völlig außer Acht, dass es eine „Vermutung“ von Ihnen ist, was der andere gerade meint. Wenn Sie Gewissheit haben wollen, dann fragen Sie!

Die vierte Ebene habe ich hier mal Gefühle genannt. Schulz von Thun nennt sie Selbstoffenbarung. Wann immer wir etwas sagen, sagen wir auch etwas über uns selbst aus, über unseren Zustand, unsere Gefühle. Hier im Beispiel könnte der Sprecher genervt sein, es eilig haben oder aber Angst haben, seinen Zug zu verpassen. Je nach Situation, in der dieser Satz gesagt wird.

Das Schöne an diesem Modell ist, dass jeder gesprochene Satz vier Ebenen hat, auf denen er „gemeint“ sein kann. Gleichzeitig haben Sie die Freiheit, auf welcher Ebene Sie ihn hören wollen. Wenn Sie nicht fragen wollen, welche Ebene Ihr Gegenüber meint oder Ihr Gegenüber sich unklar ausdrückt, dann können Sie Sich einfach entscheiden, welche Ebene Sie hören „wollen“! Dabei kann ich empfehlen, die Sachebene zu hören. Das ist in den meisten Fällen/Sätzen die Ebene, zu der Sie am leichtesten inneren Abstand halten können.

Was würde wohl passieren, wenn Sie ab heute nur noch auf der Sachebene hören?

Dann würde aus einem „Der Müll ist voll“ (Sachebene) kein „Bring den Müll runter!“ (Appell) werden und kein „Du kannst den Müll auch mal runterbringen“ (Vorwurf/Beziehungsebene), sondern einfach nur die Feststellung, dass der Mülleimer voll ist. Dann könnten Sie einfach sagen „Stimmt“ oder „Stimmt nicht“ und schon wäre das Gespräch beendet.
Oder aber der andere müsste sagen „Würdest Du bitte den Müll rausbringen?“, dann könnten Sie sagen „Gerne.“ oder „Ich habe gerade keine Lust.“ oder „Ja, mach ich später.“

Und wenn Sie zu denen gehören, die „durch die Blume“ mit anderen reden und sich immer wundern, warum Sie niemand versteht, dann wissen Sie jetzt, dass es daran liegt, dass der andere einfach auf einer anderen Ebene hört. Sie werden sich also in Zukunft klarer ausdrücken können, dann werden Sie auch häufiger verstanden.

Natürlich ist das Modell insofern sehr unvollkommen, da es die komplette nichtsprachliche Kommunikation vernachlässigt. Meistens geben uns Gesichtsausdruck, Körperhaltung oder die Art wie wir etwas sagen einen guten Hinweis darauf, wie ein Satz gemeint ist. Aber selbst das können wir ignorieren und entscheiden, dass wir eine andere Ebene hören wollen, weil es für uns angenehmer oder die Beziehung entspannter ist.

Hier mein Angebot an Sie:

Unten finden Sie eine Datei zum Herunterladen mit einer Vorlage für das Kommunikationsmodell. Mit dieser Vorlage können Sie selbst Sätze analysieren, zum Beispiel Sätze, die Sie immer wieder auf die Palme bringen, und sich dann in Ruhe überlegen, wie Sie auf der Sachebene darauf reagieren wollen.

Wenn Sie möchten können Sie mir über das Kontaktformular auch einzelne Sätze mit einer kurzen Schilderung der Situation, in der der Satz gesagt wurde, schicken und ich bespreche diesen Satz hier im Blog mit einem Vorschlag für eine Antwort.

Download des Übungsblattes

4SeitenNachricht_Arbeitsblatt

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