"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Posts zum Tag "Heilung"

Achtung Gott: Leserfrage: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern? (2)

27.08.2016 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Leserfragen 2 Kommentare

Die Frage nach der Vergebung im Heilungsprozess hat mich nun einige Wochen beschäftigt. Neben dem letzten Artikel entstand ein zweiter, den ich Ihnen heute zum Nachlesen und Nachdenken anbiete.

Liebe Leserin,

Erwartet Gott von uns, dass wir vergeben?

Ja, das ist so. In Matthäus 6, 9–15 steht das Vater unser:

Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

Und der nächste Vers lautet:

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Ja, das ist wirklich eindeutig für mich. Er will, dass wir vergeben. Und es ist ihm so wichtig, dass er es gleich nachdem er uns sein Gebet gegeben hat, nochmal darauf hinweist, dass Vergebung ein ganz zentraler Punkt ist.

ABER: Ich glaube, er will die Vergebung für die, die unter der Schuld leiden, die Opfer. Ich weiß nicht, ob es wirklich möglich ist, dass der Täter sich vergeben und frei von Schuld fühlt, wenn wir sagen: Ich vergebe Dir! Das würde in meinen Augen voraussetzen, dass er selbst seine Schuld sieht und Verantwortung dafür übernimmt und entsprechend darunter leidet, weil ihn sein Gewissen plagt. Dann aber, würde er doch von sich aus kommen wollen, um seine Reue zu zeigen. Dann würden Sie wissen, dass die Reue echt ist und dann würde auch etwas geschehen in Ihnen beiden, wenn er um Vergebung bittet und Sie sie gewähren können. Das wäre heilsam.

Doch das passiert leider nicht immer. Daher denke ich auch, dass der Täter seine Schuld mit Gott klären muss. So wie wir nur in Eigeneverantwortung gesund werden.

Bei der ganzen Sache mit der Gewalt und der Vergebung und Schuld und allem, was damit zusammenhängt, geht es oft nur darum, Macht zu haben und sich nicht ohnmächtig fühlen zu müssen. Ich frage mich: Fühlt sich ein Täter nicht selbst ohnmächtig, um Gewalt gleich welcher Art zu machen? Sieht er nicht, dass das sein Problem der Machtlosigkeit nicht löst, sondern nur kurzfristig befriedet, so wie ein Schluck Wasser den Durst für ein paar Minuten?

Ist Vergebung nicht die befreiende Möglichkeit, die Ohnmacht auf Seiten des Opfers an den Täter zurückzugeben? Wenn ich vergebe, dann entscheide ich. Ich allein. Ich bin nicht auf den Täter angewiesen, um meinen inneren Frieden und Gesundheit wiederzufinden.

Wenn ich darauf warte, bis er bereut, was er mir angetan hat, dann bleibe ich abhängig und vor allem ohnmächtig. Und der Täter bleibt in der Macht. Aber wenn ich mich löse und abwende, dann kann ich wahrlich frei werden. Und Freiheit ist es, was Gott für uns will. Glauben Sie nicht auch? Galater 5 erinnert uns immer wieder daran, dass wir zur Freiheit berufen sind.

Außerdem will er aus dem Leid etwas Gutes wachsen lassen. Das verhindern wir, wenn wir uns nicht auf den Weg der Heilung machen und ihn nicht bis zu Ende gehen.

Was kann aus dem Leid denn Gutes erwachsen?

Das fühlt sich oft und lange vielleicht nicht so an, aber es geschieht ganz automatisch, fast wundersam, wenn man seinen Heilungsweg einfach Schritt für Schritt geht. Gott ist groß. Er wird Ihnen zeigen, wozu er Ihre Verletzungen nutzen will und wie er etwas Gutes daraus entstehen lässt, sowohl für Sie wie auch durch Sie für andere.

Alleine dass Sie den Mut hatten, mir zu schreiben und mich nach meinen Gedanken zu fragen, ermöglicht es jemand anderem, der diesen Mut nicht hatte, trotzdem meine Antwort zu lesen und auf diese Weise vielleicht Heilung zu erfahren. Alleine weil Sie schon so viel Therapie gemacht haben, dass Sie sich trauen konnten, diese wichtige Frage zu stellen. Das ist es, wie Gott in unser Leben spricht.

Vielleicht wäre es leichter, wenn Sie wüssten, was Gott durch Ihr Leid und Ihr Ringen um Gesundheit bereits in anderen Menschen bewirkt hat. Das erfahren wir oft nicht, aber wir dürfen sicher sein, dass er das tut. Genauso hat er Ihnen eine Super-Therapeutin an die Seite gestellt. Auch wenn sie keine Christin ist, lernen Sie dort, was es braucht, um mit den Fehlalarmen Ihres Hirns umzugehen und innere Freiheit von der Vergangenheit zu erlangen. Da hat Gott für Sie gesorgt. Bestimmt tut er das auch an anderen Stellen, von denen ich nichts weiß, oder?

Was wäre, wenn Ihr Leid und Ihr Gesundungsweg dazu beitragen oder überhaupt erst ermöglichen, dass andere gerettet werden oder zu Gott finden? Was, wenn Sie einen Weg finden, anderen voranzugehen, anderen Mut zu machen, andere zu berühren mit Ihren Lebenserfahrungen und Gottes Hilfe? Was wenn Sie anderen erzählen, wie groß Gott in Ihrem Leben ist und wie er Ihnen auf jedem Schritt beigestanden ist, weil Sie es sehen können, wie es tatsächlich war, weil Sie spüren können, dass das die Wahrheit ist? Könnte das Handeln des Täters nicht genau in das Gegenteil von dem umschlagen, was Satan damit bewirken wollte? Es würde Liebe entstehen, wo Zerstörung gedacht war. Es würde Leben entstehen, wo seelischer Tod geplant war. Wäre das Verhalten des Täters dann noch wichtig, wenn Sie sehen könnten, wie Gott allem Sinn gibt und alles nutzt, um das Böse in der Welt durch Sie zu besiegen? Dabei ist er auf Sie angewiesen. Sie sind wichtig! Genau so wie Sie sind. Alles, was es dazu braucht, ist weiter jeden Tag aufzustehen, Therapie zu machen und Schritt für Schritt gesund zu werden und damit Ihrer Umwelt zu beweisen, dass der Plan des Täters versagt hat und Sie die Siegerin sind. Weil Gott Ihnen die Fähigkeit gegeben hat, ihre Gedanken zu erneuern und damit zu einem neuen Menschen zu werden.

Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn, und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. (Epheser 4, 23)

Das erreichen Sie allein dadurch, dass Sie weitermachen wie bisher. Großartig, das gefällt mir!! Ich kann schon wieder sehen, wie Gott sich freut und Satan wie Rumpelstilzchen am Zornen ist, weil Sie diese Zeilen lesen. Das tut so gut. Auch mir.

Sehen Sie, schon ist etwas Gutes entstanden, auch bei mir. Danke dafür!

Ich wünsche Ihnen weiterhin Mut und Durchhaltevermögen und bete, dass Gott Ihnen die Heilung zuteilwerden lässt, nach der Sie sich sehnen und die er im Sinn hatte als er Sie schuf. So soll es sein!

Herzliche Grüße, Stefanie Rösch

Achtung Gott: Leserfrage: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern? (1)

13.08.2016 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Leserfragen 2 Kommentare

Ich bin Opfer von Missbrauch und Vernachlässigung und arbeite mit einer sehr guten Traumatherapeutin. Leider ist sie keine Christin. Ich aber schon. Mein Problem ist, ich bete das Vaterunser. Bei dem Wort „Vater“ denke ich „himmlischer Vater“. Das hat geholfen. Die Trennung zwischen den zwei unterschiedlichen Vätern.

Aber dann kommt „vergib unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..“ Ja, da ist das Problem. Ich spreche das aus, kann aber nicht vergeben – zumindest nicht umfassend. Wie soll ich etwas (umfassend) vergeben, was ich nicht weiß? Letztens wurde mir eine CD mit einer Predigt gegeben. Sie enthielt die Geschichte von dem Knecht dem von seinem Herrn ein riesiger Schaden vergeben worden ist und der kurz danach seinem Mitknecht eine kleine Sünde nicht vergab (Matthäus 18, 23 -25). Es tut weh, denn ich nehme meinen Glauben ernst. Ich wurde mich freuen, Ihre Sicht zu lesen. Vielen Dank

Liebe Leserin,

Danke für Ihr Vertrauen und Ihre Frage. Vergebung ist tatsächlich ein Thema, das uns Christen immer wieder sehr beschäftigt und bei dem ich als Therapeutin immer wieder erlebe, dass man von Betroffenen erwartet, den ersten Schritt vor dem zweiten zu gehen.
Aus meiner Erfahrung heraus, ist Vergebung der letzte Schritt in einem oft langen Heilungsprozess. Nicht der erste. Folgende Überlegungen dazu:

1.    Die Unschuldsvermutung
Ich kann nur eine Schuld vergeben, wenn ich sicher weiß, ob es etwas geschehen ist, das Schuld für den Verursacher bedeutet. Wenn ich es nicht sicher weiß, dann gehe ich persönlich erstmal von der Unschuldsvermutung aus: Was ich nicht erinnere, ist erstmal nicht geschehen. Wenn es in meiner Erinnerung oder in meinen Symptomen keinen Hinweis auf einen Schuldigen oder schuldhaftes Verhalten gibt, dann gehe ich davon aus, dass nichts geschehen ist. Ich muss nicht annehmen, dass mehr geschehen ist als ich erinnere. Das ist meine Entscheidung und diese Entscheidung fälle ich zu meinen und als Christin auch zu Gunsten des Täters, indem ich davon ausgehe, wenn ich nichts erinnere, dann ist auch nichts geschehen, was mein Leben negativ beeinflusst. Im Grunde halte ich mich damit auch an unser Deutsches Recht.
Wenn ich mich dann irgendwann erinnere, dann setze ich mich damit auseinander. Wenn ich Beschwerden habe, dann habe ich Erinnerungen, egal auf welcher Ebene: Bilder, Geräusche oder Gesagtes, Gerüche, einen Geschmack oder auch eine Körpererinnerung. Dann muss ich mich damit auseinandersetzen.

2.    Anerkennen
Wenn ich erfahre, weil ich mich erinnere, dass ich zum Opfer gemacht wurde, dann ist der erste notwendige Schritt in der Heilung in meinen Augen die Anerkennung der Erfahrung: Es ist wirklich passiert. Das ist oft nicht einfach, weil der Mensch nicht möchte, dass Schlimme Dinge passieren. Wir wollen nicht ohnmächtig sein und möchten am liebsten leugnen, was uns zugestoßen ist. Aber es ist wichtig sich selbst einzugestehen: Ja, das ist mir passiert.

3.    Verantwortung übernehmen
Der nächste Schritt ist für mich zu beobachten, welche Auswirkungen das Erlebte auf mich hat und welche Gefühle damit verbunden sind. Es gibt immer Ohnmacht, Wut und Angst. Manchmal gibt es auch verwirrendere Gefühle wie Erleichterung, Scham, Erregung. Es ist wichtig, alle Gefühle zu spüren und anzuerkennen, zu würdigen und auszudrücken. Dazu gehört für mich auch, die Verantwortung für diese Reaktionen und die Beschwerden zu übernehmen. Ich kann nicht schlafen, ich bin gereizt, ich falle immer wieder zurück in alte verhaltensweisen, ich trinke, ich nehme Medikamente, ich habe die Erinnerungen, ich habe die Schmerzen, ich empfinde all das, also sind all diese Beschwerden allein meine Verantwortung. Das macht keine Aussage über die Schuld. Nur darüber, wer die Macht hat, Veränderung zu bewirken.

4.    Heilung: Beschwerden besiegen
Niemand außer uns selbst kann die psychischen und körperlichen Folgen jeglicher Verletzung heilen– mit Gottes Hilfe. Gott hat uns die Macht zur Heilung mitgegeben: Der Körper heilt sich selbst. Behandler können nur die Bedingungen verbessern, manchmal bis zu dem Punkt, dass Heilung überhaupt erst möglich wird. So hat Gott uns auch die Fähigkeit zu einem gesunden und vernunftbegabten Geist gegeben (2. Timotheus 1,7), der es uns erlaubt, Macht über uns selbst zu haben. Wir sind zur (inneren) Freiheit berufen (Galather 5, 13 ff). Die Methoden der körperlichen Heilung hat unser Körper bereits mitbekommen. Für die psychologische Seite gibt es Psychotherapeuten, die einem heilsame Strategien beibringen.

5.    Vergebung: Erkennen, dass der Täter keine Macht hatte
Wenn es mir dann besser geht und ich die Folgen und Symptome bereits am Besiegen bin, dann kann ich mich nochmal der Ursache, dem Täter zuwenden. Dann aber hat er nicht mehr die Macht, weil ich mir die Macht über meine Gesundheit bereits erobert habe. Dann gibt es zwar noch eine Schuld, da der Täter die Ursache für mein Leid gesetzt hat, aber ich habe entschieden, was ich daraus mache. Jeden Tag wieder neu.
Was immer er bewirkt hat, darüber hatte er nie Macht, sondern immer nur ich. So gibt es nichts mehr, was der Täter tun kann, um seine Schuld zu begleichen. Denn die Symptome hätte er sowieso nie wegnehmen können. Das war immer mein Job und meine Freiheit als Betroffene oder Betroffnener.
Das ist der Zeitpunkt im Heilungsprozess, an dem ich vielleicht und hoffentlich erkennen kann, dass auch der Täter nur aus seiner Vergangenheit heraus gehandelt hat, sich vom Bösen hat zur Angst verführen lassen und aus der Angst heraus anderen Angst und Leid zugefügt hat. Wenn ich das erkenne, dann kann ich, das ist meine (Rösch) ganz, persönliche Erfahrung, anfangen zu vergeben. Dem Täter die Schuld zu erlassen, weil ich sehe, dass alles, was ich jetzt noch tue, ist mich selbst an den Täter zu binden, wenn ich weiter auf die Schuld schaue, die nicht beglichen werden kann. Ich mache mich selbst ohnmächtig. Ich unterstelle mich dem Täter und seinem Handeln, anstatt die Freiheit in Anspruch zu nehmen, die Gott mir zugesagt hat.
Ich stelle mir das so vor als wenn der Täter insolvent geworden ist. Da ist nichts mehr (Gerechtigkeit / Wiedergutmachung / Begleichung der Schuld) zu holen, weil der Täter (emotional, spirituell) bankrott ist. Also erlasse ich ihm seine Schuld und gebe die Schuld an Gott ab (bei der irdischen Insolvenz schalte ich die Behörden ein). Dadurch löse mich vom Täter. Ich kann weitergehen und jemand anderes kümmert sich um die Schuld. In unserem Fall Gott.

Ich vertraue – inzwischen – tief darauf, dass Gott für Gerechtigkeit sorgt, wo es uns nicht möglich ist. „In meinem Himmel“ ist ein Film, der mit dieser Gerechtigkeit endet, auch wenn das vielleicht nicht das Erzählziel des Filmemachers war. Aber es ist das, wie ich dieses Ende verstehe. Gott sorgt für Gerechtigkeit. Weitere Filme, die mir mit dem Thema Vergebung geholfen haben sind Grace Card (Filmbesprechung) und Philomena (Filmbesprechung).

Ich glaube auch, dass es einfach wichtig ist, genau das zu tun, was Sie getan haben: Andere zu fragen, wie sie mit diesem Thema umgehen und Gott auch auf diese Weise eine Möglichkeit zu geben, zu uns zu sprechen. Mal abgesehen davon, dass ich tief und fest glaube, dass Gott uns vor allem dann weiterhilft, wenn wir nicht mehr weiterwissen. Solange wir es selbst lösen können, traut er uns zu, es auch selbst hinzukriegen. Er glaubt ja an uns. Er weiß, was wir können. Er hat uns geschaffen. Er hat seine ganz eigene Art, uns dann zu überraschen und zu ermutigen, wenn wir schon fast nicht mehr glauben wollen, dass er da ist.

Ich wünsche Ihnen und allen, die auch mit dem Thema Vergebung ringen, heilsame Begegnungen und Gottes Segen.

Ihre Stefanie Rösch

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Rezension: Ratgeber – Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung

08.10.2014 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

„… man [kann] sich das Gedächtnis wie einen Schrank vorstellen. Alltägliche Erinnerungen werden in diesem Schrank abgelegt, in dem sie zunächst ordentlich gefaltet (d.h. verarbeitet) und dann an den passenden Ort eingeordnet (d.h. mit ähnlichen Erinnerungen und relevanten Informationen verbunden) werden. Daher können diese Erinnerungen bei Bedarf wieder hervorgeholt werden, sie fallen aber nur selten von alleine aus dem Schrank heraus. Die Speicherung der Traumaerinnerung im Gedächtnis kann hingegen mit der Situation verglichen werden, dass viele Dinge ungeordnet ganz schnell in diesen Schrank hineingeworfen werden, so dass man die Tür nicht ganz schließen kann. Die Tür wird daher häufig aufgehen, und die Dinge werden wieder aus dem Schrank herausfallen.“ (S. 28)

Genau das ist es, was Menschen nach einem Trauma immer und immer wieder berichten und erleben. Dass dieser Schrank, der in Momenten des Entsetzens und der Verzweiflung mit unzähligen Wahrnehmungen, Eindrücken, Gedanken und Empfindungen „vollgestopft“ wurde, immer wieder aufplatzt und alles herausfällt. Genauso ungeordnet, wie es „hineingestopft“ wurde. Ohne Zeitplan und oft ohne jede Vorwarnung.

Was bezeichnet man als Trauma? Wie reagieren wir, wenn wir etwas extrem Belastendes erlebt haben? Wie kommt es dazu, dass etwa 8% der Gesamtbevölkerung irgendwann im Laufe ihres Lebens eine Posttraumatische Belastungsstörung haben?

Diese Fragen und mehr beantworten Ehring und Ehlers in ihrem kleinen Ratgeber. Sie richten sich gezielt an Betroffene und erklären auf einfühlsame Weise, wie sich die seelischen Folgen eines Traumas äußern; zu welchen Reaktionen es kommen kann und warum manche von diesen Reaktionen nicht von alleine weggehen. Sie geben hilfreiche Tipps, verwenden viele gute Beispiele und berufen sich auf aktuelle Forschungsergebnisse.
Der Ratgeber ist in vier Kapitel unterteilt und gut strukturiert. Die ersten drei Kapitel beschäftigen sich damit zu erklären, (1) was eine Posttraumatische Belastungsstörung ist, (2) wie sie entsteht und warum sie nicht von alleine weggeht, und (3) was man dagegen tun kann. Das vierte Kapitel richtet sich direkt an Angehörige und gibt hilfreiche Tipps, wie man Freunde oder Familienmitglieder bestmöglich in einer solch schwierigen Zeit unterstützen kann. Auf den letzten Seiten verweisen die Autoren auf hilfreiche Einrichtungen, Informationsmöglichkeiten, Internetseiten und andere empfehlenswerte Bücher.

Besonders gut hat mir gefallen, dass die Beispiele von anderen Trauma-Überlebenden klar vom Fließtext abgegrenzt sind. So kann der Lesende entscheiden, ob er den Abschnitt überspringen möchte, wenn er Gefahr sieht, dass das Beispiel den eigenen „Erinnerungs-Schrank“ wieder aufreißen könnte. Außerdem gibt es immer wieder kurze Zusammenfassungen, die in Stichworten die wichtigsten Informationen zusammenfassen.
Ehring und Ehlers schaffen es, dem Leser immer wieder Mut zu machen und betonen, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung gut behandelbar ist. Wie eine Behandlung aussehen kann, ob medikamentös oder psychotherapeutisch, beschreiben sie ausführlich im dritten Kapitel. Die Informationen über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten sind sehr hilfreich, jedoch hätte ich mir gewünscht, dass die Autoren noch näher darauf eingehen, wo und wie man am besten einen geeigneten Therapeuten finden kann (dazu gibt es im hinteren Teil ein paar wenige Hinweise).

Alles in allem vermittelt dieser Ratgeber auf gerade mal 70 Seiten hilfreiche Informationen, praktische Tipps und fundiertes Wissen auf einfühlsame, leicht verständliche Art und Weise. Er bietet Betroffenen, sowie Angehörigen einen guten Überblick über Traumafolgen und mögliche nächste Schritte, ohne dabei zu vergessen, dass jeder Mensch und jedes Trauma verschieden sind. Nicht zuletzt erinnert er Betroffene und Angehörige immer wieder daran, dass es Hoffnung gibt und der „Erinnerungs-Schrank“ auch wieder aufgeräumt werden kann. Dabei darf man sich gerne helfen lassen.

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Ehring, T., & Ehlers, A. (2012). Ratgeber Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung: Informationen für Betroffene und Angehörige (Vol. 25). Hogrefe Verlag.

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