„Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“ – Stefanie Rösch, 2013

Hilfen bei sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt, in Zeiten von Corona und an jedem anderen Tag

14.04.2020 Veröffentlicht von Allgemein 0 Kommentare

Klicken Sie auf den Titel dieses Artikels, um den ganzen Text zu lesen und die Telefonnummern für Ansprechpersonen zu finden.

Lesestoff: Stabilisierung in der Traumabehandlung von Regina Lackner

21.12.2021 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Das spricht mir aus dem Therapeutinnenherz

Trauma-Informations-Zentrum

„Viele haben sich trotz schwerster Traumatisierungen ihren Humor, ihr Mitgefühl für andere, ihre Liebe und ihre Fähigkeit, sich über etwas zu freuen bewahrt“ (S.63)

„Sie alle haben eine enorme Kraft in sich, die sie Unfassbares überleben und meistern ließ und die sie vorangehen und für eine Besserung ihrer Symptome und ihres Lebens kämpfen lässt.“ (S.63)

„Es ist entscheidend unsere Klient*innen mit diesem umfassenden Blick zu sehen und sie sowohl in ihrer Verwundung als auch in ihrer Unversehrtheit und Kraft wahrzunehmen.“ (S.63)

Mit diesen Worten sprich Frau Lackner mir aus dem Herzen.

Das Buch richtet sich an Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Angehörige anderer helfender Berufe. So ist es auch geschrieben. Viele Anregungen und Erklärungen für Profis und solche, die lernen wollen. Nicht alle psychologischen Fachbegriffe werden erklärt, trotzdem ist der Text flüssig und gut zu lesen. Auch die anspruchsvollen neurowissenschaftlichen Informationen erklärt Frau Lackner trotz der Komplexität gut und verständlich. Die alltäglichen Vergleiche und der konkrete Praxisbezug machen die Inhalte greifbar und anwendbar.

Nicht jede Übung passt für jeden Menschen, aber die Auswahl der beschriebenen Stabilisierungstechniken ist so umfangreich und vielfältig wie die Menschen, die unsere Hilfe suchen. Frau Lackner möchte Kolleg*innen und die Gesellschaft für dieses Thema sensibilisieren.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert

Teil 1 beinhaltet praxisrelevante Grundlagen, Teil 2 beschreibt die Vielfältigkeit von Stabilisierungstechniken, Teil 3 sind grundlegende Bedingungen für eine gelingende Traumabehandlung, Teil 4 ist der umfangreichste Teil mit Übungen und Interventionen.

Zu jedem Thema wird theoretisches Wissen beschrieben. Es folgt eine praktische Anwendung für die beschriebenen Übungen. Fallbeispiele und deren Analyse machen den Text lebendig und anschaulich.

Besonders gut hat mir die klare Formatierung des Textes gefallen. Beispiele sind vom Rest abgegrenzt. So findet man schnell, was man sucht. Kurze Zusammenfassungen, die in Stichworten die wichtigsten Informationen des letzten Abschnittes wiedergeben, runden die Kapitel ab.

Zum Thema „Suizidgedanken verstehen und verändern“ hätte ich mir ein bisschen mehr spezifische Ideen gewünscht. Der Verweis auf andere Stellen des Buches ist zwar hilfreich, wird der ansonsten sehr umfangreichen Darstellung und Durchdringung anderer Themen bei weitem nicht gerecht.

Alles in allem ein gelungenes Nachschlagewerk für viele therapeutische Situationen mit traumatisierten und komplex traumatisierten Klient:innen. Bravo und vielen Dank, Frau Lackner!

Lea Hellstern mit Stefanie Rösch


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Leserfrage: Mein Freund hat DIS. Kann ich stellvertretend Therapie machen?

04.12.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Mein Freund hat eine Dissoziative Identitätsstörung (DIS, multiple Persönlichkeitsstörung). Er hat mir von seinen extremen Gewalterfahrungen seit frühester Kindheit erzählt. Er lebt seit über 20 Jahren im Obdachlosenmilieu, nachdem er bei einem Unglück Frau und Kind verloren hat.

Seit wir uns ineinander verliebt haben treten diverse „Freunde“ (so nennt er die anderen Persönlichkeiten) auf. Ein Täterloyaler sagte zu mir, seine inneren Freunde sagten, ich würde ihn zerstören. Diverse „Beschützer“ verhindern den Kontakt zu meinem Freund regelrecht!

Mein Freund ist anderen hilfsbedürftigen Menschen oder Tieren gegenüber sehr hilfsbereit. So haben wir uns kennengelernt. Er hat einem Hund das Leben gerettet, weil er ihn aufgenommen und gepflegt hat. Ich habe die Tierarztkosten etc. übernommen.

Mein Eindruck ist, dass er sich nicht helfen lassen kann. Hilfe gesundheitlicher Art wie z.B. Psychotherapie kann er für sich nicht machen.

Er würde aber mit Ärzten oder Therapeuten reden, wenn es um mich gehen würde.

Frage: Mein Eindruck ist das da ein Antihilfe Programm oder ähnliches läuft bei ihm. In einem Heim muss was „Hilfe“ betrifft etwas passiert sein.

Meine zweite Frage: Wie kann ich helfen? In welcher Klinik oder welcher Therapeut kennt sich mit DIS gut aus? Und kann helfen? Könnte die Lösung sein, ich mache Therapie und der Therapeut bekommt darüber auch Zugang zu ihm?

Habe selber auch traumatische Erlebnisse die ich verarbeiten möchte.

Trauma-Informations-Zentrum

Liebe Leserin,

Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstörung haben viel erlebt und selten war das hilfreich. Dazu kommt, dass Täter kein Interesse daran haben, dass ihren Opfern jemand glaubt oder sie sich trauen, anderen zu erzählen, was passiert ist. Da ist es erstmal kein Wunder, wenn diese Menschen besonders vorsichtig sind. So vorsichtig vielleicht, dass es ihnen weiterhin schlecht geht, weil sie sich niemandem anvertrauen können. Natürlich wissen Sie und ich und alle Helfenden, dass schlimme Dinge passieren und was diese Erfahrungen mit einem Menschen machen können.

Insofern können wir – und damit auch Sie – nur ganz geduldig unsere Unterstützung anbieten. In den letzten Monaten habe ich eine Artikelreihe veröffentlicht, in der ich darüber geschrieben habe, wie ich mit meinen Klientinnen arbeite.

Aus meiner Erfahrung geht es darum, immer wieder zu beweisen, dass man anders als die Täter ist. Das ist unendlich schwer, wenn man mit jemandem befreundet ist, weil wir alle unsere guten und schlechten Tage haben. Wir sind alle verletzt und tragen alle unsere eigenen Narben mit uns herum. Diese Narben, psychologisch als Filter oder Überzeugung oder Affirmation oder Glaubenssatz bezeichnet, führen dazu, dass wir die Welt aus unserer ganz speziellen Perspektive sehen. Wir nehmen bevorzugt Reize wahr, die zu unserem Selbst- und Weltbild passen.

Mir kann niemand helfen

Wenn ich also erwarte, dass mir niemand helfen kann, kann es niemandem gelingen, mir zu helfen. Zumal diese Aussage bei psychologischen Problemen ja sogar stimmt. Da kann mir tatsächlich niemand helfen. Ich kann nur jemanden finden, der mir erklärt, warum es mir schlecht geht, und was ich tun kann, um das zu ändern. Anders als bei einem gebrochenen Bein, kann man eine Seele nicht schienen. Aber so wie der Körper den Knochen zusammenwachsen lassen kann, können wir mit unserem Verstand und unserem Bewusstsein die Abläufe in unserem Gehirn so ändern, dass es uns besser geht.

Es geht also nicht darum, dass mir jemand hilft, sondern dass mir bewusst wird, dass nur ich es ändern kann. Ich übernehme Verantwortung für meine Beschwerden und dann suche ich mir jemanden, der mir erklärt warum es mir so geht wie es mir geht und wie ich es ändern kann. Dieser jemand, ein Therapeut oder eine Therapeutin, kann mich dabei anfeuern und neue Gedanken und neue Verhaltensweisen auch mit mir üben. In letzter Konsequenz muss ich es aber immer selbst tun.

Wir Psychotherapeutinnen können niemanden heilen.

Das kann jeder nur selbst tun, indem er lernt, anders zu denken und deswegen anders zu fühlen und daraus abgeleitet anders zu handeln und deswegen neue und angenehmere Erfahrungen zu machen.

Der erste Schritt dazu ist, diesen Überzeugungen (Mir kann sowieso niemand helfen) auf die Schliche zu kommen und diese mal ganz sachlich in Frage zu stellen.

Also wenn einer dieser inneren Freunde behauptet, sie würden ihn zerstören, dann frage ich nach, was er damit meint oder was die anderen damit meinen. Was heißt denn „zerstören“.

Ich würde auch nachfragen, warum er diese inneren Freunde als „Freunde“ bezeichnet? Was ist für ihn ein Freund? Für mich sind Freunde Menschen, die mich unterstützen, die mich annehmen wie ich bin, die für mich da sind, wenn es mir schlecht geht. Die mich beschützen, wenn sie wissen, dass ich in Gefahr bin und die mir helfen, dass es mir besser geht, wenn es mir schlecht geht.

Was also sind die Kriterien dafür, ob ihr Freund einen anderen Menschen als „hilfreich“ empfindet? Gibt es die überhaupt? Wenn es Kriterien gibt, kann er prüfen, ob Sie diese Kriterien erfüllen oder auch eine Therapeutin.

Überzeugungen zu prüfen ist für mich eine Grundstrategie. Sind die Überzeugungen, die ich habe wirklich zu 100% richtig? Oder gibt es auch Ausnahmen? Und wenn es Ausnahmen gibt, dann kann es auch immer noch mehr Ausnahmen geben. Die kann ich suchen gehen.

Dem Freund helfen, indem ich Therapie mache?

Da vermute ich jetzt mal, dass Sie keinen Therapeuten finden, der auf diese Art arbeiten würde, also Sie behandeln, um sich über Sie an ihren Freund „ranzuschleichen“.

Wenn Sie eigene Belastungen haben, dann machen Sie Therapie, damit Sie besser zurechtkommen. Dabei lernen Sie sich selbst besser kennen und gewinnen neue Erkenntnisse. Es ist denkbar, dass Sie auch etwas dabei lernen, was Sie ihrem Freund dann auch beibringen können. Das wäre dann eher der „Trick“.

Helfer Coaching – In eigener Sache zu Ihrer Unterstützung

Ich bekomme ähnliche Fragen wie Ihre immer mal wieder. Es geht darum, dass Angehörige oder Freunde gerne helfen wollen, aber nicht wissen wie. Dazu kommt, dass wir einen Mangel an (kassenzugelassenen und nicht-kassen zugelassenen) Psychotherapeuten haben, die sich mit DIS gut auskennen und bereit sind, jemanden mit dieser Störung zu begleiten. Schwer traumatisierte Menschen zu begleiten ist sehr anstrengend.

Deswegen habe ich für mich entschieden, Helfer Coaching anzubieten. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen, die im Alltag mit jemandem mit DIS engen Kontakt haben, und der betroffenen Person mehr geholfen ist, wenn das Umfeld etwas darüber lernt, was DIS ist und wie man da gut helfen kann. Und das an den konkreten Problemen, die im Alltag auftreten.

Mein Helfer Coaching soll genau das bewirken: Interessierte Menschen dazu zu befähigen und dabei zu unterstützen, ihre Freundin oder Freund oder Lebensgefährten mit DIS besser zu verstehen und im Alltag zu begleiten. Diese Individuellen Fortbildungen können in Einzelsitzungen oder auch in einem Helferkreis stattfinden und am einfachsten über eine Onlinekonferenz. Das spart lange Wege. Wenn Sie daran interessiert sind, können Sie hier weitere Informationen bekommen.

Liebe Leserin, ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg,
Ihre Stefanie Rösch

Leserfrage: Wie wirkt sich das Nähe-Distanzverhältnis in der psychosozialen Beratung von Menschen mit einer diagnostizierten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aus?

21.08.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Trauma-Informations-Zentrum

Liebe Leserin,

Eine Posttraumatische Belastungsstörung wirkt sich im Leben von Betroffenen an vielen Stellen aus. Lesen Sie dazu meine PTBS-Reihe. Ein Bereich sind Beziehungen und damit der Umgang mit Nähe und Distanz.

Eine PTBS von Klientinnen wirkt sich natürlich auch auf die Arbeit von Mitarbeitenden in psychosozialen Berufen aus. Ein wichtiger Faktor ist die Beziehung und damit das Thema „Nähe und Distanz“. Schauen wir uns das zusammen an.

Nähe und Distanz: Für PTBS-Betroffene

Über Nähe und Distanz drücken wir Respekt aus. Wir drücken Zuneigung darüber aus. Nähe und Distanz sind wichtige Faktoren für unsere Sicherheit. Nur in körperlicher Nähe kann man Gewalt ausüben. Sexuelle Gewalt, körperliche Gewalt geht nur über Nähe und Anfassen.

Zu viel Nähe empfinden wir als respektlos. Wir fühlen uns bedroht, wenn uns jemand zu nahekommt und wir das nicht wollen.

Zu viel Distanz gibt uns vielleicht das Gefühl von Einsamkeit oder auch von Schutzlosigkeit, von Verlust.

Ganz besonders spielt dieses Thema eine Rolle, wenn PTBS-Betroffene Opfer von menschlicher Gewalt wurden. Im Gegensatz zu Betroffenen von Naturkatastrophen oder Kriegserfahrungen ganz allgemein. Wenn Körperlichkeit eine besondere Rolle bei der Traumatisierung gespielt hat, beispielsweise durch Verletzungen oder traumatische Operationserfahrungen, kann Nähe und Distanz oder Berührung ebenfalls ein schwieriges Thema sein.

Nähe und Distanz: In der Arbeit mit PTBS-Betroffenen

Für Helfer bedeutet es in erster Linie, dass zu viel Nähe Erinnerungsattacken auslösen können. Nähe kann also eine Warnreaktion bewirken. Ich erkläre das gerne mit den Worten: „Das Hirn verwechselt die Situation gerade. Ich bin nicht der Täter oder die Täterin und deswegen wird jetzt nichts passieren. Sie sind sicher.“

Wenn die Erinnerungsattacke schon am Laufen ist, kann man versuchen, Betroffene mit der Hier und Jetzt Übung dabei zu unterstützen, den Flashback zu beenden.

Flashbacks können wir weder in der therapeutischen noch in der beratenden Tätigkeit vollständig verhindern.

Foto von GM Rajib von Pexels

Das ist in meinen Augen auch nicht das Ziel. Betroffene wollen lernen, Flashbacks möglichst schnell wieder zu beenden und dadurch zu erleben, dass sie sehr wohl Kontrolle darüber hat, was das Hirn mit Ihnen macht. Flashbacks hören irgendwann wieder auf. Wie das geht, lernt man in einer Traumatherapie.

Grundsätzlich ist es aber einfach. Wenn wir als Helferinnen einfach fragen, was noch okay ist und was nicht, sind wir auf der sicheren Seite. Wenn wir den Abstand respektieren, den der andere benötigt, sollte es okay sein. Wir können den anderen in der Beratung und in der Therapie viele kleine Dinge entscheiden lassen, zum Beispiel die Sitzposition oder ob unser Gegenüber etwas zu trinken möchte oder nicht.

Eine PTBS beeinträchtig nicht die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Die Symptome sind schlimm, aber Betroffene leben in der Regel schon eine Weile damit und haben oft herausgefunden, wie sie Flashbacks vermeiden können oder was ihnen guttut oder nicht. Danach können Sie als Beratende erstmal fragen und das berücksichtigen, um Ihrer Beratungstätigkeit nachzugehen.

Was wenn der oder die Betroffene seinen oder ihren Körper nicht spürt?

Wenn Betroffene eine kPTBS (komplexe Posttraumatiche Belastungsstörung) haben, also komplex traumatisiert sind, dann kann es sein, dass man demjenigen über viele Jahre hinweg abgesprochen hat, selbst zu entscheiden, was noch angenehm ist oder eben auch nicht. Welche Berührungen er oder sie mochte und welche eben nicht. Wenn die Grenzen eines Menschen wieder und wieder ignoriert wurden oder vielleicht sogar mit Gewalt auf den Versuch reagiert wurde, sich zu wehren, dann kann es besonders schwierig sein eine respektvolle Zusammenarbeit herzustellen.

Dann ist es umso wichtiger Abstand zu halten und auf kleinste Anzeichen von Angst und Rückzug zu achten. Ein anderer Anhaltspunkt für einen guten Abstand ist, was wir selbst noch angenehm finden und im Zweifel darauf noch eine Armlänge dazuzurechnen.

Lieber ein wenig mehr Abstand als zu viel Nähe.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre Arbeit, Ihre Stefanie Rösch

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Jeder Mensch ist eine Stadt: Dissoziative Identitätsstörung in Bildern erklärt. (Teil 9)

14.08.2021 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle 0 Kommentare
Foto von Dan Meyers von Pexels

Wie sollen denn andere mit mir umgehen?

Wie kann mein Gegenüber damit umgehen? Wenn ich auf einmal ganz destruktive Dinge schreibe mich wieder zurück zu Tätern begebe oder sonst was?

Eine Leserin

Je mehr Ihr Gegenüber versteht, wie es ihr Verhalten einordnen muss, desto besser kann es damit umgehen. Sie können also den Menschen in Ihrer Umgebung von der Bürgermeisterin erzählen und diesen Text zu lesen geben, oder zumindest die Teile davon, die Sie für sinnvoll halten. Je mehr andere Städte (= Menschen) mithelfen, desto schneller wird es Ihnen gelingen, keinen Täterkontakt mehr aufzunehmen. Ja, das ist nicht einfach. Es wird nicht gleich gelingen. Aber vielleicht doch. Sie versuchen es einfach weiter und lassen sich unterstützen. Ihr Bürger-Team wird Sie dabei immer unterstützten. Darauf dürfen Sie sich verlassen. Solange es eben dauert.

Erzählen Sie Außenstehenden keine Details von Erinnerungen

Sie wollen keine Details von dem erzählen, was Ihnen passiert ist. Außer in der Therapie. Sie wollen eine Täterliste anfangen und damit eine Gegendrohung möglich machen. Wichtig ist, Menschen zu haben, mit denen Sie aushandeln können, dass die die Polizei einschalten, wenn Ihnen etwas passiert. Sie wollen alles tun, was möglich ist, um sich von Tätern (= Feinde Ihrer Stadt) fernzuhalten. Das geht am besten über die Angst der Täter. Die Täter haben Angst vor Entdeckung. Also ist Dokumentation von allen Erinnerungen und Namen der beste Schutz. Das wird Ihnen vermutlich auch am meisten Angst machen.

Außerdem wollen alle Menschen in Ihrem Umfeld lernen, immer wieder zu fragen, mit wem sie gerade sprechen. Das wird Ihnen helfen, einen Überblick über Ihre Bürgerinnen und Bürger zu bekommen. Falls immer der gleiche Name kommt, wird Ihnen das trotzdem Informationen bringen, wenn die Menschen in Ihrem Umfeld Ihnen erzählen, was passiert ist. Wichtig ist, dass Sie das erstmal alles glauben und aufschreiben (Dokumentation für Ihr Stadtarchiv!). Gemeinsam mit einer Therapeutin (= externe Beraterin) können Sie so immer mehr herausfinden, was genau los ist.

Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, Ihnen die Verantwortung für Ihr Leben zu lassen.

Foto von Elias Tigiser von Pexels

Wenn Sie verletzt sind, heißt es Wunde versorgen und überlegen, was Sie tun können, um das zu verhindern. So wie Sie es ja versuchen. Im Grunde geht es darum, weiter zu überlegen, wie Sie selbstverletzendes oder selbstgefährdendes Verhalten verhindern können, wenn es nicht reicht, alle gefährlichen Gegenstände wegzuschließen. Vielleicht können Sie Ihr Bürger-Team um Unterstützung bitten. Formulieren Sie es positiv: Verhindert bitte, dass ich mich verletze. Sagt mir bitte, wer da spioniert. Was genau passiert, bevor der Großes-Schwarzes-Loch-Zustand beginnt? Kann mir das jemand sagen?

So haben Sie die beste Chance, dass Ihr Bürger-Team weiß, wie es Sie unterstützen kann. Vermeiden sie „Nicht“-Formulierungen.

Ich kaufe Sachen ein, die ich nicht mag

Ich habe das Problem mit dem Einkaufen, dass da Dinge gekauft werden, die ich nicht mag oder nicht wollte. Ich habe das abgetan. Allerdings wohne ich ja alleine und der Hund wird sich nichts selbst zubereiten können. Aber diese Dinge werden auch aufgebraucht.

Eine Leserin

Auch das wird eine Weile dauern, um da jemandem auf die Schliche zu kommen. Sie können darauf achten, was Sie einkaufen. Eher gesunde Sachen? Vorwiegend Süßigkeiten? Manchmal kann Ihnen das etwas über die Bürgerin oder den Bürger sagen, der versucht, Sie zu unterstützen oder es auch einfach ausnutzt, wenn Sie gerade in ihrem Panikraum sind. Wie Kinder das machen, wenn sie heimlich etwas in den Einkaufswagen legen. Nach und nach werden Sie herausfinden, was da passiert und es wird Ihnen besser gelingen, selbst einkaufen zu gehen. Dann werden Sie auch nur noch das kaufen, was Sie wollen. Solange Einkaufen mit zu viel Angst verbunden ist, wird Ihnen jemand aus dem Bürger-Team dabei helfen. Er oder sie kann halt andere Vorlieben haben. Daher das Durcheinander.

Ich habe Stimmen in meinem Kopf: das ist doch nicht normal

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr Dinge fallen mir auf, die ich mir nicht erklären kann oder die ich normal finde, obwohl es nicht normal ist. Da hatte ich letztens ein Gespräch mit einer Kollegin und irgendwie sind wir darauf gekommen Stimmen im Kopf zu hören. Ich meinte, das sei doch voll normal und dass ich ab und an schon mal Gespräche in meinem Kopf führe. Vermutlich habe ich manchmal Kopfschmerzen, weil da immer so viel los ist wie am Bahnhof und durcheinandergeredet wird. Aber das war für mich normal bis sie mir sagte, dass das nicht üblich sei.

Eine Leserin

Es ist für Sie normal. Nutzen Sie das! Reden Sie mit den anderen Stimmen und finden Sie heraus, wer wer ist. Wenn Sie Glück haben, dann sind ein paar bereit mit Ihnen zu sprechen. Stellen Sie es sich einfach mit der Vorstellung vor, Sie sind die Bürgermeisterin und die anderen Stimmen sind Ihre Mitbürger und der eine oder andere Spion. Sie werden schnell herausfinden, wer Sie wirklich schützen und unterstützen will und wer die Täter beschützt, indem er Angst verbreitet.

Schreiben Sie alles auf. So gut Sie können. Das ist das Beste, was Sie tun können. Dokumentieren und archivieren Sie die Gespräche. Diese Gespräche mit den Stimmen in Ihrem Kopf sind die beste Grundlage für die Therapie. Behandeln Sie diese Stimmen einfach wie andere Menschen. Fragen Sie, ob Sie Fotos machen dürfen von der jeweiligen Person, mit der Sie gerade reden. Wenn ja, dann machen sie ein Selfie. Das ist prima. Genauso wie im Außen. Das macht keinen Unterschied. Diese Stimmen sind der beste Weg zu lernen, wie Sie sich wehren können und was es alles braucht, um die Regierungsgeschäfte für die Stadt wieder zu übernehmen. So können Sie Ihrem Bürger-Team beweisen, dass Sie eine fähige Bürgermeisterin sind! Das ist Ihre Aufgabe: Sie sind als Bürgermeisterin auch Sicherheitsbeauftragte. Das ist ganz wichtig. Also heißt es, so viel wie möglich über gutes Sicherheitsverhalten zu lernen.

Nur Mut! Bleiben Sie dran! Dann schaffen Sie das auch!
Herzliche Grüße, Ihre Stefanie Rösch

Zum Thema Stimmen im Kopf hören, hatte ich letztes Jahr bereits einen Artikel und in der Folge noch drei weitere rund um den Begriff Hausbesetzer und meinen Einsatz von Sprache veröffentlicht. Diese Artikel befinden sich in leicht überarbeiteter Form auch im Informationspaket.

Ende

Wenn Sie den ganzen 15-seitigen Artikel zusammen mit weiteren Artikeln zum Thema, sowie exklusiven Arbeitsmaterialien im Umfang von insgesamt 40 Seiten Information lesen wollen, können Sie den Artikel für 3 Euro in unserem Shop kaufen.

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Ihre Stefanie Rösch

Jeder Mensch ist eine Stadt: Dissoziative Identitätsstörung in Bildern erklärt. (Teil 8)

07.08.2021 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle 0 Kommentare
Foto von Elina Sazonova von Pexels

Verliere ich die Kontrolle?

Wie kann man damit denn irgendwie umgehen? Ich habe das Gefühl, ich verliere die Kontrolle über mich und mein Leben und alles stürzt ein.

Eine Leserin

Das glaube ich, dass es sich so anfühlt, aber im Grunde ist es genau andersherum. All diese Beschwerden zeigen, dass Sie auf dem Weg Richtung Gesundheit sind. Je mehr Beschwerden Sie erstmal haben, desto mehr erfahren Sie über Ihre Stadt und Ihr Bürger-Team und über deren Berufe und Namen und was sonst noch so los ist in Ihrer Stadt. Das ist sozusagen das Traumatherapie-Paradox. Es wird Ihnen schlechter gehen bevor es spürbar besser wird. Eigentlich ist es kein Paradox. Im Grunde ist es logisch.

Eine Traumafolgestörung ist wie ein seelisches Humpeln.

Wenn Sie sich das Bein gebrochen haben (= Trauma) und es schief zusammenwächst, weil sie keine Hilfe bekommen haben, dann fangen Sie an zu Humpeln (= Beschwerden durch die Vernarbung und fehlende Heilbehandlung = Traumasymptome). Wenn Sie später zu einem Arzt gehen, wird der Ihnen sagen, dass eine Operation notwendig ist (= Therapie), bei der der Knochen wieder gebrochen wird (= Erinnerungen anschauen), um dann anschließend begradigt zu werden (= Erinnerungen verändern), damit der Knochen wieder heil werden kann (= Erinnerungen lösen keinen Fehlalarm mehr aus und machen keine unerträglichen Gefühle mehr). Das wird erstmal unangenehm. Eine Operation am Bein geht mit Schmerz einher. Eine Traumatherapie führt immer erstmal zu einer kurzfristigen Verschlechterung der Beschwerden und vor allem zu starken Gefühlen.

Das heißt, auch bei einem unbehandelten und krumm zusammengewachsenen Knochenbruch, haben Sie erstmal Schmerzen, bevor Sie wieder gesund werden. Bei einer Traumatherapie ist das genauso.

Eine traumatische Erfahrung wird in der Regel nicht sofort begleitet

Wenn es zu so schwerwiegenden Symptomen wie bei Ihnen kommt, dann gab es sehr wahrscheinlich nicht nur eine traumatische Erfahrung, sondern mehrere. Das ist so, wie wenn ein Kind mehrere Knochenbrüche hatte, die nicht behandelt wurden. Dann läuft es krumm und schief und hat immer mehr Beschwerden.

Wenn man die Folgen dieser Knochenbrüche im Erwachsenenalter dann irgendwann noch behandeln kann, dauert das auch seine Zeit und wird erstmal schlimm werden. Genau das gleiche gilt für psychische Verletzungen. Je mehr es sind, desto länger dauert der Heilungsweg. Es wird Ihnen immer erstmal schlechter gehen, bevor Sie gesund werden. Das ist die Wahrheit.

Wenn Sie dranbleiben, werden Sie gesund

Sie werden dann ein Bürger-Team haben, das Ihnen wieder die Regierungsgeschäfte überlässt. Das können Sie sich so vorstellen, dass die Bürgerinnen und Bürger aus Ihrem Bürger-Team, die besonders mit der Sicherheit der Bürgermeisterin zu tun hatten, endlich in Rente gehen dürfen. Die Bürgermeisterin hat gelernt, die jeweilige Aufgabe selbst zu übernehmen. Wenn sie für Sicherheit sorgen kann, wird die Bürgermeisterin auch gelernt haben, das Leben zu genießen, das heißt Freude zu empfinden.

Es wird keine Spione mehr geben, die Ihnen das Leben schwer machen. Ihre Feinde werden Sie besiegt haben und sich erfolgreich wehren können, so wie alle anderen Menschen.

Versuchen Sie die Beschwerden also als das Heilungsjucken einer Schnittverletzung zu sehen. Dass Sie den Schwarzes-Loch-Zustand wahrnehmen und all die anderen „komischen“ Dinge bemerken, ist ein Zeichen, dass Sie das Humpeln bemerkt haben. Das ist der erste Schritt zur Heilung. Erst wenn Sie merken, wie es wirklich ist und wie es anders als bei anderen ist, können Sie gesund werden. Dabei geht es nicht um eine Diagnose, sondern darum, diese einzelnen Beschwerden wahrzunehmen und sorgsam anzuschauen. Da wo es geht nehmen Sie kleine Veränderungen vor, um Ihrem Bürger-Team zu beweisen, dass Sie die Regierungsgeschäfte wieder übernehmen möchten. Mit der Zeit wird Ihnen das immer besser gelingen und Sie werden ein wirkungsvollen Sicherheitskonzept einführen.

Nächste Woche …

… steht die Frage im Raum, wie oder ob man andere Menschen um Hilfe bitten oder einweihen kann. Wenn Sie den ganzen 15-seitigen Artikel zusammen mit weiteren Artikeln zum Thema, sowie exklusiven Arbeitsmaterialien im Umfang von insgesamt 40 Seiten Information lesen wollen, können Sie den Artikel für 3 Euro in unserem Shop kaufen.

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Ihre Stefanie Rösch

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