„Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“ – Stefanie Rösch, 2013

Ihr Suchbegriff Posttraumatische Belastungsstörung

Rezension: Ratgeber – Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung

08.10.2014 Veröffentlicht von Lesestoff 1 Kommentare

„… man [kann] sich das Gedächtnis wie einen Schrank vorstellen. Alltägliche Erinnerungen werden in diesem Schrank abgelegt, in dem sie zunächst ordentlich gefaltet (d.h. verarbeitet) und dann an den passenden Ort eingeordnet (d.h. mit ähnlichen Erinnerungen und relevanten Informationen verbunden) werden. Daher können diese Erinnerungen bei Bedarf wieder hervorgeholt werden, sie fallen aber nur selten von alleine aus dem Schrank heraus. Die Speicherung der Traumaerinnerung im Gedächtnis kann hingegen mit der Situation verglichen werden, dass viele Dinge ungeordnet ganz schnell in diesen Schrank hineingeworfen werden, so dass man die Tür nicht ganz schließen kann. Die Tür wird daher häufig aufgehen, und die Dinge werden wieder aus dem Schrank herausfallen.“ (S. 28)

Genau das ist es, was Menschen nach einem Trauma immer und immer wieder berichten und erleben. Dass dieser Schrank, der in Momenten des Entsetzens und der Verzweiflung mit unzähligen Wahrnehmungen, Eindrücken, Gedanken und Empfindungen „vollgestopft“ wurde, immer wieder aufplatzt und alles herausfällt. Genauso ungeordnet, wie es „hineingestopft“ wurde. Ohne Zeitplan und oft ohne jede Vorwarnung.

Was bezeichnet man als Trauma? Wie reagieren wir, wenn wir etwas extrem Belastendes erlebt haben? Wie kommt es dazu, dass etwa 8% der Gesamtbevölkerung irgendwann im Laufe ihres Lebens eine Posttraumatische Belastungsstörung haben?

Diese Fragen und mehr beantworten Ehring und Ehlers in ihrem kleinen Ratgeber. Sie richten sich gezielt an Betroffene und erklären auf einfühlsame Weise, wie sich die seelischen Folgen eines Traumas äußern; zu welchen Reaktionen es kommen kann und warum manche von diesen Reaktionen nicht von alleine weggehen. Sie geben hilfreiche Tipps, verwenden viele gute Beispiele und berufen sich auf aktuelle Forschungsergebnisse.
Der Ratgeber ist in vier Kapitel unterteilt und gut strukturiert. Die ersten drei Kapitel beschäftigen sich damit zu erklären, (1) was eine Posttraumatische Belastungsstörung ist, (2) wie sie entsteht und warum sie nicht von alleine weggeht, und (3) was man dagegen tun kann. Das vierte Kapitel richtet sich direkt an Angehörige und gibt hilfreiche Tipps, wie man Freunde oder Familienmitglieder bestmöglich in einer solch schwierigen Zeit unterstützen kann. Auf den letzten Seiten verweisen die Autoren auf hilfreiche Einrichtungen, Informationsmöglichkeiten, Internetseiten und andere empfehlenswerte Bücher.

Besonders gut hat mir gefallen, dass die Beispiele von anderen Trauma-Überlebenden klar vom Fließtext abgegrenzt sind. So kann der Lesende entscheiden, ob er den Abschnitt überspringen möchte, wenn er Gefahr sieht, dass das Beispiel den eigenen „Erinnerungs-Schrank“ wieder aufreißen könnte. Außerdem gibt es immer wieder kurze Zusammenfassungen, die in Stichworten die wichtigsten Informationen zusammenfassen.
Ehring und Ehlers schaffen es, dem Leser immer wieder Mut zu machen und betonen, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung gut behandelbar ist. Wie eine Behandlung aussehen kann, ob medikamentös oder psychotherapeutisch, beschreiben sie ausführlich im dritten Kapitel. Die Informationen über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten sind sehr hilfreich, jedoch hätte ich mir gewünscht, dass die Autoren noch näher darauf eingehen, wo und wie man am besten einen geeigneten Therapeuten finden kann (dazu gibt es im hinteren Teil ein paar wenige Hinweise).

Alles in allem vermittelt dieser Ratgeber auf gerade mal 70 Seiten hilfreiche Informationen, praktische Tipps und fundiertes Wissen auf einfühlsame, leicht verständliche Art und Weise. Er bietet Betroffenen, sowie Angehörigen einen guten Überblick über Traumafolgen und mögliche nächste Schritte, ohne dabei zu vergessen, dass jeder Mensch und jedes Trauma verschieden sind. Nicht zuletzt erinnert er Betroffene und Angehörige immer wieder daran, dass es Hoffnung gibt und der „Erinnerungs-Schrank“ auch wieder aufgeräumt werden kann. Dabei darf man sich gerne helfen lassen.

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Ehring, T., & Ehlers, A. (2018). Ratgeber Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung: Informationen für Betroffene und Angehörige (Vol. 26). Hogrefe Verlag.

PTBS, Teil 1: Posttraumatische Belastungsstörung: Was ist das?

28.09.2013 Veröffentlicht von Definitionen, Erklärungsmodelle 0 Kommentare

Ich möchte mit dem heutigen Artikel eine Reihe über die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, PTB oder auch PTSD = Posttraumatic Stress Disorder) eröffnen. Ich werde Ihnen erklären, was wir als Psychotherapeuten darunter verstehen und ich werde Ihnen zeigen, wie ich meinen Klienten die Entstehung dieser besonderen Gruppe von Beschwerden, der wir diesen Namen gegeben haben, erkläre. Außerdem wird es Ideen dazu geben, wie Sie mit einem großen Teil der Beschwerden umgehen können.

Natürlich kann es notwendig werden, dass Sie sich professionelle Hilfe holen sollten. Selbst wenn Sie alle hier vorgestellten Ideen umsetzen, kann es sein, dass es psychologische Gründe dafür gibt, warum eine Übung für Sie nicht funktioniert und keine Besserung eintritt.

Dann kann Ihnen nur eine Fachfrau oder ein Fachmann weiterhelfen, der sich auf die Behandlung dieser Störung versteht. Wie Sie einen solchen finden, habe ich auf meiner Internetseite (TIZ-online.de: Psychotherapeutensuche) beschrieben.

Als Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) wird eine Gruppe von Beschwerden bezeichnet, die ein Mensch nach einem belastenden Lebensereignis entwickelt. Dieses Ereignis muss zwei Merkmale erfüllen.

1. Die betroffenen Person wird selbst mit dem Tod konfrontiert oder erlebt, wie jemand Drittes eine Begegnung mit dem Tod oder drohendem Tod hat. Auch ernsthafte Verletzung und sexuelle Gewalt fällt darunter.

2. Die betroffenen Personen erleben charakteristische Symptome wie (1) Wiedererleben, Änderungen in Verhalten (3) und Erleben (Emotionen), Stimmungsänderungen und negative Kognition, Veränderungen der Erregung (2) oder dissoziative Symptome.

In der Folge leidet die betroffene Person unter (1) sich aufdrängenden, unkontrollierbaren Erinnerungen an das Ereignis. Das geht einher mit (2) einer ständig wieder angefachten Stressreaktion, die zu Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und anderen Beschwerden führt. Und weil dies alles so unangenehm und verstörend ist, versucht die betroffene Person, (3) der Erinnerung und allem, was sie erinnert aus dem Weg zu gehen. Wir sprechen auch von (1) Wiedererleben, (2) Erhöhter Erregung und (3) Vermeidungsverhalten. Mehr zu den einzelnen Beschwerden in folgenden Artikeln.

Wenn diese Beschwerden auch 4 Wochen nach dem Ereignis noch andauern, oder aber erst viel später beginnen und dann 4 Wochen lang andauern, sprechen wir von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Bei vielen Menschen entstehen die Beschwerden innerhalb der ersten Wochen und klingen von alleine wieder ab (siehe: Trauma-Inflation: Ist jeder, der etwas Schlimmes erlebt, traumatisiert?). Erst wenn die Beschwerden länger als 4 Wochen andauern, sprechen wir Psychotherapeuten von einer PTBS und dann wäre es gut und sinnvoll, sich professionelle Unterstützung zu holen.

Sie können jetzt also für sich oder jemanden, den Sie kennen prüfen, ob das Ereignis, das Sie, der oder die erlebt hat, länger als vier Wochen her ist und die anschließend aufgetretenen Beschwerden schon länger als vier Wochen andauern.

Und in Vorbereitung auf die weiteren Artikel können Sie einmal eine Liste mit allen Beschwerden machen, die Sie an sich oder der Person, für die Sie das hier lesen, beobachten können.

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Leserfrage: Kann sich eine PTBS bei einer Soldatin erst nach Jahren entwickeln?

21.01.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Kann sich eine PTBS nach Jahren entwickeln?
Foto von Pixabay von Pexels

Ich habe eine grundlegende Frage: Seit ca. 1 1/2 Jahren habe ich eine Beziehung zu einer Frau, die bis 1997 als Berufssoldatin insgesamt zehn Jahre lang in der Armee gedient hat. Während dieser Zeit gehörte sie auch zu den UN-Truppen, welche 1995 in Srebrenica stationiert waren.

Mich beschäftigt die Frage, ob es möglich ist, dass meine Lebensgefährtin an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden könnte, welche erst jetzt intensiv „zum Vorschein kommt“.

Ich muss hinzufügen, dass meine Lebensgefährtin seit fünf Jahren einen Laden in der Nähe einer Schießanlage betreibt. Das Thema „Schießsport“ spielt eine große Rolle in ihrem Leben. Sie ist Mitglied in mehreren Schießvereinen – und gruppen. Es gibt also viele Verbindungen mit ihrem früheren Beruf.

Meine konkrete Frage ist daher: Ist es unter diesen Bedingungen und nach so langer Zeit möglich oder gar wahrscheinlich, dass sich eine posttraumatischen Belastungsstörung erst jetzt bemerkbar macht?

Andere Symptome einer PTBS sind übrigens durchaus vorhanden.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Kann eine Symptome einer PTBS nach langer Zeit zum  Vorschein kommen?
Foto von Elias Tigiser von Pexels

Lieber Leser,

Die Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) können auch erst verzögert, also nach Wochen oder Monaten, manchmal erst nach Jahren auftauchen. Aus meiner Erfahrung hat das mit dem Erleben äußerer Sicherheit zu tun.

Die Symptome entstehen erst dann, wenn die Person im Außen keinen Überlebensdruck mehr hat. Das ist eine Erklärung dafür, dass es Senioren mit Kriegserfahrungen gibt, die erst in der Rente Symptome entwickeln.

Meine Erklärung dafür ist, dass diese Menschen beginnend mit den Kriegserfahrungen jeden Tag mit Überleben beschäftigt waren. Bis zur Rente. Da gibt es plötzlich keine Anforderungen von außen mehr. Man muss nicht mehr zur Arbeit gehen oder Kundenbedürfnisse befriedigen oder es „richtig“ machen. Es gibt keinen aufwendigen Alltag mehr zu regeln, keine Kinder großzuziehen oder gesundheitliche Probleme von Familienangehörigen zu bewältigen. Viele Dinge, mit denen man ein Leben lang beschäftigt ist, hindern einen daran, sich selbst wahrzunehmen. Gefühlte Unsicherheit kann druch verschiedene Anforderungen und Lebenserfahrungen aufrecht erhalten werden.

Es ist, als wenn die Bedrohung trotz Kriegsende nie aufgehört hat.

Foto von SplitShire von Pexels

Das ist natürlich ein ganz subjektives Empfinden.

Dann kommt die Rente und niemand will mehr etwas von einem. Belastende Beziehungen fallen weg, ebenso das eine oder andere Hobby. Oder vielleicht gab es keinen Plan für die Zeit nach der Rente und völlig überraschend ist man auf sich selbst zurückgeworfen. Das Geld zum Überleben kommt jeden Monat vom Staat und plötzlich meldet sich das Hirn und sagt: „Hallo, ich habe hier noch ein paar unerledigte Dinge. Können wir uns darüber mal unterhalten?“

Insofern können Erinnerungen und die daran hängenden Erinnerungsattacken, die das Kernsymptom der PTBS sind auch erst nach Jahren auftreten.

Soldatinnen können eine PTBS auch ohne Schusswaffengebrauch entwickeln

PTBS bei Soldatinnen muss nicht durch Erfahrungen mit Schusswaffen entstehen.
Foto von Katalin RHorvát von Pexels

Soldaten und Soldatinnen, die eine PTBS entwickeln, müssen diese nicht aufgrund von Erfahrungen mit Schusswaffen haben. Es klingt für mich, als wenn es das ist, was Sie irritiert. Ich habe diesen Eindruck, weil Sie die Kombination Soldatin und täglichen Kontakt mit Schusswaffen in der Gegenwart, bzw. Schussgeräuschen so hervorheben.

Natürlich müsste ich mir die konkrete Geschichte anhören und viele Fragen stellen, um Ihre Frage konkret beantworten zu können. Diese Möglichkeit habe ich nicht.

Aber ich weiß, wie eine PTBS funktioniert und das erlaubt mir ein paar Annahmen zu machen, die Ihnen vielleicht weiterhelfen.

Eine PTBS entsteht in einer Situation, in der eine Person die Überzeugung gewinnt, jetzt sterben zu müssen oder mitzuerleben wie andere Menschen Leid, Sterben und Tod erfahren. Wenn Sie Srebrenica erwähnen, dann fallen mir dazu natürlich die Berichte über systematische Vergewaltigungen von Frauen ein. Neben allen Kampfsituationen, in denen geschossen wurde.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung entsteht aus einer Situation heraus, in der die betroffene Person „dem Tod ins Gesicht“ sieht. Das Hirn speichert diese Erinnerung ab und kommt dann seiner Aufgabe nach, die Person vor weiteren, ähnlichen Situationen zu warnen. Diese Warnung geschieht über das Auftauchen von Erinnerungsinhalten, meist Erinnerungsbildern oder auch Körpererinnerungen wie Schmerz oder Atembeschwerden. Aber auch Geräusche, Gesprochenes, Gerüche und Gedanken können auftauchen, eben alles, was wir wahrnehmen können. Das wird auch als Flashback bezeichnet oder als Warnreaktion.

Natürlich kann eine Warnreaktion durch die Erfahrung ausgelöst werden, dass auf einen geschossen wird, ein Kamerad verwundet oder getötet wird oder man jemanden erschießen muss.

Natürlich gibt es auch ganz andere Erfahrungen, die das können: Eine Vergewaltigung zum Beispiel oder einer Vergewaltigung zuschauen zu müssen. Oder einen lebensbedrohlichen Unfall zu haben oder zu sehen, wie jemand anderes einen solchen Unfall hat.

Die Frage ist also, was genau hat Ihre Freundin erlebt?

Erinnerungsattaken sind spezifische Überlebensreaktionen.
Foto von Gabriela Palai von Pexels

Das traumatische Ereignis wird sich in den Erinnerungsattacken (Flashback / Warnreaktion) widerspiegeln. Eine PTBS ist eine biologisch sinnvolle Überlebensreaktion, die veraltet ist. Als Menschen haben wir uns zu schnell weiterentwickelt, so dass die Evolution für den Umgang mit Gefahren einfach nicht hinterhergekommen ist. Unsere Gefahren heute sind andere als vor 10.000 Jahren.

Traumareaktionen sind sehr spezifisch. Das heißt, die Erinnerungsinhalte spiegeln das belastende Ereignis wider.

Dazu kommt, dass das Hirn lernen kann, dass bestimmte Reize keine guten Warnreize sind. Dann löst das Hirn auch keine Erinnerungsattacken, also keine Warnreaktion aufgrund dieser Reize (z.B. Schussgeräusche, Schreie) mehr aus. Das ist das Ziel der Traumatherapie: Nur noch dann eine Warnreaktion zu haben, wenn es tatsächlich eine gefährliche Situation ist.

Das heißt, wenn es eine Situation war, in der Schüsse eine Rolle gespielt haben, kann es trotzdem sein, dass das Hirn Ihrer Freundin über die Jahre hinweg gelernt hat, dass Schüsse kein zuverlässiger Warnreiz sind und deswegen spielt dieser Aspekt keine große Rolle mehr.

Insofern kann es, (1) je nachdem was Ihre Freundin erlebt hat, (2) was zwischen dem Zeitpunkt der Erfahrung und Heute geschehen ist und (3) in Abhängigkeit davon wie ihr Hirn mit der Erinnerung in der Zwischenzeit „umgegangen“ ist, sehr wohl sein, dass sie als Soldatin und trotz täglichem Kontakt mit Schusswaffen, erst viele Jahre nach dem Ereignis eine PTBS entwickelt.

Die Antwort ist also: Ja, das ist möglich. Über die Wahrscheinlichkeit kann ich nichts sagen, weil ich dafür zu wenig weiß.

Ich wünsche Ihnen weiterhin einen neugierigen Geist und das Interesse, die Dinge zu hinterfragen.

Ihre Stefanie Rösch

Entdecken und hinterfragen Sie die Dinge.
Foto von Kristina Paukshtite von Pexels

Leserfrage: Lohnt es sich, ihn während der Traumatherapie zu begleiten und Anstrengung in die Beziehung zu investieren?

14.01.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Lohnt es sich ihn in der Traumatherapie zu begleiten?
Foto von Lina Kivaka von Pexels

Hallo,
Ich habe vor einigen Wochen jemanden kennengelernt. Diese Person hat mir davon berichtet, dass sie seit ein paar Monaten wegen PTBS in Behandlung ist. Wir verstehen uns sehr gut und sind uns sehr nah gekommen. Da wir von vornherein sehr offen miteinander gesprochen haben, erzählte ich ihm, dass ich anfange Gefühle für ihn zu entwickeln. Wir haben uns schon vorher des Öfteren gesagt, dass wir uns gernhaben. Aber als es um diese konkreten Gefühle meinerseits ging, hat er gesagt, dass er zu seinen Gefühlen schon fast zwei Jahre keinen Zugang mehr hat. Manchmal empfindet er das auch so wie ich, aber es gehe auch immer wieder weg. Er macht sich große Sorgen mir zur Last zu fallen, da er davon ausgeht, dass das kommende Jahr sehr schwer für ihn wird: Er will sich seinem Trauma stellen.

Nun frage ich mich, ob es sich lohnt, ihn auf diesem Weg zu begleiten, oder ob ich mich distanzieren sollte. Es würde sicherlich belastend für mich werden, aber ich habe auch das Gefühl, dass er was Besonderes ist und dass das zwischen uns etwas Besonderes werden könnte. Aber es wäre vermutlich mit vielen schweren Phasen verbunden, gerade in der ersten Zeit. Auch weil er eben sagt, dass er dieses völlige Verliebtheitsgefühl gerade nicht empfinden kann.

Vielleicht haben sie ja Tipps für mich oder können die Situation aus einer anderen Perspektive beleuchten.

Vielen Dank und liebe Grüße

Wer ist verantwortlich für die Gefühle?
Foto von David Gierth von Pexels

Liebe Leserin,

im Grunde höre ich die Frage, ob es sich lohnt, die Arbeit in diese Beziehung zu investieren.

Meine klare Antwort darauf: Ja.

Ich kann das so klar beantworten, weil sich die Arbeit in eine Beziehung immer lohnt. Sie lässt uns wachsen.

Was die Zukunft bringt, wissen Sie nicht. Wie die Traumatherapie in seinem speziellen Fall verläuft, wissen Sie nicht. Es kann auch alles viel leichter als erwartet verlaufen.

Ich vertrete durchaus die Meinung, dass Traumatherapie anstrengend ist. Aber das ist ja sein Job. Nicht Ihrer.

Wenn Sie eine offene Kommunikation haben, dann könnten Sie das nutzen, um klare Absprachen für ihre Beziehung zu treffen.

  • Er allein ist dafür verantwortlich wie es ihm geht.
  • Sie allein sind dafür verantwortlich wie es Ihnen geht. Damit ist ausgeschlossen, dass er Sie belastet.
  • Wenn es Ihnen nicht gut geht oder Sie sich belastet fühlen, sorgen Sie für sich. Das ist Ihre Aufgabe. Wenn er etwas dazu beitragen kann, sagen Sie es ihm. Er kann dann entscheiden, ob er das gerade geben kann.
  • Anders herum genauso. Wenn es ihm nicht gut geht, dann sagt er das einfach. Wenn er den Eindruck hat, dass Sie ihn unterstützen können, dann sagt er Ihnen das und auch was genau Sie tun können, um ihn zu unterstützen. Sie können dann entscheiden, ob Sie das gerade geben können.
  • Jeder akzeptiert die Entscheidungen des anderen.
  • Jeder weiß, dass der andere wohlwollend ist, unterstützen will, aber immer zuerst nach sich selbst schauen muss und akzeptiert diese Haltung.

Wenn Sie das umgesetzt bekommen, haben Sie ein gutes Fundament, um mit der Situation umzugehen und Ihre Beziehung gemeinsam auf eine gute Art zu gestalten und wachsen zu lassen. Das größte Problem entsteht dann, wenn man in eine „Opferhaltung“ gerät. Und die ist verbreiteter als man so denkt.

Die Opferhaltung ist eher ein kulturelles Phänomen, eine Art psychologische Pandemie als eine Ausnahme.

Die Opferhaltung ist eine psychologische Pandemie.
Foto von Max Ravier von Pexels

Mit „Opferhaltung“ meine ich die Haltung, dass „immer die anderen“ schuld sind. Eine Haltung, die uns immer wieder zum Opfer und damit ohnmächtig macht.

Ein paar Beispiele für diese Opferhaltung

  • Der Staat beschränkt dieser Tage meine Freiheit. Ich fühle mich eingeschränkt. Der Staat muss es anders machen.
  • Immer werden die anderen befördert.
  • Die Lehrerin mich nicht mag. Die benotet mich schlecht.
  • Der Müller ist schuld, dass ich mich so aufregen muss.

Merken Sie es? Das ist eine Frage der Ursachenzuschreibung. Ich könnte auch sagen:

  • Okay, ich nehme die Unannehmlichkeiten für die Sicherheit und Gesundheit anderer in Kauf. Ich kann auch andere Lösungen finden und habe alles was ich brauche zum Leben: Essen, trinken, ein Dach über dem Kopf und warm. Ich habe Strom und kann unendlich viele Dinge tun, um mich sinnvoll zu beschäftigen.
  • Was machen die anderen, dass sie befördert werden? Was kann ich da lernen?
  • Vielleicht habe ich nicht genug gelernt. Vielleicht bin ich auch einfach nicht so gut in Deutsch. Aber ich könnte schauen, was ich machen kann, um besser zu werden. Ich frage die Lehrerin mal, warum sie mir die schlechte Note gegeben hat.
  • Warum rege ich mich jetzt eigentlich so auf? Ach so, der Typ redet genau wie mein Sportlehrer damals. Blödes Geschwätz. Das hält mich nicht auf. Der ist es gar nicht wert, dass ich mich so aufrege. Und im Grunde hat er Recht. Auch wenn er an seinen Ausdrucksformen feilen könnte.

Und dabei geht es nicht um die konkrete Situation, sondern um eine Haltung.

Die gesunde Haltung ist: Ich bin verantwortlich für mich. Vollumfänglich.

Die gesunde Haltung: Ich bin vollumfänglich verantworltich für mich.
Foto von Valiphotos von Pexels

Ja, es ist nicht immer alles rosig. Aber ich kann immer etwas lernen und dann den nächsten Schritt in meinem Leben machen. Ich muss nicht an der Vergangenheit festkleben. Es sind nur Erfahrungen, die ich gemacht habe. Das bin nicht ich, nur meine Erinnerungen. Das bestimmt weder meine Zukunft noch mich als Person. Ich allein bin der Chef in meinem Leben. Oder die Chefin natürlich.

Das hat nichts damit zu tun, dass man Opfer einer Gewalttat werden kann.

Täter tragen die Schuld, aber Opfer sind verantwortlich für Ihr Befinden. Egal, was der Täter tut, das Befinden wird sich nur ändern, wenn die betroffene Person etwas tut.

Ein Schritt, der zeigt, dass Ihr neuer Freund Verantwortung übernommen hat ist, dass er Therapie macht. Das ist doch sehr positiv.

Für eine Beziehung geht es darum zu wissen, wer für was verantwortlich ist. Für meine Gedanken, mein Fühlen und Handeln kann nur ich verantwortlich sein. Das ist in meinen Augen die zentrale Erkenntnis für ein glückliches Leben.

Um diese Beziehung unter den gegebenen Umständen zu erkunden, braucht es in erster Linie eine Haltung.

Gefühle sind überlebensnotwendig

Gefühle sind überlebensnotwendig.
Foto von Johannes Plenio von Pexels

Noch ein paar Worte zum Thema Gefühle. Sie sind Teil unseres täglichen Überlebens aber auch Teil einer menschlichen Entwicklung über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg. Hier also eine kurze Zusammenfassung.

  • Wut: Zeigt uns eine Bedrohung an, auf die wir noch reagieren können, weil wir noch „Kampfstrategien“ zur Verfügung haben.
  • Angst: Zeigt uns eine Bedrohung an, auf die wir nicht mehr reagieren können, weil uns keine Strategien mehr zur Verfügung stehen. Weiterlesen?
  • Ekel: Zeigt uns an, dass etwas giftig oder verdorben ist.
  • Trauer: Zeigt an, dass wir Hilfe brauchen, in der Regel Trost, und ist Teil der Steuerung von Beziehungen.
  • Freude: Zeigt uns an, was uns guttut. Das ist ebenfalls vorwiegend Teil der Steuerung von Beziehungen.

Liebe oder Verliebtsein sind aus meiner Sicht keine Gefühle. Meine Definitionen dafür lauten:

Liebe ist das Empfinden von tiefer Verbundenheit mit einer anderen Person oder einem Tier. Liebe hat das Wohl des anderen im Blick. Sie ist selbstlos.

Verliebtsein beschreibt für mich einen Zustand der freudvollen Unsicherheit. Das sind die Zeiten, in denen wir aufgeregt sind, weil wir uns auf den anderen freuen, aber noch unsicher darüber sind, ob der andere uns genauso mag wie wir ihn.

Im Grunde ist es das, was Sie beschreiben: Ein Zustand der Unsicherheit.

Verliebtsein ist ein Zustand von Unsicherheit.
Foto von Pixabay auf Pexels

Ihr Freund ist gerade mehr mit seiner Vergangenheit (Erinnerungen) und mit den körperlichen Folgen (Stressreaktion / PTBS) seiner belastenden Lebenserfahrungen beschäftigt. Da kann es schonmal sein, dass das im Vordergrund steht. Das wird sich ändern, wenn er lernt, was er in der Therapie lernen will.

Gefühle spüren wir, wenn wir präsent im Leben sind. Als Menschen haben wir die Möglichkeit, Gefühle auf ganz unterschiedliche Weise nicht zu spüren. Wir können sie ignorieren/wegdrücken oder unser Hirn schützt und vor zu viel Gefühl, sprich Erregung. Letzteres kommt bei traumatischen Erfahrungen öfter mal vor. Letztendlich geht es aber nur darum zu lernen, mit diesen Gefühlen und mit den Erinnerungsreaktionen umzugehen. Dafür ist die Therapie da. Oder zumindest ist das mein Ansatz für eine Traumatherapie. Das heißt nicht, dass es schnell geht. Aber es sollte für die betroffene Person wahrnehmbar sein, dass sie etwas lernt, um besser mit den Folgen der traumatischen Erfahrung umzugehen.

Ihr neuer Freund hat den Vorteil, dass Sie ihre Gefühle offenbart haben. Da gibt es keine Ungewissheit darüber. Sie haben gesagt, wie Sie sich gerade fühlen. Er kann Ihnen diese Auskunft nicht so klar geben. Das heißt, für Sie bleibt die Unsicherheit bestehen.

Mein Vorschlag, also… Tipps??

Haltung ist entscheidend und Wissen über Traumareaktionen.
Foto von João Jesus von Pexels

Machen Sie sich ihre Haltung bewusst und treffen Sie die Absprachen mit ihrem Freund. Lernen Sie etwas über traumatische Erfahrungen, die Posttraumatische Belastungsstörung und was in einer Traumatherapie passiert. Hier im Blog finden Sie dazu eine Menge Informationen, zum Beispiel meine PTBS-Reihe.

Lernen Sie jeden Tag ein bisschen darüber, wie wir als Menschen in den unterschiedlichsten Situationen funktionieren. Das wird dazu führen, dass Sie neue Situationen zu ihrem Vorteil wahrnehmen können und sich keine Sorgen machen müssen. Sie werden erwarten, dass es gut läuft, weil Sie wissen, dass es für alles eine gute Lösung gibt. Auch wenn es mal schwer oder schmerzhaft ist. Das Leben will gespürt, gelebt und bewältigt werden. Jeden Tag.

Dazu wünsche ich Ihnen in diesem neuen Jahr alle notwendige Kraft

Ihre Stefanien Rösch

Leserfrage: Wie kann ich „meine“ Mutter Gothel loswerden? Wie geht vertrauen?

06.01.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo,
ich habe vor kurzem mit meiner Tochter den Märchenfilm Rapunzel gesehen und er hat mich sehr berührt. Jetzt lese ich auf Ihrem Blog über den Film Rapunzel – neu verföhnt. Ich habe genau das erlebt, was Sie Weiße Folter nennen. Viele Jahre habe ich gebraucht, um mich von meiner Mutter zu lösen und ihr „Spiel“ zu durchschauen. Ich bin durch Rapunzels „Wüste“ gegangen, als mir bewusstwurde, dass ich eigentlich keine Mutter habe. Seit meiner Kindheit leide ich an Angstzuständen und Depressionen. Laut verschiedener Therapeuten habe ich aber kein „richtiges“ Trauma erlebt, weil es eben „weiß“ war. Ich denke, deswegen haben auch verschiedene Therapien bei mir nicht funktioniert. Ich fühle mich sehr traumatisiert und habe auch viele Symptome. Es tut gut bei Ihnen zu lesen, dass meine Gefühle eine Berechtigung haben. Ich habe genau das, was Sie beschreiben: Ich kann mich nicht auf menschliche Beziehungen verlassen. Ich bin immer verschlossen. Auch bei Therapeuten ist es für mich kaum möglich, ihnen zu vertrauen. Ich habe mich sozusagen von Frau Gothel gelöst und sitze jetzt in meinem Turm und traue mich nicht raus. Haben Sie einen Vorschlag, was ich tun kann? Herzlichen Dank für Ihre Seite!

Wie geht Vertrauen in einer feindlichen Welt?
Foto von Amine M’Siouri von Pexels

Liebe Leserin,

ich glaube, Rapunzel berührt Sie und andere Menschen, weil sie trotz ihres Schicksals soviel Lebensfreude und Lebensmut behalten hat. Es ist nur ein kurzer Moment, in dem Sie überlegt, wieder zurück zu gehen. Doch dann hält sie nichts mehr auf. Auch nicht der Versuch von Ryder, sie ins Hässliche Entlein zu bringen, wo sämtliche Verbrecher von einem besseren Leben träumen.

Was erstaunlich ist, und eben Film, dass Rapunzel trotz all der schlechten Behandlung durch ihre Entführerin einen positiven Blick auf das Leben behalten hat.

Wie das möglich ist?

Rapunzel akzeptiert ihre Umwelt so wie sie ist

Sie macht das Beste daraus. Sie lebt in der Gegenwart. Sie verschwendet keinen Gedanken an die Vergangenheit. Das macht sie zu einer Comicfigur.

Rapunzel akzeptiert die Umwelt so wie sie ist. Sie lebt in der Gegenwart und schaut nicht zurück.
Danke Pixaby auf Pexels für das Foto

Was diese Entführerin 17 Jahre lang mit Rapunzel gemacht hat, geht an einem echten Menschen nicht so spurlos vorbei. Ein echter Mensch hat keine andere Möglichkeit als die Sichtweisen der Mutter Gothel ungeprüft zu übernehmen. Mutter Gothel bringt Rapunzel nicht bei, ihre Behauptungen an der Realität zu prüfen. Ist die Welt wirklich so gefährlich? Hockt wirklich hinter jedem Strauch ein Bösewicht? Rapunzel durfte den Turm gar nicht verlassen. Sie ist nie an einem Strauch vorbeigegangen, um zu schauen, ob dahinter ein böser Bube sitzt.

Sie, liebe Leserin, mussten andere Strategien entwickeln, um in der Welt ihrer „Mutter Gothel“ überleben zu können.

Was ist ein „echtes“ Trauma?

Es gibt dazu unterschiedliche Definitionen. Der Begriff Trauma bedeutet erst mal nur „Verletzung“. Und so wie es sich anhört, haben Sie einige Verletzungen erfahren. Die Verletzungen sind durch bedrohliche Situationen oder bedrohliches Verhalten von anderen entstanden, in ihrem Fall von Ihrer „Mutter Gothel“.

Es gibt aber auch die Definition, dass Trauma eine „objektiv“ lebensbedrohliche Erfahrung sein muss. „Objektiv“ meint dann so Erfahrungen wie Opfer von Kriegshandlungen zu sein, sexueller oder körperlicher Gewalt, Folter, schweren Verkehrs- und anderen Unfällen, sowie diese Erfahrungen beobachten zu müssen. Einzige Ausnahme bildet die Arbeit von polizeilichen Ermittlern, die entsprechend belastendes Videomaterial (Kinderpornografie) anschauen müssen. Denen wird auch zugestanden, traumatisiert zu werden, obwohl es keine „objektive“ Bedrohung für den Ermittler gibt.

Aus meiner Erfahrung spielt allein das subjektive Erleben von Lebensbedrohung eine Rolle, ob jemand traumatisiert wird. Jedenfalls definiere ich Trauma so: Es sind die Folgen, die entstehen, wenn man dem Tod ins Gesicht sieht. Ob man traumatisiert ist oder nicht, kann man aber frühestens 4 Wochen nach dem Ereignis sagen, manchmal auch erst sehr viel später. Letztendlich kann man nur anhand der Beschwerden sagen, ob jemand traumatisiert ist oder nicht. Die typischste Folge einer traumatischen Erfahrung ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Aber das bedeutet nicht, dass wenn man keine PTBS hat, man nicht schlimme Verletzungen erlebt hat. Ich glaube, es spielt am Ende keine Rolle, wie wir es nennen. Wichtig ist, die Folgen zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen, um sich davon zu befreien.

Psychische Beschwerden sind Ausdruck des Versuchs in einer lebensfeindlichen Umgebung zu überleben
Foto von Nacho Juárez von Pexels

Psychische Beschwerden sind Ausdruck des Versuchs in einer lebensfeindlichen Umgebung zu überleben

Depression ist häufig Ausdruck der Überzeugung, dass man keinen Einfluss im Leben hat. Betroffene haben den Eindruck, sie können nichts bewirken, sich nicht wehren und sind für alles verantwortlich, vor allem für Dinge, über die sie keine Kontrolle haben, wie zum Beispiel die Gefühle von anderen. Diese dauernde Überforderung macht müde und lässt einen irgendwann resignieren. „Ich kann ja sowieso nichts ändern“, ist dann eine fast unausweichliche Überzeugung.

Ängste zeigen an, dass man keine Handlungsmöglichkeiten mehr hat und das Hirn die Situation als lebensgefährlich einschätzt. Aber auch erwarteter Schmerz, vorweggenommenes Versagen oder die Vorstellung von Einsamkeit können zu Angst führen. Unser Hirn macht da keinen großen Unterschied zwischen Vorstellung und Gegenwart. Die Vorstellung von eine Angstsituation reicht aus, um auch eine Angstreaktion im Körper zu verursachen, die wir als unangenehm, eben als Angst oder Panik bezeichnen. Je nachdem, was wir gelernt haben.

Angst macht vorsichtig und deswegen einsam

Wenn ich wiederholt von jemandem bedroht oder abgewertet werde. Wenn ich immer wieder Lebenserfahrungen aufgezwungen bekomme, die mir Angst machen, dann werde ich vorsichtig. Das ist mal grundsätzlich eine natürliche und gesunde Reaktion. Wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass ein Säbelzahntiger gefährlich ist, dann ist es gut vorsichtig zu sein, wenn ich einem Säbelzahntiger begegne. Bei einem Zebra macht das erstmal keinen Sinn. Aber so ist unser Hirn.

Wenn wir von unserer Mutter schlecht behandelt wurden, dann geht unser Hirn davon aus, dass auch andere Menschen gefährlich sind. Wir werden vorsichtig, was andere Menschen angeht. Und wenn es sehr vorsichtig ist, nennen wir das misstrauisch. Vorsichtig zu sein, ermöglicht uns, Kontakt mit anderen zu haben, auch wenn wir nicht wissen, was wir vom anderen erwarten sollen. Wenn wir misstrauisch sind, unterstellen wir dem anderen „negative Absichten“, wir erwarten, wieder verletzt zu werden, obwohl wir den anderen gar nicht kennen. Diese Haltung behindert den Kontakt zu anderen. Vorsicht ist okay, Misstrauen hindert am Leben und macht einsam.

Mutige Entscheidungen zu vertrauen sind die Lösung
Foto von James Wheeler von Pexels

Mutige Entscheidungen zu vertrauen sind die Lösung

Eine Klientin fragte mich neulich: Was ist kühnes Vertrauen? Was für ein tolle Frage.

Und genau die Antwort für Sie, liebe Leserin. Um gesund zu werden und sich von den Auswirkungen einer „Mutter Gothel“ zu befreien braucht es das kühne Vertrauen einer „Rapunzel“. Kühnes Vertrauen meint mutiges Vertrauen. Mutig zu vertrauen ist eine Entscheidung.

Vertrauen ist kein Gefühl, keine Empfindung, sondern eine Entscheidung, die wir die meiste Zeit unbewusst, sprich ohne darüber nachzudenken fällen. Wenn man wie Sie viele Enttäuschungen und Verletzungen erlebt hat, bleibt einem nur die bewusste Entscheidung übrig. Es bedeutet, wie diese Klientin immer wieder sagt: „Alles auf eine Karte zu setzen“ und trotz Misstrauen zu vertrauen, gerade zum Trotz gegen die innere Stimme, die einem Angst machen will. Nur so kann man nach und nach Erfahrungen und damit Erinnerungen sammeln, die der Überzeugung „Menschen sind hinterhältig oder böse“ entgegenstehen. Nur so kann man die liebevollen und zugewandten Erfahrungen machen, die notwendig sind, um diese Tiefen Gräben zwischen sich und der Welt zu überwinden.

Es ist ein anstrengender Weg und nur für mutige Menschen gemacht. Dass Sie mir geschrieben haben, ist für mich der Beweis, dass ich es mit einer mutigen Person zu tun habe. Sie haben immer wieder Hilfe in der Therapie gesucht. Das ist auch ein Beweis dafür, dass Sie ein mutiger Mensch sind. Ihr Wille zur Heilung und zur Freiheit zeigt sich mir darin, dass Sie sich von Ihrer „Mutter Gothel“ gelöst haben.

Mein Vorschlag

Bleiben Sie dran. Schauen Sie, was Sie nicht können und suchen Sie sich jemanden (Therapeutin), die Ihnen hilft, diese Dinge zu lernen. Vertrauen kann man lernen. Beziehungen zu führen kann man lernen. Man kann lernen, sich zu schützen und zu wehren. Alles was es braucht, sind mutige Entscheidungen und den Willen durchzuhalten. Ich bin davon überzeugt, dass Sie beides haben.

Für Ihren Weg wünsche ich Ihnen viel Kraft.

Ihre Stefanie Rösch

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Nur Sie sind die Heldin in Ihrem Leben 🙂

Du bist die Heldin in Deinem Leben
Foto von Thought Catalog von Pexels

Leserfrage: Ich habe Angst vor meiner Freundin. Was kann ich tun?

20.11.2020 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo,
mein Name ist Anja und ich bin 16 Jahre alt. Ich leide seit Jahren unter PTBS und weiß einfach nicht mehr weiter. Seit ein paar Monaten habe ich eine feste Beziehung mit meiner Freundin und habe oft bzw. immer Panik, wenn sie mich berührt oder wir Sex haben. Ich kriege fast immer körperliche Erinnerungen und habe Flashbacks und schaffe es nicht, das zu unterscheiden was real ist und was nicht. Wir wohnen zusammen in einer Wohngruppe und dürfen am Wochenende zusammen in einem Zimmer schlafen. Wenn wir bei ihr im Zimmer schlafen kriege ich Panik, weil es nicht mein Zimmer ist obwohl ich mich in meinem Zimmer auch nicht wirklich wohl fühle. Ich habe eine Therapeutin und auch eine Psychiaterin aber denen traue ich mich nicht zu sagen, dass ich vor meiner eigenen Freundin Angst habe, da mir das sehr unangenehm ist. Ich habe meiner Freundin das erzählt und sie reagierte sehr einfühlsam. Aber trotzdem habe ich Angst, dass sie das genauso mitnimmt wie mich. Ich bin trotz all dem intim mit ihr aber es wird immer schlimmer. Könnten sie mir vielleicht sagen, was ich dagegen tun kann?

Ich habe Angst vor meiner Partnerin. Das fühlt sich an wie im Nebel.
Danke an Snapwire auf Pexels

Liebe Anja,

als erstes möchte ich Ihnen Mut machen, mit Ihrer Therapeutin darüber zu sprechen. Im Grunde ist die Angst in intimen Situationen eine völlig normale Reaktion, wenn man entsprechende Erfahrungen im Leben gemacht hat. Ihre Therapeutin weiß das sicher und ist bereit, offen und wertschätzend mit Ihnen darüber zu reden.

Falls Sie mit Ihrer Therapeutin nicht über Ihre Ängste sprechen wollen, gibt es auch die Möglichkeit, darüber zu schreiben. Eine Anleitung, wie man über belastende Erfahrungen schreiben kann, finden Sie hier: Über belastende Erinnerungen schreiben.

Ich vermute, dass Sie nicht vor ihrer Freundin Angst haben, sondern vor ihren eigenen unangenehmen Körperreaktionen, oder? Die Vorstellung, wieder Panik zu haben, macht Ihnen Angst. Zumindest hört es sich für mich so an. Das ist etwas, was ich häufig höre von Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Kein Wunder, dass sich der Körper daran erinnert.

Hier meine Erklärung dazu, wie ein Trauma entsteht und was Flashbacks sind.

Es gibt zwei Themen in ihrer Frage: Das Zimmer und die Freundin

Wenn Sie sich in einem Zimmer nicht wohlfühlen, also weder in ihrem eigenen noch in dem ihrer Freundin, dann ist es wichtig, herauszufinden, warum das so ist. Meine Vermutung ist, dass Sie sich in beiden Zimmern nicht sicher fühlen. Wenn Sie sich nicht sicher fühlen, dann versuchen Sie bitte herauszufinden, woran das liegt.

Es könnte daran liegen, wer bestimmt, wer das Zimmer betreten darf und verlassen muss. Entscheiden Sie, wer reinkommen darf und wer raus muss? Kann jeder einfach reinkommen?

Sollte das der entscheidende Faktor sein, ist es vielleicht nötig, sich Sicherheit zu verschaffen. Beispielsweise könnten Sie etwas vor die Tür legen, das Krach macht, wenn jemand gegen ihren Willen reinkommt. Auf diese Weise hören Sie es frühzeitig und können reagieren.

Überlegen Sie sich, wie sie reagieren wollen, wenn jemand unaufgefordert in das Zimmer kommt, zum Beispiel könnten Sie sagen: „Ich möchte nicht, dass Du ohne meine Erlaubnis in mein Zimmer kommst. Ich fühle mich deswegen hier nicht sicher.“ Haben Sie sich vorher konkrete Strategien überlegt, können Sie diese in Gedanken üben (Mentales Training), damit sie sich vorbereitet fühlen. Dazu kann ich Ihnen keine konkreteren Ideen anbieten, weil ich nicht weiß, wie die Abläufe bei Ihnen sind und wer das Zimmer aus welchem Grund betreten könnte.

Es könnte natürlich noch andere Gründe geben, warum Sie sich in keinem der Zimmer sicher fühlen. Überlegen Sie, ob Ihnen noch etwas einfällt.

Ihre Freundin möchte Ihnen guttun

Ihre Freundin haben Sie gern. Deswegen wollen Sie mit ihr zusammen sein und Zeit verbringen und vielleicht auch die körperliche Seite dieser Beziehung leben. Zärtlichkeit zu teilen und auch Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil von einer Beziehung. Unter anderem werden Hormone ausgeschüttet, welche die Bindung und damit die Beziehung fördern. Gleichzeitig wird durch diese Hormone auch Stress reduziert, was für unsere Gesundheit förderlich ist. Damit das klappt, sollten sich beide Partnerinnen sicher und wohl fühlen.

Aber Ihr Gehirn hat, wie es aussieht, gelernt, dass Berührung und Sexualität gefährlich sind und deswegen macht es diese Alarmreaktionen (Flashbacks, hier als Körpererinnerung), die Sie so unangenehm finden und als Panik bezeichnen. Also geht es jetzt darum, dem Gehirn beizubringen, dass Ihre Freundin sie nicht misshandeln oder verletzten wird.

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, es langsam angehen zu lassen und erstmal die nichtsexuellen Berührungen wieder zu üben. Langsam, damit das Gehirn lernt, Berührung ist angenehm.

Nur die Person, die Sie verletzt hat, ist gefährlich, ihre Freundin nicht.

Die Vorstellung, alle oder alle intime körperliche Berührung sei gefährlich, entsteht dadurch, dass das Hirn unnötige Verallgemeinerungen macht. Das hat etwas mit unserer Entwicklung als Menschen zu tun. Dieser Mechanismus war ursprünglich dafür ausgelegt, uns vor weiteren Gefahren zu schützen, wenn wir einmal Gefahr in einer bestimmten Situation erlebt haben. In Zeiten von Säbelzahntigern war das sehr hilfreich, weil alle Säbelzahntiger gefährlich sind. In unserer heutigen Welt schießt das Hirn jedoch gerne Mal über sein Ziel hinaus. Das nennen wir dann Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Ich gehe für die folgenden Erklärungen jetzt einfach Mal von einer Person aus, die Sie verletzt hat. Wenn es mehrere Personen waren, ist der Mechanismus umso fester im Gehirn verankert.

Ihr Gehirn denkt im Moment noch: Ein Mensch hat mich verletzt, also sind alle Menschen gefährlich. Ihr Hirn möchte Sie vor weiteren Verletzungen schützen und warnt Sie deswegen mit Panik (Erinnerungsattacken/Flashbacks). Es spricht mit Ihnen auf seine eigene Weise: mit Erinnerungen. „Hallo Du, ich mache gerade Panik, weil wir das hier (Erinnerungen/Flashback/Körpererinnerungen/Angst) erlebt haben. Nur, damit Du Bescheid weist.“ Das Gehirn zeigt Ihnen durch Erinnerungen die Situationen, vor denen es Sie schützen möchte.

Eine Erinnerungsattacke/Flashback ist der Versuch Ihres Gehirns, Sie vor einer drohenden Gefahr zu warnen.

Was ihr Hirn jetzt lernen muss, ist, dass nicht jede Berührung gefährlich ist, sondern eben nur ganz wenige, gefährliche Personen. Ich nenne diese Personen „Täter“. Das heißt, Sie wollen „aussortieren“, welche Reize (Täter sehen, Berührungen, Gerüche, Gedanken, Geräusche) diese Warnreaktion auslösen kann. Machen Sie sich im Kontakt mit Ihrer Freundin immer wieder die Unterschiede der Situationen bewusst. Die Berührung Ihrer Freundin ist anders als der Kontakt mit dem Täter. Vergleichen Sie und beobachten Sie ganz genau, was anders ist. Am besten sagen Sie sich diese Unterschiede laut vor.

So bringen Sie dem Hirn bei, weniger und schließlich keinen Alarm mehr auszulösen, wenn ihre Freundin Sie berührt.

Wenn Sie mit Ihrer Freundin zusammen sind und die äußere Sicherheit gewährt ist, muss das Gehirn keinen Alarm mehr schlagen.

Sie können Ihrem Hirn beibringen, weniger und schließlich keinen Alarm mehr auszulösen. Das machen Sie, indem Sie mit Ihrer Freundin üben, dass Körperkontakt angenehm ist. Sie bestimmen, was angenehm ist und was Sie unangenehm finden. Wichtig ist dabei, genau auf den Körper zu hören. An dieser Stelle braucht der Körper etwas Übung, seien Sie nachsichtig mit ihm und üben Sie in kleinen Schritten.

Sie können sich zum Beispiel Rücken an Rücken setzen. Der Körperkontakt ist nur am Rücken, sodass Gewalt nicht möglich ist. Überlegen Sie, welche Berührungen sie ohne schlechtes Gefühl aushalten können. Eine Hand festhalten, Finger verschränken? Fingerspitzen berühren? Zehenspitzen berühren? Bekleidet oder auf der Haut? Das ist etwas, was Sie im Gespräch mit Ihrer Freundin herausfinden können.

Ziel der Übung soll sein, sich mit Ihrer Freundin sicher zu fühlen und ihr bei Berührungen vertrauen zu können.

Treffen Sie eine Vereinbarung mit Ihrer Freundin: Sobald sich etwas unangenehm oder nicht richtig anfühlt, sagen Sie klar und deutlich „Stopp!“. Ihre Freundin sollte dann augenblicklich aufhören, Sie zu berühren. So können Sie erfahren, dass Sie sich darauf verlassen können, dass Sie die Kontrolle behalten, wie und ob Sie jemand berührt. Das ist ein entscheidender Unterschied zu Gewalterfahrungen.

Eine weitere Übung, mit der Sie anfangen könnten, ist folgende: Ihre Freundin legt ihre Hand auf Ihren Rücken, etwa zwischen die Schulterblätter. Bei vielen Menschen hat diese Berührung eine beruhigende Wirkung. Probieren Sie es aus und spüren Sie genau nach, wie sich die Berührung anfühlt. Können Sie das aushalten? Ist die Berührung vielleicht sogar angenehm?

Was findet Ihre Freundin angenehm und was auch nicht? Reden Sie darüber und probieren Sie vorsichtig aus, was geht und was unangenehm ist. Wenn Sie spüren, dass es unangenehm ist, versuchen Sie es drei Sekunden auszuhalten und sagen sie dann „Stopp!“. So kann das Gehirn lernen, dass diese Art von Kontakt mit Ihrer Freundin ungefährlich ist und, dass Sie die Kontrolle haben. Langfristig haben Sie so eine Chance, Berührung und Intimität wieder genießen zu können.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft auf Ihrem Weg,

Stefanie Rösch

Verkehrsunfälle: Hilfe finden

27.09.2019 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Verkehrsunfälle können je nach Ausmaß für Betroffene oder unmittelbar Beteiligte Traumafolgestörungen auslösen. Etwa jede/r vierte Schwerverletze entwickelt nach einem Unfall eine ernstzunehmende psychische Beeinträchtigung1. Besonders häufig sind Angstsymptome / Fahrangst, Depressionen und die Posttraumatische Belastungsstörung.

Es ist nicht nur die Schwere der Verletzung, welche psychische Folgeschäden auslösen kann. Verkehrsunfälle, ohne sichtbare Verletzungen der Beteiligten oder großen Sachschaden, können ebenfalls eine psychische Verletzung zur Folge haben. Das direkte Umfeld kann ohne direkt am Unfall beteiligt gewesen zu sein mit den Folgen zu kämpfen haben. Im Schnitt sind 113 Personen (Familie, Freunde, Polizisten, Feuerwehr, Sanitäter…) von den Folgen eines tödlich ausgegangenen Verkehrsunfalls betroffen².

Betroffene wissen nicht unbedingt, dass ihr Befinden bereits die Schwelle zu einer psychischen Störung überschritten hat, für die professionelle Hilfe angezeigt ist. Leider ist der Gang zum Psychologen immer noch mit einem Stigma belegt, so dass Betroffene keine Hilfe holen trotz ernsthafter Probleme wie dauerhaften Schlafstörungen, Erinnerungsattacken an den Unfall, plötzlichen und unerklärlichen Ängsten in Bezug auf das Fahren, nicht mehr als Beifahrer mitreisen zu können oder keine Überholmanöver mehr zu fahren wie vor dem Unfall. Hilfe zu holen ist dann oft mit der Vorstellung verbunden, dass man als verrückt abgestempelt wird. Dabei hat die Psychotherapie in solchen Fällen erstklassige Therapiekonzepte anzubieten, die schnell Besserung bringen können.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat nun eine äußerst hilfreiche Internetseite online gestellt auf welcher viele wichtige und informative Dienste angeboten werden. Unter www.hilfefinder.de finden Betroffene, oder Angehörige von Betroffenen, übersichtlich aufbereitete Informationen.

Unter anderem bietet das Portal einen „Trauma-Check“ an. Um in Selbst- oder Fremdbeurteilung mit nachvollziehbaren Aussagen zu testen, ob man möglicherweise von psychischen Unfallfolgen betroffen ist.

Ebenso kann man sich auf der Internetseite ausgiebig über Sofort-Hilfe und passende Psychotherapeuten, sowie über Behandlungsmethoden und psychische Störungen im Allgemeinen informieren.

Was uns an dieser Seite besonders gut gefällt ist, dass auch über die Rechte von Betroffenen sowie über mögliche Kostenträger der verschiedenen Versicherungstypen aufgeklärt wird. Es werden Leitfäden für einen Erstkontakt mit psychologischen Einrichtungen, mit der Krankenversicherung und Beratungsstellen angeboten. In diesen wird ausführlich beschrieben was und wie man als Betroffener etwas unternehmen kann, um möglichst schnell ganz persönliche Hilfe zu erhalten. Wer sich also unsicher ist, ob er/sie Hilfe suchen soll, findet hier einen guten Start in diese Thematik.

Psychotherapeuten finden auf dieser Seite interessante Veröffentlichungen zum Thema Unfallfolgen. Unter dem Reiter „Forschung“ kann man sich über allgemeine Zahlen und den Stand der aktuellen Forschung informieren.

Unser Fazit: Tolle, gut strukturierte und informative Internetseite, die Betroffenen einen guten Überblick über ihre aktuelle Situation und Wege aus der Krise aufzeigt. Sie macht Mut und regt zu „Hilfe zur Selbsthilfe“ an.

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1AUERBACH, K. (2014). Psychische Folgen von Verkehrsunfällen. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen. Unterreihe Mensch und Sicherheit (M 245). Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW.

²DVR Report, Fachmagazin für Verkehrssicherheitsarbeit, 2/2017, S. 8

Leserfrage: Ich habe zu viel Mitleid mit meiner traumatisierten Freundin, was tun?

19.09.2019 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo,
meine Freundin leidet unter einer PTBS nach zwei Vergewaltigungen und hat schwere Depressionen. Sie befindet sich leider noch nicht in professioneller Hilfe. Irgendwie scheint sie nicht bereit zu sein, sich in intensive Traumatherapie zu begeben, obwohl sie zu wissen scheint, welche Therapie ihr guttun würde und dass sie keine Kraft mehr hat, so zu leiden.
Ich verstehe nicht, warum sie nicht in eine gute Klinik geht und versucht Hilfe zu bekommen. Ich merke, dass ich nicht mehr kann, weil es ihr so schlecht geht, dauernd hat sie Alpträume, Panikattacken und Angst.
Das Problem ist, dass ich mich von ihren Themen nicht abgrenzen kann. Ich leide oft mit und bin einfach erschöpft. Meine Hoffnung war immer, dass sie bald in guten Händen sein wird und es mir dadurch auch bessergehen wird. Jedoch kann ich nicht mehr auf irgendwas warten. Mein Kopf und meine Emotionen sind total durcheinander. Ich habe Gewaltfantasien gegen ihren Vergewaltiger. Ich stelle mir die Vergewaltigung immer wieder vor, das ist so ekelig. Ich kann das nicht kontrollieren, es passiert einfach.
Ich will lernen nicht mitzuleiden, mich abzugrenzen, ohne dass ich emotional komplett zu mache. Ich will da drunter nicht leiden, nicht mitleiden. Ich fühle mich so hilflos. Ich kann ihr nicht helfen und drängen ist gar nicht gesund, ich kann nur was für mich tun. Wissen sie wo ich vielleicht Unterstützung bekommen kann?
Ich wünsche mir einfach so sehr, dass wir beide Leichtigkeit bekommen. Ich liebe sie von Herzen. Sie ist so liebevoll und zärtlich, so witzig und auch so mutig. Aber ich habe Angst, dass ich Sie verliere.
Liebe Grüße und Danke für ihre Hilfe!!!

Lieber Leser,

warum Ihre Freundin sich bisher keine Hilfe in einer Therapie geholt hat, kann nur ihre Freundin wissen. Meine Vermutung ist, dass die eine Vorstellung davon hat, was in einer Therapie geschieht, die ihr zum einen Angst macht und zum anderen wahrscheinlich nicht dem entspricht, wie es tatsächlich ist. Das kann dann dazu führen, dass sie aus Angst einen Bogen um eine Traumatherapie macht. Das ist zumindest einer der häufigsten Gründe, warum Menschen sich keine Hilfe holen.

Den wesentlichen Schritt haben Sie jedoch schon gemacht: Die Erkenntnis, dass Sie nur für sich selbst sorgen können. Niemand kann jemand anderen retten.

Sie können sich bewusstmachen, dass es eine Form von Respektlosigkeit ihrer Freundin gegenüber ist, wenn Sie für etwas leiden, dass Sie nicht einmal selbst erlebt haben. So wie es sich anhört, leiden Sie fast genauso stark unter ihren Phantasien wie Ihre Freundin unter dem tatsächlich Erlebten. Das ist keine Hilfe. Gut, dass Sie das erkannt haben! Übernehmen Sie dafür Verantwortung, das zu ändern.

Wir sind nicht verantwortlich für das Leid eines anderen. Wir sind auch nicht dafür verantwortlich, dass es einem anderen gut geht. Wir sind grundsätzlich nicht für die Gefühle von anderen zuständig.

Insofern ist es in meinen Augen Ausdruck von Respekt vor den freien Entscheidungen des anderen, ihm sein Leid zu lassen und auch die Freiheit zu entscheiden, ob man wieder gesundwerden will. Ja es ist unglaublich anstrengend und es ist eine gruselige Sache, mit den Folgen traumatischer Erfahrungen umzugehen. Aber es kann einem das niemand abnehmen. Jede betroffene Person muss es selbst machen. Wir anderen können nur fragen, wie wir unterstützen können. In meinem Fall bedeutet das, die Erinnerungen zusammen mit meinen Klienten zu sortieren. In Ihrem Fall bedeutet das, sich gut zu informieren, ein paar Techniken zu lernen (s.u.) und Mut zur Traumatherapie zu machen.

Der Rest liegt in der Entscheidung desjenigen, der etwas erlebt hat.

Hier die notwendigen ersten Informationen für Sie:

Erster Schritt für Sie: Suchen Sie für sich einen Psychotherapeuten, um die Rache- und Gewaltphantasien wieder loszuwerden. Sie können sehr wohl beeinflussen, was Sie denken und was nicht, auch wenn es sich im ersten Moment nicht so anfühlt.

Zweiter Schritt: Informieren Sie sich über Traumareaktionen, zum Beispiel in unserem Blog (PTBS1 bis 12). In der PTBS-Reihe finden Sie unter anderem auch Strategien zum Umgang mit Erinnerungsattacken und Angstattacken. Lernen Sie alles, was Sie finden können über die PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), um ihrer Freundin weiterhin Mut machen zu können, eine Traumatherapie zu machen. Eine geeignete Therapeutin zu finden, wird möglicherweise nicht leicht werden. Aber da können Sie mit diesem Link unterstützen.

Dritter Schritt: Lernen Sie Strategien, welche Ihrer Freundin kurzfristig helfen können: zum Beispiel haben wir eine Übung, die heißt „Hier und Jetzt“ und diese hilft den meisten Menschen Erinnerungs- und Panikattacken abzubrechen. Hier ein Artikel zu Schlafstörungen: und ein sicherer Ort kann auch helfen. Hier ein Artikel, wie man mit Alpträumen umgehen kann.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg und den Mut, für sich selbst zu sorgen.

Herzliche Grüße, Stefanie Rösch

Leserfrage: Wie kann ich meiner Partnerin helfen, nicht mehr zu flüchten?

10.11.2017 Veröffentlicht von Leserfragen 2 Kommentare

Seit der Geburt unserer Tochter tauchte schleichweise die komplexe PTBS bei meiner Partnerin auf. Sie liebt mich und ich sie und gemeinsam lieben wir unsere Tochter. Wir wollen beide eine gemeinsame Zukunft leben.

Jedoch schmiss sie inzwischen sehr oft sie die ganze Beziehung hin und wollte vor allem flüchten. Jetzt wurde ihr einmal mehr bewusst wie sehr sie ein Uns möchte. Aber die Angst vor der Flucht ist bei mir deutlich vorhanden. Gibt es Möglichkeiten dies „einfach“ in den Griff zu bekommen, so dass sie nicht mehr die Flucht ergreifen möchte? Wie kann ich ihr helfen? Wie kann sie sich helfen? Und wir uns? Ich habe ihr bereits angeboten sie zu Traumatherapiesitzungen zu begleiten, was sie sich wünscht. Unser oberstes Ziel ist es, eine glückliche Familie zu werden und dass sie gesund wird.

Lieber Leser,

Einfache Lösungen gibt es natürlich nicht. Auch wenn wir sie uns immer wünschen.

Es gibt nur ein „Es-immer-wieder-Probieren“ und ein „Nicht-Aufgeben“. Wenn die Liebe da ist, dann sind Heilungswege für mich so etwas wie Laufen-Lernen. Bestimmt haben sie das Bild von einem Kind im Kopf, welches das erste Mal an den Händen eines Elternteils steht? Unsicher, wackelig. Es zieht sich selbständig an Stühlen und Sofas hoch, um stehen zu üben. Plumst immer wieder auf den windelgeschützten Popo und versucht es gleich wieder. Unterbrochen wird dieses Üben von frustrierten Wutausbrüchen und Tränen, aber auch von freudigem Lachen, wenn es gelingt und die Eltern sich sichtbar freuen und loben.

Irgendwann macht es die ersten Schritte, oft auf die ausgestreckten Arme der Eltern zu. Zuerst einen oder zwei, später mehr, dazwischen Hinfallen, ein Stück Krabbeln, dann wieder aufstehen und noch ein Versuch. Es dauert lange. Es braucht viele Stürze und jedes Mal ein neues Aufstehen.

Mit verletzten Menschen ist es genauso. Es braucht viele Versuche, dem Leid auf die Spur zu kommen und dann das eigene Denken und Verhalten zu ändern. Dazwischen gibt es Unterbrechungen, die wir oft als Fehlschlag oder Flucht erleben oder auch als Scheitern. Aber im Grunde ist es nur eine Unterbrechung, eine Pause vielleicht, vor dem nächsten Aufstehen und dem nächsten Schritt.

Es macht natürlich Sinn, sich auf die Suche nach dem Grund für die „Flucht“ zu machen. Hilfreiche Fragen können sein: Was geht einer Flucht unmittelbar voraus? Ein äußeres Geschehen? Eine Erfahrung? Oder sind es Gedanken? Eine Erinnerung die Angst macht, ausgelöst durch einen schwer zu erkennenden Reiz?

Wenn Sie den Auslöser für die Flucht erkennen können, dann ist ein wichtiger Schritt getan. Denn wenn ich den Auslöser kenne, kann ich lernen, nicht mehr mit dem gleichen Verhalten (der Flucht) darauf zu reagieren. Ich kann ein neues Verhalten trainieren, z.B. zu sagen, was gerade in mir vorgeht: dass da wieder diese Erinnerung ist und die Angst, dass es wieder so sein wird wie früher.

Ein Partner kann dann helfen, die Unterschiede zwischen damals und heute besser sichtbar zu machen. Hilfreiche Fragen dafür sind: Was sieht heute anders aus? Welche Personen waren damals beteiligt, welche heute? Was wurde damals gesprochen, wie heute? Welche Gerüche gab es damals, welche Geräusche, welche Körperempfindungen und wie ist es heute?

Das kann helfen zu erfahren, dass die Erinnerung alt und das damals hilfreiche Verhalten der Flucht heute nicht mehr notwendig ist. Heute gibt es mehr Möglichkeiten, die Situation in der Beziehung zu beeinflussen und für Sicherheit zu sorgen, für Austausch und damit für gute Lösungen und Freiheit von Angst.

Ich finde es hilfreich und notwendig, dass alle Beteiligten verstehen, was Trauma bedeutet, insofern empfehle ich Ihnen, die Seiten „Inhalte kompakt: Posttraumatische Belastungsstörung“ zu lesen. Dort finden Sie auch viele Strategien, die Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin ausprobieren können. Desweiten, wenn es um die Depression geht, sind oft „Giftige Gedanken“ eine mögliche Ursache. Auch dort könnten Sie hilfreiche Anregungen finden.

Ich wünsche Ihnen Kraft und Ausdauer für Ihren Weg.

Herzliche Grüße

Stefanie Rösch

Therapeutensuche

15.02.2017 Veröffentlicht von 0 Kommentare

Wie finde ich einen geeigneten Therapeuten?

Wir können keine Therapeutinnen und Therapeuten empfehlen.
Aber wir haben eine Reihe von Suchmöglichkeiten für Sie zusammengestellt.

Entweder, Sie finden direkt Adressen von Traumatherapeuten wie z.B. bei EMDRIA oder auf der Seite der DeGPT. Dazu gibt es allgemeine Suchmöglichkeiten, für die Sie selbst Trauma oder Posttraumatische Belastungsstörung bei der Suche angeben müssen, wie zum Beispiel auf den Seiten des PID oder bei Therapie.de.

PID

Der Psychotherapieinformationsdienst ist ein Angebot der Deutschen Psychologen Akademie GmbH des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). Es gibt sowohl eine internetbasierte Suche wie auch die Möglichkeit, sich telefonisch beraten zu lassen.

Wer in dieser Suche zu finden ist, hat eine Gebühr dafür bezahlt und über einen Fragebogen angegeben, mit welchen Verfahren er oder sie arbeitet und welche Störungen und Probleme zu seinen Spezialgebieten gehören.

Die eingetragenen Kolleginnen und Kollegen erfüllen die gesetzlichen Voraussetzungen zur Ausübung von Psychotherapie und erkennen die berufsethischen Werte an, wie sie in der Berufsordnung des BDP festgelegt sind. Die meisten können mit der Krankenkasse abrechnen.

Weitere Informationen

DeGPT

Die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V. ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Sie fördert das Wissen im Bereich der psychischen, biologischen und sozialen Grundlagen und Folgen von Stressreaktionen auf belastende Lebensereignisse. Sie koordiniert Fortbildungsangebote und biete auch die Möglichkeit nach durch die Fachgesellschaft zertifizierten Traumatherapeutinnen und -therapeuten zu suchen.

Weitere Informationen

EMDRIA

Fachverband für Anwender der psychotherapeutischen Methode Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) mit einer eigenen Therapeutensuche.

Weitere Informationen

Therapie.de

Hier finden Sie das Suchangebot des Vereins Pro Psychotherapie e.V.. Die eingetragenen Therapeuten bezahlen eine Gebühr und pflegen Ihre Informationen selbst. Das heißt auch auf dieser Seite finden Sie Selbstaussagen von Psychotherapeutinnen und –therapeuten. Da auch nach dem Heilpraktikergesetz zugelassene psychotherapeutisch Tätige zu finden sind, kann nicht jede Psychotherapeutin mit der Krankenkasse abrechnen.

Weitere Informationen

Traumahilfezentrum Ostbayern

Der Verein Trauma Hilfe Zentrum Ostbayern e.V. wurde von psychotraumatologisch tätigen Psychotherapeuten und Beraterinnen gegründet. Die Mitglieder arbeiten schwerpunktmäßig mit Menschen, die eine notfallpsychologische Akutversorgung benötigen oder eine Traumafolgestörung entwickelt haben. Auf der Seite finden sich Adresslisten zum Download. Der Verein prüft über einen Fragebogen die Qualifikation der Kolleginnen und Kollegen, die auf die Liste wollen. Nicht jeder auf dieser Liste kann mit der Krankenkasse abrechnen.

Weitere Informationen

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14.02.2017 Veröffentlicht von 0 Kommentare

Informationen

Hier können Sie auf unterschiedliche Weise nach Inhalten auf dieser Seite suchen:

Sie können einfach ein Wort eingeben, nachdem Sie suchen möchten (Volltextsuche). Sie können durch unsere Suchhilfe mit Stichworten von A – Z stöbern. Sie können sehen, zu welchen Stichworten es mehrere Artikel gibt (Schlagwort-Wolke) und Sie können anhand unseres Inhaltsverzeichnisses stöbern, zu welchen Themen wir etwas veröffentlicht haben.

Leserfrage: Kann ich PTBS dadurch bekommen, dass ich glaube, HIV zu haben?

13.09.2015 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Ich habe mir über 12 Wochen eingeredet, ich könnte mich mit HIV infiziert haben. Angst, Stress und negative Gefühle waren meine ständigen Begleiter. Zum Glück war es nicht so. Trotz des guten Testergebnisses, fühle ich mich psychisch stark angegriffen. Kann das auch so etwas wie PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) sein?

Lieber Leser,

So lange zu glauben, man hätte eine Krankheit, die wir immer noch für ein sicheres Todesurteil halten, löst nachvollziehbarerweise eine Stressreaktion aus.

Ob es sich tatsächlich um eine PTBS handelt, kann ich so auf die Entfernung und ohne weitere Informationen natürlich nicht sagen. Vielleicht lesen Sie sich einfach mal die ersten zwei Einträge meiner Artikelserie zu diesem Thema durch. Vielleicht erkennen Sie sich darin ja noch ein bisschen mehr wieder?

Aber im Grunde ist es vielleicht gar nicht wichtig, ob es einen PTBS oder eine andere Störung ist, sondern vielmehr, dass Sie sich an mich gewandt haben, weil es Ihnen nicht gut geht und Sie unsicher darüber sind, was Sie damit machen sollen, dass es Ihnen schlecht geht?

Es zeigt mir, dass Sie bemerkt haben, dass es Ihnen nicht gut geht und Sie Unterstützung suchen. Das allein ist großartig. Damit haben Sie den wichtigsten Schritt getan, der dazu führen wird, dass Sie sich wieder gesund fühlen können.

Es gibt so viele Menschen, die nicht einmal merken, dass es ihnen im Grunde nicht gut geht. Sie betäuben sich, sie laufen weg und tun so, als wäre nichts. Oder Sie weigern sich einfach zu spüren wie es ihnen wirklich geht. Das tun Sie nicht. Sie spüren sich, Sie bemerken es UND Sie wollen es ändern.

Wenn ich mehr darüber wüsste, könnte ich Ihnen womöglich noch den einen oder anderen Hinweis geben, was Sie für sich tun können. Da ich nicht mehr weiß, kann ich Ihnen auf diesem Weg, so wie allen anderen, die in einer ähnlichen Situation sind wie Sie, nur dazu Mut machen, Hilfe zu suchen. Es gibt auf jeden Fall Hilfe. Manchmal ist es mühsam, jemanden zu finden, der einem den passenden Weg zeigen kann. Aber es gibt diesen Weg, Ihren ganz persönlichen Weg zur Gesundheit. Lassen Sie sich nicht davon abhalten, weiterzugehen und weiter zu suchen!

Am besten ist es immer, man hat einen Menschen, mit dem man Auge in Auge besprechen kann, was los ist, um dann ihren ganz einzigartigen Weg zu finden, um sich wieder gut zu fühlen.

Hier eine Seite, auf der ein paar Ideen sind, wie Sie so eine Person in Ihrer Nähe finden können.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg.

Das Trauma akzeptieren?

17.10.2014 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Was meinen wir Therapeuten, wenn wir sagen, es ist notwendig, das Trauma zu akzeptieren?

In erster Linie geht es darum, dass es meiner Erfahrung nach keinen gesunden Weg gibt, eine belastende Lebenserfahrung zu vergessen. Sie ist passiert. Niemand kann das ungeschehen machen.

Natürlich wünschen wir uns alle, dass es nicht geschehen wäre. Am liebsten wollen wir es vergessen. Unser Gehirn ist nicht dazu gemacht, hilfreiche Informationen zu vergessen. Hilfreich zum Überleben. Vielleicht kommt das irgendwann. Vielleicht muss sich unser Gehirn an die neuen Umstände dieser Zeit anpassen: Viele Menschen auf engem Raum, keine echten Fressfeinde für Menschen, die Gefahren drohen von unseren Mitmenschen und den Dingen, die wir zu unserer Bequemlichkeit geschaffen haben. Wir nennen das Fortschritt. Schlimme Dinge geschehen heute durch den Fortschritt. Wir produzieren Autounfälle, Zugunglücke, Atomunfälle. Die Natur schlägt in Form von Vulkanausbrüchen, Tsunami und Stürmen aller Art zu, aber das hat sie schon immer getan.

Die Aufgabe unseres Gehirns ist, Überleben zu sichern. Dafür ist es nötig, dass Erinnerungen abgespeichert werden. Ganz besonders Erinnerungen an gefährliche Situationen. Allerdings produziert das Hirn aufgrund der heutigen Umstände viel zu viele Fehlalarme. Daher die Beschwerden der Posttraumatischen Belastungsstörung.

Wenn man diesen Fehlalarmen etwas entgegensetzen will, dann kann man sie nicht einfach ignorieren. Es ist wichtig, sie als das wahrzunehmen, was sie sind: Fehlalarme. In der Traumatherapie können Sie das „System-Gehirn“ neu einstellen. Das ist es, was Sie bei mir lernen: Wie Sie die Fehlalarme von den echten und sinnvollen Alarmen unterscheiden können und wie Sie ihrem Hirn beibringen, weniger Fehlalarme zu machen. Das kann ich Ihnen aber nur beibringen, wenn Sie bereit sind zu sagen: „Ja, ich habe eine Verletzung (Trauma) erlitten. Ich brauche Hilfe.“ Solange Sie so tun als wäre nichts geschehen, wird sich nichts ändern können.

Das ist der Grund, warum es wichtig ist, das zu akzeptieren, was einem geschehen ist, und dann jemanden zu suchen, der einem zeigen kann, wie man mit den Beschwerden umgehen kann.

Das Hirn merkt sich am besten, was wir vor dem Einschlafen denken

23.08.2014 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Dass Schlaf wichtig ist, weiß jeder. Dass Schlaf unter Stress für die meisten Menschen schwierig ist und der Schlaf sehr empfindlich auf schwierige Lebenssituationen reagiert, entspricht der allgemeinen Erfahrung. Es gibt wie bei allem auch ein paar Ausnahmen, Menschen, die trotz größtem Stress überall und jeder Zeit schlafen können.

Schlaf ist existentiell wichtig. Wenn wir nicht schlafen, können unser Gehirn und unser Körper sich nicht erholen. Schlafentzug ist eine Foltermethode. Nicht schlafen können oder ein gestörter Schlaf sind ein Symptom einer Reihe von psychischen Störungen wie PTBS, Psychosen, Depression und – den Schlafstörungen, wie zum Beispiel dem Pavor Nocturnus, dem nächtlichen Hochschrecken ohne jeden ersichtlichen Grund.

Dr. Leaf berichtet, dass Schlaf viele Vorteile hat, auch das kleine Nickerchen zwischen durch: Körper und Hirn erholen sich. Unser System geht nochmal auf Anfang und wir können auch nach einem Nickerchen mit neuer Energie wieder loslegen. Unsere Denkfähigkeiten und unsere Kreativität steigern sich und die Chance, schlechte Entscheidungen zu treffen sinkt. Wir können sogar Lösungen für neue Probleme im Schlaf finden, während unsere Gedächtnis- und Intelligenzfunktionen ansteigen. Im Schlaf stabilisiert sich unser Gedächtnis. Informationen werden sortiert, im Langzeitgedächtnis verankert oder vergessen. Das sind so ein paar der wichtigsten Vorteile von Schlaf.
Jessica Payne von der University of Notre Dame zeigt mit ihrer Forschung, dass die Gedächtnisleistung deutlich besser ist, wenn man nach dem Lernen von Informationen schläft. Also sollte man tatsächlich kurz vor dem Schlafen gehen neue Informationen wiederholen, die man gut erinnern möchte. Es ist, als könnte unser Bewusstsein unserem schlafenden Hirn sagen, welche Informationen ins Langzeitgedächtnis gehören und welche nicht. Außerdem zeigt Frau Payne in einer anderen Untersuchung, dass während des Schlafs besonders emotional bedeutsame (belastende Erfahrungen und die Erinnerung daran) Inhalte abgespeichert werden, also Gedächtnisinhalte, die für unser Überleben sinnvoll sind – nach Auffassung unseres Hirns.

Das bedeutet, dass auch negative Informationen / traumatische Erinnerungsinhalte über Nacht verstärkt werden. Insofern wirkt es sich negativ auf unseren Schlaf und unser Gedächtnis aus, wenn wir uns vor dem Schlafengehen streiten oder uns mit Sorgen beschäftigen. Diese Gedanken werden verfestigt.

Dem können Sie entgegen wirken, indem Sie sich vor dem Schlafen gehen, mit positiven Erinnerungen, neuen Informationen oder aber einer Übung wie „Der sichere Ort“ beschäftigen, um Ihrem Gehirn die Information zu geben, dass Sie in Sicherheit sind und erholsam schlafen können.

Gute Nacht!

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Payne JD, Tucker MA, Ellenbogen JM, Wamsley EJ, Walker MP, et al. (2012) Memory for Semantically Related and Unrelated Declarative Information: The Benefit of Sleep, the Cost of Wake. PLoS ONE 7(3): e33079.
Payne JD, Chambers AM and Kensinger EA (2012) Sleep promotes lasting changes in selective memory for emotional scenes. Front. Integr. Neurosci. 6:108. doi: 10.3389/fnint.2012.00108
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Leserfrage: Ambulante Traumatherapie oder Klinik mit Traumatherapie?

28.04.2014 Veröffentlicht von Leserfragen 1 Kommentare

Ich werde immer wieder gefragt, was im Fall einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) denn besser sei, eine ambulante Traumatherapie oder ein Klinikaufenthalt mit Traumatherapie.

Ganz grundsätzlich bin ich kein Fan von Klinikaufenthalten für PTBS-Betroffene.

Aber natürlich gibt es Umstände, die einen Klinikaufenthalt notwendig und auch sinnvoll machen, genauso wie es Gesundheitszustände von PTBS-Betroffenen gibt, in denen die Gabe von Psychopharmaka oder Schlafmitteln angesagt sind.

Aus meiner Erfahrung haben ganz viele PTBS-Betroffene deswegen Schwierigkeiten in ihrem Alltag zu Recht zu kommen, weil ihr limbisches System ständig „Fehlalarme“ auslöst. Diese Fehlalarme, die zu den belastenden Erinnerungs- und Gefühlsattacken führen, werden häufig durch Reize in der Lebensumgebung ausgelöst/getriggert, z.B. weil der „Tatort“ in der Nähe ist. Wenn Betroffene in eine Klinik gehen, dann sind sie den Auslösereizen/Triggern ihrer Erinnerungsattacken häufig nicht oder deutlich weniger ausgesetzt, allein weil sie sich in einer fremden Umgebung befinden. Die Symptome der PTBS verbessern sich fast von allein. Wenn man dann zurück in die gewohnte Umgebung kommt, dann habe ich schon oft gehört, dass die Beschwerden sich plötzlich wieder verschlechtern, was sehr frustrierend für Betroffene ist. Der Grund ist einfach, dass man den Auslösereizen zu Hause wieder mehr ausgesetzt ist. Und in der Umgebung der Klinik war es wegen der fehlenden Auslösereize nicht möglich, das Hirn darauf zu trainieren, geeignete von ungeeigneten Auslösereizen zu unterscheiden, um dadurch die Erfahrung dauerhaft zu „verarbeiten“.

Deswegen empfehle ich bei einer PTBS aufgrund eines einzelnen traumatischen Erlebnisses lieber eine ambulante Traumatherapie bei einem qualifizierten Therapeuten zu machen, weil dies schnell und zuverlässig zum Erfolg führt.

Klinikaufenthalte sind dann sinnvoll, wenn jemand über einen längeren Zeitraum Gewalt erlebt hat und neben den Erinnerungsattacken noch andere Fähigkeiten nicht lernen konnte, z.B. sich abzugrenzen, Beziehungen zu führen, sich selbst als wertvoll zu erleben oder zu wissen, welchen Einfluss man auf sein Leben hat und wo die tatsächlichen Grenzen des Einflusses sind, den eigenen Körper zu spüren oder eigene Entscheidungen zu treffen. Hier kann ein Klinikaufenthalt einen sicheren Rahmen bieten, in dem man diese grundlegenderen Probleme angehen kann. Menschen, die sehr viel Gewalt erlebt haben, können diese Fertigkeiten manchmal nur im Rahmen eines Klinikaufenthaltes erlernen.

Oder wenn die betroffene Person sich aktuell noch im Einzugsbereich des Täters befindet. Fortschritt ist bei PTBS Patienten oft mit einem Gefühl der Sicherheit und dem „wieder vertrauen können“ verbunden. Sollte der Täter also noch regelmäßig Zugang zu seinem Opfer haben, sollte ein Klinikaufenthalt in Erwägung gezogen werden. Natürlich ist es keine Dauerlösung sich vor dem Täter in der Klinik zu „verstecken“. Parallel zum Aufenthalt in der Klinik sollte dafür gesorgt werden, dass der Täter nicht weiter Kontakt zu der betroffenen Person aufnehmen kann.

Auch die vor allem nach extremer, oft organisierter Gewalt immer wieder auftretende Suizidalität kann ein guter Grund für die Sicherheit eines Klinikaufenthaltes sein.

Gleichzeitig ist es möglich, dass Tätergruppen Betroffene immer wieder mit Klinikeinweisungen und damit bedroht haben, dass ihnen niemand glaubt. Dann können Kliniken selbst zu Auslösereizen/Triggern werden und wären somit nicht hilfreich. Dann wäre es möglich, dass Betroffene den gesamten Klinikaufenthalt „weg“-dissoziiert, also innerlich nicht anwesend, sind und damit therapeutische Angebote wenig effektiv nutzen können.

Im Übrigen geht es bei der Behandlung der PTBS darum, etwas zu lernen. Das heißt als Betroffener muss man viel üben und durchhalten und Mut zeigen, sich mit den belastenden Erinnerungen auseinander zu setzen und auch und vor allem mit der dazugehörigen Stressreaktion und den belastenden Gefühlen. Dafür braucht jeder seine Zeit und einen geeigneten Begleiter. Der richtige Begleiter ist in meinen Augen wichtiger als die Lernumgebung, also die Frage nach Klinik oder Praxis.

Entscheiden Sie selbst, welcher Weg für Sie der passende ist.

Muss ich akzeptieren, dass das Trauma ein Teil von mir ist, um wieder gesund werden zu können?

12.04.2014 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Ich sehe ein Trauma nicht als Teil von mir oder einer betroffenen Person. Wenn Sie traumatisiert sind. Dann haben Sie mindestens eine belastende Erfahrung gemacht und diese Erfahrung ist als Erinnerung in Ihrem Körper abgespeichert.

Diese Erinnerung hat Auswirkungen auf Ihren Körper (PTBS), Ihr Denken (Giftige Gedanken) und Fühlen. Ja, das müssen Sie akzeptieren, dass Ihnen diese Erfahrung wiederfahren ist. Die Folgen, die Beschwerden, die Sie haben, sind Ihre und Sie allein sind dafür verantwortlich. Der Täter ist verantwortlich für die Tat. Sie sind verantwortlich dafür, was Sie daraus, also aus Ihren Beschwerden, machen. Niemand sonst kann daran etwas ändern außer Sie.

Oft genug ist es ein schmerzhafter Prozess zu akzeptieren, dass einem schlimme Dinge passiert sind, dass man etwas nicht bekam, was man als Kind hätte bekommen sollen. Ob dass dann Sicherheit gewesen wäre oder Liebe oder Anerkennung und Wertschätzung oder einfach nur Freude, pure blanke Lebensfreude, es tut alles weh, was wir nicht bekommen haben.

Der Weg in die Heilung geht aus meiner Erfahrung tatsächlich über die Bereitschaft, sich selbst so anzunehmen wie man jetzt gerade ist. Mit allen Erinnerungen und Erfahrungen, die wir gemacht haben, mit unserem Körper, unseren Gedanken und Gefühlen und dem, was wir auf unseren Lebensweg mitbekommen haben. Einfach das ganze Paket.

Wenn Sie es schaffen, sich selbst so zu akzeptieren, wie Sie jetzt gerade sind, dann liegt darin die ganze Freiheit, sich nach Belieben zu verändern.

Gesunder Gedanke: Ich liebe und akzeptiere mich so wie ich gerade bin.

Sylt 2 2014(c) Anke Rösch, 2014

Grundbedürfnisse, Teil 6: Freude

19.11.2013 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Strategien 1 Kommentare

Wussten Sie, dass die Fähigkeit zu Lachen uns angeboren ist? Dass wir das Bedürfnis haben, Freude zu empfinden, weil es für uns der Zustand ist, indem unsere Bedürfnisse alle erfüllt sind, d.h. wir sind satt, fühlen uns sicher, geliebt und wertgeschätzt. Für einen Moment ist „alles“ gut. Insofern streben wir nach Freude und dem Empfinden von Glück oder auch ganz allgemein nach als positiv empfundenen Gefühlen.

Lachen ist ein Ausdruck von Freude. Über Lachen weiß man, dass es unser Immunsystem in Gang bringt, schmerzlindernde Stoffe ausgeschüttet werden, deren Wirkung stundenlang andauern kann, und Entspannung im Körper bewirkt. Lachen ist tatsächlich eine gesunde Sache und ebenso eine Notwendigkeit wie andere Gefühle.

Besonders wenn es Ihnen nicht gut geht, ist es wichtig, sich Momente zu suchen, in denen Sie lachen können. Ob die einen Kurs in Lach-Yoga besuchen oder sich einfach über YouTube lustige Filmchen suchen, oder sich von Ihren Kindern Witze erzählen lassen oder lustige Filme schauen, ist egal. Was immer sie brauchen, um zu lachen, tun Sie es!!! Täglich!!

Für mich ist es in meiner Arbeit besonders wichtig, dass meine Klienten und ich zusammen lachen können. Die Dinge, um die es in Traumatherapien geht, sind in Ihrem Kern mit Angst besetzt, mit Wut verbunden, mit Schuldgefühlen oder Verzweiflung mit Traurigkeit und Scham. Selten kommen wir auf die Idee, darüber lachen zu können. Oder Sie glauben, Sie dürfen nicht lachen, es wäre unangebracht, weil ja etwas Schlimmes passiert ist, Ihnen oder jemand anderem. Aber manchmal geht es nicht anders. Egal wie schlimm es kommt, Lachen lässt uns entspannen, deswegen bin ich immer sehr froh, wenn Klienten lachen können und wenn wir gemeinsam mit schwarzem oder Galgenhumor die Spannung der Angst weglachen können. Es ist oft nur eine Frage der Betrachtung: Ein Klient, Opfer eines Banküberfalls, sagte in der Krisenintervention: „Und dann schaute ich in die Mündung der Waffe. Es war ein Gewehr. Der Täter sagte `Hände hoch` also hatte ich die Hände hochgenommen und zeigte ihm die Handflächen, wie in einem Western. Und dann dachte ich `Wie lächerlich muss ich hier aussehen, mit den erhobenen Händen?´“ Dieser Klient entwickelte trotz massiver, objektiver Bedrohung am Leben nie eine Posttraumatische Belastungsstörung oder andere Probleme wegen des Überfalls. Stattdessen konnte er darüber lachen. Oder nehmen Sie den Schwarzen Humor in Rettungsberufen. Diese Menschen sind mit den Grausamkeiten des Lebens konfrontiert, mit eigener Hilflosigkeit und dem Leid anderer. Ich bin froh, wenn diese Menschen die Fähigkeit haben, in Nachbesprechungen über das Erlebte auch zu lachen. Das ist nichts für Außenstehende und sollte nicht die einzige Bewältigungsstrategie sein, aber es ist gut, wenn gelacht wird angesichts großen Leids. Denn letztendlich geht es nur darum, die Stressreaktion immer wieder abzubauen. Lachen ist da sehr heilsam.

Also ist der Auftrag heute sehr einfach: Suchen Sie Sich täglich Dinge, über die Sie möglichst lange und möglichst intensiv lachen können.

Und hier noch ein paar YouTube-Filme, die zeigen, wie schön lachen sein kann und über was wir alles lachen.

Presto, der Zauberhase

Weiter mit Grundbedürfnisse 7.

Grundbedürfnisse, Teil 3: Sicherheit

11.11.2013 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle 0 Kommentare

Der Kreislauf des Grundbedürfnisses Sicherheit lässt sich wie folgt wiedergeben:

Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.

Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.

Die Spannung entsteht darüber, dass Sie Sich am Leben bedroht fühlen.
Drohende sexuelle und körperliche Gewalt lassen diese Spannung wieder und wieder entstehen. Der beste Weg damit umzugehen ist, vor dem Angreifer zu flüchten. Wenn Sie von der Gefahr/dem Angreifer weit genug entfernt sind, können Sie Sich wieder sicher fühlen. Die Zwickmühle an dieser Stelle kann zum Beispiel sein, dass ein Kind dieser Gefahr kaum aus eigener Kraft entkommen kann. Es erlebt also immer wieder, dass es am Leben bedroht ist und nichts dagegen tun kann. Es lernt, hilflos zu sein. Ja erlernte Hilflosigkeit gibt es wirklich! Hierbei handelt es sich um ein erlerntes Denkmuster indem sich die Person stehts als hilflos ansieht. Einmal erlernt, wird die betroffene Person auch dann keine Hilfe suchen oder sich selbst helfen, wenn diese eigentlich möglich wäre (Link erlernte Hilflosigkeit). Alles, was ihm bleibt, ist die Hilflosigkeit zu ertragen. Das ist ein Weg in die Depression, immer wieder hilflos zu sein und keine Möglichkeit zu haben, etwas dagegen tun zu können. Das Gleiche gilt auch für Sie als erwachsene Person. Auch Ihnen kann es passieren, dass Sie eine gefährliche Situation nicht einfach verlassen können.

Ein weiteres Problem ist, dass Ihr Warnsystem immer wieder anschlägt (siehe PTBS 2 ff), wenn Sie häufig in Lebensgefahr waren. Für das in seiner Abhängigkeit gefangene Kind bedeutet das, es erlebt neben der Machtlosigkeit ständig, dass das Warnsystem anschlägt, wenn die nächste Gefahr droht und oft genug schlägt es auch an, wenn keine Gefahr ist. Wenn die Warnreaktion eine echte Gefahr anzeigt, erlebt das Kind „sehenden Auges“, dass das Warnsystem nichts nützt, weil es der Gefahr nicht entgehen kann. Ein weiterer Grund, depressiv zu werden, oder andere schwerwiegende Folgen zu entwickeln, zum Beispiel eine Posttraumtische Belastungsstörung (PTBS).

Wenn ein Kind im Außen nicht flüchten kann, dann flüchtet es im Innen, z.B. indem es sich vorstellt, in der Wand zu verschwinden oder sich in die Ritze am Bett zu zwängen, oder indem es beginnt, alle möglichen Dinge zu zählen, die sich gerade in seinem Blickfeld befinden. Eine weitere Möglichkeit der inneren Flucht ist, sich innerlich von der lebensbedrohlichen Erfahrung zu distanzieren, Teile der Erinnerung abzuspalten (zu dissoziieren) und so vielleicht sogar eine DIS, eine Dissoziative Identität (früher Multiple Persönlichkeit) zu entwicklen. Die innere Flucht kann in der Therapie in Form eines sicheren Ortes gezielt eingesetzt werden.

Die innere Flucht funktioniert auch in einer echten Bedrohungssituation. So schilderte mir eine Seminarteilnehmerin einmal, dass ihre Mutter ihr als Kind abends immer von einer Blumenwiese erzählt hatte mit Schmetterlingen und gutem Wetter: Ein sicherer Ort mit der fürsorglichen Mutter anwesend. Als erwachsene Frau musste sie einmal zehn Minuten in einer Höhle zurückbleiben, ohne Licht, bis ihre Kollegen sie wieder abholten. Haben Sie einmal versucht, 10 Minuten in vollkommener Dunkelheit auszuharren? Ihr Gehirn wird sehr schnell anfangen, Ihnen Wahrnehmungen vorzugaukeln und Sie werden Angst, wenn nicht Panik bekommen. Deswegen ist Dunkelhaft als Art der Sinnesdeprivation eine Foltermethode. Was diese Frau jedoch tat war, sich hinzusetzen und sich auf ihre Wiese aus der Kindheit zu denken. Sie sah die Schmetterlinge, hörte das Brummen der Bienen, spürte die laue Brise und hörte die Stimme ihrer Mutter. So konnte sie sich weiter sicher fühlen bis ihre Kollegen sie wieder abholten. Die innere Flucht, das Sich-Wegdenken aus der bedrohlichen Situation an einen inneren sicheren Ort kann tatsächlich eine gute Möglichkeit sein, die eigene Hilflosigkeit auf ein Minimum zu beschränken, wenn man im Außen einer Situation nicht entgehen kann. Deswegen kann ich nur jedem empfehlen, sich einen inneren, sicheren Ort zuzulegen. Hier steht, wie es geht.

Eine andere Möglichkeit, mit Gefahren umzugehen, ist den Angreifer abzuwehren oder zu vernichten. Wenn es den Angreifer nicht mehr gibt, oder der Angreifer wegläuft, weil er Sie als stärker akzeptiert, dann kann auch wieder Ent-Spannung eintreten. Dann werden Sie Sich wieder sicher fühlen. Bis zur nächsten Bedrohung.

Wie können Sie nun dauerhaft für Ihre Sicherheit sorgen?

Es wird immer Situationen geben, in denen Sie nicht für Ihre Sicherheit sorgen können. Dazu spielen zu viele Faktoren eine Rolle dabei, ob Sie in Gefahr geraten oder nicht.

Das Risiko für lebensgefährliche Gefahren lässt sich jedoch klein halten. Vor allem, indem Sie auf Ihr Bauchgefühl hören, Ihre Intuition, Ihr Gefahrenradar. Wenn Ihr Bauchgefühl Ihnen sagt, eine Situation zu verlassen, dann folgen Sie diesem Gefühl! In all den Jahren meiner Tätigkeit habe ich nur eine Geschichte gehört, in der es dieses Gefühl vorher nicht gab. In allen anderen Geschichten hatte es die Warnung gegeben und die Person hat dieses Gefühl ignoriert.

Beschäftigen Sie Sich einmal mit dem Thema Sicherheit und tun nicht nur so, als könne einem nichts passieren. Damit meine ich nicht, dass Sie in ständiger Angst leben sollen, es könnte etwas passieren. Es ist gut und gesund zu glauben, dass wir die Welt unter Kontrolle haben und dass uns schon nichts passiert. Beschäftigen Sie Sich trotzdem einmal mit den wichtigsten, für Sie gefährlichen Situationen. Machen Sie einen Plan wie Sie sich verhalten wollen und spielen Sie diesen Plan dann im Kopf ab und zu durch (Mentales Training), damit Sie ihn parat haben.

Dazu gehören so einfach Dinge wie, Abstand von Menschen zu halten, die Sie unangenehm finden. Menschen, die rumschreien, aus dem Weg zu gehen oder ihnen zumindest nichts entgegen zu setzen, sondern sie ausschreien zu lassen.
Oder auf der Autobahn bei einer Baustelle lieber die rechte Spur zu nehmen, weil die meisten Unfälle im Übergang auf die linke, schnellere Spur passieren. Halten Sie Abstand, damit Sie und der Ihnen folgende Verkehr Zeit haben zu reagieren (Schrecksekunde). Sie können Sich überlegen, welche Wege Sie nehmen, wenn Sie in der Dunkelheit unterwegs sind und entscheiden, lieber einmal ein Taxi zu nehmen oder einen Umweg zu laufen, auf dem Sie Sich sicherer fühlen. Es kann auch hilfreich sein, einen Selbstschutzkurs zu besuchen oder eine Selbstverteidigungstechnik zu trainieren. Oder sich in Fragen Sicherheit von der Polizei beraten zu lassen (Einbruch).

An dieser Stelle ein Wort in eigener Sache. Zusammen mit einem Kollegen habe ich ein Buch für Mitarbeiter von Behörden geschrieben, in denen wir solche Pläne für 26 stressige und gefährliche Situationen zusammengestellt haben. Den Link finden Sie wie immer unten.

Also denken Sie darüber nach, welche Situationen Sie als gefährlich erleben, die Ihnen Angst machen und dann suchen Sie Sich die Informationen oder den Fachmann/Fachfrau, die Ihnen helfen können, einen guten Plan für Ihre Sicherheit zu entwickeln. Anschließend stellen Sie Sich genau vor, wie Sie reagieren wollen (Mentales Training). So trainieren Sie Ihren neuen Plan.

Weiter bei Grundbedürfnisse 4.

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Hier das Amazon-Partnerlink zu meinem Buch Vom Umgang mit schwierigen und gewaltbereiten Klienten

Achtung Gott: Psychologie und Film: The Grace Card – Trauma, Vergebung und Gott

27.10.2013 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Psychologie und Film 0 Kommentare

Der Polizist Mac McDonald verliert seinen 5 jährigen Sohn Tyler durch einen Verkehrsunfall. 15 Jahre später ist er verbittert, rassistisch und von seiner Familie entfremdet.

Sein Vorgesetzter will Mac aus dessen Einzelgängertum herausholen und dessen Einstellung zu seiner Arbeit ändern. Deswegen befiehlt er Mac und den gerade beförderten Sam Wright bis zu Sams Versetzung als Team zu arbeiten. Mac ist frustriert, weil er bei der Beförderung wieder übergangen wurde und das ausgerechnet wegen Sam, der halb solange Polizist ist wie er und schwarz. Beide sind nicht begeistert von der Vorstellung zusammen arbeiten zu müssen. Sam bemüht sich um eine Beziehung zu Mac, während der ihn wieder und wieder abblitzen lässt.
Macs Frau sucht Hilfe bei einer Familientherapeutin, um die Familie zu retten. Blake, Macs 17 jähriger Sohn, der noch ein Baby war, als sein Bruder Tyler ums Leben kam, kann es seinem Vater nicht recht machen und wendet sich den falschen Freunden zu.
Sams Traum ist es, eine Kirche aufzubauen. Er möchte Pastor sein, hat bereits damit begonnen, aber die Gemeinde will nicht so recht wachsen, so dass er auf seinen Job als Polizist angewiesen bleibt. Er fragt sich, was Gott von ihm will und warum er ausgerechnet Mac McDonald in sein Leben gestellt hat, der für ihn der einzige Mensch ist, dem er nicht mit Nächstenliebe begegnen kann.

Und dann schießt Mac bei einem Einsatz seinen Sohn Blake nieder, der als Einbrecher unterwegs ist.

Auf der psychologischen Ebene ist dies ein Film über einen traumatisierten Polizisten. Einen Vater, der zusehen musste, wie sein 5 jähriger Sohn von einem schwarzen Dealer totgefahren wird. In seinem Schmerz und in seinen Schuldgefühlen wird er Polizist, um dieses Leid für andere zu verhindern. Er hat Flashbacks, wenn er mit schwarzen Straftätern zu tun hat oder Rettungswagen. Er ist wütend auf Gott, von dem er sich verlassen fühlt. Er sieht sich als Opfer in jedem Augenblick seines Lebens, er fühlt sich allein und verhält sich entsprechend ablehnend gegenüber den Menschen, die ihn lieben. Er glaubt, seinen Schmerz als Strafe zu verdienen und betäubt ihn gleichzeitig mit Alkohol. Er verliert mehr und mehr die Kontrolle über sein Leben. Erst in völliger Ohnmacht erreicht Sam ihn. In seiner dunkelsten Stunde kann er sich Gott zuwenden.
Dem Autor ist es gelungen, die Folgen dieses Unfalls auf die Familie realistisch darzustellen. Dank der großartigen Schauspieler sind der Schmerz und dessen zerstörerische Kraft in jeder Entscheidung, in jeder Geste, in jeder Emotion zu spüren.

Die zweite Ebene des Films ist die spirituelle. Der Film entstand als Projekt einer christlichen Gemeinde. Alle Jobs, einschließlich der Schauspieler waren Christen und Laien. Michael Joiner, der Mac spielt, ist der einzige Schauspiel-Profi in diesem Projekt.
Nicht-Christen mögen diesen Film kritisieren, weil es ihnen zu viele Zufälle gibt. Genau das macht diesen Film zu einem tollen Beispiel dafür, wie Gott wirkt: Für uns nicht vorhersehbar. Erst im Nachhinein können wir diesen für uns bestimmten Teil seines Plans erkennen. Wir können sehen, dass Gott Mac nie aufgegeben hat, dass er auch Blake nicht aufgeben wird, sondern dass er noch bevor es zu dem Unfall kommt, für die Rettung gesorgt hat.
Erst als Mac nichts mehr unter Kontrolle hat, kann Gott ihm zeigen, dass er immer noch in Kontrolle ist. Alles, was Mac tut ist, sich Gott wieder zuwenden.
Gott wirkt durch Menschen wie Sam und dessen Großvater, der ihm sagt, dass der Dienst für Gott nicht in einer Kirche stattfindet, sondern auf den Straßen, mitten im Leben. Dieses Bild hat mir sehr gefallen, zumal ich es neulich in einer Predigt hörte: Es geht nicht darum zu sagen, dass man Christ ist, sondern als Christ zu leben.

Persönlich hat mich dieser Film auch deswegen so berührt, weil ich in meiner Arbeit als Traumatherapeutin die Macht der Vergebung, wie sie hier ganz am Ende des Films gezeigt wird, schon erlebt habe. Es gibt nichts Heiligeres und Heilsameres als wenn Täter echte Verantwortung für ihre Taten übernehmen, die vollen Konsequenzen für ihr Handeln tragen und ihre Opfer dann um Vergebung bitten. Wenn die Vergebung vom Verletzten gewährt werden kann, dann kann es echten Frieden zwischen Täter und Opfer geben.

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Link zum Film auf IMDB.com, der meist englischsprachigen größten Filmdatenbank.
Hier der Amazon-Partnerlink zur DVD The Grace Card (auch wenn der Titel englisch ist, gibt es eine gute deutsche Synchronisation. Man muss die Sprache nur entsprechend wählen)

PTBS, Teil 13: Wann hört das auf und warum ist mir das passiert?

21.10.2013 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Strategien 1 Kommentare

Wenn Sie dieser Reihe gefolgt sind, dann haben Sie jetzt eine Menge darüber gelernt, was eine Posttraumatische Belastungsstörung ist und wie Sie mit den Beschwerden umgehen können. Hoffentlich konnten Sie inzwischen erfahren, dass die Beschwerden nachlassen.

Die Beschwerden werden aufhören oder auf ein Niveau zurückgehen, mit dem Sie gut zurechtkommen, wenn die Erfahrung zu Ihrem Leben dazugehören darf. Wenn Sie annehmen können, dass das, was passiert ist, auch ein Teil Ihrer Lebensgeschichte ist. Die meisten Betroffenen können sich mit diesem Gedanken nur schwer anfreunden.

Kein Wunder. Niemand will „das Vergewaltigungsopfer“, „das Folteropfer“, „das Unfallopfer“ oder sonst ein Opfer sein. Aber das ist es, wie viele Menschen Sie im ersten Moment sehen werden oder auch sehen wollen. Frau Kampusch ist ein trauriges Beispiel dafür, wie Betroffene angefeindet werden, wenn sie offen mit den Erfahrungen umgehen, die sie machen mussten. Vor allem dann, wenn „die Öffentlichkeit“ sich besonders dafür interessiert. Auf der einen Seite will ein Großteil „der Menschen“ wissen, möglichst in allen grausamen Details, was jemandem zugestoßen ist. Gleichzeitig weiß dann plötzlich niemand mehr, wie man mit einer Überlebenden umgehen soll und will den Schilderungen derjenigen, die etwas Grausames erlebt haben nicht glauben. Als Schutz vor der eigenen Hilflosigkeit wird dann die Betroffene abgewertet oder sogar für das, was Ihr der Täter angetan hat, verantwortlich gemacht. Ein trauriges Beispiel dafür ist Natascha Kampusch.

Wenn Sie es können, dann entscheiden Sie, wem Sie erzählen, was passiert ist, und auf keinen Fall „der Öffentlichkeit“. Ausnahme ist natürlich die Polizei, wenn Sie eine Anzeige erstatten. Details müssen aus meiner Erfahrung zwar für einen Heilungsprozess in Worte gefasst werden, gehören aber nicht immer in den Kreis der Familie und Freunde.

Vor allem Partner fühlen sich oft sehr hilflos, wenn ihren geliebten Menschen etwas Schlimmes passiert und sie es nicht verhindern konnten. Viele Männer haben große Schwierigkeiten damit, wenn ihre Partnerinnen sexuelle Gewalt erleben mussten. Ich habe schon erlebt, dass die Hilflosigkeit des Partners zu schwerwiegenderen psychischen Störungen führte als die Vergewaltigung für die betroffene Frau. Ich habe auch erlebt, dass Partnerschaften an dem Wissen über die Einzelheiten der Gewalthandlungen zerbrachen. Also seien Sie achtsam damit, wem Sie was erzählen. Partner müssen wissen, WAS passiert ist, damit sie sich informieren und unterstützen können. Aber von Details kann ich aus meiner Erfahrung nur abraten. Die gehören auf ein Blatt Papier wie hier beschrieben (PTBS 11 und 12), oder in den sicheren Raum einer Therapie.

Warum ist mir das passiert?

Das ist eine Frage, deren Antwort Sie für Sich herausfinden sollten. Wenn Sie eine gute Antwort darauf haben, dann kann jede grausame Lebenserfahrung sinnhaft werden. SIE können Ihrer Erfahrung Sinn geben. So wie der Tod einer 12Jährigen durch einen im Schreck abgefeuerten Schuss der eigenen Mutter Jahre später Sinn erfährt. Die Mutter setzte sich fortan gegen die Verbreitung von Waffen ein und gab ihrer traumatischen und schuldbeladenen Erfahrung dadurch einen Platz in ihrer Lebensgeschichte. In diesem Fall gelang dies natürlich nicht ohne entsprechende Psychotherapie bei Donald Meichenbaum, in meinen Augen einem der Väter der modernen Traumatherapie.

Eine Möglichkeit, dieser Warum-ist-mir-das-passiert-Frage auf die Schliche zu kommen, kann sein, sich zu fragen, ob es irgendetwas Gutes gibt, was aus Ihrer belastenden Erfahrung entstanden ist. Wahrscheinlich können Sie das in den ersten Tagen und Wochen noch nicht sehen, aber vielleicht kommt der Zeitpunkt irgendwann, an dem Sie es sehen können. Dann haben Sie Ihre Antwort und damit mehr inneren Frieden.

Eine zweite Frage, die ich mir und meinen Klienten irgendwann stelle, ist: Was können Sie aus dieser Erfahrung lernen? Auch das ist keine Frage für die ersten Stunden nach einer grausamen Erfahrung, sondern für eine Zeit, in der Ihr Alltag wieder Alltag werden durfte. Für eine Zeit, wenn Sie wieder über Ihr Leben bestimmen, wenn Sie wieder entscheiden, ob Sie Sich erinnern wollen oder gerade nicht. Dann wenn die Alpträume aufgehört haben und Sie nicht mehr bei jedem kleinen Geräusch zusammenzucken, dann ist der Raum da, über diese Frage nachzudenken.

Damit schließe ich diese Reihe.

Es kann der Zeitpunkt kommen, an dem Sie Sich wieder frei fühlen von Ihren belastenden Erfahrungen und den aufwühlenden Erinnerungen daran. Solange Sie üben und dran bleiben und alle Unterstützung in Anspruch nehmen, die Sie finden können, solange Sie mutig weitergehen und Ihr Leben selbst gestalten wollen, kann dieser Moment kommen. Auch wenn es manchmal Jahre dauert. Bleiben Sie dran! Geben Sie nicht auf! Sie werden es schaffen! Ich wünsche Ihnen alle Kraft für diesen Weg.

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Es gibt eine gute Dokumentation über Frau Kampusch und die Auswirkungen der Medien auf Ihr Leben:

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