„Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“ – Stefanie Rösch, 2013

Ihr Suchbegriff Angst

Warum haben wir Angst? Drei Formen von Angst und was Sie tun können.

21.05.2020 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Im Video „Warum ist es für Traumabetroffene so schwer wütend zu sein“ habe ich über die wichtige Rolle der Wut in unserem Leben erzählt. Heute soll es um die Angst gehen.

Warum haben wir Angst?
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Warum haben wir überhaupt Angst?

So wie Wut zum Kampfmodus gehört, gehört die Angst zu unserem Fluchtmodus. Während die Wut den Bewegungsimpuls „auf zu“ hat, hat die Angst den Bewegungsimpuls „weg von“.

Angst sorgt mit „weg von“ dafür, dass wir uns von der Gefahr entfernen, dass wir flüchten. Das spielt dann eine Rolle, wenn man keine Kampfstrategien mehr hat. Schließlich ist man immer dann am sichersten, wenn man möglichst weit weg ist von der Gefahr. Trivial aber wahr.

Angst ist unsere Freundin. Sie will uns genau wie die Wut beschützen. Sie sagt uns, wenn wir keine Handlungsmöglichkeiten mehr haben und uns überfordert fühlen. Sie sagt uns, dass wir Abstand zwischen uns und die Gefahr bringen sollen.

Im Zusammenhang mit unserer Überlebensreaktion und den daraus entstandenen Traumareaktionen ist das die Bedeutung von Angst.

Das Wort Angst wird auch gleichbedeutend mit Sorge verwendet.

Wenn mir Menschen erzählen, dass Sie Angst haben oder Panik schieben, dann meinen Sie häufig, dass sie ständig daran denken müssen, dass etwas Schlimmes passieren wird. Gedanken darüber, dass mir etwas Schlimmes passiert, bezeichne ich als Sorge. Sorge ist ein Gedanke, konkreter noch ist Sorge eine Phantasie. Das Problem an dieser Phantasie ist, dass unser Gehirn nicht zwischen Phantasie, also Sorge und Realität oder Erinnerung unterscheiden kann.

Das führt dazu, dass unser Hirn Alarm auslöst, wenn wir über gefährliche oder bedrohliche Situationen nachdenken. Alarm bedeutet Stress. Alarm auslösen bedeutet, über Stresshormone eine Körperreaktion in Gang setzen.

Wir spüren diese Alarmreaktion durch Herzrasen. Wir müssen schneller atmen und unsere Muskeln spannen sich an. Genau in dem Moment ist unser Körper handlungsbereit.

Blöd ist nur, dass wir diese Körperreaktion zusammen mit den Sorgen, also den Phantasien von Gefahr unangenehm finden.

Das bezeichnen wir dann als Angst haben.

In diesem Fall ist Angst eine Kombination aus Sorgen und der Körperreaktion.

Angst kann aber auch die Kombination aus Erinnerungen und Körperreaktion sein: Das nennt man dann Flashback oder Erinnerungsattacke oder Fehlalarm.

In der Menschheitsentwicklung ist Angst entstanden als Kombination aus aktuell wahrgenommener Bedrohung, also Gefahr, z.B. Säbelzahntiger, und der Körperreaktion, die es uns möglich macht, uns zu schützen.

Es macht also Sinn, wenn man Angst hat, einmal genau hinzuschauen, warum man Angst hat oder aus welchen Teilen die Angst besteht.

Gemeinsam ist allen Formen von Angst die Körperreaktion, die den Körper in Handlungsbereitschaft versetzt.

Entscheidend für Gegenmaßnahmen ist der zweite Teil.

Wenn es Erinnerungen sind, dann will man lernen, wie man diese Erinnerungsattacken abbricht.

Wenn es Sorgen sind, also bedrohliche Phantasien, dann ist es gut zulernen, diese Phantasien nicht mehr zu haben oder sie so zu verändern, dass sie keine Angst mehr machen.

Und wenn es sich um eine echte aktuelle Gefahr handelt, dann ist es gut, wenn man ein paar Deeskalationsstrategien hat, oder aber etwas über Sicherheitsverhalten lernt.

Angst ist unsere Freundin.

Wir haben nur nicht gelernt, uns für ihre Probleme zu interessieren. Fragen Sie Ihre Angst mal, was Sie will. Welche Art von Angst sie ist. Gegenwärtige Angst (aktuelle Bedrohung), Erinnerungsangst (Flashback, Fehlalarm) oder Sorge (Gefahrenphantasie).

Viel Kraft für Ihren Weg!

Ihre Stefanie Rösch

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Wenn Ihnen mein Blog oder die Videos weiterhelfen, freue ich mich über eine freiwillige Gabe. Wie das funktioniert, lesen Sie hier nach. Danke!

Furcht und Angst, was ist der Unterschied? Ihre Erfahrung ist gefragt

16.05.2020 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Neulich war ich mit der Frage konfrontiert, was der Unterschied zwichen Furcht, Angst und Sorge ist. Natürlich habe ich ein persönliches Verständnis dieser Worte. Als ich dann ein bißchen recherchierte und mit verschiedenen Personen sprach, wurde klar, dass mein Verständnis von dem „allgemeinen“ oder „offiziellen“ Sprachverständnis abweicht. Deswegen meine Bitte heute an alle, die diesen Artikel lesen: Was fällt Ihnen zu diesen Worten ein? Ich habe eine Umfrage über Mentimeter gestartet und bin gespannt, was Sie unter Angst oder Furcht versteht.

Über den folgenden Link kommen Sie zur Umfrage.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!!

Gehen Sie auf www.menti.com und benutzen Sie den Code 96 93 47

Und hier können Sie die bisherigen Ergebnisse sehen. Je mehr mitmachen, desto spannender wird das. Danke schonmal an alle, die dabei sind.

Hier gehts zu den Ergebnissen.

Rechts auf dem Bildschirm ist ein kleiner Pfeil, mit dem man zur zweiten Folie kommt.

Die Angst der Täter und ihr ganz persönlicher Denkfehler

08.06.2019 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Wem es noch nicht aufgefallen ist: Täter haben Angst. Immer. Sie haben ein schlechtes Gewissen. Jeder Täter weiß, dass er etwas tut, was er nicht darf. Sonst würde er es nicht im Verborgenen tun. Er müsste sich auch keine Mühe damit machen, sein Opfer zum Schweigen zu bringen und das mit allen Mitteln. Wozu die ganzen Drohungen, die Gehirnwäsche, die Drogen und die Folter, wenn es doch rechtens ist, was man tut? Wenn es okay wäre, dann wäre es vom Gesetz nicht verboten. Das wissen Täter.

Ihr schlechtes Gewissen macht ihnen Angst. Sie leben in der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Sie leben in der Angst, von ihren Opfern und von uns als Gesellschaft, überführt zu werden. Auch wenn es Straftaten gibt, die schwer nachzuweisen und noch schwerer zu verurteilen sind. Das ändert an der Angst der Täter nichts.

Aber die Angst der Täter ist so groß, dass sie nicht mehr klar denken können. Sie haben Angst vor ihren Opfern. Würden diese Menschen geschlossen erzählen, was ihnen geschieht, könnte kein Gericht all diese Geschichten ignorieren. Jeder ausgebildete psychologische Gutachter für Aussagepsychologie würde zu dem Schluss kommen, dass die Menschen erlebt haben, was sie schildern. Für uns Nichtbetroffene oft unvorstellbare Grausamkeiten.

Wenn alle Opfer von schwerer Gewalt (Verbrechen wie Vergewaltigung, Menschenhandel, schwere Körperverletzung, sexueller Missbrauch, Folter und so weiter) ihre Geschichten erzählen würden, dann wären wir als Gesellschaft entsetzt. Wir wären darüber entsetzt, wie viele gequälte Menschen es in unserem Land gibt. Ja, ich rede von Deutschland, vom Kriegsgebiet Deutschland. Dafür brauchen wir keine Nazis, keine Terroristen und auch keine Mafia. Dafür reichen ein paar unauffällige deutsche Staatsbürger, die in unserer Nachbarschaft leben: Handwerker, Ärzte, Mechaniker, Hausbesitzer, Landwirte, Verkäufer, Psychologen, Rentner, Putzkräfte, Angestellte im öffentlichen Dienst, Angestellte in der Privatwirtschaft, Selbständige, Freiberufler – was immer Sie, liebe Leser, sich ausdenken können, die Realität ist so viel schlimmer. Die männlichen Formen schließen Frauen als Täterinnen ein, wenn auch der Anteil erfahrungsgemäß gering ist.

Ich gehe davon aus, dass diesen Weg der Gewalt und der Angst keiner freiwillig gewählt hat. Die meisten wurden hinein-gedroht oder hinein-gezwungen – irgendwann. Das enthebt diese Menschen aber nicht der Verantwortung für ihr Handeln heute.

Die Angst der Täter vor der Strafverfolgung raubt ihnen den Schlaf. Ihre Feigheit zu ihren Taten zu stehen und Wiedergutmachung zu leisten, soweit das überhaupt möglich ist, lässt sie in Angst durch ihren Alltag gehen. Drogen, Alkohol und Gewalt lassen sie die Fassade aufrechterhalten und betäuben diese Angst für wenige Augenblicke. Aber die Angst kommt schnell zurück ins Bewusstsein und kriecht tiefer und tiefer in ihre verzweifelten Seelen. Wie alle anderen Menschen wollen Täter sich sicher fühlen. Aber die Angst vor Entdeckung und das schlechte Gewissen machen sie blind. Blind für die offensichtlichste aller Lösungen.

Lasst Eure Opfer in Ruhe!

Es wird immer Menschen geben, die Opfer begleiten und sich Tätern furchtlos entgegenstellen. Es wird immer Menschen geben, die sich wehren und sich dabei an das Gesetz halten. Diese Menschen werden immer versuchen, Opfer von Gewalt dazu zu ermutigen, sich von Tätern fernzuhalten. Aber wenn das Opfer aus dem Einflussbereich der Täter verschwindet, dann versetzt das diese nur in Panik. Denn dann droht in ihrer angstgesteuerten Phantasie die Anzeige. Was realistisch betrachtet selten der Fall ist.

Doch obwohl wir gerade bei organisierter und ritueller Gewalt davon ausgehen müssen, dass mit den Mitteln des Deutschen Rechts in seiner derzeitigen Fassung schwer oder gar nichts zu machen ist, verfallen ganze Tätergruppen in Panik, wenn sie ein Opfer verlieren.

Wer würde einem einzelnen, durch die Folter psychisch schwer verletzten Opfer mit Erinnerungslücken vor Gericht glauben, wenn 5 oder mehr gesellschaftlich anerkannte Täter, die weder die Wahrheit sagen noch überhaupt ihren Teil zur Wahrheitsfindung beitragen müssen, sich gegenseitig decken? Niemand. Deswegen werden diese Fälle so gut wie nicht vor Gericht gebracht. Der Fall des kleinen Jungen, der von seiner Mutter verkauft wurde, um vergewaltigt und gequält zu werden, ist da eine lobenswerte Ausnahme.

Der ganz persönliche Denkfehler von Tätern ist, dass es immer wieder und mehr Gewalt braucht, damit sie sich sicher fühlen können. Genau das Gegenteil ist der Fall.

———— An die Täter ————

hört auf, Euch in die Hose zu machen, wenn ihr ein Opfer verliert. Es zu verfolgen, wieder zu bedrohen oder gar ermorden zu wollen. Das handelt Euch nur noch mehr Ärger ein. Es wird nie dazu führen, dass Ihr euch sicher fühlt. Die Aufklärungsrate bei Mord ist hoch, auch wenn ihr es wie einen Suizid aussehen lassen wollt. Wir Therapeutinnen wissen das. Aber ihr wisst nicht, ob wir mit unseren Klientinnen eine Vereinbarung haben, die uns von der Schweigepflicht enthebt, sollte unseren Klientinnen etwas passieren.

Wir Therapeutinnen haben gelernt, dass wir besonders in solchen Fällen unsere Klientinnen zum Dokumentieren ermutigen und Kopien von allen wichtigen Dokumenten und Informationen haben, so dass nichts verloren gehen kann. Glaubt ihr wirklich, dass wenn ein Opfer nach dem Ausstieg stirbt, die Polizei in Zukunft nicht oder nie erfährt, wer dafür verantwortlich ist?

Wenn eines Eurer Opfer sich von euch fernhält, bringt es damit eindeutig zum Ausdruck, dass es mit Euch nichts mehr zu tun haben will. Wenn ihr weiter in Freiheit leben wollt, dann könnt ihr nur eins tun: Stillhalten und akzeptieren, dass ihr diesmal verloren habt. Alles andere wird nur dazu führen, dass es auch für Euch unangenehm wird.

Dass ihr Angst davor habt erwischt zu werden, liegt daran, dass ihr in euren verletzten Herzen wisst, dass es nicht okay ist, was ihr tut. Der einzige Weg zu innerem Frieden ist das zu tun, was Euer Gewissen euch sagt: Aufhören mit der Gewalt und Verantwortung übernehmen für Eurer Handeln. Dann kehrt auch wieder Ruhe ein und die Nächte werden wieder erholsam.

Eine Selbstanzeige wäre da der beste Weg für Euch.

Der eine oder andere an Gewalthandlungen Beteiligte würde sich wundern, dass sogar Vergebung möglich ist. Von Gewalt Betroffene wollen oft nichts Anderes, als dass Ihr aufhört mit der Gewalt und Verantwortung übernehmt. Dadurch könnten die Menschen, die Ihr zu Opfern macht, die Hilfen in Anspruch nehmen, die wir als Gesellschaft dafür vorgesehen haben, dass jeder einzelne von uns versagt hat, unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger vor Euch zu schützen.

Um das zu erkennen, braucht es Mut. Meine Hoffnung ist gering, dass es unter euch viele Menschen mit Mut gibt. Aber ich mag mich täuschen und lasse mich gerne eines Besseren belehren. Vielleicht ist die Aussicht auf inneren Frieden für den einen oder anderen doch stärker als die Angst vor der Entdeckung. Sucht Euch einen Anwalt und geht mit dem zur Polizei und erzählt, was ihr getan habt und wie es dazu kam – Erleichterung wird die Folge sein.

Wenn Euch aber der Mut fehlt, dann ist vielleicht der eine oder andere intelligent genug, das Risiko zu minimieren, die Füße still zu halten, wenn er ein Opfer verloren hat. Denn das ist der einzige Weg, nicht erwischt zu werden.

———— An alle Menschen mit Gewalterfahrung ————

Sucht euch jemanden, dem ihr trauen könnt. Es gibt uns überall. Lasst uns Wege finden, das Leid zu beenden! Ich bin dabei! Auch wenn ich noch keine Ahnung habe, wie genau das gehen kann. Aber ich bin sicher, gemeinsam fällt uns etwas ein. Nur Mut!

Ich wünsche allen viel Kraft für ihren Kampf gegen die Angst.

Stefanie Rösch

Leserfrage: Wie kann ich nach dem Überfall wieder ohne Angst schlafen?

29.11.2016 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Ich wurde vor 12 Jahren überfallen und leide sehr darunter. Ich habe Angst und kann deswegen nicht schlafen: Bisher konnte mir keiner helfen. Alle Therapien wurden nun beendet. Haben sie eine Lösung? Ihre Artikel treffen alle zu und sind total interessant zu lesen. Danke!

Lieber Leser,

Ich weiß ja nicht, welche Art von Therapie Sie bisher gemacht haben. Insofern kann ich nicht sagen, warum Sie da bisher keine Hilfe finden konnten. Ich habe auch keine Lösung für Ihr Problem, weil es DIE Lösung nicht gibt.

ABER ich kann Ihnen erzählen, was ich meinen Klienten beibringe, die ebenfalls Probleme mit dem Schlaf haben. Das fängt schon damit an, dass es einen Unterschied macht, welche Art von Schlafproblemen Sie haben. Können Sie nicht einschlafen? Wachen Sie in der Nacht aus Alpträumen oder immer zur gleichen Zeit auf? Oder wachen Sie am Morgen zu früh auf und finden dann nicht zurück in den Schlaf?

Wenn es um das Einschlafen geht, so ist ein häufiger Grund der das behindert, dass Erinnerungen im Übergang vom Wachen zum Schlafen gerne auftauchen. Der Verstand kommt langsam zur Ruhe und das Hirn wandert vom wachen Bewusstseinszustand über verschiedene Phasen hin zum Schlaf und der Bewusstlosigkeit, die damit einhergeht. Je nachdem, was Sie während des Überfalls erlebt haben, kann es sein, dass Ihr Hirn in die Notabschaltung gegangen ist und das bedeutet, dass das Hirn sich als Schutz vor einer Reizüberflutung und zum Sterben durch die Gewalterfahrung auf die Bewusstlosigkeit „vorbereitet“. Das Hirn schaltet sich langsam ab. Der Zustand dieser Notabschaltung kann einem Bewusstseinszustand kurz vor dem Einschlafen entsprechen. Deswegen tauchen die Erinnerungen dann wieder auf. Das wiederum erschreckt uns und dann sind wir wieder hellwach. Das bedeutet, die Erinnerung wurde durch den Bewusstseinszustand getriggert.

Wenn Sie immer wieder zur gleichen Zeit aufwachen, kann die Ursache schlicht und ergreifend sein, dass sich der Körper die Uhrzeit gemerkt hat. Ich kann mich an einen Klienten erinnern, der einen schweren Verkehrsunfall morgens um 4 Uhr hatte. Er wachte Wochen lang morgens um 4 Uhr auf und konnte nicht mehr einschlafen. Nachdem wir die Erinnerung bearbeitet hatten, wurde es besser.

Eine andere Ursache für nächtliches Erwachen können auch Alpträume sein. Das Gehirn versucht, die belastende Erfahrung zu bewältigen und wir träumen davon, manchmal genau das Geschehen, manchmal Szenen, die daran erinnern.

Bei Alpträumen habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, den Alptraum positiv zu Ende zu denken. Häufig enden Alpträume kurz bevor „das Schlimme“ geschieht. Wir haben im Traum so viel Angst, dass wir aufwachen bevor etwas passiert. Aber auch wenn wir es im Traum nochmal erleiden müssen, kann man den Traum zu einem guten Ende denken, bei dem die Bösen gefasst und verurteilt werden oder ich durch einen Superhelden gerettet werde. Wenn wir den Traum so positiv zu Ende denken, dann geben wir uns selbst das Signal von Stärke und Sicherheit. Wir stellen in unserer Phantasie wieder Sicherheit her. Wenn wir über Sicherheit nachdenken, wird der Körper als Folge von unseren Gedanken Entspannung herstellen. (Atikel: Was Sie gegen Alpträume tun können / Artikel: Was Sie gegen Schlafstörungen tun können)

Deswegen funktioniert die Übung Sicherer Ort auch ganz gut, um in den Schlaf zu finden. Das könnten Sie vielleicht mal ausprobieren.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Erfolg beim Üben.
Stefanie Rösch

Psychologie und Film: Batman Begins, 6 – Größenwahn und Angsttherapie

09.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Als Bruce seine Ausbildung abgeschlossen hat, muss er eine letzte Prüfung bestehen: Unter Einfluss einer halluzinogenen Droge soll er sich seiner größten Angst stellen. Denn eigentlich fürchte Bruce sich vor seiner eigenen Macht, er fürchte seine Wut und den Drang etwas Großes zu vollbringen. Zuerst müsse er seine eigene Angst besiegen. Angst verändere die Wahrnehmung. Deswegen solle er seine Angst umarmen, zu seiner Angst werden. Um etwas Großes zu bewirken, müsse er ein schrecklicher Gedanke werden, eine Idee, denn die Menschen fürchten am meisten, was sie nicht sehen können. Bruce besiegt seine Angst vor den eingebildeten, erinnerten Fledermäusen und kann Ra´s Al Ghul im Zweikampf durch eine List ebenfalls besiegen.

Auch Ra´s Al Ghul weiß um die Angst der Menschen, die Angst vor dem Unfassbaren, dem schrecklichen Gedanken. Er will diese Angst gegen die in seinen Augen Kriminellen richten. Er hat Recht, die Angst verändert die Wahrnehmung, sie lässt uns die Welt wie durch einen Tunnel sehen, und so richtet Ra´s Al Ghul seine Wut auf alle, die ihn im Stich gelassen haben: Die Kriminellen, weil einer davon seine Frau getötet hat, und alle anderen, die nicht eingegriffen haben, die korrupt waren und die stillschweigend ihr Leben lebten, ohne sich um ihn zu kümmern. Er unterscheidet die Menschen nicht. Er sieht Gotham als Ganzes an einem Punkt, wo nur die Zerstörung der Stadt einen echten Neubeginn bedeuten kann.

Darin sieht er dann auch „das Große“, zu dem er Bruce befähigen will. Bruce habe Angst vor seiner eigenen Stärke, der Möglichkeit, etwas wirklich Großes zu vollbringen – wie die Zerstörung einer ganzen Stadt, um ihr einen Neubeginn zu ermöglichen. Ein bisschen erinnert das an Noahs-Erfahrung. Die Auslöschung der Menschheit, weil sie sich nicht an Gottes Wort hält, um einen Neubeginn mit Noahs Familie zu ermöglichen. Ra´s Al Ghul maßt sich das Urteil über Millionen Menschenleben an und fühlt sich dabei noch gerecht.

Deswegen will er die Angst gegen die sowieso schon Ängstlichen einsetzen. Am besten werde das gelingen, indem man zu einem schrecklichen Gedanken wird und die Angst der Menschen noch schürt, damit sie sich aus ihrer Angst heraus gegenseitig zerstören.

Bruce sieht ein, dass er seine Angst vor den Fledermäusen nur besiegen kann, indem er sich ihr stellt. Unter Einfluss einer Droge, löst er sozusagen noch einmal eine Erinnerungsattacke aus, doch diesmal kann er die Angst besiegen und damit auch seinen Gegner in der Abschlussprüfung. Indem er seine Angst besiegt, kann er ruhig genug bleiben, um klar zu denken und selbst in der Prüfungssituation noch eine List zu entwickeln, um seinen Mentor zu besiegen.

Genau hier geschieht im Grunde das, um was es in jeder Therapie von Angstzuständen geht: soviel Ruhe im Körper bewahren zu können, dass man den Handlungsspielraum, den man hat oder den man dazugelernt hat, dann nutzen kann. Insofern zeigt der Film an dieser Stelle die anstrengendste Methode der Angsttherapie: die Exposition, also das Sich-solange-der-Angst-aussetzen, bis man merkt, dass die Angst nachlässt und man nicht gestorben ist. Dadurch lässt das Angstgefühl dauerhaft nach.

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Psychologie und Film: Batman Begins, 4 – Die Macht der Angst und des Vermeidens

06.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Bruce sucht den machtgierigen und überheblichen Gangster Falcone auf, der ihm erklärt, dass alle Menschen über ihre Ängste zu manipulieren sind, weil jeder etwas zu verlieren hat. Das sei die wahre Macht, die Macht der Angst. Er, Bruce, als Prinz von Gotham werde diese zwielichtige Welt nie verstehen und er werde immer fürchten, was er nicht verstehe.

Auch hier wird eine sehr wahre Aussage über die Angst gemacht. Die Angst vor dem Fremden/Unbekannten, dem, was wir nicht verstehen. Ist das nicht die Angst, die zu Fremdenfeindlichkeit führt? Die Angst, die uns daran hindert, neue Wege zu gehen? Etwas Neues auszuprobieren? Zu reisen? Unser Leben grundsätzlich zu verändern? Und die uns in kontrollierter Form in Horrorfilmen unterhält?

Dass Angst mächtig ist, das weiß jeder. Sind wir nicht alle bestimmt von der Angst vor dem Tod oder dem Sterben? Viele Menschen haben Angst vor Schmerz, Dunkelheit, Erinnerungen, Spinnen und anderen Tieren, ihrem Chef, dem Versagen. So viel Angst, die unser Handeln bestimmt. Jeder von uns kann mindestens ein Verhalten finden, dass dazu dient, sich einer Angst nicht auszusetzen, sondern sie zu vermeiden. Wir wollen die Gefahr vermeiden, mit unserer Angst konfrontiert zu sein.

Wenn wir keine Angst hätten, etwas zu verlieren, könnte uns niemand mehr durch Drohungen manipulieren. Wenn wir keine Angst vor dem Tod hätten, wären wir frei. Das ist im Grunde der Kernpunkt des Christentums. Als Christ braucht man keine Angst mehr vor dem Tod haben, weil wir wissen, dass wir auferstehen.

Angst ist mächtig. Gerade Opfer organisierter Gewalt wissen das. Da wird so sehr mit Drohungen und Nahtod-Erfahrungen eingeschüchtert, dass Betroffene alles tun und mit sich machen lassen, aus Angst vor dem Tod, weiterem Schmerz und dem Gefühl der Ohnmacht und Einsamkeit.

Die Angst der Täter vor ihren Opfern ist allerdings genauso groß. Denn was würde geschehen, wenn alle Opfer sich gemeinsam erheben und das Schweigen brechen? Selbst bekannte Persönlichkeiten und Personen aus dem Rechtssystem, die an der organisierten Gewalt beteiligt sind, hätten dann ein Problem. Man kann es nicht oft genug sagen.

So wie Bruce, der vor der Erinnerung an die Fledermäuse aus der Oper flüchtete. Welches Verhalten kennen Sie an Sich, mit dem Sie einer Angst aus dem Weg gehen?

Daraufhin taucht Bruce unter, um das Wesen des Kriminellen verstehen zu lernen. Auf diese Weise landet er in einem Gefängnis, irgendwo in der Nähe des Himalayas, wo ihn Ducard/Ra´s Al Ghul findet. Ra´s Al Ghul plant mit seiner Gesellschaft der Schatten Gotham City ins Chaos zu stürzen. Gotham habe ein Ausmaß an Kriminalität erreicht, das nur durch ihre Zerstörung gelöst werden könne, so Ra´s Al Ghuls Meinung.

Bruce nimmt an Diebstählen teil, um das Wesen des Kriminellen zu verstehen. Er sieht die Not, die hinter Kriminalität an manchen Stellen steckt, wenn er aus Hunger stiehlt. Er sieht aber auch die Gier und das Streben nach Macht und Einfluss, als er seine eigene Firma beraubt und dafür in das Gefängnis im Himalaya geht.

Bruce lernt zu kämpfen. Er selbst nennt es Training, wenn er im Gefängnis gegen fünf Gegner im Schlamm kämpft. Je mehr Gegner, desto mehr Training. Deutlich ist zu spüren, dass er nie wieder Opfer sein will, nie wieder hilflos und sich selbst als nicht kriminell sieht, weil er mit seinen Diebstählen niemandem schadet.

Bruce will lernen die Kriminellen in Gotham zu besiegen. Deswegen macht er sich auf den Weg in die Berge zu Ducard/Ra´s Al Ghul, um sich von ihm ausbilden zu lassen.

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Psychologie und Film: Batman Begins, 2 – Hab keine Angst

02.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Kurze Zeit später erlebt Bruce in einer Opernaufführung eine Angstattacke und will gehen. Seine Eltern verlassen mit ihm den Saal durch einen Hinterausgang, wo sie überfallen und beide Eltern getötet werden. Sterbend schaut der Vater den Sohn an und sagt: „Bruce, es ist okay. Hab keine Angst.“ Bruce bleibt allein mit Alfred zurück, dem treusorgenden Butler und Nachlassverwalter.

Wenn ich an all die Opfer von Gewalt denke, die ich in meinem Leben schon kennengelernt habe, dann verbindet diese alle die Angst vor den Tätern und besonders die Angst vor den eigenen Erinnerungen. Die Angst vor der Erinnerung an die Fledermäuse ist es, die Bruce vermeiden will. In seiner Wahrnehmung ist es das, was zum Tod seiner Eltern führt. Wie kann er sich nicht schuldig fühlen? Wie viele Menschen fühlen sich schuldig („Her mit der Ohnmacht“), weil es immer noch besser ist als das Gefühl der Ohnmacht. Bruce kann nichts tun als seine Eltern bedroht und erschossen werden. Er ist zu klein. Er ist ohnmächtig.

Bruce bekommt von seinem sterbenden Vater gesagt, dass er in dieser massiven Bedrohungssituation keine Angst haben soll. Der sterbende Vater will seinen Sohn mit diesen Worten trösten. Er weiß ihn versorgt. Aber Bruce? Ich bezweifle, dass er das verstehen konnte. Er bekommt nur gesagt, dass er das Gefühl, das er hat, nicht haben soll.

Es ist grundsätzlich keine gute Strategie jemandem zu sagen, wie er sich fühlen soll. Denken Sie nur an das „jetzt beruhig Dich erstmal“, das wir so daher sagen, wenn jemand sehr aufgeregt ist. Wir haben Gefühle als Reaktion auf unsere Umwelt. Wenn jemand traurig, aufgeregt, wütend, hilflos, verzweifelt, voller Angst ist, dann mit gutem Grund. Niemand möchte gerne gesagt bekommen, wie er sich fühlen soll. Hilfreich an dieser Stelle wäre zu sagen „Es ist okay, wenn Du Angst hast. Das geht auch wieder vorbei.“

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Psychologie und Film: Batman Begins, 1 – Die Angst der Kriminellen

01.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Die Batman-Filme von Christopher Nolan

Die Batman-Filme von Christopher Nolan erzählen die Geschichte eines Mannes, der versucht sein Kindheitstrauma zu überwinden (Batman Begins), der erfolglos seinen Platz im Leben sucht (The Dark Knight) und sich schließlich von seiner Vergangenheit befreit und sich selbst findet (The Dark Knight Rises).

Batman Begins, 1 – Die Angst der Kriminellen

Bruce Wayne, Sohn eines der reichsten Männer von Gotham City, stürzt als Kind in einen Brunnen und wird daraufhin von Fledermäusen attackiert. Sein Vater, ein Arzt, erklärt ihm, dass die Fledermäuse ihn angegriffen hätten, weil sie Angst vor ihm gehabt haben. Bruce will wissen, ob auch die gefährlichen Tiere Angst hätten. „Die ganz besonders“, bekommt er zur Antwort. Sein Vater gibt ihm noch eine zweite Lebensweisheit mit auf den Weg: „Warum fallen wir, Bruce? – Damit wir wieder aufstehen können.“

Hier der Rest des Textes: PF_BatmanBegins_Inhalt

Bruce bekommt zwei wichtige Botschaften: Kriminelle haben grundsätzlich Angst und Fehlschläge sind dazu da, um daraus zu lernen und daran zu wachsen.

Eine der wichtigsten Botschaften, die man aus diesem Film mitnehmen kann, ist: Kriminelle haben immer Angst, weil sie nicht erwischt und bestraft werden wollen. Viele Opfer sind sich dessen nicht bewusst, dass ihre Täter/ihre Angreifer mindestens genauso viel Angst vor ihren Opfern haben wie ihre Opfer vor noch mehr Gewalt. Was könnten Täter tun, wenn Opfer nicht schweigen würden? Warum geben sich so viele Täter so viel Mühe, ihre Opfer zum Schweigen anzuhalten? Weil sie wissen, dass wenn das Schweigen gebrochen wird, sie von der Gesellschaft für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Davor haben sie Angst.

Die zweite Botschaft gefällt mir noch viel besser. Wir fallen, damit wir wieder aufstehen. Wenn etwas Schlimmes passiert, fragen wir uns so oft, warum uns das passiert ist. Hier ist die Antwort: Damit wir wieder aufstehen. Kein Blick zurück. Bruce´ Vater verschwendet keinen Augenblick damit, auf etwas zu schauen, was er nicht ändern kann. Stattdessen lehrt er seinen Sohn, nach vorne zu schauen und weiterzumachen.

Es kommt darauf an, wo wir den Anfang der Ursachen setzen. Wir können sagen, wir sind gefallen, weil wir gestolpert sind. Wir können aber auch sagen, wir sind gefallen, weil wir etwas lernen sollen. Wir entscheiden, wo wir Ursache und Wirkung sehen.

Wenn man auf sein Leben schaut, kann man sagen, nach jeder guten Phase folgt etwas Schlechtes. Oder wir können sagen: Jede schwierige Phase wird gefolgt von einer guten. Was macht das bessere Gefühl? Wie denken Sie?

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Angstspiralen: Wie Sie Sich die Angst herbeireden können.

10.01.2014 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Strategien 0 Kommentare

In meinen Veranstaltungen bringe ich den Menschen bei, sich auf schwierige Situationen vorzubereiten. Auch auf Situationen, in denen ihnen Gewalt droht, zum Beispiel in einer Situation in einer Ausländerbehörde, wenn der Mitarbeiter seinem Kunden sagen muss, dass seine Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt wurde und er ausgewiesen wird. Da das für Betroffene eine lebensbedrohliche Situation sein kann, gibt es die Möglichkeit, dass sich deren Hilflosigkeit in einem Gewaltakt gegen den Mitarbeiter der Behörde entlädt.

Also geht es für den Mitarbeiter darum, sich vorzubereiten, auch auf den Moment, in dem er vielleicht angegriffen wird und sein Leben verteidigen muss.

Oder nehmen Sie eine andere Situation: Sie haben ein Mitarbeitergespräch und Ihr Chef neigt zu erregten Ausbrüchen, die auch schon mal eine Beleidigung enthalten und Ihnen das Gefühl geben, er könnte gleich zuschlagen.

Wenn man mit solchen Situationen konfrontiert ist, passiert es häufig, dass man sich vorstellt, was alles schief gehen kann und wie man Opfer wird. Nicht selten drehen sich unsere Gedanken dann darum, wie der Kunde zuschlägt, wie wir verletzt werden, wie eine Kollegin bedroht wird oder wie der Chef einen aufs übelste beleidigt und man wie ein begossener Pudel alles über sich ergehen lässt.

Wenn Sie dazu neigen, sich belastende Situationen auf diese Weise vorzustellen, dann werden Sie feststellen, dass Sie Sich nach einer Weile richtig schlecht fühlen. Ihr Herz beginnt zu rasen, der Magen zieht sich zusammen und ihre Hände werden feucht. Alles Anzeichen von Angst. Sie werden Angst vor der Situationen bekommen – weil Sie Sich die Angst herbeigeredet oder besser herbeigedacht haben.

Das muss nicht so sein. Stellen wir uns Dinge lange genug vor, dann „glaubt“ unser Körper, das ist echt und macht die entsprechende Reaktion dazu, in diesem Fall die Stressreaktion (Siehe hier). Das funktioniert genauso gut, als wenn Sie Sich möglichst lebendig vorstellen in eine gelbe, saftige Zitrone zu beißen und Ihr ganzer Mund ist voller saurem Zitronensaft. Spüren Sie, was passiert, wenn Sie Sich die Zitrone vorstellen? Den Zitronensaft in Ihrem Mund vorstellen? Genau: Ihr Körper produziert Speichel. Allein, weil Sie es sich vorstellen!

Genauso funktioniert es mit der Angst. Wenn Sie Sich vorstellen, Angst zu haben, werden Sie Angst bekommen, weil Ihr Körper die Stressreaktion zu den Gedanken „dazugibt“. Dann fühlt es sich echt an, weil es echt ist.

Aber wenn Sie Sich vorstellen, wie Sie eine Situation bewältigen, dann üben Sie nicht nur hilfreiche Strategien ein (Mentales Training, siehe auch Grundbedürfnis Sicherheit), sondern Sie verhindern, dass Sie Sich in die Angst hineindenken. Stattdessen könnten Sie Sich in die Wut hineindenken – wenn Sie Sich vorstellen, wie Sie einen Angreifer fertig machen – oder Sie können Sich in die Entspannung und ein Gefühl von Sicherheit hineindenken, wenn Sie Sich vorstellen, wie Sie die Situation bewältigen und hinterher zufrieden mit Sich und in Sicherheit wieder in Ihrem Büro oder Zuhause sind. (Siehe auch Texte zum sicheren Ort und den Giftige Gedanken )

Probieren Sie es aus! Sie entscheiden, was Sie denken!

Leserfrage: Warum bezeichnen Sie Emotionale Anteile als „Hausbesetzer“? (Teil 3)

03.07.2020 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Anregung: (Hoch-)Emotionale Anteile als „Hausbesetzer“ zu bezeichnen erscheint mir nicht als der passende Begriff. Ein Ziel für Menschen mit Stimmen-Erleben aus dem dissoziativem Spektrum ist, einen wohlwollenden gemeinschaftlichen Kontakt zu lernen. Kommunikation mit dem Innen-(Er)leben ist das wichtigste Ziel, um Kompromisse zu schließen und nicht einen einzigen „Bestimmer“ zu haben. Emotionale Anteile haben ihre Gründe, weshalb sie was wie zu welcher Zeit mitteilen, sie haben es nicht anders erlernt in der Vergangenheit, wissen sich nicht anders zu helfen, können sich nicht anders ausdrücken, übernahmen „alte Schallplatten“ von toxischen Menschen und geben sie ungefiltert wieder. Ungewollte oder unangepasste Anteile zu „entsorgen“ ist genau der falsche Weg und erinnert Betroffene an die Aussagen / Verhaltensweisen der Täter (oder welcher Begriff in diesem Zusammenhang als passender erscheint) aus der Vergangenheit.
Innere Kommunikation ist meiner Erfahrung nach bei nahtlos allen Betroffenen einer (p)DIS der Schlüssel zum individuellem „heil werden“.

Ein Kommentar unter dem Video: Stefanie Rösch liest: Was ist mit mir los? Ich höre 4 verschiedene Stimmen in meinem Kopf.

Liebe Zuschauerin,

danke für Ihren Kommentar. Danke für die Gelegenheit, dieses große Thema weiter zu vertiefen.

Und ich möchte Ihren Kommentar auf zwei Ebenen beantworten

  • Auf der psychologischen Ebene hinsichtlich des Heilungsweges (LINK)
  • Auf der sprachlichen Ebene hinsichtlich erfolgreicher Kommunikation

Sie können diesen Artikel auch auf YouTube ansehen. Klicken Sie hier.

Die sprachliche Ebene

Um überhaupt über diese komplexen inneren Erfahrungen sprechen zu können, benötigen wir Bilder. Diese Bilder müssen verschiedene Bedingungen erfüllen:

Bilder müssen sinnlich nachvollziehbar sein. Das bedeutet die Klientin/ der Klient und ich müssen in der Lage sein, uns beide annähernd das Gleiche vorzustellen.

Diese Bilder sollten eine möglichst hohe Übereinstimmung auf der Ebene von Bedeutung haben. Das entsteht über geteiltes Wissens oder ähnliche Erfahrungen. So ist es möglich über Bedeutung zu sprechen. Je mehr Übereinstimmung es gibt, desto mehr entsteht der Eindruck von „der versteht mich“. Deswegen glauben die meisten Menschen, dass jemand, der Ähnliches erlebt hat, sie besser versteht als jemand, der einen anderen Erfahrungshintergrund hat. Je sinnlich erfahrbarer das Wort, desto eindeutiger die Verständigung. Wenn ich das Wort „Tasse“ sage, können wir relativ sicher gehen, dass Sie, liebe Leserin, und ich uns das Gleiche vorstellen. Bei abstrakten Worten wie „Liebe“ oder „Dissoziation“ ist es unwahrscheinlich, dass wir das gleiche Bild vor Augen haben oder dem Wort die gleiche Bedeutung geben.

Für unterschiedliche Bedeutungsinhalte braucht es passende Sprache. Das heißt, es gibt keine „absolute“ Bedeutung auf dieser sehr persönlichen Ebene von Kommunikation. Jeder Mensch hat seine eigene Sprache, wenn es um sein inneres Erleben geht. Das bedeutet, das Wort „Hausbesetzer“ kann für die eine Person in einer bestimmten Situation passend sein und für eine andere Situation oder Person ungeeignet.

Therapeuten/innen versuchen, eine gemeinsame Sprache mit ihren Klienten/Klientinnen zu finden und das für jedes neue innere Erleben wieder neu. Zumindest ist es mein Ansatz.

Das bedeutet für das vorliegende Beispiel:

Ich habe mich für den Begriff „Hausbesetzer“ in diesem spezifischen Beispiel entschieden, weil …

Das Haus ein gängiges Bild für inneren Erleben ist. Ich bin davon ausgegangen, dass mein „Inneres Haus“ die Bedeutung transportiert, dass es für mein (innerer) Raum steht oder für „mein Körper“. Etwas, das mir gehört und in dem ich mich frei bewegen kann. Mein Eigenheim sozusagen. Das ist für mich die gemeinsame Bedeutung zwischen Haus und Körper/Gehirn/Bewusstsein.

Hausbesetzer sind in diesem Bild „Eindringlinge“, die in meinem Haus unerwünscht sind. Jeder Eigentümer eines Hauses mag sicher keine Hausbesetzer haben. Ich habe angenommen, dass das die gemeinsame Bedeutung zwischen Hausbesetzer und „innere Stimme“ ist. Die Person beschreibt die Stimmen als unerwünscht, belastend, fremd, wie Eindringlinge. So habe ich es interpretiert.

Hausbesetzer verändern das Eigentum von anderen. Sie bemalen es oder bauen Dinge um. Sie stellen Möbel rein und verhalten sich so, wie sie es wollen. Der Eigentümer wird nicht gefragt. Sie halten sich nicht ans Gesetz. Meine Annahme ist, dass für die Innere WElt die gleichen Gesetze gelten wie in der Inneren Welt (LINK: Teil 1 und Teil 2)

Hausbesetzer wissen in der Regel, dass sie etwas tun, was grundsätzlich nicht erlaubt ist – nach geltendem deutschen Recht. Das gleiche gilt für Täter und Täterinnen.

Sprache soll helfen, inneres Erleben zu vermitteln.

Für mich waren die wesentlichen Schilderungen der ursprünglichen Anfrage (LINK ZUM STIMMEN TEXT/VIDEO) die Unerwünschtheit der Stimmen und die fehlende Sprache für dieses Erleben. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass er es sehr unangenehm findet, völlig verdrängt zu werden und sich dann an nichts mehr erinnern zu können.

Deswegen war es mir wichtig, ein Bild zu verwenden, was diesem Erleben so genau entspricht, dass es für ihn eine Hilfe sein kann, darüber zu sprechen, was er erlebt.

Ich wollte ein Bild nutzen, dass ihm die Erlaubnis gibt, sich zu wehren. Es sollte ihm ermöglichen eine Idee davon zu kriegen, warum er sich manchmal nicht erinnern kann oder „verdrängt“ wird. Da Betroffene für den Wechsel von Anteilen immer wieder den Begriff „eingeperrt werden“ benutzt haben, fand ich das Bild, dass die Hausbesetzer den Hausbesitzer in einen Raum sperren, passend.

Außerdem war es mir wichtig dem Verbot der Stimmen etwas entgegenzusetzen, über sie zu sprechen. Das habe ich in die Aussage hineininterpretiert, dass es schwerfällt, über diese Dinge zu reden. Auch da schien mir das Bild der Hausbesetzer für einen ersten Gedanken in eine heilsame Richtung hilfreich.

Die „Hausbesetzer“ stehen hier allgemein für täterloyale Anteile.

Ob Groupis oder Teammitglieder ist erstmal nicht klar. Groupis sind die „Fans“ von den Tätern und damit ziemlich stur. Teammitglieder verhalten sich auch manchmal täterloyal, können aber davon überzeugt werden, dass das eine Gefährdung darstellt. (Mehr hier: LINK: Siehe Teil 1)

Die Hausbesetzer wollen nicht, dass man mit Menschen, die von außen Klingeln (Therapeuten/innen zum Beispiel) redet. Täter in der Äußeren Welt wollen nicht, dass man über ihr Verhalten spricht. Sie haben Angst, dann zur Rechenschaft gezogen zu werden. Da täterloyale Anteile Verhalten zeigen, das die Täter in der Äußeren Welt beschützt, wollen sie auch nicht, dass Betroffene mit Außenstehenden wie Therapeutinnen reden.

Die Hausbesetzer wissen, dass sie die Täter schützen. So wie die Täter/innen in der Äußeren Welt wissen, dass sie das Gesetz brechen.

Insofern ist dieser Artikel ein Beispiel dafür, wie spezifisch Sprache sein kann und muss.

Wenn Sprache uns in unserem inneren Erleben erreichen und hilfreich sein will, dann braucht es die für das Gegenüber passenden Wortbilder. Das ist in meinen Augen die Hohe Kunst in der Psychotherapie, die Sprache des Klienten/der Klientin zu verstehen und eine gemeinsame Sprache zu finden und auszuhandeln.

Natürlich haben auch Psychotherapeutinnen untereinander eine gemeinsame Sprache. Diagnosen oder Krankheitsbezeichnungen stellen so eine gemeinsame Sprache dar. Hinter so einem Begriff wie DIS = Dissoziative Identitätsstörung verbirgt sich ein Universum an ganz persönlichen, einzigartigen Erfahrungen. Gleichzeitig verbirgt sich dahinter auch eine Gruppe von Empfindungen und Verhaltensweisen, die allen Menschen mit einer DIS gemeinsam ist. Letzteres ist im Grunde die Definition von „Diagnose“.

Abstrakte Begriffe benutzen wir, um Informationen zusammenzufassen.

Abstrakte Begriffe helfen mir mit dem einzelnen Menschen nicht weiter, weil das Erleben einfach immer individuell und einzigartig ist. Also suche ich nach Worten, die für diesen Menschen in seiner aktuellen Situation verständlich sein können. In der Therapie kläre ich ab, ob wir uns auf eine gemeinsame Bedeutung einigen können. Bei Leserfragen, die über unser Kontaktformular reinkommen, schicke ich meine Antwort in der Regel an die betreffende Person, bevor ich sie im Blog veröffentliche. So versuche ich auch da sicherzustellen, dass die Antwort für diesen Menschen passend ist.

Meine Antworten entstehen immer aus dem Versuch, den einzelnen Leser oder die einzelne Zuschauerin zu erreichen. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass meine Texte und Bilder vielleicht auch für andere hilfreich sein können. Deswegen veröffentliche ich sie.

Ich sehe mich als Impulsgeberin. Ich hoffe, meine Texte tragen zu mehr Verständnis dieses komplexen Themas bei.

Viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

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Leserfrage: Warum bezeichnen Sie Emotionale Anteile als „Hausbesetzer“? (Teil 1)

28.06.2020 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Anregung: (Hoch-)Emotionale Anteile als „Hausbesetzer“ zu bezeichnen erscheint mir nicht als der passende Begriff. Ein Ziel für Menschen mit Stimmen-Erleben aus dem dissoziativem Spektrum ist, einen wohlwollenden gemeinschaftlichen Kontakt zu lernen. Kommunikation mit dem Innen-(Er)leben ist das wichtigste Ziel, um Kompromisse zu schließen und nicht einen einzigen „Bestimmer“ zu haben. Emotionale Anteile haben ihre Gründe, weshalb sie was wie zu welcher Zeit mitteilen, sie haben es nicht anders erlernt in der Vergangenheit, wissen sich nicht anders zu helfen, können sich nicht anders ausdrücken, übernahmen „alte Schallplatten“ von toxischen Menschen und geben sie ungefiltert wieder. Ungewollte oder unangepasste Anteile zu „entsorgen“ ist genau der falsche Weg und erinnert Betroffene an die Aussagen / Verhaltensweisen der Täter (oder welcher Begriff in diesem Zusammenhang als passender erscheint) aus der Vergangenheit.
Innere Kommunikation ist meiner Erfahrung nach bei nahtlos allen Betroffenen einer (p)DIS der Schlüssel zum individuellem „heil werden“.

Ein Kommentar unter dem Video: Stefanie Rösch liest: Was ist mit mir los? Ich höre 4 verschiedene Stimmen in meinem Kopf.

Wenn Sie sich den Artikel mit Ergänzungen vorlesen lassen wollen, können Sie das hier tun.

Liebe Zuschauerin,

danke für Ihren Kommentar. Danke für die Gelegenheit, dieses große Thema weiter zu vertiefen.

Und ich möchte Ihren Kommentar auf zwei Ebenen beantworten

  • Auf der psychologischen Ebene hinsichtlich des Heilungsweges
  • Auf der sprachlichen Ebene hinsichtlich erfolgreicher Kommunikation

Die psychologische Ebene

Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, wenn es um die wohlwollende innere Kommunikation geht. Das ist ein guter Weg.

Meine Erfahrung ist an ein paar Stellen eine andere. Deswegen möchte ich Ihnen einen Teil von meinem „Menschenmodell“ erzählen. Dieses Modell ist die Grundlage für meinen therapeutischen Ansatz. Dieses Modell gibt den groben Weg, die grobe Richtung der Therapie bei DIS für mich und meine Klienten vor. Das heißt, aus diesem Modell leite ich meine Interventionen ab. Es ist für mich nicht das einzige Modell, aber eben das für DIS, also eine Dissoziative Identitätsstörung.

In meinem Modell ist die Innere Welt eine Abbildung der Äußeren Welt.

Meiner Meinung nach können wir nur über „Modelle inneren Erlebens“ sprechen. Kein Mensch kann wirklich verstehen, was ein anderer Mensch in seinem Kopf oder Körper erlebt und wie es sich anfühlt. Deswegen ist es oft so schwer, Worte dafür zu finden.

In meinem Modell funktioniert die Innere Welt nach sehr ähnlichen Regeln wie die Äußere Welt. Das ist meine Annahme, um eine halbwegs gemeinsame Sprache finden zu können.

Die Grafik zeigt die groben Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Die Grafik zeigt die groben Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

In der Äußeren Welt hat jeder einen eigenen Körper. Im Fall einer DIS wird der Körper in der Inneren Welt von allen Innenpersonen geteilt.

Sowohl innen wie außen gilt in meinem Modell das Gesetz der Bundesrepublik Deutschland, dem Land, in dem wir leben.

Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch einen freien Willen hat, die gleiche Annahme mache ich für Innenpersonen. Das ist für mich die Voraussetzung dafür, jeden vollkommen ernst zu nehmen. Das ist für mich auch die Voraussetzung dafür, dass jeder vollverantwortlich für sein Verhalten und dessen Konsequenzen ist, innen wie außen.

Für alle Menschen, mit und ohne DIS, gilt folgendes:

Es gibt Prozesse, die nicht bewusst sind, Erinnerungen, die verdrängt oder weggesperrt wurden und Verhaltensweisen, die automatisiert und damit meist unbemerkt ablaufen.

Insofern gestehe ich es jedem Menschen und Inneren Anteil zu, solange nicht verantwortlich für sein Handeln zu sein, wie es ihm oder ihr nicht bewusst ist.

Also ich gestehe es jemandem zu, dass er unter Alkohol Auto fährt und erwischt wird und mit einer geringen Strafe davonkommt, weil ihm noch niemand gesagt hat, dass er ein Alkoholproblem hat. In dem Moment, wo ihm jemand diese Information gibt, hat die Person die Freiheit zu entscheiden, ob sie sich dafür interessiert oder nicht und in der Folge etwas ändert oder nicht. Unabhängig wie schwer es ist, etwas zu ändern. Von da an sehe ich diese Person grundsätzlich erstmal für alles voll verantwortlich an, was sie tut. Das ist eine Grundhaltung, die den Einzelfall nicht berücksichtigt.

Genau den gleichen Maßstab lege ich an eine Innenperson an. Das macht keine Aussage darüber, wie ich mich im Einzelfall verhalten werde, weil konkrete Situationen immer sehr vielschichtig sind und deswegen genau angeschaut werden müssen. Aber ich schaue es mir aus dieser Haltung heraus an.

In meinem Modell gibt es verschiedene innere Anteile.

Solche, die entstanden sind, weil das betroffene Kind in einer lebensfeindlichen Umgebung überleben musste, die nenne ich Teammitglieder. Dann gibt es aber auch welche, die explizit und sehr gezielt von den Tätern „hineingeschickt“ wurden, die nenne ich Groupis, also „Fans“ von den Tätern/Täterinnen. Dazu gibt es auch welche, die mir schaden wollen, die wir erstmal als die „Dunklen“ bezeichnen wollen. Sie sind besonders lästig, ohne jetzt weiter darauf eingehen zu wollen.

Verhältnis von Innerer und Äußerer Welt.

In der Äußeren Welt habe ich mit Menschen zu tun, die mir wohlgesonnen sind, Menschen, die mir gegenüber gleichgültig sind, und anderen, die mir aus irgendwelchen Gründen schaden. Es gibt die, die mir unabsichtlich schaden. Das kann im Grunde jeder sein. Aber dann gibt es auch die, die mir absichtlich schaden, die bezeichne ich als Täterinnen und Täter.

Damit es in der Äußeren Welt möglich ist, ein gesundes und gewaltfreies Leben zu leben, braucht es einen Sicherheitsbeauftragten, den nenne ich Chef oder Chefin.

Das ist in der Regel die Person, die in Therapie kommt und keine Lust mehr auf Symptome und Gewalt hat. Diese Person kommt, um zu lernen wie das gehen kann, keine Gewalt mehr zu erleben und gesund zu werden.

Das ist für mich die Sicherheitsbeauftragte.

Das ist die Person, die alles lernen will, um für Sicherheit sorgen zu können. Dazu gehört für mich der Umgang mit Erinnerungsattacken (Flashbacks), Umgang mit der Angst, aber auch Strategien und Techniken zu lernen, wie ich aus dem Kontakt mit Tätern herauskomme, um die Gewalt zu beenden oder sich bei der nächsten Drohung angemessen wehren zu können. Der oder die Sicherheitsbeauftragte muss, um für Sicherheit sorgen zu können, der Teamleiter oder die Teamleiterin sein. Man kann nur dann für die Sicherheit für alle Sorgen, wenn alle am gleichen Strang ziehen und einer weiß wie es geht.

Wie ein gutes Team funktioniert, wie Sicherheit hergestellt werden kann und welche Rolle Groupis und Teammitglieder dabei spielen, darum wird es im nächsten Artikel gehen.

Viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

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Impulse und Zitate (42)

11.06.2020 Veröffentlicht von Impulse und Zitate 0 Kommentare
Danke für das Foto an Photo by Artem Beliaikin from Pexels

Leserfrage: Was, wenn bei der Exposition wirklich etwas Schlimmes passiert? Was ist der Unterschied zwischen Exposition, Überkompensation und Hochrisikoverhalten?

04.06.2020 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Sehr geehrte Frau Rösch und Team,
herzlichen Dank für Maskenpflicht löst Panikaus! Sehr hilfreich und eingängig erklärt. Allerdings ist es bei Gegenständen, noch dazu von einem selbst angelegt, einfach. Schwieriger wird es bei Orten und ganz schwierig bei Personen. Die Trennlinie Täter/Nichttäter zieht sich ja nicht an simplen Eigenschaften wie blond/schwarzhaarig, hell-/dunkelhäutig, Mann/Frau oder deutsch/nichtdeutsch entlang. Und wenn man sich erst das reale Verhalten anschaut, kann es zu spät sein. Jemand kann aggressiv sein oder einfach nur friedlich seiner Wut Ausdruck verleihen. Auch ein ehemals Krimineller kann reuig umgekehrt sein oder eben nicht, jemand mit psychiatrischer Erkrankung kreuzgefährlich sein oder auch nicht.
An einem sozialen Brennpunkt können auch friedliche Menschen leben, die wenig Geld haben oder es nicht besser wussten.
Hintergrund meiner Frage: Was, wenn bei der Exposition wirklich etwas Schlimmes passiert? Was ist der Unterschied zwischen Exposition, Überkompensation und Hochrisikoverhalten? Im focus gab es mal einen Beitrag über Menschen, die ein Trauma mit dem Anschauen von Gewaltvideos heilen wollten, was der falsche Weg sei.
In der Woche, in der mein Therapeut mit mir eine Expo machen wollte, hat der Mann, vor dem ich „irrationale“ Ängste hatte, am Ort der Exposition jemanden ermordet (wir waren nicht da). Als mir ein weiterer Therapeut ebenfalls eine Exposition dort vorschlug, geschah just in jener Woche ein SEK-Einsatz. Als ich (nachts und allein wg. Personalmangel) dort arbeiten musste, bekam ich tatsächlich eine Morddrohung und die Polizei fragte mich, ob ich wahnsinnig sei.
Exposition brachte also keinerlei Verbesserung meiner Angst. Die Lernerfahrung „es ist vorbei“ fällt hier also weg.
Danke und freundliche Grüße

Sie können sich diesen Arikel auf YouTube von mir vorlesen lassen. Klicken Sie hier.

Liebe Leserin,

Lassen Sie mich ein paar Begrifflichkeiten definieren. Sie bilden die Grundlage dafür, wie ich Ihre Mail verstehe:

Als Täter bezeichne ich nur die Person, die gegen Sie als Betroffene gewalttätig wurde. Als eigene Gewalterfahrung beschreiben Sie eine Morddrohung. Die Person, die gedroht hat, ist Ihr Täter. Sonst niemand aus dem, was Sie hier geschildert haben.

Täter ist die Person, die Sie angegriffen und verletzt hat.

Natürlich ist mir bewusst, dass es mehr als eine Person gibt, die gewalttätig gegen andere wird oder werden kann. Aber für die Erklärungen hinsichtlich Traumareaktionen kann es nur um die persönlichen Gewalterfahrungen gehen. Traumatisierung entsteht in meinem Verständnis des Begriffs „Trauma“ durch persönliche Betroffenheit (Video: Krise vs. Trauma). Persönliche Betroffenheit entsteht auch, wenn ich unmittelbar Zeuge von Gewalt und Tod bin.

Von allen anderen Menschen wissen Sie es nicht. Sie wissen vielleicht, dass eine Person ein Gewaltpotential hat, weil Sie wissen, dass diese Person schonmal gewalttätig war. Aber das bedeutet in keinem Fall zwingend, dass diese Person auch Ihnen gegenüber gewalttätig oder in Zukunft überhaupt gewalttätig wird. Die Vorstellung, dass irgendeine Person mit Gewaltpotential Ihnen etwas tut, ist eine Sorge, also ein angstauslösender Gedanken.

Der Tatort ist der Ort der persönlichen Gewalterfahrung

Das gleiche gilt für Orte. Ein Tatort, bezogen auf eine traumatische Erfahrung, ist der Ort, an dem die Gewalterfahrung gemacht wurde. Alle anderen Orte sind für Sie als Betroffene keine Tatorte.

Natürlich bezeichnen wir allgemein und die Polizei Orte, an denen irgendjemand Gewalt erlebt hat, auch als Tatort. Aber das spielt für die persönliche Erfahrung und eine Traumatherapie keine Rolle. Die Vorstellung, dass ein Ort, an dem irgendjemand Gewalt erlebt hat, ein Tatort ist und deswegen dort Gewalt passiert, ist ebenfalls eine Sorge und kann insofern auch Angst auslösen.

Gewaltbereite Menschen sind nicht 24/7 gewalttätig

Meine Erfahrung in Bezug auf die Gefährlichkeit von Menschen ist eine andere als Ihre. Wobei Gefährlichkeit in meinem Verständnis den aktuellen Zustand einer Person beschreibt, in dem es zu gewalttätigem Verhalten kommen kann, aber nicht muss. Natürlich gibt es andere Zusammenhänge, in denen wir das Wort Gefährlichkeit benutzen. Für die Gefahr in einer konkreten Situation ist die aktuelle Gefährlichkeit einer Person ausschlaggebend für Ihre Sicherheit und damit für Ihr Sicherheitsverhalten.

In meinen Augen ist gewalttätiges Verhalten grundsätzlich erstmal gelernt. Ob jemand gewalttätiges Verhalten gelernt hat, wissen wir nur dann, wenn jemand bereits gewalttätig war. Aber auch das bedeutet nicht, dass die Person willkürlich gewalttätig also ununterbrochen gefährlich ist. In der Regel gibt es Auslöser für aggressives Verhalten: Frustration, Angst oder Erleben von Ungerechtigkeit. Dazu benötigt es in einer Situation um gewalttätig, also gefährlich zu sein, in den allermeisten Fällen einer (beobachtbaren) Stressreaktion, sprich Muskelspannung. Gewalttätiges Verhalten ist situativ und nicht so unberechenbar wie Sie es vermutlich empfinden.

Sicherheitsverhalten kann man lernen

Wer einen gefährlichen Arbeitsplatz hat, lernt in der Regel Strategien und Verhaltensweisen, um angemessen auf gefährliche Situationen reagieren zu können. Polizisten, Feuerwehrleute und Soldaten gehören dazu, aber zunehmend auch Mitarbeitende in Behörden. Gefährlich ist eine Situation, wenn unmittelbar Gefahr droht, d.h. wenn man die Gefahr wahrnehmen kann.

Der beste Schutz ist, auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Sagt das Bauchgefühl „heute nicht“ dann folgen Sie dem. Wenn es sagt „nicht da lang“ machen Sie einen Umweg. Hier eine Buchempfehlung zu diesem Thema: (Amazonpartnerlink: https://amzn.to/2yz0d8R, den Blog unterstützen).

Zum Sicherheitsverhalten gehört, dass jemand weiß, wann und wo Sie einen Ortstermin haben und wann Sie planen zurück im Büro zu sein. Dazu gehört, die Anzeichen einer Stressreaktion erkennen zu können, um eine Situation frühzeitig verlassen zu können. Eine Trillerpfeife kann hilfreich sein, um Hilfe zu holen, oder so eine Tröte wie in den Fußballstadien. Richtig laut muss es sein. Auch ein Pfefferspray kann Ihnen einen Moment verschaffen zu flüchten. Das ist immer das Ziel: Flüchten aus der gefährlichen Situation.

Wer die Waffe hat, hat die Macht.

Grenzen setzen, laut werden können, und deutliche Stopp-Signale setzen sind ebenfalls Strategien, die Sie beherrschen sollten. Werden Sie unmittelbar bedroht und der Angreifer stellt eine Forderung, tun Sie was der Angreifer will (z.B. Geld geben, weggehen, den Blick abwenden). Wenn der Angreifer etwas will, hat man die beste Überlebenschance, wenn man ihm gibt, was er will. Wenn er Ihr Leben will, dann heißt es um sein Leben kämpfen, mit allem was man hat und ohne sich zurückzuhalten. Wird der Angreifer dabei verletzt, ist das seine eigene Schuld. Er hätte nicht angreifen müssen. Das war seine Wahl und Sie haben eine Notwehr gemacht.

Der Arbeitgeber ist für Ihren Arbeitsschutz zuständig. Informieren Sie sich.

Es könnte hilfreich sein, sich in diesem Punkt von Ihrer Berufsgenossenschaft beraten zu lassen. Eine Gefährdungsanalyse (Hier eine Internetseite mit entsprechenden Informationen) ist Aufgabe des Betriebes. Weisen Sie ihren Arbeitsgeber schriftlich darauf hin, dass ihr Arbeitsplatz ein besonderes Gefährdungspotential hat und es deswegen besonderer Schutzmaßnahmen bedarf wie eben doch zu zweit unterwegs zu sein. Dann können Sie beweisen, dass Sie ihren Arbeitgeber auf die Gefährdung hingewiesen haben. Sollte es während der Arbeitszeit zu einer Bedrohungssituation mit entsprechenden psychischen Folgen kommen, handelt es sich grundsätzlich erstmal um einen Berufsunfall, für dessen Abwicklung die Berufsgenossenschaft zuständig ist, nachdem der Arbeitgeber eine Unfallmeldung gemacht hat. Psychische Symptome einem Berufsunfall zuzuordnen wird in manchen Fällen gutachterlich geklärt werden müssen.

Exposition soll Erinnerungsinhalte verändern, damit es Ihnen besser geht.

Sich den Erinnerungen aussetzen und damit beschäftigen, das bedeutet Exposition. Exposition soll Erinnerungsinhalte so verändern, dass der Fehlalarm nicht mehr ständig ausgelöst wird. Das ist die Sache mit dem Sortieren der Warnreize, die ich in dem Video Maskenpflicht geschildert habe.

Als Therapeutin prüfe ich zuerst, ob ich eine Exposition vor Ort an einem Tatort sicher durchführen kann. Das ist in meinen Augen Voraussetzung. Wenn ich das nicht sicherstellen kann, kann ich keine Exposition vor Ort machen. Ich will auf jeden Fall verhindern, dass die Exposition gestört wird. Ziel der Exposition vor Ort ist ja, dem Gehirn zu zeigen, dass der Ort selbst keine Gefährdung darstellt, also nicht per se gefährlich ist. Allerdings geht es nicht darum, dass an diesem Ort nicht zu einem anderen Zeitpunkt etwas passiert. Es geht ausschließlich darum, dass die Exposition sicher durchgeführt werden kann. In den meisten Fällen ist der Tatort an sich nicht gefährlich, weswegen man diese Sicherheit aus meiner Erfahrung in den allermeisten Fällen herstellen kann. Expositionen vor Ort mache ich nicht alleine, sondern nehme eine Praktikantin oder andere zweite Person mit. So sind wir zu dritt. Zur Sicherheit.

Exposition, Risikoverhalten, Überkompensation: Am Beispiel des Kletterns

Wenn Sie in einen Klettersteig gehen, ohne entsprechende Ausrüstung und Vorsichtsmaßnahmen, dann würde ich das als Risikoverhalten bezeichnen.

Sie werden eine gute und sichere Erfahrung machen, wenn Sie sich durch einen Mit-Bergsteiger oder einen Anleiter sichern lassen. Sind Sie eine erfahrene Bergsteigerin, werden die sowohl den Wetterbericht berücksichtigen, wie auch geeignete Ausrüstung dabeihaben. So sorgen Sie für Sicherheit bei einer durchaus gefährlichen Tätigkeit. Das ist gesundes Verhalten.

Natürlich können Sie auch doppelt und dreifach sichern, bei der kleinsten Wolke zu Hause bleiben oder viel zu viel Essen mitnehmen. Es wäre dann zwar sicher, aber die Sichererungsmaßnahmen würden nicht mehr im Verhältnis zur Gefahr stehen. Das würde man wohl als Überkompensation bezeichnen. Allerdings ist das kein Wort, dass zu meinem psychologischen Wortschatz gehört. Der Begriff wurde von Alfred Adler geprägt, einem Arzt und Psychotherapeuten mit tiefenpsychologischem Hintergrund. Also ein grundsätzlich anderes Menschenbild mit einer anderen Sprache als der von mir bevorzugten verhaltensorientierten Sichtweise.

Da ist es wieder dieses Kommunikationsproblem, dieses Thema mit der Sprache, über das ich an verschiedener Stelle schon gesprochen habe (Link: Videos-Komunikation: Warum glaubt mir keiner? / Trauma und Kommunikation: noch ein Beispiel).

Was-wäre-gewesen-wenn-Schleife

Sie schildern zwei Besuche in einem sozialen Brennpunkt, die als Exposition gedacht waren. Da ich keine näheren Informationen dazu habe, kann ich Ihnen dazu keine konkrete Antwort geben. Ich habe es so verstanden, dass Sie diese Therapietermine mit dem Mord und dem SEK-Einsatz verbinden. Das sind beides Ereignissen, von denen Sie persönlich nicht betroffen waren, wenn ich es richtig verstanden habe. Ich kann mir vorstellen, dass das erstmal sehr gruselig ist, wenn wenige Stunden oder Tage, bevor oder nachdem man irgendwo war, dort etwas Schlimmes passiert. Unser Hirn fängt dann gerne an die Was-wäre-gewesen-wenn-Schallplatte aufzulegen. Fakt ist aber: Es ist Ihnen nichts passiert. Zumindest hatte ich das so verstanden. In solchen Momenten ist es wichtig, die Was-wäre-gewesen-wenn-Schallplatte sofort wieder abzuschalten und bei den Tatsachen zu bleiben. Die Tatsache ist, dass Ihnen nichts passiert ist. Sie sind nicht betroffen, sondern sicher.

Sie sorgen sehr gut für Ihre Sicherheit

Es scheint mir, dass Sie ein gutes Bauchgefühl / eine gute Intuition haben. Denn wenn ich es richtig verstanden habe, dann hatten Sie das Gefühl, dass der Mörder gefährlich ist, bevor er getötet hat. Ich gehe davon aus, wenn Sie sich auf Ihre Intuition verlassen, werden Sie auch weiter gut für Ihre Sicherheit sorgen können. Ihr Bauchgefühl kann echte gefährliche Situationen rechtzeitig erkennen.

Ihre Schilderung von der Drohung sagt mir auch, dass Sie gut für Ihre Sicherheit sorgen. Die Morddrohung hat Ihnen Angst gemacht, aber Sie wurden nicht getötet. Das bedeutet, wie immer Sie sich verhalten haben, war sehr gut in dem Moment der Bedrohung. Sie haben gut für Ihre Sicherheit gesorgt. Anschließend haben Sie sogar Anzeige erstattet, wenn ich das richtig verstanden habe. Auch das ist der richtige Weg. Egal was ein Polizist dazu sagt.

Nur eine persönliche Erfahrung kann „vorbei“ sein

„Es ist vorbei“ bezieht sich immer nur auf die konkrete, eigene traumatische Erfahrung. Nur diese Erfahrung ist vorbei.

Zusammengefasst

Es geht wohl darum, dass Sie zusätzliches Sicherheitsverhalten lernen. Damit können Sie sich selbst wieder mehr vertrauen. Sie können gefährliche Situationen rechtzeitig erkennen und weiterhin gut für Ihre Sicherheit sorgen.

Das angstauslösende Was-wäre-wenn-Gedankenspiel oder die Was-wäre-gewesen-wenn-Schallplatte gehören beide in den Müll. Stattdessen machen Sie sich bewusst, wie kompetent Sie mit bisherigen gefährlichen Situationen umgegangen sind und dass Ihnen nichts passiert ist.

Wenn es konkrete traumatische Erfahrungen mit entsprechenden Erinnerungsattacken gibt, dann gehören diese in eine qualifizierte Traumatherapie.

Vielleicht ist folgender Text noch hilfreich, um mehr Klarheit in dieses Thema zubringen. Es geht in Ihrem Brief in meinen Augen um unterschiedliche Ebenen, die noch nicht klar sind: Was passiert in einer Traumatherapie?

Ich hoffe, diese Erklärungen helfen Ihnen weiter.

Viel Kraft für Ihren Weg

Stefanie Rösch

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Leserfrage: Was ist mit mir los? Ich höre vier verschiedene Stimmen in meinem Kopf.

12.05.2020 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo,
ich bin Frank, 25 Jahre aus Hamburg. Ich bin bereits mit einer Dissoziativen Störung diagnostiziert worden, allerdings wegen Krampfanfällen und einer Sensibilitätsstörung.
Letztens ist mir bewusst geworden, dass ich Stimmen höre und das schon seit Jahren. Ich dachte immer, das wäre ganz normal aber anscheinend nicht. Es handelt sich um vier verschiedene „Stimmen“, die nicht nur reden, sondern auch mein Handeln beeinflussen können, wenn ich stark dissoziiere.
Mein Psychiater kann mir leider nicht mehr weiterhelfen und sagen, was das genau ist, deswegen wende ich mich mal an diese Stelle.
Ich möchte endlich wissen, was das ist :/
Schöne Grüße Frank

Lieber Frank,
können Sie mir noch ein bisschen erzählen, was diese vier Stimmen machen, wenn sie Ihr Handeln beeinflussen? Wie merken Sie das, dass die das machen?
Danke für ihren Mut, mir zu schreiben. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.
Herzliche Grüße Stefanie Rösch

Hallo Frau Rösch,
es ist unterschiedlich. Ich höre die Stimmen eigentlich immer in mir und fühle auch, dass sie da sind, auch wenn sie nichts sagen.
Meistens ist es so, dass eine Stimme in den Vordergrund rutscht und quasi das komplette Handeln von mir übernimmt und ich währenddessen wie im Film zugucken muss. Manchmal ist es auch so extrem, dass ich keine Erinnerung mehr daran habe was passiert ist und ich von der stimme komplett weggeschoben wurde.
Ich habe mehrere Stimmen die unterschiedlich agieren und sich verhalten. Die meisten hören auch auf meinen Namen. Aber es gibt halt auch eine „aggressive Stimme“ die mir Bilder und Gedanken in den Kopf setzt, die für mich sehr unangenehm sind. Meistens kurz vor Flashbacks oder danach.
Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter aber es ist wirklich sehr unangenehm mit einer fremden Person darüber zu reden. Aber ich weiß halt nicht mehr was ich tun soll.
Schöne Grüße Frank

Wenn Sie sich den Artikel von mir vorlesen lassen wollen, klicken Sie auf das Bild.

Sie haben einen gesunden Weg gewählt, als Sie mir geschrieben haben.

Lieber Frank,

es ist sehr mutig, dass Sie mir davon erzählen. Bleiben Sie da dran. Suchen Sie sich eine Person, die das kennt. Es gibt Therapeuten, die Ihnen da weiterhelfen können. Sie brauchen dafür einen Psychologischen Psychotherapeuten, der sich mit Traumafolgestörungen auskennt. Finden können Sie so jemanden über eine der Möglichkeiten, die ich auf meiner Internetseite zusammengestellt habe.

Es gibt noch mehr Menschen, die Stimmen in ihrem Kopf haben und es wahrscheinlich ähnlich empfinden wie Sie. Ich glaube sofort, dass es unangenehm ist, mit einer fremden Person darüber zu reden. Oft hat zumindest ein Teil der Stimmen etwas dagegen und bewirkt dann, dass es sich schlecht anfühlt darüber zu reden. Vielleicht versucht die Stimme Ihnen sogar Angst zu machen, wenn Sie mit jemandem darüber reden wollen. Lassen Sie sich nicht einschüchtern! Sie haben einen gesunden Weg gewählt, als Sie mir geschrieben haben.

Hausbesetzer wissen, dass es verboten ist, Häuser zu besetzen

Wenn andere Betroffene mir davon erzählt haben, dann hörte es sich für mich immer ein bisschen wie Hausbesetzer an. Die Hausbesetzer wollen nicht, dass man über sie spricht, weil sie wissen, dass es verboten ist, Häuser zu besetzen. Aber es ist ja Ihr Haus, das besetzt wurde. Warum sollten Sie also nicht darüber reden? Schließlich ist es Ihr Kopf und ist Ihr Körper, in dem die anderen Stimmen sich eingenistet haben. Zumindest diejenigen, die nicht wollen, dass Sie mit jemandem darüber reden.

Für mich sind Sie der Chef, der Hausbesitzer. Die Person, die das Hausrecht hat, weil ihr das Haus gehört. Es ist Ihr Körper. Aber irgendwie ist es den Hausbesetzern gelungen, bei Ihnen einzubrechen und sich Ihrem Körper/ Kopf/ Haus einzunisten. Wenn das in der Außenwelt passieren würde, würden Sie wohl die Polizei holen, oder? Wenn da einfach jemand Ihr Haus besetzt hält und auch noch so rumpöbelt, dass Sie sich in ihrem eigenen Haus nicht mehr wohl fühlen?

Allerdings braucht es viel Mut, sich mit diesen Hausbesetzern auseinander zu setzen. Im Kopf ist das noch schwieriger, weil die Hausbesetzer, also diese Stimmen ziemlich unangenehm werden können. Das wissen Sie vielleicht.

Dissoziative Identitätsstörung könnte die Erklärung sein

Als Traumatherapeutin fällt mir bei Ihren Schilderungen zuerst die Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) ein. Eine kompetente Kollegin oder ein kompetenter Kollege kann mit Ihnen zusammen herausfinden, ob meine Vermutung stimmt oder auch nicht.

Dissoziative Identitätsstörung hört sich vielleicht erstmal krass an. Aber wenn man die Ursache kennt, also wenn man weiß, was es ist, kann man was dagegen tun. Das ist die gute Nachricht. Es gibt Hilfe. Es gibt Unterstützung. Es gibt Heilung.

Was mich zu dieser Vermutung bringt sind folgende Punkte, die Sie genannt haben: Bereits diagnostizierte, dissoziative Beschwerden / Stimmen, die ein Eigenleben führen / das Phänomen wie aus der zweiten Reihe oder in einem Film zuzuschauen / zweitweise völliger Erinnerungsverlust / der Eindruck „komplett weggeschoben“ zu werden / dass es unangenehm ist, mit einer fremden Person darüber zu reden / Flashbacks sind der Hinweis auf traumatische Erfahrungen, welche die häufigste Ursache für eine DIS ist.

Die gute Nachricht ist, dass es Hilfe gibt

Insofern ist die gute Nachricht: es gibt sicher eine nachvollziehbare Erklärung für Ihre Stimmen und damit auch die Möglichkeit, Ihnen zu helfen, sich gegen diese Stimmen durchzusetzen, damit Sie wieder selbst über Ihr Leben/ Haus/ Ihren Körper bestimmen können.

Die nicht ganz so gute Nachricht ist, dass es meistens sehr anstrengend ist, Psychotherapie zu machen. Wenn man es auf der untersten, körperlichen Ebene anschaut, wollen Sie in einer Psychotherapie Veränderungen im Gehirn vornehmen. Ich spreche davon, neue Nervenzellen aufzubauen und andere nicht mehr zu benutzen, wodurch sie dann abgebaut werden. Wie bei einem Muskel, den man trainiert. Das ist körperlich anstrengend. Aber wenn Sie dranbleiben, und sich da durchbeißen und fleißig trainieren, wird es sich großartig anfühlen.

So eine Sanierung (Psychotherapie) ist anstrengend

Wenn meine Vermutung stimmt, dann werden Sie den Großteil ihres Hauses (Gehirns) sanieren wollen. Die Hausbesetzer (Stimmen) sind schon länger da und haben sich sehr breit gemacht, deswegen können die auch einfach an die Türe gehen und Sie in einem Zimmer einsperren, so dass Sie gar nichts mitbekommen. Sie werden entscheiden, welche Einrichtungsgegenstände (Verhaltensweisen, Denkmuster, Stimmen, Handlungen) Sie behalten wollen, welche Sie in ein anderes Zimmer stellen und welche Sie entsorgen wollen. So eine Entrümpelung ist anstrengend. Aber wenn Sie nach der Sanierung ihr nach frischer Farbe riechendes Haus mit den hellen, freundlichen Zimmern betreten, in denen Sie sich sicher, wohl und zuhause fühlen, dann werden Sie wissen, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.

Die Arbeit in der Therapie wird darin bestehen, sich immer wieder mit der Angst auseinanderzusetzen und diese Angst Tag für Tag, Situation für Situation, Erinnerung für Erinnerung zu besiegen. Ich bin davon überzeugt, dass Sie das schaffen werden.

Insofern wünsche ich Ihnen viel Kraft für Ihren Weg und viel Mut alle Führungsaufgaben zu übernehmen, die jetzt anstehen in Ihrem inneren Haus, sprich Kopf.

Herzliche Grüße, Ihre Stefanie Rösch

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Leserfrage: Maskenpflicht ist Maskenzwang! Ihr Beitrag geht an der Realität vorbei.

10.05.2020 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Sehr geehrte Frau Rösch,
über Ihren Ratschlag zum Themenkomplex Maskenpflicht und Trauma (Link zum Video / oder zum Blogbeitrag) bzw. Retraumatisierung bin ich, gelindes gesagt, enttäuscht und entsetzt.
Sie verkennen zwei grundlegende Dinge, wenn Sie empfehlen, sich klar zu machen, dass es sich nicht um eine Wiederholung der bedrohlichen Situation aus der Vergangenheit handelt, weil das Tragen der Maske freiwillig sei und man sie jederzeit absetzen könne.
Falsch I: Maskenpflicht bedeutet Maskenzwang und ist damit das Gegenteil von Freiwilligkeit.
Falsch II: Haben Sie schon mal versucht, die Maske im Supermarkt abzuziehen? Viel Spaß!
Ihr Ratschlag geht an der Realität vorbei und ist KEINE Hilfe für Betroffene! Ich bitte Sie sehr, ihn noch einmal zu überdenken und zu überarbeiten.
Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen zur Gesundheit

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen, können Sie das im YouTubeKanalhttps://youtu.be/0ZGpbmGPSig tun. Klicken Sie einfach auf das Bild.

Sehr geehrte Leserin,

die beschriebene Methode setzt auf der Ebene der Erinnerungsattacke an. Nur da kann sie wirken.

Sie befinden sich mit Ihren Einwänden auf der Ebene einer Selbst- und Weltbild-Diskussion. Da kann die Methode nicht wirken, denn dafür ist sie nicht gedacht.

Die beschriebene Methode

Meine Erfahrung mit dieser Methode Warnreize zu reduzieren sind durchgängig positiv. Insofern gibt es Betroffene, für die diese Methode so wie ich sie geschildert habe, funktioniert. Ich habe darauf hingewiesen, dass es nicht für alle funktioniert und auch keine Therapie ersetzt. Deswegen sehe ich keinen Grund den Beitrag zu ändern.

Ich persönlich entscheide, ob ich die Maske aufsetze. Niemand drückt sie mir ins Gesicht. Es ist genau dieser Unterschied, auf den es ankommt, wenn es um die Angst geht.

Maskenpflicht bedeutet Maskenzwang.

Ich fühle mich durch die Maskenpflicht nicht gezwungen. Alleine dadurch ist Ihre Aussage nicht allgemein gültig. Ich kenne genügend Leute, welche die Maskenpflicht nicht angenehm finden, aber auch nicht als Zwang. Ich höre natürlich, dass Sie sich dadurch gezwungen fühlen. Ich vermute, dass Sie auch noch ein paar Menschen kennen, welche die Maskenpflicht als Zwang empfinden.

Wir haben eine unterschiedliche Sicht auf die Welt.

Auch wenn es eine Maskenpflicht gibt, halte ich mich freiwillig daran. Es gibt Regeln und Gesetze. Durch Gesetze fühle ich mich auch nicht gezwungen, aber natürlich könnte ich das. Ich kann es als sinnvoll/notwendig sehen, dass es für das Zusammenleben in einer Gesellschaft oder in Beziehungen ganz allgemein bestimmte Regeln gibt. Ich finde nicht immer alle Regeln und Gesetze sinnvoll, aber mir ist bewusst, dass es auf einer gesellschaftlichen Ebene nicht ohne Regeln geht.

Aus diesem Grund werde ich in Supermärkten oder im Bus auch zurecht angesprochen, wenn ich keine Maske trage. So funktioniert Gesellschaft. Andere Dinge muss ich auch steuern und kann sie nicht machen, wie es mir beliebt. Wenn ich unbekleidet in den Supermarkt gehen würde, würde ich wohl auch angesprochen werden, oder wenn ich im Supermarkt eine Zigarette anzünde.

Eine neue Regel ist das Tragen von Masken. Maske tragen ist unangenehm. Keine Frage. Aber es muss eben keine Angst machen. Ob ich es als Zwang oder gesellschaftliche Notwendigkeit sehe, ist meine Freiheit. Ich entscheide, womit es mir besser geht: Das mit der Maske als Zwang zu sehen oder als notwendiges Übel.

Inwieweit die Mitarbeiter im Laden das Ansprechen freundlich durchführen können oder aus irgendwelchen Gründen genervt oder patzig sind, und wie ich damit umgehe, ist ebenfalls eine Selbst- und Weltbild-Frage für mich. Das Verhalten der Mitarbeiter kann ich nicht ändern. Wie ich das Verhalten wahrnehme, bewerte und wie ich darauf reagiere kann ich entscheiden und steuern.

Es ist ungerecht und tragisch, aber zu ändern.

Dass jemanden traumatisiert ist und deswegen ein Problem mit der Maskenpflicht hat, ist tragisch. Es ist ungerecht. Aber nur dann zu ändern, wenn derjenige Verantwortung dafür übernimmt, dass er diese Schwierigkeiten hat und einen Weg findet, damit umzugehen. Betroffene sind an dieser Stelle sehr erfinderisch. Das wissen Sie, wenn Sie selbst betroffen sein sollten oder aber mit Betroffenen arbeiten. Zur Zeit gibt es so viele Möglichkeiten, für sich einkaufen zu lassen, sich Nahrungsmittel schicken zu lassen und manche Supermärkte bieten es an, ihnen Ihren Einkauf zusammenzustellen, so dass Sie nur noch abholen müssen. Man hat durchaus Möglichkeiten, der Maskenpflicht und damit der Auseinandersetzung mit der Angst zu entgehen.

Es gibt Entscheidungsfreiheit.

Die Frage ist, ob ich den Zwang oder die Freiheit sehe (Weltbildfrage). Aus meiner Erfahrung sehen traumatisierte Menschen vor allem den Zwang und nicht ihre Handlungsfreiheit. Vor allem wenn sie über einen längeren Zeitraum wiederholt Gewalt erlebt haben, neigen sie dazu, keine Verantwortung mehr für ihre Beschwerden und ihr Überleben zu übernehmen. Nicht weil sie es nicht könnten oder wollen würden, sondern weil man es ihnen ein Leben lang verboten und gewaltsam abtrainiert hat. Sie durften es nicht lernen. Dazu gehört auch die Tendenz, sich in Schuldzuweisungen zu verlieren anstatt sich auf die Zukunft und die Veränderung zu konzentrieren. Auch das keine freie Entscheidung, sondern eine Überlebensnotwendigkeit.

Meine Aufgabe als Therapeutin sehe ich darin, so vielen Betroffenen wie möglich, möglichst viel persönliche Freiheit zu ermöglichen. Deswegen kann ich Methoden vorschlagen und Erklärungen liefern. Für den einen sind diese Vorgehensweisen hilfreich, für den anderen nicht. Wir sind einzigartig. Ich kann nur meine Perspektive und meine Berufserfahrung zur Verfügung stellen. Das ist sicher nicht für alle der passende Weg. Traurig aber wahr.

Ich sehe das so:

Wir haben nur dieses Leben und jeder hat in meinen Augen das Recht darauf, seinen freien Willen in Anspruch zu nehmen. Mit Freiheit kommt auch Verantwortung. Die beiden gehen Hand in Hand. Deswegen gehört in meinen Augen dazu, Verantwortung für mein Denken, Fühlen und Handeln zu übernehmen. Wenn ich entscheide, zu dieser Gesellschaft dazugehören zu wollen, dann muss ich auch die Regeln akzeptieren oder damit rechnen, dass diese Gesellschaft auf einen Regelbruch reagiert. Wenn ich zwar in dieser Gesellschaft leben will, alle Vorteile haben will, aber nicht bereit bin meinen Teil der Verantwortung zu übernehmen, muss ich auch damit rechnen, dass die Gesellschaft früher oder später darauf reagieren wird. Wenn ich hier nicht leben will, dann wird es Zeit auszuwandern.

Das mag Ihnen, liebe Leserin, unangemessen hart vorkommen. In meinen Augen ist das der einzige Weg und die einzige Haltung zu größtmöglicher persönlicher Freiheit für möglichst viele Menschen. Absolute Freiheit (ich mache, was ich will und wie es mir gefällt ohne Rücksicht auf andere) ist in unserer heutigen Gesellschaft nicht möglich.

Dabei ist mir sehr bewusst, dass wir keinen Einfluss darauf haben, in welche Welt oder in welches Land wir hineingeboren werden. Das wird uns tatsächlich aufgezwungen.

Aber danach besteht zunehmend Freiheit.

Freiheit ist möglich. Sie kommt nicht von alleine, sondern wir sind aufgefordert, sie zu erobern, zu erkunden und festzustellen, was alles dazu gehört (Weltbild und Selbstbild).

Insofern kann es für alle die glauben, dass Maskenpflicht gleich Maskenzwang ist hilfreich sein über ihr Selbst- und Weltbild nachzudenken. Das Ziel ist immer, sich zu überlegen, ob es mir guttut, mich über Dinge, die ich nicht ändern kann, aufzuregen. Ich kann entscheiden, ob ich das tun möchte. Oder eben nicht. Stattdessen konzentriere ich mich auf das, was ich ändern oder beeinflussen kann.

Die Maskenpflicht kann ich nicht beeinflussen, meine Angst schon.

Viele Dank für Ihre Gedanken und den Mut sie mitzuteilen.

Ihre Stefanie Rösch

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Leserfrage: Immer, wenn ich wütend bin, bekomme ich Kopfschmerzen, was kann ich tun?

07.05.2020 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Liebe Frau Rösch,

schon seit einiger Zeit trage ich die Frage mit mir herum, ob Sie vielleicht etwas zum Umgang mit Wut schreiben könnten.
Ich kämpfe sehr mit angestauten Gefühlen, die durch ein Trauma ausgelöst wurden. Wenn ich mich heute ohnmächtig fühle, puscht das mit einem Mal die Gefühle hoch. Wenn ich eine Situation nicht ändern kann, fühle ich mich ohnmächtig und ausgeliefert. Es spielt keine Rolle in welcher Hinsicht ich mich ohnmächtig fühle. Ich gerate so sehr in innere Not, dass ich das Gefühl habe, dass Wut, Hass und Aggression sich überschlagen.
Diese Gefühle kommen selten zum Ausdruck. Die Migräne ist mein einziges Ventil, diesen Druck wieder abzubauen. Darunter leide ich so sehr, dass ich gerne einen anderen Weg finden würde.
Einerseits versuche ich mich für etwas einzusetzen, wenn ich erkenne, dass mir etwas zusteht oder ich im Recht bin. Das ist nicht leicht, weil ich das bisher nie getan habe. Dadurch, dass ich mich mit dem Thema beschäftige und es nicht sofort wegdrücke, verstärkt sich der Druck noch.
Andererseits habe ich versucht, der Wut einen Ausdruck zu geben. Da es mir nicht möglich ist, zu schreien oder irgendwie laut und ausdrucksstark zu werden, habe ich es zumindest einmal im Geiste versucht. Aber selbst das hat eine heftige Migräne zur Folge. Es gibt also keine Veränderung, wenn ich versuche mit der Wut irgendeinen Umgang zu finden. Im Gegenteil habe ich das Gefühl, dass mein Kopf zu zerspringen droht.
Es hilft dann nur, mich völlig von dem Thema zu distanzieren und meditativ für Ruhe zu sorgen. Aber ich fühle mich wie eine tickende Zeitbombe, die jederzeit wieder angestoßen werden kann und dann geht die Spirale von vorne los.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir dafür einen Rat geben könnten.

Photo by Tobi from Pexels

Wut ist unsere erste Reaktion auf eine Bedrohung

Wenn wir eine Bedrohung wahrnehmen, löst unser Limbisches System Alarm aus und stellt über die Stressreaktion Handlungsbereitschaft her. Wut ist die gesunde Reaktion auf Bedrohung. Es ist unsere erste Reaktion auf Bedrohung.

Haben wir noch Handlungsstrategien, spüren wir Wut, nähern uns der Gefahr und „kämpfen“. Diese Handlungsmöglichkeiten bezeichne ich als Kampfstrategien. Man würde diese Strategien wohl auch als Beeinflussungsstrategien bezeichnen oder als „sich wehren“.

Aber als Kind ist alles anders

Wenn man nun als Kind in eine Situation kommt, in der man sich bedroht fühlt, und der Angreifer ein Erwachsener ist, hat man keine Chance. Vielleicht schreit man oder strampelt, aber ein Kind ist immer schwächer als ein Erwachsener.

Der Erwachsene wird mit seinem Verhalten dafür sorgen, dass das Kind sich nicht wehren kann. Wenn das nicht geht und die Bedrohung fortdauert, wird das Kind Angst bekommen und flüchten wollen. Aber auch das geht nicht. Und so ist es der Gewalt des Erwachsenen ausgeliefert. Bekommt Todesangst, fühlt sich ohnmächtig und dann schaltet das Gehirn um in die Notabschaltung. Das Kind kommt in einen von drei Zuständen. Entweder es reagiert panisch, schreit und weint bis zur Bewusstlosigkeit, oder kommt in die Schreckstarre und kann sich nicht mehr rühren. Im dritten Zustand werden alle Gefühle abgeschaltet. Als Erwachsener kann einem dann noch etwas einfallen, was einem hilft. Als Kind geht das nicht, weil es keine funktionierende Strategie gibt.

Wiederholung kann zu Kopfschmerzen führen

Wenn die Gewalt sich wiederholt, kommt der Körper immer wieder in einen Ausnahmezustand, der mit großer Muskelspannung einhergeht. Außerdem ist es eine häufige Strategie, Gefühle durch Anspannung zu unterdrücken. Kopfschmerzen können eine Folge sein. Wenn der Körper aufgrund wiederkehrender Gewalterfahrungen in einem Zustand von Alarmbereitschaft bleibt und Wut immer wieder unterdrückt wird kann es zu dauerhafter Anspannung kommen und damit ist es vorstellbar, dass vermehrt Kopfschmerzen oder auch Migräne auftreten.

Wenn die Migräne dazu führt, dass das Kind hin und wieder keine Gewalt erfährt, dann kann es sein, dass das Hirn lernt, dass Kopfschmerzen ein Schutz sind. Es würde reichen, wenn das Gehirn diesen Zusammenhang herstellt, auch wenn er nicht durch das Verhalten des Angreifers begründet ist.

Wie Wut und Kopfschmerz zusammenkommen

Wenn Wut Gefahr anzeigt, Kopfschmerzen aber Schutz, dann kann es sein, dass das Hirn diese Verbindung zusammenbringt und auf Wut mit Kopfschmerzen reagiert. Das Risiko für Kopfschmerzen und Migräne steigt, wenn Wut immer wieder unterdrückt wird und damit die Spannung im Körper hoch ist.

Folgende Dinge gilt es zu lernen, wenn man dieses Entstehungsmodell voraussetzt: Wut ist eine gesunde, gute und wünschenswerte Reaktion auf Bedrohung. Es gibt keinen Grund Wut zu unterdrücken. Wut in Verbindung mit geeigneten Verhaltensweisen stellt einen guten Schutz vor Gewalt dar. Kopfschmerzen sind kein Schutz vor Gewalt.

Wenn die Wiederholungen oft genug stattgefunden haben, dann ist der Kreislauf und jede Reaktion sehr gut gelernt und läuft entsprechend automatisch ab. Das macht es schwer, diese Verbindung wieder zu trennen.

Sie können es lernen

Liebe Leserin,

Nachdem Sie geschildert haben, dass Sie schon Kopfschmerzen bekommen, wenn Sie sich nur vorstellen sich zu wehren, würde ich Ihnen empfehlen mal mit folgenden Gedanken anzufangen: „Ich bin erwachsen. Ich bin wertvoll. Ich darf mich wehren. Ich brauche keine Kopfschmerzen mehr zu meinem Schutz. Ich kann andere Strategien lernen.“

Schreiben Sie sich das ab und hängen es irgendwo auf. Lesen Sie es immer wieder und denken darüber nach. Suchen Sie Argumente dafür, warum das die Wahrheit für Sie ist. Das ist ein Anfang. Ganz sanft sich die Erlaubnis geben, diese positiven und gesunden Gedanken zu denken und davon zutiefst überzeugt zu sein. Was das mit einer Traumatherapie zu tun hat, können Sie hier weiterlesen.

Außerdem mache ich Ihnen Mut, weiter alle Strategien zu üben, die für Sie funktionieren, also zum Beispiel Meditation und alles, was Ihnen hilft wieder zur Ruhe zu kommen.

Wenn Sie in Gefahr sind, bringen Sie sich in Sicherheit

Ich gehe davon aus, dass es in Ihrem Leben in der Gegenwart keine lebensbedrohlichen Situationen mehr gibt. Wenn doch, dann lassen Sie sich bitte von einem Rechtanwalt oder in einer Beratungsstelle beraten und schalten ggf die Polizei ein, um sich zuerst in Sicherheit zu bringen.

Was es so schwierig macht ist, dass Ihr Gehirn gegenwärtige Situationen mit der Vergangenheit verwechselt (hier wird Verwechslung ausführlich erklärt). Wenn es in der Gegenwart keine Gewalt mehr gibt, dann gibt es keine Lebensbedrohung mehr, sondern nur noch Situationen, für die es hilfreiche Strategien und Denkweisen gibt, die Sie lernen können.

Das geht nur, indem man sich eine Situation nach der anderen anschaut. Insofern, fangen Sie mit den gesunden Gedanken an.

Viel Erfolg damit und viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

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Maskenpflicht löst Panik aus? Was wenn das von einem Trauma kommt?

27.04.2020 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Für die meisten Menschen ist es fremd, eine Maske oder Gesichtsbedeckung im Alltag zu tragen. Natürlich gibt es viele Berufe, in denen die Bedeckung des Gesichts zum Schutz eine alltägliche Maßnahme ist. Dass diese Menschen ihrem Job Tag für Tag nachgehen können zeigt in meinen Augen, dass Menschen sich grundsätzlich daran gewöhnen können, eine Maske zu tragen. Es zeigt mir auch, dass es nicht unbedingt die erste Reaktion ist, deswegen Angst zu bekommen.

Wenn ich in diesen Tagen selbst so ein Ding aufsetze, dann finde ich es unangenehm. Ja, das Atmen ist behindert und warme Luft einzuatmen finde ich nicht schön. Aber es macht mir keine Angst und ich weiß, dass ich genügend Sauerstoff bekomme, um einkaufen zu gehen oder 20 Minuten mit einem Bus zu fahren.

Allerdings kann ich sehr gut nachvollziehen, dass es Lebensumstände gibt, die dazu führen, dass das Aufsetzen einer Maske Angst auslöst.

Hier geht es zum Video für diesen Beitrag.

Lassen wir mal Lungenerkrankungen weg und konzentrieren uns ausschließlich auf psychologische Ursachen. Unter der Annahme, dass diese Angst durch eine Traumareaktion ausgelöst wird, würde mir das folgendes sagen.

Traumareaktionen sind spezifisch.

Das heißt, wenn ich Angst bekomme, weil etwas meinen Mund und Nase bedeckt, dann verwechselt das Gehirn die Situation mit etwas sehr Ähnlichem. Was mir natürlich sofort dazu einfällt ist eine Hand, die den Mund zuhält, damit jemand nicht um Hilfe rufen kann. Oder ein Klebeband, dass zum gleichen Zweck missbraucht wird.

Wenn Sie so etwas oder etwas ähnliches erlebt haben, wodurch ihre Atmung unter Androhung von Gewalt behindert wurde, und jetzt Angst haben, wenn Sie eine Maske aufsetzen sollen, dann besteht eine gute Chance, dass ihr Gehirn die Maske mit der Vergangenheit verwechselt. Ihr Gehirn sagt Ihnen: „Hey, Vorsicht, jetzt passiert gleich wieder was Schlimmes.“

Das nennt man Flashback, Erinnerungsattacke oder Fehlalarm.

Flashback ist der psychologische Fachbegriff. Erinnerungsattacke nenne ich es, weil es sich so anfühlt, wie eine Angstattacke oder eine Panikattacke, aber eben im Zusammenhang mit einer Erinnerung. Und Fehlalarm ist die Funktion, die diese Reaktion hat. Ihr Hirn versucht Sie vor einer bevorstehenden Gefahr zu warnen (Alarm), die es nicht gibt (Fehlalarm). Flashbacks sind ein Symptom, eine Beschwerde der Posttraumatischen Belastungsstörung (der Link bringt Sie zu Teil 1 meiner Artikelreihe zu diesem Thema).

Da es sich in diesem Beispiel ja nur um eine Maske handelt, die Sie auch noch selber aufgesetzt haben, wird nichts Schlimmes passieren. Deswegen werden Sie eine korrigierende Erfahrung machen, wenn Sie ihrem Hirn diesen Unterschied beibringen. Den Unterschied zwischen der Erinnerung und der Gegenwart. Den Unterschied zwischen einer gegenwärtigen Erfahrung und einer Verwechslung mit der Vergangenheit.

Der erste Schritt ist, die Erklärung in diesem Artikel und diesen Zusammenhang zu verstehen.

Die empfundene Angst gehört zu einer Erinnerung und ist jetzt Ausdruck einer Warnung.

Der Warnung, dass gleich etwas Schlimmes passieren wird. Aber das wird nicht geschehen, weil Sie selbst die Situation kontrollieren. Sie setzen die Maske auf und Sie können Sie auch wieder absetzen. Sie haben volle Kontrolle über die Situation.

Das war in der Vergangenheit nicht so. Was auch immer geschehen ist, hat Ihnen Angst gemacht, weil Sie keine Möglichkeit hatten, die Situation zu verlassen oder anders für Sicherheit zu sorgen. Das ist der Unterschied zu heute. Deswegen will ihr Hirn Sie jetzt warnen und löst einen Alarm aus. Aber weil Sie alle Kontrolle über die Gegenwart haben, über das, was Sie tun und nicht tun mit der Maske, deswegen ist es ein Fehlalarm.

Und was Sie tun wollen, um die Angst im Zusammenhang mit der Maske zu besiegen ist Ihrem Hirn zu sagen, dass es einen Fehlalarm macht und dass Sie in Sicherheit sind. Sagen Sie sich das immer wieder: „Ich entscheide, die Maske aufzusetzen und abzusetzen. Ich bin in Sicherheit. Es wird mir nichts geschehen.“

Üben Sie das ein wenig zu Hause, bis es leichter wird. Dann können Sie es draußen üben. Und haben Sie immer im Kopf „Liebes Hirn, das ist ein Fehlalarm. Ich entscheide über die Maske. Niemand tut mir etwas.“ Und wenn Sie es konkreter machen können: „Niemand hält mir den Mund zu, niemand klebt mir den Mund zu, ich bekomme genug Sauerstoff und ich kann frei atmen.“ Je konkreter Sie die Gegenwart von der Vergangenheit unterscheiden können, desto besser wird es funktionieren.

Das Hirn wird lernen, dass die Empfindung, dass etwas Mund und Nase bedeckt, kein Warnreiz ist, der zuverlässig Gefahr vorhersagt.

Der zuverlässigste Warnreiz ist der Täter selbst. Nur er ist gefährlich. Alle anderen Reize sind in den meisten Fällen keine guten Warnreize, sondern sorgen für all die vielen Fehlalarme, die das Leben so unangenehm machen und weswegen Sie versuchen, diesen Reizen aus dem Weg zu gehen. Was wiederum dazu führt, dass Sie sich nicht frei bewegen können. Indem Sie ihrem Hirn den Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart beibringen, können Sie ihre Freiheit zurückerobern.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen diese Erklärung und die Strategie dazu, die Maskenpflicht leichter macht. Üben Sie. Wenn die Ursache Ihrer Angst etwas mit einer Lebenserfahrung zu tun hat, dann wird es mit dieser Technik besser werden.

Viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

Krisen bewältigen: Vergangenes akzeptieren, um Kraft für die Gegenwart zu haben

22.04.2020 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Sie alle kennen den Spruch oder das Gebet:

Gott gebe mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Dinge hinzunehmen (zu akzeptieren), die ich nicht ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Etwas zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann, ist in meinen Augen eine der Lebenseinstellungen, die unglaublich viel Energie freihält, wenn man sie lebt.

Wenn es Ihnen gelingt, bei allem, was Vergangenheit ist zu sagen: „Es ist vorbei. Und jetzt?“, dann wäre alle Lebensenergie dafür frei, sich mit der Gestaltung der Zukunft zu beschäftigen.

Leider spielt die Vergangenheit eine wichtige Rolle für die Bewältigung der Gegenwart und Zukunft. Wir lernen aus der Vergangenheit und bewältigen mit dem Gelernten die Gegenwart und Zukunft. „Leider“ schreibe ich deswegen, weil der dazugehörige psychologische Mechanismus auch schnell gefangen nimmt und wir dann nur noch im Autopiloten leben.

Als Autopiloten bezeichne ich den Teil unserer psychologischen Funktionen, der automatisch abläuft und keine willentliche Kontrolle benötigt.

Dazu gehören Gewohnheiten, viele motorische Abläufe, Reizbewertungen, die in Vorurteilen und Stereotypen enden, und viele Verhaltensweisen, die wir als psychische Störung bezeichnen, also Bewältigungsstrategien für das Leben, die uns krank werden lassen.

Wenn ich in der Lage wäre, Erlebtes zu akzeptieren, es zu analysieren, etwas daraus zu lernen und mich dann der Zukunft zuzuwenden, wäre die Welt und mein Leben in Ordnung. Ich würde meinen freien Willen in Anspruch nehmen und könnte ein erfülltes Leben leben. Der Mechanismus wäre optimal genutzt. Dafür ist Akzeptanz in meinen Augen die Voraussetzung.

Leider – gibt es in unserem Gehirn aber ein paar Schleifen und Mechanismen, die dazu führen, dass wir – sagen wir – in der Vergangenheit „hängen“ bleiben und uns dort im Kreis drehen.

Traumareaktionen scheinen mit so einem Mechanismus zusammen zu hängen.

Das tun sie da, wo wir uns an der Schuldfrage festbeißen. Solange man in „hätte ich doch, …“ oder „wäre es so oder so gewesen, dann ….“ Ergibt man sich diesem Mechanismus und bleibt gefangen in der Vergangenheit.

In dem Moment, wo es uns gelingt zu sagen: „Das ist passiert. Das ist jetzt die neue Situation. Wie gehe ich mit dieser neuen Situation um?“ treten wir aus der Vergangenheit in eine veränderte Gegenwart und Zukunft. Das ist der Augenblick, in dem man seine Freiheit wieder in Anspruch nimmt und für sich nutzt.

Aktuell bedeutet das: Ich kann nicht ändern, dass es Beschränkungen gibt. Ich kann nicht ändern, dass ich keinen Job habe. Ich kann nicht ändern, dass ich diese oder jene Krankheit habe. Ich kann nicht ändern, dass mir das eine oder andere zugestoßen ist oder angetan wurde.

ABER: Ich entscheide, was ich jetzt tue.

Ich akzeptiere die Vergangenheit, das entstandene Leid. Ich würdige den Schmerz und die ausgestandene Angst. Ich drücke meine Wut aus und lasse mich trösten und dann wende ich mich wieder der Gegenwart und der Zukunft zu.

Was will ich JETZT tun? In den nächsten fünf Minuten, in der nächsten Stunde, an diesem heutigen Tag? In Krisen sind manchmal Sekunden und Minuten die wichtigste Zeiteinheit. Ich denke da an Suizidale Krisen. Ich denke an Gewalterfahrungen.

Dann kommen irgendwann die Stunden und dann der nächste Tag. Krisen bewältigen wir einen Tag nach dem anderen. Das wird uns gut gelingen, wenn wir akzeptieren, dass es Dinge gibt, allen voran die Vergangenheit, die wir nicht ändern können.

Deswegen:

Gott gebe mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Dinge hinzunehmen (zu akzeptieren), die ich nicht ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Viel Kraft für Ihren Weg

Ihre Stefanie Rösch

Kommunikation und Trauma: Missverständnisse: Eine Ergänzung zum Video: Warum glaubt mir keiner?

20.04.2020 Veröffentlicht von Kommunikation, Videoinhalte 0 Kommentare

Im letzten Video habe ich über Missverständnisse gesprochen, darüber was es zu bedeuten hat, wenn Betroffene den Eindruck haben, dass man ihnen nicht glaubt. Hier geht es zum letzten Video.

Und hier geht es zum aktuellen Video.

Hier noch ein weiteres Beispiel aus meiner Praxis. Natürlich freue ich mich, wenn die Menschen, die ich begleite, sich mit kleinen Gaben bedanken. Aber einmal ging das so richtig schief, einfach nur aufgrund von Gewalterfahrungen und wie sie das Denken von Betroffenen verändern konnten. Deswegen möchte ich dieses Beispiel heranziehen, um den Mechanismus aufzuzeigen.

Folgende Situation ging den Entwicklungen voraus: Ich war krank und war zu Hause. Sandra (Name geändert) wollte mir einen Kalender zukommen lassen. Da ich schon länger krank war, wollte sie nicht länger warten und wir vereinbarten, dass sie mir den Kalender in die Praxis schicken sollte und meine Mitarbeiterin würde ihn mir dann zu Hause einwerfen, damit ich ihn noch vor dem nächsten Monatswechsel bekommen würde. Weil ich mich nicht meldete und für den Kalender bedankte, fragte Sandra verständlicherweise in der Praxis nach:

Sandra fragte meine Mitarbeiterin: Hat Frau Rösch den Kalender bekommen?

Meine Mitarbeiterin: Ja, ich habe den Kalender eingeworfen.

Sandra fragte bei mir nach: Haben Sie den Kalender bekommen.

Rösch: Nein, noch nicht.

Sandra hatte widersprüchliche Informationen. Irgendwie musste sie scih das erklären. Aufgrund ihrer Lebenserfahrung dachte Sandra, meine Mitarbeiterin lügt. Sprach aber nicht über ihre Vermutung. Tatsache ist, dass alle die Wahrheit sagte.

Wie geht das?

Der Kalender lag noch in meinem Briefkasten. Deswegen konnte ich sagen, dass ich ihn noch nicht bekommen hatte, weil ich noch nicht am Briefkasten war. Ich gehe einfach nicht jeden Tag an den. Ich finde, ein oder zweimal die Woche reicht.

Meine Mitarbeiterin sagte auch die Wahrheit, weil sie den Kalender bei mir eingeworfen hatte. Sie hatte es mir nicht nochmal explizit gesagt, so dass ich nicht wusste, dass der Kalender in meinem Briefkasten lag.

Sandras Annahme, dass meine Mitarbeiterin lügt, hat natürlich ziemliches Durcheinander bei ihr verursacht und unsere Beziehung belastet gemacht, indem ihre Gedanken Misstrauen geschürt haben. Auf diese Weise wirken Täter in jede Beziehung hinein.

Ich habe das zuerst gar nicht mitbekommen, weil Sandra nichts gesagt hat. Es dauerte ein paar Tage, bis Sandra alles auf eine Karte setzte und mich danach fragen konnte. Dadurch ging es ihr mehrere Tage schlecht und es dauerte es einfach länger, bis wir das Vertrauen wiederherstellen konnten.

Wie hätte man das anders machen können?

Was macht das Gehirn, wenn es scheinbar widersprüchliche Informationen bekommt? Es sucht nach einer Erklärung. Es bietet die Erklärung an, die es für wahrscheinlich hält. Das hat mit unserer Lebenserfahrung zu tun.

Da Sandra im Rahmen ihrer Gewalterfahrungen vielfach erfahren hat, angelogen zu werden, hielt sie es für wahrscheinlich, dass einer lügt.

Mir vertraute sie mehr, weil wir mehr Zeit miteinander verbracht haben und sie deswegen mit mir schon viele Erfahrungen gemacht hatte, die ihr halfen zu glauben, dass ich es gut mit ihr meine.

Deswegen ging sie davon aus, dass meine Mitarbeiterin sie anlog und nicht ich.

Aber das Vertrauen in unsere Beziehung war nicht groß genug, um den Konflikt sofort anzusprechen. Auch eine Folge der Gewalt.

Wenn sie nicht angenommen hätte, dass einer lügt, dann hätte sie fragen können, wie es zu diesen scheinbar widersprüchlichen Aussagen.

Sie hätte einfach sagen können, dass sie die unterschiedlichen Informationen nicht versteht. Sie hätte fragenfragen können: Ich verstehe das nicht. Ihre Mitarbeiterin sagt, dass Sie den Kalender haben und Sie sagen, dass Sie ihn noch nicht haben. Wie geht das?

Dann würde ich sagen: Dann ist er wohl noch in der Post.

Sandra hätte gesagt, aber Ihre Mitarbeiterin hat vor drei Tagen gesagt, dass Sie den Kalender haben.

Und an der Stelle wäre mir eingefallen, dass er dann wahrscheinlich im Briefkasten liegt, wäre zum Briefkasten gegangen und alles hätte sich in Luft aufgelöst.

Genau so ist es abgelaufen. Allerdings aufgrund der Angst erst zwei Wochen später. Das war für Sandra sehr anstrengend und für mich auch, weil ich gespürt habe, das war anders ist, aber auf meine Fragen auch erstmal keine Antwort bekam, aus lauter Angst, ich könnte mich dann von ihr abwenden.

Was lernen wir daraus?

Fragen ist eine super Strategie. Wenn ich etwas nicht verstehe, entweder eine positive Annahme machen, weil es mir damit besser geht. Oder aber fragen, wie das sein kann, und sagen, dass man etwas noch nicht verstanden hat. Dann kann man miteinander herausfinden, wo das Missverständnis entstanden ist und kann es klären. Und am allerbesten ist es, sofort zu fragen.

Dafür wünsche ich Ihnen viel Kraft, Ihre Stefanie Rösch

Verhalten ändern – Gewohnheiten bestimmen unsere Gefühle

13.04.2020 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Zusammenfassung eines Interviews mit Joe Dispenza

Ich habe die Inhalte des Video hier zusammengefasst. Die ausführlichere Übersetzung/ Zusammenfassung können Sie als pfd downloaden. Es sind knapp sechs Seiten, das wollte ich Ihnen hier nicht zumuten. Im Folgenden das Video (leider geht das nur mit einer Weiterleitung zu YouTube, also bei Interesse am englischen ORiginal einfach auf das Bild klicken) und darunter die wichtigsten Aussagen.

Eine Gewohnheit ist eine Abfolge von automatisch ablaufenden, unbewussten Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, die durch Wiederholungen entstand. Gefühle sind das Ergebnis von Erfahrungen. Das Gehirn ist ein Archiv der Vergangenheit. In dem Moment, in dem wir uns erinnern, fühlen wir uns plötzlich so wie zum Zeitpunkt der Erinnerung.

Wenn wir den Tag damit beginnen, was wir gestern erlebt haben, wird unser Gemütszustand am Morgen durch die Vergangenheit bestimmt.

Jeden Tag absolvieren Sie eine Routine von Verhaltensweisen. Sie stehen immer auf der gleichen Seite des Bettes auf, gehen aufs Klo und holen sich eine Tasse Tee. Wir tun immer die gleichen Dinge und sehen immer die gleichen Menschen. Wir drücken gegenseitig immer wieder die gleichen emotionalen Knöpfe. Das ist wie ein Programm. Wenn das Programm läuft, haben Sie ihren freien Willen verloren und es ist niemand anderes, der ihnen das antut. Sie machen es selbst.

Im Alter von 35 bestehen 95% von dem, wer wir sind, aus einem Muster von gelernten emotionalen und Verhaltensreaktionen, unbewussten Gewohnheiten, stabilen Einstellungen, Überzeugungen und Wahrnehmungen. Das heißt, die Person kann mit den 5% ihres Bewusstseins sagen, was sie will, aber der Körper läuft nach einem völlig anderen Programm.

Da stellt sich die Frage, wie man Veränderung beginnen kann. Für viele Menschen braucht es dafür eine schwere Krise durch Verletzung, Krankheit oder eine andere Tragöde. Plötzlich wird es möglich, alte Gewohnheiten drastisch zu verändern.

Wie kann man seine 5% freien Willen, sein Bewusst sein für Veränderung einsetzen?

Veränderung ist immer erstmal unangenehm, weil es bedeutet, etwas zu tun, was wir noch nie vorher getan haben. Unser Körper mag Veränderungen nicht. Das bedeutet, er wird alles machen, um uns in der (sicheren, funktionierenden, weil vorhersehbaren) alten Gewohnheit zu halten. Unser Körper arbeitet gegen Veränderungen. Er macht Spannung. Er schickt uns all die Überzeugungen, die uns an einer Veränderung hindern: Du schaffst das sowieso nicht. Das ist gefährlich. Das macht Dir Angst. Das wiederum macht negative Gefühle, die dann darin münden, dass wir das alte Verhalten wieder zeigen.

Der Körper kann nicht zwischen den Gefühlen aufgrund einer Erfahrung und den Gefühlen, die wir allein durch unsere Gedanken auslösen unterscheiden. Das bedeutet, negative Gedanken führen zu negativen Gefühlen, die altes verhalten verstärken. Dieses Verhalten wird deswegen verstärkt, weil wir in der Vergangenheit gelernt haben, dass das Verhalten uns ein besseres Gefühl gemacht hat. Zumindest kurzfristig.

Das schwierigste an Veränderung ist, nicht immer wieder die gleichen Entscheidungen zu fällen.

Aber in dem Moment, wo man sich anders entscheidet als bisher, muss man sich darauf einstellen, dass es unangenehm wird. Der beste Weg die Zukunft vorherzusagen ist, sie zu schaffen. Welche Gedanken und Gefühle willst Du haben? Welche Verhaltensweisen möchtest Du irgendwann mal nutzen können? Das heißt, wenn wir die Augen schließen und uns vorstellen, wie wir uns verhalten wollen und das immer wieder im Kopf üben und uns vorstellen, werden wir uns am Ende so verhalten, weil das Gehirn den Unterschied zwischen Vorstellung und Erinnerung nicht kennt.

Auf diese Weise installiert man die neurologischen Verbindungen, die so aussehen als hätte man diese Vorstellung schon erlebt, also als wäre diese Vorstellung eine Erinnerung. Auf diese Weise ist das Gehirn nicht länger ein Archiv für die Vergangenheit, sondern eine Karte für die Zukunft. Dadurch wird man sich irgendwann so verhalten, wie man es sich vorgestellt hat. Es wird die neue Gewohnheit.

Dadurch gestalten wir unsere Zukunft.

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Hier gehts zum Download der mehrseitigen Zusammenfassung.

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