"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Ihr Suchbegriff Angst

Die Angst der Täter und ihr ganz persönlicher Denkfehler

08.06.2019 Veröffentlicht von Allgemein 0 Kommentare

Wem es noch nicht aufgefallen ist: Täter haben Angst. Immer. Sie haben ein schlechtes Gewissen. Jeder Täter weiß, dass er etwas tut, was er nicht darf. Sonst würde er es nicht im Verborgenen tun. Er müsste sich auch keine Mühe damit machen, sein Opfer zum Schweigen zu bringen und das mit allen Mitteln. Wozu die ganzen Drohungen, die Gehirnwäsche, die Drogen und die Folter, wenn es doch rechtens ist, was man tut? Wenn es okay wäre, dann wäre es vom Gesetz nicht verboten. Das wissen Täter.

Ihr schlechtes Gewissen macht ihnen Angst. Sie leben in der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Sie leben in der Angst, von ihren Opfern und von uns als Gesellschaft, überführt zu werden. Auch wenn es Straftaten gibt, die schwer nachzuweisen und noch schwerer zu verurteilen sind. Das ändert an der Angst der Täter nichts.

Aber die Angst der Täter ist so groß, dass sie nicht mehr klar denken können. Sie haben Angst vor ihren Opfern. Würden diese Menschen geschlossen erzählen, was ihnen geschieht, könnte kein Gericht all diese Geschichten ignorieren. Jeder ausgebildete psychologische Gutachter für Aussagepsychologie würde zu dem Schluss kommen, dass die Menschen erlebt haben, was sie schildern. Für uns Nichtbetroffene oft unvorstellbare Grausamkeiten.

Wenn alle Opfer von schwerer Gewalt (Verbrechen wie Vergewaltigung, Menschenhandel, schwere Körperverletzung, sexueller Missbrauch, Folter und so weiter) ihre Geschichten erzählen würden, dann wären wir als Gesellschaft entsetzt. Wir wären darüber entsetzt, wie viele gequälte Menschen es in unserem Land gibt. Ja, ich rede von Deutschland, vom Kriegsgebiet Deutschland. Dafür brauchen wir keine Nazis, keine Terroristen und auch keine Mafia. Dafür reichen ein paar unauffällige deutsche Staatsbürger, die in unserer Nachbarschaft leben: Handwerker, Ärzte, Mechaniker, Hausbesitzer, Landwirte, Verkäufer, Psychologen, Rentner, Putzkräfte, Angestellte im öffentlichen Dienst, Angestellte in der Privatwirtschaft, Selbständige, Freiberufler – was immer Sie, liebe Leser, sich ausdenken können, die Realität ist so viel schlimmer. Die männlichen Formen schließen Frauen als Täterinnen ein, wenn auch der Anteil erfahrungsgemäß gering ist.

Ich gehe davon aus, dass diesen Weg der Gewalt und der Angst keiner freiwillig gewählt hat. Die meisten wurden hinein-gedroht oder hinein-gezwungen – irgendwann. Das enthebt diese Menschen aber nicht der Verantwortung für ihr Handeln heute.

Die Angst der Täter vor der Strafverfolgung raubt ihnen den Schlaf. Ihre Feigheit zu ihren Taten zu stehen und Wiedergutmachung zu leisten, soweit das überhaupt möglich ist, lässt sie in Angst durch ihren Alltag gehen. Drogen, Alkohol und Gewalt lassen sie die Fassade aufrechterhalten und betäuben diese Angst für wenige Augenblicke. Aber die Angst kommt schnell zurück ins Bewusstsein und kriecht tiefer und tiefer in ihre verzweifelten Seelen. Wie alle anderen Menschen wollen Täter sich sicher fühlen. Aber die Angst vor Entdeckung und das schlechte Gewissen machen sie blind. Blind für die offensichtlichste aller Lösungen.

Lasst Eure Opfer in Ruhe!

Es wird immer Menschen geben, die Opfer begleiten und sich Tätern furchtlos entgegenstellen. Es wird immer Menschen geben, die sich wehren und sich dabei an das Gesetz halten. Diese Menschen werden immer versuchen, Opfer von Gewalt dazu zu ermutigen, sich von Tätern fernzuhalten. Aber wenn das Opfer aus dem Einflussbereich der Täter verschwindet, dann versetzt das diese nur in Panik. Denn dann droht in ihrer angstgesteuerten Phantasie die Anzeige. Was realistisch betrachtet selten der Fall ist.

Doch obwohl wir gerade bei organisierter und ritueller Gewalt davon ausgehen müssen, dass mit den Mitteln des Deutschen Rechts in seiner derzeitigen Fassung schwer oder gar nichts zu machen ist, verfallen ganze Tätergruppen in Panik, wenn sie ein Opfer verlieren.

Wer würde einem einzelnen, durch die Folter psychisch schwer verletzten Opfer mit Erinnerungslücken vor Gericht glauben, wenn 5 oder mehr gesellschaftlich anerkannte Täter, die weder die Wahrheit sagen noch überhaupt ihren Teil zur Wahrheitsfindung beitragen müssen, sich gegenseitig decken? Niemand. Deswegen werden diese Fälle so gut wie nicht vor Gericht gebracht. Der Fall des kleinen Jungen, der von seiner Mutter verkauft wurde, um vergewaltigt und gequält zu werden, ist da eine lobenswerte Ausnahme.

Der ganz persönliche Denkfehler von Tätern ist, dass es immer wieder und mehr Gewalt braucht, damit sie sich sicher fühlen können. Genau das Gegenteil ist der Fall.

———— An die Täter ————

hört auf, Euch in die Hose zu machen, wenn ihr ein Opfer verliert. Es zu verfolgen, wieder zu bedrohen oder gar ermorden zu wollen. Das handelt Euch nur noch mehr Ärger ein. Es wird nie dazu führen, dass Ihr euch sicher fühlt. Die Aufklärungsrate bei Mord ist hoch, auch wenn ihr es wie einen Suizid aussehen lassen wollt. Wir Therapeutinnen wissen das. Aber ihr wisst nicht, ob wir mit unseren Klientinnen eine Vereinbarung haben, die uns von der Schweigepflicht enthebt, sollte unseren Klientinnen etwas passieren.

Wir Therapeutinnen haben gelernt, dass wir besonders in solchen Fällen unsere Klientinnen zum Dokumentieren ermutigen und Kopien von allen wichtigen Dokumenten und Informationen haben, so dass nichts verloren gehen kann. Glaubt ihr wirklich, dass wenn ein Opfer nach dem Ausstieg stirbt, die Polizei in Zukunft nicht oder nie erfährt, wer dafür verantwortlich ist?

Wenn eines Eurer Opfer sich von euch fernhält, bringt es damit eindeutig zum Ausdruck, dass es mit Euch nichts mehr zu tun haben will. Wenn ihr weiter in Freiheit leben wollt, dann könnt ihr nur eins tun: Stillhalten und akzeptieren, dass ihr diesmal verloren habt. Alles andere wird nur dazu führen, dass es auch für Euch unangenehm wird.

Dass ihr Angst davor habt erwischt zu werden, liegt daran, dass ihr in euren verletzten Herzen wisst, dass es nicht okay ist, was ihr tut. Der einzige Weg zu innerem Frieden ist das zu tun, was Euer Gewissen euch sagt: Aufhören mit der Gewalt und Verantwortung übernehmen für Eurer Handeln. Dann kehrt auch wieder Ruhe ein und die Nächte werden wieder erholsam.

Eine Selbstanzeige wäre da der beste Weg für Euch.

Der eine oder andere an Gewalthandlungen Beteiligte würde sich wundern, dass sogar Vergebung möglich ist. Von Gewalt Betroffene wollen oft nichts Anderes, als dass Ihr aufhört mit der Gewalt und Verantwortung übernehmt. Dadurch könnten die Menschen, die Ihr zu Opfern macht, die Hilfen in Anspruch nehmen, die wir als Gesellschaft dafür vorgesehen haben, dass jeder einzelne von uns versagt hat, unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger vor Euch zu schützen.

Um das zu erkennen, braucht es Mut. Meine Hoffnung ist gering, dass es unter euch viele Menschen mit Mut gibt. Aber ich mag mich täuschen und lasse mich gerne eines Besseren belehren. Vielleicht ist die Aussicht auf inneren Frieden für den einen oder anderen doch stärker als die Angst vor der Entdeckung. Sucht Euch einen Anwalt und geht mit dem zur Polizei und erzählt, was ihr getan habt und wie es dazu kam – Erleichterung wird die Folge sein.

Wenn Euch aber der Mut fehlt, dann ist vielleicht der eine oder andere intelligent genug, das Risiko zu minimieren, die Füße still zu halten, wenn er ein Opfer verloren hat. Denn das ist der einzige Weg, nicht erwischt zu werden.

———— An alle Menschen mit Gewalterfahrung ————

Sucht euch jemanden, dem ihr trauen könnt. Es gibt uns überall. Lasst uns Wege finden, das Leid zu beenden! Ich bin dabei! Auch wenn ich noch keine Ahnung habe, wie genau das gehen kann. Aber ich bin sicher, gemeinsam fällt uns etwas ein. Nur Mut!

Ich wünsche allen viel Kraft für ihren Kampf gegen die Angst.

Stefanie Rösch

Leserfrage: Wie kann ich nach dem Überfall wieder ohne Angst schlafen?

29.11.2016 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Ich wurde vor 12 Jahren überfallen und leide sehr darunter. Ich habe Angst und kann deswegen nicht schlafen: Bisher konnte mir keiner helfen. Alle Therapien wurden nun beendet. Haben sie eine Lösung? Ihre Artikel treffen alle zu und sind total interessant zu lesen. Danke!

Lieber Leser,

Ich weiß ja nicht, welche Art von Therapie Sie bisher gemacht haben. Insofern kann ich nicht sagen, warum Sie da bisher keine Hilfe finden konnten. Ich habe auch keine Lösung für Ihr Problem, weil es DIE Lösung nicht gibt.

ABER ich kann Ihnen erzählen, was ich meinen Klienten beibringe, die ebenfalls Probleme mit dem Schlaf haben. Das fängt schon damit an, dass es einen Unterschied macht, welche Art von Schlafproblemen Sie haben. Können Sie nicht einschlafen? Wachen Sie in der Nacht aus Alpträumen oder immer zur gleichen Zeit auf? Oder wachen Sie am Morgen zu früh auf und finden dann nicht zurück in den Schlaf?

Wenn es um das Einschlafen geht, so ist ein häufiger Grund der das behindert, dass Erinnerungen im Übergang vom Wachen zum Schlafen gerne auftauchen. Der Verstand kommt langsam zur Ruhe und das Hirn wandert vom wachen Bewusstseinszustand über verschiedene Phasen hin zum Schlaf und der Bewusstlosigkeit, die damit einhergeht. Je nachdem, was Sie während des Überfalls erlebt haben, kann es sein, dass Ihr Hirn in die Notabschaltung gegangen ist und das bedeutet, dass das Hirn sich als Schutz vor einer Reizüberflutung und zum Sterben durch die Gewalterfahrung auf die Bewusstlosigkeit „vorbereitet“. Das Hirn schaltet sich langsam ab. Der Zustand dieser Notabschaltung kann einem Bewusstseinszustand kurz vor dem Einschlafen entsprechen. Deswegen tauchen die Erinnerungen dann wieder auf. Das wiederum erschreckt uns und dann sind wir wieder hellwach. Das bedeutet, die Erinnerung wurde durch den Bewusstseinszustand getriggert.

Wenn Sie immer wieder zur gleichen Zeit aufwachen, kann die Ursache schlicht und ergreifend sein, dass sich der Körper die Uhrzeit gemerkt hat. Ich kann mich an einen Klienten erinnern, der einen schweren Verkehrsunfall morgens um 4 Uhr hatte. Er wachte Wochen lang morgens um 4 Uhr auf und konnte nicht mehr einschlafen. Nachdem wir die Erinnerung bearbeitet hatten, wurde es besser.

Eine andere Ursache für nächtliches Erwachen können auch Alpträume sein. Das Gehirn versucht, die belastende Erfahrung zu bewältigen und wir träumen davon, manchmal genau das Geschehen, manchmal Szenen, die daran erinnern.

Bei Alpträumen habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, den Alptraum positiv zu Ende zu denken. Häufig enden Alpträume kurz bevor „das Schlimme“ geschieht. Wir haben im Traum so viel Angst, dass wir aufwachen bevor etwas passiert. Aber auch wenn wir es im Traum nochmal erleiden müssen, kann man den Traum zu einem guten Ende denken, bei dem die Bösen gefasst und verurteilt werden oder ich durch einen Superhelden gerettet werde. Wenn wir den Traum so positiv zu Ende denken, dann geben wir uns selbst das Signal von Stärke und Sicherheit. Wir stellen in unserer Phantasie wieder Sicherheit her. Wenn wir über Sicherheit nachdenken, wird der Körper als Folge von unseren Gedanken Entspannung herstellen. (Atikel: Was Sie gegen Alpträume tun können / Artikel: Was Sie gegen Schlafstörungen tun können)

Deswegen funktioniert die Übung Sicherer Ort auch ganz gut, um in den Schlaf zu finden. Das könnten Sie vielleicht mal ausprobieren.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Erfolg beim Üben.
Stefanie Rösch

Psychologie und Film: Batman Begins, 6 – Größenwahn und Angsttherapie

09.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Als Bruce seine Ausbildung abgeschlossen hat, muss er eine letzte Prüfung bestehen: Unter Einfluss einer halluzinogenen Droge soll er sich seiner größten Angst stellen. Denn eigentlich fürchte Bruce sich vor seiner eigenen Macht, er fürchte seine Wut und den Drang etwas Großes zu vollbringen. Zuerst müsse er seine eigene Angst besiegen. Angst verändere die Wahrnehmung. Deswegen solle er seine Angst umarmen, zu seiner Angst werden. Um etwas Großes zu bewirken, müsse er ein schrecklicher Gedanke werden, eine Idee, denn die Menschen fürchten am meisten, was sie nicht sehen können. Bruce besiegt seine Angst vor den eingebildeten, erinnerten Fledermäusen und kann Ra´s Al Ghul im Zweikampf durch eine List ebenfalls besiegen.

Auch Ra´s Al Ghul weiß um die Angst der Menschen, die Angst vor dem Unfassbaren, dem schrecklichen Gedanken. Er will diese Angst gegen die in seinen Augen Kriminellen richten. Er hat Recht, die Angst verändert die Wahrnehmung, sie lässt uns die Welt wie durch einen Tunnel sehen, und so richtet Ra´s Al Ghul seine Wut auf alle, die ihn im Stich gelassen haben: Die Kriminellen, weil einer davon seine Frau getötet hat, und alle anderen, die nicht eingegriffen haben, die korrupt waren und die stillschweigend ihr Leben lebten, ohne sich um ihn zu kümmern. Er unterscheidet die Menschen nicht. Er sieht Gotham als Ganzes an einem Punkt, wo nur die Zerstörung der Stadt einen echten Neubeginn bedeuten kann.

Darin sieht er dann auch „das Große“, zu dem er Bruce befähigen will. Bruce habe Angst vor seiner eigenen Stärke, der Möglichkeit, etwas wirklich Großes zu vollbringen – wie die Zerstörung einer ganzen Stadt, um ihr einen Neubeginn zu ermöglichen. Ein bisschen erinnert das an Noahs-Erfahrung. Die Auslöschung der Menschheit, weil sie sich nicht an Gottes Wort hält, um einen Neubeginn mit Noahs Familie zu ermöglichen. Ra´s Al Ghul maßt sich das Urteil über Millionen Menschenleben an und fühlt sich dabei noch gerecht.

Deswegen will er die Angst gegen die sowieso schon Ängstlichen einsetzen. Am besten werde das gelingen, indem man zu einem schrecklichen Gedanken wird und die Angst der Menschen noch schürt, damit sie sich aus ihrer Angst heraus gegenseitig zerstören.

Bruce sieht ein, dass er seine Angst vor den Fledermäusen nur besiegen kann, indem er sich ihr stellt. Unter Einfluss einer Droge, löst er sozusagen noch einmal eine Erinnerungsattacke aus, doch diesmal kann er die Angst besiegen und damit auch seinen Gegner in der Abschlussprüfung. Indem er seine Angst besiegt, kann er ruhig genug bleiben, um klar zu denken und selbst in der Prüfungssituation noch eine List zu entwickeln, um seinen Mentor zu besiegen.

Genau hier geschieht im Grunde das, um was es in jeder Therapie von Angstzuständen geht: soviel Ruhe im Körper bewahren zu können, dass man den Handlungsspielraum, den man hat oder den man dazugelernt hat, dann nutzen kann. Insofern zeigt der Film an dieser Stelle die anstrengendste Methode der Angsttherapie: die Exposition, also das Sich-solange-der-Angst-aussetzen, bis man merkt, dass die Angst nachlässt und man nicht gestorben ist. Dadurch lässt das Angstgefühl dauerhaft nach.

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Psychologie und Film: Batman Begins, 4 – Die Macht der Angst und des Vermeidens

06.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Bruce sucht den machtgierigen und überheblichen Gangster Falcone auf, der ihm erklärt, dass alle Menschen über ihre Ängste zu manipulieren sind, weil jeder etwas zu verlieren hat. Das sei die wahre Macht, die Macht der Angst. Er, Bruce, als Prinz von Gotham werde diese zwielichtige Welt nie verstehen und er werde immer fürchten, was er nicht verstehe.

Auch hier wird eine sehr wahre Aussage über die Angst gemacht. Die Angst vor dem Fremden/Unbekannten, dem, was wir nicht verstehen. Ist das nicht die Angst, die zu Fremdenfeindlichkeit führt? Die Angst, die uns daran hindert, neue Wege zu gehen? Etwas Neues auszuprobieren? Zu reisen? Unser Leben grundsätzlich zu verändern? Und die uns in kontrollierter Form in Horrorfilmen unterhält?

Dass Angst mächtig ist, das weiß jeder. Sind wir nicht alle bestimmt von der Angst vor dem Tod oder dem Sterben? Viele Menschen haben Angst vor Schmerz, Dunkelheit, Erinnerungen, Spinnen und anderen Tieren, ihrem Chef, dem Versagen. So viel Angst, die unser Handeln bestimmt. Jeder von uns kann mindestens ein Verhalten finden, dass dazu dient, sich einer Angst nicht auszusetzen, sondern sie zu vermeiden. Wir wollen die Gefahr vermeiden, mit unserer Angst konfrontiert zu sein.

Wenn wir keine Angst hätten, etwas zu verlieren, könnte uns niemand mehr durch Drohungen manipulieren. Wenn wir keine Angst vor dem Tod hätten, wären wir frei. Das ist im Grunde der Kernpunkt des Christentums. Als Christ braucht man keine Angst mehr vor dem Tod haben, weil wir wissen, dass wir auferstehen.

Angst ist mächtig. Gerade Opfer organisierter Gewalt wissen das. Da wird so sehr mit Drohungen und Nahtod-Erfahrungen eingeschüchtert, dass Betroffene alles tun und mit sich machen lassen, aus Angst vor dem Tod, weiterem Schmerz und dem Gefühl der Ohnmacht und Einsamkeit.

Die Angst der Täter vor ihren Opfern ist allerdings genauso groß. Denn was würde geschehen, wenn alle Opfer sich gemeinsam erheben und das Schweigen brechen? Selbst bekannte Persönlichkeiten und Personen aus dem Rechtssystem, die an der organisierten Gewalt beteiligt sind, hätten dann ein Problem. Man kann es nicht oft genug sagen.

So wie Bruce, der vor der Erinnerung an die Fledermäuse aus der Oper flüchtete. Welches Verhalten kennen Sie an Sich, mit dem Sie einer Angst aus dem Weg gehen?

Daraufhin taucht Bruce unter, um das Wesen des Kriminellen verstehen zu lernen. Auf diese Weise landet er in einem Gefängnis, irgendwo in der Nähe des Himalayas, wo ihn Ducard/Ra´s Al Ghul findet. Ra´s Al Ghul plant mit seiner Gesellschaft der Schatten Gotham City ins Chaos zu stürzen. Gotham habe ein Ausmaß an Kriminalität erreicht, das nur durch ihre Zerstörung gelöst werden könne, so Ra´s Al Ghuls Meinung.

Bruce nimmt an Diebstählen teil, um das Wesen des Kriminellen zu verstehen. Er sieht die Not, die hinter Kriminalität an manchen Stellen steckt, wenn er aus Hunger stiehlt. Er sieht aber auch die Gier und das Streben nach Macht und Einfluss, als er seine eigene Firma beraubt und dafür in das Gefängnis im Himalaya geht.

Bruce lernt zu kämpfen. Er selbst nennt es Training, wenn er im Gefängnis gegen fünf Gegner im Schlamm kämpft. Je mehr Gegner, desto mehr Training. Deutlich ist zu spüren, dass er nie wieder Opfer sein will, nie wieder hilflos und sich selbst als nicht kriminell sieht, weil er mit seinen Diebstählen niemandem schadet.

Bruce will lernen die Kriminellen in Gotham zu besiegen. Deswegen macht er sich auf den Weg in die Berge zu Ducard/Ra´s Al Ghul, um sich von ihm ausbilden zu lassen.

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Psychologie und Film: Batman Begins, 2 – Hab keine Angst

02.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Kurze Zeit später erlebt Bruce in einer Opernaufführung eine Angstattacke und will gehen. Seine Eltern verlassen mit ihm den Saal durch einen Hinterausgang, wo sie überfallen und beide Eltern getötet werden. Sterbend schaut der Vater den Sohn an und sagt: „Bruce, es ist okay. Hab keine Angst.“ Bruce bleibt allein mit Alfred zurück, dem treusorgenden Butler und Nachlassverwalter.

Wenn ich an all die Opfer von Gewalt denke, die ich in meinem Leben schon kennengelernt habe, dann verbindet diese alle die Angst vor den Tätern und besonders die Angst vor den eigenen Erinnerungen. Die Angst vor der Erinnerung an die Fledermäuse ist es, die Bruce vermeiden will. In seiner Wahrnehmung ist es das, was zum Tod seiner Eltern führt. Wie kann er sich nicht schuldig fühlen? Wie viele Menschen fühlen sich schuldig („Her mit der Ohnmacht“), weil es immer noch besser ist als das Gefühl der Ohnmacht. Bruce kann nichts tun als seine Eltern bedroht und erschossen werden. Er ist zu klein. Er ist ohnmächtig.

Bruce bekommt von seinem sterbenden Vater gesagt, dass er in dieser massiven Bedrohungssituation keine Angst haben soll. Der sterbende Vater will seinen Sohn mit diesen Worten trösten. Er weiß ihn versorgt. Aber Bruce? Ich bezweifle, dass er das verstehen konnte. Er bekommt nur gesagt, dass er das Gefühl, das er hat, nicht haben soll.

Es ist grundsätzlich keine gute Strategie jemandem zu sagen, wie er sich fühlen soll. Denken Sie nur an das „jetzt beruhig Dich erstmal“, das wir so daher sagen, wenn jemand sehr aufgeregt ist. Wir haben Gefühle als Reaktion auf unsere Umwelt. Wenn jemand traurig, aufgeregt, wütend, hilflos, verzweifelt, voller Angst ist, dann mit gutem Grund. Niemand möchte gerne gesagt bekommen, wie er sich fühlen soll. Hilfreich an dieser Stelle wäre zu sagen „Es ist okay, wenn Du Angst hast. Das geht auch wieder vorbei.“

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Psychologie und Film: Batman Begins, 1 – Die Angst der Kriminellen

01.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Die Batman-Filme von Christopher Nolan

Die Batman-Filme von Christopher Nolan erzählen die Geschichte eines Mannes, der versucht sein Kindheitstrauma zu überwinden (Batman Begins), der erfolglos seinen Platz im Leben sucht (The Dark Knight) und sich schließlich von seiner Vergangenheit befreit und sich selbst findet (The Dark Knight Rises).

Batman Begins, 1 – Die Angst der Kriminellen

Bruce Wayne, Sohn eines der reichsten Männer von Gotham City, stürzt als Kind in einen Brunnen und wird daraufhin von Fledermäusen attackiert. Sein Vater, ein Arzt, erklärt ihm, dass die Fledermäuse ihn angegriffen hätten, weil sie Angst vor ihm gehabt haben. Bruce will wissen, ob auch die gefährlichen Tiere Angst hätten. „Die ganz besonders“, bekommt er zur Antwort. Sein Vater gibt ihm noch eine zweite Lebensweisheit mit auf den Weg: „Warum fallen wir, Bruce? – Damit wir wieder aufstehen können.“

Hier der Rest des Textes: PF_BatmanBegins_Inhalt

Bruce bekommt zwei wichtige Botschaften: Kriminelle haben grundsätzlich Angst und Fehlschläge sind dazu da, um daraus zu lernen und daran zu wachsen.

Eine der wichtigsten Botschaften, die man aus diesem Film mitnehmen kann, ist: Kriminelle haben immer Angst, weil sie nicht erwischt und bestraft werden wollen. Viele Opfer sind sich dessen nicht bewusst, dass ihre Täter/ihre Angreifer mindestens genauso viel Angst vor ihren Opfern haben wie ihre Opfer vor noch mehr Gewalt. Was könnten Täter tun, wenn Opfer nicht schweigen würden? Warum geben sich so viele Täter so viel Mühe, ihre Opfer zum Schweigen anzuhalten? Weil sie wissen, dass wenn das Schweigen gebrochen wird, sie von der Gesellschaft für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Davor haben sie Angst.

Die zweite Botschaft gefällt mir noch viel besser. Wir fallen, damit wir wieder aufstehen. Wenn etwas Schlimmes passiert, fragen wir uns so oft, warum uns das passiert ist. Hier ist die Antwort: Damit wir wieder aufstehen. Kein Blick zurück. Bruce´ Vater verschwendet keinen Augenblick damit, auf etwas zu schauen, was er nicht ändern kann. Stattdessen lehrt er seinen Sohn, nach vorne zu schauen und weiterzumachen.

Es kommt darauf an, wo wir den Anfang der Ursachen setzen. Wir können sagen, wir sind gefallen, weil wir gestolpert sind. Wir können aber auch sagen, wir sind gefallen, weil wir etwas lernen sollen. Wir entscheiden, wo wir Ursache und Wirkung sehen.

Wenn man auf sein Leben schaut, kann man sagen, nach jeder guten Phase folgt etwas Schlechtes. Oder wir können sagen: Jede schwierige Phase wird gefolgt von einer guten. Was macht das bessere Gefühl? Wie denken Sie?

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Angstspiralen: Wie Sie Sich die Angst herbeireden können.

10.01.2014 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Strategien 0 Kommentare

In meinen Veranstaltungen bringe ich den Menschen bei, sich auf schwierige Situationen vorzubereiten. Auch auf Situationen, in denen ihnen Gewalt droht, zum Beispiel in einer Situation in einer Ausländerbehörde, wenn der Mitarbeiter seinem Kunden sagen muss, dass seine Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt wurde und er ausgewiesen wird. Da das für Betroffene eine lebensbedrohliche Situation sein kann, gibt es die Möglichkeit, dass sich deren Hilflosigkeit in einem Gewaltakt gegen den Mitarbeiter der Behörde entlädt.

Also geht es für den Mitarbeiter darum, sich vorzubereiten, auch auf den Moment, in dem er vielleicht angegriffen wird und sein Leben verteidigen muss.

Oder nehmen Sie eine andere Situation: Sie haben ein Mitarbeitergespräch und Ihr Chef neigt zu erregten Ausbrüchen, die auch schon mal eine Beleidigung enthalten und Ihnen das Gefühl geben, er könnte gleich zuschlagen.

Wenn man mit solchen Situationen konfrontiert ist, passiert es häufig, dass man sich vorstellt, was alles schief gehen kann und wie man Opfer wird. Nicht selten drehen sich unsere Gedanken dann darum, wie der Kunde zuschlägt, wie wir verletzt werden, wie eine Kollegin bedroht wird oder wie der Chef einen aufs übelste beleidigt und man wie ein begossener Pudel alles über sich ergehen lässt.

Wenn Sie dazu neigen, sich belastende Situationen auf diese Weise vorzustellen, dann werden Sie feststellen, dass Sie Sich nach einer Weile richtig schlecht fühlen. Ihr Herz beginnt zu rasen, der Magen zieht sich zusammen und ihre Hände werden feucht. Alles Anzeichen von Angst. Sie werden Angst vor der Situationen bekommen – weil Sie Sich die Angst herbeigeredet oder besser herbeigedacht haben.

Das muss nicht so sein. Stellen wir uns Dinge lange genug vor, dann „glaubt“ unser Körper, das ist echt und macht die entsprechende Reaktion dazu, in diesem Fall die Stressreaktion (Siehe hier). Das funktioniert genauso gut, als wenn Sie Sich möglichst lebendig vorstellen in eine gelbe, saftige Zitrone zu beißen und Ihr ganzer Mund ist voller saurem Zitronensaft. Spüren Sie, was passiert, wenn Sie Sich die Zitrone vorstellen? Den Zitronensaft in Ihrem Mund vorstellen? Genau: Ihr Körper produziert Speichel. Allein, weil Sie es sich vorstellen!

Genauso funktioniert es mit der Angst. Wenn Sie Sich vorstellen, Angst zu haben, werden Sie Angst bekommen, weil Ihr Körper die Stressreaktion zu den Gedanken „dazugibt“. Dann fühlt es sich echt an, weil es echt ist.

Aber wenn Sie Sich vorstellen, wie Sie eine Situation bewältigen, dann üben Sie nicht nur hilfreiche Strategien ein (Mentales Training, siehe auch Grundbedürfnis Sicherheit), sondern Sie verhindern, dass Sie Sich in die Angst hineindenken. Stattdessen könnten Sie Sich in die Wut hineindenken – wenn Sie Sich vorstellen, wie Sie einen Angreifer fertig machen – oder Sie können Sich in die Entspannung und ein Gefühl von Sicherheit hineindenken, wenn Sie Sich vorstellen, wie Sie die Situation bewältigen und hinterher zufrieden mit Sich und in Sicherheit wieder in Ihrem Büro oder Zuhause sind. (Siehe auch Texte zum sicheren Ort und den Giftige Gedanken )

Probieren Sie es aus! Sie entscheiden, was Sie denken!

Verkehrsunfälle: Hilfe finden

27.09.2019 Veröffentlicht von Allgemein 0 Kommentare

Verkehrsunfälle können je nach Ausmaß für Betroffene oder unmittelbar Beteiligte Traumafolgestörungen auslösen. Etwa jede/r vierte Schwerverletze entwickelt nach einem Unfall eine ernstzunehmende psychische Beeinträchtigung1. Besonders häufig sind Angstsymptome / Fahrangst, Depressionen und die Posttraumatische Belastungsstörung.

Es ist nicht nur die Schwere der Verletzung, welche psychische Folgeschäden auslösen kann. Verkehrsunfälle, ohne sichtbare Verletzungen der Beteiligten oder großen Sachschaden, können ebenfalls eine psychische Verletzung zur Folge haben. Das direkte Umfeld kann ohne direkt am Unfall beteiligt gewesen zu sein mit den Folgen zu kämpfen haben. Im Schnitt sind 113 Personen (Familie, Freunde, Polizisten, Feuerwehr, Sanitäter…) von den Folgen eines tödlich ausgegangenen Verkehrsunfalls betroffen².

Betroffene wissen nicht unbedingt, dass ihr Befinden bereits die Schwelle zu einer psychischen Störung überschritten hat, für die professionelle Hilfe angezeigt ist. Leider ist der Gang zum Psychologen immer noch mit einem Stigma belegt, so dass Betroffene keine Hilfe holen trotz ernsthafter Probleme wie dauerhaften Schlafstörungen, Erinnerungsattacken an den Unfall, plötzlichen und unerklärlichen Ängsten in Bezug auf das Fahren, nicht mehr als Beifahrer mitreisen zu können oder keine Überholmanöver mehr zu fahren wie vor dem Unfall. Hilfe zu holen ist dann oft mit der Vorstellung verbunden, dass man als verrückt abgestempelt wird. Dabei hat die Psychotherapie in solchen Fällen erstklassige Therapiekonzepte anzubieten, die schnell Besserung bringen können.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat nun eine äußerst hilfreiche Internetseite online gestellt auf welcher viele wichtige und informative Dienste angeboten werden. Unter www.hilfefinder.de finden Betroffene, oder Angehörige von Betroffenen, übersichtlich aufbereitete Informationen.

Unter anderem bietet das Portal einen „Trauma-Check“ an. Um in Selbst- oder Fremdbeurteilung mit nachvollziehbaren Aussagen zu testen, ob man möglicherweise von psychischen Unfallfolgen betroffen ist.

Ebenso kann man sich auf der Internetseite ausgiebig über Sofort-Hilfe und passende Psychotherapeuten, sowie über Behandlungsmethoden und psychische Störungen im Allgemeinen informieren.

Was uns an dieser Seite besonders gut gefällt ist, dass auch über die Rechte von Betroffenen sowie über mögliche Kostenträger der verschiedenen Versicherungstypen aufgeklärt wird. Es werden Leitfäden für einen Erstkontakt mit psychologischen Einrichtungen, mit der Krankenversicherung und Beratungsstellen angeboten. In diesen wird ausführlich beschrieben was und wie man als Betroffener etwas unternehmen kann, um möglichst schnell ganz persönliche Hilfe zu erhalten. Wer sich also unsicher ist, ob er/sie Hilfe suchen soll, findet hier einen guten Start in diese Thematik.

Psychotherapeuten finden auf dieser Seite interessante Veröffentlichungen zum Thema Unfallfolgen. Unter dem Reiter „Forschung“ kann man sich über allgemeine Zahlen und den Stand der aktuellen Forschung informieren.

Unser Fazit: Tolle, gut strukturierte und informative Internetseite, die Betroffenen einen guten Überblick über ihre aktuelle Situation und Wege aus der Krise aufzeigt. Sie macht Mut und regt zu „Hilfe zur Selbsthilfe“ an.

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1AUERBACH, K. (2014). Psychische Folgen von Verkehrsunfällen. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen. Unterreihe Mensch und Sicherheit (M 245). Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW.

²DVR Report, Fachmagazin für Verkehrssicherheitsarbeit, 2/2017, S. 8

Leserfrage: Ich habe zu viel Mitleid mit meiner traumatisierten Freundin, was tun?

19.09.2019 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo,
meine Freundin leidet unter einer PTBS nach zwei Vergewaltigungen und hat schwere Depressionen. Sie befindet sich leider noch nicht in professioneller Hilfe. Irgendwie scheint sie nicht bereit zu sein, sich in intensive Traumatherapie zu begeben, obwohl sie zu wissen scheint, welche Therapie ihr guttun würde und dass sie keine Kraft mehr hat, so zu leiden.
Ich verstehe nicht, warum sie nicht in eine gute Klinik geht und versucht Hilfe zu bekommen. Ich merke, dass ich nicht mehr kann, weil es ihr so schlecht geht, dauernd hat sie Alpträume, Panikattacken und Angst.
Das Problem ist, dass ich mich von ihren Themen nicht abgrenzen kann. Ich leide oft mit und bin einfach erschöpft. Meine Hoffnung war immer, dass sie bald in guten Händen sein wird und es mir dadurch auch bessergehen wird. Jedoch kann ich nicht mehr auf irgendwas warten. Mein Kopf und meine Emotionen sind total durcheinander. Ich habe Gewaltfantasien gegen ihren Vergewaltiger. Ich stelle mir die Vergewaltigung immer wieder vor, das ist so ekelig. Ich kann das nicht kontrollieren, es passiert einfach.
Ich will lernen nicht mitzuleiden, mich abzugrenzen, ohne dass ich emotional komplett zu mache. Ich will da drunter nicht leiden, nicht mitleiden. Ich fühle mich so hilflos. Ich kann ihr nicht helfen und drängen ist gar nicht gesund, ich kann nur was für mich tun. Wissen sie wo ich vielleicht Unterstützung bekommen kann?
Ich wünsche mir einfach so sehr, dass wir beide Leichtigkeit bekommen. Ich liebe sie von Herzen. Sie ist so liebevoll und zärtlich, so witzig und auch so mutig. Aber ich habe Angst, dass ich Sie verliere.
Liebe Grüße und Danke für ihre Hilfe!!!

Lieber Herr Santer,

warum Ihre Freundin sich bisher keine Hilfe in einer Therapie geholt hat, kann nur ihre Freundin wissen. Meine Vermutung ist, dass die eine Vorstellung davon hat, was in einer Therapie geschieht, die ihr zum einen Angst macht und zum anderen wahrscheinlich nicht dem entspricht, wie es tatsächlich ist. Das kann dann dazu führen, dass sie aus Angst einen Bogen um eine Traumatherapie macht. Das ist zumindest einer der häufigsten Gründe, warum Menschen sich keine Hilfe holen.

Den wesentlichen Schritt haben Sie jedoch schon gemacht: Die Erkenntnis, dass Sie nur für sich selbst sorgen können. Niemand kann jemand anderen retten.

Sie können sich bewusstmachen, dass es eine Form von Respektlosigkeit ihrer Freundin gegenüber ist, wenn Sie für etwas leiden, dass Sie nicht einmal selbst erlebt haben. So wie es sich anhört, leiden Sie fast genauso stark unter ihren Phantasien wie Ihre Freundin unter dem tatsächlich Erlebten. Das ist keine Hilfe. Gut, dass Sie das erkannt haben! Übernehmen Sie dafür Verantwortung, das zu ändern.

Wir sind nicht verantwortlich für das Leid eines anderen. Wir sind auch nicht dafür verantwortlich, dass es einem anderen gut geht. Wir sind grundsätzlich nicht für die Gefühle von anderen zuständig.

Insofern ist es in meinen Augen Ausdruck von Respekt vor den freien Entscheidungen des anderen, ihm sein Leid zu lassen und auch die Freiheit zu entscheiden, ob man wieder gesundwerden will. Ja es ist unglaublich anstrengend und es ist eine gruselige Sache, mit den Folgen traumatischer Erfahrungen umzugehen. Aber es kann einem das niemand abnehmen. Jede betroffene Person muss es selbst machen. Wir anderen können nur fragen, wie wir unterstützen können. In meinem Fall bedeutet das, die Erinnerungen zusammen mit meinen Klienten zu sortieren. In Ihrem Fall bedeutet das, sich gut zu informieren, ein paar Techniken zu lernen (s.u.) und Mut zur Traumatherapie zu machen.

Der Rest liegt in der Entscheidung desjenigen, der etwas erlebt hat.

Hier die notwendigen ersten Informationen für Sie:

Erster Schritt für Sie: Suchen Sie für sich einen Psychotherapeuten, um die Rache- und Gewaltphantasien wieder loszuwerden. Sie können sehr wohl beeinflussen, was Sie denken und was nicht, auch wenn es sich im ersten Moment nicht so anfühlt.

Zweiter Schritt: Informieren Sie sich über Traumareaktionen, zum Beispiel in unserem Blog (PTBS1 bis 12). In der PTBS-Reihe finden Sie unter anderem auch Strategien zum Umgang mit Erinnerungsattacken und Angstattacken. Lernen Sie alles, was Sie finden können über die PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), um ihrer Freundin weiterhin Mut machen zu können, eine Traumatherapie zu machen. Eine geeignete Therapeutin zu finden, wird möglicherweise nicht leicht werden. Aber da können Sie mit diesem Link unterstützen.

Dritter Schritt: Lernen Sie Strategien, welche Ihrer Freundin kurzfristig helfen können: zum Beispiel haben wir eine Übung, die heißt „Hier und Jetzt“ und diese hilft den meisten Menschen Erinnerungs- und Panikattacken abzubrechen. Hier ein Artikel zu Schlafstörungen: und ein sicherer Ort kann auch helfen. Hier ein Artikel, wie man mit Alpträumen umgehen kann.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg und den Mut, für sich selbst zu sorgen.

Herzliche Grüße, Stefanie Rösch

Leserfrage: Ist ein Täterintrojekt eine Dissoziation?

24.05.2019 Veröffentlicht von Definitionen, Leserfragen 0 Kommentare

Hallo,
Ich habe eine Frage. Meine Therapeutin glaubt, dass ich eine dissoziative Störung habe. Ich verstehe aber nicht genau was sie meint. Dazu habe ich starke Täterintrojekte. Durch Ihren Beitrag hier konnte ich mich besser verstehen. Oder glauben Sie, dass meine Therapeutin meint, dass die Introjekte die Dissoziation sind?
Lg Thomas

Lieber Thomas,

Dissoziation, wie ich den Begriff verstehe, meint einen psychologischen Zustand, in dem Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse von gegenwärtigen Reizen nicht als Einheit wahrgenommen werden. Also zum Beispiel, wenn man aufgrund von einer Erinnerungsattacke das „Gefühl“ hat, in der Vergangenheit zu sein, obwohl man bei dem Blick auf den Kalender sieht, dass es „heute“ ist. Das Erleben von Gegenwart und Vergangenheit ist verändert. Das kann man als Dissoziation bezeichnen.

Oder wenn man zwar sieht, wo man ist, aber es sich innerlich so anfühlt, als wäre man ganz weit weg. Als wenn alles durch Watte gepuffert ist oder durch eine Glasscheibe beobachtet wird. Auch das wären Beispiele für dissoziatives Erleben.

Und wenn man den Eindruck hat, dass da jemand anderes für einen oder an meiner Stelle handelt oder mich innerlich voll labert, als ob es da „andere“ im eigenen Kopf gibt, die manchmal so stark sind, oder so „vorne“ sind, dass man sich selbst nur noch zuschauen kann, dann nennt man diesen dissoziierten Zustand auch „Introjekt“. Betroffene haben in extremen Fällen den Eindruck, dass es wie eine komplett andere Person ist.

Aber die meisten Menschen kennen dissoziative Zustände, wenn sich die Gegenwart irgendwie „anders“ anfühlt und meistens ist das unangenehm. Zum Beispiel geht es vielen Menschen so, dass Sie sich in bestimmten Situationen „klein“ fühlen oder sich verhalten „wie ein Kind“. Auch das kann man als dissoziativen Zustand beschreiben. Grundsätzlich gehört Dissoziation zum Menschen dazu. Aber manchmal sind diese Zustände so unangenehm (voller Angst oder komplett ohne Gefühle) oder führen dazu, dass sich jemand selbst schadet. Wir sagen dann, das macht denjenigen krank. Dann ist es gut, dass es Menschen wie Ihre Therapeutin gibt, die Ihnen zeigt, wie Sie diese Zustände wieder so verändern können, dass es Ihnen besser geht.

Insofern glaube ich, dass Ihre Therapeutin diese Worte tatsächlich so verwendet, wie Sie es verstanden haben: Ein Introjekt ist eine Form der Dissoziation. Aber fragen Sie Ihre Therapeutin doch einfach, wenn Sie Worte benutzt, die Ihnen nicht ganz klar sind. Das sind alles sehr abstrakte Worte, die oft gar nicht so eindeutig definiert sind, also eine eindeutige Bedeutung haben J

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

Leserfrage: PTBS mit mehreren Traumata

15.05.2019 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo, ich bin am Ende meiner Kräfte. Ich leide seit fast 10 Jahren unter Dauerangst. Die PTBS wurde erst vor kurzem erkannt. Dazu habe ich eine Fluchtwegphobie mit Sozialkomponente und eine Depression. Die Depression habe ich, weil bei meiner Mutter während der Schwangerschaft Krebs im Endstadium festgestellt wurde. In der Schulzeit wurde ich gemobbt, deswegen habe ich die Phobien. Als mein Vater mich in einem Wutanfall versucht hat zu erwürgen, konnte ich mich dadurch retten, dass ich Kampfsporterfahrung hatte. Aber das Bild meines Vaters bekomme ich nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß, dass ich eine Therapie machen muss und stehe auch schon auf einer Warteliste. Aber ich verliere langsam den Mut? Wie kann ich den wiederfinden? Jürgen

Lieber Jürgen,

das glaube ich, dass Zehn-Jahre-Angst-haben anstrengend sind. Angst ist deswegen so anstrengend, weil wir ständig auf der Hut sein müssen. Ständig den Drang haben, wegzulaufen. Ständig in Alarmbereitschaft sind. Angst als Gefühl beinhaltet einen Bewegungsimpuls weg von der wahrgenommenen Gefahr. Der Körper stellt eine Handlungsbereitschaft her (Stress), denn Gefahr macht schnelles Handeln notwendig. Das ist grundsätzlich eine gesunde und lebenserhaltende Reaktion.

Wenn es aber keine gegenwärtige Gefahr gibt, sondern die Gefahr durch Sorgen im Kopf entsteht, dann ist die ganze Stressreaktion umsonst. Sorgen sind Gedanken, die mit möglichen Gefahren spielen: Was wäre wenn ein Feuer ausbricht und ich flüchten muss, aber die Fluchttüre verschlossen ist? Was wäre, wenn …. und dann werde ich verletzt. Was wäre, wenn …. und ich komme nicht weg? Was wäre, wenn … und ich sterben muss? Solche Gedanken bewirken, dass der Körper Alarmbereitschaft herstellt (Stress). Das ist über die Zeit hinweg extrem anstrengend und macht uns krank. Und alles völlig unnötig.

Eine erste Maßnahme kann sein, diese Sorgen oder katastrophisierenden Gedanken immer wieder positiv zu Ende zu denken: Was wäre, wenn ein Feuer ausbricht und ich zur Fluchttüre renne und merke, dass die verschlossen ist? Dann drehe ich mich um und sehe, dass 5 Meter daneben ein Feuerlöscher steht und eine Löschdecke hängt. Ich nehme die Löschdecke, knote sie über meine Schultern fest und schnappe mir den Feuerlöscher. Mit dem Feuerlöscher sprühe ich mir den Weg frei, bis ich draußen an der frischen Luft stehe. Ich fühle mich gut, weil ich mir selbst geholfen und selbst für meine Sicherheit gesorgt habe.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vorstellung realistisch oder umsetzbar ist. Es geht allein darum, dass ich mir vorstelle, wie ich der Gefahr entkomme. Die Vorstellung endet damit, dass ich in Sicherheit bin. Der Körper wird dann den zur Sicherheit passenden Zustand herstellen: Entspannung. Entspannung und Angst können gleichzeitig nicht sein. Das ist der Grund, warum es auch hilfreich sein kann, ein Entspannungsverfahren wie zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson zu lernen.

Depression ist auch anstrengend. Depression ist unter anderem so anstrengend, weil man glaubt, man sei für Dinge verantwortlich, auf die man keinen Einfluss hat. Zum Beispiel glauben viele Menschen mit Depression, sie wären dafür verantwortlich, dass es anderen gut geht. Aber jeder kann nur selbst dafür sorgen, dass es ihm oder ihr gut geht. Dinge erreichen zu wollen, die wir nicht zuverlässig bewirken können, gibt uns das Gefühl von Ohnmacht. Zuviel Ohnmacht führt zu Depression. Erschöpfung.

Und jetzt zum Mut und zum Durchhalten. Es lohnt sich durchzuhalten, weil all diese Probleme verändert werden können. Sie können Ihre Art zu denken verändern.

Sie werden lernen, auf gesunde Art zu denken, so dass das Leben leichter und immer leichter und freier wird. Gesunde Gedanken sind zum Beispiel: „Ich bin nur für mich selbst verantwortlich.“ „Jeder ist für seine Gefühle und sein Befinden selbst verantwortlich.“ „Ich bin unschuldig am Tod meiner Mutter.“ „Ich darf meine Gefühle ausdrücken.“ „Ich bin frei.“ „Ich bin wertvoll.“ Und noch viele andere gesunde Gedanken. Giftige Gedanken, die uns krankmachen, kann man durch gesunde Gedanken ersetzen.

Sie werden es schaffen. Da bin ich sicher. Solange Sie es versuchen, solange Sie dranbleiben, werden Sie es schaffen. Der Therapieplatz kommt. In der Zwischenzeit fangen Sie einfach mit den Übungen an oder lesen hier die verlinkten Texte weiter nach. Es gibt immer etwas, was man schon jetzt tun kann, um anzufangen. Vor allem, sich weiter zu informieren und etwas zu lernen. Wenn Sie etwas über giftige Gedanken lernen wollen, dann können Sie hier im Blog nachlesen oder aber das Buch von Dr. Caroline Leaf lesen. Den Link dazu finden Sie am Ende dieses Artikels. Oder Sie lesen zum Thema Depression weiter. Auch dazu eine Leseempfehlung am Ende. Sie müssen nicht warten. Sie können heute anfangen, Ihr Leben zu ändern. Schreiben Sie sich ein paar gesunde Gedanken auf und lesen Sie sie jeden Tag durch. Suchen Sie sich inspirierende Filme oder Bücher oder lassen Sie sich von Freunden Mut zu sprechen, aber vor allem anderen FANGEN SIE AN! Heute! Jetzt!

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

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Leserfrage: PTBS und Partnerschaft? Wie kann das gehen?

10.03.2019 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo Frau Rösch,
ich führe seit knapp einem Jahr eine Beziehung mit einem Mann, der an einer PTBS erkrankt ist. Die PTBS hat er bereits seit mehreren Jahren, Ursache war ein Bundeswehr-Einsatz im Ausland. Er hat mir zu Beginn der Beziehung zwar erzählt, dass er eine PTBS hat und wegen dieser auch in Therapie war, allerdings hat er mir wenig über seine „Probleme“ im Alltag erzählt und diese in den ersten Monaten vor mir versucht zu „verstecken“.
Inzwischen weiß ich, dass er innerlich unruhig ist, wenn sein Haushalt nicht nach einem bestimmten System gemacht ist. Er vermeidet öffentliche Plätze, geht nicht ins Kino und Bus- und Bahnfahrten bedeuten für ihn Stress. Er hat sich am Anfang der Beziehung durch all solche Situationen durchgekämpft, ohne dass ich davon wusste.
Nach knapp einem Jahr weiß ich nicht mehr weiter. Er ist seit einiger Zeit wieder in Psychotherapie und hat nun aber auch eingesehen, dass eine weitere Therapie in der Tagesklinik hilfreich sein kann. Unsere Beziehung leidet sehr unter der derzeitigen Situation.
Mein Freund zieht sich oft zurück. Gemeinsame Aktivitäten sind schwer, weil für ihn nahezu alles mit Stress verbunden ist. Ich kann nicht zu Besuch kommen, weil ich aufgrund meines Hundes für mehr Haushalt bei ihm sorge. Er vermeidet es, sich um „Probleme“ zu kümmern, seien es finanzielle oder welche, die in der Beziehung auftauchen. Er versucht ständig es mir recht zu machen ohne auf seine eigenen Bedürfnisse einzugehen.
Ich stoße an meine Grenzen. Ich ärgere mich oft über sein Verhalten. Vor allem, wenn er sich nicht um Dinge kümmert und es mich dann mitbetrifft, z.B. weil wir uns dann nicht sehen können. Wenn er mir dann noch erklärt, dass er aufgrund seiner Krankheit nicht in der Lage ist, sich um diese Sachen zu kümmern, dann fühle ich mich schlecht. Was mir momentan am meisten Sorge bereitet ist, dass er angefangen hat zu trinken, wenn er weiß, dass er in Situationen kommen wird, die er sonst vermeiden würde. Darüber hinaus gibt es in unserer Beziehung keine Nähe mehr. Wenn er mich berührt, fühlt es sich distanziert an. Als ob er mir Nähe schenkt, weil es sich so gehört in einer Beziehung. Er meint, er liebt mich und er möchte die Beziehung mit mir. Aber seine Distanziertheit und diese steifen Annäherungsversuche, wenn er es überhaupt versucht, die tun sehr weh. Wenn ich auf ihn zugehe und ihn umarme, dann kommt nichts zurück. Wenn ich ihn küsse, kommt nichts zurück. Ich weiß einfach nicht mehr, wie ich damit umgehen soll. Er meint, dass er innerlich zu unruhig ist, um sich fallen zu lassen. Vielleicht können Sie mir auch ein paar Ratschläge geben, um die Beziehung aufrecht halten zu können und richtig reagieren zu können … Lieben Gruß Maya

Liebe Maya,

es gibt kein „richtig“. Den Anspruch können wir nicht haben, wenn wir mit traumatisierten Menschen arbeiten. Dass Ihr Freund traumatisiert ist, haben Sie an seinen Beschwerden und Problemen gut beschrieben. Allerdings frage ich mich bei manchen Beschwerden, wie sie mit einem militärischen Einsatz zu erklären sind.

Schwierigkeiten, die ich mir gut in diesem Zusammenhang vorstellen kann, sind Öffentliche Plätze, Bus, Bahn und Kino als Problemsituationen. Grundsätzlich mal Ordnung zu halten, kann der Versuch sein, ein Gefühl von Kontrolle wiederherzustellen. Zwanghaftes Verhalten hat Angst als Ursache. In dem Fall wäre es die Angst vor den Erinnerungen und davor, die Kontrolle zu verlieren. Dass vor allem Männer versuchen, Traumareaktionen mit Alkohol zu bekämpfen ist weithin bekannt. Es liegt nahe Alkohol zu trinken, um entspannt genug zu sein, dass man Situationen bewältigen kann, vor denen man Angst hat.

Allgemein ist Vermeidungsverhalten ein Teil der Posttraumatischen Belastungsstörung, allerdings der Teil, der dazu führt, dass es nicht besser werden kann.

Probleme mit körperlicher Nähe und Sexualität sind für mich auf den ersten Blick nicht mit einem Einsatzgeschehen zu erklären. Auf den zweiten Blick könnten diese Probleme durch die fortgesetzte Stressreaktion entstehen (inneren Unruhe), die sexuelles Verlangen und sexuelle Aktivität unterdrückt. Schließlich geht es in Bedrohungssituationen (Trauma) ums Überleben und nicht um die Fortpflanzung (Stressreaktion).

Finanziellen Probleme wären bei weitem nicht das erste, was mir einfällt, wenn ich an Belastungssituationen in Krisengebieten denke. Das klingt für mich erstmal nach etwas, dass schon länger und in einem anderen Zusammenhang besteht.

Traumareaktionen sind sehr spezifisch. Sie haben in der Regel einen unmittelbar nachvollziehbaren Zusammenhang zur Belastungssituation. Schließlich handelt es sich bei Traumareaktionen um Fehlalarme des Gehirns. Das Hirn will uns warnen. Leider haben sich die Gefahren in der Welt geändert und das Hirn hat das noch nicht verstanden. Also warnt es uns, was wir als einschießende Erinnerungen, Flashbacks oder Erinnerungsattacken bezeichnen. Aber im Grunde ist es nur ein Fehlalarm. Die Traumasituation ist meist sehr einzigartig. Ganz besonders bei Kriegserfahrungen. Wir leben hier in Deutschland nicht im Krieg. Die Gefahren, die wir hier haben, sind andere als in einem Krisengebiet. Das Gehirn kann das erstmal nicht unterscheiden. Aber es kann lernen, ungeeignete Warnreize (Trigger) auszusortieren und dann auch keinen Alarm (Erinnerungsattacke) mehr auszulösen. Dabei hilft eine Traumatherapie.

Insofern bin ich mir jetzt erstmal nicht sicher, ob wirklich alle Reaktionen und Probleme durch den Bundeswehreinsatz erklärt werden können. Zuverlässig einschätzen kann ich es nicht, weil ich zu wenig weiß. Dafür braucht es die angestrebte und hoffentlich begonnene Therapie und Zeit. Es ist gut, dass Ihr Freund Hilfe sucht.

Was diese Situation mit Ihnen macht, kann ich gut nachvollziehen. Menschen, die traumatisiert sind, bringen ihr Umfeld immer wieder in den Zustand der Hilflosigkeit. So hört es sich an, was Sie beschreiben. Sie möchten eine gesunde, gleichberechtigte und führsorgliche Beziehung und das Leben Ihres Freundes wird von Angst bestimmt. Das ist auf Dauer anspruchsvoll.

Leider ist es so, dass außer ihrem Freund, niemand für seinen Heilungsweg verantwortlich ist. Wenn er nicht hart daran arbeitet, gesund zu werden, wird er traumatisiert bleiben. Wenn er in der Angst und damit im Vermeidungsverhalten bleibt, dann kann das Gehirn nicht lernen, dass die Welt weniger gefährlich ist, als das Gehirn denkt. Es kann auch nicht lernen, dass Ihr Freund besser für seine Sicherheit sorgen kann, als sein Gehirn denkt.

Was Sie machen können? Sie können auf sich selbst aufpassen und ihm die Verantwortung für seine Beschwerden lassen. Nur er kann lernen, auf eine gesunde Art damit umzugehen. Sie dürfen die Forderung stellen, dass er sich darum bemüht. Solange er sich bemüht, übt, trainiert und zur Therapie geht, seien Sie geduldig und fragen Sie, wie Sie ihn unterstützen können. Das geht durchaus. Man kann sich langsam an die schöne Seite von körperlicher Nähe herantasten. Das können Sie gemeinsam tun. Sie können ihm auch mit den Erinnerungsattacken helfen.

Aber wenn er für sich entscheidet, in der Angst zu bleiben, dann ist es umso wichtiger, dass Sie gut für sich sorgen, indem Sie klare Grenzen setzen, was Sie mittragen können und was nicht.

„Wenn er mir dann noch erklärt, dass er aufgrund seiner Krankheit nicht in der Lage ist, sich um diese Sachen zu kümmern, dann fühle ich mich schlecht.“

Das hier klingt für mich, als wären sie verärgert darüber, dass er die PTBS als Erklärung/Ausrede für sein Vermeidungsverhalten benutzt. So meine Vermutung. Wenn dem so ist, dann ist es eine sehr gesunde Reaktion, sich schlecht dabei zu fühlen. Es würde bedeuten, dass Sie wissen, dass es sich um eine Ausrede handelt. Gleichzeitig haben Sie Mitgefühl, weil er nichts dafürkann, was er bei diesem Einsatz erlebt hat. Da entsteht Spannung. Ärger auf die Ausrede und Mitgefühl für das Leid.

An der Stelle mache ich Ihnen Mut dazu, diese widerstreitenden Gefühle anzusprechen und zu schauen, wie er darauf reagiert. Kämpft er oder bleibt er in der Angst? Will er den Konflikt lösen? Macht er Sie verantwortlich? Oder appelliert er an ihr Mitgefühl?

Schauen Sie gut nach sich selbst. Welcher Kompromiss ist noch ein Kompromiss und wo wird er zur Selbstaufgabe? Letzteres wird Sie früher oder später krankmachen. Das wäre nicht gut und kann nicht das sein, was Sie wollen. Wenn Sie merken, dass Sie da an eine Grenze kommen, und das haben Sie geschrieben, dann holen Sie sich ebenfalls professionelle Hilfe. Es ist leichter mit einem menschlichen Gegenüber zu schauen, wie Sie gut für sich sorgen können. Dazu möchte ich Sie ermutigen!

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg.

Ihre Stefanie Rösch

Seminare

26.10.2018 Veröffentlicht von 0 Kommentare

Seminare

Stefanie Rösch

Ich unterstütze Menschen dabei, Ihre innere Freiheit zu erlangen. Angst hindert uns daran, Freiheit und Verantwortung sind der Gewinn, wenn wir unsere Ängste überwinden.
Wenn Sie mehr zu meiner Person erfahren wollen, dann lesen Sie hier weiter.

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Seminare

Extremstress ist die Gemeinsamkeit in meinen Veranstaltungen, ob als Traumaschulung für Helfer oder als Deeskalationsseminar für Mitarbeiter in Behörden. Lesen Sie mehr.

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Vorträge

Meine Klienten und Seminarteilnehmenden haben mich viel gelehrt. Freiheit kann auch durch einen Impuls angestoßen werden. Vorträge sind das Mittel dazu. Mögliche Themen finden Sie hier.

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Therapie

Als Traumatherapeutin hole ich jeden Menschen da ab, wo er oder sie gerade steht. Therapie ist für mich eine Schule der sozialen Fertigkeiten: Wie gehe ich mit mir und anderen gesund um? Neugierig?

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Veröffentlichungen

Erfahrungen sollen weitergegeben werden. Neben den Veröffentlichungen auf dieser Seite habe ich auch ein paar anderen Zeilen geschrieben. Lesen Sie weiter.

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Wenn Sie mir eine Nachricht schreiben möchten, dann wählen Sie im Kontaktformular als Anliegen „eine Veranstaltung anfragen“. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich inhaltliche Anfragen nicht alle persönlich beantworten kann.

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Wir bemühen uns, so schnell wie möglich zu reagieren. Bitte denken Sie daran, dass wir Ihre Anfragen ehrenamtlich beantworten und der normale Praxisbetrieb vorgehen muss.

Telefon: +49 (0) 7531 693134
E-Mail: roesch@tiz-online.de

Leserfrage: Der Staat verweigert die Hilfe. Haben Sie einen Tipp?

11.03.2018 Veröffentlicht von Leserfragen, Strategien 2 Kommentare

Meiner Freundin und ihrem Sohn wurden trotz ihrer Hilferufe an Ärzte, Behörden, Polizei, Sozialpsychiatrischen Dienst, etc. nicht geholfen, so dass die psychische Erkrankung ihres Sohnes eskalierte. Meine Freundin wurde mit mehreren Stichen schwer verletzt und überlebte nur knapp.
Seitdem wird sie nur „hin u. her geschoben“ von Tagesklinik zu Tagesklinik, von Behördenforderungen erdrückt und inzwischen mit dem xten Medikament ruhiggestellt.
Sie ist ein vollkommen anderer Mensch geworden: depressiv, gestresst, bekommt nichts mehr auf die Reihe, erträgt die Menschen nicht mehr, hat kein Vertrauen mehr, geht nicht mehr raus (auch mit ihrem Hund nicht), ist stress-, licht- u. lärmempfindlich und macht sich Riesensorgen um ihren Sohn, mit dem sie sich immer gut verstanden hat. Sie war immer sehr stolz auf ihren Sohn, weil er seine Schule, Ausbildung mit sehr gut abschloss, Sport trieb, immer zuverlässig war.
Wir haben schon mehrmals versucht einen Traumatherapeuten zu bekommen, aber hier ist das wohl ein Riesenproblem.
Meine Freundin muss nun zur REHA. Die stationäre Traumatherapie hat man ihr trotz Widerspruch abgelehnt. Nun soll sie vom Versorgungsamt aus eine Medizinische Badekur machen. Ich kann es nicht fassen. Wir haben das Gefühl, das Thema wird gemieden. Es interessiert die nur, dass meine Freundin „wieder arbeitsfähig“ werden soll.
Aber meine Freundin ist ein Wrack mit nicht nur äußerlichen schlimmen Verletzungen und Narben, sondern mit vor allem inneren Verletzungen u. Narben. Sie hat  nun wieder das Gefühl, das nicht geholfen wird. Inzwischen geht sie finanziell den Bach runter. Sie hat wegen dem Ereignis ihren Job verloren und ist seit fast 3 Jahren krankgeschrieben. Das  Versorgungsamt bezweifelt ihren Krankheitszustand und zahlt nur 30% Beschädigtenrente. Das sind 138€. HARTZ 4 fordert, dass sie in eine kleinere Wohnung umzieht. Das Sozialamt fordert ihre alleinerziehende Tochter auf, für ihre Mutter zu zahlen. Die Verfahren laufen noch, aber es geht nicht vorwärts.
Was soll man da noch von dem „Sozialstaat“ halten? Das alles hilft meiner Freundin nicht gesund zu werden oder das Erlebte zu verarbeiten!!  Haben Sie einen TIPP für uns?

Lieber Leser,

in so einer Situation und aus dieser Entfernung einen Tipp zu geben ist sicher nicht möglich.

Aber ich höre Ihren Ärger, um nicht zu sagen die Wut über diese Hilflosigkeit. Es entsteht so sehr der Eindruck, dem Staat ausgeliefert zu sein und keine oder nicht die richtige Hilfe zu bekommen. Mit dieser Wut ist es nicht gut möglich, eine gute Unterstützung zu sein. Weil diese Wut aus der Hilflosigkeit entspringt und die Ohnmacht für Sie beide nur verstärkt.

Aus meiner Erfahrung braucht es jemanden, der daran glaubt, dass es wieder gut werden kann. Jemand der, so wie Sie es hier machen, indem Sie mir schreiben, nach Lösungen suchen. Es braucht jemanden der durchhält, wenn der andere nicht mehr kann.

Den besten „Tipp“, den ich habe, ist nicht aufzugeben und weiter nach einem Therapieplatz zu suchen.

Ich höre das immer wieder, dass Behörden noch nicht ausreichend über die Folgen von Gewalterfahrungen informiert sind. Dass Behörden nicht helfen. Dass Ärzte nicht ausreichend erkennen, was Trauma mit einem betroffenen Menschen macht und welche Unterstützung es braucht.

Ich begleite Menschen, denen es ähnlich geht. Meine Erfahrung ist, dass es schon hilft, sich nicht darauf zu konzentrieren, was nicht möglich ist, wie zum Beispiel die Dauer von gerichtlichen Verfahren zu beschleunigen. Sondern sich ganz darauf zu konzentrieren, wo es weitere oder andere Hilfe gibt und was im Alltag vielleicht schon funktioniert. Sich darauf zu konzentrieren, was möglich ist. Je mehr wir darüber nachdenken, was alles nicht ist und wo uns übel mitgespielt wurde, desto mehr denken wir über Dinge nach, die uns ohnmächtig machen. Wir können es nicht ändern, weil es vorbei ist. Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Indem wir über Dinge nachdenken, die wir nicht ändern können, machen wir uns selbst ohnmächtig.

Wenn wir oft genug Ohnmacht erleben, geben wir irgendwann auf und glauben, wir wären allem in unserem Leben hilflos ausgeliefert. Aber das stimmt so nicht. Die meisten Dinge in unserem Leben können wir selbst entscheiden. Es geht darum, sich das wieder bewusst zu machen.

Ich kenne da eine sehr beeindruckende junge Dame. Der ist es gelungen, mit einer ganz einfachen Übung und einem eisernen Willen innerhalb von vier Wochen den Schritt aus der Ohnmacht zu machen. Sie lebte in der Vorstellung, dass sowieso nur die anderen über sie bestimmen, was zu einem großen Teil wahr war, weil sie noch minderjährig war. Sie stellte sich jeden Tag die Frage, wofür es sich zu leben lohnt, wo sie doch sowieso keinen Einfluss auf ihr Leben hat. Es war jeder Tag eine Frage zwischen Suizid und weitermachen, weiter vor sich hinleben ohne echte Freude. Was sie am Leben gehalten hat, war ihr Glaube an Gott.

Und dann hat sie angefangen eine einfache Übung zu machen. Jeden Morgen ist sie aufgestanden und hat 20 Dinge aufgeschrieben, die sie entscheiden kann. Etwa so:

  1. Ich kann entscheiden, ob ich aufstehe oder nicht.
  2. Ich kann entscheiden, ob ich etwas esse und trinke oder nicht.
  3. Ich kann entscheiden, ob ich dusche oder nicht.
  4. Ich kann entscheiden, mit wem ich Kontakt haben will oder nicht.
  5. Ich kann entscheiden, ….

Jeden Tag 20 dieser Sätze. Nach 4 Wochen jeden Tag einen Satz mehr. Am Ende, nach drei Monaten waren es viele Sätze. Aber schon nach vier Wochen hatte Ihre Einstellung zum Leben sich geändert. Es hat mich sehr berührt als sie sagt: „Am Anfang dachte ich, Sie sind bescheuert. Aber jetzt, nach 4 Wochen kann ich sagen, dass Suizid kein Thema mehr ist. Ich weiß jetzt, dass ich leben will und mein Leben mitbestimmen kann.“

Es ist nicht alles gut. Und es ist noch ein langer Weg mit all den Folgen der Gewalt. Aber jetzt ist sie auf dem Weg und kann es selbst spüren und sieht jetzt auch, wo es hilfreiche Unterstützung gibt.

Vielleicht geht es nicht darum, dass niemand hilft oder man nicht die Hilfe bekommt, die man denkt, dass man sie braucht. Vielleicht geht es darum, den Rechtanwalt seinen Job machen zu lassen. Nur zu reagieren, wenn es nötig ist und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man selbst entscheiden kann.

Zum Beispiel können Sie sich über diesen Blog selbst informieren, woher die Symptome und die Ängste nach einer belastenden Lebenserfahrung kommen und was Sie dagegen tun können (PTSD).

Das gleiche gilt für Ihre Freundin. Lernen Sie gemeinsam über den Blog, so gut das möglich ist, woher die Beschwerden der belastenden Erfahrung kommen und was Sie schon dagegen tun können (Sicherer Ort, Hier und Jetzt), bis Sie einen geeigneten Therapieplatz gefunden haben. Einen geeigneten Therapieplatz können Sie über den PID  suchen.

Dazu können Sie sich beide wieder bewusst machen, was Sie alles entscheiden können. Sie können sich wieder darauf konzentrieren, wo Sie Einfluss auf ihr Leben haben. Die oben beschriebene Übung kann Ihnen dabei helfen.

Ich hoffe sehr, dass es Ihnen gelingt, sich von der Ohnmacht durch das Verhalten anderer und die Betrachtung der Vergangenheit abzuwenden und sich den Dingen im Leben zuzuwenden, die Sie beide selbst gestalten können.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg.

Stefanie Rösch

Leserfrage: Ich möchte, dass meine Klientin sich sicher fühlt bei mir. Wie schaffe ich das?

25.02.2018 Veröffentlicht von Leserfragen, Strategien 0 Kommentare

Ich möchte demnächst eine Frau begleiten. Sie braucht jemanden, der mit ihr die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. Es ängstigt sie, allein zu fahren, ihre Vergangenheit kenne ich allerdings nicht. Ich habe keinerlei Erfahrung mit Menschen, die PTBS haben.
Ich möchte der Frau so angenehm wie möglich sein. Ich möchte ihr helfen und sie unterstützen, sodass sie sich bei mir sicher und wohl fühlt. Ich bin eine Studentin ohne derlei Erfahrung, (1) möchte aber nichts falsch machen. Gibt es irgendwelche speziellen Tipps, die Sie mir geben könnten?
Was mache ich, wenn sie von einem „Trigger“ plötzlich in einen Anfall (2) gedrängt wird, wie muss ich reagieren, damit es ihr schnell besser geht oder wie kann ich sie unterstützen, damit sie sich nicht in dem Anfall verliert, sondern entweder es selbst schafft, da rauszukommen oder dass ich ihr mit dem Gefühl von Sicherheit zur Hilfe komme?
Außerdem möchte ich ihr das Gefühl vermitteln, dass ich sie und die PTBS ernst nehme, ohne direkt so taktlos darüber zu sprechen (3) – ich empfinde es als taktlos von mir, sie direkt darauf anzusprechen. Ich habe gehört, dass man vor allem bei PTBS-Patienten, wie auch bei depressiven Menschen, sehr auf seine Wortwahl achten muss, weil diese Menschen die Worte meist (4) negativ interpretieren. Ich überlege deshalb schon die ganze Zeit, wie ich ihr diese Ernsthaftigkeit vermitteln kann. Haben Sie Tipps für mich? Hätten Sie generell Hinweise für mich, wie ich mich am Besten (5) verhalten soll? Mein Ziel ist nicht, sie zu therapieren, dafür hat sie ihre Therapeutin, sondern für sie ein Fels in der Brandung zu sein, während sie mit mir durch die Gegend fährt. Eine Vertrauensperson (6), eine Sicherheit, jemand, bei dem sie sich wohlfühlt, sich sicher fühlt.

Liebe Leserin,

das sind viele Fragen und es gäbe wirklich viel zu sagen. Ich habe die Fragen durchnummeriert, auf die ich antworten kann.

Zu (1) Sie können nichts falsch machen. Es liegt nicht in Ihrer Hand, wie der andere reagiert. Das ist auch nicht Ihre Verantwortung. Jeder ist nur für sich selbst verantwortlich. Für sein Verhalten, seine Gefühle und seine Gedanken. Selbst wenn Sie in der besten Absicht versuchen, Gutes zu tun, kann es beim anderen genau das Gegenteil bewirken. Wenn Sie anderen helfen wollen, dann geht es immer darum, herauszufinden, was das Beste für den anderen ist. Um das herauszufinden, muss man fragen und offen darüber reden. Es bedeutet auch, dem anderen nicht alles abzunehmen, um es einfacher zu machen. Manchmal heißt es nur Mut machen, damit der andere es selbst tut, auch wenn es ihm schwer fällt.

Zu (2) Trigger sind Reize, die eine Warnreaktion auslösen, einen Fehlalarm. Keinen Anfall. Ein Flashback ist kein Anfall, sondern ein Flashback oder eine Erinnerungsattacke oder eben ein Fehlalarm. Einen Fehlalarm beendet man am schnellsten mit der Hier und Jetzt Übung. Gut ist es, wenn Betroffene lernen, diese Übung selbst zu machen.

Zu (3) Es ist nicht taktlos, über eine psychische Störung zu sprechen. Es sollte normal sein. Wenn die betroffene Frau nicht akzeptiert und sieht, dass sie ein Handicap hat, dann kann sich nichts ändern. Zu akzeptieren, dass es so ist, ist ein wichtiger Schritt Richtung Gesundheit. Also lernen Sie zu fragen, was Sie wissen wollen oder wissen müssen. Die meisten Betroffenen wissen, was Ihnen hilft. Vor allem, wenn Sie schon länger mit ihrem Problem leben. Also kann man sie fragen. Offenheit und Ehrlichkeit sind die besten Berater. Außerdem gibt es in der Textreihe zur PTBS viele Hinweise und Strategien, die man eine nach der anderen Ausprobiert, bis man findet, was hilft.

Zu (4) Dass traumatisierte Menschen dazu neigen, Reize und vor allem auch Worte negativ zu interpretieren, ist eine Beobachtung, die oft zutrifft und einen guten Grund hat. Wer viel Gewalt erlebt, dessen Gehirn verallgemeinert die negativen Erfahrungen: Eine Person verletzt mich, alle Menschen sind gefährlich (Einmal immer Fluch). Vor allem, wenn es nicht bei einer Gewalterfahrung blieb, sondern wiederholt Verletzungen ertragen werden mussten, kommt es zu stabilen, negativen Verallgemeinerungen. Dazu kommen all die negativen Sätze, die jemand mit Gewalterfahrungen von seinem Täter oder seinen Tätern gesagt bekam: Dir glaubt sowieso niemand, wir finden Dich überall, Du bist nichts wert, Dich will sowieso niemand und so weiter.

Zu (5) Am besten ist man ehrlich und offen und transparent. Nicht um den heißen Brei reden, sondern die Dinge beim Namen nennen. Darüber reden, was Auslösereize = Trigger = Warnreize sind und wie man mit ihnen umgehen kann. Und niemals über den Kopf hinweg entscheiden, sondern immer entscheiden lassen, selbst in kleinen Dingen und selbst wenn es wiederholte Entscheidungen sind. Zum Bespiel frage ich meine Klienten jedes Mal neu, ob Sie etwas zu trinken möchten und wenn ja, ob es Wasser oder Tee sein soll. Selbst wenn die Person jedes Mal den gleichen Tee wollte, bekommt sie den von mir auch beim 13 Besuch nicht automatisch, sondern muss sich wieder und wieder bewusst dafür entscheiden. Das ist es, was jemandem mit Gewalterfahrung zeigt, dass er Dinge in seinem Leben mitbestimmen kann.

Zu (6) Vertrauen bedeutet, sich sicher fühlen können, weil man sich dafür entscheidet, dass der andere es wohlwollend meint. Sicherheit entsteht durch Vorhersehbarkeit. Vorhersehbarkeit entsteht durch Ankündigungen, Einhalten von Absprachen und Versprechen sowie durch eigene Entscheidungen. Eine große Aufgabe, wenn Ihr Gegenüber viel Gewalt erlebt hat.

Darüber hinaus braucht es Menschen wie Sie, die sich interessieren und sich nicht davon abschrecken lassen, wenn keine Veränderungen wahrnehmbar sind. Ein Heilungsweg kann lange dauern und ist von vielen Tiefen und kleinen Fortschritten geprägt. Es braucht also Menschen, die durchhalten.

Das wünsche ich Ihnen, dass Sie die Kraft haben, durchzuhalten.

StefanieRösch

23.01.2018 Veröffentlicht von 0 Kommentare

Stefanie Rösch.

Dipl.-Psych. (Jhg. 1070)

Was begeistert Dich?

Wenn ich sehe, dass jemand einen wichtigen Schritt Richtung Freiheit macht. Zum Beispiel sagte eine Klientin nach vielen Stunden Therapie und mit langjähriger Gewalterfahrung irgendwann in einem Gespräch plötzlich: „Ich bin doch ein freier Mensch. Das geht so doch nicht!“ oder jemand anderes sagte: „Ich bin nicht mehr ohnmächtig. Ich kann mich jetzt wehren. Weil ich verstanden habe, dass das Gesetz mich schützt und meine Rechte genauso wichtig sind wie die von anderen.“ Das sind Aussagen oder Momente, die mich begeistern. Da empfinde ich eine tiefe Freude darüber, dass jemand sich befreit hat von seiner Vergangenheit. Ich freue mich über den Sieg des einzelnen Menschen und seines freien Willens über die Überlebensmechanismen unseres Hirns, bzw. unseres Körpers.

Du bist als Notfallpsychologin und Traumatherapeutin in eigener Praxis tätig? Warum hast du dich auf die Behandlung von Traumata spezialisiert?

Anfangs, weil ich dachte, da dauern die Therapien nicht so lang. Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Anfangs dachte ich auch, dass es ein Bereich ist, in dem ich das Gefühl habe, tatsächlich helfen zu können.

Heute ist mir klar, dass ich es tue, weil es meine Berufung ist. Es hat mich zu diesem Thema gezogen, weil ich die Ohnmacht kenne, um die es da geht. Ich kenne diesen Mechanismus, dass Gedanken und Bilder auftauchen und man den Eindruck hat, diesen Empfindungen ausgeliefert zu sein. Ich kenne auch die Verzweiflung, die Ohnmacht auslösen kann. Ich glaube, deswegen kann ich viele Situationen gut nachvollziehen und spüre sozusagen, wo „der Knoten“ ist. Ich habe festgestellt, dass ich eine große Liebe für die Menschen habe und Zeit mit ihnen zu verbringen ist meine Art zu lieben. Das Gespür für die Ohnmacht und meine Nächstenliebe, gepaart mit psychologischem Wissen und therapeutischer Erfahrung machen mich zu der Traumatherapeutin, die ich bin. Zu anderen Problemen fehlt mir oft der Zugang. Dann unterstütze ich Menschen dabei, jemanden zu finden, der da besser Bescheid weiß als ich.

Gibt es etwas, das du von deiner Arbeit mit traumatisierten Menschen gelernt hast? Hat sich deine Sicht auf die Welt verändert? Falls ja, inwiefern?

Wahrscheinlich könnte man ein Buch über meine persönliche Reise und Entwicklung mit meinen Klienten schreiben. Hier nur ein paar Beispiele: Ich habe gelernt, dass Aufgeben keine Option ist. Wenn ich sehe, wie meine Klienten jeden Tag wieder aufstehen und ringen und kämpfen, dann inspiriert mich das, das gleiche zu tun. Ich habe gelernt, dass es immer Hoffnung gibt und wir uns dem Bösen in der Welt stellen dürfen. Ich habe auch akzeptiert, dass es das Böse gibt. Was nicht bedeutet, dass der Mensch böse ist, nur sein Verhalten kann es sein, wenn es das Leid eines anderen zum Ziel hat. Ich habe gelernt, dass die Liebe am Leben erhält, wenn jemand keinen Willen mehr zu leben hat. Ich habe gelernt, dass wir für andere durchhalten können. Und ich darf immer wieder erleben wie groß Gott in alledem ist. Mein Glaube hat sich mit meinen Klienten und durch meine Klienten vertieft.

Neben der Praxistätigkeit bietest du Fortbildungen zu den Themen Trauma, traumasensibles Arbeiten und Stress an. Außerdem unterstützt Du gemeinsam mit einem Kollegen im Rahmen von Deeskalationsseminaren Mitarbeitende von Städte und Gemeinden einen kompetenten Umgang mit schwierigen Kunden zu erlernen. Warum machst Du die Jobs, die Du heute machst?

Weil es mir Spaß macht und weil ich es kann. Weil ich tolle Leute kennenlernen darf. Weil ich Stress und die Stressreaktion spannend finde. Weil ich die Kreativität von Menschen beeindruckend finde und nie genug davon bekommen kann, wie jeder seinen Weg findet und wie unterschiedlich und einzigartig wir sind. Und auch weil ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene.

Was macht Dir an deiner Arbeit am meisten Spaß?

Dass ich so viel lachen darf und auch noch dafür bezahlt werde.

Du sagst „Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“. Was bedeutet Freiheit für Dich? Was bedeutet Verantwortung?

Freiheit bedeutet für mich, dass ich meinen freien Willen dazu benutze, mich von den schmerzlichen Altlasten und Gewohnheiten meines bisherigen Lebens zu befreien und inneren Frieden zu suchen. Verantwortung bedeutet für mich, vollumfänglich für mich und mein Leben verantwortlich zu sein, für meine Gedanken, meine Gefühle und mein Handeln. Ich allein verursache sie und ich allein kann sie beeinflussen und damit auch verändern. Wenn ich frei werden will, ist es in meinen Augen notwendig, für mich Verantwortung zu übernehmen; nicht nur für die guten Dinge, sondern oder gerade auch für die Automatismen/Gewohnheiten und unbewussten Abläufe in meinem Hirn und Körper und alles, was ich nicht an mir mag. Ich muss erstmal akzeptieren, wie ich bin. Und dann mache ich mich daran, das zu ändern, was ich ändern will. Im Idealfall mit Unterstützung und in kleinen, machbaren Schritten. Für den Rest meines Lebens.

Was wird Dein nächstes Projekt?

Mein aktuelles Projekt ist, mich noch mehr auf die Dinge zu konzentrieren, die mir wirklich wichtig sind und angefangene Projekte erstmal abzuschließen, wie zum Beispiel diese Homepage zu erneuern. Ein nächstes Projekt wird dann vielleicht endlich ein Buch zu meiner Seminarreihe Traumasensibles Arbeiten sein oder ein Einblick in meine therapeutische Arbeit. Mal sehen. Es gibt noch so viele Dinge zu tun.

Was würdest Du sagen, wenn die ganze Welt zuhören würde?

Wahrscheinlich würde ich versuchen alles zu wiederholen, was die Leute, die ich bewundere, gesagt haben: Vorbei ist vorbei. Fühle, was es zu fühlen gibt für 5 Minuten, oder auch 10, und dann schaue nach vorne und entscheide Dich dafür, Dich auf das zu konzentrieren, was Du beeinflussen kannst. Denke an die Menschen, denen Du begegnest, allen Menschen, und versuche freundlich und fürsorglich zu sein, ohne Dich selbst zu überfordern oder aufzuopfern. Lasse den anderen wie er ist und unterstütze ihn dabei so zu werden wie er werden möchte. Sei ganz du selbst und sei Dir bewusst wie wundervoll und einzigartig Du bist. Sei wer Du sein willst, ohne andere in ihrem Wohlbefinden zu beschränken. Liebe deinen Nächsten – wie Dich selbst – und deswegen sei besonders liebevoll zu Dir selbst.

Leserfrage: Wie kann ich meiner Partnerin helfen, nicht mehr zu flüchten?

10.11.2017 Veröffentlicht von Leserfragen 2 Kommentare

Seit der Geburt unserer Tochter tauchte schleichweise die komplexe PTBS bei meiner Partnerin auf. Sie liebt mich und ich sie und gemeinsam lieben wir unsere Tochter. Wir wollen beide eine gemeinsame Zukunft leben.

Jedoch schmiss sie inzwischen sehr oft sie die ganze Beziehung hin und wollte vor allem flüchten. Jetzt wurde ihr einmal mehr bewusst wie sehr sie ein Uns möchte. Aber die Angst vor der Flucht ist bei mir deutlich vorhanden. Gibt es Möglichkeiten dies „einfach“ in den Griff zu bekommen, so dass sie nicht mehr die Flucht ergreifen möchte? Wie kann ich ihr helfen? Wie kann sie sich helfen? Und wir uns? Ich habe ihr bereits angeboten sie zu Traumatherapiesitzungen zu begleiten, was sie sich wünscht. Unser oberstes Ziel ist es, eine glückliche Familie zu werden und dass sie gesund wird.

Lieber Leser,

Einfache Lösungen gibt es natürlich nicht. Auch wenn wir sie uns immer wünschen.

Es gibt nur ein „Es-immer-wieder-Probieren“ und ein „Nicht-Aufgeben“. Wenn die Liebe da ist, dann sind Heilungswege für mich so etwas wie Laufen-Lernen. Bestimmt haben sie das Bild von einem Kind im Kopf, welches das erste Mal an den Händen eines Elternteils steht? Unsicher, wackelig. Es zieht sich selbständig an Stühlen und Sofas hoch, um stehen zu üben. Plumst immer wieder auf den windelgeschützten Popo und versucht es gleich wieder. Unterbrochen wird dieses Üben von frustrierten Wutausbrüchen und Tränen, aber auch von freudigem Lachen, wenn es gelingt und die Eltern sich sichtbar freuen und loben.

Irgendwann macht es die ersten Schritte, oft auf die ausgestreckten Arme der Eltern zu. Zuerst einen oder zwei, später mehr, dazwischen Hinfallen, ein Stück Krabbeln, dann wieder aufstehen und noch ein Versuch. Es dauert lange. Es braucht viele Stürze und jedes Mal ein neues Aufstehen.

Mit verletzten Menschen ist es genauso. Es braucht viele Versuche, dem Leid auf die Spur zu kommen und dann das eigene Denken und Verhalten zu ändern. Dazwischen gibt es Unterbrechungen, die wir oft als Fehlschlag oder Flucht erleben oder auch als Scheitern. Aber im Grunde ist es nur eine Unterbrechung, eine Pause vielleicht, vor dem nächsten Aufstehen und dem nächsten Schritt.

Es macht natürlich Sinn, sich auf die Suche nach dem Grund für die „Flucht“ zu machen. Hilfreiche Fragen können sein: Was geht einer Flucht unmittelbar voraus? Ein äußeres Geschehen? Eine Erfahrung? Oder sind es Gedanken? Eine Erinnerung die Angst macht, ausgelöst durch einen schwer zu erkennenden Reiz?

Wenn Sie den Auslöser für die Flucht erkennen können, dann ist ein wichtiger Schritt getan. Denn wenn ich den Auslöser kenne, kann ich lernen, nicht mehr mit dem gleichen Verhalten (der Flucht) darauf zu reagieren. Ich kann ein neues Verhalten trainieren, z.B. zu sagen, was gerade in mir vorgeht: dass da wieder diese Erinnerung ist und die Angst, dass es wieder so sein wird wie früher.

Ein Partner kann dann helfen, die Unterschiede zwischen damals und heute besser sichtbar zu machen. Hilfreiche Fragen dafür sind: Was sieht heute anders aus? Welche Personen waren damals beteiligt, welche heute? Was wurde damals gesprochen, wie heute? Welche Gerüche gab es damals, welche Geräusche, welche Körperempfindungen und wie ist es heute?

Das kann helfen zu erfahren, dass die Erinnerung alt und das damals hilfreiche Verhalten der Flucht heute nicht mehr notwendig ist. Heute gibt es mehr Möglichkeiten, die Situation in der Beziehung zu beeinflussen und für Sicherheit zu sorgen, für Austausch und damit für gute Lösungen und Freiheit von Angst.

Ich finde es hilfreich und notwendig, dass alle Beteiligten verstehen, was Trauma bedeutet, insofern empfehle ich Ihnen, die Seiten „Inhalte kompakt: Posttraumatische Belastungsstörung“ zu lesen. Dort finden Sie auch viele Strategien, die Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin ausprobieren können. Desweiten, wenn es um die Depression geht, sind oft „Giftige Gedanken“ eine mögliche Ursache. Auch dort könnten Sie hilfreiche Anregungen finden.

Ich wünsche Ihnen Kraft und Ausdauer für Ihren Weg.

Herzliche Grüße

Stefanie Rösch

Leserfrage: Das Täterintrojekt erklärt die Therapeutin zur Gefahr. Was tun?

01.07.2017 Veröffentlicht von Leserfragen, Motivation 4 Kommentare

Liebe Frau Rösch,
Sie haben Recht, das Täterintrojekt ist etwas anders als die giftigen Gedanken. Nächsten Monat habe ich einen neuen Versuch zu einer Therapie. Viel wird davon abhängen, ob eine Vertrauensbasis zu der Therapeutin da ist. Das ist das Schwierigste für mich. Hier wirkt das Täterintrojekt stark mit rein, jede kleinste nicht authentische Geste reicht aus und das Vertrauensverhältnis ist hin. Ich strenge mich wirklich an offen zu sein, zu vertrauen, aber ein Teil in mir möchte nur fliehen, das Täterintrojekt erklärt die Therapeutin zur Gefahr. Dann frage ich mich, wozu versuche ich es überhaupt. Ich möchte irgendwann frei sein.

Liebe Leserin,

War denn der Täter immer authentisch? Ich glaube nicht. Wie Täter so sind, versprechen sie Dinge, die sie nicht halten oder sorgen dafür, dass Sie als Betroffene in eine Situation kommen, die auf jeden Fall mit Gewalt endet. Egal ob es ein wenig mehr oder weniger Gewalt ist. Es ist und bleibt Gewalt. Ist das authentisch?

Warum lassen Sie sich vom Täterintrojekt vorschreiben, wem Sie vertrauen?

Das Täterintrojekt beschützt den Täter. Wollen Sie da mitmachen, wenn Sie dem Täterintrojekt nachgeben? Natürlich boykottiert das Täterintrojekt alle helfenden Beziehungen. Weil jede echte helfende Beziehung eine Gefahr für den Täter darstellt. Und Täter sind voller Angst, dass ihnen jemand auf die Schliche kommt. Weil sie genau wissen, dass Sie Verbrechen begehen.

Ich bin davon überzeugt, dass Ihr Täterintrojekt schon rumspinnt, wenn es das hier nur liest. Rumspinnt im Sinne von, es will nicht, dass Sie weiterlesen. Es will, dass Sie mir nicht mehr schreiben. Es will, dass Sie gar nicht erst zur Therapie gehen, weil man sowieso niemanden trauen kann und und und. Das jedenfalls stelle ich mir vor.

ABER: Sie bestimmen, ob es dem Täter in Ihrem Kopf gelingt, Sie von helfenden und heilsamen und wohlwollenden Beziehungen fernzuhalten. Sie können entscheiden, sich über „das Gelaber“ des Täterintrojekts hinwegzusetzen und trotzdem anzunehmen, dass die Therapeutin Ihnen helfen will. Denn das bedeutet Vertrauen. Vertrauen ist eine Entscheidung. Eine Entscheidung, anzunehmen oder zu vermuten, vielleicht auch gegen jede Chance zu hoffen, dass der Andere gute Absichten hat, auch wenn sein Verhalten uns manchmal weh tut oder scheinbar nicht stimmig ist.

Gesunde, wohlwollende Menschen sind widersprüchlich. Sie verhalten sich scheinbar unzuverlässig, weil sie freie Entscheidungen treffen können, d.h. sie können auf unterschiedliche Situationen auch unterschiedlich reagieren. Eben situationsangemessen. Nicht authentisch zu sein, so vermute ich, bedeutet für Sie, wenn das, was die Person sagt, und wie sie sich verhält nicht immer übereinstimmen. Ist das beim Täter so gewesen? War der immer stimmig? Oder war der auch nicht authentisch?

Es gibt wenige Menschen, die immer authentisch sind. Es gibt vorübergehend eine einfache Lösung für das Problem: Glauben Sie vor allem bei Therapeuten erstmal das, was derjenige Ihnen sagt. Ignorieren Sie die Körpersprache. Das macht es erstmal leichter. Idealerweise würde es so funktionieren, dass Sie nachfragen, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt. Denn meist handelt es sich um ein Missverständnis. Das kann man mit einer guten Therapeutin einfach besprechen. Kommunikation ist schwierig und bedarf, dass beide Seiten einander verstehen wollen. Dann kann man Missverständnisse, um die es meistens geht, einfach klären. Es braucht, dass Sie immer wieder alles auf eine Karte setzen. Aber das können Sie mit der Kollegin ja einfach direkt am Anfang besprechen. Nur Mut!!

Sie können frei entscheiden. Sie sind stärker als das Täterintrojekt. Sie sind noch da und das sagt mir, dass Sie stärker sind. Sie gehen wieder zur Therapie, weil Sie stärker sind. Sie wollen gesundwerden, weil Sie stärker sind. Das ist die Wahrheit. Und tief in sich drin wissen Sie, dass es die Wahrheit ist.

Ich wünsche Ihnen weiterhin alle Kraft für Ihren Weg.

Leserfrage: Was ist der Unterschied zwischen giftigen Gedanken und Täterintrojekten?

24.06.2017 Veröffentlicht von Leserfragen, Strategien 4 Kommentare

Liebe Frau Rösch, ich habe viele Ihrer Artikel in diesem Blog gelesen, vor allem das Thema giftige Gedanken berührt mich sehr. Ich habe eine Frage und hoffe, dass Sie vielleicht weiterhelfen können. Ich habe eine Traumkonfrontationstherapie gemacht, jedoch nicht erfolgreich. Die Therapeutin sagte, ein zu starkes Täterintrojekt würde die Zusammenarbeit unmöglich machen. Jetzt bin ich etwas ratlos, wie wird das behandelt? Ich weiß, dass diese giftigen Gedanken sehr stark sind und kämpfe dagegen an wo ich kann. Gibt es dabei eine Möglichkeit zur Unterstützung für mich? Seit dem Abbruch der Therapie habe ich fast jeden Tag Panikattacken und weiß nicht mehr weiter.

Liebe Leserin,

könnte es sein, dass Ihre „Panikattacken“ im Grunde Flashbacks sind (–> Erinnerungsattacken/Fehlalarme des Hirns)? Dann könnte alles helfen, was bei Flashbacks hilft (–> Was hilft gegen Flasbacks, weitere Möglichkeiten).

Dringender scheint mir jedoch die Frage nach den giftigen Gedanken und dem Täterintrojekt zu sein. Dazu möchte ich zuerst versuchen zwischen giftigen Gedanken und einem Täterintrojekt zu unterscheiden.

Giftige Gedanken, sind negative Gedanken, die im Autopiloten (–> Was ist der Autopilot?) in unserem Hirn unterwegs sind und uns meist, indem sie Angst auslösen, daran hindern frei zu sein. Aber es sind nur Gedanken. Wenn man sie entdeckt hat, dann reicht als Gegenmaßnahme, den Autopiloten „neu zu programmieren“, was aus meiner Erfahrung in erster Linie durch blanke Wiederholung erreicht werden kann (–> Giftige Gedanken). Hilfreich ist es, wenn man noch subjektive Beweise für den neuen, gesunden, positiven Gedanken finden kann.

Ein Beispiel: Wenn ich denke „Ich bin wertlos“, dann ist das ein giftiger Gedanke, der mich daran hindert frei zu sein. Bei allem, was ich tue, flüstert dieser Gedanke im Hintergrund, dass ich es nicht schaffe, weil ich wertlos bin. Wenn ich diesen Gedanken entlarvt habe (1), dann entscheide ich zuerst, dass ich in Zukunft „Ich bin wertvoll“ über mich selbst denken will (2), oder vielleicht auch „Ich liebe und akzeptiere mich so wie ich gerade bin“ (2). Dann wiederhole ich den Satz, täglich über mindestens 3 Wochen (3). Aus der Sportpsychologie weiß man, dass es ein paar Tausend Wiederholungen braucht, um einen Bewegungsablauf automatisch abrufen zu können. Für giftige Gedanken kann man sich das einfach genauso vorstellen. Wenn man jetzt noch dazu aufschreibt, was dafürspricht, dass man wertvoll ist (4), z.B., weil es Freundin A und B gibt, oder mein Hund sich freut, mich zu sehen, oder die Verkäuferin freundlich gelächelt hat, dann kann man den neuen Gedanken in den Autopilotenzustand (unbewusst/automatisiert) bringen.

Ein Täterintrojekt, wie ich es verstehe und meine, wenn ich in meinem Blog darüber schreibe, ist ein Bündel von Gedanken, das ein intensives Eigenleben führt. Im Grunde wie eine eigene Person (auch Ich-Zustand genannt). Meist sind diese inneren Anteile in ihrer Zeit (Zeitpunkt einer traumatischen Erfahrung) eingefroren. Sie können auf unterschiedliche Weise in Erscheinung treten. Bis dahin, dass sie das Handeln der Person übernehmen wie bei der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS –> Definition und Beschreibung).

Täterintrojekt werden diese Erinnerungs- /Ich-Zustände genannt, weil sie Verhalten und Forderungen eines Täters in unseren Köpfen weiterleben lassen (Introjekt = im Inneren abgebildet = wie eine Kopie des Täters in unserem Kopf). Man kann mit ihnen sprechen. Mit einem giftigen Gedanken kann man nicht sprechen, es ist nur ein einzelner Gedanke. Wie eine Haltung oder eine Erwartung. Ein Täterintrojekt ist komplexer. Mehrere Gedanken, Erwartungen und Haltungen, die täterfreundlich sind oder sich verhalten, um einem Täter zu gefallen, weil das mit weniger Gewalt oder Geschenken oder sonst wie belohnt wird. Sie beschützen die Täter durch ihr Verhalten.

Täterintrojekte behandle ich wie eigenständige Menschen, wie eine Person im Kopf meiner Klienten. Ich rede mit ihnen und versuche herauszufinden, was sie wollen. Manchmal verraten sie es und manchmal zicken sie rum. Wenn Sie rumzicken oder schaden wollen, zum Beispiel durch selbstverletzendes Verhalten, dann ermutige ich die Klientin, sich im Kopf zu wehren. (–>Täterintrojekte, das Recht auf Notwehr)

Damit das klappt, so meine Erfahrung, braucht es äußere Sicherheit. Also Sicherheit für den eigenen Körper. Es braucht eine stabile Beziehung (die Therapeutin), die zur inneren Notwehr ermutigt und Ideen liefert, wie das gehen kann. Die Therapeutin hilft zu erkennen, dass nichts passieren kann, wenn man sich gegen die Stimmen im eigenen Kopf wehrt. Täterintrojekte versuchen, Ihnen Angst zu machen. Lassen Sie das nicht zu! Was auch immer es ist, zum Zeitpunkt der Therapiesitzung ist es vorbei und Sie sind sicher. Davon gehe ich jedenfalls aus, denn sonst wäre die Therapeutin/der Therapeut Täter.

Alles, was in Ihrem Kopf stattfindet, können Sie lernen zu beherrschen. Machen Sie sich bewusst, wer da unterwegs ist und was derjenige von Ihnen will. Bisher habe ich den Eindruck, dass das nur mit einem furchtlosen Gegenüber (Therapeutin) geht, das Sie unterstützt und manchmal vorlebt, wie man sich wehrt.

Das kann ein sehr langer Prozess sein, aber man kann sich auch von hartnäckigen Täterintrojekten befreien. Bisher konnten meine Klienten und ich in meinen Therapien noch jedes Täterintrojekt in die Knie zwingen und rauswerfen.

Auch wenn es ein ziemlicher Kampf sein kann. Ja, ein Kampf. Immer ein innerer und manchmal auch äußerer Kampf, wenn zum Beispiel das Täterintrojekt meint, es muss den Therapieraum verlassen, um die Therapie abzubrechen. Für diese Fälle habe ich mit der Klientin dann VORHER abgesprochen, dass ich es daran hindere, seinen Plan auszuführen, indem ich mich zwischen Tür und Täterintrojekt im Körper der Klientin stelle und so verhindere, dass das Täterintrojekt gehen kann. Gleichzeitig spreche ich wie vereinbart mit der Klientin und sage ihr, dass sie jeder Zeit gehen kann, wenn sie will, aber sie muss es mir selbst sagen. Von Täterintrojekten lasse ich mir nichts sagen 🙂

Wenn die Introjekte durch rituelle Gewalt entstanden sind, dann mögen sie es gar nicht, wenn man laut ein Gebet spricht oder ein Lobpreislied singt und sie dann wegschickt. Aber auch Lieder wie „Die Gedanken sind frei“ haben sich schon als hilfreich herausgestellt. Manchmal passiert dann so etwas wie im Filmausschnitt am Ende bildlich dargestellt: Die Böse Hexe des Westens (unser Täter) schmilzt (verschwindet aus dem Kopf) nachdem Dorothy versehentlich einen Eimer Wasser über sie kippt (sich gewehrt hat/Notwehr) als Sie ihren Freund Vogelscheuche retten will, den die Hexe in Brand gesteckt hat (Letztendlich retten Sie sich selbst).

Ich hoffe, Sie finden jemanden, der diesen Kampf gegen das Täterintrojekt wieder mit Ihnen aufnimmt und an Ihrer Seite kämpft und Ihnen Mut macht, sich zu wehren. Ich weiß, dass Sie die Macht haben, das Täterintrojekt zu besiegen. Sie können es rauszuwerfen oder innerlich töten, wenn es sein muss. Auch wenn Sie das noch nicht glauben können. Ich bin mir sicher, dass Sie die Kraft dafür haben werden.

Leserfrage: Schuldgefühle, Hilflosigkeit und unser beider Trauma

10.06.2017 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Der Ex-Freund meiner Freundin verübte im Februar dieses Jahr einen Mordversuch auf mich, während meine Freundin morgens kurz mit ihrem Hund draußen war. Der Täter hatte sich illegal einen Schlüssel zu ihrer Wohnung beschafft und besaß ein Gewehr.

Als meine Freundin vom Gassi gehen zurückkam, sah sie ihn noch im Treppenhaus. Er versuchte meine Freundin mit dem Gewehrkolben niederzuschlagen. Sie wich dem Schlag aus und im Hinauslaufen, rief er ihr noch zu, jetzt Selbstmord zu begehen, was er auch tat. Als sie bei mir war, rief sie: „Was hat er Dir angetan.“

Wenn ich Ihre Seite so lese, habe ich eine PTBS, glaube aber noch, sie selbst in den Griff zu bekommen, da mir weder Krankenhausseelsorger noch Traumaambulanz weitergeholfen haben, auch wenn die Vermeidungsstrategie in bestimmten Belangen bei mir vorherrschend ist. Meine Freundin leidet unter einer größeren Posttraumatischen Belastungsstörung, was mir sehr zu schaffen macht.

Weiterhin gibt sie sich eine Mitschuld, was natürlich rational nicht stimmt, ich hingegen spreche von einer Verantwortung von mir für mich und eine Mitverantwortung für sie, was die Zukunft anbelangt. Ich möchte verstehen, was in ihr vorgegangen sein kann, als sie diese Hilflosigkeit verspürte und möchte vermeiden, dass wir uns gegenseitig triggern, was natürlich als Gefahr vorhanden ist. Können Sie mir dazu Literatur empfehlen? Mir selbst reichen ihre Artikel über die PTBS, um an mir weiter zu arbeiten.

Lieber Leser,

jeder Mensch reagiert anders auf hilflose Momente. Der eine kann vielleicht ganz gut ertragen, dass er wenig oder nichts tun kann, wenn er angegriffen wird. Einen geliebten Menschen fast zu verlieren, ist eine ganz andere Herausforderung an unsere Bewältigungsfähigkeiten. Vor allem, wenn man sich verantwortlich fühlt, was Sie ja beide auf Ihre Art tun. Ihre Freundin fühlt sich für das Verhalten des Täters verantwortlich und Sie für das Befinden/ die Lebenszufriedenheit/ die Sicherheit ihrer Freundin in der Zukunft. Beides ist wie Sie schon richtig festgestellt haben so nicht richtig und nicht hilfreich, wenn die schwierigen Dinge im Leben passieren.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, warum wir uns verantwortlich und damit überhaupt erst schuldig fühlen: Wir können uns nur schuldig fühlen oder schuldig sein, wenn wir uns auch verantwortlich fühlen oder verantwortlich sind. Verantwortlich können wir nur für etwas sein, das wir auch kontrollieren können, auf das wir also nahezu 100% Einfluss haben.

Was der Täter macht, darauf hat Ihre Freundin 0% Einfluss und damit auch keine Schuld. Das gleiche gilt für die Sicherheit/Lebenszufriedenheit oder das Befinden Ihrer Freundin. Wie es ihr geht, dass hängt zu 100% von Ihrer Freundin ab. Es hängt davon ab, wie Sie eine Situation erlebt und interpretiert. Das bestimmt, wie es ihr geht. Ihre Sicherheit hängt davon ab, ob irgendjemand entscheidet, ihr Böses zu wollen, oder aber von unglücklichen Umständen wie bei einem Unfall.

Wofür wir tatsächlich verantwortlich sind, ist unser Verhalten, unser Befinden und teilweise sicher auch unsere Gesundheit. Nur wir können uns heilen. Unser Körper kann das und unser Verstand/ unsere Seele können das. Niemand sonst.

Wir fühlen uns schuldig, weil es uns die Illusion ermöglicht, wir hätten mehr Einfluss auf das Leben als wir rein rational haben. Wir wollen unsere positive Kontrollüberzeugung (wie Psychologen das nennen) aufrechterhalten. Ohnmachtserfahrungen passen da nicht so recht dazu. Im Grunde müssten wir davon überzeugt sein, dass ich zu 99% Einfluss auf mein Leben habe und es gleichzeitig Dinge gibt, die passieren, ohne dass ich einen Einfluss darauf habe. Dann wäre es leichter mit solchen Erfahrungen umzugehen, wie Sie beide es erleben mussten.

Schuldgefühle sind gefährlich, weil Sie uns dazu verleiten, zu oft in die Vergangenheit zu schauen. Das macht uns unweigerlich immer wieder ohnmächtig, weil wir die Vergangenheit nicht ändern können. Ein zweiter Grund, warum ich Schuldgefühle für gefährlich halte ist, dass Sie uns etwas vormachen. Sie bestärken uns in der Phantasie, mehr Einfluss zu haben, als wir tatsächlich haben. Damit berauben sie uns der Möglichkeit, tatsächlich neue und hilfreichere Strategien zu lernen. Neue Strategien lernen wir nur, wenn wir akzeptieren, dass die bisherigen nicht ausgereicht haben. Ich weiß, ich kann das Risiko mit neuen Strategien weiter minimieren, auch wenn ich nicht für 100%ige Sicherheit sorgen kann. Schuldgefühle können uns von diesem gesunden Wachstumsprozess abhalten und dazu auch noch krankmachen. Deswegen ist es gesund, sich der Realität zu stellen, auch wenn es uns unangenehm ist oder zuerst Angst macht.

Wie Ihre Freundin sich gefühlt hat, müssen Sie Ihre Freundin fragen. Da diese Erfahrungen einzigartig sind und die Menschen auch, kann Ihnen außer Ihrer Freundin niemand sagen, wie es ihr ging.

Es wird auch nicht möglich sein, sich nicht gegenseitig zu erinnern und damit Fehlalarme (Erinnerungsattacken) auszulösen. Mal abgesehen davon, dass das auch nicht hilfreich ist. Im Gegenteil. Über die gemeinsame Erfahrung zu sprechen und darüber, wie Sie sie überlebt und bewältigt haben, ist hilfreich. Sich zu sagen, wie es einem damit gegangen ist und die Gefühle nochmal zu spüren und auszudrücken, hilft dem Gehirn auszusortieren, welche Erinnerungsreize gute Warnreize sind und welche nicht (Zum Thema Warnreiz gibt es hier ausführliche Informationen: PTBS 2 – PTBS 5). In Ihrem Fall wird es so gut wie keine wirklich hilfreichen Warnreize geben, weil der Täter sich selbst gerichtet hat und damit keine Gefahr mehr darstellt.

Der einzige echte und hilfreiche Warnreiz, den ich mir aus Ihrer Schilderung vorstellen kann ist: „Mann mit Gewehr“ oder „Mann mit Waffe“. Wenn Ihr Gehirn wieder einen Mann mit Gewehr sieht, dann ist es gut, wenn es Alarm schlägt, damit Sie sich frühzeitig in Sicherheit bringen können. Alles andere, was eine Erinnerungsattacke (= Fehlalarm) auslöst, macht sehr wahrscheinlich keinen Sinn als Warnreiz (z.B. die Wohnung, das Treppenhaus oder etwas anderes) und wird deswegen über die Zeit hinweg mit neuen Erfahrungen und der bewussten Auseinandersetzung mit der Erfahrung verschwinden. Vermeidungsverhalten verzögert oder verhindert diesen Heilungsprozess, der im Grunde nur ein Sortier-Prozess ist: Das Gehirn sortiert gute und nutzlose Warnreize aus.

Insofern möchte ich Sie dazu ermutigen, über das Erlebte zu reden oder es aufzuschreiben, vielleicht nach den „Spielregeln“ von James Pennebaker (Schreiben hilft), der wissenschaftlich nachgewiesen hat, dass das Schreiben mit Gefühlen und Bedeutungen des Erlebten zu mehr Gesundheit und Lebenszufriedenheit führt.

Helfen Sie Ihrem Gehirn, die Erfahrung in Ihr Leben einzusortieren und zwischen guten und nutzlosen Warnreizen wieder unterscheiden zu lernen.

Ich wünsche Ihnen beiden viel Kraft für Ihren Weg.

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Dipl.-Psych. Stefanie Rösch
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