"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Posts zum Tag "Schlafstörungen"

Leserfrage: Wie kann ich nach dem Überfall wieder ohne Angst schlafen?

29.11.2016 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Ich wurde vor 12 Jahren überfallen und leide sehr darunter. Ich habe Angst und kann deswegen nicht schlafen: Bisher konnte mir keiner helfen. Alle Therapien wurden nun beendet. Haben sie eine Lösung? Ihre Artikel treffen alle zu und sind total interessant zu lesen. Danke!

Lieber Leser,

Ich weiß ja nicht, welche Art von Therapie Sie bisher gemacht haben. Insofern kann ich nicht sagen, warum Sie da bisher keine Hilfe finden konnten. Ich habe auch keine Lösung für Ihr Problem, weil es DIE Lösung nicht gibt.

ABER ich kann Ihnen erzählen, was ich meinen Klienten beibringe, die ebenfalls Probleme mit dem Schlaf haben. Das fängt schon damit an, dass es einen Unterschied macht, welche Art von Schlafproblemen Sie haben. Können Sie nicht einschlafen? Wachen Sie in der Nacht aus Alpträumen oder immer zur gleichen Zeit auf? Oder wachen Sie am Morgen zu früh auf und finden dann nicht zurück in den Schlaf?

Wenn es um das Einschlafen geht, so ist ein häufiger Grund, der das behindert, dass Erinnerungen im Übergang vom Wachen zum Schlafen gerne auftauchen. Der Verstand kommt langsam zur Ruhe und das Hirn wandert vom wachen Bewusstseinszustand über verschiedene Phasen hin zum Schlaf und der Bewusstlosigkeit, die damit einhergeht. Je nachdem, was Sie während des Überfalls erlebt haben, kann es sein, dass Ihr Hirn in die Notabschaltung gegangen ist und das bedeutet, dass das Hirn sich als Schutz vor einer Reizüberflutung und zum Sterben durch die Gewalterfahrung auf die Bewusstlosigkeit „vorbereitet“. Das Hirn schaltet sich langsam ab. Der Zustand dieser Notabschaltung kann einem Bewusstseinszustand kurz vor dem Einschlafen entsprechen. Deswegen tauchen die Erinnerungen dann wieder auf. Das wiederum erschreckt uns und dann sind wir wieder hellwach. Das bedeutet, die Erinnerung wurde durch den Bewusstseinszustand getriggert.

Wenn Sie immer wieder zur gleichen Zeit aufwachen, kann die Ursache schlicht und ergreifend sein, dass sich der Körper die Uhrzeit gemerkt hat. Ich kann mich an einen Klienten erinnern, der einen schweren Verkehrsunfall morgens um 4 Uhr hatte. Er wachte Wochen lang morgen um 4 Uhr auf und konnte nicht mehr einschlafen. Nachdem wir die Erinnerung bearbeitet hatten, wurde es besser.

Eine andere Ursache für nächtliches Erwachen können auch Alpträume sein. Das Gehirn versucht, die belastende Erfahrung zu bewältigen und wir träumen davon, manchmal genau das Geschehen, manchmal Szenen, die daran erinnern.

Bei Alpträumen habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, den Alptraum positiv zu Ende zu denken. Häufig enden Alpträume kurz bevor „das Schlimme“ geschieht. Wir haben im Traum so viel Angst, dass wir aufwachen bevor etwas passiert. Aber auch wenn wir es im Traum nochmal erleiden müssen, kann man den Traum zu einem guten Ende denken, bei dem die Bösen gefasst und verurteilt werden oder ich durch einen Superhelden gerettet werde. Wenn wir den Traum so positiv zu Ende denken, dann geben wir uns selbst das Signal von Stärke und Sicherheit. Wir stellen in unserer Phantasie wieder Sicherheit her. Wenn wir über Sicherheit nachdenken, wird der Körper als Folge von unseren Gedanken Entspannung herstellen. (Atikel: Was Sie gegen Alpträume tun können / Artikel: Was Sie gegen Schlafstörungen tun können)

Deswegen funktioniert die Übung Sicherer Ort auch ganz gut, um in den Schlaf zu finden. Das könnten Sie vielleicht mal ausprobieren.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Erfolg beim Üben.
Stefanie Rösch

Das Hirn merkt sich am besten, was wir vor dem Einschlafen denken

23.08.2014 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Dass Schlaf wichtig ist, weiß jeder. Dass Schlaf unter Stress für die meisten Menschen schwierig ist und der Schlaf sehr empfindlich auf schwierige Lebenssituationen reagiert, entspricht der allgemeinen Erfahrung. Es gibt wie bei allem auch ein paar Ausnahmen, Menschen, die trotz größtem Stress überall und jeder Zeit schlafen fallen können.

Schlaf ist existentiell wichtig. Wenn wir nicht schlafen, können unser Gehirn und unser Körper sich nicht erholen. Schlafentzug ist eine Foltermethode. Nicht schlafen können oder ein gestörter Schlaf sind ein Symptom einer Reihe von psychischen Störungen wie PTBS, Psychosen, Depression und – den Schlafstörungen, wie zum Beispiel dem Pavor Nocturnus, dem nächtlichen Hochschrecken ohne jeden ersichtlichen Grund.

Dr. Leaf berichtet, dass Schlaf viele Vorteile hat, auch das kleine Nickerchen zwischen durch: Körper und Hirn erholen sich. Unser System geht nochmal auf Anfang und wir können auch nach einem Nickerchen mit neuer Energie wieder loslegen. Unsere Denkfähigkeiten und unsere Kreativität steigern sich und die Chance, schlechte Entscheidungen zu treffen sinkt. Wir können sogar Lösungen für neue Probleme im Schlaf finden, während unsere Gedächtnis- und Intelligenzfunktionen ansteigen. Im Schlaf stabilisiert sich unser Gedächtnis. Informationen werden sortiert, im Langzeitgedächtnis verankert oder vergessen. Das sind so ein paar der wichtigsten Vorteile von Schlaf.
Jessica Payne von der University of Notre Dame zeigt mit ihrer Forschung, dass die Gedächtnisleistung deutlich besser ist, wenn man nach dem Lernen von Informationen schläft. Also sollte man tatsächlich kurz vor dem Schlafen gehen neue Informationen wiederholen, die man gut erinnern möchte. Es ist, als könnte unser Bewusstsein unserem schlafenden Hirn sagen, welche Informationen ins Langzeitgedächtnis gehören und welche nicht. Außerdem zeigt Frau Payne in einer anderen Untersuchung, dass während des Schlafs besonders emotional bedeutsame (belastende Erfahrungen und die Erinnerung daran) Inhalte abgespeichert werden, also Gedächtnisinhalte, die für unser Überleben sinnvoll sind – nach Auffassung unseres Hirns.

Das bedeutet, dass auch negative Informationen / traumatische Erinnerungsinhalte über Nacht verstärkt werden. Insofern wirkt es sich negativ auf unseren Schlaf und unser Gedächtnis aus, wenn wir uns vor dem Schlafengehen streiten oder uns mit Sorgen beschäftigen. Diese Gedanken werden verfestigt.

Dem können Sie entgegen wirken, indem Sie sich vor dem Schlafen gehen, mit positiven Erinnerungen, neuen Informationen oder aber einer Übung wie „Der sichere Ort“ beschäftigen, um Ihrem Gehirn die Information zu geben, dass Sie in Sicherheit sind und erholsam schlafen können.

Gute Nacht!

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Payne JD, Tucker MA, Ellenbogen JM, Wamsley EJ, Walker MP, et al. (2012) Memory for Semantically Related and Unrelated Declarative Information: The Benefit of Sleep, the Cost of Wake. PLoS ONE 7(3): e33079. doi:10.1371/journal.pone.0033079
Payne JD, Chambers AM and Kensinger EA (2012) Sleep promotes lasting changes in selective memory for emotional scenes. Front. Integr. Neurosci. 6:108. doi: 10.3389/fnint.2012.00108
Und hier gehts zum Amazon-Partnerlink von Wer hat mein Gehirn Ausgeschaltet?: Toxische Gedanken und Emotionen überwinden von Dr. Caroline Leaf

PTBS, Teil 8: Was können Sie gegen Alpträume tun?

11.10.2013 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Strategien 0 Kommentare

Auch Alpträume oder belastende Träume sind eine häufige Begleiterscheinung des Selbstheilungsprozesses nach einer belastenden Lebenserfahrung.

Was Sie gegen Schlafstörungen allgemein tun können, haben Sie im letzten Artikel gelesen. Hier nun ein paar Worte zu Alpträumen.

Es gibt unterschiedliche Alpträume nach belastenden Erfahrungen.

  • Es gibt die Träume, die genau das Ereignis wiedergeben, das Sie erlebt haben (z.B. DEN Verkehrsunfall, bei dem Sie verletzt wurden).
  • Es gibt Träume, in denen eine andere und doch ähnliche Bedrohung erlebt wird, wie während der belastenden Erfahrung (z.B. Sie träumen, Sie haben einen Verkehrsunfall mit einem LKW oder ein LKW versucht, Sie von der Straße abzudrängen.)
  • Es gibt Träume, die inhaltlich irgendwie, manchmal nur symbolisch mit der gemachten Erfahrung zu tun haben. (z.B. Sie träumen, Sie gehen in ein Haus über dem ein Totenkopf schwebt.)
  • Es gibt Träume, die völlig unabhängig von der Belastungssituation sind. (z.B. Sie träumen vom Mittagessen oder einer Situation auf der Arbeit)

Allgemein zeigen Träume Ihnen an, dass Ihr Hirn versucht, gemachte Erfahrungen zu „verarbeiten“. Verarbeiten heißt, dass Ihr Gehirn aussortiert, was Sie erinnern werden und was Sie vergessen dürfen. Ihr Gehirn versucht der Erfahrung die passende Form zu geben, in der alle Lebenserinnerungen abgespeichert werden müssen. Auch die Erinnerung an eine belastende Lebenserfahrung muss diese Form bekommen, wenn sie in Ihre Erinnerung eingepasst werden soll und damit ein Teil Ihrer Lebensgeschichte wird und Sie dann auch nicht mehr belastet.

Da diese besondere Erfahrung so intensiv war, kann auch der nächtliche Verarbeitungsprozess intensiv sein. Obwohl Ihnen Alpträume vielleicht noch mehr das Gefühl geben, keine Kontrolle über „all das“ zu haben, können Sie auch Ihre Alpträume beeinflussen.

Achten Sie einmal genau auf Ihre Träume! Belastende Träume (Verfolgungsträume, Träume von Angriffen etc.) enden meist, BEVOR Sie von Ihren Verfolgern erwischt werden. Sie haben vielleicht Angst, aber Sie wachen in dem Moment auf, in dem Ihr Angreifer, Verfolger Hand an Sie legen will. Das bedeutet, in den meisten Fällen, dass Sie Sich darauf verlassen können, dass Ihnen Ihr Gehirn nicht mehr den ganzen Schrecken zumutet. Das ist doch eine gute Nachricht.

Aber auch, wenn Ihr Gehirn Sie nicht vorher aufwachen lässt, hat die folgende Technik sich bewährt.

Sobald Sie aufwachen, geben Sie Ihrem Traum ein gutes Ende. Denken Sie die Geschichte so weiter, dass Sie gerettet werden, heil entkommen können oder sich erfolgreich wehren. Sie können die Polizei, Gott oder Supermann in Ihren Traum holen. Sie können Sich vorstellen, plötzlich eine Waffe in der Hand zu haben oder eine Asiatische Kampfkunst zu beherrschen, die Sie über Ihren Angreifer siegen lassen. Wichtig ist, dass der Ausgang Ihrer Traumgeschichte mit Ihrer Rettung oder Ihrem Sieg endet. Auf diese Weise signalisieren Sie Sich selbst, dass Sie jetzt sicher sind und für Ihre Sicherheit sorgen können.

Ein Beispiel: Ich habe manchmal Träume von einem Einbrecher. Ich habe so gut geübt, mich zu wehren, dass ich schon im Traum anfange, mir vorzustellen, wie ich aus dem Bett springe und den Einbrecher mit meiner ganzen Kraft und einem wütenden Sprung mit den Füßen voraus in seinen Bauch durch mein Fenster in die Tiefe stoße. Bevor es dazu kommt, wache ich auf. Mein Herz klopft dann zwar und ich kontrolliere, ob ich auch tatsächlich alleine bin (siehe auch PTBS 6: Realitäts-Check), weil der Traum sich so echt angefühlt hat. Aber ich fühle mich dann gut, weil ich den Einbrecher vertrieben habe. Ich gehe an meinen sicheren Ort und komme nach ein paar Minuten wieder zur Ruhe und schlafe ein.

Probieren Sie das ein paar Nächte. Übung macht den Meister und wenn die Erfahrung Sie besonders aus der Bahn geworfen hat, dann kann es eine Weile dauern, bis Ihr Gehirn und Ihre Seele das Ganze verarbeitet haben. Also dürfen Sie auch an dieser Stelle üben, üben, üben. Nur Mut!

Weiter mit PTBS 9.

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