"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Posts zum Tag "Film"

Leserfrage: Kann es sein, dass ich Personen erfunden habe?

08.11.2016 Veröffentlicht von Leserfragen 1 Kommentare

Kann es sein, dass ich Personen erfunden habe, die so real sind, dass ich selbst nicht weiß, ob diese wirklich existierten oder ob das nur eine aus dem Kopf entsprungene Illusion war, die ich mir solange einredete bis ich nicht mehr wusste, was jetzt wahr ist?

Lieber Leser,

Erst gestern habe ich wieder eine Vorschau für einen Film gesehen, in dem ein Junge es wirklich schwer hat: er wird gemobbt, seine Mutter liegt im Sterben und seine Tante ist nicht wirklich einfühlsam. Er wünscht sich ein Baum-Monster, das dann tatsächlich erscheint und ihm Mut macht, sich zu wehren und Hilfe zu suchen. Den Trailer dazu unten.

Wenn wir über längere Zeit in ausweglosen und bedrohlichen Situationen überleben müssen, dann unternehmen unser Hirn und unsere Seele vielfältige Versuche, diese Lebensumstände erträglicher und vorhersehbarer zu machen.

Ein erfolgreicher Versuch kann sein, andere Personen zu „erfinden“, damit man sich in der Situation nicht so allein fühlt und jemanden hat, der einem Mut macht und beisteht, wenn es im wirklichen Leben niemand tut.

Grundsätzlich lässt sich in den meisten Fällen prüfen, ob eine Person real ist/war oder ausgedacht. Die Frage bleibt, ob es wichtig ist, diesen Unterschied heute noch festzustellen, wenn die Person damals real oder als Phantasie hilfreich war? Bei der realen Person könnte man sich bedanken und möglicherweise hätte man auch heute noch einen hilfreichen Menschen in seinem Leben. War sie eine Phantasie, dann kann man sich innerlich bei ihr bedanken.

Die dritte Möglichkeit wäre, dass es eine Person war, die einmal existiert hat, aber trotzdem nicht von anderen wahrgenommen werden kann, weil sie verstorben ist. Es ist nicht so ungewöhnlich, dass gerade Kinder vor kurzem verstorbene wichtige Personen noch wahrnehmen und das als tröstlich empfinden. Wer kann behaupten er wisse mit Sicherheit, dass das nicht sein kann? Es gibt so viele Dinge zwischen Himmel und Erde, warum sollten nicht verstorbene Großeltern oder Eltern oder andere geliebte Personen weiter Anteil am Leben eines zurückgelassenen Kindes nehmen?

Die vierte Möglichkeit wäre die Entstehung von inneren Personen, die helfen, Lebensumstände zu ertragen, die ein einzelner Mensch nicht ertragen kann. So ein inneres Team kann eine große Entlastung sein, aber da es oft auch innere Täter enthält, lebt es sich damit als Erwachsener nicht immer so gut und bedarf dann therapeutischer Begleitung, um zu lernen, auf eine gesunde Weise damit umzugehen.

Insofern kann man die Frage mit JA beantworten. Es ist möglich.

Eine Frage bleibt: Warum ist es wichtig, zu wissen, was in der Vergangenheit liegt und vorbei ist?

Und hier noch die beiden Filmankündigungen: A monster calls – leider auf Englisch, aber ich kann mir vorstellen, dass die Bilder für sich sprechen.

Deutsche Version: Aber nur halb so gut.

 

Achtung Gott: Psychologie und Film: Noah – Gottes Weg ist steinig

08.04.2014 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Psychologie und Film 0 Kommentare

Gerade ist im Kino Darren Aronofskys Film Noah angelaufen. Hier der Trailer auf Deutsch:

Was wie ein typisches Hollywood-Action-Spektakel daherkommt, zeigt dem geneigten Zuschauer, wie schwer es sein kann, Gottes Weg zu gehen. Ja, es ist ein bildgewaltiger Streifen voller Computer- und Tricktechnik, aber auch ein Film, der Noah als gottesfürchtigen, gehorsamen, zweifelnden, überforderten und liebenden Sohn, Mann, Vater und Gottes Krieger zeigt.

So vielschichtig wie die Vorlage ist auch der Film. Aus dramaturgischen Gründen nimmt Aronofsky drei grundlegende Abweichungen von der biblischen Erzählung vor, um erzählen zu können, wie schwer es ist, sich immer wieder für Gott zu entscheiden. Die erste Abweichung ist, dass Ham und Jafet, die beiden jüngeren Söhne Noahs, keine Frauen mit an Bord nehmen. Die zweite Abweichung ist, dass Sems Frau unfruchtbar ist. Der dritte dramaturgische Kompromiss ist die Überlegung, was wohl die anderen Menschen taten, als sie mitbekamen, dass Noah eine Arche baut. Die biblische Geschichte Noahs ist im Detail nicht ausformuliert. Sie lässt viele Fragen offen, denen Darren Aronofsky mit Phantasie und Sensibilität begegnet.

So gibt es keine Hinweise auf die Rolle der Frauen in der biblischen Version der Geschichte außer, dass sie da waren. Der Film dagegen zeigt starke Frauen, die entscheidende Momente dieser Geschichte beeinflussen und mit ihrer Liebe viele Leben retten.

Aronofsky lässt Gott durch Visionen und Wunder sprechen, auch wenn in der Bibel steht: der Herr sprach. Für Noah bedeutet dies, er muss diese Visionen und Zeichen entschlüsseln. Zu Beginn ist er sich sicher, was Gott ihm sagen will. Als er aufgrund seiner ersten nächtlichen Vision seinen Großvater aufsucht, ist er verunsichert. Doch Metuschelach erinnert ihn daran, dass er darauf vertrauen soll, dass Gott so zu ihm spricht, dass er es verstehen kann. Also beginnt Noah mit seiner Familie, die aus seiner Frau Naameh, seinen Söhnen Sem, Ham und Jafet und der angenommenen Tochter Ila besteht, die Arche zu bauen. Zu Hilfe kommen ihnen die Wächter, zur Erde gefallene Engel, welche Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies beistehen wollten und deren Wissen die Söhne Kains zum Bösen einsetzten. Sets Söhne, Set war Adams dritter Sohn, setzten sich nach Aronofsky wie befohlen für die Schöpfung ein und versuchten, sie zu bewahren. Kains Söhne waren es, die Gott so sehr erzürnten, dass er die Welt vernichten wollte.

Aronovsky gelingt es mit Tubal-cain dem Hochmut und der Zerstörungswut der Söhne Kains ein Gesicht zu geben. Tubal-cain, dessen Vater Noahs Vater für Bodenschätze ermordete.

Noah kämpft gegen den Widerstand all der Menschen, die Tubal-cain um sich versammelt hat und die leben wollen. Innerhalb seiner Familie muss Noah Gottes Plan gegen den Widerstand seines Sohnes Ham durchsetzen, der eine Frau will, obwohl Noah keine unschuldige Frau für ihn sieht. Er muss schwere Entscheidungen treffen, kämpfen, töten, für seine Überzeugung einstehen und allein stehen. Er muss durchhalten und er zweifelt an Gott. Er bekommt das Böse in Tubal-cains Lager zu sehen und erkennt das Böse in jedem von uns. Er zieht seinen Schluss und glaubt, es wäre Gottes Wille. Gott fordert viel und Noah bleibt ihm treu.

Am Ende legt Aronofsky Noah und Ila das Leben der Menschheit in die Hände. Während Noah noch zweifelt, haben die beiden Frauen an Bord der Arche Gottes Liebe bereits erkannt. Ilas Liebe zwingt Noah zu Barmherzigkeit und damit zum Überleben der Menschheit.

Der Film schließt mit jenem Regenbogen, den Gott sich zur Erinnerung an seinen neuen Bund mit Noah schafft (1. Mose, 12 – 17, „Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist.“). Wie ich neulich in einer Predigt hörte: Der Regenbogen ist Gottes Knoten in seinem Taschentuch, damit er nicht vergisst, dass er uns versprochen hat, nie wieder eine Sintflut zu schicken.

Ein sehenswerter Film. Wer tiefer schaut wird fündig werden.

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Noah auf IMDB.com, der vorwiegend englischsprachigen Filmdatenbank.
Darren Aronofsky auf IMDB.com.

 

Achtung Gott: Psychologie und Film: Philomena – Teufels Werk in Gottes Namen

09.03.2014 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Psychologie und Film 1 Kommentare

Als mich neulich eine Freundin dazu einlud, einen Feelgood-Movie anzuschauen, hatte ich die Erwartung einen Film zu sehen zu bekommen, den ich mit einem guten Gefühl verlassen kann. Ich hatte die Filmvorschau gesehen und die war wirklich lustig. Die alte, etwas schrullige Frau auf der Suche nach ihrem erwachsenen, adoptierten Sohn. Sie wird dabei von einem Journalisten unterstützt, der normalerweise nicht über menschliche Dramen schreibt, sondern über Russische Geschichte.

Hier der Trailer auf Deutsch

Das sieht lustig aus, oder? Hört sich unterhaltsam an und ich glaubte fest daran, dass der Film gut ausgeht. Philomena findet ihren Sohn und kann die letzten Jahre Kontakt zu ihm haben.

Dann saßen wir im Kino und alles kam ganz anders.

Der Trailer enthielt alle witzigen Momente des Films und hatte das ganze Drama verschwiegen. Philomena wird als sehr junge Frau im streng katholischen Irland ungewollt schwanger, weil sie niemand aufgeklärt hat. Sie wird mit dieser „Schande“ in ein Kloster gesteckt, muss das Kind unter unmenschlichen Bedingungen bekommen, sozusagen als Buße. Sie muss dort arbeiten und darf ihren Sohn nur eine einzige Stunde am Tag (oder in der Woche?) sehen. Schließlich wird sie Zeuge, wie die Nonnen ihren Sohn im Alter von fünf Jahren zusammen mit seiner kleinen, besten Freundin an reiche Amerikaner verkaufen. Sie wird gezwungen, ihn zur Adoption frei zu geben und verliert ihn aus den Augen.

50 Jahre später erzählt sie ihrer erwachsenen Tochter davon. Die ist entsetzt und weil sie ihre Mutter unterstützen will, spricht sie Martin Sixsmith an, der ihrer Mutter dabei helfen soll, diesen verlorenen Sohn zu finden.
Sie beginnen die Suche im Kloster, landen in Amerika und stehen am Ende doch wieder im Kloster.
Martin Sixsmith reagiert, wie wohl die meisten Menschen reagieren, wenn Sie erfahren, was Philomenas Sohn zugestoßen ist und wie eine verbitterte, religiös fehlgeleitete, egoistische alte Nonne mit Philomenas Suche nach innerem Frieden umgeht.
Philomena, oft etwas seltsam oder kurios in ihren Reaktionen, ist eine weise Frau. Zwei Zitate haben mich tief bewegt, für die sich dieser Film allemal lohnt.
Als Martin Sixsmith herausfindet, was die alte Nonne Philomena angetan hat, ist er zutiefst empört und sagt das auch. Die alte Nonne meint dazu nur: “Jesus wird mein Richter sein – nicht Leute wie Sie.“ Worauf Martin Sixsmith antwortet: „Wirklich? Ich glaube, wenn Jesus hier wäre, würde er Ihren Rollstuhl umwerfen – und Sie würden nicht aufstehen und weggehen.“
Doch Philomena schaut nur mitfühlend auf die Nonne hinunter und sagt dann zu Martin: “Ich will die Menschen nicht hassen. Ich will nicht wie Sie sein, Mr. Sixsmith. Schauen Sie sich an!”
“Ich bin wütend!” erwidert der und funkelt die Nonne an. Philomena: “Das muss anstrengend sein.”
Mr. Sixsmith kann nicht glauben, dass Philomena der Nonne einfach so vergeben will. Doch diese weise Frau sagt: „Es ist nicht leicht. Es ist schwer. Sehr schwer.“ Und an die Nonne gewandt: „Ich vergebe Ihnen, weil ich nicht wütend bleiben will.“
Damit geht Philomena hinaus und kann dieses Kapitel für sich abschließen.

Als Zuschauer lernen wir: Wütend sein ist anstrengend. Vergebung ist schwer. Aber Vergebung ist eine Entscheidung, kein Gefühl. Wer diese Entscheidung fällen kann, kann auch Frieden finden, weil er nicht mehr ständig zurückschauen muss auf Dinge, die er nicht ändern kann. Auf Dinge zurück zu schauen, die man nicht ändern kann, macht machtlos und am Ende depressiv. Philomena hat vergeben, egal wie schwer es war. Sie hat Gott an ihre Seite gelassen, sie hat um ihren verlorenen Sohn in all den Jahren getrauert und für ihn gebetet. Sie hat geheiratet, hat eine tolle Tochter und freut sich des Lebens. Man bekommt den Eindruck, dass sie trotz der erlebten Gewalt ein reiches Leben gelebt hat.

Mich hat dieser Film so berührt, weil er so gut schildert, wie Glauben und Religion von einzelnen Personen dazu missbraucht werden, im Namen Gottes Teufels Werk zu tun.
Am Ende des Films erfahren wir als Zuschauer, dass Philomenas Schicksal nicht das einzige dieser Art ist. Dass ganz viele irische Kinder verkauft wurden, meist an Amerikaner, die es sich leisten konnten. Wir lesen dass wahrscheinlich ebenso viele junge Frauen, teilweise schwangere Kinder (die jüngste Mutter im Film wurde 13 Jahre) bei der Geburt ohne ärztliche Hilfe ihr eigenes Leben ließen zusammen mit ihren ungeborenen Kindern.

Philomena ist eine Kriegerin Gottes, die uns Mut macht um unserer selbst willen zu vergeben und dass Schweigen zu brechen. Obwohl sie im Verlauf der Geschichte nicht wollte, dass Martin Sixsmith ihre Geschichte erzählt, entschließt sie sich am Ende doch dafür. Trotz Vergebung bricht sie das Schweigen und bringt die Verbrechen, die im Namen Gottes verübt wurden, ans Tageslicht. Zu vergeben bedeutet nicht, Täter davon kommen zu lassen. Vergebung ist für uns, die Opfer, nicht für die Täter. Die müssen sich trotzdem verantworten, hier vor Gericht, vor ihrem eigenen Gewissen und schließlich vor ihrem Schöpfer.

Ein sehenswerter, aufwühlender und Mut machender Film. Nicht nur für Christen.

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Philomena auf IMDB.com
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