„Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“ – Stefanie Rösch, 2013

Ihr Suchbegriff lernen

Zentrum für lebenslanges Lernen

18.02.2020 Veröffentlicht von 0 Kommentare

Thema der Weiterbildung:

Traumapädagogik und Traumazentrierte Fachberatung

 

Zielgruppe:

Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen, Menschen mit pflegerischer oder therapeutischer Ausbildung, Pädagog*innen oder verwandte Gruppen

Jeder Mensch ist eine Stadt: Dissoziative Identitätsstörung in Bildern erklärt. (Teil 6)

24.07.2021 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle 0 Kommentare
Foto von James Wheeler von Pexels

Andere Menschen sagen, ich verhalte mich unerwartet

Als ich einmal dachte, ich wäre einfach nur dissoziiert und nicht ansprechbar gewesen wegen einem dieser schwarzen Löcher, sagte meine Kollegin mir hinterher, ich sei plötzlich sehr forsch gewesen und das hätte so gar nicht zu mir gepasst. Ich weiß von diesen 1,5h allerdings nichts mehr und weiß auch nicht, was ich gesagt haben soll.

Eine Leserin

Ich glaube Ihnen, dass das sehr irritierend ist. Wie wäre es, wenn Sie Ihre Kollegin bitten, in diesen Momenten mal zu fragen, wer Sie sind? Also mit wem Sie gerade redet. Sie könnten ihr auch die schriftliche(!!) Erlaubnis geben, eine Bild- oder Tonaufzeichnung zu machen, damit Sie sich das anschauen können. Das würde dazu gehören, dass Sie als Bürgermeisterin alle Bewohner Ihrer Stadt kennenlernen und ein Archiv anlegen wollen. Andere Städte (wie die Kollegin) könnten Sie dabei unterstützen. Auch wenn es seltsam klingt.

Im Grunde ist auch kurz vor diesem Schwarzen-Loch-Zustand irgendetwas passiert, was dazu geführt hat, dass eine Bürgerin oder ein Bürger oder einer der Spione sich genötigt gefühlt hat, das Heft in die Hand zu nehmen. Ihre Aufgabe ist herauszufinden, was das gewesen sein könnte. Was hat die Kollegin kurz zuvor gesagt? War es eine Kritik? Ein Vorwurf? Eine Unterstellung? Oder hat das Telefon geklingelt oder gab es sonst ein Geräusch? Oder war es ein bestimmtes Wort oder ein Tonfall? Achten Sie darauf so gut Sie können. Bitten Sie die Kolleginnen, auch darauf zu achten. So können Sie immer mehr Informationen sammeln und werden einen Schritt nach dem anderen erfahren, wer alles in Ihrer Stadt lebt. Und ja, das dauert und ja das ist erstmal beängstigend. Aber Sie werden das schaffen!! Denn was immer es notwendig gemacht hat, dass Ihr Bürger-Team Sie so schützt, liegt bereits hinter Ihnen. Das haben Sie gemeinsam schon überlebt. Jetzt geht es darum, sich zu erinnern. Je mehr Menschen Ihnen dabei helfen, desto besser.

Andere Handschriften

Als ich meine Therapieaufschriebe für die nächste Therapiesitzung ordnen wollte fiel mir auf, dass da teilweise Blätter beschrieben sind, die nicht meine Schrift haben, sondern komplett anders waren.

Eine Leserin

Das bedeutet doch im Zweifelsfall nur, dass jemand aus Ihrem Bürger-Team versucht, Sie zu unterstützen. Das ist so, als würden Sie Ihre unsichtbare Sekretärin noch nicht kennen. Aber vielleicht können Sie Ihr Bürger-Team mal fragen, wer denn da die Aufzeichnungen von der Therapie macht und dass Sie dankbar für die Unterstützung sind. Ja es ist irritierend. Aber alles zu ihrer Unterstützung. Da versucht jemand, Sie stark zu machen!

Wo bin ich, wenn ich ganz weg bin?

Ich verstehe das Ganze nicht. Mich überfordert es auch. Ich suche Erklärungen und habe überlegt, ob ich vielleicht in diesen schwarzen Löchern fremd gesteuert bin durch irgendeinen Anteil tief in mir, den ich nicht kenne.

Eine Leserin

Wenn Sie in diesem Schwarzen-Loch-Zustand sind, dann kümmert sich einer aus Ihrem Bürger-Team um die Sicherheit. Ihr Bürger-Team hat seine Bürgermeisterin in den Panikraum gebracht. Wenn Sie in diesen Zustand kommen, bedeutet das, dass jemand im Bürger-Team Alarm schlägt und das Bürger-Team oder ein Spion in Aktion tritt, um entweder Sie zu schützen oder den Feind. Sie werden erst mit der Zeit herausfinden, wann was geschieht. Das braucht Zeit, Geduld und Spucke, sprich viel Mut.

Kann das Jahre später erst entdeckt werden, dass man mehrere Persönlichkeiten hat?

Eine Leserin

Ja. Das ist sogar sehr wahrscheinlich. Dieses Bürger-Team arbeitet so geschickt, dass es niemand merkt. Schließlich gehören die alle zu Ihrer Stadt. Die kennen ihre Bürgermeisterin gut. Und insbesondere der Feind will nicht, dass jemand merkt, dass die Stadt nicht von der Bürgermeisterin regiert wird, sondern vom Feind und seinen Schergen. Deswegen achtet der Feind darauf, dass das Bürger-Team sich so verhält, dass keine andere Bürgermeisterin einer anderen Stadt etwas merkt.

Nächste Woche …

… geht es um den Umgang mit schriftlichen Nachrichten an andere und warum die Täter Betroffene fürchten. Wenn Sie den ganzen 15-seitigen Artikel zusammen mit weiteren Artikeln zum Thema, sowie exklusiven Arbeitsmaterialien im Umfang von insgesamt 40 Seiten Information lesen wollen, können Sie den Artikel für 3 Euro in unserem Shop kaufen.

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Ihre Stefanie Rösch

Leserfrage: Ist es eigentlich egal ob die nächste Therapeutin tiefenpsychologisch arbeitet oder verhaltenstherapeutisch?

30.06.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Trauma-Informations-Zentrum

Liebe Leserin,

ich selbst arbeite kognitiv-verhaltenstherapeutisch. Als Verhaltenstherapeutin sehe ich die Welt und den Menschen aus einer bestimmten Perspektive oder durch eine bestimmte Brille. Tiefenpsychologisch fundiert arbeitende Therapeutinnen oder Ärzte schauen in ihrer Ausbildung durch andere Brillen. Welche Brille für Sie die passende, sprich hilfreiche Brille ist, können Sie nur selbst herausfinden.

Meine Brille, meine Sichtweise

Ich gehe davon aus, dass wir einen Körper mit einem Gehirn haben und eine Seele. Die Seele ist der Teil, der uns ausmacht. Das glaube ich einfach so.

Als Psychologin habe ich gelernt, dass unser Körper und unsere Seele Bedürfnisse haben. Bedürfnisse sind unangenehme Zustände im Körper, die dazu führen, dass wir etwas brauchen oder wollen. Also Durst bewirkt, dass wir trinken wollen. Hunger macht, dass wir Essen wollen. Schmerz machtzeigt uns, dass wir weg vom Schmerz wollen, Frieren lässt uns Wärme suchen. Das sind körperliche Bedürfnisse.

Natürlich gibt es auch seelische = psychische Bedürfnisse. Wir wollen uns sicher fühlen. Wir wollen geliebt werden. Wir wollen geschätzt werden und wir wollen Freude haben. Das ist die einfachste Einteilung. Ich mag es einfach.

Bedürfnisse beeinflussen unser Verhalten

Bedürfnisse führen also dazu, dass wir etwas suchen, was unser Bedürfnis befriedigt. Entscheidend ist für mich, dass wir LERNEN, wie wir unsere Bedürfnisse befriedigen.

Dabei gibt es hilfreiche Strategien, für sich zu sorgen = seine Bedürfnisse zu befriedigen, und weniger hilfreiche Strategien.

Menschen, die traumatisiert sind, konnten oder können vor allem ihr Bedürfnis nach Sicherheit nicht befriedigen. Ein Täter hat etwas Bedrohliches gegen den Willen der Person getan. Wenn solche ausweglosen Situationen einmal oder im schlimmsten Fall öfter geschehen, dann gibt es zum einen biologische Mechanismen (eine Stressreaktion), die dann die Symptome hervorruft, die Sie kennen (Flashbacks und andere dissoziative Beschwerden, dazu Herzrasen, Schlafprobleme, Posttraumatische Belastungsstörung oder auch eine DIS).

Nicht nur der Gehirn, sondern auch unser Selbst- und Weltbild verändern sich

Foto von Luis Quintero von Pexels

Dazu kommt, dass solche Erfahrungen uns dazu bringen zu überdenken, woran wir glauben (Selbst- und Weltbild wird in Frage gestellt). Oft entstehen ungesunde oder hinderliche Überzeugungen dabei wie „Ich darf andere nicht belasten“, „Ich bin für die Gefühle von anderen verantwortlich, deswegen muss ich dafür sorgen, dass es denen gut geht“, „Mir glaubt sowieso keiner“ und noch ganz viele andere Dinge.

Als Verhaltenstherapeutin geht es für mich darum, herauszufinden, welche Beschwerden die Stressreaktion ausgelöst hat und welche Überzeugungen Ihnen das Leben schwer machen. Anschließend möchte ich Sie dabei unterstützen, diese Dinge zu ändern. Und zwar durch Trainieren, sprich Übungen. Ich gehe davon aus, dass Sie ihre Überzeugungen und ihre Bewältigungsstrategien gelernt haben, beziehungsweise, lernen MUSSTEN, um zu überleben.

Psychotherapie ist wie eine neue Sportart zu lernen: Soziales Verhalten

In einer Psychotherapie geht es immer darum, wie sie besser mit sich selbst oder anderen umgehen können, also soziales Verhalten. Das Ziel ist, dass Sie selbst dafür sorgen können, dass es ihnen mit sich selbst und in Beziehungen gut geht. Das kann man lernen. So wie eine neue Sportart, deren Spielregeln man noch nicht kennt. Aber ein Trainer wird einem das beibringen, angefangen von den Spielregeln bis hin zu den notwendigen Bewegungsabläufen und komplexeren Spielzügen. Man muss es halt lernen wollen.

Meine persönliche Vorliebe

Foto von Jess Vide von Pexels

Für mich war die Sichtweise, dass wir Verhalten lernen immer die nachvollziehbarste Perspektive. Mich selbst so zu sehen, motiviert mich, mein Leben und damit meine psychische Gesundheit und Zufriedenheit in die Hand zu nehmen. Durch diese Sichtweise kann ich mein Leben beeinflussen, auch wenn ich keine volle Kontrolle darüber haben. Da es bei Traumafolgestörungen immer auch um den Verlust von Kontrolle geht, liebe ich diese verhaltenstherapeutische Brille.

Was wirklich wichtig ist

Letztendlich ist es wichtig, dass Sie sich ernst genommen fühlen und sagen können, was Sie lernen wollen. Sagen Sie, was Sie wissen wollen oder wobei Sie Hilfe benötigen. Dafür ist es egal, welche Brille man aufhat. Ich persönlich erwarte von jemandem, der mich ernst nimmt, dass er mir eine ernstzunehmende und ehrliche Antwort gibt. Ob das der Fall ist, können nur Sie im direkten Kontakt mit der Person feststellen.

Ich habe vor kurzem einen Artikel dazu veröffentlicht, was ich glaube, was eine gute Traumatherapeutin ausmacht. Lesen Sie doch einfach noch ein bisschen weiter.

Vertrauen Sie ihrem Bauchgefühl. Sie spüren, ob Ihnen jemand guttut oder nicht. Vielleicht braucht es ein paar Versuche, einen neuen Menschen, sprich eine Therapeutin kennenzulernen, aber letztendlich können Sie es nur selbst entscheiden. Niemand außer Ihnen ist dafür verantwortlich, wie es Ihnen geht.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

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Ihre Stefanie Rösch

Jeder Mensch ist eine Stadt: Dissoziative Identitätsstörung in Bildern erklärt. (Teil 2)

26.06.2021 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle 0 Kommentare
Photo by Iain from Pexels

Die Ziele und das Vorgehen der Feinde (=Täter)

Die Feinde der Bürgermeisterin, welche ihre Stadt belagern und bedrohen, haben das Ziel, nicht erwischt zu werden.

Es gibt einen starken Vertrag zwischen den meisten anderen Städten (= Mitmenschen) auf diesem Kontinent (= Deutschland). Dieser Vertrag besagt, dass alle Städte wertvoll sind und so respektiert werden, wie sie sind. Die Städte haben sich verpflichtet, sich bei Angriffen gegenseitig zu helfen.

Natürlich gibt es Städte (andere Menschen), mit denen man bessere Beziehungen unterhält als mit anderen. Aber das macht ja nichts. Damit der Vertrag grundsätzlich eingehalten wird, haben die Städte sich darauf geeinigt, einzelnen Städten (= der Polizei / dem Rechtssystem) das Recht zu geben, Städte aus dem Verbund auszuschließen (= Straftaten festzustellen und zu bestrafen).

Natürlich wollen diese feindlichen Städte nicht ausgeschlossen werden. Sie wollen weiter ihre Macht ausüben und andere Städte bedrohen und belagern. Deswegen schleusen sie sich Spione und Spitzel (= Täterintrojekte oder wie ich sage Groupis = Fans von den Feinden) in die belagerten Städte ein und verbreiten so noch mehr Angst unter den Bewohnern. Diese Spitzel werden alles tun, damit die Bürgermeisterin sich und ihre Stadt nicht befreit, indem sie sich an andere Städte wendet. Auch die Feinde außerhalb der Stadt werden alles tun, um die Bürgermeisterin und ihr Bürger-Team einzuschüchtern und in Angst zu versetzen. Denn solange die Bürgermeisterin in ihrem Panikraum sitzt, können die Feinde von außen zusammen mit den Spionen innerhalb der Stadtmauern die Stadt so regieren, wie es ihnen gefällt. Diese Macht wollen die Feinde auf keinen Fall aufgeben.

Wie kann die Bürgermeisterin ihre Stadt befreien?

Wenn die Bürgermeisterin ihre Stadt befreien will, dann werden ihr die Bürgerinnen und Bürger helfen, die von Anfang an in der Stadt gewohnt haben. Das ist das Bürger-Team. Die wollen eigentlich nur in Frieden leben. So wie die Bürgermeisterin auch. Das Bürger-Team hat viele Aufgaben übernommen als die Bürgermeisterin das nicht konnte. Deswegen ist das Bürger-Team manchmal ein bisschen misstrauisch, ob die Bürgermeisterin wirklich für Sicherheit sorgen kann. Die Bürgermeisterin wird ihren Bürgern nach und nach beweisen müssen, dass sie dazugelernt hat und jetzt für die Sicherheit aller sorgen kann.

Die Spitzel und Spione (= innere Gegner) werden gegen die Bürgermeisterin und ihr Team arbeiten. Die wollen ja die Feinde (=Täter) beschützen. Die Bürgermeisterin wird lernen wollen, wie sie Spitzel und Spione erkennt und wie sie die wieder loswird. Sie will auf keinen Fall, dass Spione den Frieden in ihrer Stadt stören oder den Feinden Tür und Tor öffnen.

Wenn die Bürgermeisterin ihre Stadt schützen will, wird sie lernen wollen, wie das geht. Was kann sie tun, um sich und ihre Bürger zu schützen? Am besten entwickelt sie mit einer externen Beraterin (=Therapeutin) ein neues Sicherheitskonzept für die Stadt, das sie Schritt für Schritt einführt. Dabei wird sie ihre Bürger davon überzeugen müssen, dass das neue Sicherheitskonzept besser ist als wenn das Bürger-Team für die Sicherheit sorgt. Das Bürger-Team hat nämlich nur die Bürgermeisterin (Seele) beschützt, nicht aber die ganze Stadt (= Seele und Körper mit Gehirn). Damit alle in Frieden leben können, ist es notwendig, dass sich alle sicher fühlen und sowohl die Bürgermeisterin (Sie) wie auch die Stadt (Körper) mit dem Bürger-Team (psychologische Funktionen, meist im Hirn gesteuert) sicher sind und nicht weiter angegriffen werden.

Die Stadt und das Bürger-Team kennenlernen

Photo by Quang Nguyen Vinh from Pexels

Je besser die Bürgermeisterin ihr Bürger-Team kennenlernt, desto leichter wird es ihr fallen, das Bürger-Team von Spitzeln und Spionen zu unterscheiden. Die Bürgerinnen und Bürger besser kennenzulernen ist aber nicht so einfach. Die verstecken sich gerne, weil sie Angst haben. Die ganze Stadt lebt ständig in Angst. Deswegen sind alle sehr vorsichtig und misstrauisch. Aber mit Hilfe von externen Beraterinnen wird es der geduldigen und mutigen Bürgermeisterin gelingen, ihr Bürger-Team nach und nach kennenzulernen. Das Bürger-Team wird ihr mehr und mehr vertrauen und der Bürgermeisterin sagen, was in ihrer Stadt los ist und welche Sorgen und Ängste sie haben.

Sobald die Bürgermeisterin davon weiß, kann sie mit ihrer externen Beraterin gute Wege finden, den Sorgen ihres Bürger-Teams zu begegnen und so mehr und mehr für Sicherheit sorgen.

Ein wichtiger Schritt ist, alle dazu einzuladen, sich bei der Bürgermeisterin zu melden und ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Stadtbewohner zu haben. Gut ist es, ein Archiv (= Dokumentation /Tagebuch) anzufangen, in dem die Bürgermeisterin alle wichtigen Informationen sammelt. Also die Namen und Berufe der Bürgerinnen und Bürger. Aber auch Hinweise auf Spitzel und Spione. Die Bürgermeisterin kann ihr Bürger-Team um Mithilfe bitten beim Zusammenstellen des Archivs. Jede Bürgerin erinnert sich an irgendetwas und jeder Bürger hat eine Aufgabe. Wenn alle zusammenarbeiten, dann entsteht ein Buch mit Stellenbeschreibungen (psychologische Funktionen) und historischen Ereignissen (Erinnerungen), welche wichtig für die Geschichte der Stadt (Biografie) sind. Die Bürgermeisterin will alles wissen.

Wissen ist Macht

Manche historischen Ereignisse (Erinnerungen) wird die Bürgermeisterin sehr gruselig finden. Sie wird erschrocken darüber sein, dass sie sich nicht selbst daran erinnern kann, obwohl sie zu dem Zeitpunkt schon Bürgermeisterin war. Sie wird zusammen mit ihrem Bürger-Team nochmal die Angst spüren, die ihre Stadt damals hatte. Sie wird sich ohnmächtig fühlen, so wie ihre Bürgerinnen und Bürger. Sie wird sich schämen und vielleicht auch schuldig fühlen, weil sie nicht in der Lage war, ihre Stadt zu beschützen. Vielleicht wird sie sich auch für die Dinge schämen, die der Feind ihrer Stadt angetan hat. Und am Ende wird sie hoffentlich wütend werden, wenn sie den Feind erkennt und weiß, dass sie alles gelernt hat, um ihre Stadt von jetzt an zu beschützen.

Je mehr sie um die Berufe Ihres Bürger-Teams weiß, desto schneller kann sie Spione und deren Handeln entlarven. Je mehr sie ihre Stadtgeschichte kennt, desto sicherer wird sie sich fühlen. Sie wird am Ende stolz darauf sein, dass ihr Bürger-Team sie so gut beschützt hat, als sie es noch nicht konnte. Sie wird erkennen, dass sie zu früh Bürgermeisterin wurde. Niemand brachte ihr bei, sich gegen den Feind zu wehren und der Feind war absolut übermächtig. Sie wird irgendwann die Macht des Städtevertrages erkennen und welche Hilfe sie hat und einfordern kann. Sie wird am Ende eine liebevolle und kämpferische Bürgermeisterin sein, die zu allem bereit ist, um ihre Stadt zu verteidigen.

Nächste Woche …

… werde ich beginnen, die konkreten Fragen und Schilderungen von Betroffenen zu beantworten. Den Anfang machen die Folgen von Konfrontationen: Flashbacks, Schreckstarre und Dissoziation. Wenn Sie den ganzen 15-seitigen Artikel zusammen mit weiteren Artikeln zum Thema, sowie exklusiven Arbeitsmaterialien im Umfang von insgesamt 40 Seiten Information lesen wollen, können Sie den Artikel für 3 Euro in unserem Shop kaufen.

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Ihre Stefanie Rösch

Jeder Mensch ist eine Stadt: Dissoziative Identitätsstörung in Bildern erklärt. (Teil1)

19.06.2021 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle 0 Kommentare

Inzwischen häufen sich die Fragen rund um das Thema Dissoziative Identitätsstörung (DIS) und all die damit verbundenen Beschwerden wie Stimmen im Kopf, Bewusstlosigkeit, Selbstverletzendes Verhalten, Erinnerungslücken, extreme Erinnerungsattacken und andere Formen dissoziativen Erlebens.

Mit dieser Artikelreihe unternehme ich den Versuch, ein wenig Licht in dieses dunkle Thema zu bringen.

Da es insgesamt mehr als 15 Seiten Informationen sind, habe ich für alle Ungeduldigen diese 15 Seiten, zusammen mit weiteren Artikeln zu diesem Thema, sowie ein paar exklusiven Arbeitsmaterialien zu einem knapp 40-seitigen Informationspaket zusammengestellt, das für 3 Euro unter diesem Link ab sofort zu erstehen ist. Danke für die Unterstützung meines Blogs. Ihre Stefanie Rösch

Trauma-Informations-Zentrum

Ich kann mir vorstellen, dass es Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, einige Angst macht, wenn Sie merken, dass verschiedene Dinge bei Ihnen anders sind als bei den Menschen um Sie herum.

Dieser Artikel ist mein Versuch, Ihnen ein hoffnungsvolles Bild dafür zu geben, was in Ihnen geschieht und warum das so ist. Da es dabei um sehr komplizierte psychologische Prozesse geht, werde ich auf Bilder zurückgreifen. Bilder helfen abstrakte, nicht direkt beobachtbare Abläufe vorstellbar und damit verstehbar zu machen. Je nach Frage, gibt es unterschiedliche Bilder, auf die ich zurückgreife. Suchen Sie sich das passende Bild für sich heraus. Fangen wir mit einem an:

Ein Mensch ist wie eine Stadt

Eine Stadt mit einer Bürgermeisterin und vielen Bürgern. Sie sind die Bürgermeisterin. Bürger sind unsere körperlichen und psychischen Bedürfnisse, unsere automatischen Gedanken, unsere Filter, mit denen wir Reizen eine Bedeutung geben, unsere Bewältigungsstrategien und auch unsere Erinnerungen. Die Stadt selbst ist der Körper, in dem das alles stattfindet.

Wenn die Stadt angegriffen wird, ist es die Aufgabe der Bürgermeisterin, die Stadt zu beschützen und für Sicherheit zu sorgen. Wenn aber die Bürgermeisterin noch zu jung ist und der Angriff zu übermächtig, dann müssen die Bürgerinnen und Bürger mithelfen, die Stadt und ihre Bürgermeisterin zu verteidigen und zu schützen. Wenn es mehrere Angriffe gibt, dann kann es sein, dass die Bürgerinnen und Bürger sehr geübt darin sind, ihre Bürgermeisterin zu beschützen. Dann darf die Bürgermeisterin gar nicht mitkämpfen, sondern wird manchmal von ihren eigenen Bürgern eingesperrt, in einen Panikraum. Dort bekommt sie nicht mehr mit, wie ihr Bürger-Team die Stadt verteidigt. Aus diesem Grund weiß sie auch nicht, welcher Bürger welche Rolle bei der Verteidigung der gemeinsamen Stadt spielt.

Wenn die Belagerung andauert

Wenn die Belagerung der Stadt lange Zeit andauert, kann es passieren, dass es den Angreifern (=Tätern) gelingt, Spitzel in die Stadt einzuschleusen. Spitzel heißen in Psychologensprache Täterintrojekte. Dieses Wort beschreibt psychologische Funktionen, die Täterverhalten schützen anstatt die Stadt und ihre Bürgermeisterin. Diese Spione können sich in der Stadt in Positionen bringen, in denen sie die Stadt steuern, ohne dass die Bürgerinnen und Bürger das so richtig merken. Die Bürgermeisterin kann sich dann immer wieder frei in ihrer Stadt bewegen, solange es eben keine Angriffe gibt. Bei einem Angriff wird Sie von ihren besorgten Bürgern schnell wieder im Panikraum eingesperrt, damit sie sicher ist, während ihr treues Volk für sie kämpft.

Wenn das so ist, dann denkt die Bürgermeisterin zwar, sie wäre die Chefin in ihrer Stadt, aber eigentlich hat ihr Volk die Regierung übernommen, zumindest was das zentrale Thema Sicherheit angeht. Später vertraut das Volk seiner Bürgermeisterin nicht mehr, dass diese für Sicherheit sorgen kann. Auch wenn die Bürgermeisterin inzwischen erwachsen und damit größer, stärker und erfahrener geworden ist. Die Bürgermeisterin denkt auch, dass sie nicht für Sicherheit sorgen kann. Deswegen geht sie ohne das Verhalten ihres Volkes in Frage zu stellen in den Panikraum, wenn ihre Beschützer ihr das sagen und sie schnell dorthin bringen. So fühlt sie sich sicher genug, um in der restlichen Zeit zu arbeiten, zu essen, zu trinken und andere Dinge zu tun.

Die Bürgermeisterin spürt irgendwann, dass etwas nicht stimmt

Allerdings geht es der Bürgermeisterin nicht gut mit dem Panikraum und ihrem eigenmächtigen Bürger-Team. Sie spürt einfach, dass etwas nicht stimmt. Sie hat nicht gemerkt, wie sie die Macht über ihre Stadt verloren hat, aber sie spürt durch Spaziergänge außerhalb der Stadtmauern und durch Begegnungen mit anderen Menschen aus anderen Dörfern, dass bei ihr irgendwas anders ist. Aber sie weiß trotzdem nicht so recht, was los ist und was sie tun könnte, um das zu ändern. Irgendwann geht es ihr so schlecht, dass sie ihre Stadt verlässt und nach Hilfe sucht.

Sie sucht und findet Hinweise auf Mentoren, Lehrerinnen und externe Beraterinnen (= Psychotherapeutin). Die Bürgermeisterin will lernen, wie sie wieder besser regieren und für ihre Bürgerinnen und Bürger sorgen kann. Es ist ihr noch nicht klar, dass sie dafür lernen muss, ihre Stadt vor Gefahren zu schützen und wie das geht.

Irgendwann trifft sie auf eine externe Beraterin (=Therapeutin).

Die externe Beraterin bringt ihr das eine oder andere bei, damit sie nicht immer in den Panikraum flüchten muss. Sie sorgt dafür, dass die Bürgermeisterin einen Hund bekommt, der sie daran erinnert, dass sie die Bürgermeisterin ist. Vor allem dann, wenn die ängstlichen Bürgerinnen und Bürger ihre Bürgermeisterin in den Panikraum bringen wollen, obwohl es gar keine Gefahr gibt. Mit der Zeit lernt die Bürgermeisterin, dass nicht immer alles gefährlich ist, auch wenn ihre Bürger sich so verhalten und sie in Sicherheit bringen wollen, obwohl es gar keine Gefahr gibt.

Die Bürger sind so ängstlich geworden, dass sie bei allem ständig überall Gefahr sehen und gar nicht mehr prüfen, ob es ein echter Angriff ist oder aber ein Fehlalarm. Das ist das erste, was die Bürgermeisterin lernen will, echte Angriffe von Fehlalarmen zu unterscheiden. Gleichzeitig will sie unbedingt lernen, wie sie ihre Stadt beschützen kann, damit ihre Bürgerinnen und Bürger wieder ihrem normalen Leben nachgehen können. Denn es ist die Aufgabe der Bürgermeisterin, die Stadt zu beschützen. Eine verantwortungsvolle Bürgermeisterin sorgt dafür, dass ihre Bürger genügend zu essen und zu trinken haben. Sie ist dafür zuständig, gute Beziehungen zu ihren Nachbarn zu unterhalten und ihren Bürgerinnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Leider waren ihre Lebensumstände so, dass sie niemanden hatte, der ihr beibrachte, was eine Bürgermeisterin können muss, um gut für ihre Bürgerinnen und Bürger sorgen zu können. Das ist sehr traurig. Jedoch kann die Bürgermeisterin alles lernen, was notwendig ist, um diesen Job zur Zufriedenheit ihrer Bürgerinnen und Bürger und zu ihrer eigenen Freude ausführen zu können

Nächste Woche …

… wird es darum gehen, wie das mit den Feinden (Tätern) funktioniert, wie die Bürgermeisterin ihre Stadt befreien kann und warum Wissen Macht ist. Wenn Sie den ganzen 15-seitigen Artikel zusammen mit weiteren Artikeln zum Thema, sowie exklusiven Arbeitsmaterialien im Umfang von insgesamt 40 Seiten Information lesen wollen, können Sie den Artikel für 3 Euro in unserem Shop kaufen.

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Sind psychische Störungen vererbbar? (5)

12.06.2021 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Depression und Suizidalität lernen

Ist ein Elternteil oder beide Eltern davon überzeugt, keinen Einfluss auf das eigene Schicksal zu haben, dann äußert sich das auf ganz unterschiedliche Weise. Ein Kind könnte folgende Verhaltensweise immer wieder miterleben:

  • Die Eltern wehren sich nicht gegen Ungerechtigkeiten oder Unrecht.
  • „Da kann man sowieso nichts machen.“
  • „Der Staat interessiert sich nicht für mich.“
  • „Du solltest eine Lehre machen. Das wäre das Beste für Dich.“ Obwohl das Kind intelligent ist und Abitur machen könnte.
  • „Das wird doch nie was.“
  • „Der hat mich provoziert.“, „Wegen dem habe ich jetzt den Salat.“
  • Bei Problemen verfällt ein Elternteil in einen Zustand von Bewegungslosigkeit und kriegt nicht mal den Alltag geregelt.
  • „Am besten ist, man versucht es erst gar nicht“ „Das bringt sowieso nichts“
  • Das Kind erfährt, dass der Onkel Karl sich im Wald aufgehängt hat. „Der hat es gut. Der muss sich mit nichts mehr rumschlagen.“

Es gibt viele mögliche Verhaltensweisen, die Ausdruck einer depressiven Weltsicht sind, also die Überzeugung ausdrücken, dass man dem Leben und anderen Menschen ausgeliefert ist.

Wenn ein Kind dieser Sichtweise ständig ausgesetzt ist, dann fängt es irgendwann an, die Welt mit den Augen der Eltern zu sehen. Das Gute ist, dass Kinder heutzutage noch andere Menschen haben, von denen sie lernen können. Insofern besteht trotz depressiver Sicht der Eltern eine gute Chance, von anderen Menschen eine gesunde Haltung zu lernen.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass das Kind in einer Familie aufwächst, in der seine Bedürfnisse aus irgendwelchen Umständen nicht erfüllt werden können. Das kann ein krankes oder fehlendes Elternteil sein oder ein behindertes Geschwisterkind. Solche familiären Umstände können bewirken, dass das Kind versucht, gute Stimmung zu machen. Einfach, weil es die Erfahrung macht, dass es ab und zu dafür gelobt wird, weil es so brav ist. Oder es gesagt bekommt, es muss Verständnis haben, weil es ja Mama oder Papa oder Bruder oder Schwester gerade schlecht geht. Es kommt zu dem Schluss, dass es für das emotionale Gleichgewicht in der Familie verantwortlich ist. Solange die Umstände anhalten, hat es den Eindruck, die Gefühle der anderen tatsächlich beeinflussen zu können. Es lernt zu helfen oder einfach nur brav zu sein oder Leistung zu erbringen. Was bewirkt, dass das Kind Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommt. Wenigstens hin und wieder.

Später dann funktionieren diese Bewältigungsstrategien nicht mehr. Egal wie sehr es sich um das Wohlbefinden anderer bemüht, die eigenen Bedürfnisse werden trotzdem nicht erfüllt. Dahinter könnte eine Überzeugung stecken wie „Wenn ich nur brav genug bin, dann werde ich auch geliebt“ oder „wenn ich dafür sorge, dass es dem anderen gut geht, dann kann er sich auch um mich kümmern“. Leider funktioniert das in den meisten Fällen nicht. Wenn man aber lange genug versucht, es anderen recht zu machen, erschöpft man sich irgendwann. Das nennt man dann Depression mit all den Beschwerden, die dann entstehen. Dazu gehören ungesunde Haltungen wie „ich bin selbst schuld an meinem Leid“, „ich bin wertlos“ oder „ich schaff das nicht“. Dieser Zustand kann einem den Schlaf rauben oder aber ist so anstrengend, dass man ständig schlafen könnte, aber keine Ruhe findet. Manche Menschen essen dann mehr, andere fast nicht. Und wenn das Leben einfach zu traurig ist, dann will ein Teil so nicht weiterleben. Diese Menschen denken dann darüber nach sich umzubringen, schmieden Pläne und ein Teil der Betroffenen bringt sich auch um.

Depression bedeutet in vielen Fällen der festen Überzeugung zu sein, das eigene Leben nicht gestalten zu können, sondern von anderen bestimmt zu werden. Das kann der Arbeitgeber sein oder der Staat oder manipulative Familienangehörige oder jeder Mensch, mit dem man zu tun hat. So eine Überzeugung ist schnell mit großer Wut verbunden, von der man glaubt, sie nicht ausdrücken zu dürfen. Wenn man die Wut schon nicht ausdrücken darf, dann sollen die andern sehen wie sie ohne mich zurechtkommen. Dann wird diese Wut manchmal gegen die eigene Person gerichtet und das kann tödlich sein.

Gerade bei Depressionen sind erlernte Überzeugungen eine zentrale Ursache für die Beschwerden, die man beobachten kann und unter denen Betroffene so sehr leiden.

Ein Wort zum Schluss

Veranlagung (Genetik) und erlernte Überzeugungen sind beides Versuche, die Ursachen von über Generationen hinweg wiederkehrenden psychischen Störungen innerhalb einer Familie zu erklären. Dass Überzeugungen eine zentrale Rolle spielen, kann man mit großer Sicherheit sagen. Inwiefern es eine genetische Komponente gibt, muss noch erforscht werden. Der beste Erklärungsansatz ist in dem Zusammenhang das Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Ausschließen kann man körperliche und damit genetisch festgelegte Einflussfaktoren bisher nicht. Dazu fehlen die passenden Forschungsmethoden zu dieser Frage. Meines Wissens können psychische Prozesse bisher nicht im menschlichen Genom (= Erbanlagen) aufgezeigt werden.

Insofern glaube ich weiterhin, dass der Einfluss von Lebenserfahrungen und wie wir damit umgehen die entscheidende Größe für die Entstehung der meisten psychischen Störungen ist. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Autismus, Verletzungen durch Unfälle oder psychische Beeinträchtigungen durch eine Minderbegabung, die ebenfalls psychische Beschwerden bewirken.

Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass der größte Teil aller psychischen Störungen durch die (Fehl-)Verarbeitung von ungünstigen Lebensumständen entstehen. Das gibt mir Hoffnung auf Heilung.

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Ihre Stefanie Rösch

Leserfrage: Wie finde ich eine gute Traumatherapeutin?

08.06.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Foto von Francesca Milano von Pexels

Hallo Frau Rösch,
Haben Sie eine Idee, wie man eine gute Traumatherapeutin finden kann, wenn auf den Internetseiten bei den Suchen keine Einträge gefunden werden?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

.

Trauma-Informations-Zentrum

Liebe Leserin,

Erstmal die Antwort, die Sie sicher nicht hören wollen: Durch unaufhörliches Suchen und Fragen stellen. Auch eine entsprechende Aussage auf einer Internetseite bedeutet noch nicht, dass diese Therapeutin für Sie geeignet ist. Sie mag kompetent sein und kann trotzdem nicht zu Ihnen passen.

Meine persönliche Meinung dazu ist, dass es auch auf die Chemie ankommt. Sympathie auf beiden Seiten ist eine große Hilfe. Eine Therapie bringt immer wieder Missverständnisse mit sich. Die machen es schwer dran zu bleiben. Es ist unangenehm einen Konflikt anzusprechen und wieder zu klären. Ich fand Sympathie da immer hilfreich, auf beiden Seiten.

Also bleiben Sie dran. Das Internet bietet Ihnen eine Auswahl wie über den PID oder die anderen Suchmöglichkeiten. Aber dann heißt es anrufen und Fragen stellen.

Gesundwerden heißt auch, dass am Ende des Tages nur Sie spüren, ob es langsam, ganz langsam besser wird. Wenn Sie gesund werden wollen, dann wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als sich selbst zu vertrauen und immer wieder alles auf eine Karte zu setzen und sich immer wieder daran zu erinnern, dass ihre Therapeutin Ihnen wohlgesonnen ist. Auch wenn es manchmal nicht so scheint. Sie wollen gesund werden, dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig als die Anstrengung auf sich zu nehmen, die das bedeutet. Aus meiner Erfahrung geht es nicht ohne Anstrengung.

Was macht eine gute Traumatherapeutin in meinen Augen aus?

Foto von Petr Ganaj von Pexels

Eine gute Therapeutin interessiert sich für Sie. Das merken Sie an den Fragen, die sie stellt oder daran, dass sie nachhakt und manchmal sogar nervt.

Sie übernimmt die Verantwortung für das Klären von Konflikten. Sie ist achtsam für Konflikte und spricht sie an. Das enthebt Sie als Klientin nicht der Verantwortung, das auch zu tun.

Eine gute Therapeutin kennt ihre eigenen Verletzungen und sorgt gut für sich. Deswegen müssen Sie sie auch nicht schonen. Sie kann Ihnen sagen, wie sie für sich sorgt. Sie kann Ihnen auch sagen, warum Sie als Klientin keine Belastung für sie sind.

Gerade bei einer DIS finde ich es wichtig, dass wir als Therapeutinnen darauf drängen, dass wir nicht die einzigen Unterstützerinnen sind. Auf der anderen Seite halte ich es für einen Behandlungsfehler, jemanden ohne zusätzliche Helferinnen aus diesem Grund abzulehnen. Gleichzeitig wird eine verantwortungsvolle Therapeutin immer wissen, was Sie leisten kann und was nicht mehr. Sie wird immer zuerst an sich denken, damit Sie gesund bleibt. Sie hat klare Grenzen. Sie ist ehrlich, sich selbst gegenüber aber auch ihren Klientinnen gegenüber. Sie ist zuverlässig und im Idealfall arbeitet sie aus Liebe zu den Menschen in ihrem Beruf.

Sie vermittelt Wissen

Eine gute Traumatherapeutin hilft Ihnen nicht nur mit den psychologischen Folgen von traumatischen Folgen umzugehen, sondern bringt Ihnen bei, wie sie für Ihre Sicherheit sorgen können. Sie ist unerschrocken und kann für ihre eigene Sicherheit sorgen. Sie wird Ihnen beibringen, sich zu wehren. Sie wird nicht weglaufen, sollten Sie noch Täterkontakt haben, sondern Sie dabei unterstützen, keinen Täterkontakt mehr aufzunehmen und sich vom Täter oder den Tätern fernzuhalten. Wenn sie bedroht werden sollte, weiß sie sich zu wehren. Deswegen kann sie Ihnen auch beibringen, wie das geht.

Sie kann Ihnen Ihre Beschwerden erklären, weil sie ein Modell für die Symptome hat. Sie erklärt Ihnen diese Beschwerden so lange, bis Sie selbst zur Expertin für Ihre Störung werden. Ich halte es für wichtig, dass Sie lernen und im besten Fall selbst erklären können, wie Ihre Symptome entstanden sind und auch, was man unter Dissoziation versteht. Eine gute Therapeutin wird Ihre Fragen niemals damit beantworten: Das müssen Sie nicht wissen oder das müssen Sie nicht verstehen. Sie wird immer nach Worten suchen, damit Sie auch komplizierte oder schwierige innere Vorgänge kennen- und verstehen lernen – wenn Sie das wollen.

Eine gute Therapeutin wird Ihnen beibringen, warum sie bestimmte Beschwerden haben, wie Sie mit diesen Beschwerden im Alltag umgehen können und was Sie langfristig tun können, um diese Beschwerden nicht mehr zu haben. Das beste Beispiel sind dissoziative Zustände. Sie kann Ihnen erklären, was eine Dissoziation ist und welche Art von Dissoziation Sie gerade haben. Sie wird Ihnen Möglichkeiten zeigen, kurzfristig mit dem dissoziativen Zustand umzugehen, z.B. durch einen Assistenzhund oder andere Hilfsmittel. Schließlich wird sie Ihnen beibringen, was Sie tun müssen, um irgendwann keine Dissoziation mehr zu benötigen, um mit Ihrer Angst in einer Situation umzugehen.

Eine gute Therapeutin ist achtsam für sprachliche Missverständnisse und wird zusammen mit Ihnen eine Sprache finden, damit Sie sich gegenseitig verstehen. Sie bekommen klare Antworten auf Ihre Fragen, auch wenn Ihnen diese Antworten nicht immer gefallen.

Sie geht in Beziehung zu Ihnen

Foto von Suzy Hazelwood von Pexels

Eine gute Therapeutin reagiert emotional auf Sie. Sie ist betroffen, traurig, freut sich mit Ihnen, wenn sie Fortschritte machen. Sie begleitet Sie auf ihrer Reise auf eine ganz menschliche und berührbare Weise. Es wird Zeiten geben, in denen sie das nicht kann, weil auch Therapeutinnen manchmal schwierige Zeiten durchmachen. Das dürfen Sie ansprechen und Ihre Therapeutin wird Ihnen eine verständliche Antwort geben. Dafür muss sie nichts Persönliches preisgeben, wenn sie das nicht möchte. Es muss ja nur nachvollziehbar sein. Es würde ja reichen: „Ich habe gerade eine schwierige Situation in meinem Leben, deswegen wirke ich unkonzentriert. Bitte sagen Sie mir, wenn Sie das wahrnehmen.“ Als Klientin wissen Sie dann, dass es nicht an Ihnen liegt. Das ist wichtig.

Eine gute Therapeutin hat klare Regeln, an die sie sich selbst auch hält. Das betrifft vor allem die Kommunikation. Wann und wie können Sie Ihre Therapeutin erreichen und wann und wie wird sie antworten? Eindeutige Regeln sind wichtig. Am besten macht man das irgendwie schriftlich, zum Beispiel über ein eMail, damit Sie beide immer wieder nachschauen können, wie die aktuellen Regeln sind. Wenn die Regeln sich ändern, dann wird das klar besprochen und ebenfalls schriftlich dokumentiert.

Überhaupt ist Dokumentation bei DIS ganz besonders wichtig. Damit alle in der therapeutischen Arbeit wissen, was los ist, ist eine Form von schriftlicher Dokumentation sehr hilfreich. Ganz besonders betrifft das Absprachen und Vereinbarungen. Einfach damit ALLE im Team immer nachschauen können, was gerade gilt oder was war.

Sie macht Ihnen Mut

Foto von Natalie von Pexels

Eine gute Therapeutin wird Ihnen immer wieder Mut machen. Dabei wird sie Ihnen immer wieder aufzeigen, wo sie Veränderungen und Entwicklung wahrnimmt. Manchmal geht das nur über einen mehrmonatigen Blick in die Vergangenheit. Denn wenn wir es Tag für Tag schwer haben, sehen wir unsere Fortschritte nicht mehr. Erst der Blick ein Jahr in die Vergangenheit zeigt Ihnen, wie weit Sie gekommen sind. Ihre Therapeutin wird Sie dazu ermutigen, diese Verbesserungen immer wieder zu sehen. Das macht Mut.

Eine Therapeutin gibt nicht auf, aber sie kennt auch ihre Grenzen. Auch eine Therapeutin hat das Recht zu sagen: ich kann Sie nicht weiter begleiten. Das bedeutet nicht, dass es keine Hilfe für Sie als Klientin gibt. Es bedeutet nur, dass die Therapeutin der Meinung ist, dass sie Ihnen nicht weiterhelfen kann. Das ist okay. Im besten Fall wird diese Therapeutin Sie dabei unterstützen, eine neue Begleitung zu finden.

Erfahrene oder junge Therapeutin?

Das mal die Punkte, die mir dazu gerade einfallen. Eine Reihe dieser Punkte kann man erfragen. Man kann nach Erfahrung oder nach Behandlungsstrategien fragen. Fehlende Erfahrung muss nicht schlecht sein. Eine junge Therapeutin kann manchmal besser sein als eine erfahrene, weil sie noch neugieriger ist und unvoreingenommen. Je älter wir werden und je mehr Erfahrung wir haben, desto besser und schneller können wir Zusammenhänge erkennen. Gleichzeitig kann man dabei schnell die Einzigartigkeit jedes Menschen aus dem Blick verlieren. Eine junge Therapeutin kann gerade aufgrund ihrer fehlenden Erfahrung deswegen geeigneter für Sie sein.

Letztendlich entscheiden Sie, mit wem Sie es versuchen wollen. Wichtig ist dabei nur, es immer wieder zu versuchen, auch wenn man zwischendurch mal scheitert, auf Hindernisse trifft oder sich unverstanden fühlt. Auf keinen Fall aufgeben. Wer aufgibt, kann sein Ziel nicht erreichen. Wer weitergeht, auch wenn er Umwege macht, manchmal ein Stück zurückmuss, um irgendwo wieder anzufangen, wird sein Ziel erreichen. Wer geht, kann ankommen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Suche und viel Kraft für Ihren Weg.

Ihre Stefanie Rösch

Sind psychische Störungen vererbbar? (4)

05.06.2021 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare
Foto von Aleksey Kuprikov von Pexels

Wie entstehen diese Überzeugungen?

Überzeugungen sind grundsätzlich erlernt. Alles, was wir gelernt haben, können wir auch wieder verändern, verlernen, neu lernen oder umlernen. Das macht Überzeugungen und die Filter veränderbar.

Können uns Überzeugungen in die Wiege gelegt werden?

Ja, weil auch ein Kind im Mutterleib schon seine Umgebung wahrnimmt und Eindrücke sammelt, die zu Filtern werden können. Das hat mit Genetik erstmal nichts zu tun. Auch die Überzeugungen, die aus diesen frühen Eindrücken entstehen, sind veränderbar. Sie sind oft besonders hartnäckig und schwer zu fassen, aber letztendlich greifbar und veränderbar. Diese frühen Überzeugungen findet man vor allem im Zusammenhang mit sogenannten Entwicklungstraumata oder der komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung.

Überzeugungen können während der gesamten Entwicklung eines Menschen gelernt werden. Je früher im Leben sie entstehen, desto tiefer sind sie in uns verankert. Wenn wir eine Überzeugung von früher Kindheit an haben, dann kann sie als Filter auf unsere ganze Entwicklung Einfluss nehmen. Das macht sie besonders stark, da sie sich über lange Zeit immer wieder selbst bestätigen kann.

Wenn wir glauben, wertlos zu sein, dann macht uns das unglücklich. Jede Bestätigung wird als seelische Verletzung erlebt, weil wir geliebt und geschätzt werden wollen.

Wenn ich über meine gesamte Entwicklung hinweg glaube, ich sei wertlos, verbringe ich eine vollkommen andere Kindheit, als wenn ich glaube, ich sei wertvoll. Wenn ich glaube wertlos zu sein, ist mein Risiko für eine psychische Störung größer als wenn ich glaube, wertvoll zu sein.

Überzeugungen können auf verschiedene Arten erlernt werden.

Zum einen kommt das Kind sozusagen selbst zu dem Schluss wie die Welt ist und wie es sich selbst sieht. Das geschieht durch das Verhalten der Eltern ihrem Kind gegenüber. Gehen die Eltern feinfühlig und liebevoll mit ihrem Kind um, kann das Kind die Überzeugung entwickeln „ich bin wertvoll“ oder „die Welt ist ein sicherer Ort“ oder „die Welt und die Menschen darin sind mir wohlgesonnen“ oder auch alle drei Haltungen. Das Kind kommt sozusagen selbst zu dem Schluss, meine Eltern sind freundlich zu mir, sie kümmern sich und sorgen gut für mich. Es geht mir gut mit meinen Eltern, also ist die Welt ein sicherer Ort und ich bin geliebt und wertvoll. Man ist mir wohlgesonnen und unterstützt mich. Das könnte man auch als Urvertrauen bezeichnen.

Zum anderen kann das Kind Überzeugungen der Eltern übernehmen, also von ihnen abschauen. Ein einfaches Beispiel dazu. Wenn ein Elternteil bei jedem Schnupfen glaubt, eine tödliche Krankheit zu haben und deswegen mit seinem Kind wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt rennt, dann kann es sein, dass das Kind lernt: Ich muss ständig aufpassen, um nicht krank zu werden. Überall hat es gefährliche Keime und Pilze und Sporen. Deswegen muss ich mir ständig die Hände waschen und darf niemandem zu nahekommen. Und schwups ist der Weg in eine Zwangsstörung geebnet.

Wenn Sie wissen möchten, welche Rolle Überzeugungen bei der Entstehung von Depressionen und Suizidalität spielen können, dann schauen Sie nächste Woche wieder vorbei. Sie können den vollständigen Artikel auch für 3 Euro hier vorab erstehen und damit diesen Blog unterstützen. Vielen Dank!

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Ihre Stefanie Rösch

Leserfrage: Wer kann die Diagnose Dissoziative Identitätsstörung (DIS) stellen?

01.06.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Foto von pixabay von Pexels

Hallo Frau Rösch,
können Sie mir zufällig sagen, wer die Diagnose DIS oder ähnliches stellen kann? Meine Therapeutin kann und möchte mich nicht weiterbehandeln und diese Diagnose nicht stellen. Ich brauche aber die Diagnostik, um zu wissen was und wie es mir besser gehen kann.
Ganz viele liebe Grüße

Trauma-Informations-Zentrum

Liebe Leserin,

Prinzipiell kann die Diagnose Dissoziative Identitätsstörung (DIS –> Mein Krankheitsmodell zur DIS) eine Psychiaterin/ ein Facharzt mit entsprechend Qualifikation oder eine psychologische Psychotherapeutin oder eine Psychotherapeutin mit Zulassung nach dem Heilpraktikergesetz stellen. Das sind die gesetzlich zugelassenen Heilberufe in diesem Bereich.

Verantwortungsvoll wird diese Diagnose in der Regel nach einem längeren Kennenlernprozess zwischen Ihnen und einer qualifizierten Therapeutin gestellt. Es ist eine anspruchsvolle Diagnose, die in der Regel nicht nach einem 20 minütigen Gespräch gestellt werden kann. Oft ist es so, dass Betroffene andere Diagnosen gestellt bekommen, bis irgendwann jemand bemerkt, dass eine DIS die beste Erklärung für die Beschwerden ist.

Diagnosen, die vorher öfter gestellt werden sind die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) oder Depression oder auch Borderline Persönlichkeitsstörung oder Dissoziative Störung nicht näher benannt oder wenn es dumm läuft, wird die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) mit einer psychotischen Störung verwechselt.

Da die DIS eine schwer zu diagnostizierende Störung ist, spricht es erstmal dafür, dass Sie eine verantwortungsvolle Therapeutin haben, wenn sie diese Störung nicht einfach so diagnostizieren will. Ich gehe davon aus, dass sie gute Gründe dafür hat.

Verdachtsdiagnose als Zwischenschritt

Im diagnostischen Prozess ist es immer möglich, erstmal eine Verdachtsdiagnose zu stellen. Das heißt, wenn ich mir als Therapeutin noch nicht ganz sicher bin, dann stelle ich eine psychische Störung mit dem Vermerk „Verdacht auf ….“ fest. Damit mache ich deutlich, dass ich noch nicht ausreichend Informationen habe, um mich auf eine konkrete Störung festlegen zu können. Das könnte auch hilfreich sein, wenn Sie zum Beispiel in eine Klinik gehen. Wenn es eine Verdachtsdiagnose mit einer entsprechenden Beschreibung von Beschwerden gibt, dann müssen die Behandelnden in einer Klinik und Sie nicht von vorne anfangen. Da bei einer Traumafolgestörung das Thema Vertrauen ganz häufig ein zentrales Thema ist, könnte das die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in einer Klinik deutlich erleichtern. Das ist ein Grund für Diagnosen: Kommunikation zwischen Fachleuten.

Diagnosen werden auch benötigt, damit die Krankenkassen oder andere Versorger im Gesundheitssystem die Behandlungskosten übernehmen. Eine Verdachtsdiagnose sollte ausreichen, um eine Therapie begründen zu können.

Ist eine Diagnose wichtig für den Behandlungserfolg?

Foto von Johannes Plenio von Pexels

Sie schreiben, dass Sie die Diagnose brauchen, damit es Ihnen besser gehen kann. Ich kann nachvollziehen, dass eine Hürde oder eine Herausforderung greifbarer und besiegbarer erscheint, wenn man seinen „Gegner“ kennt. Das sehe ich auch so.

Auf der anderen Seite wird eine DIS wie jede andere psychische Störung nur dann geheilt, wenn Sie als Betroffene den Kampf auf einer täglichen Basis kämpfen. Das heißt: üben, üben, üben. Was es zu üben gilt, hängt von Ihren Beschwerden im Alltag ab.

Das größte Problem bei Traumareaktionen ist die Angst.

Todesangst ist ein großer Gegner. Aber genau darum geht es bei einer DIS. Es gibt ganz viel Angst, die jeden Tag wieder neu angeschaut und besiegt werden will.

Die gesunde Reaktion auf eine Gefahr (Säbelzahntiger) ist Angst (Video: Wie entsteht ein Trauma ?). Angst bewirkt, dass wir einen Bogen um die Gefahr (den Säbelzahntiger) machen. Wenn man keinen Bogen um die Gefahr (Täter/Angreifer) machen kann und man über viele Situationen hinweg die Gefahr (Anwesenheit des Täters/Angreifers) bestehen bleibt, dann kann es sein, dass das Hirn die Seele dadurch schützt, dass es innere Distanz zwischen der Todesangst (innere Reaktion auf die Gefahr) und der Gefahr (Anwesenheit des Täters/Angreifers) in der Situation herstellt. Das nennt man dann Dissoziation.

Eine Dissoziative Identitätsstörung ist eine besondere Form von innerer Distanz und eine besondere Form von Überlebensstrategie. Aber im Kern geht es immer um die Angst und hinter jeder Angst steht eine Todesangst.

Eine Therapie bringt Ihnen bei, mit der Angst umzugehen

Das bedeutet für Sie, eine erfolgreiche Therapie wird Ihnen beibringen, mit ihrer Angst umzugehen. Angst ist Ihre ungeliebte Freundin. Sie soll und will uns vor Gefahr schützen. Sie fühlt sich nur nicht so an wie eine Freundin, sondern unangenehm. Deswegen vermeiden wir alles, was uns dieses Gefühl bringen könnte. Das hilft aber nicht. Stattdessen geht es darum, neue Verhaltensweisen zu lernen, um anders mit unserer Angst umzugehen. Dazu gehört zu wissen, was man macht, wenn man einem Täter/Angreifer begegnet. Man lernt wie man den Kontakt zu Menschen abbrechen kann, mit denen man nichts mehr zu tun haben will, weil sie einem nicht guttun. Es geht darum zu lernen, wie man vertrauenswürdige Menschen von Tätern unterscheiden kann. Man lernt auch, wie man die Körperreaktion, die zur Angst dazugehört, direkt beeinflussen kann und noch viele andere Dinge.

Ein großes Problem ist, dass jemand mit einer Dissoziativen Identitätsstörung wie in einem anderen Land großgeworden ist und deshalb gelernt hat, wie man in diesem anderen Land redet und sich angemessen verhält. Wenn man jetzt hier bei uns – sozusagen – leben will, dann heißt das, dass man viele Dinge neu lernen muss. Die Sprache will gelernt werden, aber auch die „kulturellen“ Gepflogenheiten. Das dauert seine Zeit. In meinen Augen wird Ihnen eine gute Therapie auch das beibringen. Allerdings brauchen Sie dafür viel Geduld – mit sich selbst und mit anderen. Es ist gut, Leute zu haben, die einen anfeuern. Denn der Weg ist lang und anstrengend – wie bei einem Marathon. Und wenn Sie noch mehr dazu erfahren möchten, was in einer Traumatherapie passiert, können Sie hier auf den Link klicken.

Viel Kraft und Ausdauer für Ihren Weg.

Ihre Stefanie Rösch

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Ihre Stefanie Rösch

Sind psychische Störungen vererbbar? (3)

29.05.2021 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Was ist eine Überzeugung?

Unter einer Überzeugung oder einem Glaubenssatz verstehe ich eine Grundhaltung gegenüber sich selbst oder gegenüber der Welt. Weil das sehr abstrakt klingt, kommen hier ein paar Beispiele für gesunde Überzeugungen:

  • Ich kann mein Leben gestalten, indem ich Entscheidungen treffe.
  • Ich habe Einfluss darauf, wie es mir geht.
  • Die Welt ist ein sicherer und guter Ort.
  • Ich kann für meine Sicherheit in der Welt sorgen.
  • Ich bin es wert, ein zufriedenes Leben zu führen.
  • Ich bin wertvoll und liebenswert.

Ungesunde Überzeugungen sind dagegen:

  • Die Welt ist ein durch und durch gefährlicher Ort.
  • Ich bin anderen Menschen und deren Entscheidungen ausgeliefert.
  • Ich bin wertlos. Ich bin nicht gut genug.
  • Ich bin ungeliebt und unwillkommen.
  • Der oder die ist schuld, dass ich …..
  • Andere bestimmen, wie es mir geht und ich habe darauf keinen Einfluss.
  • Ich bin für die Gefühle von anderen verantwortlich.
  • Niemand glaubt mir.
  • Ich bin eine Last für andere.

Überzeugungen sind also Gedanken, die man in einem Satz zusammenfassen kann. Ein einzelner Mensch hat sehr viele Überzeugungen. Manche Überzeugungen haben wir mit anderen Menschen gemeinsam und manche Überzeugungen unterscheiden uns von anderen Menschen. Das nennt man dann auch „Meinung“.

Überzeugungen beeinflussen unser Erleben, unsere Gefühle und unser Verhalten

Überzeugungen filtern, oder sieben, unsere Wahrnehmungen. Wenn ich die Überzeugung „Ich bin wertvoll“ habe, so verstehe ich das Lächeln der Nachbarin als freundlichen Gruß. Wenn ich die Überzeugung „ich bin wertlos“ habe, so verstehe ich das Lächeln der Nachbarin möglicherweise als spöttisches Grinsen.

So können Überzeugungen das Erleben desselben Ereignisses (Lächeln der Nachbarin) in verschiedene Richtungen lenken, wodurch unsere Stimmung und Sicht auf die Welt beeinflusst werden. Das macht Überzeugungen so mächtig. Umso wichtiger ist es, dass wir uns unserer Überzeugungen bewusst werden, sie überprüfen und entscheiden, welche wir behalten und welche wir durch andere Überzeugungen ersetzen wollen. Wie Sie das machen können, habe ich in der Artikelreihe „Giftige Gedanken“ beschrieben.

Überzeugungen haben eine selbstbestätigende Wirkung

Das ist die Filterfunktion von Überzeugungen: selbstbestätigende Informationen. Filter oder Siebe lassen nur bestimmte Dinge durch. Das kennen Sie vom Abgießen der Nudeln oder von der Maske, die Sie beim Einkaufen oder im Bus tragen müssen. Jeder Filter, jedes Sieb ist so geschaffen, dass es bestimmte Stoffe oder Größen von Teilchen durchlässt und den Rest auffängt oder behält.

Foto von Anna Shvets von Pexels

Wenn ich also aufgrund meiner Überzeugung „Ich bin wertlos“ das Lächeln der Nachbarin als spöttischen Blick verstehe, dann bestätigt der spöttische Blick die Überzeugung „ich bin wertlos“. Ich bin überzeugt davon, dass die Nachbarin deswegen so spöttisch grinst, weil sie mich nicht mag, weil ich ja wertlos bin. Damit wird die Überzeugung immer stärker.

Foto von Maria Orlova von Pexels

Aber dass die Nachbarin spöttisch grinst, ist meine Interpretation. Die Nachbarin würde das vielleicht ganz anders sehen, wenn man sie fragen würde, warum sie lächelt.

Wie entstehen diese Überzeugungen?

Überzeugungen sind grundsätzlich erlernt. Alles, was wir gelernt haben, können wir auch wieder verändern, verlernen, neu lernen oder umlernen. Das macht Überzeugungen und die Filter veränderbar.

Können uns Überzeugungen in die Wiege gelegt werden?

Ja, weil auch ein Kind im Mutterleib schon seine Umgebung wahrnimmt und Eindrücke sammelt, die zu Filtern werden können. Das hat mit Genetik erstmal nichts zu tun. Auch die Überzeugungen, die aus diesen frühen Eindrücken entstehen, sind veränderbar. Sie sind oft besonders hartnäckig und schwer zu fassen, aber letztendlich greifbar und veränderbar. Diese frühen Überzeugungen findet man vor allem im Zusammenhang mit sogenannten Entwicklungstraumata oder der komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung.

Überzeugungen können während der gesamten Entwicklung eines Menschen gelernt werden. Je früher im Leben sie entstehen, desto tiefer sind sie in uns verankert. Wenn wir eine Überzeugung von früher Kindheit an haben, dann kann sie als Filter auf unsere ganze Entwicklung Einfluss nehmen. Das macht sie besonders stark, da sie sich über lange Zeit immer wieder selbst bestätigen kann.

Wenn wir glauben, wertlos zu sein, dann macht uns das unglücklich. Jede Bestätigung wird als seelische Verletzung erlebt, weil wir geliebt und geschätzt werden wollen. Wer mehr wissen will, kann meine Artikelreihe „Grundbedürfnisse“ lesen.

Wenn ich über meine gesamte Entwicklung hinweg glaube, ich sei wertlos, verbringe ich eine vollkommen andere Kindheit, als wenn ich glaube, ich sei wertvoll. Wenn ich glaube wertlos zu sein, ist mein Risiko für eine psychische Störung größer als wenn ich glaube, wertvoll zu sein.

Wenn Sie wissen möchten, wie Überzeugungen entstehen und ob sie uns in die Wiege gelegt werden können, dann schauen Sie nächste Woche wieder vorbei. Sie können den vollständigen Artikel auch für 3 Euro hier vorab erstehen und damit diesen Blog unterstützen. Vielen Dank!

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Sind psychische Störungen vererbbar? (2)

22.05.2021 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare
Foto von cottonbro von Pexels

Das Vulnerabilität-Stress-Modell: Depression

Für die Entstehung einer Depression werden unter anderem eine Fehlsteuerung von Botenstoffen im Hirn angenommen oder auch eine Fehlsteuerung von Stresshormonen. Allerdings ist das nach wie vor eine Henne-Ei-Frage. Man beobachtet bei Menschen mit Depression veränderte Stoffwechselvorgänge. Inwieweit diese Veränderung aber Ursache oder aber Folge der Depression sind, bleibt nach wie vor ungewiss. Dass diese Botenstoffe etwas mit der Störung zu tun haben, dafür spricht die Wirksamkeit von entsprechenden Medikamenten. Die Wirksamkeit von psychotherapeutischen Methoden spricht für psychische Ursachen der Depression.

Wobei psychotherapeutische Methoden durchaus das Gehirn in seiner Arbeitsweise verändern. Psychotherapie führt auf körperlicher Ebene dazu, dass bestimmte Nervenverbindungen gestärkt und andere gelöst werden. Das ist so als würde man einen Muskel trainieren. Häufige Benutzung baut den Muskel oder die Nervenverbindung auf. Wird der Muskel oder die Nervenverbindung nicht mehr benutzt, werden die Muskelzellen abgebaut und die Nervenverbindungen gelöst.

Bei der Depression geht es häufig um langjährige Überforderungssituationen im familiären Umfeld. Überforderung führt zur Anpassung von Überzeugungen, die in der Folge krankmachen können. Dann redet man von Ausbrennen (Burnout), also Erschöpfung. Kraftlosigkeit, Antriebslosigkeit und der Verlust von Freude im Leben breiten sich aus. Egal, wie sehr man sich anstrengt, man erreicht nie, was man sucht. Was immer das ist. Schließlich hat man keine Kraft mehr zu kämpfen. Das ist der Moment, in dem man zusammenbricht und aufgibt. Man hat gelernt, hilflos zu sein. Man hat allen Antrieb, etwas im Leben bewirken zu wollen, verloren. Das nennen wir dann Depression.

Es gibt also die Vermutung, dass die Depression durch eine genetisch bedingte Schwäche im Bereich der Botenstoffe (Serotonin), bzw. eine Schwäche bei den körperlichen Anteilen der Stressreaktion (Noradrenalin) zusammen mit überfordernden Lebensumständen entsteht.

Vererbbar ist das nicht.

Wenn man eine psychische Störung nicht erbt, wie kriegt man sie dann?

Man lernt sie. Nicht, dass man sie lernen wollte, das ist klar. Aber der Mechanismus, über den die meisten psychischen Störungen, vor allem die häufigen, entstehen, ist meiner Meinung nach das Lernen.

Man könnte auch sagen, Anpassung. Anpassung ist ein anderes Wort für Lernen. Lernen verbinden wir damit, dass wir es aktiv tun, vor allem zum Wissenserwerb oder um einen Beruf zu lernen. Anpassung wird eher damit verbunden, dass es Umstände gibt, die wir nicht ändern können und deswegen müssen wir uns anpassen. Ungewollt.

Letztendlich, um es einfacher zu machen, geht es darum, dass ein Mensch sein Verhalten ändert, mehr oder weniger freiwillig oder aber aus einer Notwendigkeit heraus. Das meine ich mit Lernen. Lernen bedeutet hier, dass jemand sein Verhalten ändert. Dazu gehören auch die automatischen Denkprozesse (besonders Filter = Überzeugungen), die uns das Leben schwer machen. Wenn wir aufgrund von unseren Lebensumständen lernen auf eine bestimmte Art zu denken, dann verursacht das Leid. Die Art und Weise wie wir denken beeinflusst wie wir uns fühlen. Wenn ich beispielsweise die ganze Zeit denke, dass ich in meinem Leben sowieso nichts bewirken kann (wie bei der Depression), dann fühle ich mich ständig hilflos und ohnmächtig. Wir leiden unter den Gefühlen, die durch unsere Überzeugungen entstehen.

Das ist er Zeitpunkt, ab dem wir von einer psychischen Störung sprechen.

Was heißt Denken?

Als Denkprozess bezeichne ich alles, was wir in die Form von Gedanken, also in Worte fassen können. Ich unterscheide für meine Erklärungen in Denken, Gefühle und Handeln.

Handeln ist das, was man von außen beobachten kann.

Gefühle sind automatische Körperreaktionen, denen wir einen Namen gegeben haben und die sich in einem typischen Gesichts- und Körperausdruck zeigen. Im Wesentlichen gibt es fünf Gefühle: Freude, Trauer, Wut, Angst und Ekel. Allesamt wichtig zum Überleben und wichtige Triebfedern, wenn es um Anpassung und Lernen geht. Natürlich gibt es auch sowas wie Scham und Schuldgefühle, die gerne als soziale Gefühle bezeichnet werden. Das werde ich an dieser Stelle jedoch nicht weiter ausführen.

Als Denken bezeichne ich alles, was man in Worte fassen kann und im Innern eines Kopfes stattfindet. Egal ob ein Gedanke automatisch von unserem Hirn ausgeführt wird oder von unserem Bewusstsein oder unserer Seele bewusst gesteuert wird. Ob Sie diesen Teil Bewusstsein oder Seele nennen, hängt davon ab, woran sie glauben.

Dazu gehören vor allem unsere Filter, die allen Reizen, die wir über unsere Sinnesorgane wahrnehmen, Bedeutung geben. Diese Filter sind notwendig, um mit den vielen Reizen dieser Welt klarzukommen und überleben zu können.

Sie entstehen in der Regel automatisch, sind aber veränderbar. Einen Teil dieser Filter bezeichnen wir auch als Überzeugungen = Glaubenssätze = Affirmationen.

Wenn Sie wissen möchten, was eine Überzeugung ist und welchen Einfluss Überzeugungen auf unser Leben und die Entstehung von psychischen Störungen haben, dann schauen Sie nächste Woche wieder vorbei. Sie können den vollständigen Artikel auch für 3 Euro hier vorab erstehen und damit diesen Blog unterstützen. Vielen Dank!

Wenn Ihnen meine Seiten Unterstützung sind, freue auch ich mich über eine freiwillige Gabe.
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Ihre Stefanie Rösch

Leserfrage: Wie kann ich meine Ängste bewältigen?

28.04.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Ich bin 20 Jahre alt und leide seit Jahren unter den Folgen von jahrelangem Mobbing und emotionalem Missbrauch durch meinen Vater.
Therapie habe ich schon viele Stunden gemacht und war einmal teilstationär in einer Klinik, dennoch stieß ich immer wieder auf Rücksichtslosigkeit und Unverständnis.
Vor Jahren zeigte ich schon die ersten Anzeichen, die für eine PTBS typisch sind (Flashbacks, Albträume, Dissoziation etc.) dennoch wird das bis heute ignoriert.
Mit den Jahren verschlimmerte sich alles immer mehr und ich habe das Gefühl, die Kontrolle über mein Leben zu verlieren.
Ich möchte gerne weiterhin Ausbildung machen und mich sozial einbringen doch ich werde von den Ängsten verfolgt und bin nur noch zu Hause.
Dazu kommt noch dass ich zutiefst depressiv und unter schlimmen Panikattacken leide. Wie kann ich nur diese Ängste bewältigen?

Trauma-Informations-Zentrum

Liebe Leserin,

was ich höre ist, dass Sie viele Jahre wiederholt Situationen erlebt haben, die Sie als sehr verletzend erlebt haben. Sie haben versucht, mit diesen Situationen umzugehen, so wie es unter den Umständen möglich war. Aus diesen Bewältigungsversuchen heraus sind die Beschwerden entstanden, die Ihnen jetzt das Leben schwer machen.

Sie haben an verschiedenen Stellen Hilfe gesucht, fühlen sich aber von diesen Stellen nicht ernst genommen. Wie es dazu kam, weiß ich nicht.

Insofern kann ich Ihre Frage nur ganz allgemein beantworten.

Was passiert, wenn man wiederholt bedrohliche Situationen erlebt?

Foto von Craig Adderley von Pexels

Angst ist ein Gefühl, dass wir bekommen, wenn wir in einer gefährlichen Situation nicht mehr handeln können. Die Angst sagt uns: Nichts wie weg hier.

Wenn wir in dieser Situation gefangen sind und die Bedrohung immer schlimmer wird, kann es zur Notabschaltung kommen. Wenn das passiert, ist es möglich, dass daraus typische Traumareaktionen entstehen, die man als PTBS bezeichnet.

Notabschaltung bedeutet, dass das Hirn einen wichtigen Funktionsbereich abschaltet. Daraus entsteht dann die Schreckstarre oder die Panik oder die emotionslose Reaktion. Das ist eine Form der Dissoziation.

Was auch passieren kann ist, dass man einer Situation immer wieder ausgesetzt ist, die man als verletzend und extrem unangenehm empfindet, aber nie an den Punkt kommt, an dem es zu einer Notabschaltung kommt. Trotzdem muss man mit der Bedrohlichkeit der Situation umgehen. Eine Möglichkeit, das zu tun ist, sich wegzubeamen, also innerlich zu flüchten. Das ist auch eine Form der Dissoziation.

Eine weitere Folge von wiederkehrenden, belastenden Situationen ist die Veränderung von wichtigen Überzeugungen. Wenn man wieder und wieder einer beängstigenden Situation ausgesetzt ist, die man nicht ändern kann, kann daraus die Überzeugung entstehen, dass man keinen Einfluss auf sein Leben hat. Das Gehirn neigt dazu, Überzeugungen zu verallgemeinern. Wenn wir also die Erfahrung machen, dass wir an einer Situation nichts ändern können, glaubt das Hirn irgendwann, dass wir gar keine Kontrolle oder gar keinen Einfluss mehr haben. Das stimmt natürlich nicht.

Was können Sie tun, damit es Ihnen wieder besser geht?

Foto von Anand Dandekar von Pexels

Zuerst ist es wichtig, dem Eindruck entgegen zu treten, dass Sie die Kontrolle über Ihr Leben verlieren. Das können Sie tun, indem Sie sich bewusst machen, welche Entscheidungen, Sie jeden Tag treffen können. Entscheidungen sind Momente der Kontrolle in unserem Leben.

Vielleicht wollen Sie sich eine Liste anlegen, auf der Sie alle Entscheidungen sammeln, die Sie jeden Tag fällen. Das sind oft kleine Dinge wie, was Sie frühstücken wollen oder was Sie an diesem Tag anziehen wollen. Aber wenn Sie jeden Tag aufschreiben, was Sie entscheiden, dann werden Sie sich immer daran erinnern, dass Sie Einfluss haben im Leben, auch wenn es sich mal nicht so anfühlt.

Wie geht das mit der Angst?

Foto von Life Of Pix von Pexels

Angst entsteht durch Gedanken. Angstgedanken. Angstgedanken sind Sätze im Kopf oder Vorstellungen oder Erinnerungen, die mit Gefahr zu tun haben. Also zum Beispiel die Vorstellung, dass jemand in mein Haus einbricht. Wenn ich mir das intensiv vorstelle, also eine Angstvorstellung in allen Details habe, dann denkt das Hirn irgendwann, die Gefahr ist echt und reagiert mit einer Stressreaktion. Der geben wir den Namen Angst oder Panik.

Bei Erinnerungen ist es so, dass die Bilder einer bedrohlichen Erinnerung uns daran erinnern sollen, dass gleich wieder etwas Bedrohliches geschieht. Belastende Erinnerungen sind also Teil einer Warnreaktion.

In beiden Fällen ist es gut, auf die Angstgedanken zu reagieren und zu entscheiden, sich etwas anderes vorzustellen, etwas, das nicht so bedrohlich ist. Man darf seiner Phantasie einfach freien Lauf lassen und sich etwas vorstellen, das mit Sicherheit zu tun hat. Also beim Einbruch könnte man sich vorstellen, wie die Nachbarn die Polizei rufen, der Einbrecher geschnappt und abgeführt wird. Es würde auch reichen, sich vorzustellen, wie Superman hereingeflogen kommt und dem Einbrecher die Ohren langzieht und der schreiend davonrennt. Wenn man sich das vorstellt, wird man sich wieder sicher fühlen und die Angst wird weniger und kann wieder verschwinden.

Aber am wichtigsten….

Foto von Jess Vide von Pexels

… ist es, niemals aufzugeben und weiter Hilfe und Unterstützung zu suchen. Auch wenn es bisher niemanden gab, der Ihnen das Gefühl geben konnte, dass Sie ernst genommen werden, gibt es diese Person in diesem Land. Was Ihnen helfen kann, diese Person zu finden, ist offen und ohne Erwartungen in ein Erstgespräch zu gehen. Sagen Sie, was Sie brauchen und sagen Sie, wenn Sie sich nicht ernst genommen fühlen. Seien Sie bereit, Verantwortung für Ihre Symptome zu übernehmen. Niemand außer Ihnen kann die Beschwerden verändern. Eine Psychotherapie ist ein Ort, an dem Sie etwas lernen dürfen. Sie dürfen lernen, anders mit bedrohlichen Situationen umzugehen als bisher. Dazu gehört zum Beispiel, sich von angstmachenden Personen fernzuhalten. Oder nein zu sagen, wenn man etwas nicht möchte. Hilfe anzunehmen und bei einem Vorschlag immer alles daran zu setzen, es ernsthaft auszuprobieren. Nur so finden Sie heraus, ob ein Vorschlag vielleicht doch eine Veränderung bringt, auch wenn Sie sich nicht vorstellen können, dass etwas hilft. Bleiben Sie dran!! Aufgeben ist keine zulässige Möglichkeit. Nur Mut, Sie schaffen das!

Viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

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Ihre Stefanie Rösch

Glücksmomente

16.04.2021 Veröffentlicht von 0 Kommentare

Wenn Sie uns in der Praxis und alle Leserinnen und Leser mit einem Glücksmoment aus Ihrem Leben unterstützen wollen, dann schreiben Sie mir ein Mail über das Kontaktformular (hier geht’s zum Formular). Ich freue mich darauf, Ihre Glücksmomente zu lesen. Das inspiriert auch mich!
Ihre Stefanie Rösch

Pauline L., Praktikantin

Mein absoluter Glücksmoment war mein Geburtstag Ende Mai. Genauer gesagt das Tanzen am Abend – wir haben tatsächlich mal wieder getanzt! Zu Musik! Am See! Es war wundervoll sich mal wieder so zu verausgaben und einfach eine schöne, ausgelassene Stimmung zu erleben.

Clara B., Mitarbeiterin

Es war viel los in letzter Zeit und ich habe gemeinsam mit einer Freundin einen kleinen Kurzurlaub gemacht. Wir waren in der Wutachschlucht wandern, was sehr schön war. Das Wetter war gut und die Natur in der Schlucht ist einzigartig. Nachdem wir die Schlucht durchquert hatten, sind wir mit dem Wanderbus zurück zum Startpunkt gefahren. Mein Highlight und Glücksmoment war der Busfahrer: Spontan machte er aus der Linienbusfahrt eine Kaffeefahrt. Er erzählte über sein Heimatdorf Bonndorf (eine der wenigen schuldenfreien Gemeinden – trotz Glasfaserausbau!) und die Gegend. Das hat uns sehr erheitert und gut gefallen.

Stefanie Rösch

Anfang des Monats hatte ich einen kleinen medizinischen Notfall. Das war natürlich nicht der glückliche Moment. Aber es entstanden viele glückliche Momente, durch die überwältigende Zuwendung von vielen verschiedenen Seiten. Was habe ich nur für ein Glück! Das fing bei Ärzten und Pflegepersonal in der Notfallversorgung an, ging über mein großartiges Praxis-Team, meine Klienten und in ganz besonderer Weise durfte ich viele, liebevolle Glücksmomente mit Freundinnen erleben. Dafür bin ich so unendlich dankbar!

Stefanie Rösch

Endlich mal wieder malen. Ich wollte schon den Beginn der Corona-Zeit zum Malen nutzen. Aber irgendwie sollte das nicht sein. Vor zwei Wochen wollte ich jedoch unbedingt Farben mischen und tat das dann auch. Mein Wohnzimmer in ein Atelier zu verwandeln, dauert leider immer seine Zeit. Am liebsten würde ich einfach anfangen, Farben zu mischen und zu pinseln. Hilft nichts. Vorfreude ist … der erste Pinselstrich in diesem Fall. Heraus kamen ein paar Bilder mit einer Gießtechnik. Außerdem bekam das letztes Jahr begonnene Bild nun erstmal einen Baum anstatt eines Wasserfalls wie ursprünglich gedacht aber nicht gemalt. Malen ist immer wieder eine Überraschung für mich. Das macht mich glücklich.

Stefanie Rösch

Mein glücklicher Moment in dieser Woche war eine Improvisation über Zoom. Ich durfte eine Ehefrau spielen, die nicht damit klarkommt, wie ihr Mann sich nachdem er Opfer einer Straftat wurde, verändert. Ich fand mich mutig, dass ich mich das getraut habe. Das Gegenüber war ein Profi, ein Schauspieler. Das ist schon ziemlich einschüchternd. Aber dann, einmal ins kalte Wasser gesprungen, hatte das etwas Befreiendes. Das hat mich glücklich gemacht.

Pauline L., Praktikantin

Seit einem Monat habe ich eine neue Frisur. Ich habe mich getraut, sie so kurz schneiden zu lassen, wie sie es noch nie waren.
Letzte Woche, nachdem ein Videocall-Abend mit meinen Freundinnen kurzfristig abgesagt wurde, beschloss ich kurzerhand meine Haare zusammenzubinden und mich ein bisschen zu schminken. Einfach aus Spaß, nur für mich. Als ich mich dann im Spiegel gesehen habe, sind mir plötzlich die Tränen gekommen. Ich hatte mich schon lange nicht mehr (falls überhaupt schon einmal) so wohl in meiner Haut und mit meinem Aussehen gefühlt. Mein Äußeres hat endlich genau mein Inneres widergespiegelt und das …war ein wirklicher Glücksmoment.
PS: Ich wünsche jeder Person die das hier liest, dass sie sich mal wieder so schön und wohl mit sich fühlt –Sie haben es verdient!


Clara B., Mitarbeiterin

Diese Woche durfte ich einen ganz besonderen Glücksmoment erleben. Ich durfte meinen mittlerweile 6 Monate alten Neffen endlich kennen lernen. Der Moment, als ich vor der Tür stand und meine Schwester mich mit dem Kleinen auf dem Arm begrüßt hat, machte mich sehr glücklich. Ich konnte ihn sofort auf den Arm nehmen und ich werde nie vergessen, wie sehr er gestrahlt hat. Diese Freude beruhte natürlich auf Gegenseitigkeit. Wir konnten ein tolles Wochenende verbringen und gemeinsam spielen, lachen und die Welt entdecken.

Stefanie Rösch

Eine Freundin erzählte mir, dass man auch auf dem Balkon einen Kompost haben kann. Ich fand den Gedanken von Würmern in einer Kiste, die meine Grünabfälle in Blumenerde verwandeln, einfach großartig. Der erste glückliche Moment war der Klick auf den „verbindlich bestellen“-Knopf. Weitere glückliche Momente folgten beim Zusammenbauen der Wurmkiste (LINK: https://wurmkiste.at/) und beim Einzug meiner neuen Haustiere. Das war einfach große klasse!

Sophie D., Praktikantin

Da es in den vergangenen Wochen doch wieder kälter wurde, als zum Frühlingsanfang erwartet, packte mich die Lust, etwas zu backen. Ich ging in den Supermarkt, stellte dort fest, dass die Artikel, die ich für meinen Kuchen benötigte, im Angebot waren, und kaufte sie ein. Das war der erste glückliche Moment. Als ich dann zuhause alles zubereitete und die fertige Kuchenmasse in den Ofen schob, heizte sich schnell die Wohnung auf und ein wunderbarer Duft breitete sich in der gesamten Wohnung aus. Ich kochte mir eine Tase Tee, setzte mich vor den Backofen und fühlte mich rundum zufrieden.

Clara B., Praktikantin

Ich war mit einer guten Freundin am See spazieren und wir standen gerade am Ufer und haben aufs Wasser geschaut. Da kam plötzlich ein kleiner Hund zu uns, legte uns seinen Ball vor die Füße und schaute uns an. Die Aufforderung war eindeutig: „Spiel mit mir!“ Mit Freude haben wir den Ball einige Male für den Hund geworfen und jedes Mal jagte er ihm hinterher. Dieses kurze, spontane Ballspiel war mein glücklicher Moment in dieser Woche.

Leserfrage: Warum provoziere ich meinen Mann so mit meinem Ton?

22.03.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Sehr geehrte Frau Rösch,
Mein Ehemann wurde vor 4,5 Jahren auf seiner Arbeit von einem Mann mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. Es wurde PTBS diagnostiziert. Er machte eine Traumatherapie.
Nach ein paar Wochen bemerkte er, dass er auf mich und auch seine Freunde zum Teil sehr gereizt reagierte. Seine Therapeutin erklärte ihm, das liege an dem generellen Vertrauensverlust durch den Messerangriff. Sie schlug uns eine Strategie vor, wie wir damit umgehen können. Nach wenigen Monaten hatte ich den Eindruck, dass es „erledigt“ war.
Wir hatten eine wundervolle Zeit, heirateten, kauften einen Bauernhof, waren unfassbar verliebt und verbrachten jede freie Minute miteinander.
Seit 2 Jahren fühlte er sich zunehmend durch die kleinsten Kleinigkeiten von mir angegriffen und kritisiert. Er wurde laut und machte mir Vorwürfe ich würde ihn wie ein kleines Kind behandeln. Die Wutausbrüche wurden heftiger, immer mehr ging kaputt. Irgendwann bekam ich richtig Angst vor ihm.
Ich entschuldigte mich oft bei ihm, dachte ich würde ihn in die Wut treiben und versuchte, mich durch Yoga und Therapie so zu verhalten, dass er sich nicht mehr provoziert fühlen musste. Ich dachte alles fünfmal durch, bevor ich etwas sagte. Aber nichts half. Ich gab mir die Schuld an unseren Problemen und daran, dass er sich schlecht fühlte.

Er blieb der Ansicht, dass es an meinem „Ton“ liege. Er versprach mir, dass er mich nie verletzen würde. Seine Wut habe sich immer nur gegen Sachen gerichtet. Das sei auch in seiner Jugend schon so gewesen. Wenn er einen Ausraster hatte, brach er hinterher weinend zusammen und beschuldigte sich selbst. Sagte, ich könne ihn gar nicht lieben, so wie er sei.
Dann sagte er mir eines Tages er wüsste zwar noch, dass er mich liebt, aber er könne es nicht mehr spüren. Als ich daraufhin einen Nervenzusammenbruch hatte, legte er mir seine Hand auf die Schulter und sagte „mehr Empathie kann ich für dich leider nicht mehr aufbringen“. Es war so unglaublich schrecklich. Ich dachte, ich bin nicht liebenswert und man kann es mit mir nicht aushalten.
Er sprach die Trennung aus.

Wir unternahmen dann noch einen zweiten Versuch, obwohl ich kein gutes Bauchgefühl hatte. Ich bekam immer häufiger Schübe, in denen mich die Zweifel und Hoffnungslosigkeit übermannten. Ich sagte ihm, dass es mir leidtue und es mir nicht gut ginge und bat ihn, für mich da zu sein und jetzt nicht auch noch wütend zu werden.
Daraufhin machte er mir Vorwürfe, schlug vor, ich solle in eine Klinik gehen oder Medikamente nehmen. Und schließlich flippte er wieder aus. Ich war entsetzt. Wir trennten uns das zweite Mal.

Wenn wir mal telefonieren ist er völlig emotionslos. Er liebt mich nicht mehr. Er sei erwachsen geworden und wolle nicht mehr, dass man so mit ihm spricht. Er werde sich nicht mehr zurück entwickeln und ich könne mich eh nicht ändern, der Ton wäre in mir drin und „ich hätte ja bis zum Schluss nicht anerkannt, dass mein Ton das Problem ist“.
Warum löse ich das bei meinem Mann aus? Warum fühlt er sich nur von mir oder meinem Ton so kritisiert und angegriffen und warum flippt er nur bei mir so aus? Es muss doch alles irgendwie mit mir zusammenhängen!?

Es tut mir leid, dass ich Ihnen jetzt so viel Zeit weggenommen habe.

Trauma-Informations-Zentrum

Liebe Leserin,

ja, das ist eine lange Geschichte. Ich habe sie sehr stark zusammengefasst und hoffe, dass meine Antwort für die Leser*innen meines Blogs trotzdem nachvollziehbar ist.

Ich kann Ihnen keine Lösung vorschlagen. Aber ich kann Ihnen erklären, wie ich mir die Verhaltensweisen erkläre, die Sie schildern:

So wie ich es verstehe, stecken Sie gemeinsam in einem Hamsterrad fest, an dem jeder mit seinen alten Verletzungen und eingefahrenen Reaktionen beteiligt ist.

Die Seite ihres Mannes am Hamsterrad

Foto von Adrianna Calvo von Pexels

Ihr Mann sagt er will seine Wutausbrüche nicht. Gleichzeitig besteht er darauf, dass seine Wutausbrüche vollkommen von ihrem Verhalten abhängen. Das ist die Argumentation, die Sie beschreiben. Er übernimmt keine Verantwortung für seine Gefühle und sein Handeln hinsichtlich seiner Wut.

In meiner Einschätzung, verwechselt er Sie mit einer anderen wichtigen, nahestehenden Person in seinem Leben, der er einmal sehr ausgeliefert war. Daher die Vorstellung, seine Wut selbst nicht steuern zu können und nicht verantwortlich dafür zu sein. Häufig treten diese Verwechslungen mit Eltern, sorgeberechtigen oder anderen wichtigen Personen auf. Diese müssen nicht notwendigerweise vom gleichen Geschlecht sein. Aber wenn man Betroffene fragt: Woher kennen Sie dieses Gefühl (hier die Wut), dann erinnern sich Betroffene oft an die Situation, mit der die Verwechslung stattfindet.

Diese Verwechslung, bewirkt, dass er Ihre Worte nicht „hört“ sondern auf eine festgefahrene Art und Weise interpretiert als könne er hellsehen. Dabei reicht es, dass etwas an dem was oder wie Sie es sagen „ähnlich“ ist zu dem, was er damals erlebt hat.

Was ihm komplett fehlt, ist die Erkenntnis, dass er für seine Gefühle, seine Gedanken und sein Verhalten verantwortlich ist. Er hat jeder Zeit die Möglichkeit, zu lernen, wie er sein Verhalten ändern kann. Es hat ihm nur niemand beigebracht. Dabei geht es nicht um Schuld, sondern darum, dass die Strategien, die er gelernt hat im Umgang mit seiner Wut, heute nicht mehr angemessen sind und er deswegen andere Strategien lernen kann.

Ihre Seite am Hamsterrad

Foto von Luis Quintero von Pexels

Sie auf der anderen Seite befinden sich in einem Zustand von „Kindlichem Größenwahnsinn“ (hier ein ausführlicher Artikel aus meinem Blog). Kurzfassung: Sie glauben, Sie wären dafür verantwortlich wie er Reize interpretiert und wie er sich dadurch fühlt. Das ist natürlich – in meinen Augen – Blödsinn. Niemand kann für die Gefühle eines anderen verantwortlich sein. Das zeigen ja ihre ganzen Bemühungen, „es richtig zu machen“. Nichts davon funktioniert. Selbst wenn Sie es ganz genau so machen, wie er es will, funktioniert es nicht. Das ist der Beweis dafür, dass Sie da ohnmächtig sind und es ganz alleine seine Verantwortung ist, wie er sich fühlt und wie er mit seinen Gefühlen umgeht.

Auch Sie haben durch Situationen in ihrem Leben Situationen gelernt, so mit den Gefühlen anderer umzugehen. Woher kennen Sie solche Situationen?

Ihre Verantwortung ist, ihm die Verantwortung für seine Gefühle zu lassen. Wenn er schlecht drauf ist, dann ist er das eben: Nicht ihr Problem, sondern sein Problem!

Ihre Aufgabe ist, für sich selbst zu sorgen. Das können Sie tun, in dem Sie sich zurückziehen, wenn er zornt. So sorgen Sie für Ihre Sicherheit. Oder Sie überlegen sich in einer ruhigen Minute eine andere Strategie. Wichtig ist, nicht immer gleich zu reagieren, sondern Ihr Verhalten zu ändern. Damit das möglich wird, ist es nötig, zuerst Ihr Denken zu ändern.

Dass Sie sich ständig für alles entschuldigen, zeigt, wie ausgeprägt dieser „kindliche Größenwahnsinn“ ist. Dahinter steckt die irrationale Überzeugung, Sie könnten andere kontrollieren.

Wenn Sie sich bei mir entschuldigen,

… weil Sie mir so viel Zeit „wegnehmen“, dann könnte ich Ihnen jetzt beweisen, dass Sie diese Macht nicht haben, in dem ich Ihnen sage, dass ich Ihre Mail nicht beantworte, ja nicht mal gelesen habe.

Wer entscheidet denn darüber, ob ich Ihre Mail lese und mir die Zeit dafür „nehme“. Sie oder ich????

Wenn Sie jetzt Gedanken haben, die sich darum drehen, dass Sie das entscheiden, dann haben Sie ein echtes Problem. Wenn Sie sehen können, dass allein ich entscheide, womit ich meine Zeit verbringe, dann besteht Hoffnung auf Veränderung 🙂 Bleiben Sie dran!!

Wutausbrüche und Messerangriff?

Foto von Mushtaq Hussain von Pexels

Ich sehe die Ursache für die Wutausbrüche Ihres Mannes in erster Linie in alten Erfahrungen begründet, die VOR dem Tötungsversuch mit dem Messer liegen. Einfach weil die Wutausbrüche schon vorher da waren. Die Traumareaktion bewirkt, dass man ständig Stress hat. Das führt dazu, dass man leichter und schneller wütend wird. Das heißt, die Folgen des Messerangriffs KÖNNEN zu einer Verschlimmerung des Problems mit der Wut geführt haben – müssen sie aber nicht. Um Ihnen dazu meine Meinung zu geben, habe ich nicht ausreichend Informationen.

Und was können Sie jetzt tun?

Foto von Lukas Rodriguez von Pexels

Wenn Sie eine Chance haben wollen, dann ist es meiner Meinung nach notwendig, dass Sie beide lernen Verantwortung für sich zu übernehmen und zwar ausschließlich für sich. Sie sind zu 100% verantwortlich für Ihr Denken, Ihre Gefühle und Ihr Handeln.

Diese Überzeugung ist die Voraussetzung dafür, dass es auf beiden Seiten zu persönlichem Wachstum (nicht Rückschritt) kommt. Nur dann können Sie Ihre Beziehung retten. Es ist aber keine Garantie. Persönliches Wachstum kann auch dazu führen, dass man anschließend getrennte Wege geht. Das kann vor allem dann geschehen, wenn nur einer sich um persönliches Wachstum bemüht.

Insofern kann ich Ihnen nur dazu Mut machen, sich mit ihrem eigenen Anteil am Hamsterrad zu beschäftigen und zu verändern. Wenn Sie sich verändern, besteht eine gute Chance, dass sich die Situation an sich mitverändert.

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Kraft für ihren Weg.

Ihre Stefanie Rösch

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Ihre Stefanie Rösch

Leserfrage: Ist Emotionslosigkeit typisch für die Posttraumatische Belastungsstörung?

03.03.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Foto von Melanie Wupperman von Pexels

Guten Tag,
Meine Frau ist von PTBS Betroffene. Auslöser sind Misshandlungen in ihrer Jugend. Wir sind nun seit mehreren Jahren ein Paar. Wir haben gemeinsam so vieles geschafft und überwunden. Es wird für mich immer schwerer, trotz ständiger Bemühungen und Geduld, einen Tag ohne Streitereien zu gestalten.
Ich möchte gerne wissen, ob es für PTBS ein typisches Symptom ist, sich zurückhaltend und emotionslos zu verhalten?! Ich bin mittlerweile verzweifelt. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Lieber Leser,

ja, es ist ein typisches Symptom der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), emotional abgeschaltet oder entfernt zu wirken. Es ist typisch für eine Posttraumatische Belastungsstörung, dass Betroffene nicht mehr angemessen emotional auf ihre Mitmenschen reagieren zu können. Allerdings geht das nicht allen PTBS-Betroffenen so.

Das was Sie als zurückhaltend und emotionslos erleben ist sehr wahrscheinlich das, was Sie sehen, wenn Ihre Frau dissoziiert, wie wir das in Psychologinnensprache ausdrücken.

Dissoziation beschreibt einen Schutzmechanismus von Seele und Gehirn/Körper gegen überwältigende in erster Linie negative Gefühle.
Foto von Philippe Donn von Pexels / Graphic designed with FotoJet

Dissoziation beschreibt einen Schutzmechanismus von Seele und Gehirn/Körper gegen überwältigende in erster Linie negative Gefühle.

Wenn sich jemand bedroht fühlt, wird er zuerst wütend, solange das Hirn „der Meinung ist“, dass man noch Handlungsmöglichkeiten (Kampfstrategien) hat. Fühlt man sich bedroht, sieht aber keine Handlungsmöglichkeiten mehr, dann sagt einem die Angst: „Nix wie weg hier“. Bleibt man in der als lebensbedrohlich empfundenen Situation gefangen, dann kann aus der Angst Todesangst werden und man erkennt, dass man absolut hilflos ist. Menschen erkennen in solchen Momenten, dass das eigene Überleben von der Situation abhängt oder aber vom Willen ihres Angreifers.

Tritt dazu noch ein Moment ein, in dem die betroffene Person den Eindruck gewinnt, dass Ihr Leben jetzt zu Ende ist (ich nenne das „dem Tod ins Gesicht sehen“), dann sind die Gefühle und Reize so überwältigend, dass das Hirn/Körper und die Seele sich vor dem weiteren Empfinden dieser Todesangst und ggf. auch körperlicher Schmerzen schützen. Was dann passiert, nenne ich Notabschaltung. Die Notabschaltung kann sich auf unterschiedliche Weise auswirken.

Eine Reaktion ist, das Hirn schaltet alle Gefühle ab (emotionsloser Typ).

Die betroffene Person empfindet dann keine Todesangst mehr. Sie kann sich weiterhin bewegen und sie kann auch auf Denkprozesse zurückgreifen und Wissen. Allerdings alles nur automatisiert und damit ohne willentliche Kontrolle.

Verläuft die Bewältigung der Bedrohungssituation gesund, dann hört dieser Zustand wieder auf, wenn das Hirn erkennt, dass die Lebensbedrohung nicht mehr besteht, sondern Seele und Körper wieder sicher sind. Sobald der Mensch erkennt „Es ist vorbei, ich bin sicher“, entlädt sich der Körper mit Zittern und Weinen und anderen heftigen Körper- und emotionalen Reaktionen. Der Körper baut auf diese Weise die Stresshormone und die ganze Energie ab, die er für den Überlebenskampf bereitgestellt hat.

Eine andere Reaktion auf die Begegnung mit dem Tod ist die Schreckstarre.

Wie der Name schon sagt, lähmt sich der Körper und erstarrt. Gleichzeitig erlebt die Person bei vollem Bewusstsein, was mit ihr geschieht und dass sie absolut ausgeliefert und hilflos ist. Dazu hat sie natürlich weiterhin Todesangst. Weil dieser Zustand absolut unerträglich ist, nutzt das Hirn Denkstrategien oder Denkprozesse, um sich zu beschäftigen und damit von den überwältigenden Gefühlen „abzulenken“.

Eine Strategie, die es dafür nutzen kann, ist zählen. Es gibt immer etwas zu zählen. Schauen Sie sich um! Sie werden etwas finden. Heizkörper, Tapetenmuster, Kacheln, Blätter an einer Pflanze, Tassen im Regal oder Bücher. Selbst Schneeflocken oder die Huppel in einer Raufasertapete lassen sich zählen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich wegzudenken. In die Wand hineinzudenken. Also eine Phantasie darüber zu entwickeln, nicht im eigenen Körper zu sein, sondern außerhalb zum Beispiel in der Deckenleuchte oder im Teppichboden oder draußen im Baum vor dem Fenster.

Eine dritte Möglichkeit, sich wegzudenken ist, sich vorzustellen, wie das Geschehen nicht aus dem Blickwinkel meiner Augen aussieht, sondern wie es zum Beispiel aussehen würde, wenn ich an einer anderen Stelle im Raum bin. Diese Fähigkeit, sich etwas aus einer anderen Perspektive vorzustellen haben wir alle. Wenn das Gehirn diese Strategie wählt, dann entsteht der Eindruck, die Person habe ihren Körper verlassen. Weil sie die Gefühle nicht mehr bewusst wahrnehmen kann, weil die Denkprozesse alles Bewusstsein verbrauchen oder füllen, entsteht der Eindruck von Getrenntsein vom Körper. Betroffene schildern das als „neben sich stehen“ oder „wie im Film“, weil die Gefühle fehlen. Die werden in diesem Zustand nicht mehr wahrgenommen.

Es gibt Menschen, die bleiben in einem dissoziativen Zustand stecken.

Wenn das Gehirn nicht erkennen kann, dass die Gefahr vorbei ist, dann kann es sein, dass Menschen in so einem abgeschalteten Zustand wie hängen bleiben. Sie leben dann in einem ständigen Alarmzustand, der auf Dauer sehr anstrengend ist.

Eine andere variante kann sein, dass jemand so oft in einem lebensbedrohlichen Zustand war, dass das Gehirn/der Körper sich beim ersten Anzeichen von Gefahr „wegbeamt“, also „wegdenkt“ anstatt andere Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Neues zu lernen macht vielen Menschen Angst. Es ist leichter auf Strategien zurückzugreifen, die automatisch ablaufen, weil sie gut geübt sind. Da es um Überlebensmechanismen geht, sind diese Prozesse im Körper und im Hirn so verankert, dass sie automatisch ablaufen und deswegen viel Anstrengung brauchen, weil sie nur durch bewusste Entscheidungen zu verändern sind. Das wiederum setzt voraus, dass man diese automatischen Prozesse lernen muss, bewusst wahrzunehmen, um dann überhaupt eingreifen zu können. Das ist der Grund, warum gerade der Umgang mit dissoziativen Zuständen so zeitaufwendig ist und Therapien lange dauern.

Eine PTBS entsteht aus einem gesunden Überlebensmechanismus, der ein Update bräuchte.
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Eine PTBS entsteht aus einem gesunden Überlebensmechanismus, der ein Update bräuchte.

Eine PTBS nennen wir eine Gruppe von Beschwerden, die im Grunde der Versuch unseres Gehirns ist, uns vor weiteren Gefahren zu schützen.

Erinnerungsattacken sind der Versuch unseres Gehirns, uns vor einer drohenden Gefahr zu warnen, indem es sagt: Schau, das war doch gefährlich, das passiert gleich wieder! Achtung! Aufgepasst! In den meisten Fällen handelt es sich um einen Fehlalarm, weil es keine Gefahr gibt. Während das Gehirn diese Warnung durch die Erinnerung „ausspricht“, bereitet es den Körper durch Stresshormone auf den Kampf oder die Flucht vor. Wenn das ständig passiert, dann entstehen dadurch alle anderen Beschwerden der PTBS: Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Anspannung, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Wutausbrüche. Das ist so unangenehm, dass Betroffene versuchen, die Erinnerungsattacken (sich aufdrängende Erinnerungen, Intrusionen, Flashbacks) zu vermeiden.

Keine Gefühle spüren zu können ist für die meisten Menschen sehr unangenehm.

Auf der anderen Seite fühlt es sich kurzfristig besser an, große und starke Gefühle nicht zu spüren. Das ist wie eine Sicherung, die vor Überspannung im Haus sorgt. Wenn die Spannung zu groß wird, schaltet die Sicherung ab. Im Grunde macht das Gehirn das gleiche. Zum Schutz.

Als Angehöriger ist es erstmal wichtig, diese Dinge zu verstehen. Es ist wichtig, dass Sie wissen und sich immer wieder bewusst machen, emotionslose Reaktionen auf der Seite Ihrer Frau sind kein böser Wille und haben nichts mit Ihnen zu tun. Auf der anderen Seite ist verständlich, dass es Sie schmerzt und dass Sie ja auch das Bedürfnis nach emotionalem Austausch haben. Das ist in der Tat eine schwere Zeit. Jetzt kommt es darauf an, gut für sich selbst zu sorgen und sich in echter, bedingungsloser Liebe zu üben. Bedingungslose Liebe bedeutet für mich, dem anderen die volle Verantwortung für sein Denken, Fühlen und Handeln zu überlassen und gleichzeitig eine helfende Hand anzubieten, egal was der andere tut. Das ist schwerer als man im ersten Moment denkt.

Ich wünsche Ihnen, dass sie diese bedingungslose Liebe in sich finden.

Ich wünsche Ihnen alle übernatürliche Kraft, um diese Zeit zu überstehen.

Stefanie Rösch

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Leserfrage: Kann sich eine PTBS bei einer Soldatin erst nach Jahren entwickeln?

21.01.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Kann sich eine PTBS nach Jahren entwickeln?
Foto von Pixabay von Pexels

Ich habe eine grundlegende Frage: Seit ca. 1 1/2 Jahren habe ich eine Beziehung zu einer Frau, die bis 1997 als Berufssoldatin insgesamt zehn Jahre lang in der Armee gedient hat. Während dieser Zeit gehörte sie auch zu den UN-Truppen, welche 1995 in Srebrenica stationiert waren.

Mich beschäftigt die Frage, ob es möglich ist, dass meine Lebensgefährtin an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden könnte, welche erst jetzt intensiv „zum Vorschein kommt“.

Ich muss hinzufügen, dass meine Lebensgefährtin seit fünf Jahren einen Laden in der Nähe einer Schießanlage betreibt. Das Thema „Schießsport“ spielt eine große Rolle in ihrem Leben. Sie ist Mitglied in mehreren Schießvereinen – und gruppen. Es gibt also viele Verbindungen mit ihrem früheren Beruf.

Meine konkrete Frage ist daher: Ist es unter diesen Bedingungen und nach so langer Zeit möglich oder gar wahrscheinlich, dass sich eine posttraumatischen Belastungsstörung erst jetzt bemerkbar macht?

Andere Symptome einer PTBS sind übrigens durchaus vorhanden.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Kann eine Symptome einer PTBS nach langer Zeit zum  Vorschein kommen?
Foto von Elias Tigiser von Pexels

Lieber Leser,

Die Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) können auch erst verzögert, also nach Wochen oder Monaten, manchmal erst nach Jahren auftauchen. Aus meiner Erfahrung hat das mit dem Erleben äußerer Sicherheit zu tun.

Die Symptome entstehen erst dann, wenn die Person im Außen keinen Überlebensdruck mehr hat. Das ist eine Erklärung dafür, dass es Senioren mit Kriegserfahrungen gibt, die erst in der Rente Symptome entwickeln.

Meine Erklärung dafür ist, dass diese Menschen beginnend mit den Kriegserfahrungen jeden Tag mit Überleben beschäftigt waren. Bis zur Rente. Da gibt es plötzlich keine Anforderungen von außen mehr. Man muss nicht mehr zur Arbeit gehen oder Kundenbedürfnisse befriedigen oder es „richtig“ machen. Es gibt keinen aufwendigen Alltag mehr zu regeln, keine Kinder großzuziehen oder gesundheitliche Probleme von Familienangehörigen zu bewältigen. Viele Dinge, mit denen man ein Leben lang beschäftigt ist, hindern einen daran, sich selbst wahrzunehmen. Gefühlte Unsicherheit kann druch verschiedene Anforderungen und Lebenserfahrungen aufrecht erhalten werden.

Es ist, als wenn die Bedrohung trotz Kriegsende nie aufgehört hat.

Foto von SplitShire von Pexels

Das ist natürlich ein ganz subjektives Empfinden.

Dann kommt die Rente und niemand will mehr etwas von einem. Belastende Beziehungen fallen weg, ebenso das eine oder andere Hobby. Oder vielleicht gab es keinen Plan für die Zeit nach der Rente und völlig überraschend ist man auf sich selbst zurückgeworfen. Das Geld zum Überleben kommt jeden Monat vom Staat und plötzlich meldet sich das Hirn und sagt: „Hallo, ich habe hier noch ein paar unerledigte Dinge. Können wir uns darüber mal unterhalten?“

Insofern können Erinnerungen und die daran hängenden Erinnerungsattacken, die das Kernsymptom der PTBS sind auch erst nach Jahren auftreten.

Soldatinnen können eine PTBS auch ohne Schusswaffengebrauch entwickeln

PTBS bei Soldatinnen muss nicht durch Erfahrungen mit Schusswaffen entstehen.
Foto von Katalin RHorvát von Pexels

Soldaten und Soldatinnen, die eine PTBS entwickeln, müssen diese nicht aufgrund von Erfahrungen mit Schusswaffen haben. Es klingt für mich, als wenn es das ist, was Sie irritiert. Ich habe diesen Eindruck, weil Sie die Kombination Soldatin und täglichen Kontakt mit Schusswaffen in der Gegenwart, bzw. Schussgeräuschen so hervorheben.

Natürlich müsste ich mir die konkrete Geschichte anhören und viele Fragen stellen, um Ihre Frage konkret beantworten zu können. Diese Möglichkeit habe ich nicht.

Aber ich weiß, wie eine PTBS funktioniert und das erlaubt mir ein paar Annahmen zu machen, die Ihnen vielleicht weiterhelfen.

Eine PTBS entsteht in einer Situation, in der eine Person die Überzeugung gewinnt, jetzt sterben zu müssen oder mitzuerleben wie andere Menschen Leid, Sterben und Tod erfahren. Wenn Sie Srebrenica erwähnen, dann fallen mir dazu natürlich die Berichte über systematische Vergewaltigungen von Frauen ein. Neben allen Kampfsituationen, in denen geschossen wurde.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung entsteht aus einer Situation heraus, in der die betroffene Person „dem Tod ins Gesicht“ sieht. Das Hirn speichert diese Erinnerung ab und kommt dann seiner Aufgabe nach, die Person vor weiteren, ähnlichen Situationen zu warnen. Diese Warnung geschieht über das Auftauchen von Erinnerungsinhalten, meist Erinnerungsbildern oder auch Körpererinnerungen wie Schmerz oder Atembeschwerden. Aber auch Geräusche, Gesprochenes, Gerüche und Gedanken können auftauchen, eben alles, was wir wahrnehmen können. Das wird auch als Flashback bezeichnet oder als Warnreaktion.

Natürlich kann eine Warnreaktion durch die Erfahrung ausgelöst werden, dass auf einen geschossen wird, ein Kamerad verwundet oder getötet wird oder man jemanden erschießen muss.

Natürlich gibt es auch ganz andere Erfahrungen, die das können: Eine Vergewaltigung zum Beispiel oder einer Vergewaltigung zuschauen zu müssen. Oder einen lebensbedrohlichen Unfall zu haben oder zu sehen, wie jemand anderes einen solchen Unfall hat.

Die Frage ist also, was genau hat Ihre Freundin erlebt?

Erinnerungsattaken sind spezifische Überlebensreaktionen.
Foto von Gabriela Palai von Pexels

Das traumatische Ereignis wird sich in den Erinnerungsattacken (Flashback / Warnreaktion) widerspiegeln. Eine PTBS ist eine biologisch sinnvolle Überlebensreaktion, die veraltet ist. Als Menschen haben wir uns zu schnell weiterentwickelt, so dass die Evolution für den Umgang mit Gefahren einfach nicht hinterhergekommen ist. Unsere Gefahren heute sind andere als vor 10.000 Jahren.

Traumareaktionen sind sehr spezifisch. Das heißt, die Erinnerungsinhalte spiegeln das belastende Ereignis wider.

Dazu kommt, dass das Hirn lernen kann, dass bestimmte Reize keine guten Warnreize sind. Dann löst das Hirn auch keine Erinnerungsattacken, also keine Warnreaktion aufgrund dieser Reize (z.B. Schussgeräusche, Schreie) mehr aus. Das ist das Ziel der Traumatherapie: Nur noch dann eine Warnreaktion zu haben, wenn es tatsächlich eine gefährliche Situation ist.

Das heißt, wenn es eine Situation war, in der Schüsse eine Rolle gespielt haben, kann es trotzdem sein, dass das Hirn Ihrer Freundin über die Jahre hinweg gelernt hat, dass Schüsse kein zuverlässiger Warnreiz sind und deswegen spielt dieser Aspekt keine große Rolle mehr.

Insofern kann es, (1) je nachdem was Ihre Freundin erlebt hat, (2) was zwischen dem Zeitpunkt der Erfahrung und Heute geschehen ist und (3) in Abhängigkeit davon wie ihr Hirn mit der Erinnerung in der Zwischenzeit „umgegangen“ ist, sehr wohl sein, dass sie als Soldatin und trotz täglichem Kontakt mit Schusswaffen, erst viele Jahre nach dem Ereignis eine PTBS entwickelt.

Die Antwort ist also: Ja, das ist möglich. Über die Wahrscheinlichkeit kann ich nichts sagen, weil ich dafür zu wenig weiß.

Ich wünsche Ihnen weiterhin einen neugierigen Geist und das Interesse, die Dinge zu hinterfragen.

Ihre Stefanie Rösch

Entdecken und hinterfragen Sie die Dinge.
Foto von Kristina Paukshtite von Pexels

Leserfrage: Lohnt es sich, ihn während der Traumatherapie zu begleiten und Anstrengung in die Beziehung zu investieren?

14.01.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Lohnt es sich ihn in der Traumatherapie zu begleiten?
Foto von Lina Kivaka von Pexels

Hallo,
Ich habe vor einigen Wochen jemanden kennengelernt. Diese Person hat mir davon berichtet, dass sie seit ein paar Monaten wegen PTBS in Behandlung ist. Wir verstehen uns sehr gut und sind uns sehr nah gekommen. Da wir von vornherein sehr offen miteinander gesprochen haben, erzählte ich ihm, dass ich anfange Gefühle für ihn zu entwickeln. Wir haben uns schon vorher des Öfteren gesagt, dass wir uns gernhaben. Aber als es um diese konkreten Gefühle meinerseits ging, hat er gesagt, dass er zu seinen Gefühlen schon fast zwei Jahre keinen Zugang mehr hat. Manchmal empfindet er das auch so wie ich, aber es gehe auch immer wieder weg. Er macht sich große Sorgen mir zur Last zu fallen, da er davon ausgeht, dass das kommende Jahr sehr schwer für ihn wird: Er will sich seinem Trauma stellen.

Nun frage ich mich, ob es sich lohnt, ihn auf diesem Weg zu begleiten, oder ob ich mich distanzieren sollte. Es würde sicherlich belastend für mich werden, aber ich habe auch das Gefühl, dass er was Besonderes ist und dass das zwischen uns etwas Besonderes werden könnte. Aber es wäre vermutlich mit vielen schweren Phasen verbunden, gerade in der ersten Zeit. Auch weil er eben sagt, dass er dieses völlige Verliebtheitsgefühl gerade nicht empfinden kann.

Vielleicht haben sie ja Tipps für mich oder können die Situation aus einer anderen Perspektive beleuchten.

Vielen Dank und liebe Grüße

Wer ist verantwortlich für die Gefühle?
Foto von David Gierth von Pexels

Liebe Leserin,

im Grunde höre ich die Frage, ob es sich lohnt, die Arbeit in diese Beziehung zu investieren.

Meine klare Antwort darauf: Ja.

Ich kann das so klar beantworten, weil sich die Arbeit in eine Beziehung immer lohnt. Sie lässt uns wachsen.

Was die Zukunft bringt, wissen Sie nicht. Wie die Traumatherapie in seinem speziellen Fall verläuft, wissen Sie nicht. Es kann auch alles viel leichter als erwartet verlaufen.

Ich vertrete durchaus die Meinung, dass Traumatherapie anstrengend ist. Aber das ist ja sein Job. Nicht Ihrer.

Wenn Sie eine offene Kommunikation haben, dann könnten Sie das nutzen, um klare Absprachen für ihre Beziehung zu treffen.

  • Er allein ist dafür verantwortlich wie es ihm geht.
  • Sie allein sind dafür verantwortlich wie es Ihnen geht. Damit ist ausgeschlossen, dass er Sie belastet.
  • Wenn es Ihnen nicht gut geht oder Sie sich belastet fühlen, sorgen Sie für sich. Das ist Ihre Aufgabe. Wenn er etwas dazu beitragen kann, sagen Sie es ihm. Er kann dann entscheiden, ob er das gerade geben kann.
  • Anders herum genauso. Wenn es ihm nicht gut geht, dann sagt er das einfach. Wenn er den Eindruck hat, dass Sie ihn unterstützen können, dann sagt er Ihnen das und auch was genau Sie tun können, um ihn zu unterstützen. Sie können dann entscheiden, ob Sie das gerade geben können.
  • Jeder akzeptiert die Entscheidungen des anderen.
  • Jeder weiß, dass der andere wohlwollend ist, unterstützen will, aber immer zuerst nach sich selbst schauen muss und akzeptiert diese Haltung.

Wenn Sie das umgesetzt bekommen, haben Sie ein gutes Fundament, um mit der Situation umzugehen und Ihre Beziehung gemeinsam auf eine gute Art zu gestalten und wachsen zu lassen. Das größte Problem entsteht dann, wenn man in eine „Opferhaltung“ gerät. Und die ist verbreiteter als man so denkt.

Die Opferhaltung ist eher ein kulturelles Phänomen, eine Art psychologische Pandemie als eine Ausnahme.

Die Opferhaltung ist eine psychologische Pandemie.
Foto von Max Ravier von Pexels

Mit „Opferhaltung“ meine ich die Haltung, dass „immer die anderen“ schuld sind. Eine Haltung, die uns immer wieder zum Opfer und damit ohnmächtig macht.

Ein paar Beispiele für diese Opferhaltung

  • Der Staat beschränkt dieser Tage meine Freiheit. Ich fühle mich eingeschränkt. Der Staat muss es anders machen.
  • Immer werden die anderen befördert.
  • Die Lehrerin mich nicht mag. Die benotet mich schlecht.
  • Der Müller ist schuld, dass ich mich so aufregen muss.

Merken Sie es? Das ist eine Frage der Ursachenzuschreibung. Ich könnte auch sagen:

  • Okay, ich nehme die Unannehmlichkeiten für die Sicherheit und Gesundheit anderer in Kauf. Ich kann auch andere Lösungen finden und habe alles was ich brauche zum Leben: Essen, trinken, ein Dach über dem Kopf und warm. Ich habe Strom und kann unendlich viele Dinge tun, um mich sinnvoll zu beschäftigen.
  • Was machen die anderen, dass sie befördert werden? Was kann ich da lernen?
  • Vielleicht habe ich nicht genug gelernt. Vielleicht bin ich auch einfach nicht so gut in Deutsch. Aber ich könnte schauen, was ich machen kann, um besser zu werden. Ich frage die Lehrerin mal, warum sie mir die schlechte Note gegeben hat.
  • Warum rege ich mich jetzt eigentlich so auf? Ach so, der Typ redet genau wie mein Sportlehrer damals. Blödes Geschwätz. Das hält mich nicht auf. Der ist es gar nicht wert, dass ich mich so aufrege. Und im Grunde hat er Recht. Auch wenn er an seinen Ausdrucksformen feilen könnte.

Und dabei geht es nicht um die konkrete Situation, sondern um eine Haltung.

Die gesunde Haltung ist: Ich bin verantwortlich für mich. Vollumfänglich.

Die gesunde Haltung: Ich bin vollumfänglich verantworltich für mich.
Foto von Valiphotos von Pexels

Ja, es ist nicht immer alles rosig. Aber ich kann immer etwas lernen und dann den nächsten Schritt in meinem Leben machen. Ich muss nicht an der Vergangenheit festkleben. Es sind nur Erfahrungen, die ich gemacht habe. Das bin nicht ich, nur meine Erinnerungen. Das bestimmt weder meine Zukunft noch mich als Person. Ich allein bin der Chef in meinem Leben. Oder die Chefin natürlich.

Das hat nichts damit zu tun, dass man Opfer einer Gewalttat werden kann.

Täter tragen die Schuld, aber Opfer sind verantwortlich für Ihr Befinden. Egal, was der Täter tut, das Befinden wird sich nur ändern, wenn die betroffene Person etwas tut.

Ein Schritt, der zeigt, dass Ihr neuer Freund Verantwortung übernommen hat ist, dass er Therapie macht. Das ist doch sehr positiv.

Für eine Beziehung geht es darum zu wissen, wer für was verantwortlich ist. Für meine Gedanken, mein Fühlen und Handeln kann nur ich verantwortlich sein. Das ist in meinen Augen die zentrale Erkenntnis für ein glückliches Leben.

Um diese Beziehung unter den gegebenen Umständen zu erkunden, braucht es in erster Linie eine Haltung.

Gefühle sind überlebensnotwendig

Gefühle sind überlebensnotwendig.
Foto von Johannes Plenio von Pexels

Noch ein paar Worte zum Thema Gefühle. Sie sind Teil unseres täglichen Überlebens aber auch Teil einer menschlichen Entwicklung über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg. Hier also eine kurze Zusammenfassung.

  • Wut: Zeigt uns eine Bedrohung an, auf die wir noch reagieren können, weil wir noch „Kampfstrategien“ zur Verfügung haben.
  • Angst: Zeigt uns eine Bedrohung an, auf die wir nicht mehr reagieren können, weil uns keine Strategien mehr zur Verfügung stehen. Weiterlesen?
  • Ekel: Zeigt uns an, dass etwas giftig oder verdorben ist.
  • Trauer: Zeigt an, dass wir Hilfe brauchen, in der Regel Trost, und ist Teil der Steuerung von Beziehungen.
  • Freude: Zeigt uns an, was uns guttut. Das ist ebenfalls vorwiegend Teil der Steuerung von Beziehungen.

Liebe oder Verliebtsein sind aus meiner Sicht keine Gefühle. Meine Definitionen dafür lauten:

Liebe ist das Empfinden von tiefer Verbundenheit mit einer anderen Person oder einem Tier. Liebe hat das Wohl des anderen im Blick. Sie ist selbstlos.

Verliebtsein beschreibt für mich einen Zustand der freudvollen Unsicherheit. Das sind die Zeiten, in denen wir aufgeregt sind, weil wir uns auf den anderen freuen, aber noch unsicher darüber sind, ob der andere uns genauso mag wie wir ihn.

Im Grunde ist es das, was Sie beschreiben: Ein Zustand der Unsicherheit.

Verliebtsein ist ein Zustand von Unsicherheit.
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Ihr Freund ist gerade mehr mit seiner Vergangenheit (Erinnerungen) und mit den körperlichen Folgen (Stressreaktion / PTBS) seiner belastenden Lebenserfahrungen beschäftigt. Da kann es schonmal sein, dass das im Vordergrund steht. Das wird sich ändern, wenn er lernt, was er in der Therapie lernen will.

Gefühle spüren wir, wenn wir präsent im Leben sind. Als Menschen haben wir die Möglichkeit, Gefühle auf ganz unterschiedliche Weise nicht zu spüren. Wir können sie ignorieren/wegdrücken oder unser Hirn schützt und vor zu viel Gefühl, sprich Erregung. Letzteres kommt bei traumatischen Erfahrungen öfter mal vor. Letztendlich geht es aber nur darum zu lernen, mit diesen Gefühlen und mit den Erinnerungsreaktionen umzugehen. Dafür ist die Therapie da. Oder zumindest ist das mein Ansatz für eine Traumatherapie. Das heißt nicht, dass es schnell geht. Aber es sollte für die betroffene Person wahrnehmbar sein, dass sie etwas lernt, um besser mit den Folgen der traumatischen Erfahrung umzugehen.

Ihr neuer Freund hat den Vorteil, dass Sie ihre Gefühle offenbart haben. Da gibt es keine Ungewissheit darüber. Sie haben gesagt, wie Sie sich gerade fühlen. Er kann Ihnen diese Auskunft nicht so klar geben. Das heißt, für Sie bleibt die Unsicherheit bestehen.

Mein Vorschlag, also… Tipps??

Haltung ist entscheidend und Wissen über Traumareaktionen.
Foto von João Jesus von Pexels

Machen Sie sich ihre Haltung bewusst und treffen Sie die Absprachen mit ihrem Freund. Lernen Sie etwas über traumatische Erfahrungen, die Posttraumatische Belastungsstörung und was in einer Traumatherapie passiert. Hier im Blog finden Sie dazu eine Menge Informationen, zum Beispiel meine PTBS-Reihe.

Lernen Sie jeden Tag ein bisschen darüber, wie wir als Menschen in den unterschiedlichsten Situationen funktionieren. Das wird dazu führen, dass Sie neue Situationen zu ihrem Vorteil wahrnehmen können und sich keine Sorgen machen müssen. Sie werden erwarten, dass es gut läuft, weil Sie wissen, dass es für alles eine gute Lösung gibt. Auch wenn es mal schwer oder schmerzhaft ist. Das Leben will gespürt, gelebt und bewältigt werden. Jeden Tag.

Dazu wünsche ich Ihnen in diesem neuen Jahr alle notwendige Kraft

Ihre Stefanien Rösch

Leserfrage: Wie kann ich „meine“ Mutter Gothel loswerden? Wie geht vertrauen?

06.01.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo,
ich habe vor kurzem mit meiner Tochter den Märchenfilm Rapunzel gesehen und er hat mich sehr berührt. Jetzt lese ich auf Ihrem Blog über den Film Rapunzel – neu verföhnt. Ich habe genau das erlebt, was Sie Weiße Folter nennen. Viele Jahre habe ich gebraucht, um mich von meiner Mutter zu lösen und ihr „Spiel“ zu durchschauen. Ich bin durch Rapunzels „Wüste“ gegangen, als mir bewusstwurde, dass ich eigentlich keine Mutter habe. Seit meiner Kindheit leide ich an Angstzuständen und Depressionen. Laut verschiedener Therapeuten habe ich aber kein „richtiges“ Trauma erlebt, weil es eben „weiß“ war. Ich denke, deswegen haben auch verschiedene Therapien bei mir nicht funktioniert. Ich fühle mich sehr traumatisiert und habe auch viele Symptome. Es tut gut bei Ihnen zu lesen, dass meine Gefühle eine Berechtigung haben. Ich habe genau das, was Sie beschreiben: Ich kann mich nicht auf menschliche Beziehungen verlassen. Ich bin immer verschlossen. Auch bei Therapeuten ist es für mich kaum möglich, ihnen zu vertrauen. Ich habe mich sozusagen von Frau Gothel gelöst und sitze jetzt in meinem Turm und traue mich nicht raus. Haben Sie einen Vorschlag, was ich tun kann? Herzlichen Dank für Ihre Seite!

Wie geht Vertrauen in einer feindlichen Welt?
Foto von Amine M’Siouri von Pexels

Liebe Leserin,

ich glaube, Rapunzel berührt Sie und andere Menschen, weil sie trotz ihres Schicksals soviel Lebensfreude und Lebensmut behalten hat. Es ist nur ein kurzer Moment, in dem Sie überlegt, wieder zurück zu gehen. Doch dann hält sie nichts mehr auf. Auch nicht der Versuch von Ryder, sie ins Hässliche Entlein zu bringen, wo sämtliche Verbrecher von einem besseren Leben träumen.

Was erstaunlich ist, und eben Film, dass Rapunzel trotz all der schlechten Behandlung durch ihre Entführerin einen positiven Blick auf das Leben behalten hat.

Wie das möglich ist?

Rapunzel akzeptiert ihre Umwelt so wie sie ist

Sie macht das Beste daraus. Sie lebt in der Gegenwart. Sie verschwendet keinen Gedanken an die Vergangenheit. Das macht sie zu einer Comicfigur.

Rapunzel akzeptiert die Umwelt so wie sie ist. Sie lebt in der Gegenwart und schaut nicht zurück.
Danke Pixaby auf Pexels für das Foto

Was diese Entführerin 17 Jahre lang mit Rapunzel gemacht hat, geht an einem echten Menschen nicht so spurlos vorbei. Ein echter Mensch hat keine andere Möglichkeit als die Sichtweisen der Mutter Gothel ungeprüft zu übernehmen. Mutter Gothel bringt Rapunzel nicht bei, ihre Behauptungen an der Realität zu prüfen. Ist die Welt wirklich so gefährlich? Hockt wirklich hinter jedem Strauch ein Bösewicht? Rapunzel durfte den Turm gar nicht verlassen. Sie ist nie an einem Strauch vorbeigegangen, um zu schauen, ob dahinter ein böser Bube sitzt.

Sie, liebe Leserin, mussten andere Strategien entwickeln, um in der Welt ihrer „Mutter Gothel“ überleben zu können.

Was ist ein „echtes“ Trauma?

Es gibt dazu unterschiedliche Definitionen. Der Begriff Trauma bedeutet erst mal nur „Verletzung“. Und so wie es sich anhört, haben Sie einige Verletzungen erfahren. Die Verletzungen sind durch bedrohliche Situationen oder bedrohliches Verhalten von anderen entstanden, in ihrem Fall von Ihrer „Mutter Gothel“.

Es gibt aber auch die Definition, dass Trauma eine „objektiv“ lebensbedrohliche Erfahrung sein muss. „Objektiv“ meint dann so Erfahrungen wie Opfer von Kriegshandlungen zu sein, sexueller oder körperlicher Gewalt, Folter, schweren Verkehrs- und anderen Unfällen, sowie diese Erfahrungen beobachten zu müssen. Einzige Ausnahme bildet die Arbeit von polizeilichen Ermittlern, die entsprechend belastendes Videomaterial (Kinderpornografie) anschauen müssen. Denen wird auch zugestanden, traumatisiert zu werden, obwohl es keine „objektive“ Bedrohung für den Ermittler gibt.

Aus meiner Erfahrung spielt allein das subjektive Erleben von Lebensbedrohung eine Rolle, ob jemand traumatisiert wird. Jedenfalls definiere ich Trauma so: Es sind die Folgen, die entstehen, wenn man dem Tod ins Gesicht sieht. Ob man traumatisiert ist oder nicht, kann man aber frühestens 4 Wochen nach dem Ereignis sagen, manchmal auch erst sehr viel später. Letztendlich kann man nur anhand der Beschwerden sagen, ob jemand traumatisiert ist oder nicht. Die typischste Folge einer traumatischen Erfahrung ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Aber das bedeutet nicht, dass wenn man keine PTBS hat, man nicht schlimme Verletzungen erlebt hat. Ich glaube, es spielt am Ende keine Rolle, wie wir es nennen. Wichtig ist, die Folgen zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen, um sich davon zu befreien.

Psychische Beschwerden sind Ausdruck des Versuchs in einer lebensfeindlichen Umgebung zu überleben
Foto von Nacho Juárez von Pexels

Psychische Beschwerden sind Ausdruck des Versuchs in einer lebensfeindlichen Umgebung zu überleben

Depression ist häufig Ausdruck der Überzeugung, dass man keinen Einfluss im Leben hat. Betroffene haben den Eindruck, sie können nichts bewirken, sich nicht wehren und sind für alles verantwortlich, vor allem für Dinge, über die sie keine Kontrolle haben, wie zum Beispiel die Gefühle von anderen. Diese dauernde Überforderung macht müde und lässt einen irgendwann resignieren. „Ich kann ja sowieso nichts ändern“, ist dann eine fast unausweichliche Überzeugung.

Ängste zeigen an, dass man keine Handlungsmöglichkeiten mehr hat und das Hirn die Situation als lebensgefährlich einschätzt. Aber auch erwarteter Schmerz, vorweggenommenes Versagen oder die Vorstellung von Einsamkeit können zu Angst führen. Unser Hirn macht da keinen großen Unterschied zwischen Vorstellung und Gegenwart. Die Vorstellung von eine Angstsituation reicht aus, um auch eine Angstreaktion im Körper zu verursachen, die wir als unangenehm, eben als Angst oder Panik bezeichnen. Je nachdem, was wir gelernt haben.

Angst macht vorsichtig und deswegen einsam

Wenn ich wiederholt von jemandem bedroht oder abgewertet werde. Wenn ich immer wieder Lebenserfahrungen aufgezwungen bekomme, die mir Angst machen, dann werde ich vorsichtig. Das ist mal grundsätzlich eine natürliche und gesunde Reaktion. Wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass ein Säbelzahntiger gefährlich ist, dann ist es gut vorsichtig zu sein, wenn ich einem Säbelzahntiger begegne. Bei einem Zebra macht das erstmal keinen Sinn. Aber so ist unser Hirn.

Wenn wir von unserer Mutter schlecht behandelt wurden, dann geht unser Hirn davon aus, dass auch andere Menschen gefährlich sind. Wir werden vorsichtig, was andere Menschen angeht. Und wenn es sehr vorsichtig ist, nennen wir das misstrauisch. Vorsichtig zu sein, ermöglicht uns, Kontakt mit anderen zu haben, auch wenn wir nicht wissen, was wir vom anderen erwarten sollen. Wenn wir misstrauisch sind, unterstellen wir dem anderen „negative Absichten“, wir erwarten, wieder verletzt zu werden, obwohl wir den anderen gar nicht kennen. Diese Haltung behindert den Kontakt zu anderen. Vorsicht ist okay, Misstrauen hindert am Leben und macht einsam.

Mutige Entscheidungen zu vertrauen sind die Lösung
Foto von James Wheeler von Pexels

Mutige Entscheidungen zu vertrauen sind die Lösung

Eine Klientin fragte mich neulich: Was ist kühnes Vertrauen? Was für ein tolle Frage.

Und genau die Antwort für Sie, liebe Leserin. Um gesund zu werden und sich von den Auswirkungen einer „Mutter Gothel“ zu befreien braucht es das kühne Vertrauen einer „Rapunzel“. Kühnes Vertrauen meint mutiges Vertrauen. Mutig zu vertrauen ist eine Entscheidung.

Vertrauen ist kein Gefühl, keine Empfindung, sondern eine Entscheidung, die wir die meiste Zeit unbewusst, sprich ohne darüber nachzudenken fällen. Wenn man wie Sie viele Enttäuschungen und Verletzungen erlebt hat, bleibt einem nur die bewusste Entscheidung übrig. Es bedeutet, wie diese Klientin immer wieder sagt: „Alles auf eine Karte zu setzen“ und trotz Misstrauen zu vertrauen, gerade zum Trotz gegen die innere Stimme, die einem Angst machen will. Nur so kann man nach und nach Erfahrungen und damit Erinnerungen sammeln, die der Überzeugung „Menschen sind hinterhältig oder böse“ entgegenstehen. Nur so kann man die liebevollen und zugewandten Erfahrungen machen, die notwendig sind, um diese Tiefen Gräben zwischen sich und der Welt zu überwinden.

Es ist ein anstrengender Weg und nur für mutige Menschen gemacht. Dass Sie mir geschrieben haben, ist für mich der Beweis, dass ich es mit einer mutigen Person zu tun habe. Sie haben immer wieder Hilfe in der Therapie gesucht. Das ist auch ein Beweis dafür, dass Sie ein mutiger Mensch sind. Ihr Wille zur Heilung und zur Freiheit zeigt sich mir darin, dass Sie sich von Ihrer „Mutter Gothel“ gelöst haben.

Mein Vorschlag

Bleiben Sie dran. Schauen Sie, was Sie nicht können und suchen Sie sich jemanden (Therapeutin), die Ihnen hilft, diese Dinge zu lernen. Vertrauen kann man lernen. Beziehungen zu führen kann man lernen. Man kann lernen, sich zu schützen und zu wehren. Alles was es braucht, sind mutige Entscheidungen und den Willen durchzuhalten. Ich bin davon überzeugt, dass Sie beides haben.

Für Ihren Weg wünsche ich Ihnen viel Kraft.

Ihre Stefanie Rösch

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Nur Sie sind die Heldin in Ihrem Leben 🙂

Du bist die Heldin in Deinem Leben
Foto von Thought Catalog von Pexels

Leserfrage: Ich habe Angst vor meiner Freundin. Was kann ich tun?

20.11.2020 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo,
mein Name ist Anja und ich bin 16 Jahre alt. Ich leide seit Jahren unter PTBS und weiß einfach nicht mehr weiter. Seit ein paar Monaten habe ich eine feste Beziehung mit meiner Freundin und habe oft bzw. immer Panik, wenn sie mich berührt oder wir Sex haben. Ich kriege fast immer körperliche Erinnerungen und habe Flashbacks und schaffe es nicht, das zu unterscheiden was real ist und was nicht. Wir wohnen zusammen in einer Wohngruppe und dürfen am Wochenende zusammen in einem Zimmer schlafen. Wenn wir bei ihr im Zimmer schlafen kriege ich Panik, weil es nicht mein Zimmer ist obwohl ich mich in meinem Zimmer auch nicht wirklich wohl fühle. Ich habe eine Therapeutin und auch eine Psychiaterin aber denen traue ich mich nicht zu sagen, dass ich vor meiner eigenen Freundin Angst habe, da mir das sehr unangenehm ist. Ich habe meiner Freundin das erzählt und sie reagierte sehr einfühlsam. Aber trotzdem habe ich Angst, dass sie das genauso mitnimmt wie mich. Ich bin trotz all dem intim mit ihr aber es wird immer schlimmer. Könnten sie mir vielleicht sagen, was ich dagegen tun kann?

Ich habe Angst vor meiner Partnerin. Das fühlt sich an wie im Nebel.
Danke an Snapwire auf Pexels

Liebe Anja,

als erstes möchte ich Ihnen Mut machen, mit Ihrer Therapeutin darüber zu sprechen. Im Grunde ist die Angst in intimen Situationen eine völlig normale Reaktion, wenn man entsprechende Erfahrungen im Leben gemacht hat. Ihre Therapeutin weiß das sicher und ist bereit, offen und wertschätzend mit Ihnen darüber zu reden.

Falls Sie mit Ihrer Therapeutin nicht über Ihre Ängste sprechen wollen, gibt es auch die Möglichkeit, darüber zu schreiben. Eine Anleitung, wie man über belastende Erfahrungen schreiben kann, finden Sie hier: Über belastende Erinnerungen schreiben.

Ich vermute, dass Sie nicht vor ihrer Freundin Angst haben, sondern vor ihren eigenen unangenehmen Körperreaktionen, oder? Die Vorstellung, wieder Panik zu haben, macht Ihnen Angst. Zumindest hört es sich für mich so an. Das ist etwas, was ich häufig höre von Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Kein Wunder, dass sich der Körper daran erinnert.

Hier meine Erklärung dazu, wie ein Trauma entsteht und was Flashbacks sind.

Es gibt zwei Themen in ihrer Frage: Das Zimmer und die Freundin

Wenn Sie sich in einem Zimmer nicht wohlfühlen, also weder in ihrem eigenen noch in dem ihrer Freundin, dann ist es wichtig, herauszufinden, warum das so ist. Meine Vermutung ist, dass Sie sich in beiden Zimmern nicht sicher fühlen. Wenn Sie sich nicht sicher fühlen, dann versuchen Sie bitte herauszufinden, woran das liegt.

Es könnte daran liegen, wer bestimmt, wer das Zimmer betreten darf und verlassen muss. Entscheiden Sie, wer reinkommen darf und wer raus muss? Kann jeder einfach reinkommen?

Sollte das der entscheidende Faktor sein, ist es vielleicht nötig, sich Sicherheit zu verschaffen. Beispielsweise könnten Sie etwas vor die Tür legen, das Krach macht, wenn jemand gegen ihren Willen reinkommt. Auf diese Weise hören Sie es frühzeitig und können reagieren.

Überlegen Sie sich, wie sie reagieren wollen, wenn jemand unaufgefordert in das Zimmer kommt, zum Beispiel könnten Sie sagen: „Ich möchte nicht, dass Du ohne meine Erlaubnis in mein Zimmer kommst. Ich fühle mich deswegen hier nicht sicher.“ Haben Sie sich vorher konkrete Strategien überlegt, können Sie diese in Gedanken üben (Mentales Training), damit sie sich vorbereitet fühlen. Dazu kann ich Ihnen keine konkreteren Ideen anbieten, weil ich nicht weiß, wie die Abläufe bei Ihnen sind und wer das Zimmer aus welchem Grund betreten könnte.

Es könnte natürlich noch andere Gründe geben, warum Sie sich in keinem der Zimmer sicher fühlen. Überlegen Sie, ob Ihnen noch etwas einfällt.

Ihre Freundin möchte Ihnen guttun

Ihre Freundin haben Sie gern. Deswegen wollen Sie mit ihr zusammen sein und Zeit verbringen und vielleicht auch die körperliche Seite dieser Beziehung leben. Zärtlichkeit zu teilen und auch Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil von einer Beziehung. Unter anderem werden Hormone ausgeschüttet, welche die Bindung und damit die Beziehung fördern. Gleichzeitig wird durch diese Hormone auch Stress reduziert, was für unsere Gesundheit förderlich ist. Damit das klappt, sollten sich beide Partnerinnen sicher und wohl fühlen.

Aber Ihr Gehirn hat, wie es aussieht, gelernt, dass Berührung und Sexualität gefährlich sind und deswegen macht es diese Alarmreaktionen (Flashbacks, hier als Körpererinnerung), die Sie so unangenehm finden und als Panik bezeichnen. Also geht es jetzt darum, dem Gehirn beizubringen, dass Ihre Freundin sie nicht misshandeln oder verletzten wird.

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, es langsam angehen zu lassen und erstmal die nichtsexuellen Berührungen wieder zu üben. Langsam, damit das Gehirn lernt, Berührung ist angenehm.

Nur die Person, die Sie verletzt hat, ist gefährlich, ihre Freundin nicht.

Die Vorstellung, alle oder alle intime körperliche Berührung sei gefährlich, entsteht dadurch, dass das Hirn unnötige Verallgemeinerungen macht. Das hat etwas mit unserer Entwicklung als Menschen zu tun. Dieser Mechanismus war ursprünglich dafür ausgelegt, uns vor weiteren Gefahren zu schützen, wenn wir einmal Gefahr in einer bestimmten Situation erlebt haben. In Zeiten von Säbelzahntigern war das sehr hilfreich, weil alle Säbelzahntiger gefährlich sind. In unserer heutigen Welt schießt das Hirn jedoch gerne Mal über sein Ziel hinaus. Das nennen wir dann Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Ich gehe für die folgenden Erklärungen jetzt einfach Mal von einer Person aus, die Sie verletzt hat. Wenn es mehrere Personen waren, ist der Mechanismus umso fester im Gehirn verankert.

Ihr Gehirn denkt im Moment noch: Ein Mensch hat mich verletzt, also sind alle Menschen gefährlich. Ihr Hirn möchte Sie vor weiteren Verletzungen schützen und warnt Sie deswegen mit Panik (Erinnerungsattacken/Flashbacks). Es spricht mit Ihnen auf seine eigene Weise: mit Erinnerungen. „Hallo Du, ich mache gerade Panik, weil wir das hier (Erinnerungen/Flashback/Körpererinnerungen/Angst) erlebt haben. Nur, damit Du Bescheid weist.“ Das Gehirn zeigt Ihnen durch Erinnerungen die Situationen, vor denen es Sie schützen möchte.

Eine Erinnerungsattacke/Flashback ist der Versuch Ihres Gehirns, Sie vor einer drohenden Gefahr zu warnen.

Was ihr Hirn jetzt lernen muss, ist, dass nicht jede Berührung gefährlich ist, sondern eben nur ganz wenige, gefährliche Personen. Ich nenne diese Personen „Täter“. Das heißt, Sie wollen „aussortieren“, welche Reize (Täter sehen, Berührungen, Gerüche, Gedanken, Geräusche) diese Warnreaktion auslösen kann. Machen Sie sich im Kontakt mit Ihrer Freundin immer wieder die Unterschiede der Situationen bewusst. Die Berührung Ihrer Freundin ist anders als der Kontakt mit dem Täter. Vergleichen Sie und beobachten Sie ganz genau, was anders ist. Am besten sagen Sie sich diese Unterschiede laut vor.

So bringen Sie dem Hirn bei, weniger und schließlich keinen Alarm mehr auszulösen, wenn ihre Freundin Sie berührt.

Wenn Sie mit Ihrer Freundin zusammen sind und die äußere Sicherheit gewährt ist, muss das Gehirn keinen Alarm mehr schlagen.

Sie können Ihrem Hirn beibringen, weniger und schließlich keinen Alarm mehr auszulösen. Das machen Sie, indem Sie mit Ihrer Freundin üben, dass Körperkontakt angenehm ist. Sie bestimmen, was angenehm ist und was Sie unangenehm finden. Wichtig ist dabei, genau auf den Körper zu hören. An dieser Stelle braucht der Körper etwas Übung, seien Sie nachsichtig mit ihm und üben Sie in kleinen Schritten.

Sie können sich zum Beispiel Rücken an Rücken setzen. Der Körperkontakt ist nur am Rücken, sodass Gewalt nicht möglich ist. Überlegen Sie, welche Berührungen sie ohne schlechtes Gefühl aushalten können. Eine Hand festhalten, Finger verschränken? Fingerspitzen berühren? Zehenspitzen berühren? Bekleidet oder auf der Haut? Das ist etwas, was Sie im Gespräch mit Ihrer Freundin herausfinden können.

Ziel der Übung soll sein, sich mit Ihrer Freundin sicher zu fühlen und ihr bei Berührungen vertrauen zu können.

Treffen Sie eine Vereinbarung mit Ihrer Freundin: Sobald sich etwas unangenehm oder nicht richtig anfühlt, sagen Sie klar und deutlich „Stopp!“. Ihre Freundin sollte dann augenblicklich aufhören, Sie zu berühren. So können Sie erfahren, dass Sie sich darauf verlassen können, dass Sie die Kontrolle behalten, wie und ob Sie jemand berührt. Das ist ein entscheidender Unterschied zu Gewalterfahrungen.

Eine weitere Übung, mit der Sie anfangen könnten, ist folgende: Ihre Freundin legt ihre Hand auf Ihren Rücken, etwa zwischen die Schulterblätter. Bei vielen Menschen hat diese Berührung eine beruhigende Wirkung. Probieren Sie es aus und spüren Sie genau nach, wie sich die Berührung anfühlt. Können Sie das aushalten? Ist die Berührung vielleicht sogar angenehm?

Was findet Ihre Freundin angenehm und was auch nicht? Reden Sie darüber und probieren Sie vorsichtig aus, was geht und was unangenehm ist. Wenn Sie spüren, dass es unangenehm ist, versuchen Sie es drei Sekunden auszuhalten und sagen sie dann „Stopp!“. So kann das Gehirn lernen, dass diese Art von Kontakt mit Ihrer Freundin ungefährlich ist und, dass Sie die Kontrolle haben. Langfristig haben Sie so eine Chance, Berührung und Intimität wieder genießen zu können.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft auf Ihrem Weg,

Stefanie Rösch

Leserfrage: Wie kann ich mit dem Schweigen meines traumatisierten Partners umgehen?

30.07.2020 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Guten Morgen.

Ich habe folgendes Problem. Vor über 2 Jahren habe ich meinen derzeitigen Partner kennengelernt. Es hat fast ein Jahr gedauert, bis er mir von seiner PTBS erzählt hat, die durch seinen gefährlichen Beruf entstanden ist. Genaueres kann ich nicht sagen, denn oftmals kann ich nur vermuten, was los ist, da er nicht mit mir spricht. Ich muss generell alles immer genau hinterfragen, damit er mir überhaupt etwas erzählt.

Letztes Jahr im Dezember habe ich die Beziehung beendet. Denn ich hatte ehrlich gesagt, nicht mehr die Kraft dafür. Nach zwei Monaten Trennung sind wir wieder zusammengekommen. Ich habe dafür die Initiative übernommen, weil ich gemerkt habe, wie sehr er mir fehlt. Wenige Monate später bekam er gesundheitliche Probleme und musste ins Krankenhaus. Durch diese schlimme Situation, sind wir uns wieder ein Stück nähergekommen.

Trotzdem ist es immer wieder so, dass er mich tageweise ignoriert. Es kommt keine Nachricht zurück, er lässt meine Anrufe unbeantwortet. Ich fühle mich dann wie auf die Reservebank gesetzt. Ich weiß, dass er nicht dafür verantwortlich ist, wie ich mich fühle.
Aber ich bekomme keinen wirklichen Zugang zu ihm. Er blockt alles ab. In guten Momenten habe ich versucht, mit ihm darüber zu reden. Vergebens.

Ich liebe ihn. Und ich möchte ihn nicht verlieren.

Vielleicht können sie mir, einen Tipp geben, wie ich in solchen Situationen reagieren soll. Denn meine bisherigen Versuche sind immer gescheitert.
Vielen Dank im Voraus.

Liebe Leserin,

das ist wirklich eine schwierige Situation. Da lieben Sie einen Mann und es fühlt sich so an, als würde er sich nicht lieben lassen wollen.

Die Situation hat wie immer mehrere Aspekte:

Vermeidungsverhalten

Das Nicht-Darüber-Reden-Wolllen ein sehr typisches Symptom der Posttraumatischen Belastungsstörung, von der er Ihnen ja erzählt hat.

Menschen, die in gefährlichen Berufen arbeiten, wollen ganz oft, ihre Familien vor den Grausamkeiten und dem Leid ihrer Berufe schützen und nicht damit belasten. Das ist einer der Gründe, warum Menschen nicht erzählen, was sie belastet.

Leider ist es im Fall der Posttraumatischen Belastungsstörung genau das Gegenteil von hilfreich. Tatsächlich führt das Schweigen dazu, dass die belastenden Beschwerden wie Erinnerungsattacken, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und Schreckhaftigkeit weiter fortbestehen. Das Gehirn kann unter diesen Umständen den Unterschied zwischen heute und der Situation in der Erinnerung nicht lernen. Aber genau das ist notwendig, um sich besser zu fühlen.

Das sollte nicht unbedingt in einer Partnerschaft stattfinden, sondern durch eine Traumatherapie.

Psychotherapie machen

Das Problem mit der Traumatherapie ist, dass es immer noch viel zu viele Vorurteile gegenüber Psychotherapie gibt. Das macht es besonders für unseren „starken“ Männern in den gefährlichen Berufen als Betroffene schwer, sich Unterstützung zu holen.

Dabei kann es mit der richtigen Unterstützung sehr schnell gehen. Ein Mann, der über zwei Jahre arbeitsunfähig war, kaum noch das Haus verlassen, geschweige denn am Leben teilhaben konnte, kann innerhalb von wenigen Wochen wieder fröhlich die meisten Dingen des Lebens ohne Beschwerden bewältigen. Einfach weil er eine gute Traumatherapeutin hatte. In der Traumatherapie geht es darum zu verstehen, warum wir uns fühlen wie wir uns fühlen oder warum wir Erinnerungsattacken haben. Wenn man das verstanden hat, dann kann man Strategien lernen, mit denen man dem Hirn beibringen kann, sich wieder sicher zu fühlen und nicht einen Fehlalarm (=Erinnerungsattacke) nach dem anderen auszulösen.

Vielleicht können Sie Ihrem Partner helfen zu verstehen, was es mit dem Vermeidungsverhalten auf sich hat und dass es Hilfe in einer Traumatherapie gibt, damit er sich diese Hilfe holt und dafür sorgt, dass es ihm besser geht.

Die Rolle der Partnerin

Als Partnerin kann man da nicht viel tun, außer immer wieder Mut zur Traumatherapie machen.

Was ist für Sie Liebe? Ist Liebe bedingungslos? Wollen wir alle geliebt werden? Was muss geschehen, um sich geliebt zu fühlen? Ich finde, das sind zentrale Fragen. Was bewirkt, dass wir uns geliebt fühlen? Es klingt, als wenn für Sie dazugehört, Zeit miteinander zu verbringen. Das erinnert mich an die Liebessprachen von Gary Chapman, kennen Sie das? Hier ein Link zum Wikipedia-Artikel mit einer Zusammenfassung des Models oder das Amazonpartnerlink zu seinem Buch Die fünf Sprachen der Liebe . Ich finde, das ist ein gutes Modell, um zu verstehen, warum wir uns geliebt fühlen oder eben auch nicht. Das ist für Sie wichtig, aber auch für ihren Partner und die Kinder.

Wir sind soziale Wesen

Letzten Endes geht es darum, dass wir soziale Wesen sind, Herdentiere. Gleichzeitig sind wir jeder für sich selbst voll verantwortlich. Das haben Sie sehr treffend geschrieben „Ich weiß, dass er nicht dafür verantwortlich ist, wie ich mich fühle.“

So ist es. Als Herdentier brauchen Sie Kontakt, Beziehung, die er Ihnen im Moment oder noch lange nicht oder nie so anbieten kann, wie Sie es brauchen (Liebessprache!). Sie sind für Ihr Wohlergehen verantwortlich.

Wie können Sie ihn so akzeptieren wie er ist und gleichzeitig gut für sich sorgen?

In der Liebe und mit Trauma gibt es leider keine einfachen Antworten.

Wie oft habe ich mir das schon gewünscht! Aber so funktioniert das Leben eben nicht. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wir können den anderen so annehmen wie er ist. Wir können Mut machen zur Auseinandersetzung mit der belastenden Erinnerung im Rahmen einer Traumatherapie. Wir können für uns selbst sorgen und am Ende nur beten oder hoffen, dass der andere all seinen Mut zusammennimmt und tut, was getan werden muss, damit es ihm wieder besser geht.

Erst dann wird sich herausstellen, ob sein Schweigen Teil der Posttraumatischen Belastungsstörung oder einer anderen Lebenserfahrung war oder Teil seiner Persönlichkeit ist.

Sie können immer wieder nur nachspüren, ob Sie noch gut für sich sorgen, je nachdem wie er sich verhält. Und manchmal bedeutet das auch, festzustellen, dass er vielleicht nicht die Person ist, die Sie auch liebt, Traumareaktion hin oder her.

Ich wünsche Ihnen sehr, dass er Sie liebt und bereit ist, all seinen Mut zusammenzunehmen und seiner PTBS genauso ins Gesicht zu sehen, wie den Gefahren in seinem Beruf.

Viel Kraft für Ihren Weg

Stefanie Rösch

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