„Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“ – Stefanie Rösch, 2013

Ihr Suchbegriff PTB

Leserfrage: Wie gehe ich mit dem Hin und Her in der Beziehung zu meiner Freundin mit komplexer PTBS um?

01.04.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Guten Tag,

meine Freundin ist seit sechs Wochen wegen ihrer komplexen PTBS in einer Klinik.

Am Anfang der Therapie suchte sie zu mir den Kontakt und brauchte ihn sehr. Gleichzeitig versuchte sie immer wieder Abstand zu haben. Wir telefonierten viel und schickten uns Nachrichten. Nach zwei Wochen trennte sie sich von mir. Sie begründete diesen Schritt damit, sie bräuchte eine Pause. Sie könne gerade nicht damit umgehen, dass jemand sie liebt und sie deswegen braucht. Sie könne keine Verantwortung für die Beziehung übernehmen.

Ich weiß, wie schwer ihr das gefallen ist und wie überfordert sie mit dieser Situation war. Sie hat sehr viele Gefühle für mich. Nach mehreren Jahren hin und her mit ihrem letzten Freund, trennte sie sich und kam mit mir zusammen.

Seitdem ging es ihr immer schlechter und schließlich wurde die PTBS diagnostiziert. Zwischen uns lief es gut, allerdings konnte sie nur noch mit mir Kontakt haben. Sie zog sich von ihren Freunden zurück. Ende letzten Jahres wurde sie krankgeschrieben und ist seitdem arbeitsunfähig.

Ich habe mich vor dem Klinik-Aufenthalt intensiv um sie gekümmert und war immer für sie da. Sie brauchte mich sehr. Wir hatten einen liebevollen und vertrauten Umgang. Wir sprachen auch über Zukunftspläne.

Die Trennung sprach sie in einer kühlen, sachlichen Mail aus. Wir telefonierten anschließend per Video. Sie bekräftigte die Trennung mehrfach, nahm sie aber auch mehrfach zurück als sie merkte, wie sehr mich das überforderte.

Sie brach das Telefonat ab und ging ins Stationszimmer, weil es ihr sehr schlecht ging. Später an dem Tag schrieb sie, dass sie „kurz Pause“ brauche.

Seitdem ist so eine Art Schwebezustand eingetreten. Ich bin ratlos. Ich habe seit zwei Wochen keinen Kontakt zu ihr, bis auf eine kurze Nachricht, dass in ihrer Wohnung alles ok ist. Sie bedankte sich. Dann wieder nichts mehr.

Soll ich sie unterstützen? Und wie kann ich das tun? Soll ich sie weiter in Ruhe lassen. Ist es ratsam, mit der Klinik Kontakt aufzunehmen?

Ich beschäftige mich seit Wochen sehr mit komplexer PTBS, finde auch vieles dazu an Lektüre, aber nirgends finde ich Rat, wie ich mich in so einer Situation als Partner verhalten soll.

Ich schwanke hin und her zwischen „Beziehung aufgeben“ und „auf sie warten“. Ich muss auch schauen, was für mich gesünder ist, egal wie sehr ich sie liebe. Ich weiß nicht, wann sie wieder zurückkommt. Ich weiß nicht, wie ich mich in den nächsten Wochen verhalten soll und kann.

Trauma-Informations-Zentrum

Lieber Leser,

Ihre Schilderung macht sehr deutlich, wie schwierig die Situation für Sie ist und wie Sie versuchen, mit dieser Herausforderung umzugehen. Bevor ich ihre Fragen konkret beantworte, möchte ich ein paar Worte zum Thema komplexe PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) schreiben.

Was ist eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung?

Belastende Lebenserfahrungen wirken auf zwei Ebenen. Die Wirkung auf den Körper/Hirn bewirkt die Beschwerden der Posttraumatischen Belastungsstörung mit Erinnerungsattacken, häufig dissoziativem Erleben (Notabschaltung), erhöhter Erregung und vor allem Vermeidungsverhalten, weil die Erinnerungsattacken so unangenehm sind.

Belastende Erfahrungen, vor allem wenn sie häufig geschehen und früh im Leben ertragen werden müssen, bewirken, dass wir die Welt und uns selbst auf eine bestimmte Weise sehen. Es ist als wenn man die Welt und sich selbst durch Filter sieht, die nur bestimmte Informationen durchlassen. Das macht es oft schwer, gesunde Beziehungen zu leben. Misstrauen in den anderen oder ein übersteigertes Verantwortungsgefühl sind zwei sehr häufige Filter, die Beziehungen erschweren. Ein Filter ist eine Überzeugung, die bewirkt, dass wir Informationen durch diese Überzeugung wahrnehmen und bewerten. Diese Filter oder Überzeugungen werden auch als Glaubenssatz oder Affirmation bezeichnet.

Filter bestimmen, wie wir Informationen verstehen

Foto von Susanne Jutzeler von Pexels

Ich könnte zum Beispiel davon überzeugt sein, dass ich dafür verantwortlich bin, dass es dem anderen gut geht. Wenn ich das glaube, dann werde ich besonders darauf achten, wie es dem anderen geht. Bemerke ich, dass es dem anderen nicht gut geht, neige ich dazu zu glauben, dass es an mir liegt. Ich werde versuchen, den anderen aufzumuntern. Wenn ich Glück habe, dann gelingt mir das. Wenn nicht, dann werde ich mich schlecht, hilflos und womöglich noch schuldig fühlen.
Wenn mein Partner ebenfalls davon überzeugt ist, für meine Gefühle verantwortlich zu sein, könnte es ja sein, dass er bereits gemerkt hat, wie anstrengend und erschöpfend das ist und wie oft er sich deswegen hilflos fühlt. Wenn er für sich sorgen will, weil er einfach nicht mehr kann, würde er sich erstmal zurückziehen.

Einfach, um etwas anderes auszuprobieren, anstatt so wie immer zu reagieren. Bisher hat er immer versucht, mich aufzumuntern oder es mir Recht zu machen. Jetzt zieht er sich zurück, um in Ruhe zu spüren, wie es ihm damit geht, dass es mir nicht gut geht. Vielleicht kommt er dann zu dem Schluss, dass er gar nicht für meine Gefühle verantwortlich ist. Alleine dieser Gedanke könnte ein Gefühl von Erleichterung bewirken. Und er könnte sich überlegen, wie er anders damit umgehen kann, wenn es mir schlecht geht.

Filter schicken uns in Hamsterräder

Foto von ROMAN ODINTSOV von Pexels

Wenn beide Partner glauben, für die Gefühle des anderen verantwortlich zu sein, kann das im Alltag zu unglücklichen Situationen führen. Zum Beispiel:

Der eine fühlt sich schlecht, weil er eine PTBS hat. Der andere versucht zu helfen. Aber weil es eine PTBS ist, greift die Hilfe nicht. Er kann nur ohnmächtig zuschauen, wie es dem anderen immer schlechter geht. Das bewirkt, dass die Person ohne PTBS, aber mit der gleichen Überzeugung (Filter) sich überfordert fühlt. Sie möchte, dass es dem anderen besser geht, kann aber nichts tun. Die Person mit PTBS möchte ebenfalls, dass es dem Partner gut geht, kann aber nichts tun, weil sie PTBS hat. Sie fühlt sich zusätzlich schlecht, weil sie glaubt, dass der andere sich wegen ihr schlecht fühlt.

Jetzt sind beide in einem Hamsterrad. Jeder sieht die Situation aufgrund seines Filters, kann aber nichts tun, weil die Überzeugung verhindert, andere Lösungen zu finden.

Noch ein Beispiel:

EIn Beispiel, Hamsterrad, Filter: Ich bin verantwortlich für die Gefühle anderer
(c) Stefanie Rösch, 2021

Wie kommt man aus einem Hamsterrad wieder raus?

Foto von Johannes Plenio von Pexels

Jetzt kommen wir zur Beantwortung ihrer Frage: Sie wollen wissen, was Sie tun können? Sie wissen schon, dass sie für sich sorgen müssen. Das ist unser aller Pflicht: Zuerst für uns zu sorgen, damit wir gut für die da sein können, die wir lieben.

Liebe ist selbstlos. Das heißt, die Liebe sieht nur, was der andere zum Glücklichsein braucht. Sie respektiert den anderen bedingungslos und erträgt auch den Schmerz, wenn der andere für sein Glück vorübergehend oder dauerhaft allein weiterleben möchte. Das ist die schwerste Form: Den anderen in Liebe gehen lassen. Aber das wissen Sie ja schon.

Zum Hamsterrad gehören immer zwei

Aus dem Hamsterrad kommt man am besten raus, wenn man akzeptiert, dass immer zwei dazu gehören. Wir alle haben Filter, sprich Überzeugungen, die unsere Wahrnehmungen filtern. Wir alle haben gelernt, auf bestimmte Reize mit bestimmten Gedanken, Gefühlen und Handlungen zu reagieren. Wir alle haben die Möglichkeit, unser Verhalten, unsere Gefühle und unsere Gedanken zu hinterfragen.

Als Menschen können wir uns selbst hinterfragen. Welche Lebenserfahrungen haben dazu geführt, dass wir zum Beispiel davon überzeugt sind, für die Gefühle von anderen verantwortlich zu sein? Andere häufige Überzeugungen sind: Ich bin wertlos, ich bin nicht liebenswert, niemand glaubt mir, niemand interessiert sich für mich, ich werde nur geliebt, wenn ich es dem anderen Recht mache und so weiter.

Überzeugungen sind schwer zu entdecken. Manchmal geht das nur mit einem Therapeuten oder in einer Klinik. Ganz besonders wenn die Überzeugungen zusammen mit einer PTBS auftreten. Manchmal kann man das nur über Abstand herausfinden.

Ist es ratsam, mit der Klinik Kontakt aufzunehmen?

Die Klinik sollte Ihnen aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht (§ 203 StGB und Verschwiegenheit) keine Auskunft geben. Insofern können Sie es lassen.

Soll ich sie weiter in Ruhe lassen?

Im Moment ja. Sie können ihr einen Brief schreiben. Darin können Sie sagen, wie Sie die Situation gerade erleben. Was Sie brauchen. Zum Beispiel einmal die Woche ein Lebenszeichen. Übernehmen Sie volle Verantwortung für Ihre Gedanken, Ihre Gefühle und Ihr Handeln. Das klingt einfacher, als es ist. Sie könnten ihrer Freundin sagen, dass sie nicht dafür verantwortlich ist und auch keine Schuld daran hat, wenn Sie überfordert sind. Versuchen Sie herauszufinden, welche Überzeugungen für Sie zentral sind. Es ist gut, das zu wissen. Situationen, in denen wir sehr emotional reagieren sind ein guter Hinweis dafür, dass gerade ein alter Filter aktiv ist. Übermäßig starke Gefühle sind sozusagen ein Indiz für einen aktiven Filter. Wenn wir wissen, warum wir uns fühlen, wie wir uns fühlen, können wir leichter Verantwortung dafür übernehmen.

Soll ich sie unterstützen? Und wie kann ich das tun?

Ja, sie können Ihre Freundin unterstützen – wenn sie es will und wenn Sie keine Gegenleistung erwarten. Die beste Unterstützung für ihre Freundin ist, wenn Sie selbstlos handeln können.

Lassen Sie ihre Freundin bestimmen – so lange es Ihnen damit gut geht. Fragen Sie, was sie von Ihnen braucht, was ihr guttut. Geben Sie ihr die Freiheit herauszufinden, was sie will und braucht. Erwarten Sie, dass der Heilungsweg bei einer komplexen PTBS oft Jahre dauert. Selten ist es mit einem Klinikaufenthalt getan.

Deswegen ist es immer auch gut, selbst Unterstützung zu haben. Gehen Sie diesen Weg nicht alleine. Freunde und Freundinnen sind gute Begleiter.

Für Ihren Weg wünsche ich Ihnen viel Kraft,

Ihre Stefanie Rösch

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Leserfrage: Einbruch und PTBS

14.03.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Kann ein Hauseinbruch, bei dem der Bewohner selbst nicht im Haus war, bei diesem eine PTBS verursachen? Obwohl somit nicht lebensbedrohlich?

Foto von Visually Us von Pexels

Liebe Leserin,

Ihre Frage wirft verschiedene weitere Fragen auf.

  1. Ihre Frage wirft die Frage nach dem Traumakriterium auf. Eine Posttraumatische Belastungsstörung gehört zu den wenigen psychischen Störungen, für deren Diagnose ein auslösendes Ereignis notwendig ist. Wie lautet dieses Kriterium und fällt ein Hauseinbruch, bei dem der Bewohner nicht daheim ist, darunter?
  2. Eine zweite Frage betrifft das Thema von psychischer Belastung durch Einbrüchen.
  3. Und eine dritte Frage ist, warum brauchen wir überhaupt Diagnosen?

Warum brauchen wir Diagnosen?

Grundsätzlich gibt es zwei Systeme, nach denen wir psychische Störungen diagnostizieren. Das eine heißt Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD = International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems). Das ICD wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben.

Und das andere heißt Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen (DSM). Das DSM wird von der Amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft (APA) herausgegeben.

In Deutschland ist für das Gesundheitssystem das ICD das entscheidende Klassifikationssystem. Wann immer die Krankenkassen eine Leistung übernehmen, hat irgendeine Fachperson einen ICD Code vergeben. Das ist ein Grund für eine Diagnose.

Wir brauchen Diagnosen auch, um uns als Fachleute schnell über komplexe Sachverhalte unterhalten zu können. So können wir viele Informationen austauschen, die sich alle hinter einer Störungsbezeichnung verbergen. Zum einen über die Entstehung einer Störung, über deren häufige Beschwerden, deren Verlauf und auch über deren Behandlungsmöglichkeiten.

Diese Klassifikationssysteme werden laufend anhand aktueller Erkenntnisse weiter ausgearbeitet und angepasst. Im Abstand von mehreren Jahren kommen Revisionen heraus. Insofern gibt es aktuell das DSM in seiner fünften Überarbeitung und beim ICD steht die elfte Überarbeitung vor der Tür. In beiden Versionen wurde das Traumakriterium für die Neufassung geändert.

Posttraumatische Belastungsstörung: Das Traumakriterium

Foto von Caleb Kwok von Pexels

Um eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostizieren zu können, müssen verschiedene Beschwerden (Symptome) erfüllt sein. Darunter auch das Erleben eines auslösenden Ereignisses. Das ist das Traumakriterium.

Schauen wir uns die beiden Klassifikationen für das Traumakriterium im Vergleich an.

Das Traumakriterium im ICD

ICD 10: Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)ICD 11: Posttraumatische Belastungsstörung (F 6B40)  
Die PTBS entsteht als eine verzögerte oder über einen längeren Zeitraum andauernde Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß,

die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.  
Die PTBS entsteht als Reaktion auf ein extrem bedrohliches oder katastrophales Ereignis oder eine Reihe von Ereignissen.





Tabelle 1: Das Traumakriterium im ICD, alte Fassung gegenüber neuer Fassung

Im ICD-10 wurde noch berücksichtigt, dass Menschen ganz unterschiedlich auf belastende und bedrohliche Ereignisse reagieren. In der Neufassung wurde das subjektive Erleben herausgelassen. Hier geht es nur noch um ein „objektives“ Kriterium. Denn wer legt fest, was extrem bedrohlich oder katastrophal ist? Hier maßen sich Fachpersonen an, sie wüssten wie jemand ein bestimmtes Ereignis erlebt. Die Anmaßung liegt natürlich bei den Fachleuten, welche diese Kriterien festlegen. Aber auch bei denen, die im Alltag Menschen unterstützen wollen, die ganz unterschiedliche Erfahrungen machen mussten. Diese Fachleute müssen sich an die Diagnose-Kriterien halten und deswegen eine Einschätzung festlegen.

Das Traumakriterium im DSM

DSM-IV: Posttraumatische BelastungsstörungDSM-V: Posttraumatische Belastungsstörung
Die Person wurde mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert, bei dem die beiden folgenden Kriterien vorhanden waren: Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod oder ernsthafter Verletzung oder Gefahr der körperlichen Unversehrtheit durch ein oder mehrere Ereignisse
(1) Selbst erlebtes Ereignis: der eigenen Person oder
(2) Beobachtetes Ereignis: anderer Personen

Die Reaktion der Person umfasste intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen.  



Konfrontation mit tatsächlichem oder drohenden Tod, ernsthafter Verletzung oder sexueller Gewalt auf eine (oder mehrere) der folgenden Arten
(1) Direktes Erleben eines oder mehrerer traumatischer Ereignisse
(2) Persönliches Erleben eines oder mehrerer traumatischer Ereignisse bei anderen Personen
(3) Erfahren, dass einem nahen Familienmitglied oder einem engen Freund ein oder mehrere traumatische Ereignisse zugestoßen sind (Unfall / Gewalt)
(4) Erfahrung wiederholter/ extremer Konfrontation mit aversiven Details von einem oder mehreren traumatischen Ereignissen. Beachte: Konfrontation durch TV und Medien erfüllen das Kriterium 4 nicht, es sei denn es ist berufsbedingt.  
Tabelle 2: Das Traumakriterium im DSM, alte Fassung gegenüber neuer Fassung

Im DSM hat man in der Neufassung ebenfalls das subjektive Erleben der belastenden Erfahrung weggelassen. Auch hier entscheiden letztendlich Fachpersonen darüber, ob etwas traumatisch war oder nicht. Unabhängig vom subjektiven Erleben.

Ich bin der Meinung, dass diese Veränderungen in den Diagnosekriterien das fehlende Störungsmodell für die PTBS wiederspiegelt. Die Kriterien werden anhand von klinischen Beobachtungen oder wissenschaftlichen Befragungen zusammengestellt. So versuchen wir als Fachleute, Gruppen von Beschwerden zusammenzufassen, um anhand von Diagnosen entsprechend wirkungsvolle Therapieangebote machen zu können. So der Plan.

Mein Stressmodell (Video in meinem YouTube-Kanal) erklärt, wie es zu einem Erleben kommt, dass in der Folge zu PTBS-Symptomen führen kann. Aus meiner Erfahrung ist das Kriterium für das erhöhte Risiko einer PTBS nach einer belastenden oder bedrohlichen Lebenserfahrung die subjektive Begegnung mit dem Tod. Ich nenne das, dem Tod ins Gesicht sehen. Dieser Moment entscheidet darüber, ob das Gehirn in einen Ausnahmezustand (Notabschaltung) gerät, in dem die Erinnerungen an das Ereignis so abgespeichert und verarbeitet werden, wie PTBS-Betroffene es dann erleben: Als Warnreaktion mit belastenden Fehlalarmen in Form von sich aufdrängenden Erinnerungen als der Beschwerde, die am meisten belastet.

Folgen von Einbrüchen in Wohnungen und Häuser

Foto von Kendall Hoopes von Pexels

Gerade Wohnungseinbrüche stellen eine Gruppe von Ereignissen dar, die subjektiv sehr unterschiedlich erlebt werden können.

Natürlich würde man erstmal davon ausgehen, dass wenn der Einbruch in Abwesenheit der Bewohner stattgefunden hat und damit keine direkte, lebensbedrohliche Situation entstanden ist, keine PTBS-Symptomatik entstehen sollte. Andere Beschwerden mit Bezug auf den Einbruch kann es trotzdem geben, aber eben keine Posttraumatische Belastungsstörung. Sehr wohl können Ängste entstehen, auch Ängste die man als psychische Störung diagnostizieren kann (Anpassungsstörung oder Phobie als Beispiel).

Wenn es eine PTBS-Symptomatik gibt, also sich aufdrängende Erinnerungen, dann würde ich das erstmal als Hinweis sehen, dass die betroffene Person durchaus eine subjektiv lebensbedrohliche Erfahrung gemacht hat. Ich würde mich dafür interessieren und versuchen herauszufinden, worin die Lebensbedrohung bestand, durch die es zu den sich aufdrängenden Erinnerungen kommt. Dabei sind die Erinnerungen das zentrale Symptom. Alle anderen Beschwerden leiten sich daraus ab. (–> Meine PTBS-Reihe mit ausführlichen Erklärungen finden Sie hier.)

Das heißt, wenn es sich aufdrängende Erinnerungen gibt, dann ist das das zentrale Symptom der PTBS. Dann geht es im Grunde darum zu verstehen, was genau die betroffene Person als lebensbedrohlich erlebt hat. Denn aus meiner Erfahrung heraus, entstehen Erinnerungsattacken nur dann, wenn die Person dem Tod ins Gesicht gesehen hat. Es geht also nicht in erster Linie um das Ereignis, sondern um die Erinnerungsattacken in der Folge.

Andere, belastende Folgen von Wohnungseinbrüchen

Sieht man von der PTBS als Folge von Wohnungseinbrüchen ab, dann wird schnell deutlich, dass ein Wohnungseinbruch ein sehr belastendes Ereignis sein kann. Wollinger und andere (2014) befragten für das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN) knapp 1400 Personen aus fünf Großstädten. Die Ergebnisse können Sie im Bericht Wohnungseinbruch: Tat und Folgen / Ergebnisse einer Betroffenenbefragung in fünf Großstädten nachlesen. Der Bericht enthält spannende Informationen über typische Tatabläufe von Wohnungseinbrüchen. In nur 20% der Einbrüche war überhaupt ein Bewohner im Haus . Einbrecher wollen also lieber einbrechen, wenn niemand da ist.

Die Untersuchung befragte ihre teilnehmenden Personen auch, welche psychischen Folgen der Einbruch hatte. Betroffene schildern unter anderem folgende Beschwerden, die auch noch Monate nach dem Einbruch bestehen können:

„Dreiviertel der Befragten (75,3 %) fühlten sich aufgrund der Tat in ihrer gewohnten Umgebung unsicher. Bei fast der Hälfte(46,5 %) hielt dies längere Zeit an. Gefühle der Macht- und Hilflosigkeit wurden ebenfalls von über der Hälfte der Betroffenen berichtet, wobei diese ebenfalls recht häufig langfristig bestanden. Weiterhin wurden häufig Stress und Anspannung als Folge des Erlebten angegeben. Der Wohnungseinbruch löste daneben bei zwei von fünf Befragten starke Angstgefühle aus. Auch Schlafstörungen wurden in vergleichbarer Häufigkeit berichtet. Des Weiteren wurde angegeben, sich aufgrund des Erlebten geekelt und erniedrigt gefühlt zuhaben. Versuche, nicht über die Tat nachzudenken, berichtete ein Viertel der Betroffenen. Ein ähnlicher Anteil der Befragten gab das Erleben von Albträumen an. Seltener wurde berichtet, im Umgang mit anderen Menschen unsicher geworden zu sein. […] Die Ergebnisse zu den emotionalen Folgen zeigen zum einen, dass ein (versuchter) Wohnungseinbruch weitreichende Folgen wie Gefühle der Hilflosigkeit, starke Angstgefühle und Anspannung auslösen kann. Andererseits gibt ein nicht unerheblicher Teil der Befragten an, nicht bzw. nicht langandauernd unter den jeweiligen Folgen gelitten zu haben. Insgesamt gaben 10,0 % aller Betroffenen an, keiner der […] aufgeführten emotionalen Folgen erlebt zu haben.“

Wollinger und andere, 2014 / S. 53 ff

Die Beantwortung Ihrer Frage

Foto von Sindre Strøm von Pexels

Es ist denkbar, wenn auch unwahrscheinlich, dass unter den genannten Umständen eine PTBS entsteht. Ein erster Hinweis sind sich aufdrängende Erinnerungen an den Einbruch. Erinnerungen zeigen an, was als bedrohlich erlebt wurde. Nur ein Ereignis, das von der betroffenen Person als lebensbedrohlich erlebt wurde, kann meiner Meinung nach eine PTBS verursachen.

Unabhängig von einer PTBS kann ein Wohnungseinbruch ein sehr belastendes und auch krankmachendes Ereignis sein.

Für Ihren Weg wünsche ich Ihnen viel Kraft,

Stefanie Rösch

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Trauma-Informations-Zentrum

Leserfrage: Kann sich eine PTBS bei einer Soldatin erst nach Jahren entwickeln?

21.01.2021 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare
Kann sich eine PTBS nach Jahren entwickeln?
Foto von Pixabay von Pexels

Ich habe eine grundlegende Frage: Seit ca. 1 1/2 Jahren habe ich eine Beziehung zu einer Frau, die bis 1997 als Berufssoldatin insgesamt zehn Jahre lang in der Armee gedient hat. Während dieser Zeit gehörte sie auch zu den UN-Truppen, welche 1995 in Srebrenica stationiert waren.

Mich beschäftigt die Frage, ob es möglich ist, dass meine Lebensgefährtin an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden könnte, welche erst jetzt intensiv „zum Vorschein kommt“.

Ich muss hinzufügen, dass meine Lebensgefährtin seit fünf Jahren einen Laden in der Nähe einer Schießanlage betreibt. Das Thema „Schießsport“ spielt eine große Rolle in ihrem Leben. Sie ist Mitglied in mehreren Schießvereinen – und gruppen. Es gibt also viele Verbindungen mit ihrem früheren Beruf.

Meine konkrete Frage ist daher: Ist es unter diesen Bedingungen und nach so langer Zeit möglich oder gar wahrscheinlich, dass sich eine posttraumatischen Belastungsstörung erst jetzt bemerkbar macht?

Andere Symptome einer PTBS sind übrigens durchaus vorhanden.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Kann eine Symptome einer PTBS nach langer Zeit zum  Vorschein kommen?
Foto von Elias Tigiser von Pexels

Lieber Leser,

Die Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) können auch erst verzögert, also nach Wochen oder Monaten, manchmal erst nach Jahren auftauchen. Aus meiner Erfahrung hat das mit dem Erleben äußerer Sicherheit zu tun.

Die Symptome entstehen erst dann, wenn die Person im Außen keinen Überlebensdruck mehr hat. Das ist eine Erklärung dafür, dass es Senioren mit Kriegserfahrungen gibt, die erst in der Rente Symptome entwickeln.

Meine Erklärung dafür ist, dass diese Menschen beginnend mit den Kriegserfahrungen jeden Tag mit Überleben beschäftigt waren. Bis zur Rente. Da gibt es plötzlich keine Anforderungen von außen mehr. Man muss nicht mehr zur Arbeit gehen oder Kundenbedürfnisse befriedigen oder es „richtig“ machen. Es gibt keinen aufwendigen Alltag mehr zu regeln, keine Kinder großzuziehen oder gesundheitliche Probleme von Familienangehörigen zu bewältigen. Viele Dinge, mit denen man ein Leben lang beschäftigt ist, hindern einen daran, sich selbst wahrzunehmen. Gefühlte Unsicherheit kann druch verschiedene Anforderungen und Lebenserfahrungen aufrecht erhalten werden.

Es ist, als wenn die Bedrohung trotz Kriegsende nie aufgehört hat.

Foto von SplitShire von Pexels

Das ist natürlich ein ganz subjektives Empfinden.

Dann kommt die Rente und niemand will mehr etwas von einem. Belastende Beziehungen fallen weg, ebenso das eine oder andere Hobby. Oder vielleicht gab es keinen Plan für die Zeit nach der Rente und völlig überraschend ist man auf sich selbst zurückgeworfen. Das Geld zum Überleben kommt jeden Monat vom Staat und plötzlich meldet sich das Hirn und sagt: „Hallo, ich habe hier noch ein paar unerledigte Dinge. Können wir uns darüber mal unterhalten?“

Insofern können Erinnerungen und die daran hängenden Erinnerungsattacken, die das Kernsymptom der PTBS sind auch erst nach Jahren auftreten.

Soldatinnen können eine PTBS auch ohne Schusswaffengebrauch entwickeln

PTBS bei Soldatinnen muss nicht durch Erfahrungen mit Schusswaffen entstehen.
Foto von Katalin RHorvát von Pexels

Soldaten und Soldatinnen, die eine PTBS entwickeln, müssen diese nicht aufgrund von Erfahrungen mit Schusswaffen haben. Es klingt für mich, als wenn es das ist, was Sie irritiert. Ich habe diesen Eindruck, weil Sie die Kombination Soldatin und täglichen Kontakt mit Schusswaffen in der Gegenwart, bzw. Schussgeräuschen so hervorheben.

Natürlich müsste ich mir die konkrete Geschichte anhören und viele Fragen stellen, um Ihre Frage konkret beantworten zu können. Diese Möglichkeit habe ich nicht.

Aber ich weiß, wie eine PTBS funktioniert und das erlaubt mir ein paar Annahmen zu machen, die Ihnen vielleicht weiterhelfen.

Eine PTBS entsteht in einer Situation, in der eine Person die Überzeugung gewinnt, jetzt sterben zu müssen oder mitzuerleben wie andere Menschen Leid, Sterben und Tod erfahren. Wenn Sie Srebrenica erwähnen, dann fallen mir dazu natürlich die Berichte über systematische Vergewaltigungen von Frauen ein. Neben allen Kampfsituationen, in denen geschossen wurde.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung entsteht aus einer Situation heraus, in der die betroffene Person „dem Tod ins Gesicht“ sieht. Das Hirn speichert diese Erinnerung ab und kommt dann seiner Aufgabe nach, die Person vor weiteren, ähnlichen Situationen zu warnen. Diese Warnung geschieht über das Auftauchen von Erinnerungsinhalten, meist Erinnerungsbildern oder auch Körpererinnerungen wie Schmerz oder Atembeschwerden. Aber auch Geräusche, Gesprochenes, Gerüche und Gedanken können auftauchen, eben alles, was wir wahrnehmen können. Das wird auch als Flashback bezeichnet oder als Warnreaktion.

Natürlich kann eine Warnreaktion durch die Erfahrung ausgelöst werden, dass auf einen geschossen wird, ein Kamerad verwundet oder getötet wird oder man jemanden erschießen muss.

Natürlich gibt es auch ganz andere Erfahrungen, die das können: Eine Vergewaltigung zum Beispiel oder einer Vergewaltigung zuschauen zu müssen. Oder einen lebensbedrohlichen Unfall zu haben oder zu sehen, wie jemand anderes einen solchen Unfall hat.

Die Frage ist also, was genau hat Ihre Freundin erlebt?

Erinnerungsattaken sind spezifische Überlebensreaktionen.
Foto von Gabriela Palai von Pexels

Das traumatische Ereignis wird sich in den Erinnerungsattacken (Flashback / Warnreaktion) widerspiegeln. Eine PTBS ist eine biologisch sinnvolle Überlebensreaktion, die veraltet ist. Als Menschen haben wir uns zu schnell weiterentwickelt, so dass die Evolution für den Umgang mit Gefahren einfach nicht hinterhergekommen ist. Unsere Gefahren heute sind andere als vor 10.000 Jahren.

Traumareaktionen sind sehr spezifisch. Das heißt, die Erinnerungsinhalte spiegeln das belastende Ereignis wider.

Dazu kommt, dass das Hirn lernen kann, dass bestimmte Reize keine guten Warnreize sind. Dann löst das Hirn auch keine Erinnerungsattacken, also keine Warnreaktion aufgrund dieser Reize (z.B. Schussgeräusche, Schreie) mehr aus. Das ist das Ziel der Traumatherapie: Nur noch dann eine Warnreaktion zu haben, wenn es tatsächlich eine gefährliche Situation ist.

Das heißt, wenn es eine Situation war, in der Schüsse eine Rolle gespielt haben, kann es trotzdem sein, dass das Hirn Ihrer Freundin über die Jahre hinweg gelernt hat, dass Schüsse kein zuverlässiger Warnreiz sind und deswegen spielt dieser Aspekt keine große Rolle mehr.

Insofern kann es, (1) je nachdem was Ihre Freundin erlebt hat, (2) was zwischen dem Zeitpunkt der Erfahrung und Heute geschehen ist und (3) in Abhängigkeit davon wie ihr Hirn mit der Erinnerung in der Zwischenzeit „umgegangen“ ist, sehr wohl sein, dass sie als Soldatin und trotz täglichem Kontakt mit Schusswaffen, erst viele Jahre nach dem Ereignis eine PTBS entwickelt.

Die Antwort ist also: Ja, das ist möglich. Über die Wahrscheinlichkeit kann ich nichts sagen, weil ich dafür zu wenig weiß.

Ich wünsche Ihnen weiterhin einen neugierigen Geist und das Interesse, die Dinge zu hinterfragen.

Ihre Stefanie Rösch

Entdecken und hinterfragen Sie die Dinge.
Foto von Kristina Paukshtite von Pexels

Leserfrage: PTBS mit mehreren Traumata

15.05.2019 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo, ich bin am Ende meiner Kräfte. Ich leide seit fast 10 Jahren unter Dauerangst. Die PTBS wurde erst vor kurzem erkannt. Dazu habe ich eine Fluchtwegphobie mit Sozialkomponente und eine Depression. Die Depression habe ich, weil bei meiner Mutter während der Schwangerschaft Krebs im Endstadium festgestellt wurde. In der Schulzeit wurde ich gemobbt, deswegen habe ich die Phobien. Als mein Vater mich in einem Wutanfall versucht hat zu erwürgen, konnte ich mich dadurch retten, dass ich Kampfsporterfahrung hatte. Aber das Bild meines Vaters bekomme ich nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß, dass ich eine Therapie machen muss und stehe auch schon auf einer Warteliste. Aber ich verliere langsam den Mut? Wie kann ich den wiederfinden? Jürgen

Lieber Jürgen,

das glaube ich, dass Zehn-Jahre-Angst-haben anstrengend sind. Angst ist deswegen so anstrengend, weil wir ständig auf der Hut sein müssen. Ständig den Drang haben, wegzulaufen. Ständig in Alarmbereitschaft sind. Angst als Gefühl beinhaltet einen Bewegungsimpuls weg von der wahrgenommenen Gefahr. Der Körper stellt eine Handlungsbereitschaft her (Stress), denn Gefahr macht schnelles Handeln notwendig. Das ist grundsätzlich eine gesunde und lebenserhaltende Reaktion.

Wenn es aber keine gegenwärtige Gefahr gibt, sondern die Gefahr durch Sorgen im Kopf entsteht, dann ist die ganze Stressreaktion umsonst. Sorgen sind Gedanken, die mit möglichen Gefahren spielen: Was wäre wenn ein Feuer ausbricht und ich flüchten muss, aber die Fluchttüre verschlossen ist? Was wäre, wenn …. und dann werde ich verletzt. Was wäre, wenn …. und ich komme nicht weg? Was wäre, wenn … und ich sterben muss? Solche Gedanken bewirken, dass der Körper Alarmbereitschaft herstellt (Stress). Das ist über die Zeit hinweg extrem anstrengend und macht uns krank. Und alles völlig unnötig.

Eine erste Maßnahme kann sein, diese Sorgen oder katastrophisierenden Gedanken immer wieder positiv zu Ende zu denken: Was wäre, wenn ein Feuer ausbricht und ich zur Fluchttüre renne und merke, dass die verschlossen ist? Dann drehe ich mich um und sehe, dass 5 Meter daneben ein Feuerlöscher steht und eine Löschdecke hängt. Ich nehme die Löschdecke, knote sie über meine Schultern fest und schnappe mir den Feuerlöscher. Mit dem Feuerlöscher sprühe ich mir den Weg frei, bis ich draußen an der frischen Luft stehe. Ich fühle mich gut, weil ich mir selbst geholfen und selbst für meine Sicherheit gesorgt habe.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vorstellung realistisch oder umsetzbar ist. Es geht allein darum, dass ich mir vorstelle, wie ich der Gefahr entkomme. Die Vorstellung endet damit, dass ich in Sicherheit bin. Der Körper wird dann den zur Sicherheit passenden Zustand herstellen: Entspannung. Entspannung und Angst können gleichzeitig nicht sein. Das ist der Grund, warum es auch hilfreich sein kann, ein Entspannungsverfahren wie zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson zu lernen.

Depression ist auch anstrengend. Depression ist unter anderem so anstrengend, weil man glaubt, man sei für Dinge verantwortlich, auf die man keinen Einfluss hat. Zum Beispiel glauben viele Menschen mit Depression, sie wären dafür verantwortlich, dass es anderen gut geht. Aber jeder kann nur selbst dafür sorgen, dass es ihm oder ihr gut geht. Dinge erreichen zu wollen, die wir nicht zuverlässig bewirken können, gibt uns das Gefühl von Ohnmacht. Zuviel Ohnmacht führt zu Depression. Erschöpfung.

Und jetzt zum Mut und zum Durchhalten. Es lohnt sich durchzuhalten, weil all diese Probleme verändert werden können. Sie können Ihre Art zu denken verändern.

Sie werden lernen, auf gesunde Art zu denken, so dass das Leben leichter und immer leichter und freier wird. Gesunde Gedanken sind zum Beispiel: „Ich bin nur für mich selbst verantwortlich.“ „Jeder ist für seine Gefühle und sein Befinden selbst verantwortlich.“ „Ich bin unschuldig am Tod meiner Mutter.“ „Ich darf meine Gefühle ausdrücken.“ „Ich bin frei.“ „Ich bin wertvoll.“ Und noch viele andere gesunde Gedanken. Giftige Gedanken, die uns krankmachen, kann man durch gesunde Gedanken ersetzen.

Sie werden es schaffen. Da bin ich sicher. Solange Sie es versuchen, solange Sie dranbleiben, werden Sie es schaffen. Der Therapieplatz kommt. In der Zwischenzeit fangen Sie einfach mit den Übungen an oder lesen hier die verlinkten Texte weiter nach. Es gibt immer etwas, was man schon jetzt tun kann, um anzufangen. Vor allem, sich weiter zu informieren und etwas zu lernen. Wenn Sie etwas über giftige Gedanken lernen wollen, dann können Sie hier im Blog nachlesen oder aber das Buch von Dr. Caroline Leaf lesen. Den Link dazu finden Sie am Ende dieses Artikels. Oder Sie lesen zum Thema Depression weiter. Auch dazu eine Leseempfehlung am Ende. Sie müssen nicht warten. Sie können heute anfangen, Ihr Leben zu ändern. Schreiben Sie sich ein paar gesunde Gedanken auf und lesen Sie sie jeden Tag durch. Suchen Sie sich inspirierende Filme oder Bücher oder lassen Sie sich von Freunden Mut zu sprechen, aber vor allem anderen FANGEN SIE AN! Heute! Jetzt!

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

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Leserfrage: PTBS und Partnerschaft? Wie kann das gehen?

10.03.2019 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Hallo Frau Rösch,
ich führe seit knapp einem Jahr eine Beziehung mit einem Mann, der an einer PTBS erkrankt ist. Die PTBS hat er bereits seit mehreren Jahren, Ursache war ein Bundeswehr-Einsatz im Ausland. Er hat mir zu Beginn der Beziehung zwar erzählt, dass er eine PTBS hat und wegen dieser auch in Therapie war, allerdings hat er mir wenig über seine „Probleme“ im Alltag erzählt und diese in den ersten Monaten vor mir versucht zu „verstecken“.
Inzwischen weiß ich, dass er innerlich unruhig ist, wenn sein Haushalt nicht nach einem bestimmten System gemacht ist. Er vermeidet öffentliche Plätze, geht nicht ins Kino und Bus- und Bahnfahrten bedeuten für ihn Stress. Er hat sich am Anfang der Beziehung durch all solche Situationen durchgekämpft, ohne dass ich davon wusste.
Nach knapp einem Jahr weiß ich nicht mehr weiter. Er ist seit einiger Zeit wieder in Psychotherapie und hat nun aber auch eingesehen, dass eine weitere Therapie in der Tagesklinik hilfreich sein kann. Unsere Beziehung leidet sehr unter der derzeitigen Situation.
Mein Freund zieht sich oft zurück. Gemeinsame Aktivitäten sind schwer, weil für ihn nahezu alles mit Stress verbunden ist. Ich kann nicht zu Besuch kommen, weil ich aufgrund meines Hundes für mehr Haushalt bei ihm sorge. Er vermeidet es, sich um „Probleme“ zu kümmern, seien es finanzielle oder welche, die in der Beziehung auftauchen. Er versucht ständig es mir recht zu machen ohne auf seine eigenen Bedürfnisse einzugehen.
Ich stoße an meine Grenzen. Ich ärgere mich oft über sein Verhalten. Vor allem, wenn er sich nicht um Dinge kümmert und es mich dann mitbetrifft, z.B. weil wir uns dann nicht sehen können. Wenn er mir dann noch erklärt, dass er aufgrund seiner Krankheit nicht in der Lage ist, sich um diese Sachen zu kümmern, dann fühle ich mich schlecht. Was mir momentan am meisten Sorge bereitet ist, dass er angefangen hat zu trinken, wenn er weiß, dass er in Situationen kommen wird, die er sonst vermeiden würde. Darüber hinaus gibt es in unserer Beziehung keine Nähe mehr. Wenn er mich berührt, fühlt es sich distanziert an. Als ob er mir Nähe schenkt, weil es sich so gehört in einer Beziehung. Er meint, er liebt mich und er möchte die Beziehung mit mir. Aber seine Distanziertheit und diese steifen Annäherungsversuche, wenn er es überhaupt versucht, die tun sehr weh. Wenn ich auf ihn zugehe und ihn umarme, dann kommt nichts zurück. Wenn ich ihn küsse, kommt nichts zurück. Ich weiß einfach nicht mehr, wie ich damit umgehen soll. Er meint, dass er innerlich zu unruhig ist, um sich fallen zu lassen. Vielleicht können Sie mir auch ein paar Ratschläge geben, um die Beziehung aufrecht halten zu können und richtig reagieren zu können … Lieben Gruß Maya

Liebe Maya,

es gibt kein „richtig“. Den Anspruch können wir nicht haben, wenn wir mit traumatisierten Menschen arbeiten. Dass Ihr Freund traumatisiert ist, haben Sie an seinen Beschwerden und Problemen gut beschrieben. Allerdings frage ich mich bei manchen Beschwerden, wie sie mit einem militärischen Einsatz zu erklären sind.

Schwierigkeiten, die ich mir gut in diesem Zusammenhang vorstellen kann, sind Öffentliche Plätze, Bus, Bahn und Kino als Problemsituationen. Grundsätzlich mal Ordnung zu halten, kann der Versuch sein, ein Gefühl von Kontrolle wiederherzustellen. Zwanghaftes Verhalten hat Angst als Ursache. In dem Fall wäre es die Angst vor den Erinnerungen und davor, die Kontrolle zu verlieren. Dass vor allem Männer versuchen, Traumareaktionen mit Alkohol zu bekämpfen ist weithin bekannt. Es liegt nahe Alkohol zu trinken, um entspannt genug zu sein, dass man Situationen bewältigen kann, vor denen man Angst hat.

Allgemein ist Vermeidungsverhalten ein Teil der Posttraumatischen Belastungsstörung, allerdings der Teil, der dazu führt, dass es nicht besser werden kann.

Probleme mit körperlicher Nähe und Sexualität sind für mich auf den ersten Blick nicht mit einem Einsatzgeschehen zu erklären. Auf den zweiten Blick könnten diese Probleme durch die fortgesetzte Stressreaktion entstehen (inneren Unruhe), die sexuelles Verlangen und sexuelle Aktivität unterdrückt. Schließlich geht es in Bedrohungssituationen (Trauma) ums Überleben und nicht um die Fortpflanzung (Stressreaktion).

Finanziellen Probleme wären bei weitem nicht das erste, was mir einfällt, wenn ich an Belastungssituationen in Krisengebieten denke. Das klingt für mich erstmal nach etwas, dass schon länger und in einem anderen Zusammenhang besteht.

Traumareaktionen sind sehr spezifisch. Sie haben in der Regel einen unmittelbar nachvollziehbaren Zusammenhang zur Belastungssituation. Schließlich handelt es sich bei Traumareaktionen um Fehlalarme des Gehirns. Das Hirn will uns warnen. Leider haben sich die Gefahren in der Welt geändert und das Hirn hat das noch nicht verstanden. Also warnt es uns, was wir als einschießende Erinnerungen, Flashbacks oder Erinnerungsattacken bezeichnen. Aber im Grunde ist es nur ein Fehlalarm. Die Traumasituation ist meist sehr einzigartig. Ganz besonders bei Kriegserfahrungen. Wir leben hier in Deutschland nicht im Krieg. Die Gefahren, die wir hier haben, sind andere als in einem Krisengebiet. Das Gehirn kann das erstmal nicht unterscheiden. Aber es kann lernen, ungeeignete Warnreize (Trigger) auszusortieren und dann auch keinen Alarm (Erinnerungsattacke) mehr auszulösen. Dabei hilft eine Traumatherapie.

Insofern bin ich mir jetzt erstmal nicht sicher, ob wirklich alle Reaktionen und Probleme durch den Bundeswehreinsatz erklärt werden können. Zuverlässig einschätzen kann ich es nicht, weil ich zu wenig weiß. Dafür braucht es die angestrebte und hoffentlich begonnene Therapie und Zeit. Es ist gut, dass Ihr Freund Hilfe sucht.

Was diese Situation mit Ihnen macht, kann ich gut nachvollziehen. Menschen, die traumatisiert sind, bringen ihr Umfeld immer wieder in den Zustand der Hilflosigkeit. So hört es sich an, was Sie beschreiben. Sie möchten eine gesunde, gleichberechtigte und führsorgliche Beziehung und das Leben Ihres Freundes wird von Angst bestimmt. Das ist auf Dauer anspruchsvoll.

Leider ist es so, dass außer ihrem Freund, niemand für seinen Heilungsweg verantwortlich ist. Wenn er nicht hart daran arbeitet, gesund zu werden, wird er traumatisiert bleiben. Wenn er in der Angst und damit im Vermeidungsverhalten bleibt, dann kann das Gehirn nicht lernen, dass die Welt weniger gefährlich ist, als das Gehirn denkt. Es kann auch nicht lernen, dass Ihr Freund besser für seine Sicherheit sorgen kann, als sein Gehirn denkt.

Was Sie machen können? Sie können auf sich selbst aufpassen und ihm die Verantwortung für seine Beschwerden lassen. Nur er kann lernen, auf eine gesunde Art damit umzugehen. Sie dürfen die Forderung stellen, dass er sich darum bemüht. Solange er sich bemüht, übt, trainiert und zur Therapie geht, seien Sie geduldig und fragen Sie, wie Sie ihn unterstützen können. Das geht durchaus. Man kann sich langsam an die schöne Seite von körperlicher Nähe herantasten. Das können Sie gemeinsam tun. Sie können ihm auch mit den Erinnerungsattacken helfen.

Aber wenn er für sich entscheidet, in der Angst zu bleiben, dann ist es umso wichtiger, dass Sie gut für sich sorgen, indem Sie klare Grenzen setzen, was Sie mittragen können und was nicht.

„Wenn er mir dann noch erklärt, dass er aufgrund seiner Krankheit nicht in der Lage ist, sich um diese Sachen zu kümmern, dann fühle ich mich schlecht.“

Das hier klingt für mich, als wären sie verärgert darüber, dass er die PTBS als Erklärung/Ausrede für sein Vermeidungsverhalten benutzt. So meine Vermutung. Wenn dem so ist, dann ist es eine sehr gesunde Reaktion, sich schlecht dabei zu fühlen. Es würde bedeuten, dass Sie wissen, dass es sich um eine Ausrede handelt. Gleichzeitig haben Sie Mitgefühl, weil er nichts dafürkann, was er bei diesem Einsatz erlebt hat. Da entsteht Spannung. Ärger auf die Ausrede und Mitgefühl für das Leid.

An der Stelle mache ich Ihnen Mut dazu, diese widerstreitenden Gefühle anzusprechen und zu schauen, wie er darauf reagiert. Kämpft er oder bleibt er in der Angst? Will er den Konflikt lösen? Macht er Sie verantwortlich? Oder appelliert er an ihr Mitgefühl?

Schauen Sie gut nach sich selbst. Welcher Kompromiss ist noch ein Kompromiss und wo wird er zur Selbstaufgabe? Letzteres wird Sie früher oder später krankmachen. Das wäre nicht gut und kann nicht das sein, was Sie wollen. Wenn Sie merken, dass Sie da an eine Grenze kommen, und das haben Sie geschrieben, dann holen Sie sich ebenfalls professionelle Hilfe. Es ist leichter mit einem menschlichen Gegenüber zu schauen, wie Sie gut für sich sorgen können. Dazu möchte ich Sie ermutigen!

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg.

Ihre Stefanie Rösch

Leserfrage: Angehörige von PTBS-Betroffenen stellen Fragen.

16.05.2016 Veröffentlicht von Leserfragen 1 Kommentare

Ich beschäftige mich seit ein paar Wochen mit dem Thema PTBS aber ich finde noch keine spezielle Hilfe für Partner/Angehörige eines PTBS-Betroffenen.
Es gibt so viele Fragen. Zum Beispiel möchte ich gerne wissen, wie ich als Angehörige so einem erkrankten Menschen begegnen soll oder sollte? Kann man als Angehöriger/ Partner auch eine Therapie begleiten oder sollte man das nicht tun? Wie geht man mit Betroffenen um? Oder kann eine partnerschaftliche Beziehung überhaupt funktionieren?

Liebe Leserin,

Danke für Ihre Fragen. Ich bin sicher, es gibt noch mehr Menschen, die diese Fragen haben und für Sie und alle anderen hier ein paar Antworten aus meiner Erfahrung.

(1) Wie kann ich als Angehörige so einem erkrankten Menschen begegnen?

So wie mit jedem anderen Menschen auch: Man nimmt ihn ernst und man unterstützt ihn, gesund zu werden. Allerdings nicht, indem man ihm ungefragt etwas oder gar alles abnimmt, wovor er Angst hat, sondern indem man ihn dabei überstützt, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Machen Sie Betroffenen Mut sich professionelle Hilfe zu holen und motivieren dazu, sich den Ängsten zu stellen. Da kann es vorübergehend notwendig sein zu begleiten, aber das Ziel ist für mich immer, das Leben wieder alleine und selbstständig gestalten zu können.

(2) Kann man als Angehöriger/ Partner auch eine Therapie begleiten oder sollte man das nicht tun?

Klar kann man eine Traumatherapie begleiten. Vor allem kann man, wenn man gut angeleitet wird, den PTBS-Betroffenen dabei unterstützen, die Kontrolle über seine Symptome wiederzuerlangen und ihm helfen, seine Übungen (gegen Erinnerungen 1, gegen Erinnerungen 2) zu machen, die er, wie ich finde, von seinem Therapeuten für den Alltag bekommen sollte.

(3) Kann eine partnerschaftliche Beziehung überhaupt funktionieren?

Ja, es gibt ausreichend Berichte darüber, dass eine Partnerschaft funktioniert und funktionieren kann. Ich sehe es ja tagtäglich. Es braucht Geduld, Durchhaltevermögen und auch die Fähigkeit, sich gegen das Leid des anderen abzugrenzen und ihm, sein Problem und das Leid „zu lassen“. Das Leid ist Aufgabe des Betroffenen. Nur er oder sie kann das verändern. Als Angehöriger kann man die Hilflosigkeit mit aushalten, die eine traumatische Erfahrung in das Leben von Betroffenen bringt. Und man kann das Üben (siehe oben) unterstützen. Dann kann das gehen.

Aus meiner Erfahrung geht das so lange gut, wie der PTBS-Betroffene daran arbeitet, gesund zu werden. Wenn er in der Opferrolle verharrt, dann wird es in absehbarer Zeit meist schwierig für das Umfeld.

Was es auch behindert ist, wenn Angehörige selbst Lebenserfahrungen gemacht haben, die es ihnen schwer machen, dem anderen sein Leid zu lassen anstatt es auf die eine oder andere Art zu übernehmen oder durch sein (unbewusstes) Verhalten zu verlängern.

(4) Vielleicht haben Sie ja einen Tipp oder eine Buchempfehlung wie ich damit umgehen kann oder sollte?

Im Grunde müssten Sie die wichtigsten Informationen hier finden (PTBS kompakt). Darunter finden Sie auch eine Buchempfehlung.

Gerne dürfen Sie weitere Fragen schicken. Nutzen Sie dafür bitte das Kontaktformular.

Viel Erfolg!

Leserfrage: Kann ich PTBS dadurch bekommen, dass ich glaube, HIV zu haben?

13.09.2015 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Ich habe mir über 12 Wochen eingeredet, ich könnte mich mit HIV infiziert haben. Angst, Stress und negative Gefühle waren meine ständigen Begleiter. Zum Glück war es nicht so. Trotz des guten Testergebnisses, fühle ich mich psychisch stark angegriffen. Kann das auch so etwas wie PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) sein?

Lieber Leser,

So lange zu glauben, man hätte eine Krankheit, die wir immer noch für ein sicheres Todesurteil halten, löst nachvollziehbarerweise eine Stressreaktion aus.

Ob es sich tatsächlich um eine PTBS handelt, kann ich so auf die Entfernung und ohne weitere Informationen natürlich nicht sagen. Vielleicht lesen Sie sich einfach mal die ersten zwei Einträge meiner Artikelserie zu diesem Thema durch. Vielleicht erkennen Sie sich darin ja noch ein bisschen mehr wieder?

Aber im Grunde ist es vielleicht gar nicht wichtig, ob es einen PTBS oder eine andere Störung ist, sondern vielmehr, dass Sie sich an mich gewandt haben, weil es Ihnen nicht gut geht und Sie unsicher darüber sind, was Sie damit machen sollen, dass es Ihnen schlecht geht?

Es zeigt mir, dass Sie bemerkt haben, dass es Ihnen nicht gut geht und Sie Unterstützung suchen. Das allein ist großartig. Damit haben Sie den wichtigsten Schritt getan, der dazu führen wird, dass Sie sich wieder gesund fühlen können.

Es gibt so viele Menschen, die nicht einmal merken, dass es ihnen im Grunde nicht gut geht. Sie betäuben sich, sie laufen weg und tun so, als wäre nichts. Oder Sie weigern sich einfach zu spüren wie es ihnen wirklich geht. Das tun Sie nicht. Sie spüren sich, Sie bemerken es UND Sie wollen es ändern.

Wenn ich mehr darüber wüsste, könnte ich Ihnen womöglich noch den einen oder anderen Hinweis geben, was Sie für sich tun können. Da ich nicht mehr weiß, kann ich Ihnen auf diesem Weg, so wie allen anderen, die in einer ähnlichen Situation sind wie Sie, nur dazu Mut machen, Hilfe zu suchen. Es gibt auf jeden Fall Hilfe. Manchmal ist es mühsam, jemanden zu finden, der einem den passenden Weg zeigen kann. Aber es gibt diesen Weg, Ihren ganz persönlichen Weg zur Gesundheit. Lassen Sie sich nicht davon abhalten, weiterzugehen und weiter zu suchen!

Am besten ist es immer, man hat einen Menschen, mit dem man Auge in Auge besprechen kann, was los ist, um dann ihren ganz einzigartigen Weg zu finden, um sich wieder gut zu fühlen.

Hier eine Seite, auf der ein paar Ideen sind, wie Sie so eine Person in Ihrer Nähe finden können.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihren Weg.

Achtung Gott: PTBS 13, Ergänzungen 3: Massenmörder, Menschen oder dämonisch?

30.11.2013 Veröffentlicht von Achtung Gott! 0 Kommentare

Zu meinem Artikel Achtung Gott: PTBS 13 Ergänzung: Gott, warum hast Du das zugelassen? gibt es einen Kommentar mit vielen inspirierenden Gedanken und Fragen, zu denen ich an dieser Stelle meine Gedanken preisgeben möchte. Da es eine ganze Reihe von Fragen waren, hier der 3. und letzte Teil meiner Antworten.

Ist der Begriff Massenmörder nicht entwürdigend, weil er zum Beispiel nicht berücksichtigt, dass auch Menschen, die anderen Menschen Gewalt angetan haben, selbst möglichweise Gewalt ausgesetzt waren oder von anderen Menschen in ihrem Leben beeinflusst werden?

Ich finde diesen Begriff nicht entwürdigend. Er beschreibt für mich erst einmal nur sehr genau, was eine Person getan hat. Das sagt etwas darüber aus, dass die Person planhaft und mit Absicht mehrere Menschen getötet hat. Der Begriff enthält für mich keine Wertung. Er wird der ganzen Person natürlich nicht gerecht. Aber das will er für mich auch nicht. Er dient erst einmal nur als Beschreibung von Verhalten.

Da die Würde des Menschen für mich etwas ist, das Gott gegeben hat, ist sie tatsächlich unantastbar. Egal welche Worte ich für eine Person verwende.

Das heißt nicht, dass wir uns nicht gedemütigt fühlen können, wenn andere uns beleidigen oder sonst wie abwerten. Das hat damit zu tun, wie wir als Menschen funktionieren. Es hat mit unserem Grundbedürfnis nach Wertschätzung zu tun. Da sind wir angreifbar. Das nutzt Satan halt.

Ist der Begriff entdämonisierend? Ist ein Mörder noch ein Mensch oder kein Mensch mehr?

Ein Mörder oder ein Mensch, der einen Mord begangen hat, bleibt in meinen Augen ein Mensch. Aber es gibt eben auch die Möglichkeit von einem Dämon besessen und benutzt zu werden. Das wird in der Bibel beschrieben, mehrfach. Ob eine Person zum Zeitpunkt ihrer Taten von einem Dämon besessen ist oder nicht? Keine Ahnung wie oder ob man das feststellen kann. Außerdem bin ich mir sicher, dass die Tatsache, dass es Dämonen gibt, für viele Menschen etwas ist, was sie sich nicht vorzustellen wagen. Auf der anderen Seite gibt es viele erfolgreiche Filme, die genau mit dieser Vorstellung Menschen Gänsehaut bereiten. Gut, dass es nur Filme sind (z.B. Der Exorzist oder Dämon).

Von Judas wird berichtet, dass er von Satan besessen war, als er Jesus verriet und dass Jesus das sogar wusste. Jedenfalls verstehe ich die folgenden Schilderungen so.

Bei Lukas 22: Es war aber nahe das Fest der Ungesäuerten Brote, das Passa heißt. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten danach, wie sie ihn töten könnten; denn sie fürchteten sich vor dem Volk. Es fuhr aber der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte. Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten darüber, wie er ihn an sie verraten könnte. Und sie wurden froh und versprachen, ihm Geld zu geben. Und er sagte es zu und suchte eine Gelegenheit, dass er ihn an sie verriete ohne Aufsehen. (Übersetzung: Luther 1984, www.bibelserver.com)

Und Johannes 13, 21 – 30: Als Jesus das gesagt hatte, wurde er betrübt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus lieb hatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s? Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und als der den Bissen nahm, fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Aber niemand am Tisch wusste, wozu er ihm das sagte. Einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht. (Übersetzung: Luther 1984, www.bibelserver.com)

Wie immer darf jeder selbst entscheiden, woran er glaubt. Und das ist gut so.

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Achtung Gott: PTBS 13, Ergänzungen 2: Gottes Sieg über Satan

29.11.2013 Veröffentlicht von Achtung Gott! 2 Kommentare

Zu meinem Artikel Achtung Gott: PTBS 13 Ergänzung: Gott, warum hast Du das zugelassen? gibt es einen Kommentar mit vielen inspirierenden Gedanken und Fragen, zu denen ich an dieser Stelle meine Gedanken preisgeben möchte. Da es eine ganze Reihe von Fragen sind, hier Teil 2 meiner Antworten.

Ist Satan prinzipiell so mächtig wie Gott?

Nein. Das glaube ich nicht.

Als Jesus am Kreuz starb besiegelte er Satans Schicksal. Unsere Sünden, alles, was uns von Gott entfernt, wurde vergeben. Jetzt können wir uns wieder frei für Gott entscheiden. Gott gibt uns die Möglichkeit, uns für Ihn zu entscheiden. Er versucht, uns zu erreichen und uns Satan zu entreißen, deswegen sind wir noch da. So sehe ich es.

Satan kann uns durch unsere Angst vor dem Tod manipulieren. Jesus hat den Tod besiegt, um uns die Angst zu nehmen. So verstehe ich den Hinweis in Hebräer 2: „Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er’s gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. (Hebräer 2,14 -15, Übersetzung: Luther 1984, www.bibelserver.com)“

Hier eine wie ich finde interessante Predigt dazu, wie wir damit umgehen können, wenn Satan sich so mächtig anfühlt, weil diese wirklich schlimmen Dinge im Leben geschehen, zusammengefasst. (Quelle https://elevationchurch.org/sermons/)

Im Wesentlichen sagt der Prediger, der seine kleine Tochter vor knapp einem Jahr durch einen Asthmaanfall verlor, dass er glaubt, dass wir in einem Zustand wie am Kar-Samstag leben. Jesus hat versprochen, wieder zu kommen und Gericht zu halten. Wir leben in einem Zustand wie am Kar-Samstag: Jesus liegt tot im Grab und ist noch nicht auferstanden. Seine Jünger sind verwirrt und verunsichert, obwohl sie all die Wunder gesehen haben, die Jesus vollbracht hat. Wir warten auf den Tag, an dem Jesus wie versprochen und angekündigt wieder kommt. So wie die Jünger damals auf seine Auferstehung warten mussten und mit jeder Stunde mehr zweifelten. Wir sind heute auch verunsichert. Wir zweifeln und sind damit Satans Tentakeln ausgeliefert.

Genau in dieser Zeit versucht Gott uns zu erreichen. Damit wir uns für ihn entscheiden können. Denn das ist alles, was wir tun müssen, weil er uns einen freien Willen gegeben hat und unsere Sünden vergeben sind. Wenn es also hart kommt, dann, so der Prediger, sollen wir uns daran erinnern, dass Gott einen Bund mit uns geschlossen hat, sprich er hat uns das ewige Leben, sein Königreich versprochen, sowie komplette Erneuerung für uns. Dieses Versprechen haben wir als einen Anker, deswegen hat er uns seinen Heiligen Geist gegeben, damit wir wie durch eine Ankerkette mit ihm verbunden sein können. Darauf sollen wir vertrauen.
Der Vers dazu ist Hebräer 6, 18 -19: Gott machte Abraham eine Zusage und schwor bei seinem eigenen Namen, da er bei nichts Höherem schwören konnte als bei sich selbst. Er sagte: »Ich gebe dir mein Wort, dass ich dich überaus segnen und dir viele Nachkommen geben werde.« Und so wartete Abraham beharrlich und erhielt, was Gott ihm versprochen hatte. Menschen schwören beim Namen eines Größeren, und der Eid dient dazu, die Aussage zu bekräftigen und jeden Zweifel zu beseitigen. So bekräftigte auch Gott seine Zusage mit einem Eid. Damit wollte er den Menschen, denen die Zusage galt, die feste Gewissheit geben, dass seine Absicht unumstößlich ist. Er wollte uns doppelte Sicherheit geben: durch die Zusage und durch den Eid; und da Gott nicht lügen kann, ist auf beide unbedingt Verlass. Das soll uns einen starken Ansporn geben, dass wir unsere Zuversicht nicht preisgeben und an der Hoffnung auf die uns zugesagte Erfüllung festhalten. Diese Hoffnung ist für uns wie ein sicherer und fester Anker, der hineinreicht bis ins innerste Heiligtum, in das Allerheiligste hinter dem Vorhang im himmlischen Tempel. Dorthin ist Jesus uns vorausgegangen, um uns den Weg zu bereiten; denn so wurde er zum Obersten Priester nach der Art Melchisedeks, und das heißt: auf ewig. (Übersetzung: Gute Nachricht, www.bibelserver.com)

Wird Satan mächtiger, wenn Menschen sich zusammentun und sich entsprechend verhalten, als Gruppe schweigen, tabuisieren, geschehen lassen? Und wie ist das bei Gott?

Nein, ich glaube nicht, dass Satan als Wesenheit mächtiger wird. Er ernährt sich nicht von menschlicher Anbetung. Sein Einflussbereich wird größer, wenn mehr Menschen seinen Versuchungen verfallen. Der Kampf gegen Statan wird schwerer: wenn mehr Menschen Satans Versuchungen erliegen wird das Risiko größer, mit den Situationen konfrontiert zu werden, die uns an Gott zweifeln lassen (Traumatische Erfahrungen).

Auf der anderen Seite haben wir die Zusage von Gott: „Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18, 19-20, Übersetzung: Luther 1984, www.bibelserver.com)

Das finde ich beruhigend.

Mit diesem Lied erinnere ich mich da immer mal wieder dran. Die Bilder finde ich nicht so dolle, aber die Aufnahme des Liedes finde ich gelungen.

Achtung Gott: PTBS 13, Ergänzungen 1: Gott und Satan

27.11.2013 Veröffentlicht von Achtung Gott! 0 Kommentare

Zu meinem Artikel Achtung Gott: PTBS 13 Ergänzung: Gott, warum hast Du das zugelassen? gibt es einen Kommentar mit vielen inspirierenden Gedanken und Fragen, zu denen ich an dieser Stelle meine Gedanken preisgeben möchte. Da es eine ganze Reihe von Fragen sind, werde ich mehrere Posts dazu schreiben.

Gibt es wirklich diese schwarz-weiß, gut-böse-Pole, Gott-Satan-Einteilung oder vermischt sich das nicht in uns und wir müssen uns immer wieder auf Gott ausrichten?

Für mich gibt es zwei Ebenen. Auf der geistlichen Ebene gibt es Gut und Böse, Gott und Satan. Auf der psychologischen Ebene bewegen wir uns und Gott und Satan kämpfen um uns. Aber auch auf der psychologischen Ebene gibt es kein Grau oder göse oder guse oder sowas, sondern einzelne Verhaltensweisen, die darauf abzielen zu schaden oder zu heilen, Leid zu verbreiten oder Liebe, zu zerstören oder zu retten, uns dazu zu verleiten, an Gott zu zweifeln oder an ihn zu glauben, uns von Gott zu entfernen oder zu Gott zu bringen und auf seine Gnade zu hoffen.

Ein Film, der mich da sehr berührt hat, ist Prisoners. Das Motiv des Täters ist nicht Macht und nicht Geld, sondern sein Krieg gegen Gott: „Wir entführen die Kinder, um den Glauben an Gott in den Eltern zu zerstören.“ Absolut gruselig.

Satans Ziel ist, uns von Gott zu entfernen. Unsere Aufgabe ist, tapfer zu glauben angesichts all der Versuchungen, uns immer wieder auf Gott auszurichten und seinen Weg zu gehen. Das sehe ich auch so. Ja, wir müssen uns immer wieder auf Gott ausrichten.

„Schweigen ist eine wesentliche Form satanischer Macht.“

Das sehe ich im Zusammenhang mit Gewalt und besonders mit ritueller und sexualisierter Gewalt ganz genauso. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Wie kann Gott alles wissen?

Keine Ahnung, wie genau Gott das macht. Ich weiß nur, dass es so ist. Er hat uns geschaffen, er ist ohne Zeit, er weiß alles. Das ist für mich so.

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Link zu Prisoners auf IMDB.com, englischsprachig, es gibt keinen deutschen Titel

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Achtung Gott: PTBS 13 Ergänzung: Gott, warum hast Du das zugelassen?

29.10.2013 Veröffentlicht von Achtung Gott!, Erklärungsmodelle 2 Kommentare

Eine Klientin erzählte mir einmal, dass ein Pfarrer ihr auf die Frage, warum ihr Kind habe sterben müssen und wie Gott das zulassen konnte, geantwortet habe: „Gott nimmt die, die er liebt, früh zu sich.“ Darauf meine Klientin: „Und warum werden dann die Nonnen so alt, die doch ein Leben leben, wie Gott es befiehlt?“ Darauf wusste der Geistliche dann keine Antwort mehr und zerstörte damit den restlichen Glauben dieser Klientin an Gott.

Das Schlimme darin ist die Anmaßung dieses Geistlichen, der sich einbildete, zu wissen, was Gottes Plan ist. Ja, diese Anmaßung geschieht aus Hilflosigkeit angesichts der Grausamkeiten, die um uns herum geschehen. Diese Anmaßung ist menschlich und psychologisch nachvollziehbar. Das ist die Erklärung, jedoch keine Entschuldigung für derart unprofessionelles und noch tiefer verletzendes und wenn man es genau nimmt, satanisches Gerede. Satanisch sage ich deswegen, weil diese Antwort nicht von Gott kommen kann. Warum nicht? Weil diese Antwort diese Klientin von Gott entfernte. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gott mit uns Beziehung haben will und nicht uns von sich fortstoßen will. Derjenige, der uns von Gott entzweien will, heißt Satan.

Die ehrliche Antwort auf die Frage „Warum lässt Gott das zu?“ muss lauten „Ich weiß es nicht.“ Es gibt keine andere Antwort.

Meine Antwort lautet inzwischen: „Ich weiß es nicht, aber ich weiß sicher, dass Gott nicht für alle schrecklichen Dinge auf der Welt verantwortlich gemacht werden kann. Schließlich gibt es da auch noch einen Gegenspieler. Der dessen Namen wir uns nicht trauen auszusprechen: Satan.“ John Eldredge schreibt in einem seiner Bücher, dass der schlimmste Trick Satans ist, dass wir nicht mehr an ihn denken und Gott für alles verantwortlich machen. Ich fand diesen Hinweis auf Satan sehr hilfreich, weil er es mir so viel leichter macht, Gott weiter zu vertrauen und ich gleichzeitig auch auf der spirituellen Ebene jemanden für das Übel dieser Welt verantwortlich machen kann.

Je länger ich als Traumatherapeutin mit den Grausamkeiten der Welt zu tun habe, mit der Gewalt, die ein Mensch dem anderen antut, desto sicherer bin ich mir, dass dieser Krieg, den wir Menschen gegen uns selbst führen zwei Ebenen hat.

Es gibt immer eine psychologische Ebene. Wir können in den meisten Fällen aus der Lebensgeschichte eines Menschen erklären, warum er sich auf eine bestimmte Weise verhält. Auch Gewalthandlungen können wir psychologisch erklären. Die „schlechte“ Kindheit ist sicher die einfachste, platteste Formulierung dieser Erklärungen. Im Einzelfall können wir sehr differenziert begründen, warum jemand zum Täter wurde.
Jedoch hat die Psychologie in meinen Augen zum Beispiel keine ausreichende Erklärung dafür, warum das eine Opfer von Gewalt seine Gewalterfahrungen weitergibt und selbst zum Täter wird und das andere Opfer bei ähnlicher Gewalterfahrung kein Täterverhalten ausbildet. Wir haben in meinen Augen auch keine ausreichend gute Erklärung für Menschen wie Hitler oder den Massenmörder von Norwegen.

An dieser Stelle kommt für mich die zweite, die spirituelle Ebene ins Spiel: Wir mit Gott gegen Satan.

Wir lassen uns zu schlechten Entscheidungen verführen. Das bedeutet nicht, dass wir alle Schuld dem Bösen geben dürfen. Wir sind verantwortlich für unser Handeln. Aber für manch einen ist es leichter zu stehlen als Sozialhilfe zu beantragen. Für manch einen ist es leichter, andere zu schlagen, um sich nicht mehr so hilflos zu fühlen. Für manch einen ist es leichter, vor dem Gesetz davon zu laufen, anstatt Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Für manch einen ist es leichter, vorschnell Erklärungen zu geben, um die eigene Hilflosigkeit und die eigene Verunsicherung im Glauben nicht aushalten zu müssen.

Wir alle gehen von Zeit zu Zeit den „für manch einen ist es leichter“-Weg. Das ist okay. Wir sind Menschen. Wichtig ist nur, dass wir wieder zurück finden, und Gott nicht für Dinge verantwortlich machen, die Folge von Satans Versuchungen und von Fehlentscheidungen der Täter sind.

Mir persönlich hat das Buch „Die Hütte“ an dieser Stelle geholfen zu verstehen, dass Gott jeden einzelnen von uns so sehr liebt, dass er keinen von uns in seinem freien Willen beschneidet, auch nicht, wenn wir uns gegenseitig verletzen. Deswegen greift er nicht ein, auch wenn er es könnte. Diese Erklärung hat mich persönlich überzeugt, auch wenn sie mir nicht gefällt.
Wenn ich daran denke, wie weh es tut, zu sehen, dass jemand, den man liebt, sich selbst immer wieder schadet, und man selbst kommt an den Punkt, an dem man versteht und fühlt, dass man dem anderen nicht helfen kann, sondern ihn in Liebe gehen lassen muss, dann stelle ich mir vor, dass es ein Funke des Schmerzes ist, den Gott über uns empfinden muss.

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PTBS, Teil 13: Wann hört das auf und warum ist mir das passiert?

21.10.2013 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Strategien 1 Kommentare

Wenn Sie dieser Reihe gefolgt sind, dann haben Sie jetzt eine Menge darüber gelernt, was eine Posttraumatische Belastungsstörung ist und wie Sie mit den Beschwerden umgehen können. Hoffentlich konnten Sie inzwischen erfahren, dass die Beschwerden nachlassen.

Die Beschwerden werden aufhören oder auf ein Niveau zurückgehen, mit dem Sie gut zurechtkommen, wenn die Erfahrung zu Ihrem Leben dazugehören darf. Wenn Sie annehmen können, dass das, was passiert ist, auch ein Teil Ihrer Lebensgeschichte ist. Die meisten Betroffenen können sich mit diesem Gedanken nur schwer anfreunden.

Kein Wunder. Niemand will „das Vergewaltigungsopfer“, „das Folteropfer“, „das Unfallopfer“ oder sonst ein Opfer sein. Aber das ist es, wie viele Menschen Sie im ersten Moment sehen werden oder auch sehen wollen. Frau Kampusch ist ein trauriges Beispiel dafür, wie Betroffene angefeindet werden, wenn sie offen mit den Erfahrungen umgehen, die sie machen mussten. Vor allem dann, wenn „die Öffentlichkeit“ sich besonders dafür interessiert. Auf der einen Seite will ein Großteil „der Menschen“ wissen, möglichst in allen grausamen Details, was jemandem zugestoßen ist. Gleichzeitig weiß dann plötzlich niemand mehr, wie man mit einer Überlebenden umgehen soll und will den Schilderungen derjenigen, die etwas Grausames erlebt haben nicht glauben. Als Schutz vor der eigenen Hilflosigkeit wird dann die Betroffene abgewertet oder sogar für das, was Ihr der Täter angetan hat, verantwortlich gemacht. Ein trauriges Beispiel dafür ist Natascha Kampusch.

Wenn Sie es können, dann entscheiden Sie, wem Sie erzählen, was passiert ist, und auf keinen Fall „der Öffentlichkeit“. Ausnahme ist natürlich die Polizei, wenn Sie eine Anzeige erstatten. Details müssen aus meiner Erfahrung zwar für einen Heilungsprozess in Worte gefasst werden, gehören aber nicht immer in den Kreis der Familie und Freunde.

Vor allem Partner fühlen sich oft sehr hilflos, wenn ihren geliebten Menschen etwas Schlimmes passiert und sie es nicht verhindern konnten. Viele Männer haben große Schwierigkeiten damit, wenn ihre Partnerinnen sexuelle Gewalt erleben mussten. Ich habe schon erlebt, dass die Hilflosigkeit des Partners zu schwerwiegenderen psychischen Störungen führte als die Vergewaltigung für die betroffene Frau. Ich habe auch erlebt, dass Partnerschaften an dem Wissen über die Einzelheiten der Gewalthandlungen zerbrachen. Also seien Sie achtsam damit, wem Sie was erzählen. Partner müssen wissen, WAS passiert ist, damit sie sich informieren und unterstützen können. Aber von Details kann ich aus meiner Erfahrung nur abraten. Die gehören auf ein Blatt Papier wie hier beschrieben (PTBS 11 und 12), oder in den sicheren Raum einer Therapie.

Warum ist mir das passiert?

Das ist eine Frage, deren Antwort Sie für Sich herausfinden sollten. Wenn Sie eine gute Antwort darauf haben, dann kann jede grausame Lebenserfahrung sinnhaft werden. SIE können Ihrer Erfahrung Sinn geben. So wie der Tod einer 12Jährigen durch einen im Schreck abgefeuerten Schuss der eigenen Mutter Jahre später Sinn erfährt. Die Mutter setzte sich fortan gegen die Verbreitung von Waffen ein und gab ihrer traumatischen und schuldbeladenen Erfahrung dadurch einen Platz in ihrer Lebensgeschichte. In diesem Fall gelang dies natürlich nicht ohne entsprechende Psychotherapie bei Donald Meichenbaum, in meinen Augen einem der Väter der modernen Traumatherapie.

Eine Möglichkeit, dieser Warum-ist-mir-das-passiert-Frage auf die Schliche zu kommen, kann sein, sich zu fragen, ob es irgendetwas Gutes gibt, was aus Ihrer belastenden Erfahrung entstanden ist. Wahrscheinlich können Sie das in den ersten Tagen und Wochen noch nicht sehen, aber vielleicht kommt der Zeitpunkt irgendwann, an dem Sie es sehen können. Dann haben Sie Ihre Antwort und damit mehr inneren Frieden.

Eine zweite Frage, die ich mir und meinen Klienten irgendwann stelle, ist: Was können Sie aus dieser Erfahrung lernen? Auch das ist keine Frage für die ersten Stunden nach einer grausamen Erfahrung, sondern für eine Zeit, in der Ihr Alltag wieder Alltag werden durfte. Für eine Zeit, wenn Sie wieder über Ihr Leben bestimmen, wenn Sie wieder entscheiden, ob Sie Sich erinnern wollen oder gerade nicht. Dann wenn die Alpträume aufgehört haben und Sie nicht mehr bei jedem kleinen Geräusch zusammenzucken, dann ist der Raum da, über diese Frage nachzudenken.

Damit schließe ich diese Reihe.

Es kann der Zeitpunkt kommen, an dem Sie Sich wieder frei fühlen von Ihren belastenden Erfahrungen und den aufwühlenden Erinnerungen daran. Solange Sie üben und dran bleiben und alle Unterstützung in Anspruch nehmen, die Sie finden können, solange Sie mutig weitergehen und Ihr Leben selbst gestalten wollen, kann dieser Moment kommen. Auch wenn es manchmal Jahre dauert. Bleiben Sie dran! Geben Sie nicht auf! Sie werden es schaffen! Ich wünsche Ihnen alle Kraft für diesen Weg.

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Es gibt eine gute Dokumentation über Frau Kampusch und die Auswirkungen der Medien auf Ihr Leben:

PTBS, Teil 12: Belastende Erinnerungen in die richtige Form bringen, Teil 2

19.10.2013 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Gestern haben Sie alles aufgeschrieben, woran Sie Sich noch erinnern konnten, so wie es Ihnen gerade eingefallen ist. Heute werden Sie Ihre Erinnerung ordnen.

Erinnerungen ordnen

  1. Schreiben Sie ihre Geschichte noch einmal auf, aber diesmal halten Sie Sich genau an die zeitliche Reihenfolge, in der die Handlungen passiert sind, die Ihnen widerfahren sind. Sortieren Sie die Tatsachen entlang der Zeit, die verging. Erst wenn Sie diesen Teil so gut Sie es heute können fertig haben, gehen Sie weiter zu Punkt 2.
  2. Jetzt überlegen Sie genau, wann Sie bemerkt haben, dass Sie in Gefahr sind. Also wann die belastende Situation begann. Wann genau im Ablauf Ihrer Erinnerung war das? Woran haben Sie gemerkt, dass „es“ jetzt losgeht? War es ein Gedanke? Ein Gefühl? Eine Körperempfindung? Etwas, das jemand getan hat? Etwas in Ihrer Umgebung?
  3. Und so wie es angefangen hat, war „es“ auch irgendwann vorbei. Bei wiederkehrenden Belastungs- und Gefahrensituationen meine ich den Moment, in dem Sie wussten, dass es „für jetzt“ vorbei ist. Woran haben Sie gemerkt, dass Sie jetzt wieder sicher sind? Oder vorerst sicher sind (bei wiederkehrenden Situationen)? War es etwas in Ihrer Umgebung? Ein Gedanke? Ein Gefühl? Eine Veränderung in der Situation? Welches Signal haben Sie bekommen, so dass Sie wussten, jetzt ist es vorbei und ich bin erst mal wieder sicher? Wenn Sie Anfang und Ende Ihrer Belastungssituation kennen, können Sie zum nächsten Punkt gehen.
  4. Schreiben Sie über den Schlimmsten Moment. Was war der schlimmste Moment? Warum war genau dieser Moment der schlimmste? Welche Gedanken hatten Sie? Welche Gefühle waren da? Geben Sie diesen Gefühlen oder diesem einen Gefühl einen Namen, z.B. Atemlose Angst (weil Sie keine Luft mehr bekommen haben und Angst hatten zu sterben) oder brennende Hilflosigkeit (weil Sie sich nicht bewegen konnten, aber Ihre Beine brannten wie Feuer). Sprechen Sie diese Gefühlswörter ruhig auch einmal laut aus. So haben Sie Sich gefühlt!
  5. Wenn Sie den schlimmsten Moment benannt haben, überlegen Sie, ob es einen zweitschlimmsten Moment gab. Wann war der zweitschlimmste Moment? Warum war es so belastend? Welche Gedanken dachten Sie? Welche Gefühle empfanden Sie? Geben Sie den Gefühlen Namen.
  6. Gibt es noch andere, besonders belastende Momente in Ihrer Erinnerung? Schreiben Sie auf, wann diese Momente waren, was Sie dachten und fühlten und geben Sie den Gefühlen eindeutige Namen. Die Namen sind wichtig, damit Sie das Gefühl im Alltag wiedererkennen können, wenn Ihr Hirn die Warnreaktion ablaufen lässt, obwohl gerade keine Gefahr ist (PTBS 2 und PTBS 5).

Jetzt hat Ihre Erinnerung die richtige Form. Bravo!

Genug getan für heute! Das war schwere Arbeit! Vor allem, wenn die Erinnerung eine starke Überlebens-/Stressreaktion auslöst (PTBS 5). Sorgen Sie für Sich! Tun Sie Sich etwas Gutes! Wenden Sie Ihre Stressbewältigungsstrategien an (PTBS 3, 4, 5, 6 und 7)!

Weiter mit PTBS 13.

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Im Download finden Sie eine Anleitung für das Ausdrucksschreiben inspiriert von einem Text (Writing & Health) von Professor James W. Pennebaker.           

Pennebaker_SchreibenGesundheit

PTBS, Teil 11: Belastende Erinnerungen in die richtige Form bringen, Teil 1

18.10.2013 Veröffentlicht von Strategien 2 Kommentare

Wenn Sie entschieden haben, Ihren Erinnerungen nicht aus dem Weg zu gehen, wenn Sie gelernt haben, Ihre Erinnerungsattacken zu steuern und weniger gestresst zu sein, dann wird es Zeit, dass Sie Ihre Erinnerung in die richtige Form für Ihr Gedächtnis bringen, in die richtige Form für Ihr Gehirn.

Die richtige Form ist die Form einer Geschichte. Eine gute Geschichte hat einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Wir verstehen eine Geschichte am schnellsten, wenn sie in der Reihenfolge erzählt wird, in der sie geschah (chronologisch). Unser Gehirn fühl sich am wohlsten, wenn wir unsere Lebenserfahrungen in der Reihenfolge erzählen, in der wir etwas erlebt haben und wenn wir dem Ganzen auch Bedeutung geben. Bedeutung heißt hier, wie wir eine Situation wahrgenommen haben, wie wir sie bewertet haben und schließlich auch, welchen Platz die Erfahrung in unserem Leben hat.

Ein Beispiel: „Als der Säbelzahntiger auf mich zu gerannt kam, dachte ich, der bringt mich um und war wie erstarrt, aber dann kamen die anderen mit ihren Speeren und schrien laut und dann blieb der Tiger stehen und sah ganz verunsichert aus. Als die anderen dann noch mehr rumschrien, konnte ich mich wieder bewegen und mitschreien und dann lief der Säbelzahntiger davon. Der hatte Angst. Wir haben ihn besiegt. So ein Glück.“

Das ist eine Geschichte:

  • Anfang: Der Säbelzahntiger greift an und ich erstarre. Bedeutung: Ich denke, er bringt mich um und erstarre aus Angst.
  • Mittelteil: Die anderen kommen dazu und schützen mich mit Speeren und Geschrei. Der Säbelzahntiger bleibt stehen. Bedeutung: Der Säbelzahntiger sah verunsichert aus.
  • Ende: Der Säbelzahntiger läuft davon, und ich bin wieder sicher. Bedeutung: Der Säbelzahntiger hatte Angst und wir waren Sieger. Das war Glück.

So in etwa. Auf die gleiche Art können Sie Ihre Erinnerung erzählen und aufschreiben. Aufschreiben hat sich bewährt. James W. Pennebaker heißt der Professor, der das Konzept des therapeutischen Schreibens entwickelt und beforscht hat.

Wenn Sie Sich mit Ihrer belastenden Erinnerung beschäftigen, werden Sie wahrscheinlich die Stressbeschwerden wieder erleben (PTBS 2). Deswegen haben Sie geübt und gelernt, wie Sie Sich wieder auf die Gegenwart konzentrieren können (PTBS 3 und PTBS 4). Das heißt, Sie entscheiden, wie viel Stress Sie Sich zumuten wollen! Sie können jeder Zeit aufhören zu schreiben. Schreiben Sie in Einheiten, die Sie bewältigen können. Aber bleiben Sie dran!

Ganz konkret

Schaffen Sie Sich einen Raum und eine Zeit, in der Sie ungestört sind. Wenn wir in der Therapie mit den traumatischen Erinnerungen arbeiten, dann bevorzuge ich einen Vormittag an einem Tag, an dem meine Klientin keine weiteren Termine hat. Gut ist auch ein Freitag, früher Nachmittag. So aktivieren Sie die Stressreaktion nicht kurz vor dem Schlafengehen und haben Zeit, die aufgewühlten Gefühle und die Körperreaktion im Lauf des Tages und des Wochenendes aktiv wieder abzubauen, zum Beispiel durch Bewegung (PTBS 6 und PTBS 7).

Sie können mit Papier und Bleistift schreiben oder direkt am Computer. Sollten Sie nicht schreiben können oder wollen, dann können Sie Ihre Geschichte auch erzählen und aufzeichnen.

Und dann beginnen Sie, die Geschichte aufzuschreiben. Schreiben Sie einfach alles, was Ihnen noch einfällt, egal in welcher Reihenfolge. Schreiben Sie ALLES auf, woran Sie Sich erinnern: Personen, Handlungen der Person/en, Farben, Formen, Gegenstände, Details, Geräusche, Töne, Stimmen, Gerüche, Düfte und Körperwahrnehmungen, Geschmack, Schmerz, Druck, Oberflächen, Untergründe, ein Brennen irgendwo im Körper, Ihren Atem. So viele Details wie Ihnen einfallen. Dazu gehören auch Ihre Gedanken und Ihre Gefühle.

Es kann sein, dass Sie schon während des ersten Aufschreibens das Gefühl haben, Sie müssten die Einzelteile ordnen. Oder Sie merken, dass Sie sich an bestimmte Momente nicht erinnern. Schreiben Sie einfach weiter. Ordnen und ergänzen können Sie später. Schreiben Sie in einem Fluss, ohne auf Rechtschreibung oder Satzbau zu achten. Das kommt alles später.

Einfach schreiben, schreiben, schreiben. Bis alles draußen ist, woran Sie Sich im Moment erinnern.

Und dann haben Sie genug getan für diesen Tag! Das war schwere Arbeit! Vor allem, wenn die Erinnerung besonders belastend war und eine starke Überlebens-/Stressreaktion auslöst (PTBS 5). Sorgen Sie jetzt für Sich! Tun Sie Sich etwas Gutes! Wenden Sie Ihre Stressbewältigungsstrategien an (PTBS 3, 4, 5, 6 und 7)!

Und kommen Sie morgen wieder für den zweiten Teil.

Weiter mit PTBS 12.

PTBS, Teil 10: Vermeidungsverhalten bekämpfen

14.10.2013 Veröffentlicht von Strategien 1 Kommentare

Eine PTBS zu überwinden, bedeutet so wie bei allen psychischen Störungen, einen Krieg um die eigene Gesundheit zu schlagen. Unser Mensch-Sein und unsere Ängste werden versuchen, uns daran zu hindern, gesund zu werden und zu tun, was dazu notwendig ist. Besonders die Angst vor der Erinnerung, die Angst vor den negativen Gefühlen sind große Hürden auf dem Weg zur Besserung, wenn Sie mit den Folgen belastender Lebenserfahrungen kämpfen. Was Sie dagegen tun können?

Entscheiden Sie! Entscheiden Sie, Sich der Erinnerung bewusst auszusetzen. Für eine bestimmte Zeit und dann wieder im Hier und Jetzt Ihrem Alltag nachzugehen. Viele Menschen gehen diesen Weg in Form einer Therapie: Sich dem Unangenehmen aussetzen in der Therapiesitzung und im Alltag so gut es geht in der Gegenwart leben.

Natürlich können Sie diese Zeiten auch in Ihrem Alltag ohne Therapie festlegen. Wichtig ist, Zeiten festzulegen. Das heißt, sich nicht ununterbrochen mit dem zu beschäftigen, was Ihnen passiert ist, sondern z.B. 20 Minuten darüber nachdenken und dann wieder Gegenwart leben, Alltag so gut es geht.

Es ist notwendig, über eine belastende Erfahrung nachzudenken und ihr einen Platz in unserem Leben zuzuweisen. Sie werden die Erfahrung dahingehend bewerten, wie sie Ihr Leben verändert hat und verändern wird. Welchen Einfluss hat die Erfahrung auf Ihr Leben? Auf Ihre Beziehung zu sich selbst? Wie werden Sie in Zukunft über Sich denken? Wie werden Sie in Zukunft anderen Menschen begegnen? Wollen Sie an Ihrem Verhalten etwas ändern? Was wollen Sie auf keinen Fall ändern?

Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern oder herunterzuladen.

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Wenn Sie die Kraft haben wollen, Sich Ihrer Erinnerung im Alltag so oft auszusetzen, bis Sie sie verarbeitet haben, dann ist es gut, sich immer wieder daran zu erinnern, für wen und was Sie Ihren Heilungsprozess auf Sich nehmen. Wer ist es wert, dass Sie die Schlachten schlagen? Sie, und Sie zuerst! Dann vielleicht Ihre Familie. Dann noch Ihre Freunde. Und dann? Vielleicht gibt es noch weitere gute Gründe, warum Sie durchhalten wollen. Machen Sie sich eine Liste und hängen Sie die auf! Oder nutzen Sie die Vorlage für den hier gezeigten Zettel (Vorlage am Ende des Textes als Download). Damit Sie Sich selbst daran erinnern, warum Sie kämpfen.

Am besten kämpft es sich, wenn Sie wissen, was Sie schon können, was Ihnen als Unterstützung zur Verfügung steht, was Ihre Stärken sind. Noch eine lange, lange Liste mit all den Dingen, die Sie können, oder Postkarten mit Sprüchen oder ein selbst gestaltetes Fotobuch mit guten Erinnerungen und Texten, die Ihnen Mut machen. Ermutigen Sie Sich selbst und lassen Sie Sich immer wieder ermutigen! Hier sind Angehörige und Freunde gefragt! Sagen Sie Sich immer wieder, dass Sie es schaffen werden.

Wenn es einmal besonders schwierige Tage gibt, dann hat sich für mich und meine Klienten auch der Satz „Morgen ist ein neuer Tag“ bewährt. Ganz besonders, wenn der heutige Tag ein …Tag war. Wir können jeden Tag wieder neu beginnen.

Und wenn es ums Durchhalten geht, wenn Sie einmal keine Perspektive haben, dann halten Sie durch für eine Stunde, oder einen Vormittag und dann erst den Nachmittag. Teilen Sie Sich die Zeiten, die Sie aushalten und durchhalten können so ein, dass Sie es schaffen.

Aus dem Zustand der eigenen Stärken heraus, lässt sich leichter der Mut fassen, es schon zu schaffen.

Also machen Sie eine lange Liste mit Dingen, die Sie können! Ich habe Ihnen hier eine Liste zur Inspiration als pdf-Datei zum Herunterladen bereit gestellt. Sie können schon sehr viel, vielleicht ist Ihnen das nicht bewusst, dann kann Ihnen diese Übung dabei helfen. Viel Spaß damit!

Weiter mit PTBS 11.

Downloads

StärkenAnkreuzen_Liste

PTBS, Teil 9: Vermeidungsverhalten ist eine Entscheidung

13.10.2013 Veröffentlicht von Definitionen, Erklärungsmodelle 0 Kommentare

Sie haben bisher sehr viel darüber gelernt, woher die Beschwerden der Posttraumatischen Belastungsstörung kommen, warum die Erinnerungen sich aufdrängen und Sie Sich als psycho-logische Folge davon ständig gestresst fühlen. Sie haben viele Ideen und bewährte Strategien gelesen und vielleicht schon erfolgreich ausprobiert.

Jetzt fehlt noch der dritte Bereich von Beschwerden, die vorhanden sein müssen, um von einer Posttraumatischen Belastungsstörung sprechen zu können: Das Vermeidungsverhalten.

Situationen und Gefühlen aus dem Weg zu gehen, die wir als unangenehm empfinden, ist ur-menschlich. Im Grunde auch eine sinnvolle Überlebensstrategie: Gefahren aus dem Weg gehen.

Im Fall der PTBS ist es sehr nachvollziehbar, dass Betroffene die Erinnerung/en und die damit verbundenen Ängste, den Terror, die Hilflosigkeit, die Ohnmacht und andere negative Gefühle nicht ständig wieder erleben wollen. Viele Betroffene sagen, sie wollen vergessen, was ihnen geschehen ist.

Sie werden belastende Lebenserfahrungen nicht vergessen können UND dabei gesund bleiben.

Was immer Ihnen geschehen ist, gehört jetzt zu Ihrem Leben. Die Frage ist nur, was Sie daraus machen. Um mit belastenden Erinnerungen umgehen zu lernen, braucht es mutige Menschen. Alle, die ich in meiner Praxis kennen lernen durfte, sind mutige Menschen schon allein deswegen, weil sie gekommen sind. Leider passiert es auch, dass einen der Mut auf dem halben Weg zum Ziel verlässt.

Was werden Sie tun, lieber Leser, liebe Leserin? Entscheiden Sie Sich dafür, vor sich selbst, vor den Menschen, die Sie lieben, und vor Ihrem Leben davon zu laufen? Auch das finde ich in vielen Situationen nur allzu nachvollziehbar. Sie entscheiden! Niemand hat das Recht, Ihnen da reinzureden!

Oder: Werden Sie mutig sein und sich den Erinnerungen stellen? Werden Sie tapfer durchhalten, wenn trotz vieler Übungen nicht gleich Besserung eintritt? Werden Sie ALLES tun, was notwendig ist, um für Sich selbst wieder gesund zu werden? Werden Sie Hilfe annehmen, wenn Sie sehen oder Ihnen jemand sagt, dass Sie nicht mehr Sie selbst sind? Werden Sie die Zähne zusammenbeißen und weiterkämpfen, auch wenn es richtig weh tut und Angst macht und manchmal hoffnungslos erscheint? Werden Sie mutig sein und tapfer bleiben?

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PTBS, Teil 8: Was können Sie gegen Alpträume tun?

11.10.2013 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Strategien 0 Kommentare

Auch Alpträume oder belastende Träume sind eine häufige Begleiterscheinung des Selbstheilungsprozesses nach einer belastenden Lebenserfahrung.

Was Sie gegen Schlafstörungen allgemein tun können, haben Sie im letzten Artikel gelesen. Hier nun ein paar Worte zu Alpträumen.

Es gibt unterschiedliche Alpträume nach belastenden Erfahrungen.

  • Es gibt die Träume, die genau das Ereignis wiedergeben, das Sie erlebt haben (z.B. DEN Verkehrsunfall, bei dem Sie verletzt wurden).
  • Es gibt Träume, in denen eine andere und doch ähnliche Bedrohung erlebt wird, wie während der belastenden Erfahrung (z.B. Sie träumen, Sie haben einen Verkehrsunfall mit einem LKW oder ein LKW versucht, Sie von der Straße abzudrängen.)
  • Es gibt Träume, die inhaltlich irgendwie, manchmal nur symbolisch mit der gemachten Erfahrung zu tun haben. (z.B. Sie träumen, Sie gehen in ein Haus über dem ein Totenkopf schwebt.)
  • Es gibt Träume, die völlig unabhängig von der Belastungssituation sind. (z.B. Sie träumen vom Mittagessen oder einer Situation auf der Arbeit)

Allgemein zeigen Träume Ihnen an, dass Ihr Hirn versucht, gemachte Erfahrungen zu „verarbeiten“. Verarbeiten heißt, dass Ihr Gehirn aussortiert, was Sie erinnern werden und was Sie vergessen dürfen. Ihr Gehirn versucht der Erfahrung die passende Form zu geben, in der alle Lebenserinnerungen abgespeichert werden müssen. Auch die Erinnerung an eine belastende Lebenserfahrung muss diese Form bekommen, wenn sie in Ihre Erinnerung eingepasst werden soll und damit ein Teil Ihrer Lebensgeschichte wird und Sie dann auch nicht mehr belastet.

Da diese besondere Erfahrung so intensiv war, kann auch der nächtliche Verarbeitungsprozess intensiv sein. Obwohl Ihnen Alpträume vielleicht noch mehr das Gefühl geben, keine Kontrolle über „all das“ zu haben, können Sie auch Ihre Alpträume beeinflussen.

Achten Sie einmal genau auf Ihre Träume! Belastende Träume (Verfolgungsträume, Träume von Angriffen etc.) enden meist, BEVOR Sie von Ihren Verfolgern erwischt werden. Sie haben vielleicht Angst, aber Sie wachen in dem Moment auf, in dem Ihr Angreifer, Verfolger Hand an Sie legen will. Das bedeutet, in den meisten Fällen, dass Sie Sich darauf verlassen können, dass Ihnen Ihr Gehirn nicht mehr den ganzen Schrecken zumutet. Das ist doch eine gute Nachricht.

Aber auch, wenn Ihr Gehirn Sie nicht vorher aufwachen lässt, hat die folgende Technik sich bewährt.

Sobald Sie aufwachen, geben Sie Ihrem Traum ein gutes Ende. Denken Sie die Geschichte so weiter, dass Sie gerettet werden, heil entkommen können oder sich erfolgreich wehren. Sie können die Polizei, Gott oder Supermann in Ihren Traum holen. Sie können Sich vorstellen, plötzlich eine Waffe in der Hand zu haben oder eine Asiatische Kampfkunst zu beherrschen, die Sie über Ihren Angreifer siegen lassen. Wichtig ist, dass der Ausgang Ihrer Traumgeschichte mit Ihrer Rettung oder Ihrem Sieg endet. Auf diese Weise signalisieren Sie Sich selbst, dass Sie jetzt sicher sind und für Ihre Sicherheit sorgen können.

Ein Beispiel: Ich habe manchmal Träume von einem Einbrecher. Ich habe so gut geübt, mich zu wehren, dass ich schon im Traum anfange, mir vorzustellen, wie ich aus dem Bett springe und den Einbrecher mit meiner ganzen Kraft und einem wütenden Sprung mit den Füßen voraus in seinen Bauch durch mein Fenster in die Tiefe stoße. Bevor es dazu kommt, wache ich auf. Mein Herz klopft dann zwar und ich kontrolliere, ob ich auch tatsächlich alleine bin (siehe auch PTBS 6: Realitäts-Check), weil der Traum sich so echt angefühlt hat. Aber ich fühle mich dann gut, weil ich den Einbrecher vertrieben habe. Ich gehe an meinen sicheren Ort und komme nach ein paar Minuten wieder zur Ruhe und schlafe ein.

Probieren Sie das ein paar Nächte. Übung macht den Meister und wenn die Erfahrung Sie besonders aus der Bahn geworfen hat, dann kann es eine Weile dauern, bis Ihr Gehirn und Ihre Seele das Ganze verarbeitet haben. Also dürfen Sie auch an dieser Stelle üben, üben, üben. Nur Mut!

Weiter mit PTBS 9.

PTBS, Teil 7: Was können Sie gegen Schlafstörungen tun?

10.10.2013 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, sich auf diesen Text hier zu konzentrieren, lesen Sie die Zeilen wieder und wieder bis Sie sie verstehen.

Auch Schlafstörungen sind im Fall der PTBS Ausdruck der ständigen Alarmbereitschaft im Körper. Was Sie gegen die anderen Beschwerden Erhöhter Erregung tun können, konnten Sie im letzten Artikel nachlesen. Schwierigkeiten mit dem Schlaf sind sehr verbreitet und werden von Betroffenen als besonders beeinträchtigend erlebt.

Natürlich helfen die folgenden Dinge auch, wenn Sie aus anderen Gründen nicht schlafen können.

Hier ist, was Sie tun können:

  • Machen Sie Sich in den ersten Tagen nach einer belastenden Situation klar, dass der Körper sich holt, was er braucht. Es ist verbreitet und kein größeres Problem, wenn Sie in den ersten 2-3 Tagen nach einem belastenden Ereignis sehr schlecht oder gefühlt gar nicht schlafen.
  • Vermeiden Sie in den ersten Tagen Medikamente, die beruhigend wirken. Aus meiner Erfahrung unterbrechen diese Mittel den Selbstheilungsprozess nur. Werden die Medikamente abgesetzt, können die meisten Menschen auch erst einmal ein paar Tage nur schlecht oder gar nicht schlafen. Diese Frustration lässt sich in den meisten Fällen vermeiden, wenn Sie auf die Selbstheilungskräfte Ihres Körpers vertrauen und Sich bewusst machen, dass Ihre Stressreaktion in den ersten Tagen eine gesunde Reaktion Ihres Überlebenssystems ist.
  • Homöopathische Mittel können helfen. Fragen Sie Ihren Homöopathen!
  • Naturheil- und Hausmittel wie Beruhigungstees, die heiße Milch mit Honig, eine Wärmflasche an die verspannten Füße, Lavendelduft, Baldrian können unterstützen. Das was Ihre Eltern Ihnen beigebracht haben, um einzuschlafen.
  • Leichte Lektüre, leichte Unterhaltung im Fernsehen, ruhige Musik.
  • Vermeiden Sie aufregende Aktivitäten vor dem Schlafengehen: Krimis im Fernsehen, Kriegs- und andere Spiele auf Spielekonsolen (Nintendo, PS4 & co), laute und aggressive Musik.
  • Vermeiden Sie alle Softdrogen bis Sie wieder entspannt schlafen können: Kaffee, Schwarzen Tee, Cola und was Ihnen Vergleichbares bekannt ist. Heute gibt es schmackhafte entkoffeinierte Produkte.
  • Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholgenuss! Alkoholismus ist eine Störung, die sehr verbreitet ist als Folge von traumatischen Lebenserfahrungen. Also Vorsicht damit!
  • Gehen Sie um Ihre gewohnte Zeit ins Bett, legen Sie Sich hin und sagen Sie Sich, dass Sie wenigstens ruhen oder dösen werden. Als Partner von jemandem mit PTBS können Sie dieses Vorgehen unterstützen, indem Sie die normalen Abläufe auch aufrechterhalten.
  • Wenn Sie nicht einschlafen können und Ihre Gedanken immer wieder um Ihre belastende Lebenserfahrung kreisen, dann stellen Sie Sich einen Ort vor, an dem Sie Sich sicher fühlen können (siehe auch den Beitrag: Der sichere Ort). Stellen Sie sich diesen Ort so bildlich wie möglich vor. Wie sieht es dort aus? Welche Farben hat es? Welche Formen? Was können Sie hören? Geräusche, Töne? Was können Sie an den Füßen spüren? Gibt es angenehme Gerüche an diesem Ort? Wie schmeckt das Essen dort? Die Getränke? – Stellen Sie sich diesen Ort der Sicherheit möglichst intensiv vor. Es wird Ihnen helfen, sich zu entspannen und in den Schlaf zu finden.
  • Und sollten Sie aus dem Schlaf hochschrecken, dann gehen Sie zurück an Ihren sicheren Ort.
  • Wenn Ihnen das nicht möglich ist, dann können Sie auch aufstehen und sich mit etwas beschäftigen. Der Körper wird etwa alle 90 Minuten wieder müde. Also nicht aufregen, sondern abwarten und akzeptieren, dass das der Weg Ihres Körpers ist.

Nach einer lebensbedrohlichen Erfahrung nicht schlafen zu können, gehört zu einem gesunden Überlebensprozess dazu. Ihr Körper will sicher stellen, dass die Gefahr tatsächlich vorüber und Sie wieder sicher sind. Geben Sie ihm dafür etwas Zeit!

Weiter zu PTBS 8.

Ein sicherer Ort für mich:

Sicherer Ort

PTBS, Teil 6: Was können Sie gegen die Beschwerden der Erhöhten Erregung tun?

07.10.2013 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Strategien 0 Kommentare

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, sich auf diesen Text hier zu konzentrieren, lesen Sie die Zeilen wieder und wieder bis Sie sie verstehen.

Sie wissen jetzt aus den vorangegangenen Artikeln, warum Sie belastende Erinnerungen immer wieder im Kopf haben. Sie wissen, warum Sie nach einer belastenden Erfahrung ständig unter Strom stehen. Die Frage ist, was tun mit dem Durcheinander? Was können Sie gegen die Symptome der Erhöhten Erregung tun, die Sie aufgrund der Fehlalarme Ihres Warn- und Überlebenssystems „Limbisches System 1.0“ haben?

Zuerst einmal eine Klarstellung: Wutausbrüche sind zwar verständlich und erklärbar, aber ein belastendes Lebensereignis oder eine Posttraumatische Belastungsstörung ist keine Entschuldigung dafür, den eigenen Stress an anderen rauszulassen und schon gar nicht an den Menschen, die Sie lieben. Holen Sie sich Hilfe!! Sofort!

So, nachdem das gesagt ist, kommt jetzt der Satz, den Ihnen jeder sagen wird, der sich mit Stress beschäftigt: Treiben Sie Sport! Naja, es muss nicht unbedingt Sport sein, aber Bewegung wird Ihnen gut tun. Ganz einfach, weil Sie wissen, dass Ihr Überlebenssystem Ihnen Bewegungsenergie zur Verfügung stellt. Jedes Mal, wenn die belastende Erinnerung aufgerufen wird, stellt Ihnen Ihr Überlebenssystem die Energie zur Verfügung, als wären Sie jetzt in Gefahr und müssten kämpfen oder flüchten. Die Energie steckt in Ihrem Körper, in Ihren Muskeln. Die beste Möglichkeit, diese Energie wieder los zu werden ist, sie zu verbrauchen. Das geht am besten mit Bewegung jeder Art. Sport ist eine Möglichkeit. Mit dem Partner oder einem Hund spazieren gehen tut es auch. Während der Arbeit können Sie die Treppen nehmen und im Alltag möglichst viel zu Fuß machen. Auch das baut die Energie ab.

Gegen Konzentrationsschwierigkeiten helfen die Übungen, die auch gegen Wiedererlebensbeschwerden helfen (siehe PTBS 3 und PTBS 4).

Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit sind Ausdruck Ihrer Sorge um Ihre Sicherheit. Also sorgen Sie für Ihre Sicherheit! Nicht in allen, aber in vielen Traumageschichten finden sich Verhaltensweisen, die das Risiko, dass einem etwas noch einmal passiert, deutlich verringern. Einerseits wird Ihnen selbst klar sein, dass es sinnvoll ist, sich an das Tempolimit zu halten, bei Aquaplaning besonders vorsichtig zu sein oder darauf zu achten, dass die Lichter Ihres Fahrzeugs alle funktionieren. Es macht Sinn, sich von betrunkenen Personen fern zu halten und Menschen, die einen abwerten, schlagen und misshandeln, zu verlassen und anzuzeigen und die Unterstützung der Gemeinschaft, sprich des Staates, einer Beratungsstelle oder einer Therapeutin einzufordern. Es kann auch wichtig sein, sich klar zu machen, dass Sie auf das Verhalten anderer Menschen, einschließlich derer, die Ihnen besonders nahe stehen, nur sehr beschränkt Einfluss haben. Deswegen sind Sie auch nicht daran schuld oder dafür verantwortlich, was andere Menschen tun. Manchmal geht es auch „nur“ darum zu lernen, dass Sie heute Erwachsen sind, und Sie sich heute wehren können und dürfen. Ein Selbstschutzkurs kann Ihnen dann die passende Strategie vermitteln. Manchmal geht es auch nur darum zu lernen, auf sein Bauchgefühl zu hören, Ihre Intuition, Ihr Gefahrenradar oder ihren Schutzengel, die Sie vor Gefahren warnen (Noch mehr Sinn: Feinsinn).

Aber andererseits gibt es auch Ereignisse, deren Eintreten wir nicht verhindern können. Wenn es für Sie schwer ist, das für Sich zu akzeptieren, nehmen Sie die Hilfe einer erfahrenen Therapeutin in Anspruch.

Sollten Sie Sich plötzlich unsicher fühlen, dann schauen Sie Sich bewusst um. Vor allem nachts, wenn Sie aus einem Alptraum aufwachen und Angst haben, es ist jemand in der Wohnung: Stehen Sie auf und schauen nach! Ich nenne das Realitäts-Check: Wenn Sie um Ihre Sicherheit besorgt sind, dann prüfen Sie, dass Sie JETZT GERADE sicher sind! Das heißt nachts zum Beispiel: Aufstehen und durch die Wohnung gehen und nachschauen, dass niemand da ist, anstatt im Bett liegen zu bleiben und sich einzureden, dass man sicher ist (Noch mehr Sinn: Realitäts- und Wirklichkeitssinn).

Wenn die Erinnerungen auftauchen, Sie gerade erschrocken sind oder Sich zum x-ten Mal umgeschaut haben, dann prüfen Sie an der Realität, ob Sie jetzt gerade sicher sind. Machen Sie Sich bewusst, dass Sie jetzt gerade sicher sind und das, was immer Ihnen zugestoßen ist, vorbei ist. Sagen Sie Sich: „Ich bin jetzt sicher. Xxx ist vorbei. Xxx ist Vergangenheit. Das war wieder ein Fehlalarm meines Hirns.“

Geben Sie Ihrer Erinnerung einen Namen: Der Tod von Mutter, der Verkehrsunfall, der Mordversuch, die Vergewaltigung, der Missbrauch, der Mord an meiner Schwester, das Verschwinden meines Bruders, die Folter, der Einsatz in Beirut, der Überfall, der Selbstmord meines Mannes. Geben Sie der Erfahrung einen klaren, ehrlichen Namen. Benennen Sie es als das, was es ist. Es ist nicht „die Sache, die mir passiert ist“ und es ist nicht „der Fall“. Es ist ein wichtiges Ereignis in Ihrem Leben. Es hat die Richtung Ihres Lebens verändert. Benennen Sie diesen Punkt in Ihrer persönlichen Geschichte!

Weiter mit PTBS 7.

PTBS, Teil 5: Warum fühle ich mich ständig gestresst?

06.10.2013 Veröffentlicht von Definitionen, Erklärungsmodelle 0 Kommentare

Es kann durchaus länger dauern, sich zu konzentrieren, wenn Sie etwas sehr Belastendes erlebt haben. Sollten Sie Schwierigkeiten haben, lesen Sie den Text wieder und wieder bis Sie ihn verstehen.

Mit den bisherigen Artikeln ging es vorwiegend um das unerwünschte Wiedererleben der belastenden Erinnerung. Die zweite Gruppe der Beschwerden der Posttraumatischen Belastungsstörung wird als „Erhöhte Erregung“ bezeichnet. Darunter fallen Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Wutausbrüche, erhöhte Wachsamkeit und eine übermäßige Schreckreaktion.

Sie haben gelernt, dass eine belastende Erinnerung durch Trigger (Auslösereize) immer wieder aufgerufen wird. Daher kommen die wiederkehrenden Erinnerungsbilder, Körpererinnerungen, Geruchs- und Geschmackserinnerungen und auch Geräuscherinnerungen.

Gleichzeitig versetzt Ihr Limbisches System Ihren Körper wieder in Alarmbereitschaft. Sie erinnern Sich: Ihr Limbisches System ist Ihr Überlebenssystem UND Ihr Warnsystem. Die Bilder zeigen Ihnen WOVOR sie gewarnt werden (Warnsystem) und gleichzeitig bereitet Ihr Körper sich darauf vor, JETZT auf die Gefahr zu reagieren (Überlebenssystem). Blöd dabei ist nur, dass die meisten dieser Warnungen Fehlalarme sind, weil das Limbische System wahllos Reize abgespeichert hat, die einfach schlechte Warnreize sind. Ein Beispiel: Blaue Autos sind nicht gefährlicher als andersfarbige Autos. Farben werden aber häufig als Warnreize abgespeichert und lösen dann jedes Mal, wenn Sie ein blaues Auto sehen, die Überlebensreaktion aus. Die Farbe von etwas ist heutzutage meistens kein guter Warnreiz. Bei einem Verkehrsunfall könnten Regen und Dunkelheit gute Warnreize sein, weil das Unfallrisiko steigt, wenn es Aquaplaning hat und wir in der Dunkelheit schlechter sehen. Alle anderen Teile der Erinnerung an einen Verkehrsunfall sind keine guten Warnreize, lösen aber trotzdem die Überlebensreaktion aus.

Wenn der Körper fast ununterbrochen in Alarmbereitschaft ist, weil Ihr Hirn ständig behauptet: „Achtung, jetzt passiert gleich wieder was!“, dann werden Sie wachsamer sein, um die mögliche Gefahr dieses Mal rechtzeitig zu erkennen. Sie werden Sich umschauen und mögen vielleicht nicht mehr mit dem Rücken zur Tür sitzen. Wenn Sie jemand trotz erhöhter Wachsamkeit überrascht, werden Sie besonders erschrecken. Sie werden nur schwer zur Ruhe kommen und Schwierigkeiten mit dem Einschlafen haben. Wenn Sie dann noch Angst davor haben, Alpträume zu bekommen, wird das Einschlafen erst recht mühsam. Wenn Sie jemand ärgert (Bedrohung), werden Sie möglicherweise schneller ärgerlich und gereizt reagieren als sonst. Sie werden vielleicht auf kleinere Anlässe (Frust/Druck/Kritik/kleine Abweichungen vom Plan oder Ihren Erwartungen) mit einem Wutausbruch reagieren und sich selbst nicht mehr kennen.

Ihre Konzentration, also Ihre Fähigkeit Ihre Aufmerksamkeit zu lenken, ist eingeschränkt, weil Sie ständig auf die Fehlalarme (Wiedererleben/Warnsystem) reagieren müssen und gleichzeitig damit beschäftigt sind, mögliche Gefahren rechtzeitig zu erkennen (Wachsamkeit/Überlebenssystem).

Schließlich haben Sie wegen der vielen Fehlalarme einen Haufen Energie zur Verfügung, die Sie nicht benötigen: Jede Menge Bewegungsenergie, die zum Kämpfen gedacht ist.

Die Frage ist also, was tun mit dem Durcheinander? Warnsystem? Überlebenssystem? Was können Sie gegen die Symptome der Erhöhten Erregung, die Sie aufgrund der Fehlalarme habe, tun?

Was tun Sie sonst, wenn Sie gestresst sind? Was hilft Ihnen normalerweise?

Sie können die Symptome bekämpfen in dem Sie zum Beispiel Lavendelduft gegen die Schlaflosigkeit oder Meditation gegen die Übererregung verwenden. Doch im Endeffekt sollten Sie langfristig die eigentliche Ursache der Symptome angehen – Ihre Fehlwahrnehmung von Warnreizen.

Weiter mit PTBS 6.

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