"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

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Achtung Gott: Leserfrage: Sind Dissoziationen vom Bösen (Teufel/Satan)?

22.11.2016 Veröffentlicht von Achtung Gott! 0 Kommentare

Ich habe dissoziative Störungen, bin manchmal nicht im Hier und Jetzt. Ich habe Gedächtnisverluste. Ich habe vieles aus meinem Leben vergessen. Ich habe Zuckungen.
Da ich vor 2 Jahren zum Glauben gekommen bin, bin ich auch in einen Hauskreis gegangen. Dort hat man meine Zustände mit dem Bösen assoziiert und eine Teufelsaustreibung gemacht: Böser weiche. – Aber ich habe diese Zustände immer noch, mal mehr mal weniger. Ich gehe nur noch sporadisch in den Kirchenkreis, da ich nicht weiß, wie ich mit allem umgehen soll. Was ist wirklich? Warum gehen meine Zustände nicht weg, obwohl ich bete, mein Herz geöffnet habe, ist Dissoziation Ausdruck des Bösen?
Ich komme mit mir alleine klar, aber man kann ja sicher auch viel verkehrt machen, die Bibel missverstehen, nicht richtig interpretieren und mir fehlt trotzdem irgendwie Gemeinschaft. Ich habe hinter meinem geistigen Auge Bilder, z.b. Jesus, mich selbst als Kind mit 5 Jahren. Gott nehme ich auf der Gefühlsebene wahr und in dem Wissen, dass er da ist, liegt eine sehr große Energie.
Meine Frage ist, ob es in Ordnung ist, wenn ich weiterhin mit mir alleine bin? Ist Dissoziation vom Bösen? Wie kann ich mit all dem Weiterleben, ohne schlechtes Gewissen? Wie kann ich meinen Weg finden, meine Gabe finden, mich finden? Haben Sie für mich einen Rat?

Liebe Leserin,

ich kann Ihnen eine ganz konkrete Anregung geben: Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl und die inneren Bilder der Kraft und Stärke! Suchen Sie Unterstützung in einer Traumatherapie und in Ihrer Gemeinde. Aber zuallererst vertrauen Sie sich selbst und Gott in Ihnen.

Wenn Sie in einem Hauskreis waren, dann vermute ich, dass Sie einer evangelikalen Kirche angehören. Als evangelische Christen glauben wir, dass der Heilige Geist in uns wohnt, d.h. wir haben eine direkte, sehr persönliche Beziehung zu Gott. Gott liebt uns, d.h. er will nur das Beste für uns. Das bedeutet, wenn Ihr Gefühl Ihnen sagt, was Ihnen gut tut und was nicht, dann vertrauen Sie diesem Gefühl. Wenn Ihnen etwas nicht gut tut oder Angst macht, dürfen Sie zunächst einen Bogen darum machen.

Dissoziationen sind grundsätzlich nicht von Satan, sondern ein Geschenk Gottes, dass es Ihnen erlaubt, Begegnungen mit dem Tod und Gewalterfahrungen zu überstehen. Eine Dissoziation ist ein Zustand im Gehirn, der uns vor einer Reizüberflutung mit Schmerz- und Ohnmachtserfahrungen schützen soll. Eine Dissoziation führt dazu, dass eine Gewalterfahrung nicht mehr mit voller Wucht wahrgenommen und erfahren werden kann, sondern diese Wucht im Moment der Gewalterfahrung abgemildert wird, indem das Hirn sich selbst notabschaltet.

Eine Art der Notabschaltung ist die Schreckstarre, bei der der Körper sich selbst lähmt. Die Todesangst hat man dann trotzdem. Was das Hirn dann manchmal nutzt, ist, sich innerlich wegzubeamen, sich wegzudenken, sich vorzustellen, wie die Situation wohl von außen aussieht. Sich vorzustellen, wie ein Raum von der gegenüberliegenden Seite aussieht, ist eine normale menschliche Fähigkeit. Wir nennen das Perspektivwechsel. Mit ein bisschen Phantasie kann sich jeder vorstellen, wie er selbst aus einem anderen Blickwinkel aussieht. Das ist Psychologie und hat mit Glaube und Dämonen und Satan nichts zu tun. Es ist ein Schutzmechanismus. Einige Betroffene berichten, in diesem Zustand der Lähmung zu zählen, was gerade da ist, oder sich in etwas hineinzudenken, was sie vor Augen haben. Das sind alles Strategien des Gehirns, die es einem erlauben, eine Gewalterfahrung (meist durch Menschen aber auch durch Unfälle) zu überleben. Zu den Überlebensstratgien gehört auch das Vergessen von belastenden Lebenserfahrungen solange bis ausreichend äußere, tatsächliche Sicherheit hergestellt ist. Dann beginnt das Gehirn, Erinnerungen auch wieder frei zu geben.

Die Zuckungen können viele Ursachen haben, angefangen davon, dass der Körper sich nach langer Anspannung sozusagen schlagartig entspannt, oder aber in einem bestimmten Moment sich an etwas erinnert. Dann sind die Zuckungen einfach eine Körpererinnerung. Natürlich kann es auch körperliche Ursachen geben. Das müsste ein Arzt klären. Hier kann es hilfreich sein, aufzuschreiben unter welchen Bedingungen, also wann diese Zuckungen auftauchen. Das kann einen Hinweis auf mögliche Ursachen liefern.

Ich habe noch nicht verstanden, warum Sie ein schlechtes Gewissen haben? Als Christin glaube ich, dass Sie die Bibel nicht missverstehen können. Die Bibel enthält Gottes Wort. Solange Sie prüfen, wie Sie das was Sie selbst lesen verstehen, kann nichts passieren. Aber lassen Sie sich nicht von anderen sagen, wie Sie es verstehen MÜSSEN oder SOLLEN. Gott braucht keinen Übersetzer. Er wird Sie direkt ansprechen, wenn er Ihnen etwas zu sagen hat. Eine Möglichkeit, die er dazu nutzt ist, wenn Sie in der Bibel lesen. Die Bibel soll uns helfen, wie ein Wegweiser, zu Gott zu finden und so zu leben, wie er es für uns gedacht hat. Er hat Segen und Überfluss für uns gedacht. Nachzulesen bei 5. Mose 28, 1-14: Der Herr will euch segnen.

Derek Prince beschreibt in seinem Buch „Sie werden Dämonen austreiben“, dass Menschen, die einen Dämonen an sich dran hängen haben (wie er es beschreibt), berichten, das Gefühl von etwas Fremden in sich zu haben. Dieses Fremde bewirkt, dass sie ein Verhalten, das sie selbst als unangenehm empfinden, zwanghaft wiederholen müssen. Mein persönlicher Eindruck beim Lesen des Buches war, dass die Angst sehr wohl die Pforte ist, durch die sich ein Dämon Zutritt zu unserem Leben verschaffen kann. Im Falle eines Dämons hilft das Gebet. Allerdings beschreibt Mr. Prince auch einige Voraussetzungen dafür, dass man dem Dämon befehlen kann, einen in Ruhe zu lassen. Dazu gehört immer wieder eine Willensentscheidung, sich an Gott zu wenden und ein Gott gefälliges Leben zu leben, so gut es uns möglich ist. Einen gesunden Umgang mit Angst zu erlernen, ist meiner Ansicht nach ein wichtiger Teil davon. Das ist dann wieder Psychologie.

Ich bin mir sicher, dass Dissoziation ein normaler psychologischer Prozess ist, der mit psychologischen Methoden beeinflusst werden kann und muss, weil er Ausdruck unseres freien Willens ist:

Als Kurzfassung geht es darum zu lernen, sich selbst zu spüren, sich selbst wahr zu nehmen (das hilft gegen Dissoziationen), sich selbst wieder ernst zu nehmen und zu lernen, mit den Impulsen aus unserem Inneren umzugehen und sich immer wieder für das Leben zu entscheiden. Dazu gehört auch, zu akzeptieren, was uns zugestoßen ist; zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die wir nicht ändern können und das Ohnmacht zum Leben dazugehört. Gleichzeitig heißt es zu lernen, dass die Vergangenheit vorbei ist und uns unser Hirn auf vielfältige Weise daran hindert, das zu wissen. Weil unser Hirn noch genauso funktioniert wie zu Säbelzahntigerzeiten, glauben wir häufig, dass nur weil etwas in der Vergangenheit geschehen ist, es immer so sein wird. Was jedoch nicht stimmen muss und meist auch nicht stimmt. Sobald wir erwachsen sind und unser Leben mehr beeinflussen können als uns das als Kind möglich war, können wir das hinterfragen. Unser Hirn lässt uns glauben, dass sich nichts geändert hat und nichts ändern wird. Ein Mechanismus der zu Säbelzahntigerzeiten sinnvoll war, heute aber komplett veraltet und fast vollständig unwirksam ist.

Gott hat uns keinen furchtsamen Geist gegeben, sondern einen Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit, sprich der Vernunft. (2.Timotheus 1,7) Und mit unserer Vernunft können wir unserem Hirn aufzeigen, wo es Denkfehler macht und dass Gott sehr wohl für uns sorgt. Allerdings ist nichts davon so, dass es von heute auf morgen geschieht. Im Gegenteil braucht es die Bereitschaft, jeden Tag wieder an seiner Gesundung zu arbeiten. Dann ist Heilung möglich.

Ich wünsche Ihnen Gottes übernatürliche Kraft für Ihren Weg
Stefanie Rösch
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Noch mehr Sinn: Eine Übersicht

13.03.2015 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Die Beschäftigung mit dem Möglichkeitssinn, hat mich dazu eingeladen, andere Sinn-Wörter zu suchen. Das führte zu spannenden Erkenntnissen, die ich in den folgenden Wochen mit Ihnen teilen möchte.

Hier erst einmal das Ergebnis im Überblick.

Ich fand Wörter, die für mich mit der Bedeutung von etwas zu tun haben: Der Doppelsinn, der Nebensinn, der Unsinn, der Wortsinn und auch der Sinn des Lebens. Im Grunde auch das Wort Uhrzeigersinn, das als Bedeutung eine Richtung angibt.

Dann gab es Worte, die mit unserer Wahrnehmung der Welt zu tun haben und eine entscheidende Rolle für unser tägliches Überleben spielen: Da sind der Bewegungssinn, der Gefühlssinn, der Gehörsinn, der Geruchssinn, der Geschmackssinn, der Gesichtssinn = Sehsinn, der Gleichgewichtssinn, der Richtungssinn und der Spürsinn = Tastsinn. All diese Begriffe haben mit Vorgängen zu tun, die uns helfen, Wahrnehmungen und Erfahrungen zu teilen. Es gibt viele Konventionen, wie diese Wahrnehmungen zu verstehen sind, welche Bedeutung sie haben. Scharf ist scharf, Rauch riecht nach Rauch, Fisch nach Fisch, Trauer ist Trauer, Wut ist Wut, laut ist laut und gestreckt ist gestreckt. Auch wenn es einen Spielraum gibt, so haben wir uns auf viele Bedeutungen geeinigt, was uns erlaubt, über unsere Wahrnehmungen zu reden und zu verständigen. Außerdem haben wir Körperzellen, sogenannte Rezeptoren, die uns bei der Verarbeitung dieser Informationen helfen. Diese Zellen wandeln Reize, zum Beispiel Lichtwellen oder Druck, im Körper in elektrische Impulse um, die für unser Gehirn „lesbar“ werden. Lesbar bedeutet, wir können den Reizen eine Bedeutung zuschreiben, wie eben scharf, sauer, hell, dunkel, westlich, östlich, kalt, warm, rauchig, schmerzend, leicht, wütend, traurig, fröhlich.

Die dritte Gruppe von Sinn-Worten hat damit zu tun, was uns in unserer Umgebung besonders macht, einzigartig und was wir benötigen, um gesund zu sein oder zu bleiben: Da sind der Familiensinn, der Feinsinn = der 6. Sinn (?), der Freiheitssinn, der Frohsinn, der Gemeinschaftssinn, der Gerechtigkeitssinn, der Realitätssinn = Wirklichkeitssinn, der Scharfsinn, der Schönheitssinn, der Tiefsinn und der Wahrheitssinn. Für diese „Sinne“ haben wir keine spezialisierten Zellen in unserem Körper und doch können wir darüber reden, obwohl das bei diesen Begriffen schon deutlich schwieriger wird. Für mich haben sie jedoch gemeinsam, dass es Begriffe sind, die mit unserer psychischen Gesundheit und unserer persönlichen Freiheit zu tun haben.

Die letzte Wortgruppe besteht für mich aus den Begriffen, die damit zu tun haben, dass es uns nicht gut geht. Dazu gehören für mich der Blödsinn, der Eigensinn, der Größenwahnsinn, der Irrsinn, der Leichtsinn, der Schwachsinn, der Starrsinn, der Stumpfsinn, der Trübsinn und der Wahnsinn. Für mich haben diese Begriffe gemeinsam, dass sie entweder einen Zustand von Krankheit beschreiben oder ein Verhalten, das kurz- oder langfristig krank macht, oder dazu führt, dass es uns nicht gut geht. Wenn wir gesund sein wollen, sollten wir all das meiden. Vermeidungsverhalten wäre hier angebracht, das Mittel der Wahl.

Soviel allgemein zu diesem sinn-vollen Thema. Weitere Texte werden sich wohl mit dem einen oder anderen Begriff vor allem aus Gruppe 3 beschäftigen. Anfangen werde ich mit dem Realitäts- gleich Wirklichkeitssinn. Und dann mal schauen, was noch kommt.

Über Anmerkungen, Ergänzungen und Kommentare werde ich mich sehr freuen.

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