„Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“ – Stefanie Rösch, 2013

Eieruhr und PC-Spiele – Erfolgreich ungewollten inneren Drang verzögern

30.07.2013 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Eine Frau erzählte mir, dass sie in der Therapie gelernt habe, eine Eieruhr gegen ihren Drang einzusetzen, aus Frust zu essen. Also immer wenn der Drang oder das Bedürfnis kommt, aus Frust oder anderen emotionalen Gründen zu essen, sollte sie eine Eieruhr – eine echte, gefüllt mit Sand und zwei durch eine enge Röhre verbundene Glaskugeln – umdrehen. Die Sanduhr brauchte 7 Minuten, um durchzulaufen. Solange der Sand durchlief sollte sie mit dem Essen warten. Danach erneut prüfen, ob es noch notwendig war, etwas zu essen oder eben nicht. Gegebenenfalls konnte sie die Uhr noch ein zweites Mal laufen lassen oder dann kontrolliert etwas essen. Sie sagte: „Und wissen Sie, was das tollste ist?“ Ich verneinte und war gespannt. Sie: „Sie hat so eine schlanke Taille!“

Mit traumatisierten Menschen nutze ich inzwischen PC-Spiele, um den – durch extreme Gewalt programmierten Drang, sich umbringen zu müssen – zu verzögern.

Ob Eieruhr oder kleine PC-Spiele (eine Partie von etwas: Solitär, Majong, Minesweeper …), ist egal, als hilfreich hat sich die Verzögerungstaktik herausgestellt. Der Drang, etwas tun zu „müssen“, ließ mit der Zeit nach oder die Person konnte dann andere Bewältigungsstrategien einsetzen, z.B. Hilfe über ein Telefon holen oder eMail schreiben oder etwas ganz anderes tun.

Trauma-Inflation: Ist jeder, der etwas Schlimmes erlebt, traumatisiert?

24.07.2013 Veröffentlicht von Definitionen 0 Kommentare

Ist jemand, der einen Verkehrsunfall erlebt, traumatisiert? Oder sind alle, die in Winnenden betroffen waren, traumatisiert? Glaubt man den Medien, dann ist das so. Jeder, der etwas Schreckliches, Unvorstellbares wie auch immer Schlimmes erlebt, ist traumatisiert.

Ich sehe das anders: Wer etwas Belastendes erlebt, der erlebt ersteinmal eine psychologische Krise. Das ist ein Ausnahmezustand auf allen Ebenen: in den Gedanken, in den Gefühlen und auch im Körper. Man kann es spüren, weil das Herz schnell schlägt, man fast außer Atem kommt, die Muskeln angespannt sind bis hin zum Zittern und die Gedanken sich um Leben und Tod drehen, man sich ohnmächtig fühlt und / oder große Angst hat.
Viele Ereignisse sind in der Lage, eine solche Reaktion auszulösen, aber die meisten Menschen können gut damit umgehen.

Wenn das Ereignis besonders bedrohlich war, wie eine Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, der gewaltsame Tod eines geliebten Menschen, ein schwerer Verkehrsunfall oder die Bedrohung am Leben durch einen Amoklauf, dann steigt das Risiko, dass ein Mensch diese Erfahrung nicht mehr alleine bewältigen kann. Aber nur das Risiko steigt.

Dem steht entgegen, dass etwa 75% aller Menschen, die einen schweren Verkehrsunfall erleben, das GUT überstehen. Genauso wie etwa 30% aller Frauen nach einer Vergewaltigung damit klarkommen, OHNE eine psychische Störung zu entwickeln.

Entwickelt jemand aufgrund einer belastenden Lebenserfahrung eine psychische Störung, dann spricht man davon, dass die Person traumatisiert ist. Das lässt sich meist erst Wochen nach der Belastungssituation feststellen.

Wenn Ihnen also etwas passiert ist, geben Sie sich die Zeit, mit der Belastung umzugehen und sich an die Veränderung, die dadurch eingetreten ist, zu gewöhnen und sie zu bewältigen. Lassen Sie sich wenige Tage nach dem Ereignis von niemandem einreden, Sie wären traumatisiert. Diese Einschätzung kann nur eine Fachperson vornehmen (dazu gehören qualifizierte Psychotherapeuten und qualifizierte Ärzte) und dazu erst nach 4 bis 6 Wochen. Es ist völlig normal einige Symptome nach einem belastenden Ereignis an sich zu entdecken. Das ist die Art und Weise wie unser Körper und unser Gehirn versuchen mit diesem Erlebnis umzugehen. Geben Sie den beiden die Zeit, welche es zweifelsfrei braucht, das Geschehene zu bewältigen.

Natürlich können Sie sich auch frühzeitig an einen Notfallpsychologen oder Notfallseelsorger wenden, wenn es Ihnen besonders schlecht geht und Sie mehr als 3 Nächte nicht schlafen konnten. Das kann helfen, dass die Krise schneller abklingt und präventiv gegen die Entstehung einer psychischen Störung wirken.

Achtung Gott: Gott mein Psychotherapeut?

16.07.2013 Veröffentlicht von Achtung Gott! 0 Kommentare

„Ich dachte, Gott wäre mein Psychologe und deswegen brauche ich keine Psychotherapie“, höre ich immer wieder.

Ich frage mich dann, was ist so schlimm an Psychotherapie? Aber die eigentliche Frage ist, wie heilt oder hilft uns Gott? Welche Vorstellungen haben wir von Gott wenn es um Heilung geht?

Ich bin davon überzeugt, dass Gott in den meisten Fällen durch Menschen heilt. Ob es seine Propheten waren, die seine Wunder wirkten oder Jesus. Auch heute heilt er – nicht ausschließlich – durch Menschen. Dafür gibt es Psychotherapeuten, Seelsorger, Coaches, Ärzte, Lehrer, Freunde, Partner, Kinder und noch viele andere. Im Grunde könnte jeder Mensch, der uns begegnet, von Gott beauftragt sein, Heilung zu bringen. Möglicherweise haben Menschen in Heilberufen hier eine besondere Berufung, ob sie es nun wissen oder nicht.

Ich erzähle zu diesem Thema auch gerne die folgende Geschichte: Ein Mann sitzt auf seinem Balkon. Die Flutwelle treibt den Fluss neben seinem Haus über die Ufer und lässt das Wasser um das Haus herum steigen. Da kommt ein Feuerwehrauto vorbei. „Kommen Sie, wir bringen Sie in Sicherheit“, sagt der Feuerwehrmann auf der Drehleiter. Aber der Mann lehnt ab: „Gott wird mich retten.“ Das Wasser steigt weiter, so dass der Mann auf den Giebel seines Daches steigen muss. Ein Polizeiboot kommt vorbei und der Polizist bittet den Mann ins Boot zu steigen. „Nein“, sagt der Mann, „Gott wird mich retten.“ Nach einer kurzen Diskussion dreht das Boot ab und sammelt die verbliebenen Nachbarn des Mannes ein. Es regnet und regnet und schließlich treibt der Mann auf dem Wasser. Da sieht er plötzlich einen Rettungsring an sich vorbei schwimmen. Er denkt: „Nein, brauche ich nicht, Gott wird mich retten.“ Und ertrinkt.
Als er zu Gott kommt, ist er etwas verwirrt und fragt: „Vater, ich führte ein frommes Leben. Ich glaubte bis zuletzt an Dich. Warum hast du mich nicht gerettet?“ Gott schaute ihn mitfühlend an: „Ich habe Dir die Feuerwehr geschickt, die Polizei und einen Rettungsring. Was hätte ich noch machen sollen?“

Gott erwartet von uns, dass wir aktiv werden, dass wir uns klar für die Heilung entscheiden, dass wir heil sein wollen. Das bedeutet, dass wir für unsere Heilung arbeiten. Ein Weg zu zeigen, dass wir heil werden wollen, ist, sich eine geeignete Begleitung zu suchen.

Leserfrage: Was ist Psychotherapie?

08.07.2013 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Wenn mich jemand fragt, was ihn in einer Therapie mit mir erwartet, dann sage ich: „Für mich ist Psychotherapie eine Schule. Es geht darum etwas zu lernen, was uns bisher niemand beigebracht hat. Es geht darum, soziale Fertigkeiten zu lernen. Fertigkeiten im Umgang mit anderen und mit mir selbst.“

Diese Definition enthält für mich ein paar wichtige Punkte.

  1. Was immer es ist, wir können es lernen. Niemand ist seinen Genen ausgeliefert.
  2. Bisher konnten wir es nicht, weil es uns – meist durch die Ursprungsfamilie – nicht beigebracht wurde.
    1. Sie haben das Defizit, Sie können etwas nicht: Es ist IHRE VERANTWORTUNG, es zu lernen.
  3. Was auch immer Sie in der Psychotherapie lernen, sollte Ihnen helfen, besser mit sich selbst und anderen umgehen zu können.
  4. Ein Psychotherapeut kann Ihnen nur das wirklich beibringen, was er selbst kennt, vielleicht kann und im Idealfall beherrscht. Deswegen ist nicht jeder Therapeut für jeden Klienten/Patienten geeignet.

Die Verantwortung (Schuld?) für Ihre Beschwerden haben andere. Die Verantwortung zur Heilung haben Sie. Heilung ist möglich! Heilung bedeutet, ich kann zufrieden leben. Finden Sie einen für Sie geeigneten Begleiter!

Über mich und diesen Blog

17.04.2013 Veröffentlicht von Allgemein 0 Kommentare

Freiheit. Das ist das Wort, das in all den Jahren meiner therapeutischen Tätigkeit immer wieder auftauchte.

Es war mir immer ein Anliegen, meinen Klienten ihren Heilungsprozess als einen Weg in die Freiheit zu erklären. Freiheit von Gedanken, die sie nicht mehr denken wollen, Freiheit von Verhalten, dass sie nicht mehr wollen, Freiheit von den Folgen von Erinnerungen, die sie nicht mehr wollen. Es gibt viele Dinge, von denen wir frei sein wollen und können. Ich glaube fest daran, dass Gott uns einen freien Willen gegeben hat, auch wenn es manchmal nicht so scheint als wäre es möglich, weil die Kräfte, die uns binden so stark oder so wenig greifbar sind.

In den letzten Jahren fand Gott seinen Weg zurück in mein Leben. Es begann mit meinem Taufspruch, der mir gegeben war, als ich noch nicht selbst entscheiden konnte. Aber Gott hat sich für mich entschieden. Ich fange heute an zu begreifen, was er mir mit Josua 1, 9 sagen will: „Siehe, ich habe Dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“

In meinen Kinder- und Jugendtagen gab es einige Gelegenheiten, in denen Gott in mein Leben eingriff, auch wenn ich es damals nur als Wunder und unter dem Begriff „Intuition“ ablegte.

Vor drei Jahren schenkte er mir ein sehr besonderes Osterfest. Nach der Predigt wurde zum Abendmahl und zur Tauferneuerung eingeladen. Ich nahm das Brot, trank den Wein und neigte die Stirn für den Segen. Die Pastorin gab jedem zur Erinnerung eine kleine Visitenkarte mit einem Bibelspruch drauf. „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist (Josua 1,9). Mein Taufspruch, zum zweiten Mal. Ich sah mich in einer Wüste stehen, fühlte mich klein und unbedeutend und gleichzeitig unendlich frei. Mir wurde in dem Moment klar, dass Gott mich sieht und liebt.

Im folgenden Jahr stand auf der Karte: „Du nahtest dich zu mir, als ich dich anrief, und sprachst: Fürchte dich nicht!“ (Klagelieder 3, 57). „Nichts geschieht auf die gleiche Weise zweimal.“, sagt Aslan Lucy in dem Film „Die Chronikan von Narnia – Prinz Caspian.“ Gott gab mir nicht die exakt gleiche Stelle und doch die gleiche Nachricht.

Mir wurde immer klarer, dass mein Weg kein Zufall war. Ich sehe meine Berufung darin, Menschen zu ihrer persönlichen Freiheit zu verhelfen. Es geht nicht um Mission und es geht nicht darum, Menschen zu Gott zu bringen. Das ist die Aufgabe von anderen. Ich darf Heilung begleiten, Heilung ermöglichen. Dafür gab Gott mir ein starkes Herz, Geduld und einen Sturkopf.

Ich bin mir nicht immer sicher, ob ich diesen Auftrag will. Ich zweifle oft. Aber wenn ich Verbesserung sehe, wenn ich Heilung sehe, wenn ich Freiheit sehe, dann weiß ich, für was ich tue, was ich tue.

In Galater 5,13 – 14 las ich neulich in Vorbereitung auf diesen Blog: „Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Für mich bedeuten diese Worte, dass wir als Menschen frei sein sollen, dass es Gottes Plan ist, dass wir frei sind. Jeder auf seine ganz persönliche Weise. Wir sind unfrei, weil wir unseren Lebenserfahrungen und unserem Körper zu oft die Entscheidung überlassen. Das schließt mich ein. Entscheidung überlassen bedeutet, dass wir all den Automatismen in unserem Leben nachgeben, anstatt sie zu unterbrechen, zu hinterfragen und zu ändern. Es gibt Programme, Abläufe von Verhalten, Gedanken und Gefühlen in uns, die sehr mächtig sind. Der Großteil ist der Erhaltung der Menschheit, der Erhaltung der Art verpflichtet, trotzdem können wir aus meiner Erfahrung den Großteil dieser Prozesse willentlich unterbrechen. Es ist oft nicht leicht, aber möglich. Es ist eine Entscheidung.

Der zweite Teil dieser Bibelstelle sagt mir, dass so wie ich lerne, mich selbst zu lieben, so kann ich auch meinen Nächsten lieben. Liebe bedeutet, meinem Gegenüber die Freiheit zu lassen, ihn so zu lassen, wie er oder sie ist. Können Sie sagen „Ich liebe und akzeptiere mich, so wie ich bin“? – Dann ist ein wichtiger Schritt getan. Das Fundament gelegt.

Und nur um es klar auszusprechen: Mit Freiheit ist nicht gemeint, dass ich tun kann, was ich will. Wer frei sein will, muss auch Verantwortung übernehmen, ansonsten ist er nicht frei.

Heil werden, frei werden und Verantwortung übernehmen, sind Entscheidungen und gleichzeitig ein anstrengender, nervenaufreibender und oft genug schmerzhafter Entwicklungsprozess. Aber es lohnt sich ihn zu gehen.

Deswegen werde ich anfangen, diesen Blog zu veröffentlichen. Weil es sich lohnt!

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