"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Über mich und diesen Blog

17.04.2013 Veröffentlicht von Allgemein 0 Kommentare

Freiheit. Das ist das Wort, das in all den Jahren meiner therapeutischen Tätigkeit immer wieder auftauchte.

Es war mir immer ein Anliegen, meinen Klienten ihren Heilungsprozess als einen Weg in die Freiheit zu erklären. Freiheit von Gedanken, die sie nicht mehr denken wollen, Freiheit von Verhalten, dass sie nicht mehr wollen, Freiheit von den Folgen von Erinnerungen, die sie nicht mehr wollen. Es gibt viele Dinge, von denen wir frei sein wollen und können. Ich glaube fest daran, dass Gott uns einen freien Willen gegeben hat, auch wenn es manchmal nicht so scheint als wäre es möglich, weil die Kräfte, die uns binden so stark oder so wenig greifbar sind.

In den letzten Jahren fand Gott seinen Weg zurück in mein Leben. Es begann mit meinem Taufspruch, der mir gegeben war, als ich noch nicht selbst entscheiden konnte. Aber Gott hat sich für mich entschieden. Ich fange heute an zu begreifen, was er mir mit Josua 1, 9 sagen will: „Siehe, ich habe Dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“

In meinen Kinder- und Jugendtagen gab es einige Gelegenheiten, in denen Gott in mein Leben eingriff, auch wenn ich es damals nur als Wunder und unter dem Begriff „Intuition“ ablegte.

Vor drei Jahren schenkte er mir ein sehr besonderes Osterfest. Nach der Predigt wurde zum Abendmahl und zur Tauferneuerung eingeladen. Ich nahm das Brot, trank den Wein und neigte die Stirn für den Segen. Die Pastorin gab jedem zur Erinnerung eine kleine Visitenkarte mit einem Bibelspruch drauf. „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist (Josua 1,9). Mein Taufspruch, zum zweiten Mal. Ich sah mich in einer Wüste stehen, fühlte mich klein und unbedeutend und gleichzeitig unendlich frei. Mir wurde in dem Moment klar, dass Gott mich sieht und liebt.

Im folgenden Jahr stand auf der Karte: „Du nahtest dich zu mir, als ich dich anrief, und sprachst: Fürchte dich nicht!“ (Klagelieder 3, 57). „Nichts geschieht auf die gleiche Weise zweimal.“, sagt Aslan Lucy in dem Film „Die Chronikan von Narnia – Prinz Caspian.“ Gott gab mir nicht die exakt gleiche Stelle und doch die gleiche Nachricht.

Mir wurde immer klarer, dass mein Weg kein Zufall war. Ich sehe meine Berufung darin, Menschen zu ihrer persönlichen Freiheit zu verhelfen. Es geht nicht um Mission und es geht nicht darum, Menschen zu Gott zu bringen. Das ist die Aufgabe von anderen. Ich darf Heilung begleiten, Heilung ermöglichen. Dafür gab Gott mir ein starkes Herz, Geduld und einen Sturkopf.

Ich bin mir nicht immer sicher, ob ich diesen Auftrag will. Ich zweifle oft. Aber wenn ich Verbesserung sehe, wenn ich Heilung sehe, wenn ich Freiheit sehe, dann weiß ich, für was ich tue, was ich tue.

In Galater 5,13 – 14 las ich neulich in Vorbereitung auf diesen Blog: „Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Für mich bedeuten diese Worte, dass wir als Menschen frei sein sollen, dass es Gottes Plan ist, dass wir frei sind. Jeder auf seine ganz persönliche Weise. Wir sind unfrei, weil wir unseren Lebenserfahrungen und unserem Körper zu oft die Entscheidung überlassen. Das schließt mich ein. Entscheidung überlassen bedeutet, dass wir all den Automatismen in unserem Leben nachgeben, anstatt sie zu unterbrechen, zu hinterfragen und zu ändern. Es gibt Programme, Abläufe von Verhalten, Gedanken und Gefühlen in uns, die sehr mächtig sind. Der Großteil ist der Erhaltung der Menschheit, der Erhaltung der Art verpflichtet, trotzdem können wir aus meiner Erfahrung den Großteil dieser Prozesse willentlich unterbrechen. Es ist oft nicht leicht, aber möglich. Es ist eine Entscheidung.

Der zweite Teil dieser Bibelstelle sagt mir, dass so wie ich lerne, mich selbst zu lieben, so kann ich auch meinen Nächsten lieben. Liebe bedeutet, meinem Gegenüber die Freiheit zu lassen, ihn so zu lassen, wie er oder sie ist. Können Sie sagen „Ich liebe und akzeptiere mich, so wie ich bin“? – Dann ist ein wichtiger Schritt getan. Das Fundament gelegt.

Und nur um es klar auszusprechen: Mit Freiheit ist nicht gemeint, dass ich tun kann, was ich will. Wer frei sein will, muss auch Verantwortung übernehmen, ansonsten ist er nicht frei.

Heil werden, frei werden und Verantwortung übernehmen, sind Entscheidungen und gleichzeitig ein anstrengender, nervenaufreibender und oft genug schmerzhafter Entwicklungsprozess. Aber es lohnt sich ihn zu gehen.

Deswegen werde ich anfangen, diesen Blog zu veröffentlichen. Weil es sich lohnt!

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