"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Posts zum Tag "Erinnerungsattacken"

Erinnerungsattacken abbrechen: weitere Möglichkeiten

17.09.2016 Veröffentlicht von Strategien 2 Kommentare

Mich erreichte diese Tage eine eMail mit zwei weiteren Strategien wie man Flashbacks unterbrechen kann.
Zum einen hat frischen Ingwer kauen geholfen, zum anderen kleine Perlen in die Schuhe zu legen. Die Perlen sollen aber keine Schmerzen verursachen, sondern nur spürbar sein und die Durchblutung anregen. Vielleicht könnten auch entsprechende Massage-Schuheinlagen mit Noppen hilfreich sein.

Danke für die Tipps!

Weitere Strategien, um mit Erinnerungsattacken umzugehen, finden Sie auch hier.

Und wer neu hier ist, möchte sich vielleicht estmal in das Thema einlesen: Alle Artikel dazu finden sich hier.

Psychologie und Film: Batman Begins, 6 – Größenwahn und Angsttherapie

09.02.2014 Veröffentlicht von Psychologie und Film 0 Kommentare

Als Bruce seine Ausbildung abgeschlossen hat, muss er eine letzte Prüfung bestehen: Unter Einfluss einer halluzinogenen Droge soll er sich seiner größten Angst stellen. Denn eigentlich fürchte Bruce sich vor seiner eigenen Macht, er fürchte seine Wut und den Drang etwas Großes zu vollbringen. Zuerst müsse er seine eigene Angst besiegen. Angst verändere die Wahrnehmung. Deswegen solle er seine Angst umarmen, zu seiner Angst werden. Um etwas Großes zu bewirken, müsse er ein schrecklicher Gedanke werden, eine Idee, denn die Menschen fürchten am meisten, was sie nicht sehen können. Bruce besiegt seine Angst vor den eingebildeten, erinnerten Fledermäusen und kann Ra´s Al Ghul im Zweikampf durch eine List ebenfalls besiegen.

Auch Ra´s Al Ghul weiß um die Angst der Menschen, die Angst vor dem Unfassbaren, dem schrecklichen Gedanken. Er will diese Angst gegen die in seinen Augen Kriminellen richten. Er hat Recht, die Angst verändert die Wahrnehmung, sie lässt uns die Welt wie durch einen Tunnel sehen, und so richtet Ra´s Al Ghul seine Wut auf alle, die ihn im Stich gelassen haben: Die Kriminellen, weil einer davon seine Frau getötet hat, und alle anderen, die nicht eingegriffen haben, die korrupt waren und die stillschweigend ihr Leben lebten, ohne sich um ihn zu kümmern. Er unterscheidet die Menschen nicht. Er sieht Gotham als Ganzes an einem Punkt, wo nur die Zerstörung der Stadt einen echten Neubeginn bedeuten kann.

Darin sieht er dann auch „das Große“, zu dem er Bruce befähigen will. Bruce habe Angst vor seiner eigenen Stärke, der Möglichkeit, etwas wirklich Großes zu vollbringen – wie die Zerstörung einer ganzen Stadt, um ihr einen Neubeginn zu ermöglichen. Ein bisschen erinnert das an Noahs-Erfahrung. Die Auslöschung der Menschheit, weil sie sich nicht an Gottes Wort hält, um einen Neubeginn mit Noahs Familie zu ermöglichen. Ra´s Al Ghul maßt sich das Urteil über Millionen Menschenleben an und fühlt sich dabei noch gerecht.

Deswegen will er die Angst gegen die sowieso schon Ängstlichen einsetzen. Am besten werde das gelingen, indem man zu einem schrecklichen Gedanken wird und die Angst der Menschen noch schürt, damit sie sich aus ihrer Angst heraus gegenseitig zerstören.

Bruce sieht ein, dass er seine Angst vor den Fledermäusen nur besiegen kann, indem er sich ihr stellt. Unter Einfluss einer Droge, löst er sozusagen noch einmal eine Erinnerungsattacke aus, doch diesmal kann er die Angst besiegen und damit auch seinen Gegner in der Abschlussprüfung. Indem er seine Angst besiegt, kann er ruhig genug bleiben, um klar zu denken und selbst in der Prüfungssituation noch eine List zu entwickeln, um seinen Mentor zu besiegen.

Genau hier geschieht im Grunde das, um was es in jeder Therapie von Angstzuständen geht: soviel Ruhe im Körper bewahren zu können, dass man den Handlungsspielraum, den man hat oder den man dazugelernt hat, dann nutzen kann. Insofern zeigt der Film an dieser Stelle die anstrengendste Methode der Angsttherapie: die Exposition, also das Sich-solange-der-Angst-aussetzen, bis man merkt, dass die Angst nachlässt und man nicht gestorben ist. Dadurch lässt das Angstgefühl dauerhaft nach.

 

[wpdm_file id=6]

__________________________________________
Link zum Film auf IMDB.com, der meist englischsprachigen größten Filmdatenbank.
Hier das Amazon-Partnerlink zur DVD Batman Begins in der einfachen Ausführung.
Von Christopher Nolan und David S. Goyer auf IMDB.com

PTBS, Teil 3: Was tun gegen sich aufdrängende Erinnerungen?

30.09.2013 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle, Strategien 0 Kommentare

Es mag sein, dass es Ihnen am Anfang sehr schwer fällt, diesen Text am Stück zu lesen und zu verstehen, aber geben Sie nicht auf! Lesen Sie die Zeilen wieder und wieder bis Sie sie verstehen. Auch wenn es einmal 10 Minuten oder länger dauert. Das kann durchaus sein, wenn Sie etwas sehr Belastendes erlebt haben. Nur Mut!

Mit dem letzten Artikel habe ich Ihnen erklärt, dass sich aufdrängende Erinnerungen entstehen, weil Ihr Limbisches System zufällig (Warn-)Reize abspeichert, die dann durch Trigger = Auslösereize immer wieder aktiviert werden. Sie haben auch gelernt, dass Trigger immer etwas mit dem ursprünglichen Warnreiz gemeinsam haben.

Trigger_Warnreiz_Erinnerung_1

Klicken Sie auf die Grafik, um Sie zu vergrößern.

Was Sie in der Anfangszeit nach einem belastenden Lebensereignis nicht beeinflussen können ist, dass Trigger die Erinnerung immer wieder aufrufen.

Aber Sie entscheiden, wie lange Sie sich mit der Erinnerung beschäftigen.

Die Erinnerung ist nur dann belastend, wenn Sie Ihnen bewusst ist. Sie ist unangenehm, wenn Sie die Bilder vor Ihrem inneren Auge sehen, die Geräusche mit Ihrem inneren Ohr hören, Ihr Körper die Empfindungen wieder spürbar macht wie während der Belastungssituation oder Sie glauben, Gerüche wahrzunehmen, wie während der Situation oder Dinge zu schmecken wie damals. Sie ist belastend, weil Sie wieder Angst haben, vielleicht Todesangst oder sich ohnmächtig fühlen, ausgeliefert und hilflos.

Das heißt, zuerst ist es wichtig, dass Sie die Erfahrung machen, dass SIE entscheiden, womit Sie sich bewusst beschäftigen wollen. Das erreichen Sie am schnellsten, wenn Sie Ihr Bewusstsein mit der Gegenwart füllen, also mit dem, was Ihre Sinnesorgane jetzt gerade wahrnehmen.

Was sehen Sie jetzt gerade? Was hören Sie jetzt – im Raum oder weiter weg? Können Sie Ihre Füße auf dem Boden spüren? Was machen Ihre Hände gerade? Können Sie den Stuhl spüren, auf dem Sie gerade sitzen? Haben Sie ein Getränk in der Nähe und können einen Schluck nehmen und schmecken, welche Aromen Sie wahrnehmen? Oder haben Sie ein Parfum oder einen anderen riechenden Gegenstand, den Sie bewusst wahrnehmen können? Wonach duftet er?

Wenn Sie anfangen, sich darauf zu konzentrieren, was Sie gerade sehen, hören, schmecken, riechen und spüren, kann es hilfreich sein, das laut vor sich her zu sagen. Oder Sie können jemanden bitten, Ihnen aus der Erinnerungsattacke herauszuhelfen, indem er Sie danach fragt, was Sie gerade wahrnehmen. Diese Person kann genau nachfragen, was Sie wahrnehmen, also zum Beispiel, welche Formen, Farben, Oberflächen, Materialien. Ein Wollpulli hat eine andere Oberfläche als ein Baumwollhandtuch oder ein Holztisch oder ein Löffel.

Wenn ich mein Bewusstsein mit Gegenwart füllen möchte, dann würde sich das folgendermaßen anhören: Ich sehe vor mir den Bildschirm meines Computers. Ich höre Filmmusik dazu, eine Geige im Moment mit einem leicht melancholischen Thema, ich rieche den Duft von Beeren von meiner Kerze und mein Tee schmeckt nach Ingwer, ein bisschen zitronig und leicht scharf. Der Tee ist nur noch lauwarm, und jetzt sind viele Geigen zu hören und irgendwelche Bläser und das Klackern der Tastatur. Die Buchstaben werden rot unterstrichen, wenn ich einen Schreibfehler mache oder das Programm ein Wort wie zitronig nicht kennt und so weiter.

Machen Sie die Übung immer wieder und wieder. Diese Übung heißt übrigens „Hier und Jetzt“ und hilft Ihnen zu spüren, dass SIE entscheiden, worüber Sie nachdenken, selbst wenn etwas sehr Belastendes passiert ist.

Und nochmal: Es mag sein, dass es Ihnen am Anfang sehr schwer fällt, diesen Text am Stück zu lesen und zu verstehen, aber geben Sie nicht auf! Lesen Sie die Zeilen wieder und wieder bis Sie sie verstehen. Auch wenn es einmal 10 Minuten oder länger dauert. Das kann durchaus sein, wenn Sie etwas sehr Belastendes erlebt haben. Kommen Sie immer wieder zurück in die Gegenwart! Nur Mut!

Weiter zu PTBS 4.

Information / Beratung

Kontakt

Trauma-Informations-Zentrum
Dipl.-Psych. Stefanie Rösch
Bodanplatz 3
78467 Konstanz

© Trauma-Informations-Zentrum 1999 – 2017

Social Media Auto Publish Powered By : XYZScripts.com