„Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung“ – Stefanie Rösch, 2013

Psychische Störung oder Überlebensstrategie?

22.08.2013 Veröffentlicht von Erklärungsmodelle 0 Kommentare

Unser heutiges Denken, Fühlen und Verhalten ist das Ergebnis eines Überlebensmechanismus. Nicht nur der Körper will überleben, sondern auch unsere Seele.

Ums Überleben geht es, wenn unsere Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden. Wenn wir nichts zu essen bekommen, werden wir verhungern. Wenn es nötig ist, werden wir auch stehlen, um zu überleben. Ein weiteres Beispiel ist Wärme. Unser Körper braucht eine gesunde Temperatur, wenn wir die nicht mehr halten könne, werden wir vielleicht irgendwo einbrechen, wenn wir keine andere Möglichkeit sehen, nicht zu erfrieren.

Das Gleiche gilt für psychische Grundbedürfnisse wie Sicherheit/Kontrolle, Bindung/Liebe, Selbstwert und Vermeidung von Unlustempfindungen. Dass Bindung ausgedrückt in Körperkontakt für einen Säugling überlebensnotwendig ist, weiß man daher, dass man beobachtet hat, dass Säuglinge sterben, wenn sie dieses Grundbedürfnis nicht erfüllt bekommen, obwohl man sie füttert und ihnen die Windeln wechselt, jedoch alles ohne emotionale Zuwendung. Das heißt, wenn einem Kind Zuwendung und Aufmerksamkeit verweigert werden, dann wird dieses Kind einiges tun, um sich wenigstens ein bisschen geliebt zu fühlen. Zum Beispiel könnte es versuchen, alle Wünsche der Eltern zu erfüllen und ständig lieb und angepasst zu sein. Wenn das nichts nützt, könnte es auch aufmüpfig und aggressiv werden, um sich bemerkbar zu machen. Oder es könnte auch einfach viele Freunde haben oder eine Oma, die ihm das gibt, was es braucht.

Es gibt so viele Möglichkeiten, wie die Lebensumstände dazu führen, dass ein Kind seine Bedürfnisse nicht erfüllt bekommt und nun irgendwie versucht, doch noch dran zu kommen. Man kann all diese Versuche und das daraus entstehende Denken, Fühlen und Verhalten als Überlebensstrategie sehen. Schließlich geht es genau darum, manchmal um das körperliche, oft genug um das psychische Überleben.

Diese Überlebensstrategien waren zu irgendeinem Zeitpunkt, meist früh im Leben hilfreich. Aber da der Mensch an sich ein „faules“ Wesen ist :-), merken wir nicht, dass manche Strategien nicht mehr aktuell, heute nicht mehr hilfreich sind. Teilweise sind sie veraltet, weil sich die äußeren Umstände geändert haben oder aber, weil uns als erwachsene Menschen andere und bessere Strategien zur Verfügung stehen als zu Kindertagen.
Zum Beispiel könnte es sein, dass man als Kind die Schläge vom Vater/Mutter einstecken musste und trotzdem mit ihm/ihr kuscheln oder in den Arm genommen werden wollte, weil Bindung/Liebe zu diesen existentiellen Bedürfnissen gehört.

Später im Leben merken wir dann nicht, dass wir keine Schläge mehr einstecken müssen, sondern andere Strategien nutzen könnten (rechtzeitig aus der Situation gehen/sich wehren/Polizei holen/Selbstschutztechnik anwenden), weil wir erwachsen sind. Aber oft fühlen wir uns immer noch genauso ausgeliefert wie als Kind und handeln auch genauso.

Daraus entstehen dann die verschiedenen Beschwerden, mit denen wir Psychologinnen Psychische Störungen beschreiben. Wenn man genau hinschaut, kann man in den meisten Lebensgeschichten in einer Therapie sehen, dass diese Beschwerden die Folge dieser alten, überholten, oft kindlichen Bewältigungsstrategien sind.

Insofern kann man sagen, dass eine Psychische Störung daraus entsteht, dass ein Mensch versucht, den Herausforderungen des Lebens mit den bisher erlernten Strategien zu begegnen, die aber veraltet oder unpassend sind und deswegen nicht das gewünschte Ergebnis erzielen.

Es bedeutet auch, dass Sie das Problem haben. Sie dürfen ihre Strategien überdenken und neue lernen, um sich wieder gesund fühlen zu können. Das wäre dann der richtige Zeitpunkt, professionelle Hilfe, sprich eine Psychotherapie aufzusuchen. (siehe auch: Was ist Psychotherapie?)

Giftige Gedanken 1: Aufspüren

20.08.2013 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Wir können unsere Lebensumstände nicht kontrollieren, aber wir allein entscheiden darüber, wie wir darauf reagieren wollen. Jede Reaktion beginnt mit einem Gedanken. Entscheiden Sie, mit welchem!

Unsere Gedanken beeinflussen die physische, also messbare Struktur unseres Gehirns. Das bedeutet, niemand ist Sklave seiner Gene. Wir haben die Wahl, was wir denken wollen. Wir können unsere Gedanken bewusst beeinflussen und damit physische Strukturen in unserem Gehirn verändern. Das Buch, in dem diese Prozesse ausführlich und nachvollziehbar dargestellt sind, ist das Buch von Dr. Caroline Leaf (Link im Anhang).

Nach ihren Erkenntnissen kann man davon ausgehen, dass bis zu 80% unserer heutigen körperlichen, psychischen und anderen Verhaltensstörungen durch unsere Gedanken entstehen, und zwar giftige Gedanken. Negative Gedanken führen zu anderen Verbindungen im Gehirn als positive Gedanken. Vielleicht kann man es sich so vorstellen, dass jeder negative Gedanke im Gehirn eine Mikro-Entzündung verursacht. Viele kleine Entzündungen führen irgendwann dazu, dass unsere Psyche oder unser Körper sichtbar krank werden. Deswegen ist es so wichtig, darauf zu achten, was man denkt und sich darum zu kümmern, dass man gesunde Gedanken denkt anstatt giftige Gedanken.

In den nächsten vier Wochen möchte ich Sie dazu einladen, einen Prozess auszuprobieren, mit dem jeder seine Gedankenwelt, insbesondere seine giftigen Gedanken zum Positiven beeinflussen kann. Wie immer kann es sinnvoll sein, diesen Prozess mit einem Begleiter, Therapeutin oder Freunden, zu durchlaufen. Nicht weil er schwer wäre, sondern weil es eine Weile dauert und es sich in einer Gruppe oder mit Unterstützung leichter durchhält.

Teil 1: Giftige Gedanken aufspüren

Die meisten unserer Gedanken sind uns nicht ständig bewusst. Dafür wären es zu viele. Aber wir haben durch den Aufbau unseres Gehirns die Möglichkeit, uns selbst beim Denken und Fühlen zuzuschauen. Wir können Gedanken und Gefühle bewusst wahrnehmen. Mit jeder bewussten Wahrnehmung verändern wir unsere Gedankenwelt. Wird ein Gedanke bewusst gedacht, WIRD er unvermeidbar verändert: Entweder er wird verstärkt oder, wenn wir wollen, verändert, korrigiert und auch abgebaut.

Sich selbst zu beobachten, mag nicht für jeden gleich leicht sein, aber wir sind alle mit dieser Grundfähigkeit ausgestattet. Sie können Ihre Gedanken beispielsweise mit automatischem Schreiben sichtbar machen: Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie 5 Minuten (mit Wecker) auf, was Ihnen so durch den Kopf geht. Sie werden sehen, was da gerade alles so in Ihrem Gehirn los ist.

Vielleicht wollen Sie das erst ein paar Tage üben, wenn Sie mit dieser Art des Sich-Selbst-Beobachtens noch nicht so vertraut sind. Die beste Zeit dafür ist morgens nach dem Aufstehen. Setzen Sie sich ein paar Minuten hin und schreiben auf, was ihr Hirn hergibt.

Wenn es um die giftigen Gedanken geht, so besteht der erste Schritt, um sie los zu werden darin, die giftigen Gedanken überhaupt wahrzunehmen. Also beobachten Sie sich eine Woche selbst: Schreiben Sie ihre Gedanken und Gefühle in Situationen auf, in denen Sie starke Gefühle haben, in denen Sie sich über jemanden ärgern oder scheinbar grundlos sehr traurig sind. Starke Gefühle sind ein guter Hinweis auf giftige Gedanken, auch wenn sich nicht hinter jedem starken Gefühl ein giftiger Gedanke verbirgt.
Notieren Sie welche Reize (Gerüche, Bilder, Geräusche, Töne, Berührungen, Worte, Handlungen …) mit welchen Gedanken, Erinnerungen, starken Gefühlen, Einstellungen und Werthaltungen verbunden sind.

Weiter zu Giftige Gedanken 2.

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Hier geht es zum Amazon-Partnerlink von Wer hat mein Gehirn Ausgeschaltet?: Toxische Gedanken und Emotionen überwinden   von Dr. Caroline Leaf.

Der Sichere Ort und eine Ergänzung: „Ich bin sicher“-Baum

14.08.2013 Veröffentlicht von Strategien 1 Kommentare

Jeder, der mit traumatisierten Menschen arbeitet, kennt die Imaginations-/ Vorstellungsübung vom Sicheren Ort. Die Übung ist für jeden Menschen geeignet. Denn stressige Zeiten gibt es immer und dann einen sicheren Ort zu haben ist eine Wohltat. Der innere, sichere Ort unterstützt uns dabei, ein Gefühl von Sicherheit in einer unsicheren Welt aufzubauen. Für mich und meine Klienten ist der Sichere Ort ein Ort,

  1. zu dem niemand außer der Person, deren Sicherer Ort es ist, Zugang hat.
  2. von dem niemand außer der Bewohnerin weiß, wo er ist.
  3. an dem es alles hat, was man braucht, um sich wohl und sicher zu fühlen: Essen, Trinken, einen Schlafplatz, Sicherungsmaßnahmen (Passwörter, Unsichtbarkeit, Magische Schilde, Iris-Scan, Handabdruck, Schlüssel) und helfende Begleiter, zum Beispiel Krafttiere oder innere Helfer.

Hat die Klientin ein inneres Team, dann hat jede Innenperson einen eigenen Sicheren Ort. Dazu gibt es Gemeinsschafts-Sichere-Orte, an denen das Team sich treffen und gemeinsam aufhalten kann. Wird es jemandem zu viel, kann er sich aber an seinen eigenen Sicheren Ort zurückziehen.

Die Übung besteht darin, sich diesen Sicheren Ort immer wieder und möglichst detailliert und mit großer Sorgfalt auf die Sicherungsmechanismen vorzustellen. Wenn möglich beginnt man damit in einem Augenblick relativer äußerer Sicherheit, zum Beispiel in einer Therapiesitzung oder zu Hause an einem äußeren sicheren Ort. Das ist einfacher zu üben. Meine Klienten berichten gute Erfahrungen damit, den sicheren Ort vor dem Schlafengehen zu üben und sich an ihrem sicheren Ort schlafen zu legen.

Nach dem Lesen des Buches von Dr. Caroline Leaf (Who Switched Off My Brain?: Controlling Toxic Thoughts and Emotions) und der darin enthaltenen Bestätigung, dass wir unsere Hirnstrukturen durch unsere Gedanken beeinflussen und neuronale Verbindungen auf- und abbauen können, entwickelte ich zusammen mit einer Klientin eine neue Strategie, den Gedanken „Ich bin sicher“ zu verankern und zu üben.

Sie pflanzte an ihrem sicheren Ort einen Baum, der „Ich bin sicher“ heißt. Jetzt geht sie täglich an den sicheren Ort und der Ich-Bin-Sicher-Baum erinnert sie daran, dass sie ihre Angstgedanken gegen „Ich bin sicher“ austauschen möchte. Und so wie der Baum am sicheren Ort wächst, so wachsen auch die Nervenzellen/Neuronen und Synapsen im Gehirn, die den Gedanken „Ich bin sicher in der Welt“ repräsentieren.

Recht auf Notwehr – auch gegen innere Täter

04.08.2013 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Viele schwertraumatisierte Menschen kämpfen gegen innere Täteranteile. Wir Psychotherapeuten sprechen gerne von Täter-Introjekten, einfach gesagt Gedanken, Gefühle und Handlungen der betroffenen Person, welche dem Handeln, Fühlen und Denken des Täters/der Täter im Außen ähneln.

Ursprünglich übernahmen diese inneren Täteranteile eine positive Rolle. Sie schützten Betroffene vor vermehrter Gewalt oder z.B. auch davor, dass Drohungen des Täters von Gewalt gegen Dritte umgesetzt wurden.

Aber! Täterverhalten im Innen schützt auch immer die Täter im Außen. Denn selbstverletzendes Verhalten wird von Außen-Tätern dafür eingefordert, dass die betroffene Person sich irgendwelchen Regeln des Täters widersetzt, oft der Verschwiegenheit oder einer anderen Form der Unterwerfung. Diese Regeln schaffen Täter, damit sie nicht erwischt und von der Justiz für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden können. Das heißt, selbstverletzendes Verhalten in diesem Sinne ist Täterschutz.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Nicht alles selbstverletzende Verhalten ist als Täterschutz zu verstehen!

Und ganze wichtig: Täterschutz ist in diesem Sinne tatsächlich auch Schutz der Opfer, solange der oder die Täter Zugriff auf ihr Opfer haben.

Wenn es keinen Täterkontakt im Außen mehr gibt, kämpfen Betroffene trotzdem oft noch Jahre lang mit ihren inneren Tätern.

Ich kann sehen, dass innere Täteranteile ursprünglich positive Aufgaben haben. Trotzdem fand ich es naheliegend, dass für die innere Welt die gleichen Rechte und Gesetze gelten wie in der äußeren Welt.

Im Außen sind Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Nötigung, Entführung, Menschenhandel, Zwang zur Prostitution, Mord, Totschlag, Körperverletzung und schwere Körperverletzung (wenn eine Waffe im Spiel ist), Beleidigungen, Bedrohungen und andere Straftaten. Das Gesetz verbietet, dass ein Mensch einem anderen diese Dinge aufzwingt.

Damit wir uns schützen können, gibt es die Notwehr. Im Grunde ist es so, dass wenn jemand mich töten will, ich mein Leben verteidigen darf, auch wenn diese Verteidigung zum Tod meines Angreifers führt.

Das wäre der extremste Fall. Das deutsche Strafrecht erlaubt mir, mich zu wehren, auch wenn es dafür notwendig ist, selbst eine Straftat zu begehen. Also wenn jemand mich schlägt und ich nicht weglaufen kann, dann darf ich zurückschlagen. Wenn der andere dann eine blutige Nase hat, ist das zwar eine Körperverletzung, aber weil ich sie begangen habe, um mich zu wehren, ist sie gerechtfertigt. Das ist einfach gesagt und ohne Anspruch auf juristische Korrektheit. Im konkreten Einzelfall entscheidet so etwas ein Richter. Aber prinzipiell dürfen wir uns mit allen notwendigen Mitteln wehren.

Ich bin der Meinung, dass das auch in der inneren Welt so gilt. Auf dieser Annahme aufbauend schlage ich imaginative Strategien vor, die ich gleich beschreiben werde. Jedoch, dafür, dass die folgenden Beschreibungen und Vorschläge funktionieren können, ist es meiner Meinung nach notwendig, dass es keinen Täterkontakt im Außen mehr gibt. Meine Erfahrung zeigt, dass es leichter und manchmal erst möglich ist, diese Techniken einzusetzen, wenn es jemanden – in der Regel eine erfahrene Therapeutin – gibt, die einen bei der Umsetzung unterstützt.

1.    Strategie: In Rente schicken an den sicheren Ort

Manche Innenpersonen, die einem „zum Schutz“ schaden wollen, kann man davon überzeugen, sich an ihrem sicheren Ort zur Ruhe zu setzen, also in Rente zu gehen. Ihre Aufgabe ist erledigt. Den äußeren Grund für ihr Dasein gibt es nicht mehr, weil es keinen Täterkontakt mehr gibt. Deswegen kann die Chefin oder können die Chefs des inneren Teams (diesen Begriff finde ich schöner und treffender als „System“ oder auch „Viele“) die Verantwortung dafür übernehmen, für die Sicherheit von allen zu sorgen. Das geht natürlich nur, wenn die Chefin oder die Chefs auch tatsächlich schon genug über gesundes Sicherheitsverhalten und Risikominimierung gelernt haben.

2.    Strategie: Schlafen legen, das künstliche Koma

Andere Innenpersonen wollen ihrem Team nicht wehtun, haben aber das Gefühl, es zu müssen, weil sie so große Angst vor jemandem haben (innen oder außen). Dann sind diese Innenpersonen oft froh, wenn sie eine Auszeit in einer inneren, sicheren Klinik/Hotel/sicherer Ort machen dürfen, wo sie im künstlichen Koma schlafen und sich ausruhen können. Wenn sie möchten können sie für eine begrenzte Zeit schlafen und wenn sie möchten auch mit Kopfhörern auf den Ohren. Von Band bekommen sie dann gesagt, dass sie jetzt sicher sind und dass die Chefin des inneren Teams die Verantwortung und Sorge für alle übernimmt und dafür, dass alle im Außen sicher sind.
Es kann notwendig sein, eine Innenperson als Akt der Notwehr mit Zwang Schlafen zu legen. Ich kann mir vorstellen, dass das nur mit Hilfe einer Therapeutin in der Außenwelt geht. Ich beschreibe das Vorgehen trotzdem:
Wenn eine Innenperson zwar niemandem schaden will, aber sich weigert, freiwillig einen Runde zu schlafen, bis sie sich nicht mehr gezwungen sieht, den anderen im Team zu schaden, dann sehe ich es als einen Akt der Notwehr an, diese Innenperson mit Zwang „schlafen zu legen“. Dafür wird diese Innenperson in der inneren Welt auf eine Liege gelegt, von Innen-Polizisten festgehalten und bekommt von einem Innen-Arzt ausschließlich auf Anweisung der Chefin des Teams eine Infusion gelegt und wird auch nur auf Anweisung der Teamchefs schlafen gelegt. Die Innenperson wird dabei (von der Therapeutin im Außen) begleitet und gestützt, auch wenn sie schimpft und fleht und zornt. Und immer daran denken, das ist ein Akt der Notwehr! Wenn die Innenperson sich sehr wehrt, kann das wie in der Außen-Welt eine Weile dauern und eine Menge Schlafmittel in der inneren Welt benötigen. Wenn die Innenperson schläft, wird sie an einen sicheren Ort verbracht, an dem gut für sie gesorgt wird, bis das Team/Chefin entscheidet, sie wieder aufzuwecken.

3.    Strategie: Notwehr: Raketisieren, die Reise ins schwarze Loch

Klienten und / oder das innere Team haben das Recht, sich gegen Täter-Anteile zu wehren, die jemanden aus dem Team im Innen oder im Außen verletzen wollen, sei es durch nicht essen und nicht trinken, nicht schlafen lassen, Erinnerungen hervorholen und immer wieder aktivieren, sich überfordern, sich schneiden, sich verbrennen, sich umbringen sollen oder irgendeine andere Form der Selbstverletzung.

Versucht ein Täteranteil jemanden zu töten, geht er das Risiko ein, dass sein Opfer sich ganz legal wehrt. Gleichzeitig geht der Täteranteil dabei auch bewusst das Risiko ein, selbst getötet zu werden. Es gibt Täteranteile, denen das sehr bewusst ist, dass sie sich selbst und alle anderen vom Team umbringen wollen und die nicht mit sich verhandeln lassen.

An der Stelle schlage ich dann vor, sich entsprechend zu wehren. Diese unbelehrbaren Täteranteile werden von den inneren Polzisten in eine Rakete gesetzt und warten dort darauf, bis die Chefin/das Team den Startknopf drückt, um die Rakete zu zünden. Die Rakete fliegt dann in ein Schwarzes Loch, wo alle auf Nimmer-Wiedersehen verschwinden. Ich nenne das Raketisieren.
Taucht die Sorge auf, dass jemand aus dem Schwarzen Loch zurückkehren könnte, dann sollte man sich klar machen, dass das zum einen nicht geht und dass im schwarzen Loch alles umgekehrt wird. Es ist die Rückseite vom Universum sozusagen, das heißt, dass alle „Bösen“ in „Gute“ verwandelt werden. Und für wen das passt, der schickt sie ins Schwarze Loch zu Gott, der kümmert sich dann schon um die Bösen.

Belohnung & Strafe: Wie aus Strafen Belohnungen werden

31.07.2013 Veröffentlicht von Strategien 1 Kommentare

Wenn es eine große Tendenz zur Selbstbestrafung gibt, dann hatte ich schon gute Erfolge damit, „echte“ Strafen einzuführen. Sich selbst zu verletzen, zu schneiden, nicht zu essen, nicht zu trinken, sich selbst mit Erinnerungen zu quälen sind in meinen (therapeutischen) Augen keine „echten“ Strafen, weil Betroffene wissen, was kommt. Es ist weniger Überwindung, weniger negativ, weil es den Druck, sich selbst für etwas bestrafen zu müssen, verringert, also entlastet.

Derjenige (Täter/Innenperson/innerer Anteil/Täterintrojekt), der die Selbstbestrafung will, will eine echte Strafe für ein echtes Vergehen. Das Vergehen ist zum Beispiel das Erzählen von Erinnerungen oder von Dingen, die der Täter gerne geheim weiß. Die Selbstbestrafung dient in letzter Konsequenz dem Schutz des Täters. Denken Sie es durch! Bis zu Ende! Würden Sie als Betroffene oder Ihre Klienten sich nicht selbst bestrafen, käme alles heraus. Täter müssten sich verantworten für ihre Taten.

Den „inneren Täter“ (Innenanteil von Tätern/den eigenen Gedanken/Täterintrojekt) zu überwinden könnte folgende Argumentation zu Grunde liegen: „Wenn Du willst, dass ich mich für das Erzählen dieser Erinnerung bestrafe, dann sollte es doch eine richtige Strafe sein, oder? Eine Strafe ist etwas, dass mir richtig schwer fällt, was mir „weh“ tut. Nichts zu essen oder mich vollzustopfen oder mich zu schneiden tut mir nicht wirklich weh. Das kenne ich schon. Was mir wirklich „weh“ tun würde und was mir wirklich Angst macht, wozu ich mich wirklich überwinden muss, ist eine Freundin anzurufen und zusammen ein Eis essen zu gehen. Deswegen, weil Du ja willst, dass ich mich bestrafe, werde ich das ab jetzt  machen :-)“

Betroffene sind sich darüber bewusst, dass sie damit sich selbst und den inneren Täter hinters Licht führen. So kann diese Strategie ein Zwischenschritt in der Auflösung selbstverletzenden Verhaltens sein.

Die „echte“ Strafe kann alles sein, was Spaß macht und einem schwer fällt.

Und wie immer funktioniert auch das nicht für jeden, aber vielleicht für Sie?

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