"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

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Gewalt oder Strafe? Das ist hier die Frage.

15.02.2016 Veröffentlicht von Definitionen 0 Kommentare

Menschen, die ich als Täter bezeichne, weil sie anderen Menschen meist vorsätzlich, also mit Absicht Schaden zufügen, bedienen sich teilweise einer wirklich fiesen Verwirrtaktik. Sie behaupten, dass der Schaden, den sie dem anderen zufügen eine Strafe sei. Vor allem als Kinder und Jugendliche sind wir dieser Täterlüge wehrlos ausgeliefert. Für alle, die sowas gesagt bekommen haben, hier mal der Unterschied zwischen einer Strafe und Gewalt.

Eine Strafe ist

  • Angekündigt (Wenn Du Dein Zimmer nicht aufräumst, gibt es Computerverbot)
  • und damit vorhersehbar (Wenn ich mein Zimmer nicht aufräume, weiß ich, dass ich Computerverbot bekomme)
  • und damit auch vermeidbar (Wenn ich aufräume, bekomme ich kein Computerverbot)
  • das unerwünschte Verhalten wird vorher benannt und die Konsequenz, die einem Nicht-Befolgen folgt, wird ebenfalls benannt, bevor die Spielregel (oder ein Gesetz) in Kraft tritt. (Gestern hast Du nicht aufgeräumt. Ab heute gilt: wenn Du Dein Zimmer nicht aufräumst, gibt es Computerverbot.)

Gewalt ist

  • Nicht zuverlässig angekündigt und nicht sachlich nachvollziehbar begründet. (Wenn ich mein Zimmer aufräumen soll, dann mache ich das. Aber wenn der Vater betrunken nach Hause kommt und schwankt und meine Bücher aus dem Regal reißt, dann schreit er mich an, was ich für eine Unordnung habe)
  • Sie ist nicht klar vorhersehbar, auch wenn Betroffene einen 7.ten Sinn für das Auftreten von Gewalt entwickeln können. (Wenn der Vater auf eine bestimmte Art die Treppe hochkommt, dann weiß ich, dass er betrunken oder schlecht drauf ist und dann schlägt er wahrscheinlich wieder um sich)
  • Gewalt ist letztendlich nicht vermeidbar. Der Täter entscheidet, ob er Gewalt macht oder nicht. (Egal, was ich tue, ich habe keinen Einfluss darauf, ob der Vater trinkt oder nicht und ob er dann um sich schlägt und ob es mich erwischt oder meinen Bruder oder meine Mutter)
  • Der Täter rechtfertigt sein gewalttätiges Verhalten manchmal DANACH, indem er behauptet, das sei jetzt eine Strafe für ein unerwünschtes Verhalten gewesen oder sei notwendig gewesen oder das Opfer hätte die Ursache dafür gesetzt. (Mein Vater hat meine Bücher aus dem Regal gerissen. Er wird wütend und schlägt um sich. Anschließend sagt er: „Du weißt doch, dass ich Unordnung hasse. Du bist selbst schuld, dass ich Dich jetzt bestrafen musste. Hättest Du aufgeräumt, wäre nichts passiert.“ – Aber er hat die Bücher ja aus dem Regal gerissen weil er schwankte und sich daran festhielt. ICH hatte mein Zimmer ordentlich. ER hat die Unordnung gemacht. Aber ICH bekomme die Schläge dafür.)

Strafen gibt es normalerweise von Eltern oder durch unser Rechtssystem, so wie es im Gesetz beschrieben steht. Manchmal hat auch jemand anderes wie ein Chef oder ein Mitarbeiter von einer Behörde die Möglichkeit, uns zu bestrafen, weil er die Macht dazu hat.

Strafen sind vermeidbar. Gewalt nicht.

Belohnung & Strafe: Wie aus Strafen Belohnungen werden

31.07.2013 Veröffentlicht von Strategien 1 Kommentare

Wenn es eine große Tendenz zur Selbstbestrafung gibt, dann hatte ich schon gute Erfolge damit, „echte“ Strafen einzuführen. Sich selbst zu verletzen, zu schneiden, nicht zu essen, nicht zu trinken, sich selbst mit Erinnerungen zu quälen sind in meinen (therapeutischen) Augen keine „echten“ Strafen, weil Betroffene wissen, was kommt. Es ist weniger Überwindung, weniger negativ, weil es den Druck, sich selbst für etwas bestrafen zu müssen, verringert, also entlastet.

Derjenige (Täter/Innenperson/innerer Anteil/Täterintrojekt), der die Selbstbestrafung will, will eine echte Strafe für ein echtes Vergehen. Das Vergehen ist zum Beispiel das Erzählen von Erinnerungen oder von Dingen, die der Täter gerne geheim weiß. Die Selbstbestrafung dient in letzter Konsequenz dem Schutz des Täters. Denken Sie es durch! Bis zu Ende! Würden Sie als Betroffene oder Ihre Klienten sich nicht selbst bestrafen, käme alles heraus. Täter müssten sich verantworten für ihre Taten.

Den „inneren Täter“ (Innenanteil von Tätern/den eigenen Gedanken/Täterintrojekt) zu überwinden könnte folgende Argumentation zu Grunde liegen: „Wenn Du willst, dass ich mich für das Erzählen dieser Erinnerung bestrafe, dann sollte es doch eine richtige Strafe sein, oder? Eine Strafe ist etwas, dass mir richtig schwer fällt, was mir „weh“ tut. Nichts zu essen oder mich vollzustopfen oder mich zu schneiden tut mir nicht wirklich weh. Das kenne ich schon. Was mir wirklich „weh“ tun würde und was mir wirklich Angst macht, wozu ich mich wirklich überwinden muss, ist eine Freundin anzurufen und zusammen ein Eis essen zu gehen. Deswegen, weil Du ja willst, dass ich mich bestrafe, werde ich das ab jetzt  machen :-)“

Betroffene sind sich darüber bewusst, dass sie damit sich selbst und den inneren Täter hinters Licht führen. So kann diese Strategie ein Zwischenschritt in der Auflösung selbstverletzenden Verhaltens sein.

Die „echte“ Strafe kann alles sein, was Spaß macht und einem schwer fällt.

Und wie immer funktioniert auch das nicht für jeden, aber vielleicht für Sie?

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