"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Posts zum Tag "Haltung"

Impulse und Zitate (24)

21.08.2015 Veröffentlicht von Impulse und Zitate 0 Kommentare

Ich liebe und akzeptiere mich

so wie ich gerade bin.

Meine absolute Lieblingsaffirmation. Im Grunde dürfen alle meine Klienten, bei denen wir gemeinsam feststellen, dass das Selbstwertgefühl nicht auf der Höhe ist, mit diesem Satz arbeiten.

Arbeiten bedeutet, möglichst oft wiederholen und Beweise wahrnehmen (Giftige Gedanken). Das mit dem Wiederholen ist tückisch und so geht es oft darum, wie kann man sich selbst an die Wiederholung erinnern? Hier ein kreatives Beispiel dafür:

IchLiebeUndAkzeptiereMich(c), 2015 D.E.

Warum nicht ein Bild malen? Warum den Satz nicht als Bildschirmschoner auf PC oder Handy programmieren? Was die heutigen Handys so können, ist beeindruckend. Für alles gibt es eine APP, ganz bestimmt auch dafür, sich einen eigenen Satz aufs Display zu zaubern. Und warum nicht ein Foto des Satzes als Hintergrundbild? Oder einen eigenen Klingelton, der mich an den Satz erinnert, wie zum Beispiel das Lied „I love how you love me„, das könnte mich daran erinnern: „I love how I love me“.

Seien Sie kreativ!

Leserfrage: Wie kann ich für meine Partnerin da sein und gleichzeitig für mich selbst sorgen?

28.06.2015 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Nach inzwischen 2 Jahren, in denen ich meiner traumatisierten Freundin jetzt schon beiseite stehen darf, muss ich leider nach ausgiebiger Selbstprüfung sagen, dass es mir weit mehr an die Substanz geht, als ich gern zugeben will. Und seit ein paar Monaten bin ich darüber hinaus, was ich als meine „Belastbarkeitsgrenze ohne weitere Nebenwirkungen“ definieren würde.
Gibt es außer den üblichen Tipps „Kümmern Sie sich auch um sich selbst!“ und „Treffen Sie regelmäßig ihre Freunde und nicht nur Ihren Partner.“ auch noch andere, die helfen könnten? Zum Beispiel eine Sicht der Dinge, die es manchen erleichtert solche schwierigen Umstände hinzunehmen?

Lieber Leser,

aus meiner Sicht gibt es im Grunde nur eine Haltung, die es einem leichter macht:
Jeder ist für sich selbst verantwortlich und hat auch das Recht, dass es ihm schlecht gehen darf und vor allem das Recht, selbst über sein Leben zu entscheiden.

Es ist die schwierigste Übung von allen, mit einem leidenden/kranken Menschen eine Partnerschaft zu leben. Es fordert uns auf, bedingungslos zu lieben. Und das, wo wir selbst auch bedürftig sind und auch geliebt werden wollen.

Am meisten hilft mir da mein Glaube. Viele Menschen fragen, wie kann Gott das zulassen? Und weil sie keine passende und nachvollziehbare Antwort bekommen, verzweifeln sie. Mir hat in diesem Fall das Buch „Die Hütte“ die wichtigste Erkenntnis geliefert. Ich habe viel aus Büchern gelernt. Viele sind mir „zugefallen“ und dann sind Menschen in mein Leben getreten und haben mich berührt. Irgendwann habe ich begriffen, dass es jemanden gibt, der sich um mich sorgt. So hat Gott mich irgendwann erreicht. Seitdem gehe ich leichter durchs Leben und doch auch schwerer, weil die Aufgaben emotional anspruchsvoller werden.

Eine weitere sehr heilsame Haltung ist: Ich liebe und akzeptiere mich, so wie ich gerade bin. Das kann man vielleicht nicht immer sagen oder fühlen, aber es bedeutet, dass ich mich in meiner Hilflosigkeit und Schwäche genauso annehme wie in meiner Kraft, meiner Kompetenz, meiner Liebe und meinem Gefühl von Einfluss und Kontrolle. Es ist die Kehrseite von der Überzeugung, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist.
Denn wenn jeder verantwortlich nur für sich selbst ist, dann werden wir unweigerlich Momente der Ohnmacht erleben. Zu akzeptieren, dass diese genauso zu uns dazu gehören, wie unsere Macht oder unser Einfluss, ist die stärkste Waffe gegen die Hoffnungslosigkeit.

Daran schließt sich für mich die Überzeugung: Egal was kommt, ich finde eine Lösung. Irgendwie wird es weitergehen und wieder gut werden.
Was das angeht, habe ich als Traumatherapeutin in all den Jahren von all den Menschen gelernt, denen ich begegnen durfte. Sie haben mir genau das beigebracht. Einen Teil habe ich mit 17 Jahren erfahren, als ich selbst am Abgrund stand und einen Nervenzusammenbruch erlitt, weil ich mit meinem Leben einfach überfordert war. Depressiv. Ich habe es erlebt, diese Lähmung, diese Antriebslosigkeit, diese Freudlosigkeit, dieses Egal-Gefühl selbst für die Dinge, die man bisher geliebt hat. Aber es ging vorbei. Irgendwann habe ich mich aufgerafft und hab einfach weiter gemacht. Ich fing an, meinem Inneren kreativen Ausdruck zu geben. Das tue ich noch. Meine beste Form der Psychohygiene. Was ist Ihre? Wo lassen Sie ihre Gefühle? In einem Tagebuch? In Gedichten? Geschichten? Bilder? Es ist gut, eine Möglichkeit zu haben, das, was wir an Verzweiflung spüren, in irgendeiner Form auszudrücken. Im Idealfall auch mit Worten.
Irgendwann habe ich das Licht am Ende der Depression gesehen. Ich habe gelernt, dass ich mich immer wieder ausruhen darf und dass meine Kraft dann wiederkommt. Eine Therapie damals hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet und mich zum großen Teil zu der Therapeutin gemacht, die ich heute bin.

Insofern ist die Frage, wo Sie Ihre Gefühle lassen? Ihre Verzweiflung? Ihre Ohnmacht? Denn egal was Sie tun im Leben, diese Momente der ohnmächtigen Liebe wird es wahrscheinlich geben. Trotzdem ist es wichtig, sein Herz nicht zu verschließen, sondern immer wieder zu öffnen. Das Herz gut zu behüten, aber nicht verschlossen zu halten. In dem Moment wo wir es öffnen, sind wir verletzlich. Oft genug werden wir dann verletzt. Und trotzdem: wenn wir uns geheilt haben, öffnen wir uns wieder und beschenken die Welt mit der Liebe, die uns gegeben ist. So bleiben wir fühlend und lebendig. Das geht nicht ohne Leid. Glaube ich bis jetzt noch. Aber wer weiß, vielleicht belehrt mich das Leben da irgendwann eines Besseren.

Bleiben Sie sie selbst. Und ja, sorgen Sie für sich! Suchen Sie die Dinge im Leben, die Ihnen unabhängig von einer Partnerschaft, unabhängig von jeder Partnerschaft und Freundschaft Freude schenken. Etwas, wo Sie sie selbst sein dürfen und auf niemanden Rücksicht nehmen, sondern einfach sind.

Gleichzeitig bin ich auch davon überzeugt, dass Sie in aller Weisheit erkannt haben, dass die Haltung entscheidend ist, die Haltung mit der wir dem Leben begegnen.

Und wie wir dem Leben begegnen, das können wir entscheiden. Jeden Tag aufs Neue und ganz bewusst und deswegen frei!

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Was wäre wenn …..?

06.03.2015 Veröffentlicht von Lesestoff, Strategien 0 Kommentare

Der Möglichkeitssinn von Robert Musil: „Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, dass er seine Daseinsberechtigung hat, dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann. Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; und wenn man ihm von irgendetwas erklärt, dass es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.“

Kein ganz einfacher Text. Zumindest musste ich ihn mehrmals lesen, bis ich verstand, worum es geht. Oder zumindest eine Idee hatte, was er mir sagte.

Dann fand ich die Botschaft berauschend schön.

  • Wie wäre es, ich müsste nicht mehr fest davon überzeugt sein, dass der andere mir nicht glaubt, wenn ich ihm etwas erzähle?
  • Wie wäre es, wenn ich nicht mehr fest davon überzeugt wäre, dass das Schweigen meines Partners Ausdruck dafür ist, dass er sich nicht für mich interessiert?
  • Wie wäre es, wenn ich nicht mehr fest davon überzeugt sein müsste, dass die Welt sich gegen mich verschworen hat?
  • Wie wäre es, wenn ich nicht mehr fest davon überzeugt sein müsste, dass mein Nachbar nur deswegen laut ist, weil er mich ärgern will?
  • Wie wäre es, wenn ich nicht mehr fest davon überzeugt sein müsste, dass mein Partner mich nicht liebt, wenn er erst spät von der Arbeit nach Hause kommt?
  • Wie wäre es, wenn ich nicht mehr fest davon überzeugt sein müsste, dass ein Täter es ernst meint, wenn er sagt: „Ich bring Dich um, wenn Du nicht so tust wie ich das will.“?

Wie wäre es, wenn mir sofort tausend andere Erklärungen einfallen würden?

Wie wäre es, wenn ich mir vorstellen könnte, dass der andere mir nicht glaubt,

  • weil er zu wenig Phantasie hat,
  • oder Angst davor hat, was ich ihm erzähle und dass es wahr sein könnte.
  • Wenn er es nicht glaubt, weil er andere Informationen hat, von denen ich nichts weiß.

Wie wäre es, wenn ich mir vorstellen könnte, dass mein Partner schweigt,

  • weil er mit dem, was ich tue oder sage überfordert ist
  • oder weil er so gestresst ist, dass er nicht mehr sprechen kann
  • oder er einfach müde ist und keine Lust hat zu reden
  • oder in Gedanken noch mit etwas beschäftigt ist und mich gar nicht gehört hat und deswegen nicht antwortet?

Wie wäre es, wenn ich mir vorstellen könnte, dass mir unangenehme oder belastende Dinge passieren,

  • weil ich einfach Pech hatte
  • oder die Menschen um mich herum feige sind
  • oder selbst schlechte Erfahrungen gemacht haben und mit sich selbst beschäftigt sind und sich deswegen nicht interessieren können
  • oder weil ich Mundgeruch habe
  • oder weil ich tue, was den anderen ein schlechtes Gefühl macht und sie mich deswegen nicht mögen und mich ignorieren? (neue Haltung/neuer Glaubenssatz: Jeder hat das Recht auf sein eigenes Problem –> siehe giftige Gedanken)

Wie wäre es, wenn ich mir vorstellen könnte, dass mein Nachbar laut ist,

  • weil er schwerhörig ist und selbst nicht hört, was er für einen Krach macht,
  • oder wenn er unzufrieden mit seinem Leben ist und das an seinen Möbeln rauslassen muss
  • oder ich einfach etwas geräuschempfindlich bin und die anderen Nachbarn den Krach gar nicht so laut empfinden
  • oder wenn mein Nachbar einfach ein Hobby hat, das er braucht, um seinen Stress abzubauen wie zum Beispiel Holzhacken?

Wie wäre es, wenn ich mir vorstellen könnte, dass mein Partner spät von der Arbeit heimkommt,

  • weil sein Chef ihm noch etwas aufgebrummt hat
  • oder es einen Notfall gegeben hat
  • oder einem Kollegen etwas Schlimmes passiert ist und mein Partner seinem Kollegen beistehen wollte.

Was wäre, wenn ich mir vorstellen könnte, dass ein Täter Angst hat vor mir

  • und dem Gefängnis und deswegen droht?
  • Wenn er nur droht in der Hoffnung, dass ich nichts sage, aber er genau weiß, dass er mich nie töten würde, egal wie sehr er versucht mich davon zu überzeugen, weil er weiß, dass ein Mord in den meisten Fällen aufgeklärt wird und er damit ins Gefängnis wandern würde?

Was wäre, wenn ich mir vorstellen könnte, dass ich die Welt nur auf die Weise sehe, die ich gelernt habe zu sehen, dass ich aber phantasiebegabt bin und mir viele andere Perspektiven und Sichtweisen vorstellen kann, die mir das Leben leichter machen?

Was wäre, wenn ich nicht glauben müsste, dass alles um mich herum mit mir zu tun hat, sondern im Gegenteil fast nichts bis gar nichts etwas mit mir zu tun hat sondern das Ergebnis dessen ist, was der andere gelernt hat zu sehen (ich nenne das kindlicher Größenwahnsinn)?

Es wäre unsere Möglichkeit auf Freiheit. Wahre Freiheit.

Der erste Schritt dazu? Entwickeln Sie Ihren Möglichkeitssinn!

Welche anderen Erklärungen können Sie sich vorstellen?
Was sind andere mögliche Gründe für das Verhalten einer Person?

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Dipl.-Psych. Stefanie Rösch
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