"Überwundene Angst bringt Freiheit und Verantwortung" – Stefanie Rösch, 2013

Posts zum Tag "Akzeptanz"

Leserfrage: Wie kann ich für meine Partnerin da sein und gleichzeitig für mich selbst sorgen?

28.06.2015 Veröffentlicht von Leserfragen 0 Kommentare

Nach inzwischen 2 Jahren, in denen ich meiner traumatisierten Freundin jetzt schon beiseite stehen darf, muss ich leider nach ausgiebiger Selbstprüfung sagen, dass es mir weit mehr an die Substanz geht, als ich gern zugeben will. Und seit ein paar Monaten bin ich darüber hinaus, was ich als meine „Belastbarkeitsgrenze ohne weitere Nebenwirkungen“ definieren würde.
Gibt es außer den üblichen Tipps „Kümmern Sie sich auch um sich selbst!“ und „Treffen Sie regelmäßig ihre Freunde und nicht nur Ihren Partner.“ auch noch andere, die helfen könnten? Zum Beispiel eine Sicht der Dinge, die es manchen erleichtert solche schwierigen Umstände hinzunehmen?

Lieber Leser,

aus meiner Sicht gibt es im Grunde nur eine Haltung, die es einem leichter macht:
Jeder ist für sich selbst verantwortlich und hat auch das Recht, dass es ihm schlecht gehen darf und vor allem das Recht, selbst über sein Leben zu entscheiden.

Es ist die schwierigste Übung von allen, mit einem leidenden/kranken Menschen eine Partnerschaft zu leben. Es fordert uns auf, bedingungslos zu lieben. Und das, wo wir selbst auch bedürftig sind und auch geliebt werden wollen.

Am meisten hilft mir da mein Glaube. Viele Menschen fragen, wie kann Gott das zulassen? Und weil sie keine passende und nachvollziehbare Antwort bekommen, verzweifeln sie. Mir hat in diesem Fall das Buch „Die Hütte“ die wichtigste Erkenntnis geliefert. Ich habe viel aus Büchern gelernt. Viele sind mir „zugefallen“ und dann sind Menschen in mein Leben getreten und haben mich berührt. Irgendwann habe ich begriffen, dass es jemanden gibt, der sich um mich sorgt. So hat Gott mich irgendwann erreicht. Seitdem gehe ich leichter durchs Leben und doch auch schwerer, weil die Aufgaben emotional anspruchsvoller werden.

Eine weitere sehr heilsame Haltung ist: Ich liebe und akzeptiere mich, so wie ich gerade bin. Das kann man vielleicht nicht immer sagen oder fühlen, aber es bedeutet, dass ich mich in meiner Hilflosigkeit und Schwäche genauso annehme wie in meiner Kraft, meiner Kompetenz, meiner Liebe und meinem Gefühl von Einfluss und Kontrolle. Es ist die Kehrseite von der Überzeugung, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist.
Denn wenn jeder verantwortlich nur für sich selbst ist, dann werden wir unweigerlich Momente der Ohnmacht erleben. Zu akzeptieren, dass diese genauso zu uns dazu gehören, wie unsere Macht oder unser Einfluss, ist die stärkste Waffe gegen die Hoffnungslosigkeit.

Daran schließt sich für mich die Überzeugung: Egal was kommt, ich finde eine Lösung. Irgendwie wird es weitergehen und wieder gut werden.
Was das angeht, habe ich als Traumatherapeutin in all den Jahren von all den Menschen gelernt, denen ich begegnen durfte. Sie haben mir genau das beigebracht. Einen Teil habe ich mit 17 Jahren erfahren, als ich selbst am Abgrund stand und einen Nervenzusammenbruch erlitt, weil ich mit meinem Leben einfach überfordert war. Depressiv. Ich habe es erlebt, diese Lähmung, diese Antriebslosigkeit, diese Freudlosigkeit, dieses Egal-Gefühl selbst für die Dinge, die man bisher geliebt hat. Aber es ging vorbei. Irgendwann habe ich mich aufgerafft und hab einfach weiter gemacht. Ich fing an, meinem Inneren kreativen Ausdruck zu geben. Das tue ich noch. Meine beste Form der Psychohygiene. Was ist Ihre? Wo lassen Sie ihre Gefühle? In einem Tagebuch? In Gedichten? Geschichten? Bilder? Es ist gut, eine Möglichkeit zu haben, das, was wir an Verzweiflung spüren, in irgendeiner Form auszudrücken. Im Idealfall auch mit Worten.
Irgendwann habe ich das Licht am Ende der Depression gesehen. Ich habe gelernt, dass ich mich immer wieder ausruhen darf und dass meine Kraft dann wiederkommt. Eine Therapie damals hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet und mich zum großen Teil zu der Therapeutin gemacht, die ich heute bin.

Insofern ist die Frage, wo Sie Ihre Gefühle lassen? Ihre Verzweiflung? Ihre Ohnmacht? Denn egal was Sie tun im Leben, diese Momente der ohnmächtigen Liebe wird es wahrscheinlich geben. Trotzdem ist es wichtig, sein Herz nicht zu verschließen, sondern immer wieder zu öffnen. Das Herz gut zu behüten, aber nicht verschlossen zu halten. In dem Moment wo wir es öffnen, sind wir verletzlich. Oft genug werden wir dann verletzt. Und trotzdem: wenn wir uns geheilt haben, öffnen wir uns wieder und beschenken die Welt mit der Liebe, die uns gegeben ist. So bleiben wir fühlend und lebendig. Das geht nicht ohne Leid. Glaube ich bis jetzt noch. Aber wer weiß, vielleicht belehrt mich das Leben da irgendwann eines Besseren.

Bleiben Sie sie selbst. Und ja, sorgen Sie für sich! Suchen Sie die Dinge im Leben, die Ihnen unabhängig von einer Partnerschaft, unabhängig von jeder Partnerschaft und Freundschaft Freude schenken. Etwas, wo Sie sie selbst sein dürfen und auf niemanden Rücksicht nehmen, sondern einfach sind.

Gleichzeitig bin ich auch davon überzeugt, dass Sie in aller Weisheit erkannt haben, dass die Haltung entscheidend ist, die Haltung mit der wir dem Leben begegnen.

Und wie wir dem Leben begegnen, das können wir entscheiden. Jeden Tag aufs Neue und ganz bewusst und deswegen frei!

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Das Trauma akzeptieren?

17.10.2014 Veröffentlicht von Strategien 0 Kommentare

Was meinen wir Therapeuten, wenn wir sagen, es ist notwendig, das Trauma zu akzeptieren?

In erster Linie geht es darum, dass es meiner Erfahrung nach keinen gesunden Weg gibt, eine belastende Lebenserfahrung zu vergessen. Sie ist passiert. Niemand kann das ungeschehen machen.

Natürlich wünschen wir uns alle, dass es nicht geschehen wäre. Am liebsten wollen wir es vergessen. Unser Gehirn ist nicht dazu gemacht, hilfreiche Informationen zu vergessen. Hilfreich zum Überleben. Vielleicht kommt das irgendwann. Vielleicht muss sich unser Gehirn an die neuen Umstände dieser Zeit anpassen: Viele Menschen auf engem Raum, keine echten Fressfeinde für Menschen, die Gefahren drohen von unseren Mitmenschen und den Dingen, die wir zu unserer Bequemlichkeit geschaffen haben. Wir nennen das Fortschritt. Schlimme Dinge geschehen heute durch den Fortschritt. Wir produzieren Autounfälle, Zugunglücke, Atomunfälle. Die Natur schlägt in Form von Vulkanausbrüchen, Tsunami und Stürmen aller Art zu, aber das hat sie schon immer getan.

Die Aufgabe unseres Gehirns ist, Überleben zu sichern. Dafür ist es nötig, dass Erinnerungen abgespeichert werden. Ganz besonders Erinnerungen an gefährliche Situationen. Allerdings produziert das Hirn aufgrund der heutigen Umstände viel zu viele Fehlalarme. Daher die Beschwerden der Posttraumatischen Belastungsstörung.

Wenn man diesen Fehlalarmen etwas entgegensetzen will, dann kann man sie nicht einfach ignorieren. Es ist wichtig, sie als das wahrzunehmen, was sie sind: Fehlalarme. In der Traumatherapie können Sie das „System-Gehirn“ neu einstellen. Das ist es, was Sie bei mir lernen: Wie Sie die Fehlalarme von den echten und sinnvollen Alarmen unterscheiden können und wie Sie ihrem Hirn beibringen, weniger Fehlalarme zu machen. Das kann ich Ihnen aber nur beibringen, wenn Sie bereit sind zu sagen: „Ja, ich habe eine Verletzung (Trauma) erlitten. Ich brauche Hilfe.“ Solange Sie so tun als wäre nichts geschehen, wird sich nichts ändern können.

Das ist der Grund, warum es wichtig ist, das zu akzeptieren, was einem geschehen ist, und dann jemanden zu suchen, der einem zeigen kann, wie man mit den Beschwerden umgehen kann.

Muss ich akzeptieren, dass das Trauma ein Teil von mir ist, um wieder gesund werden zu können?

12.04.2014 Veröffentlicht von Lesestoff 0 Kommentare

Ich sehe ein Trauma nicht als Teil von mir oder einer betroffenen Person. Wenn Sie traumatisiert sind. Dann haben Sie mindestens eine belastende Erfahrung gemacht und diese Erfahrung ist als Erinnerung in Ihrem Körper abgespeichert.

Diese Erinnerung hat Auswirkungen auf Ihren Körper (PTBS), Ihr Denken (Giftige Gedanken) und Fühlen. Ja, das müssen Sie akzeptieren, dass Ihnen diese Erfahrung wiederfahren ist. Die Folgen, die Beschwerden, die Sie haben, sind Ihre und Sie allein sind dafür verantwortlich. Der Täter ist verantwortlich für die Tat. Sie sind verantwortlich dafür, was Sie daraus, also aus Ihren Beschwerden, machen. Niemand sonst kann daran etwas ändern außer Sie.

Oft genug ist es ein schmerzhafter Prozess zu akzeptieren, dass einem schlimme Dinge passiert sind, dass man etwas nicht bekam, was man als Kind hätte bekommen sollen. Ob dass dann Sicherheit gewesen wäre oder Liebe oder Anerkennung und Wertschätzung oder einfach nur Freude, pure blanke Lebensfreude, es tut alles weh, was wir nicht bekommen haben.

Der Weg in die Heilung geht aus meiner Erfahrung tatsächlich über die Bereitschaft, sich selbst so anzunehmen wie man jetzt gerade ist. Mit allen Erinnerungen und Erfahrungen, die wir gemacht haben, mit unserem Körper, unseren Gedanken und Gefühlen und dem, was wir auf unseren Lebensweg mitbekommen haben. Einfach das ganze Paket.

Wenn Sie es schaffen, sich selbst so zu akzeptieren, wie Sie jetzt gerade sind, dann liegt darin die ganze Freiheit, sich nach Belieben zu verändern.

Gesunder Gedanke: Ich liebe und akzeptiere mich so wie ich gerade bin.

Sylt 2 2014(c) Anke Rösch, 2014

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